Samstag, 22. Juni 2019

14.-17. Juni - Warschau

Vom 14.-17. Juni waren Ellie und ich in Warschau, um Kasias Geburtstag nachzufeiern. Das war für mich das erste Mal in Polen seit 2013, und für Ellie das erste Mal überhaupt. Kasia hatte mich einmal 2015 besucht (und dabei Ellies handbemaltes Kleid mitgebracht), aber abgesehen davon hatten wir uns seit sieben Jahren nicht wirklich gesehen. Wir hatten uns eine Wohnung ganz im Zentrum gemietet und kamen zum Ende einer Hitzewelle mit 30 Grad, die besonders Ellie das Leben schwer machte. Bei uns ist es übrigens ziemlich kühl, maximal 16 Grad und zum ersten Mal habe ich auch im Juni gar keine Lust ins Meer zu gehen.

Kasia hatte, natürlich, einen besonderen Plan: als geprüfte Stadtführerin würde sie einer Gruppe Freunde aus Lodz und Warschau eine Führung geben und im Anschluss würden wir ein Stadtspiel testen. Diese momentan in Polen beliebte Art von Schnitzeljagd hatte sie kürzlich für ihre Touristen entwickelt.


Wir trafen uns also am Grab des unbekannten Soldaten, schön im Schatten, da es schon half elf morgens zu heiß war. Die Führung ging die Krakauer Vorstadt bis in die Altstadt hinein, auf Polnisch, von mir soweit es ging für Ellie übersetzt, wobei ich ob des spezifischen Kontexts oft den Faden verlor. Nach dem Mittagessen teilten wir uns in zwei Gruppen, die je eine Variante des Spiels anfingen. Die Hinweise bestanden aus viel Literatur, Gedichten, Fotos und fiktiven Briefen, die das Leben von Menschen etwa aus der Kriegszeit darstellten und über deren Geschichte die Geschichte Warschaus vermittelten. Gute Idee also, mit ganz viel Mühe, aber die Wahrheit war: wir waren bereits nach der morgendlichen Führung zu fertig um in der Nachmittagshitze noch lange Briefe zu lesen. Trotz Hilfe von Kasia haben wir uns ziemlich schnell in einen Biergarten gesetzt. Das war mit Abstand der schönste Teil: wir sprachen über Magdeburg (wo eine Germanistin der Gruppe zur gleichen Zeit wie ich studierte hatte) und alte britische Fernsehserien, die momentan im polnischen Fernsehen sehr beliebt sind.


Abends fuhren alle zurück nach Hause und ich ging mit Ellie zurück in der Altstadt. Ich muss sagen, dass mir die Altstadt früher nie so gefallen hat wie dieses Mal. Überhaupt war es schon wieder zu sehen, wieviel sich in Polen, oder zumindest Zentralwarschau, entwickelt. Direkt neben unserer Unterkunft zum Beispiel hat man die Mirowska Markthalle in eine Esshalle umgewandelt, deren Stände wir jeden Abend besuchten.

Einige Sachen hätte ich nie für möglich gehalten:

  1. die Menschen fahren Fahrrad - und es gibt sogar richtige Radwege! Eindeutig mein Verdienst, bin ich doch damals immer tapfer auf den Fahrraddemos mitgefahren.
  2. Autos halten an Zebrastreifen! (Gesetz seit 2014)
  3. Am Sonntag ist fast alles zu! (Gesetz seit 2018)

Sonntag morgen trafen wir nochmal Kasia zum Frühstück, aber davon abgesehen konnte ich Ellie allein rumführen. Aufgrund des Wetters gingen wir erstmal in den Lazienki Park, wo ich zum ersten Mal eins der sonntäglichen Chopinlivekonzerte mitbekam, zwischen den Rosen unter seinem Denkmal. Im Laufe des Tages liefen wir die gesamte Strecke bis in die Neustadt, über einen indischen Markt, das Parlament und polnischen Käsekuchen.

Was mir noch so aufgefallen ist


  • man sieht viel mehr Ethnien und hört viel mehr Fremdsprachen als früher. Insbesondere Russisch - vermutlich Ukrainer.
  • mein Polnisch ist noch ziemlich gut, sobald ich in der alten Umgebung bin

Vor dem Schloss

Konzert vor dem Chopin Denkmal im Lazienki Park
Abendessen in der Altstadt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen