Mittwoch, 4. November 2026

Dieses Jahr hat mir Halloween das erste Mal Spaß gemacht. Die Kinder waren den ganzen Tag über nervig gewesen und ihre Kostümierung purer Stress. Aber die Stimmung auf den Straßen war wirklich angenehm. Ich hatte mich spontan selbst mit Zylinder, Gehstock und Mantel verkleidet und viele Erwachsene machten das auch. Ich schätze den heutigen Code, nur an geschmückten Häusern zu Klopfen - den Leuten macht es offenbar richtig Spaß, Süßigkeiten zu verteilen. Auf einigen Straßen gibt es davon besonders viele und das erzeugt eine richtige Athmosphäre, wenn man langsam lang schlendert (weil die Kinder an jedem Haus anhalten).

Zwei seiner Herbstferientag ging Otto zum Wassersportzentrum. Er fuhr Segelboot, eine Art riesiges Paddleboard und er lernte einen Freund kennen. Weil der lange Haare hat, sprach er von ihm immer als "sie". Ich wünschte, ich hätte alle Zeit und alles Geld der Welt, um beiden Kindern jeden Tag solche Erlebnisse zu ermöglichen.

Vorher hatte mir zum ersten Mal von unserer polnischen Bekannten Malwina die Haare schneiden lassen. Wir unterhielten uns sehr angenehm, auf Polnisch - irgendwas verbindet einen doch immer mit anderen Leuten aus der postsozialistischen Welt.

Am Sonntag fuhren wir alle zum Haus Stansted und genossen den Herbst im Arboretum. Ellie und die Kinder genießen außerdem die lärmende Weihnachtsauslage der Gartenbaumärkte hier. Ich genieße es dagegen vor allem, wenn es mal etwas kühler wird und man kurz ein Gefühl von Herbst hat.

Am Mittwoch danach tat ich etwas aus meinem alten Leben: Ellie hatte mir Karten für die Einstandsvorlesung zweiter neuer Kosmologie Professuren an der Uni besorgt. Da fuhr ich abends hin und es war sehr interessant und deprimierend wie clever viele Leute sind.

Otto

schießt momentan zu sehr auf Sebbi ein. Der kann kaum etwas sagen oder zeigen ohne das Otto ihm klarmacht, dass das zu klein oder langsam oder schlecht ist. Ich weise Otto immer wieder zurecht, aber es bringt nicht viel, und es setzt mir nervlich zu. 

Johannes

ich habe angefangen, richtig Docker zu lernen und es macht mir Spaß. Ich habe außerdem zwei winzige Hausreparaturen geschafft und fühle mich jetzt wie ein Hausmeister. Ähnlich lerne ich wirklich etwas von den Elektrokästen und mit den Kindern staune ich, was man aus kaputtem Elektrospielzeug noch machen kann. Schließlich habe ich einen weiteren Kasten bestellt, mit dem man wohl einfache Maschinen bauen kann.

Ein diffuser Gedanke treibt mich seit langem um. Mir scheint, ich lebe immer mehr in meinen Erinnerungen, von Orten und Zeiten, die mich bereichern sollten und die ich irgendwann mit Leuten teilen wollte. Aber inzwischen scheint mir, diese Orte und Zeiten sind so lange her, dass sie nur noch für mich real sind. Und mit der Zeit lebe ich immer mehr in diesen vergangenen Welten. Vermutlich ist das normal wenn man älter wird.


Montag, 26. Oktober 2026

Papa ganz allein

Freitag fuhr Ellie für drei Nächte weg. Die Jungs machten mir das Leben leicht, besonders Otto. Schon nachmittags besuchte ich ihn in der Schule. Seine Klasse stellte ihr aktuelles Projekt vor. Es ging wohl darum, grundlegendes Kochen zu vermitteln. Otto hatte Mittwoch Kartoffelbrötchen gemacht, und diesmal gab es Ofenkartoffeln für uns Eltern. Otto war gut drauf und stolz auf seine Füllung; nach der Schule kauften wir noch schnell zu Zutaten dafür und er machte es zu Hause nochmal. Dann holten wir Sebbi aus der Kita; Otto tanzte zu Musikvideos und Sebbi spielte mit mir Elektrokasten. Mir kam eine richtig gute Idee, Bratäpfel mit der hier ewig rumstehenden Füllmasse für Mince Pies zu machen. Keine Beschwerden als sie ins Bad mussten und die Ruhige Zeit kurz wurde. Wir legten uns alle aufs ausgezogenen Sofabett, Otto und ich lasen etwas vor. Sebbi brauchte natürlich vor Aufregung länger, aber mir fiel eine besonders gute Geschichte von Hertha ein.

Samstag morgens brachten wir Otto zum Schwimmen und später bestand er die Karateprüfung zum grünen Gürtel. Ich wollte ihn dafür mit einem Mittag im Umweltzentrum belohnen und dann im dortigen Wald spielen. Aber das Cafe hatte nur noch Kuchen und es regnete zu sehr und Sebbi war ohnehin erkältet. Nach einem weiteren gescheiterten Versuch brachte ich die Jungs nach Hause und kochte selbst was. Wir hatten wieder einen sehr netten Abend; Otto war den gesamten Tag über äußerst hilfsbereit und lieb.

Leider war es wohl doch zuviel gewesen für Sebbi, denn im Bett wurde er hysterisch, weil seine Nase verstopft war und er nicht schlafen konnte. Am Ende musste ich ihn doch wieder in sein eigenes Bett bringen, und ich kam viel zu spät aus dem Schlafzimmer um den Saustall noch aufzuräumen. Später fiel er auch noch aus dem Bett, weil ich vergessen hatte, seine Sperre mit zurückzubringen. Danach hatte ich ein sehr schlechtes Gewissen, trotz einer sehr guten Tagesleistung.

Sonntag wiederholten wir den Ausflug nach Rowlands Castle von letzter Woche, diesmal mit Otto und mit dem Auto, um Sebbi zu schonen. Der Wald war an diesem einzigen sonnigen Tag des Wochenendes wieder eine Freude. Wir sammelten wieder viele Esskastanien, und Otto lernte Staubpilze kennen. Der Sturm hatte erkennbare Schäden hinterlassen und Otto sah sehr fotogen aus, als er auf eine Eiche kletterte, die unseren Weg versperrte. Sebbi ritt oft auf Papapferd. Wir aßen in einem Cafe; Otto war in diesem beengten Raum mit großen Kollisions- und Verschüttpotential eine große Hilfe. Dafür kriegten die Kinder dann auch Süßigkeite aus dem Dorfladen. Schließlich durften sie auch noch auf den sehr guten Spielplatz des Dorfes.

Ich ließ mich am Ende trotz allem dazu hinreißen, auf dem Heimweg einen weiteren Spielplatz in Havant auszuprobieren. Der liegt in einem großen Park direkt an der Bahnstrecke und es führt eine leicht erreichbare und wenig befahrene Brücke darüber. Das hatte ich schon lange auf dem Kieker und hat sich als guter Ort für Kinder bestätigt.

Natürlich kamen wir zu spät nach Hause, aber dank Ottos Betragen hatten wir eine schöne Ruhige Zeit mit Elektrokästen, und es ging ohne Proteste ins Bett. Nach diesem Tag voll Sorge um Sebbi stellte sich raus, dass der bereits auf dem Weg der Besserung war. Er schlief schnell ein und dann überließ ich ihn Ottos Obhut, der dies gerne und ohne Protest übernahm, obwohl er ja nichts mehr vorgelesen bekam. Wir schliefen alle wunderbar und die Jungs waren begeistert, zusammen aufzuwachen.

Montag regnete es wieder, zwar leicht, aber ich trat für Sebbi sowieso kürzer. Morgens kochten wir Erbsen, Möhren und Spätzchen und dann gingen wir Zug fahren, einfach nach Southampton und zurück. Darauf hatten beide Jungs Lust gehabt, auch wenn Otto irgendwann doch langweilig wurde. Aber auf Rückfahrt bekamen sie wieder Haribo.

Zu Hause war ich der einzige, der die Supper wirklich aß. Aber das war nicht so wichtig, denn bald darauf kam Ellie zurück!  

Am Abend klappte mein Körper zusammen. Vielleicht was schlechtes gegessen, vielleicht die Nächte zuvor. In jedem Fall spüre ich mein Alter.

Sonntag, 18. Oktober 2026

Freitag vor einer Woche lernten wir abends auf Weg zum Meer Leah aus Göttingen kennen. Die hörte uns deutsch sprechen. Sie wohnt seit zweieinhalb Jahren hier, mit englischem Mann und anderthalbjähriger Tochter. Wir haben kürzlich Kinderbücher ausgetauscht. Und ich weiß jetzt wo Göttingen ist.

Eine Woche später fuhren Ellie und Otto eine Nacht nach Hastings. Dort durfte Otto lange wach bleiben und ein Feuerwerk bestaunen. Sebbi und ich hatten indessen ein wunderbares Wochenende; ich glaube ich hatte ihn noch nie einen ganzen Tage lang allein für mich. Und ich wollte mal was nur für ihn machen.

