Seit etwas zwei Wochen bin ich jetzt in meiner neuen Stelle. Noch habe ich keinen Zugriff auf die notwendigen Datenbänke, sodass ich meine gesamte Arbeitszeit mit Fortbildung verbringen kann, was mich sehr glücklich macht. Mein Team ist klein, bisher nur drei Leute, dafür technisch versiert und ich lerne jeden Tag richtig interessante Sachen. Unser Ziel wird grob gesagt sein herauszufinden, ob wir in den getrennten Datenbanken verschiedener Ämter und Ministerien die gleichen Leute zu identifizieren. Also zum Beispiel zu sagen, diese Registrierung der Krankenversicherung gehört zur gleichen Person wie dieser Führerschein des Kraftfahrzeugamtes. Wir haben hier ja keine Personalausweisnummer, über die man das feststellen könnte, was es sehr schwierig macht, etwas über die Bevölkerung auszusagen, ohne extra große, teure Umfragen zu machen.
Im Detail ist das eine sehr technische Arbeit, in der ich mir viele Fähigkeiten aneignen muss, die ich in der Zukunft für sehr wichtig halte. Diese ganze Woche habe ich eine Fortbildung in Sachen Maschinenlernen, übrigens mit einem sehr guten deutschen Dozenten.
Darüber hinaus habe ich letztens mein kleines Reclamheft zur DDR Geschichte ausgelesen. Noch bin ich nicht sicher, was ich als nächstes lesen; vielleicht konzentriere ich mich lieber auf die Lehrbücher meiner Fortbildungen, und die aus Ellies' Studium.
Außerdem arbeite ich daran, die vier Bassstimmen aus Schütz' Warum toben die Heiden zu lernen.
Dienstag, 25. Juni 2019
Canterbury
Am Wochenende nach Warschau waren wir wieder in Canterbury zum Geburtstag von Ellies Schwester, Amber. Das Wetter war zum ersten Mal dieses Jahr richtig schön und es war wieder eine Freude, morgens vor dem Haus über die Felder zu blicken, und durch die Stadt zu laufen.
Samstag haben wir eine richtig schöne Wanderung um das Dorf Lympne gemacht. Das liegt auf einer Hügelkette über der Küste von Kent, von wo man ganz klar die französische Küste ausmachen kann. Ein Schloss und eine alte Kirche ist auch da, wo bei Kaiserwetter geheiratet wurde. Dann ging es den Hügelkamm entlang und später einen Weg den Hügel runter, der einen Zoo in zwei Teile schneidet. Dadurch konnten wir jede Menge exotische Tiere beobachten, die dort frei im Gelände laufen können, insbesondere Giraffen. Unten ging es einen Kanal entlang, bevor wir wieder ins Dorf aufstiegen. Anschließend sind wir noch in die Stadt Folkestone gefahren, um zu prüfen, ob sie sich ähnlich wie Hastings vom Loch aus Ellies Kindheitserinnerungen zu etwas schickeren entwickelt hat. Früher hat dort ihr Opa Seeschnecken als Delikatesse gekauft, heute ist tatsächlich alles etwas schicker. Man sieht aber immer noch, wie so eine Stadt in den achtzigern und neunzigern gebeutelt worden ist.
Sonntag stieß die Mutter der Mädchen zu uns und wir sind in die Stadt gegangen, haben aber nichts weiter gemacht. Dafür hatte ich Zeit, vor dem Haus etwas zu mikroskopieren.
Samstag haben wir eine richtig schöne Wanderung um das Dorf Lympne gemacht. Das liegt auf einer Hügelkette über der Küste von Kent, von wo man ganz klar die französische Küste ausmachen kann. Ein Schloss und eine alte Kirche ist auch da, wo bei Kaiserwetter geheiratet wurde. Dann ging es den Hügelkamm entlang und später einen Weg den Hügel runter, der einen Zoo in zwei Teile schneidet. Dadurch konnten wir jede Menge exotische Tiere beobachten, die dort frei im Gelände laufen können, insbesondere Giraffen. Unten ging es einen Kanal entlang, bevor wir wieder ins Dorf aufstiegen. Anschließend sind wir noch in die Stadt Folkestone gefahren, um zu prüfen, ob sie sich ähnlich wie Hastings vom Loch aus Ellies Kindheitserinnerungen zu etwas schickeren entwickelt hat. Früher hat dort ihr Opa Seeschnecken als Delikatesse gekauft, heute ist tatsächlich alles etwas schicker. Man sieht aber immer noch, wie so eine Stadt in den achtzigern und neunzigern gebeutelt worden ist.