Samstag sind wir erstmal Eisenbahn gefahren, nach Rowland Castle. Bei Kaiserwetter wollte Sebbi zu meiner Überraschung erstmal in den Wald; lief einfach vor mir den Weg entlang, guckte links und rechts zwischen die Bäume. Auf dem Boden lagen die allerbesten Esskastanien. Wir balancierten von der Wurzel bis zur Krone einer riesigen, gefallenen Buche, aßen auf einem anderem Stamm Picknick, spielten am Feldrand, wo vor Jahren Otto mal hosenlos rumgerannt war. Ich konnte einfach in der Sonne sitzen und die Augen schließen, während Sebbi die Welt bestaunte. Dafür bekam er dann auch Kuchen im Cafe. Und dann ging es nochmal zwei Stunden auf einen Spielplatz; ich staunte, wie er solange durchhielt. Er schlief dann auch schön, und es war wunderbar, morgens mit ihm aufzuwachen. Er musste erst verarbeiten, dass ich nicht Mami war und dann aßen wir ganz in Ruhe Frühstück, mit Kerzen und Musik, und dann ließ er mich aufräumen, als wäre das normal.

An diesem Tag entschied Sebbi, Schwimmen zu gehen. Und auch da war es toll, mich mal auf ihn konzentrieren zu können. Letztes Mal hatte er ja etwas Angst gehabt und ich hatte bereits Sorge, dass er keine Lust mehr hat auf das Sportzentrum. Aber diesmal hatte er Riesenspaß.

Beide Kinder arbeiten abends besonders gern mit den beiden Elektrokästen. Ist manchmal stressig, aber wir lernen alle was dabei. Besonders beliebt war, als ich die Elektronik aus einem kaputten Spielzeug rausholte und mit Kabelklemmen tatsächlich wieder zum Leben erweckte. Mich hat Elektromagnetik schon immer fasziniert, und ich merke, dass ich den Unterschied zwischen Stromstärke und Spannung nie wirklich verstanden habe. Ich bin sehr froh über unsere Ruhige Zeit am Abend.

Sebbi

leidet unter Wachstumsschmerzen; ich halte sein verzweifeltes Weinen nachts vor Mitleid kaum aus.

freut sich ganz deutlich, dass wir mehr Zeit zusammen haben. Er sagt mir, dass er gern mit mir zusammen ist und ich sage ihm dasselbe. 

verlangt weiterhin nach Geschichten von Hertha, dem verrückten Huhn 

Otto

Wird selbst im Oktober von Mückern zerstochen, egal wie sehr wir ihn beschützen. Letztens brauchte er sogar Antibiotika, weil sich ein Stich vom Kratzen infiziert hatte. Otto hasst die Medizin und die Einnahme ist ein Riesenstress.

ist 133cm groß und hat umgerechnet Schuhgröße 36.

Johannes

wir haben eine riesige Rechnung aus der Autowerkstatt bekommen. Deprimiert mich, wie das Sparen von Monaten mit einem Schlag vernichtet wird.

Es ist Herbstwetter und ich will ein Windrad auf dem Dach

ein Päckchen kam von Mutti. Jetzt habe ich eine Armbanduhr, das erste Mal seit 2006.

Dienstag, 13. Oktober 2026

Samstag probierten wir etwas neues aus: eine Kita Betreuerin übernahm für zwei Stunden privat die Jungs. Die liebt nämlich Sebbi so sehr, dass sie meinte, ihn würde sie gratis betreuen. Wir haben sie natürlich bezahlt und weil es gut geklappt hat, werden wir das irgendwann mal etwas länger machen. Ellie und ich sind die Zeit ins Cafe und spazieren gegangen, so wie es vor langer Zeit normal gewesen war.
 
Sonntag ging es mir nicht gut. Gleich am Morgen war irgendwie alles zuviel. Das Gequengel und Gestreite der Kinder. Die Pläne für den Tag. Was im Haus alles kaputt geht und nie repariert werden kann. Sobald Ellie vom Tanzen kam, zog ich mich zurück. Später ging ich längere Zeit spazieren. Warum das passierte, macht mir etwas Sorgen. Otto scheint etwas aggressiver als gewöhnlich, und ich hatte schlecht geschlafen. Aber das hatte Ellie auch. Und chon am Freitag abend war ich überfordert gewesen mit Otto. Insgesamt also vermutlich eine allgemein schlechte Psyche. Sollte ich wahrscheinlich etwas gegen machen, tue ich aber nicht, weil ich nie zum Stillstehen komme. Was auch immer der Grund war, dazu kam sofort das schlechte Gefühl, alles auf Ellie abzuwälzen.

Sebbi

Spielt bemerkenswert gut mit Bausteinen. Sei es Lego oder Magnetplatten, er zeigt viel mehr Konzentration und Feinmotorik als Otto in dem Alter. Nicht, dass es kein Drama wäre, wenn ein völlig instabiler Turm dann auch zusammenbricht. Ein weiteres Zeichen eines großen Unterschieds zwischen den Kindern: Sebbi spielt allein und mit Spielzeug.
 
manchmal versucht Sebbi schlechte Laune zu haben, aber eigentlich kann er es nicht.
 
wacht regelmäßig nachts auf und weint, seine Beine bzw. Füße täten weh. Stimmt wahrscheinlich nicht, ist aber trotzdem furchtbar für mich. Über mehrere solche Zwischenfälle hat sich aber die Geschichte von Hertha dem verrückten Huhn entwickelt. Weil ich Sebbi auch oft ein verrücktes Huhn nenne. Hertha jedenfalls erlebt mit ihrem Freund Sebbi viele Abenteuer auf dem Bauernhof.

Otto

hat mit mir das Buch "Unser Körper" aus der Reihe Was ist Was ausgelesen. War doch etwas schwierig für ihn. Aber verstanden hat er doch vieles. Sebbi guckt auch gerne mal rein.
 
wird auch Mitte Oktober noch von Mücken zerstochen. Ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll.

Johannes

Ich hab den Scarlet Pimpernel ausgelesen und lese jetzt die Drei Musketiere weiter. Außerdem fange ich für die Arbeit ein neues Buch über die Technologie Docker an.
 
Unser Auto hat anhaltende Probleme mit dem Dieselfilter. Soviel Geld und Zeit. Ich wünschte, wir hätten Solar auf dem Dach und ein elektrisches Auto, oder am besten gar keins. Alles geht kaputt, und niemand hat die Zeit es zu reparieren. Ich vermisse meine alten Mietzimmer.

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Otto hat kürzlich die Tanzhobbys seiner Eltern kennen gelernt. Am letzten Freitag kam er mit mir zum Tango. Er hatte das mal sehen und ich es ihm zeigen wollen. Ich glaube nämlich, seine Emotionalität könnte ihn zum Tanzen und / oder Singen begeistern, so wie es mir ergangen war. Vor allem wollte Otto natürlich abends lange aufbleiben wollen. Er war dann auch extrem aufgeregt, als wir im Dunkeln (und noch besser, nachdem Sebbi ins Bett musste) mit dem Bus fuhren. Wie erwartet spielte er am Ende lieber Pokemon auf meinem Telefon, aber er zeigte durchaus Interesse am Tanzen; ich zeigte ihm ein paar Schritte und er sah mich später etwas tanzen. Die Leute waren natürlich begeistert den Grund zu sehen, weshalb ich seit sechs Jahren nicht mehr wirklich komme.

Samstag fuhren wir dann alle zu einem Auftritt von Ellie. Das fand in einem kleinen Ort knapp 40 Minuten mit dem Auto von hier statt. Während dort aufbauen half, fuhr ich mit den Kindern auf einen Spielplatz und essen. Zwischendurch klagte Otto, dass sein Fuß juckt, ganz ganz furcthbar, und es hört erst auf, als wir nach Abbruch des Spielplatzes gerade auf einen Apothekter warteten. Ellies Veranstaltung war dann ganz toll. Sie hatte vier Auftritte; ihr Solo war das beste, was ich von ihr gesehen habe. Und auch Otto war begeistert - er guckte viel mehr zu als ich gedacht hatte, während Sebbi draußen mit mir spielte.

Sonntag fuhren wir zu viert zum Dell, wo ein neuer Waldpfad eröffnet wurde. Mit einigen guten Spielstationen für Kinder, die das anfängliche Quengeln schnell überwunden. Auf dem Weg dahin hatten wir ein Picknick gemacht und dabei ungenießbare Birnen und frühe Walnüsse gesammelt, wozu später ungenießbare Maiskolben kamen, aber das wichtigste ist, die Kinder sehen wo das herkommt und was man damit machen kann, oder eben nicht.

Beide Kinder haben jetzt Lichter an ihren Fahrrädern und wir fahren viel zusammen. Zur Kita, zum Laden. Für die Jungs ist es weiter aufregend.

Sebbi

macht jetzt auch immer eine Ruhige Zeit bevor er schlafen geht. Wir spielen etwas und ich versuche, ihm etwas beizubringen. Aber vor allem wollen beide Kinder Kerzen anhaben.
sprüht vor Freude und Glück.  

Otto

bekam eine Uhr mit beschrifteten Zeigern zum Lernen in sein Zimmer gehängt. Die tickt nachts ganz schön laut, aber irgendwie finden wir das beide beruhigend. Er sieht sie eigentlich nur morgens und abends, und dann nur, wenn das Licht an ist. Aber er zeigt genug Interesse, sie lesen zu wollen.

ich konnte Otto letztens ein paar Mal in der Schule beobachten, und sein Verhalten wirkte rücksichtsvoll und hilfsbereit. Es ist schwierig, daran zu denken, dass er auch nur ein kleines Kind ist und vor allen Dingen Unterstützung braucht. 

Johannes

ich lese schnell durch den Scarlet Pimpernel, und habe auch mit Freude den Film von 1934 geguckt.
 

Montag, 28. September 2026

Zusammenfassung eines gelungenen Wochenendes: 

Samstag waren wir in Butser, wo zwei Historiengruppen das angelsächsische England im Jahr 640 nachstellten. Otto war fasziniert von drei Raubvögeln auf Stangen, einer davon ein richtiger Adler. Er unterhielt sich viel mit den Leuten an diesem Stand, was mir die seltene Möglichkeit gab, mich selbst umzusehen und zu unterhalten. Otto fand auch die Kampfspiele toll, während Sebbi sich lieber das Küchenzelt ansah, als die Darsteller zum Mittag gerufen wurde. Außerdem war er sehr glücklich, das die Weintrauben vor der römischen Villa jetzt reif sind. Es war insgesamt sehr angenehm für uns alle, und ich konnte selbst mal einige Fragen stellen.

Sonntag war auch ein schöner Tag. Erst ging Otto mit Ellie zu einer Preisveranstaltungen für Kinder, die im Sommer einen Lesewettbewerb gemacht hatten. Das war wohl enttäuschend, aber er suchte sich ein sehr gutes Buch über die alten Römer aus; der Junge zeigt immer wieder guten Geschmack. Dann tauschte ich mit Ellie Kinder: sie nahm Sebbi zur Geburtstagsfeier eines Kita Freunds, und ich machte Otto Mittag. Und dann bot sich die seltene Gelegenheit, mit ihm allein zum Familienschwimmen zu fahren - sonst will Sebbi inzwischen immer mitkommen. Was schön ist, aber ich kann Otto dann nicht üben helfen. Und diesmal haben wir gut daran arbeiten können. Was er mir zeigte, sieht richtig beeindruckend aus, wir übten einige Techniken, und ich selbst lerne inzwischen selbst nützliche Sachen von ihm. Die machen tatsächlich Stile wie den Delfin. Es war eine richtig schöne Erfahrung für uns beide: ich fühlte mich wie ein guter Vater und Otto liebt die volle Aufmerksamkeit und das Lob eines Erwachsenen. Auf dem Rückweg wurde es für ihn noch besser: ich probierte spontan ein lange avisiertes indisches Cafe aus, zu dem ich mit Ellie nie kommen werde. Otto genoss die Sonderaktion und das gute Essen.

Sebbi

schnottert weiter rum und hat manchmal schwierige Nächte 

Otto

Ellie hat von Ottos Lehrerin viele gute Sachen gehört.

Johannes

meine Apfelbäume in der Schule leiden unter der Dürre. Ich habe vereinbart, dass ich sie ab und zu gieße, und die anderen Pflanzen dazu.

ich habe das alte Buch The Scarlet Pimpernel zu lesen. Normalerweise lese ich nicht mehrere Bücher auf einmal, aber es macht mir zuviel Spaß.

Mittwoch, 23. September 2026

Samstag fanden wir im Umweltzentrum keine Pflaumen aber dafür besonders gute Äpfel, Kräuter, jede Menge Haselnüsse und sogar ein paar Birnen. Mir hat dieser bewölkte Nachmittag sehr gut getan. Wir waren lange im Wald unterwegs, am Ende noch in der Ecke, wo Otto früher seine Waldschule hatte. Die Kinder hätten da lange gespielt und ich wünschte, ich hätte ihnen die Zeit geben können.

Sonntag war Sebbi verschnupft und wir gaben den Jungs etwas Radfahren und ein Cafe. Abends habe ich mit Otto unsere erste richtige, gemeinsame Radtour gemacht. Am Meer entlang Richtung zur Fähre nach Hayling, zu einer kürzlich von mir entdeckten Seebrücke, und dann spielten wir in einem Cafe im Abendlicht Love Letter. Otto blüht immer auf, wenn er das Gefühl hat, etwas erwachsenes zu machen und alle Aufmerksamkeit ganz auf ihm ruht. Ich freue mich aber auch sehr, hatte das schon lange geplant und es ist ein weiterer Schritt hin zu größerer Aktionsfreiheit mit Kindern.

Sebbi

spricht wieder grammatisch sehr gutes Deutsch. Letztens verließen wir gerade das Haus, da sagte er "Ich halte Deine Hand". Am nächsten Tag arbeiteten wir in der Küche und er sagte "Ich helfe Dir!" .

Otto

mag die Kinder von Bullerbü soweit.

hat kürzlich von einem extrem seltenen Spielzeug Auto gehört, von dem es nur eins gibt. Das findet er unglaublich spannend und will in jeden Wohltätigkeitsladen, weil es ja da sein könnte.

Johannes

mein erster Versuch mit Roggensauerteig scheiterte, aber nicht kläglich: ich machte noch Fladenbrote draus, und wenigstens der Geschmack stimmte. Dafür machten Otto und ich ausgezeichnete Pflaumenmarmelade.

Freitag, 18. September 2026

Samstag fuhren zu einer Art Festival auf dem Land. Wir hatten kurzfristig und gratis Karten bekommen. Da standen verschiedene Zelte und Stände auf einem Feld und in einem kleinen Waldstück daneben gab es Essen, Musik und ein Lagerfeuer, in das Kinder begeistert neues Holz schmissen. Vor allem aber gab es ein großes Zelt mit Spielstationen verschiedensten Art für Kinder, und darum herum konnten die Eltern sitzen. Wir trafen auch sofort verschiedene Familien aus Ottos Schule. Er und Sebbi spielten dort stundenlang. Später suchten Sebbi und ich Haselnüsse und kamen auf ein Feld mit Hühnern.

Mittwoch habe ich etwas besonderes gemacht: mittags wilderte ich in Ottos Schule zwei Apfelbäume aus. Die hatten wir zu Hause vor zwei Jahren als Kerne gepflanzt, und jetzt wurden sie zu groß für die Pflanzsäcke. Niemand weiß, ob sie am neuen Ort überleben. Aber im Garten kann ich sie nicht lassen, der ist dafür leider zu klein. Ursprünglich wollte ich sie irgendwo in der Natur einbuddeln, aber jetzt ist einer in Kent, und zwei in der Schule. Otto und viele andere Kinder halfen. Es wurden zu viele, sodass Otto mit den Ersthelfern irgendwann zurücktreten mussten, was mir leid tat. Aber ich habe im Vergleich gesehen: unsere Kinder sind super.

Sebbi

überrascht uns trotz aller Erfahrung immer weiter, wie natürlich er andere Kindern kennen lernt.

Otto

wir haben die Gesamtausgabe von Michel aus Lönneberga ausgelesen. Jetzt gucken wir, ob Otto Bullerbü mag. Wahrscheinlich etwas weniger, denn Otto hat sich sehr mit Michel identifiziert. Auch mir hat das Buch mehr Spaß gemacht als erwartet. Ellie hat mit ihm derweil die gesamte Reihe des Magic Faraway Tree ausgelesen. Es fällt uns beiden schwer, neue Bücher zu finden, denn Otto will inzwischen längere, mit größeren Welten, aber wir erinnern uns kaum noch, was wir früher gelesen haben, geschweige denn in dem Alter.

Johannes

Mir geht es ganz gut, solange ich Wolken sehe. Ich würde gerne nochmal einen richtig kalten Wintertag erleben.

Ich habe das erste Mal erfolgreich Sauerteig gemacht, und damit auch Brot. Als nächstes probiere ich, ob damit jetzt Roggenbrot funktioniert.

Ich habe ein langes, technisches Buch ausgelesen, das ich wahrscheinlich gleich nochmal lesen sollte. Aber erstmal lese ich die drei Musketiere.

Sonntag, 6. September 2026

Freitag abend ging Ellie mit ihrer alten Freundin Mel zu einem lokalen Konzert. Wir konnten uns beim Frühstück noch etwas unterhalten, bevor ich mit Otto schwimmen fuhr. Es tat mir richtig gut, mit jemandem interessantem aus meiner Generation reden zu können. Sie verstand Anspielungen auf alte Filme, mit denen ich sonst nur Ellie nerven kann. Und sie bäckt Brot. Schade, dass wir selten Gäste haben und selbst kaum besuchen können.

Samstag trafen wir Ellies Schwester samt Mann im Museumsdorf Bucklers Hard im New Forest. Da wurden früher Schiffe gebaut, und die oft fotografierte Hauptstraße führt piktoresk hinunter zum Fluss Beaulieu. Viele Bäume, ein Apfelgarten, Gras und unten Wasser. Abgesehen vom Museum ist alles gratis. Wir fuhren auch einmal mit dem Schiff Richtung Flussmündung, wo man die Isle of Wight sieht. Ellie ging später mit Otto ins Museum, ich stromerte mit Sebbi herum. Otto wurde etwas zu aufdringlich; neue Menschen sind zu aufregend.

Sonntag fuhren wir in die entgegen gesetzte Richtung und trafen in einem familienfreundlichen Pub Ellies Vater und Anhang. Die Kinder hatte eine Wiese mit Spielplatz. Ich unterhielt mich sehr schön mit meiner, vermutlich, Stiefschwiegermutter über Brot und Marmelade und Gärtnerei. Und mit ihrer Mutter über Paul Temple. Sie übernahmen einen meiner Apfelbäume um ihm in ihrem Garten den Raum zu geben, den er inzwischen braucht. 