Sonntag stieß die Mutter der Mädchen zu uns und wir sind in die Stadt gegangen, haben aber nichts weiter gemacht. Dafür hatte ich Zeit, vor dem Haus etwas zu mikroskopieren.
![]() |
| Blick vom Hügel bei Lympne aufs Meer und Richtung Frankreich |
![]() |
| Der Kanal |
![]() |
| Kirche von Lympne. Direkt dahinter haben wir ein Picknick mit fantastischer Aussicht gemacht |
![]() |
| Schloss Lympne von unten |
![]() |
| Die Nadeln eines Brennnesselblatts. |
Samstag, 22. Juni 2019
14.-17. Juni - Warschau
Vom 14.-17. Juni waren Ellie und ich in Warschau, um Kasias Geburtstag nachzufeiern. Das war für mich das erste Mal in Polen seit 2013, und für Ellie das erste Mal überhaupt. Kasia hatte mich einmal 2015 besucht (und dabei Ellies handbemaltes Kleid mitgebracht), aber abgesehen davon hatten wir uns seit sieben Jahren nicht wirklich gesehen. Wir hatten uns eine Wohnung ganz im Zentrum gemietet und kamen zum Ende einer Hitzewelle mit 30 Grad, die besonders Ellie das Leben schwer machte. Bei uns ist es übrigens ziemlich kühl, maximal 16 Grad und zum ersten Mal habe ich auch im Juni gar keine Lust ins Meer zu gehen.
Kasia hatte, natürlich, einen besonderen Plan: als geprüfte Stadtführerin würde sie einer Gruppe Freunde aus Lodz und Warschau eine Führung geben und im Anschluss würden wir ein Stadtspiel testen. Diese momentan in Polen beliebte Art von Schnitzeljagd hatte sie kürzlich für ihre Touristen entwickelt.
Wir trafen uns also am Grab des unbekannten Soldaten, schön im Schatten, da es schon half elf morgens zu heiß war. Die Führung ging die Krakauer Vorstadt bis in die Altstadt hinein, auf Polnisch, von mir soweit es ging für Ellie übersetzt, wobei ich ob des spezifischen Kontexts oft den Faden verlor. Nach dem Mittagessen teilten wir uns in zwei Gruppen, die je eine Variante des Spiels anfingen. Die Hinweise bestanden aus viel Literatur, Gedichten, Fotos und fiktiven Briefen, die das Leben von Menschen etwa aus der Kriegszeit darstellten und über deren Geschichte die Geschichte Warschaus vermittelten. Gute Idee also, mit ganz viel Mühe, aber die Wahrheit war: wir waren bereits nach der morgendlichen Führung zu fertig um in der Nachmittagshitze noch lange Briefe zu lesen. Trotz Hilfe von Kasia haben wir uns ziemlich schnell in einen Biergarten gesetzt. Das war mit Abstand der schönste Teil: wir sprachen über Magdeburg (wo eine Germanistin der Gruppe zur gleichen Zeit wie ich studierte hatte) und alte britische Fernsehserien, die momentan im polnischen Fernsehen sehr beliebt sind.
Abends fuhren alle zurück nach Hause und ich ging mit Ellie zurück in der Altstadt. Ich muss sagen, dass mir die Altstadt früher nie so gefallen hat wie dieses Mal. Überhaupt war es schon wieder zu sehen, wieviel sich in Polen, oder zumindest Zentralwarschau, entwickelt. Direkt neben unserer Unterkunft zum Beispiel hat man die Mirowska Markthalle in eine Esshalle umgewandelt, deren Stände wir jeden Abend besuchten.
Einige Sachen hätte ich nie für möglich gehalten:
Sonntag morgen trafen wir nochmal Kasia zum Frühstück, aber davon abgesehen konnte ich Ellie allein rumführen. Aufgrund des Wetters gingen wir erstmal in den Lazienki Park, wo ich zum ersten Mal eins der sonntäglichen Chopinlivekonzerte mitbekam, zwischen den Rosen unter seinem Denkmal. Im Laufe des Tages liefen wir die gesamte Strecke bis in die Neustadt, über einen indischen Markt, das Parlament und polnischen Käsekuchen.