Sebbi

Ist jetzt in der ältesten Kita Gruppe. Springt vor Freude, wenn da morgens die Tür aufgeht.

Wir fahren inzwischen immer zusammen Fahrrad. Morgens zu zweit zur Kita, und beim Abholen nachmittags kommt meistens Otto mit. Ich fahre sehr gern mit meinen Kindern Rad. 

Otto

geht wieder zur Schule. Tut ihm allgemein gut. Sein Verhalten schwankt weiter mehr als gewöhnlich. Zwischen vorbildlich und Anhaltender Explosion. Aber inzwischen haben wir das Gefühl, dass er sich mehr zum besseren als zum schlechteren entwickelt. Er zeigt manchmal Geduld und Zuneigung mit Sebbi, die wir bisher nicht kannten. Manchmal spielen die beiden richtig zusammen. Und in der Schule wurden ihm gleich zwei der Erstklässler zur Eingewöhnung gegeben. Scheinbar hat man da besonders großes Vertrauen in ihn.

Wird übel von Mücken gepiesackt. Er muss eine Art Allergie haben: die Stiche schwellen und bleiben auch ewig sichtbar. Einmal kriegte er über Nacht drei ins Gesicht, was so anschwoll, dass er beim Frühstück nicht kauen konnte. Wir suchen seit Monaten vergeblich nach Schutz oder Linderung.

ich habe unsere abendliche Ruhige Zeit richtig lieben gelernt. Sie stabilisiert mich; ich kann mich da richtig entspannen. Ich lasse ihn dafür zu lange wach bleiben. Neulich lernte er Quartett spielen (übrigens ein ganz altes aus Nordhausen) und dann mein altes Lieblingsspiel, Love Letter. Am Ende gebe ich ihm dann wieder etwas zum Rechnen, und letztens stellte ich fest, dass er sich durchaus noch an negative Zahlen erinnert.

Im Bett liest er dann eine Seite aus dem deutschen "Was ist Was: Mein Körper" und ich lese ihm Michel aus Lönneberga vor - wir sind aber bereits im letzten Kapitel.

Johannes

ich fühle mich weiter sehr labil. Solange ich nichts von der Welt mitkriege, geht es. Ein Stück Nachrichten, ein Kommentar über das Wetter oder Politik von Bekannten, bringen mich aus dem Gleichgewicht. Wenn die Kinder fröhlich sind, tut es mir weh, was ihnen noch blühen wird. Die machen uns meistens große Freude. Ich dann befürchte ich, dass eine schöne Kindheit irgendwann nur den Kontrast zur Wirklichkeit verschlimmert.

Manchmal fühlt sich mein Leben sehr festgefahren an. Fast immer der gleiche Tagesablauf. Ich leide allgemein wieder mehr unter dem Nullsummenspiel unserer Umstände. Tagsüber haben wir keine Zeit, abends, zur einzigen kinderfreien Zeit, haben wir keine Kraft mehr. Will einer von uns selten gesehen Freunde treffen, verlieren wir sofort ein Wochenende zusammen. Wir machen einen weiteren Anlauf, wenigstens nicht auf Telefone zu starren. Ab 21.30 kommen sie weg.

Positives:

mein Brot ist richtig gut geworden.

Die Drei Musketiere nehmen Fahrt auf.

ich liebe alte Maigret Hörspiele 

Abends nach der Arbeit kann ich meistens zwischen den Kindern auf dem Sofa etwas lesen.

Ich treffe nach den Sommerferien wieder mehr Freunde. 

Mittwoch, 2. September 2026

Ich liebe Du

Es beginnt die Erntezeit. Am verregneten Samstag holten wir große Mengen Pflaumen und diverse Kräuter vom Umweltzentrum. Und am nächsten Tag im Dell viel zu viel Holunder und Brombeeren. Ich wünschte wir hätten diese Fülle in unserem Garten.

Am freien Montag trafen wir uns mit einer alten Freundin Ellies und deren Familie zum Frühstück am Meer. Sehr schön. Die beschrieben ihre Tochter als schüchtern und interessiert an stillem Basteln. Otto robbte währenddessen über den Boden des Cafes. Beide Jungs sehen am Wasser spitze aus.

Wir fuhren danach noch nach Butser, wo die Römer unterwegs waren. Otto lernte ihr Zahlensystem und Angriffstaktiken. Sebbi spielte schlafen. Es wurde irgendwann stressig, aber ich genieße die Blicke über die abgeernteten Hügel.

Michel aus Lönneberga ist groß angesagt. Ottos Begeisterung für das Buch steigt immer weite. Sebbie liebt das Bilderbuch, und zusammen gucken wir die alte Fernsehfolgen.

Sebbi

ist weiter besessen vom Thema Polizei und Einbrecher. Häufiger Satz: "ich werfe ihn in den Knast!".

Die Kita Betreuer übertreffen sich momentan täglich mit Liebesbekundungen für Sebbi. Eine bot uns Babysitting an; würde es sogar gratis machen. "Er ist so voller Freude und Liebe". Genau das ist er. Und er spricht viel auf Deutsch. In letzter Zeit sagt er häufig, unaufgefordert, "Ich habe Du lieb" oder sogar "Ich liebe Du". Auf Butser saßen wir einmal an einem Lagerfeuer, da lief er plötzlich zur Betreuerin der Hütte und sang ihr das Kinderlied "Londons burning" vor. Man sah ihm die Freude an. Die Frau war so lieb, ihm aufmerksam zuzuhören und wir lobten ihn zusammen.

benutzt jetzt mehr Klo als Topf

Otto

hat uns neulich sehr beeindruckt, als er auf einem Spielplatz geduldig einen kleinen Jungen in der Hauphase im Zaum hielt. Wir haben ihn dafür sehr gelobt. Sebbi hielt sich nur die Ohren zu und drehte sich weg (obwohl unsere Jungs beide bedeutend größer waren). Ich werde mit ihm nochmal besprechen, wann es ok ist sich zu wehren - das sind die sensibelsten Themen für mich als Vater.

Freitag, 28. August 2026

Seine letzte volle Ferienwoche verbrachte Otto mit seiner Mami. Die hat ihn ja ohnehin jeden Montag und Dienstag, zusammen mit Sebbi. Nach dem Erfolg des Wassersportzentrums in der Vorwoche buchte sie ihm den Dienstag dazu. Diesmal waren sie vor allem segeln, in einer kleineren Gruppe als letzte Woche. Vier Kinder mit Betreuer in einem Boot in der Langstone Bucht. Freut mich ganz besonders. Segelboote sind am schönsten. Noch besser als Kajaks. Otto hat zu Hause wieder gestrahlt. Man kann bereits jetzt Klubs für die Ferien bis zum Herbst 2027 buchen. Ich bin sehr versucht. Leider gibt es natürlich viele, viele andere schöne, teure Ferienklubs für Familien mit Geld oder schwacher Selbstkontrolle. Ich habe mich mit Otto wieder über das Dilemma von Masse und Klasse der Hobbys unterhalten; wie das Leben zu kurz ist für alles und man sich irgendwann auf wenige Sachen konzentrieren muss.

Mit Sebbi war Ellie tagsüber in der Margaretenkirchen spielen gewesen. Ich besuchte sie, wie schon oft in den Sommerferien und es macht mich immer sehr froh dort in Ruhe mit Ellie und den Kindern zu sein. Als ich wieder nach Hause musste, gab Sebbi mir einen Kuss auf die Wange. Der Junge ist so voll Freude und Liebe.

Abends hatte ich Otto und wir haben erst zusammen gelesen und dann hat er mir geholfen, ein Brot zu kneten. 

In den Folgetagen, mit Sebbi in der Kita, haben Ellie und Otto den Löwen-Wettbewerb der Stadt vollendet, waren in der Spielhalle, und einen Tag lang im Wissenschaftszentrum bei Winchester. Das hat verschiedene Ausstellungen zu Physik als auch Fossilien und ein angeschlossenes Planetarium. Ich hatte seit Jahren dahin gewollt, es ist allerdings teuer. Sie kamen aber begeistert zurück; es ist das Geld wert. Auch für kleine Kinder wie Sebbi, und landschaftlich schön gelegen. Wir werden also irgendwann hinfahren.

Außerdem vollendete Otto auch seinen Sommerlesewettbewerb; sieben längere Bücher hat er allein gelesen. Dafür bekam er leider erstmal ein Kazoo, und irgendwann gibt es eine Zeremonie in der Burg Southsea.

Sebbi und ich fuhren oft beide mit dem Fahrrad zur Kita und zurück. Manchmal kam auch Otto mit. Man sieht ihm die Zufriedenheit an, der große Bruder zu sein der schon weiß, wie man sich im Verkehr verhält.

Otto

schwankt in letzter Zeit mehr als normal zwischen lieb und provokant. Wir achten mehr darauf, dass er uns zuhört und auch macht was wir sagen. Aber diese Durchsetzung hat ihre Kosten. Dann stellt er wieder in Frage ob wir ihn lieb oder lieb genug haben. Dann nimmt er wieder alle Schuld auf sich und sagt er ist schrecklich. Ein Teil ist Show, ein Teil ist echt, ein Teil experimentiert nur mit neuen Konzepten und Taktiken, aber was wieviel? Und dann gibt er sich wieder richtig Mühe in seiner Rolle als großer Bruder. Ein ewiges Hin und Her für Ellie und mich. Ich denke dann, das ist nicht alles nur Phase sondern gehört zu ihm, und wird ihm genauso im Weg stehen wie mir.

Sebbi

guckt sich einige Sachen von Otto ab: das Konzept "ich bin besser" kopiert er ohne es wirklich zu verstehen, provoziert damit seinen Bruder von dem es ursprünglich kam, der keilt zurück, und schon haben wir den nächsten Streit.

Sonntag, 23. August 2026

Otto

In meiner Woche mit Otto, nach meiner Woche in Rostock, probierte er zuerst den Ferienklub im Wassersportzentrum am Ostufer der Stadt aus. Ich war sehr, sehr neugierig, was sie dort machen. Schließlich waren Friedemann und ich dort 2015 das erste Mal in England Kajak gefahren. Otto kam auch begeistert zurück; sie waren klettern, Bogen schießen und vor allem Kajak fahren. Letzteres gefiel ihm besonders und er redete viel darüber, wie man richtig paddelt. Und: er passt optisch einfach fantastisch ans Meer. Das Haar flattert im Wind und die Haut ist gebräunt. Wir haben ihm noch einen Tag in der nächsten Woche gebucht.

Donnerstag

fuhren wir morgens das erste Mal zu dritt zur Kita geradelt, Sebbi, Otto und ich. Wir üben das Fahren im Konvoi, das Halten an den Straßen und die Entscheidung, ob man sie überqueren kann.

Dann fuhren Otto und ich quer durch die Stadt. Otto nimmt begeistert an einem Sommerwettbewerb teil, bei dem man Figuren von Löwen finden muss. Es führte tatsächlich dazu, dass ich Teile der Stadt sehe, die ich sonst nie besucht hätte. Wir fingen an der Müllkippe an und grasten ganz Cosham ab, was sich nördlich am Festland anschließt und das man sonst nur durchfährt.

Vor allem aber probierten wir endlich das Freibad in Hilsea aus. Eine Institution im Nordosten der Stadt, war es nach langem Leerstand im Mai wieder eröffnet worden und ich wollte immer hin. Otto und ich hatten eine ganz tolle Zeit; wir übten einiges aus dem Schwimmunterricht, und er schwamm mit großer Sicherheit mehrmals über die ganze tiefe Stelle im Zentrum des Beckens. Schließlich besuchten wir noch ein Cafe in den Befestigungslinien am Nordrand der Stadt, das seit dem letzten Besuch sehr expandiert ist.

Freitag

habe ich Sebbi zu Hause behalten. Einerseits sind die Ferien die einzige Zeit, wo Otto mal seine Eltern für sich hat. Andererseits tut es mir immer leid, wenn ich Sebbi abgebe und dann nur seinem Bruder tolle Orte zeige. Wir fuhren nach Butser und fanden reife Haselnüsse. Ich sah außerdem wieder einmal, wie sensibel Otto unter seiner äußeren Erscheinung ist: einmal fand ich ihn in Rotz und Tränen, als er dachte, er hätte mich verloren. Dabei wusste er eigentlich, wo ich bin, nur nicht, wie er da hinkommt.

Wir aßen im Umweltzentrum Mittag und fanden ganz unerwartet richtig gute Pflaumenbäume. Der Tag zeigte wieder, dass einfaches ausreicht: ein Ort zum Rumrennen und ein Ort zum Essen füllen einen Tag.

Samstag

fuhren wir zu viert zur Burg Portchester; die Jungs spielten sehr schön zusammen. Nachmittags musste Ellie weg und ich entschloss mich, mit den Jungs ins Freibad zu fahren Freibad. Es war ein typisches Dilemma: ich wollte es auch Sebbi zeigen, solange es noch warm genug ist. Aber der wirkte bereits früh müde. Außerdem war Otto etwas enttäuscht, dass ich ihn nicht so unterstützen konnte wie zwei Tage vorher. Ich lernte, dass Sebbi auch schnell kalt wird, und ich zog ihm bald wieder ein Tshirt an und trug ihm im Wasser. Zu meiner Erleichterung kollabierte er nicht vor Müdigkeit, und Otto fand seine gute Seite, sodass wir ein richtig schönes Picknick aus dem Gras machten. Die Brüder spielten und tanzten zu der lauten Musik dort. Otto war sehr lieb und Sebbi schien es gut zu gehen. Darum fuhr ich mit ihnen auch noch zum Cafe in den Hilsea Linien, und sie spielten sehr schön unter den hohen Bäumen. Wir gingen spät ins Bett. Am Sonntag brauchten sie aber wirklich Erholung. So endete meine letzte Ferienwoche mit Otto.

Sebbi

hat einen glänzenden Jahresbericht der Kita bekommen. Würde ich gerne übersetzen, aber die Zeit fehlt. Und das Personal kommuniziert immer wieder, wie sehr sie ihn mögen.

spricht relativ viel deutsch. Letztens stellte er fest: "Ich bin Ottos Bruder."

ist relativ emotionaler als bisher 

Johannes

ich habe endlich erfolgreich Marmelade geschafft. Otto ist begeistert; wir werden es wiederholen.

Ich habe auch endlich unser Kajak inspiziert, dessen Ruder im letzten Sommer plötzlich schief saß. Es lässt sich wohl weder reparieren noch recyceln. Darum behalte ich es wohl lieber und fahre mit Linksdrall. Zumindest hatten die Kinder ihren Spaß, als das Boot zwei Tage aufgepumpt im Garten lag. Otto zeigte Sebbi sofort, wie man korrekt rudert, wie er es beim Wassersportzentrum gelernt hatte.

Der beginnende Herbst tut mir geistig sehr gut. Trotzdem ist meine Ruhe sehr brüchig. Auch Otto macht mir immer wieder Gedanken. Lobt man Sebbi (und das muss man, oft) muss man immer auch Otto loben, sonst versteht er das als Zurücksetzung. Sebbi hat von ihm das Konzept von "besser / schlechter als Du" gelernt, und jetzt ist alles ein Wettbewerb. In letzter Zeit denkt Otto, oder gibt es vor, dass wir ihn weniger mögen als Sebbi, oder dass er kein gutes Kind sei. Man spricht das an wo man kann, aber das Schwanken zwischen den Extremen gibt mir keinen Frieden. 

Donnerstag, 6. August 2026

Oma

Montag

arbeitete ich, und nachmittag kam Mutti / Oma zu uns.

Dienstag

arbeitete ich auch noch. Die anderen gingen (nach einem schwierigen Morgen) in die Bibliothek, wo Otto ein neues Buch für seinen Sommerlesewettbewerb aussuchte, und dann zum Spielen in die Margaretenkirche. Otto fuhr später mit Oma Bus, half ihr beim Einkaufen und sie lasen zusammen.

Mittwoch

Große Fahrt mit beiden Kindern. Ich behalte Sebbi die ganze Woche zu Hause. Oma bekam das Museum Butser zu sehen, und dann gab es Mittag im Umwelt Zentrum, inklusive Eis für die Kinder. Danach besuchten wir den Ort im Wald wo drei zweijährige Otto eine Weile lang jeden Mittwoch zur Waldschule ging. Ich war traurig, dass Sebbi diese Möglichkeit nie hatte, als er da zwischen den Baumen spielte. Zum Schluss sind wir noch auf das Dorffeld von Buriton, um die Pflaumen zu prüfen. Wir kamen zwar zu spät, fanden aber noch eine Schale voll im Gras. Zu dieser Zeit war das Wetter viel angenehmer. Wolken und Wind. Eine Freude die Kinder mit Karacho über das Feld radeln zu sehen. Und wir haben endlich einen funktionierenden Drachen, den Otto ausprobierte.

Donnerstag

plante ich einen Ruhetag von Ort. Otto ging mit seiner Oma in den Park, ich mit Sebbi zum Friseur. Das ging ohne Probleme, sowohl bei ihm selbst als auch als er auf mich warten musste. Währenddessen beeindruckte Otto seine Oma mit seiner Reife im Straßenverkehr. Dann liefen wir zu viert in die Bibliothek, dann ins Cafe und den Park daneben. Nachmittag suchten wir Zutaten fürs Marmeladekochen und erfuhren, dass hier niemand je von 1:2 oder 1:4 Gelierzucker gehört hat - nur im polnischen Laden fand ich etwas ähnliches.

Abends kam noch etwas besonders schönes: wir fuhren zu viert zur Landzunge am Anleger der Fähre nach Hayling, wo ich schon im letzten Jahr gerne mit den Jungs hingefahren bin.

Freitag

kam ein weiterer Ausflug, zuerst auf den Spielplatz beim Haus Stansted, dann zum Haus selbst, mit Mittagessen im Gartenbaumarkt. Später kaufte Oma den Kindern Eis und wir verbrachten eine Stunde im Schatten des Baumparks, während nebenan Musik von einer Tonprobe vor einem Konzert rüberschallte.

Samstag

guckte sich Mutti Ottos Schwimmunterricht an und passte auf Sebbi auf, während ich endlich wieder selbst schwamm. Otto war schwierig, bekam aber trotzdem ein unverdientes Eis hinter dem Stadtmuseum, weil ich es Mutti einfach mal zeigen wollte. Da blieben wir eine ganze Weile, weil es schön war. Mutti ging später Souvenirs kaufen, und nachmittags gingen wir an den Strand.