Was mir noch so aufgefallen ist
Kasia hatte, natürlich, einen besonderen Plan: als geprüfte Stadtführerin würde sie einer Gruppe Freunde aus Lodz und Warschau eine Führung geben und im Anschluss würden wir ein Stadtspiel testen. Diese momentan in Polen beliebte Art von Schnitzeljagd hatte sie kürzlich für ihre Touristen entwickelt.
Wir trafen uns also am Grab des unbekannten Soldaten, schön im Schatten, da es schon half elf morgens zu heiß war. Die Führung ging die Krakauer Vorstadt bis in die Altstadt hinein, auf Polnisch, von mir soweit es ging für Ellie übersetzt, wobei ich ob des spezifischen Kontexts oft den Faden verlor. Nach dem Mittagessen teilten wir uns in zwei Gruppen, die je eine Variante des Spiels anfingen. Die Hinweise bestanden aus viel Literatur, Gedichten, Fotos und fiktiven Briefen, die das Leben von Menschen etwa aus der Kriegszeit darstellten und über deren Geschichte die Geschichte Warschaus vermittelten. Gute Idee also, mit ganz viel Mühe, aber die Wahrheit war: wir waren bereits nach der morgendlichen Führung zu fertig um in der Nachmittagshitze noch lange Briefe zu lesen. Trotz Hilfe von Kasia haben wir uns ziemlich schnell in einen Biergarten gesetzt. Das war mit Abstand der schönste Teil: wir sprachen über Magdeburg (wo eine Germanistin der Gruppe zur gleichen Zeit wie ich studierte hatte) und alte britische Fernsehserien, die momentan im polnischen Fernsehen sehr beliebt sind.
Abends fuhren alle zurück nach Hause und ich ging mit Ellie zurück in der Altstadt. Ich muss sagen, dass mir die Altstadt früher nie so gefallen hat wie dieses Mal. Überhaupt war es schon wieder zu sehen, wieviel sich in Polen, oder zumindest Zentralwarschau, entwickelt. Direkt neben unserer Unterkunft zum Beispiel hat man die Mirowska Markthalle in eine Esshalle umgewandelt, deren Stände wir jeden Abend besuchten.
Einige Sachen hätte ich nie für möglich gehalten:
- die Menschen fahren Fahrrad - und es gibt sogar richtige Radwege! Eindeutig mein Verdienst, bin ich doch damals immer tapfer auf den Fahrraddemos mitgefahren.
- Autos halten an Zebrastreifen! (Gesetz seit 2014)
- Am Sonntag ist fast alles zu! (Gesetz seit 2018)
Sonntag morgen trafen wir nochmal Kasia zum Frühstück, aber davon abgesehen konnte ich Ellie allein rumführen. Aufgrund des Wetters gingen wir erstmal in den Lazienki Park, wo ich zum ersten Mal eins der sonntäglichen Chopinlivekonzerte mitbekam, zwischen den Rosen unter seinem Denkmal. Im Laufe des Tages liefen wir die gesamte Strecke bis in die Neustadt, über einen indischen Markt, das Parlament und polnischen Käsekuchen.
Was mir noch so aufgefallen ist
- man sieht viel mehr Ethnien und hört viel mehr Fremdsprachen als früher. Insbesondere Russisch - vermutlich Ukrainer.
- mein Polnisch ist noch ziemlich gut, sobald ich in der alten Umgebung bin
![]() |
| Vor dem Schloss |
![]() |
| Konzert vor dem Chopin Denkmal im Lazienki Park |
![]() |
| Abendessen in der Altstadt |
Dienstag, 4. Juni 2019
Der lange Mai
Ich hatte knappe zwei Wochen zwischen meinen Deutschlandbesuchen, viel davon angefüllt mit wichtigen Terminen und der ganzen Übergabe meiner Arbeitsaufgaben, bevor ich am 10. Juni offiziell die Abteilung wechsle. Dadurch schien der Mai sehr lang. Was mir passt, denn die Frühlingsblüte war überall wunderschön.