Sonntag

fuhr Ellie mit Otto Richtung Kent, wo seine Großeltern ihn für eine Woche übernahmen. Sebbi, Mutti und ich fuhren mit Bus und Bahn nach Chichester, weil Sebbi mal wieder in einen Zug wollte. Wir verbrachten einen langsamen Tag im Bischofspark, dem Cafe der Kathedrale und in der römischen Ausstellung des Novium Museum, das ich seit Jahren besuchen wollte. Am Ende ging es auch nochmal zum Kanal.

Sebbi

Ist derzeit ganz schon verrückt. Zeigt auch die emotionale Dünnheitigkeit, die auch Otto in diesem Alter hatte, wenn auch in geringerem Ausmaß. 

Otto

Ottos Verhalten ist in den letzten Tagen ziemlich schlecht. Der braucht Routine. Ferien und ständig wechselnde aufregende Besucher machen ihn wuschig. Insbesondere ist er schlecht zu Sebbi. Morgens im Bett ist Otto liebt, aber sobald er Sebbi sieht geht es bergab. Wir haben dadurch immer wieder Zusammenstöße, weil ich nicht zugucke, wie ein dreijähriger verbal und körperlich rumgeschubst wird. Auch wenn ein sechsjähriger das auch noch nicht begreifen kann. Irgendwem tut man immer Unrecht, egal was man macht.

Darüber hinaus wird Otto böse von Mücken zerstochen. Es hilft seiner Stimmung überhaupt nicht, wenn morgens alles juckt. Sieht allergisch aus. Aber Hausarzt und Apotheker können nicht helfen. Das zu sehen tut mir selbst körperlich weh. Und statt helfen zu können muss ich noch mit ihm meckern, wenn er seinen Bruder anmacht.

Johannes

ich hole mir weitere Asterix Bücher aus der Bibliothek. 

meine Rippenprellung ist vorbei; ich kann wieder schwimmen und niesen ohne das es furchtbar weh tut. 

Samstag, 1. August 2026

Opa

Samstag, den 25. Juli, kam, nach spontaner Umplanung, Papa für eine Woche zu Besuch. Er wohnte drei Straßen weiter, und die müden Kinder schrien abends Zeter und Mordio, weil sie nicht mehr Opa Wohnung inspizieren konnten. Das kam aber am nächsten Tag.

Sonntag

gingen wir es einfach an: Spielplatz am Morgen, ein Picknick, dann fuhr ich mit Kindern und Papa in den Apfelgarten. Unsere Freunde hatten uns kurzfristig eingeladen. Bestes Wetter; die Jungs stiegen auf Leitern und pflückten Äpfel. Meine Bekannte schnitt extra Haselzweige, damit sie die Schafe und Ziegen auf dem Nachbargrundstück füttern konnten. Dann deckten sie einen Tisch mit Kaffee und Kuchen. Über uns kreisten die Bussarde und Rotmilane. Ich bekam Rhabarber. Auf der Rückfahrt hielten wir in einer Allee und schauten von einem Stoppelfeld in die Weite. Beide Jungs beobachteten die Stoppeln durch mein Fernglas. Papa und ich schauten rüber zu den Hünengräbern auf dem Alten Winchester Hügel. Hinter uns fuhr ein Traktor Strohballen vom Feld. Wir sammelten Ähren und mahlten daraus am nächsten Tag Mehl. Ich wünschte, wir hätten noch zwei Stunden mehr gehabt.

Montag und Dienstag musste ich leider arbeiten. Papa schloss sich Ellies Ausflügen mit den Kindern in die Bibliothek und in den Park an. Spendierte manchmal Eis. Für mich war es sehr schön abends mit Papa und Otto ans Meer zu gehen. Leider versteht Sebbi jetzt das er zurück gelassen wird. Ich wünschte ja auch, er könnte mitkommen. Aber er braucht den Schlaf. Denn er ist nur ein Baby. Genau wie Otto.

Mittwoch

kam eine große Aktion: Otto verbrachte einen ganzen Tag im Freiluftmuseum Butser im Eisenzeit-Ferienklub. Sebbi setzten wir auf dem Weg in der Kita ab. Papa und ich guckten uns Butser auch an, ohne Otto abzulenken. Dann fuhren wir mit dem Auto die South Downs entlang, aßen im Umweltzentrum und dann weiter zum Alten Winchester Hügel und guckten ins Land. Dann ging es zurück, Otto abholen. Der hatte einen guten Tag gehabt: Wolle gesponnen, Bogen geschossen und sein eigenes Rota Spiel gebaut. Wir holten Sebbi etwas früher nach Hause und ich beschloss ihn die restliche Woche gleich da zu behalten.

Donnerstag

gab ich den Jungs Pause und das hat gut geklappt. Vormittags in die Bibliothek, dann Mittagessen im Garten, nachmittags zum Meer. Dort lernte Otto einen Freund kennen, den er die folgenden Tage immer wieder suchte. Sie spielten auf einer Luftmatratze im Wasser, und Sebbi hörte gar nicht auf zu lachen wie die Jungs imm wieder ins Wasser fielen. Die andere Familie war aber nur das Wochenende über in Portsmouth. In der Zeit spielte Otto mit ihm im Wasser, und ich konnte mir das Aufpassen mit den Eltern teilen.

Freitag

machte ich einen Ausflug nach Warnford. Dort kennen wir eine besonders schöne Wiese mit Spielplatz am Fluss liegt, unter großen, schattigen Bäumen. Da wollte ich die Mittagshitze verbringen. Wir verbrachten Stunden am und im Fluss. Die Kinder trugen praktischerweise gleich Badesachen, sodass ich keine Sorge hatte, ob sie ins Wasser fallen würden. Sebbi insbesondere war fast die ganze Zeit im Wasser und spielte mit kleinen Borkenbooten. Papa konnte auf bequemen Sitzen im Schatten ruhen. Wir hatten Essen und Trinken genug. Auf der Rückfahrt am Nachmittag bekam jeder noch ein Eis im Umwelt Zentrum, und beide Kinder durften sich eine Pflanze für den Garten aussuchen. Otto nahm eine junge Eiche und Sebbi einen Gundermann. Wir hielten auch nochmal an einem Feld und sammelten Ähren. Sebbi mahlt daraus sehr gerne Mehl, und ich backe dann damit Brot. Nur Otto war abends verzweifelt, dass wir es nicht mehr zum Strand und zu seinem neuen Freund schafften.

Samstag

guckten Papa und Sebbi morgens bei Ottos Schwimmunterricht zu, und gingen dann mit mir Einkaufen. Später gingen wir wieder an den Strand, wo Otto endlich seinen Freund wiedersah. Er ließ ihn aber sofort stehen, als er Aussicht auf ein Getränk im Pub bekam. Von dort nahm Ellie die Kinder später nach Hause und brachte sie ins Bett, während Papa und ich noch einmal Zeit zum Reden hatten. Ellie erzählte später, dass sie Otto alleine lesen gelassen hatte, bis Sebbi schlief. Früher haben wir ihm das Tablet gegeben.

Sonntag

die Jungs und ich brachten Papa zum Bahnhof. Zum Glück hatten wir gleich weiteres Programm gegen den Abschied; Sebbi war nur traurig, weil er erwartet hatte, selbst Zug zu fahren. Stattdessen fuhr er nachmittags zu einer Geburtstagfeier, und ich ging mit Otto wieder zum Strand, wo allerdings sein Freund nicht mehr kam. Irgendwann wollte er ganz von allein zurück nach Hause und noch Zeit mit seiner Mami verbringen. Und ich hatte mit ihm einen richtig schönen Abend, wo wir Rota spielten, ein ganzes Puzzle bauten und er aus einem deutschen Buch las.

Sebbi

ist lieb, aber emotional

Otto

sprach mit seinem Opa sehr schön Deutsch

macht in einem Lesewettbewerb der Bibliotheken mit, wo er über die Sommerferien sechs Bücher lesen muss. Weil er Wettbewerbe liebt, liest er die dann auch immer sofort komplett und braucht ständig Nachschub.

Johannes

ich verliere mein Zeitgefühl, weil ich vier Wochen lang nur sporadisch arbeite.

ich sehe Ellie noch weniger als sonst. 

im Garten wachsen jetzt zwei Tomatenpflanzen, sogar ein Avocadokern hat einen Spross entwickelt.

Ich habe kürzlich das erste Mal Sauerteig probiert; so richtig ist er nicht aufgegangen, aber das Brot daraus hatte trotzdem einen anderen Geschmack. Das würde ich gerne weiter probieren.

ich warte auf das Ende des Sommers. Fühle mich in der Sonne nicht wohl. Die Abende sind sehr schön. So sollte es die Tage über sein. 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Ferien

Mittwoch war Ottos letzter Schultag und er hat sich sehr gefreut. Er freut sich immer über Ferien und ist dann immer gut drauf. Erstmal fuhr er mit seiner Mami einen Eiswagen suchen.

Abends dann erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch und radelte mit Otto zum Baden ans Meer. Schon lange bevor wir selbst Kinder hatten dachte ich mir immer, dass ich die Stimmung eines Sommerabends am Meer zeigen möchte. In den Ferien muss ich dabei nicht so sehr auf die Schlafenszeit gucken. Ich wünschte, Sebbi könnte schon mitmachen.

Zusammen sammeln wir abends oft die lokalen Brombeeren. Letztens haben wir daraus auch richtig gute Eislollis gemacht.