Vom 20. zum 22. Mai fand wieder das jährliche Wissenschaftsfest Pint of Science in den Kneipen von Portsmouth statt. Nach langem Werben hielt ich am ersten Abend meinen ersten eigenen Vortrag, wie sich die moderne Statistik entwickelt. Wir hatten am Ende 27 Gäste, inklusive Ellie, die offenbar eine richtig gute Zeit und eine Menge freundlicher Fragen hatten. Wir haben drei Kontakte zur Uni Portsmouth schließen können, was für mich gut ist, denn das ganze Projekt ist mein Baby.
Die ganze Woche hatte ich auf der Arbeit eine richtig gute, technische Fortbildung, mit einem tollen Professor. Am Samstag den 25. Mai, einen Tag vor dem erneuten Abflug nach Deutschland sind Ellie und ich nach London gefahren. Sie zu einem Tanzlehrgang, ich zum Händel und Hendrix Museum. 1732 hatte sich Georg Friedrich Händel ein Haus in London gekauft, wo er den Rest seines Lebens wohnte. 1963 dann mietete sich Jimmy Hendrix und Freundin zwei Häuser nebenan eine Dachbodenwohnung. Heute sind beide in einem Museum verbunden; unten Barock, oben Gitarren. Erfahren hatte ich davon von unserem Dirigenten; selbst interessierte ich mich etwas mehr für Händel. In dessen altem Musikzimmer übte auch gerade eine Studentin auf einer barocken Violine. Hendrix Bude hat mir auch gefallen; sie ist sehr nahbar, wie eine normale Studentenwohnung; man kann sich das Leben da sehr plastisch vorstellen.
Unten stehen einige Fotos aus Frankfurt und Schwedt. Ich habe eine tolle Kajaktour im unteren Odertal gemacht, samt Sonnenbrand, und war zum Herrentag bei bestem Wetter mit tausenden guten Deutschen auf dem Deich radfahren. Von Frankfurt aus habe ich am letzten Tag kurz Eisenhüttenstadt besucht; das Zentrum gefällt mir (ich mochte diese 50er Jahre Blocks schon immer), und das Museum des DDR Alltags besonders. Ich muss aber auch sagen: ich habe Ellie noch nie so vermisst.
Jetzt bin ich meiner letzte Arbeitswoche und finde immer noch etwas, was übergeben werden muss. Am 5. Juni ist wieder Jahrestag der Landung in der Normandie; eventuell wird der Verkehr da schwierig, weil zum 75. Trump nach Portsmouth kommt und für ihn alles abgesperrt. Außerdem kommt Angele Merkel; wenn es ihr zuviel wird kann sie bei uns Pause machen.
Vor dem Urlaub hatte ich mein Geschichtsbuch über das klassische Europa ausgelesen. Jetzt habe ich kleines Reclamheft zur DDR Geschichte aus dem Museum in Eisenhüttenstadt. Außerdem habe ich endlich die kompletten Noten für Schütz' "Warum toben die Heiden". Und schließlich habe ich am Strand endlich mal ein Fossil gefunden: eine versteinerte Seegurke.
Vom 20. zum 22. Mai fand wieder das jährliche Wissenschaftsfest Pint of Science in den Kneipen von Portsmouth statt. Nach langem Werben hielt ich am ersten Abend meinen ersten eigenen Vortrag, wie sich die moderne Statistik entwickelt. Wir hatten am Ende 27 Gäste, inklusive Ellie, die offenbar eine richtig gute Zeit und eine Menge freundlicher Fragen hatten. Wir haben drei Kontakte zur Uni Portsmouth schließen können, was für mich gut ist, denn das ganze Projekt ist mein Baby.
Die ganze Woche hatte ich auf der Arbeit eine richtig gute, technische Fortbildung, mit einem tollen Professor. Am Samstag den 25. Mai, einen Tag vor dem erneuten Abflug nach Deutschland sind Ellie und ich nach London gefahren. Sie zu einem Tanzlehrgang, ich zum Händel und Hendrix Museum. 1732 hatte sich Georg Friedrich Händel ein Haus in London gekauft, wo er den Rest seines Lebens wohnte. 1963 dann mietete sich Jimmy Hendrix und Freundin zwei Häuser nebenan eine Dachbodenwohnung. Heute sind beide in einem Museum verbunden; unten Barock, oben Gitarren. Erfahren hatte ich davon von unserem Dirigenten; selbst interessierte ich mich etwas mehr für Händel. In dessen altem Musikzimmer übte auch gerade eine Studentin auf einer barocken Violine. Hendrix Bude hat mir auch gefallen; sie ist sehr nahbar, wie eine normale Studentenwohnung; man kann sich das Leben da sehr plastisch vorstellen.