Montag, 20. Juli 2026

Sommer auf dem Land

Samstag bat ich um die Erfüllung meines Geburtstags Wunsches, nämlich im Freiluftmuseum Butser ein Picknick zu machen und dann eine Stunde alleine mit Buch, Tee und Schokolade zu bekommen. Das Wetter war dieses Wochenende viel besser dazu geeignet und es genoss meine Ruhe unter einem Baum. Die Kinder hatten aber auch wieder eine tolle Zeit. Otto spielte wieder das römische Spiel Rota (wir machten abends unser eigenes Spielbrett) und beide Kinder fütterten die Ziegen.

Nach Musuemsschluss fuhren wir noch zum Spielplatz in Clanfield, und gerade als wir nach Hause wollten, legte im Feld nebenan ein Mähdrescher los. Die Kinder waren begeistert, und ich selbst habe das auch noch nie so nah zu sehen bekommen. Von Butser hatten wir ein paar Weizengarben mitgenommen, und am nächsten Morgen mahlten die Kinder daraus mit Mörser und Sieb etwas Mehl, was dann in ein Brot kam.

Sonntag fuhren wir zu einem Pub auf dem Land, der kürzlich in einen großen Spielbereich für Kinder investiert hat. Wir erfuhren dort, dass man da nur mit Reservierung eine Chance auf Essen hat. Aber das Spielfeld ist wirklich gut. Nicht nur eine Kletterburg, sondern ein wortwörtliches Feld mit Heuballen und verschiedenen Aktivitäten. Pubs auf dem Land müssen eben erfinderisch sein.

Wir fuhren dann weiter in einen anderen Pub mit Spielfläche, in Liss. Das war etwas weniger rausgeputzt, aber nichtdestotrotz haben wir dort gute drei Stunden verbracht. Die Kinder rannten auf dem Feld, Otto spielte mit mir Tennis, für den Herbst gibt es am Rain viele Haselnussbäume. Und beide Kinder krabbelten in eine alte Weide, die sowas wie ein natürlich Baumhaus bietet. Ich nehme zur Kenntnis, wieviel Zeit man inzwischen mit einem einfachen Feld füllen kann. 

Otto

hat endlich seine Urkunde für 100 gelesene Bücher bekommen. Abends probieren wir eine neue Fibel zum Thema des menschlichen Körper aus. Die ist etwas schwieriger als Jojo 1, aber motiviert Otto mit Rätseln. Aus Deutschland erwarte ich Jojo 2, für die zweite Klasse.

Geht mir richtig auf die Nerven, wie er andauernd seinen kleinen Bruder runtermacht. Er war schon immer ehrgeizig und will alles gut können und besser als andere. Wir haben ihn auch immer mit Lob unterstützt. Aber jetzt kann man erstens Sebbi kaum für etwas loben, ohne das Otto sofort zeigen muss, dass er es besser kann. Und zweitens kritisiert er aktiv sofort alles, was Sebbi macht. Ich kann nicht anders als dagegen halten, damit mir Sebbi nicht anfängt, sich für unfähig zu halten. Ein besserer Kompromiss fällt mir nicht ein, und es stresst mich.

machte Samstag morgen im Schwimmunterricht ein paar beeindruckende Sachen. Sie arbeiten am Kraulen und offenbar sogar am Schmetterling.

Johannes

meine Brust ist nur noch eine Irritation. Diese Woche konnte ich fast wieder schwimmen, und im Alltag merke ich es kaum noch. Ich gehe wieder zum Tango und fahre Fahrrad, und gestern hatte ich sogar Lust Brotteig zu kneten. Damit, und dem erträglicheren Wetter, geht es mir auch insgesamt besser. Manchmal erledige ich abends etwas kleines, anstatt mich in seichte Unterhaltung zu fliehen.

Ich bin begeistert von meinem neuen Leinenhemd. Werde mir noch mehr davon besorgen, für heiße Zeiten. Sieht außerdem sehr schick aus. 

Montag, 13. Juli 2026

Wir hatten bereits die nächste Hitzewelle, viel länger als die erste. Darum waren wir viel baden: Freitag abend ich und die Kinder, Samstag abend wir alle vier. Allerdings stressig, was man erstmal alles packen muss, während die Kinder vor Aufregung durchs Haus toben. Bei Ottos Schwimmstunde Samstag morgen merkte ich, dass ich trotz Besserung noch nicht schwimmen kann.

Anschließend fuhren Otto und ich direkt nach Gosport, zur nächsten Karateprüfung. Während Otto die in einer Sporthallte bestand, schlief ich im Schatten davor. Wir hatten außerdem einen schönen Moment lang Pause in einem nahen Park unter Bäumen.

Sonntag wurde die Hitze wenigstens durch starken Wind gemildert. Ich fuhr mittags mit beiden Kindern zum Familienschwimmen im Sportzentrum. Anschließend lieferte ich Sebbi wieder zu Hause ab und fuhr mit Otto gleich nochmal schwimmen. Leider hatten Sebbi und ich uns falsch verstanden; er war bitter enttäuscht, das er nicht mitkommen konnte. Allerdings ist es gut, wenn ich Otto voll unterstützen kann. Egal was man tut, ein Kind kommt immer zu kurz.

Ich bin so stolz auf meine Jungs, wenn wir zusammen im Wasser sind. Und ich freue mich auf Sebbis Schwimmstunden, sobald er vier Jahre alt ist.

Ich liebe es aber auch, ein Kind allein zu haben und mich ganz darauf konzentrieren zu können. Die ruhigen Zeiten mit Otto vor dem Schlafen machen mir richtig Spaß. Letztens machen wir zusammen Tee, dann spielen oder lernen wir was zusammen. Einmal wollte er einfach lesen, um eine Schul-Urkunde zu bekommen. Und mit Sebbi arbeite ich gerne in der Küche, soweit ich mich ganz darauf konzentrieren kann.

Wir mustern bald den Kinderwagen aus. Fürs erste habe ich ihn auf den Dachboden gebracht. Weitergeben wird schwierig, aber er hat inzwischen mindestens vier Kindern gedient. Und er gibt wertvollen Raum im Esszimmer frei. Vielleicht können wir sogar wieder alle vier Stühle des Esstischs benutzen. Irgendwann.

Otto

schnappte sich letztens mehrmal sein Arbeitsheft deutsch und arbeite abends im Bett selbstständig einige Seiten durch. Rätsel-ähnliche Aufgaben motivieren ihn sehr. Es ist bis heute ein bisschen wie Zauberei, wenn er deutsch spricht oder schreibt.

Lässt sich ob der guten Leistung der englischen Mannschaft diese Woche doch vom Fussball mitreißen. 

Sebbi

kriegt bei jedem Einkauf eine Brezel

die Betreuer in der Kita erzählen mir, wie schlau Sebbi ist: nicht nur kann er bis sieben zählen, sondern er macht das auch auf Deutsch. 

Johannes

meine Schmerzen werden doch besser. Bestimmte Bewegungen funktionieren wieder, ohne dass ich es merke. Aber zum Schwimmen reichte es am Wochenende noch nicht und ich bleibe vorsichtig. Wegen Schmerzen und Hitze habe ich vorerst alle meine Hobbys eingestellt. Auch das untergräbt meine geistige Verfassung. Es braucht nur sehr wenig, bis ich mich mindestens sehr melancholisch fühle.

Und weil ich mich abends nur zerstreue, schaffe ich so wenig. Ich sollte Hauspreise raussuchen, Klimaanlagen und Ventilatoren organisieren, entscheiden, ob wir in dieses Haus oder in ein anderes investieren und mindestens eine Reise nach Deutschland planen. Ellie schlug vor, ich könnte in der Woche fahren, wenn Otto in Kent ist. Wo fängt man an. Meistens fliehe ich dann lieber in die Zerstreuung. Zum Beispiel gucken wir oft Archäologie-Sendung, die Ellie bereits als Kind guckte und die letztens auch auf Butser waren. Mir macht an solchen Abenden  aber auch mein erster Asterix Band, zum Geburtstag gekriegt, viel Freude.

Dienstag, 7. Juli 2026

Geburtstage und Fahrradstürze

Mir ging es nach einem Gespräch mit Oma am letzten Montag viel besser. Die Woche über entspannte ich mich, auch wenn ich weiterhin vor allem Zerstreuung und Ablenkung suche. Freitag abend ging ich mit den Jungs an den Strand, und mit Otto auch ins Wasser. Als sie schliefen, hatte ich dann einen besonders schönen Tangoabend. Auf dem Heimweg aber schlug das Unglück zu: ich stürzte mit dem Fahrrad und tat mir richtig weh. Vermutlich eine Rippenprellung; hoffentlich keinen Anbruch. Ich bat einen Passanten mich zur Sicherheit zu begleiten, während ich mich nach Hause schleppte. Dort verband mich Ellie vorerst. Seitdem aber habe ich ganz schöne Schmerzen, und die erschöpfen mich. Ich schaffe also abends weiterhin nichts als seichte Unterhaltung; fühle mich dabei schlecht, weil es wichtige Dinge vorzubereiten gäbe.

In der Nacht vor Sebbis Geburtstag schlief kaum jemand gut (Sebbi kotzte ins Bett; Otto wachte darüber auf und konnte vor Aufregung nicht mehr schlafen), und ich war froh, dass die Kinder mit einem vereinfachten Tagesplan zufrieden waren. Wir fuhren zum Selbsterntehof Durleighmarsh, wo sie gerne im Garten des Cafes spielen. Später pflückten wir auch verschiedene Beeren, aber ich versteckte mich möglichst im Schatten und erzählte Sebbi von Tieren und Pflanzen.