Unten stehen einige Fotos aus Frankfurt und Schwedt. Ich habe eine tolle Kajaktour im unteren Odertal gemacht, samt Sonnenbrand, und war zum Herrentag bei bestem Wetter mit tausenden guten Deutschen auf dem Deich radfahren. Von Frankfurt aus habe ich am letzten Tag kurz Eisenhüttenstadt besucht; das Zentrum gefällt mir (ich mochte diese 50er Jahre Blocks schon immer), und das Museum des DDR Alltags besonders. Ich muss aber auch sagen: ich habe Ellie noch nie so vermisst.
![]() |
| Landkartenexegese mit Opa |
![]() |
| In Zützen bei Schwedt |
![]() |
| Oderkanal bei Zützen |
![]() |
| Zur gleichen Zeit in unserem Garten |
![]() |
| Museum des DDR Alltags in Eisenhüttenstadt. Untergebracht in einem teilweise noch funktionierenden Kindergarten. |
![]() |
| Fragestunde nach unserem Kneipenvortrag am 20. Mai |
Sonntag, 19. Mai 2019
Harting Down Wanderung
Am Tag nach der Wanderung vom Beacon-Hügel bin ich an einer östlicheren Stelle der South Downs wandern gegangen. In den letzten Jahren war ich mit Mathieu, Mutti und Ellie mehrmals am Haus Uppark des National Trust gewesen. Von dort führt ein Weg zu einem separaten Schutzgebiet, einer Hügelgruppe mit Blick in die Landschaft. Auch hier gibt es einen Beacon-Hügel und auch hier führt der South Downs Weg die Kämme entlang. Nur das Wetter war diesiger als am Vortag.
Während ich wanderte, gab Ellie ihre Hausarbeit ab und brachte dieses Kapitel erstmal zu einem Schluss (bevor die nächste Arbeit losgeht). Leider schrieb mir Mutti während des Rückweges, dass sie ihren für Juli geplanten Besuch absagt und mich erstmal nicht sehen will. Aber ich denke das renkt sich langfristig wieder ein. Gerade in solchen Momenten zahlt es sich aus, schöne Sachen zu machen. Und da war es eben gut, im Mai draußen zu sein. Später am Nachmittag hatte ich das Semesterabschlusskonzert des Chores und abends ging ich noch zum Tango.

Während ich wanderte, gab Ellie ihre Hausarbeit ab und brachte dieses Kapitel erstmal zu einem Schluss (bevor die nächste Arbeit losgeht). Leider schrieb mir Mutti während des Rückweges, dass sie ihren für Juli geplanten Besuch absagt und mich erstmal nicht sehen will. Aber ich denke das renkt sich langfristig wieder ein. Gerade in solchen Momenten zahlt es sich aus, schöne Sachen zu machen. Und da war es eben gut, im Mai draußen zu sein. Später am Nachmittag hatte ich das Semesterabschlusskonzert des Chores und abends ging ich noch zum Tango.

![]() |
| Keuchend oben angekommen |
![]() |
| Manchmal frage ich mich, ob ich mit meinem Leuchtpullover für Tiere wie eine Riesenbiene aussehe |
Nachträge
Ellies Uniarbeit hat sich in den letzten Wochen vor Abgabe der ersten Hausarbeit noch entspannt. Nach einigen Treffen mit ihrer Betreuerin wurde langsam klarer, was die nun konkret lesen wollen. Damit konnte ich mein Engagement zurückfahren. Am 17. Mai hat Ellie diese Arbeit eingereicht und wird zur Belohnung noch zum Essen in einem Pub eingeladen, den ich letztens auf einer Wanderung gefunden hatte.
Die Tagung in Berlin war interessant wenn auch ermüdend. Die Max-Planck Gesellschaft hat dort das Gästehaus der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft übernommen, im grünen Dahlen zwischen Forschungsinstituten und Ministerien. An der Wand Fotos ernster wilhelminischer Wissenschaftler mit dicken Bärten. Besonders gerne bin ich in Pausen in den großen Garten gegangen. Bei Vorträgen habe ich fleißig Notizen gemacht, nur die technisch komplizierteren habe ich aufgrund mangelnder Mathekenntnisse nicht verstanden. Dafür habe ich fleißig Kontakte geknüpft, insbesondere mit den Leuten aus dem Rostocker Institut. Ich bin mit hängender Zunge aus der endlos scheinenden Abschlussdiskussion gekommen, konnte mich dann aber am Wannsee entspannen. Ich war noch nie da gewesen! Richtig schön die Ruhe und Weite von brandenburgischem Wald und Wasser. An die Havel und ihre Schlösser habe ich es aber nicht mehr geschafft.
Noch am Tag meiner Rückkehr aus Berlin bin ich zur letzten Chorprobe vor der Sommerpause gegangen. Denn zwei Tage später war das Abschlusskonzert, eine formlose Angelegenheit zusammen mit anderen Unimusikgruppen, die mir gerade aufgrund des entspannten Charakters sehr gefallen hat. Wir haben Händels Hallelujah und Zadok der Priester sowie Faures Cantique de Jean Racine gesungen, letzteres hatte ich gegen Ende meines ersten Jahres in Portsmouth schon einmal gesungen, als ich gerade Ellie kennen gelernt hatte.
Privat hatte ich mir vor einiger Zeit Noten für Warum toben die Heiden von Heinrich Schütz bestellt, was Mutti immer im Advent von Schallplatte gespielt hat. Wie sich rausstellte, hatte ich dabei nur eine von mehreren Bassstimmgruppen ausgewählt, sodass ich jetzt den gesamten Notensatz nachbestellt habe. Die gibt es nur über deutsche Verlage und sogar die tun sich schwer es zu finden.
Gelesen hatte ich in den letzten Wochen eher Ellies Lehrbücher. Seit sich die Situation dort entspannt hat bin ich zu meinem Geschichtsbuch über Europa in der Klassik zurückgekehrt. In Deutschland hatte ich endlich mehr Zeit und nähere mich dem Ende. Ich habe was gelernt, aber so gut wie der zweite Teil der Reihe, über das frühe Mittelalter, ist es nicht.
Die Tagung in Berlin war interessant wenn auch ermüdend. Die Max-Planck Gesellschaft hat dort das Gästehaus der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft übernommen, im grünen Dahlen zwischen Forschungsinstituten und Ministerien. An der Wand Fotos ernster wilhelminischer Wissenschaftler mit dicken Bärten. Besonders gerne bin ich in Pausen in den großen Garten gegangen. Bei Vorträgen habe ich fleißig Notizen gemacht, nur die technisch komplizierteren habe ich aufgrund mangelnder Mathekenntnisse nicht verstanden. Dafür habe ich fleißig Kontakte geknüpft, insbesondere mit den Leuten aus dem Rostocker Institut. Ich bin mit hängender Zunge aus der endlos scheinenden Abschlussdiskussion gekommen, konnte mich dann aber am Wannsee entspannen. Ich war noch nie da gewesen! Richtig schön die Ruhe und Weite von brandenburgischem Wald und Wasser. An die Havel und ihre Schlösser habe ich es aber nicht mehr geschafft.
Privat hatte ich mir vor einiger Zeit Noten für Warum toben die Heiden von Heinrich Schütz bestellt, was Mutti immer im Advent von Schallplatte gespielt hat. Wie sich rausstellte, hatte ich dabei nur eine von mehreren Bassstimmgruppen ausgewählt, sodass ich jetzt den gesamten Notensatz nachbestellt habe. Die gibt es nur über deutsche Verlage und sogar die tun sich schwer es zu finden.
Gelesen hatte ich in den letzten Wochen eher Ellies Lehrbücher. Seit sich die Situation dort entspannt hat bin ich zu meinem Geschichtsbuch über Europa in der Klassik zurückgekehrt. In Deutschland hatte ich endlich mehr Zeit und nähere mich dem Ende. Ich habe was gelernt, aber so gut wie der zweite Teil der Reihe, über das frühe Mittelalter, ist es nicht.
Brexit: kurz vor dem Abflug nach Deutschland bekam ich meine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Das System hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Idee ist einfach: man gibt einige persönliche Daten und die Steuernummer an, womit dann automatisch geprüft werden kann, wielange man in den Verwaltungssysteme geführt wird. Genauso arbeiten wir in der Statistik ja auch, wo wir aus diesen Verwaltungssysteme meinetwegen die Zahl der gemeldeten Einwohner eines Kreises ableiten. Mein Fall sollte denkbar einfach sein: ich hatte durchgehend den gleichen Arbeitgeber, an der gleichen Addresse, mit gleicher Steuernummer und Berufsbezeichnung. Und sie haben mich trotzdem nicht gefunden. Erst musste mein Arbeitgeben einen Brief nachreichen, wielange ich bei ihnen arbeite. Wenn es schon bei mir nicht funktioniert, dann wie bei Leuten mit einer bunteren Karriere? Na, jetzt darf ich da bleiben und es rausfinden.

Neulich hat uns ein Freund im Fotografiestudium als Models genutzt. In Wirklichkeit sehen wir natürlich noch viel schicker aus.
Noch Ende April lernte ich etwas über britische Umleitungsausschilderungen. Nach einem Geburtstag bei Freunden in Hastings kamen wir bei Dunkelheit zurück und die Autobahn war teilweise gesperrt. Wir folgten den kleinen gelben Umleitungszeichen, bis ich merkte, dass wir zu lange zurück Richtung Osten fuhren. Was eben weder ich noch Ellie wussten: statt konkreten Zahlen wird einer Umleitung hier ein kleines geometrisches Zeichen zugewiesen, wie Dreieck oder Raute. Wir hatten in der Dunkelheit einmal unser kleines Dreieck übersehen und dachten alles kleine gelbe ist Umleitung.
![]() |
| Mecklenburg im Mai |
![]() |
| Garten der Tagungsstätte |
![]() |
| Als Wissenschaftler noch Anzüge brauchten |

Neulich hat uns ein Freund im Fotografiestudium als Models genutzt. In Wirklichkeit sehen wir natürlich noch viel schicker aus.
![]() |
| Beim Geburtstag in Hastings. Englischer Stil siegt. |
1. Mai - Pläne
Die letzten Wochen musste ich eine Menge unter einen Hut bringen. Bevor ich meine neue Stelle antreten kann, muss ich mein altes Team in die Systeme einweisen, die ich über die Jahre gebaut habe. Mitte Mai bin ich auf einem Symposium bei der Max Planck Gesellschaft in Berlin (kann dabei zu Großvaters Geburtstag nach Rostock fahren!). Eine Woche später muss ich wieder hier sein, zu meinem Kneipenvortrag. Bis zum 13. Juni muss ich außerdem 2 Wochen Urlaub nehmen, die sonst verfallen. Familiebesuch ist auch überfällig, ich muss aber die Termine einhalten und habe viel Arbeit. Dazu hat der Mai eine Menge Feiertage und ich habe eine Woche Fortbildung, sodass ich praktisch kaum arbeiten gehen werde. Also, das hat ziemlich an mir gezehrt. Bis wir dann endlich feste Pläne gemacht haben: ich komme zweimal nach Deutschland, Mitte Mai nach Rostock, Ende Mai nach Brandenburg. Und dazwischen ein paar Tage nah der Havel in Berlin - darauf freue ich mich wirklich. Opa hat mir letztes Jahr eine Dokumentation über die Havelschlösser geschenkt, und ich bin noch nie in der speziellen Ecke gewesen - sehe aber Wasser und Wälder jedes Mal im Landeanflug nach Berlin. Momentan habe ich ohnehin Lust auf Urlaub und Geldausgeben. Da trifft es sich, dass Kasia Mitte Juni zum Geburtstag nach Warschau einlädt. Darauf freue ich mich auch wie Bolle: ich war seit 2013 praktisch nicht mehr in Polen; Ellie will soweit mitkommen und ich träume seit Jahren davon ihr alle meine alten Stationen zu zeigen. Und nicht zuletzt - Sommer an der Weichsel ist was schönes. Irgendwie stelle ich mir schon lange vor, mit Ellie in Torun am Fluss zu sitzen.
Abonnieren
Posts (Atom)