Sonntag holten wir den eigentlichen Geburtstagsplan nach und fuhren in den Freizeitpark Fishers Adventure Park. Das muss vor langer Zeit ein Bauernhof gewesen sein, heute aber voll auf Familien ausgelegt, und, zu meiner Überraschung, richtig gut. Die Kinder waren begeistert und ich brauchte mich v.a. nicht besonders verausgaben. Otto fuhr immer wieder Wildwasserboot, während ich im Schatten las. 

Otto

ist in letzter Zeit ein richtig guter Junge. Und er scheint mit Hitze besser umzugehen als der arme Sebbi.

liest jetzt morgens und abends alleine im Bett.

Meine Freude diese Woche sind die Ruhigen Zeiten mit Otto. Wir machen unseren eigenen Tee, wir machen Eislollis, wir rätseln auf Deutsch, bauen Lego, und ich spüre, das es Otto genauso gut tut wie mir. Michel aus Lönneberga macht gerade einige besonders unterhaltsame Geschichten, und Otto versteht alles, sogar alte Worte.

wir spielten mit einem neugekauften Elektromagnetismus-Kasten, bis ich mal zuviel Stress machte, es richtig zu bauen.

Ottos Sommerferien beginnen am 22. Juli . Wir haben ihm zwei Ferienclubs gebucht: einen Tag in Butser und einen im Wassersportzentrum.

Hat wieder ein sehr gutes Zeugnis bekommen. Nächstes Jahr wird seine Klasse Drescher-Hai benannt.

Hat an meinem Geburtstag einen Ukulele Auftritt für Eltern in der Schule gespielt.

Sebbi 

ist einfach nur lieb und süß. Diese Woche aber auch emotional.

kommt bald in die älteste Kita-Gruppe. Die letzte vor der Schule. Dabei war er doch gestern noch in der Babygruppe.

Johannes

Es geht mir nicht schlecht an sich, aber ich fühle mich fragil. Ziehe Ruhe vor, auch wenn sie sich wie Zeitverschwendung anfühlt. Die erneute Erfahrung, wie alltägliche Dinge plötzlich schwierig sind, und normale Bewegung geplant oder vermieden, schütteln mich schon. Da denke ich ans Alter, und an die Leute, die ich zu selten besuche.

Mein Geburtstag war ein normaler Arbeitstag; zu mehr fehlt mir ohnehin die Kraft.

Sonntag, 28. Juni 2026

Gottseidank ging die Hitzewelle erst nach Ellies Reise los. Mittwoch ging es zum ersten Mal seit ich hier lebe auf 30 Grad hoch. Einige Schulen machten dicht; wir holten Otto direkt nach Schulschluss nach Hause und dann auch Sebbi. Man kann sich nur im Haus verstecken und sich so wenig wie möglich bewegen. Donnerstag haben wir Sebbi auf anraten der Kita gleich zu Hause behalten; ich habe den Tag frei genommen und wir sind nur morgens in den Schatten des Spielplatzes gegangen.

Ab Freitag konnte man wieder atmen, aber mir geht es nicht gut, wenn ich aus Deutschland höre. Ich muss mich wirklich gegen eine anhaltende Klimapanik wehren. Und mache mir große Sorgen, in was für einer Welt meine Kinder leben sollen. Und wir haben Glück, am Meer, und noch zehn Grad unter Kontinentaleuropa.

Mit Mühe konzentriere ich mich auf Positive Dinge: Samstag nachmittag war ich mit den Jungs im Freiluftmuseum Butser, während Ellie einen Auftritt hatte. Das war der schönste Moment der Woche, es fühlte sich an wie richtiger, normaler Sommer, wo der Wind durch die Bäume und das Korn rauscht. Otto war motiviert von einer Art Schnitzeljagd und es waren wieder Historiendarsteller da. Verschiedene Handwerker, sogar zwei Schmieden; Otto war sehr interessiert wie die Funken vom glühenden Metall flogen. Beide Kinder bekamen Eis. Sebbi spielte wieder "schlafen" in den Betten der verschiedenen Hütten. Er muss am Ende tatsächlich müde gewesen sein, denn er schlief im Auto sofort ein. Diese Zeit über vergaß ich meine Ängste.

Sonntag vormittag trafen wir uns mit der Familie von Ottos Schulfreund auf einem neu eröffneten Spielplatz. Nachmittag erbat ich mir, allein zurück nach Butser zu fahren, weil es mir weiterhin nicht gut ging. Ich nahm noch unseren Freund Andrew mit. Diesmal konnte ich in Ruhe die Infotafeln lesen und mich mit den Handwerkern unterhalten. Textilfärbung mit Pflanzen fanden wir überraschend interessant. Ein Eisentopf über einem Holzkohlefeuer, darin Wolle in einem gelben Sud. Ellie und ich würden sehr gut zu diesen Menschen passen. Auf dem Rückweg hielten wir noch an der Hubertuskapelle an. Die Schwalben fliegen tief über dem Getreide.

Johannes

ich fliehe vor der echten Welt. Grundsätzlich keine Nachrichten, keine sozialen Medien, nichtmal den Wetterbericht. Ich lese die Drei Musketiere. Gucke und höre alte harmlose 50er Jahre Krimis. Schaue alte Computerspiele wie Filme. Ich mache wirklich nur die Augen zu und warte das es mir besser geht. Warte, dass der Sommer vorüber geht.

Und die Kinder sind besonders lieb, und je lieber sie sind und je mehr sie sich entwickeln, desto mehr tut es mir weh um ihre Zukunft.

Sonntag, 21. Juni 2026

Vatertage

Am letzten Sonntag war in England Vatertag. Zu diesem Anlass fuhr Ellie das Wochenende zu ihrer Schwester nach Kent und ich konnte ganz Vater sein. Nach all den Jahren machte mich das immer noch etwas nervös. 

Samstag morgen fuhren wir mit dem Bus zu Ottos Schwimmunterricht, danach gab es Süßigkeiten auf dem Spielplatz des Stadtmuseums gegenüber. Dann fuhren wir weiter Bus, mit Halt im Hafen, dann nach Hause. Ich machte an beiden Tagen richtig gutes Essen! Nachmittags ging es mit dem Bus zurück zum Sportzentrum zum Familienschwimmen, dann wieder zum Museum Eis essen, dann nach Hause und auf den Spielplatz. Ich ließ die Jungs länger aufbleiben, und wir schliefen alle zusammen in Ottos Zimmer. Sebbi und ich auf dem Ausziehbett. Das klappte wunderbar und hat uns allen drei gefallen.

Sonntag hatte ich ruhig geplant. Vormittags fuhren wir alle zu dritt mit unseren Rädern in den Park, das erste Mal, dass auch ich meins dabei hatte. Aber Sebbi wurde sehr früh müde und wollte stattdessen auf den Spielplatz, wo es sowohl Otto als auch mir zu heiß war. Nach einem weiteren ausgezeichneten Mittagessen fuhren wir Richtung des Wasserspielplatzes beim Canoe Teich. Aber auf dem Weg verletzte sich Sebi seinen Daumen und ein Drama begann. Erstmal standen wir genau zwischen Haus und Ziel in der prallen Sonne. Ich schimpfte zuerst und war nicht lieb genug zu ihm, bis wir Schatten fanden. Erst da dämmerte mir, dass es mehr sein muss man sah, denn er hörte nicht auf zu weinen und schien dann in meinen Armen einzuschlafen. Ich machte in einem Cafe einen kalten Wickel, aber als ich dann nach Hause wollte, brüllte Sebbi noch mehr (und protestierte interessanterweise kaum, obwohl er nicht glücklich war) und zeigte, dass er die Hand bewegen konnte. Also fuhren wir doch zum Wasserspielplatz. Otto fand dort Freunde spielte dort wunderbar im Wasser. Sebbi aber schlief im Bollerwagen ein, während ich über ihm fast heulte aus Angst vor einer Stauchung oder Quetschung. Zum Glück holten mich bekannte Eltern zu ihrem schattigen Picknicklager, boten an, auf Otto aufzupassen und uns zum Krankenhaus zu fahren. Als Sebbi aufwachte, sah er zuerst nicht besser als - bis ihm Kuchen in den richtigen Farben geboten wurde. Dann, als Otto bereits aus dem Wasser kam, wollte Sebbi unbedingt da rein und spielte begeistert. Was mich beruhigte. Trotzdem verfolgte ich auf der Karte genau, wie weit Ellie noch weg war. Schließlich bestach ich die Kinder mit Eis, nach Hause zu gehen. Am Montag ging Ellie doch mit ihm zum Arzt, die aber nichts feststellte.

Diese Geschichte hat mir ein ansonsten gelungenes Wochenende verdorfen und belastet mich immer noch.

Sebbi

will in letzter Zeit immer öfter auf dem Klo sitzen anstatt auf dem Topf.

Sebbi wird langsam zu lang um auf mir zu liegen. Ich werde es vermissen, wie er auf mir einschläft.

Otto

hatte Donnerstag Wandertag zur Burg Portchester. Die kennt er zwar gut, aber diesmal sind sie in den kostenpflichtigen, mittelalterlichen Teil gegangen, der in einer Ecke der viel größeren römischen Anlage steht.

Johannes

ich bin in letzer Zeit oft melancholisch. Mein Leben scheint wieder sehr monoton. Tags schafft man nichts, und abends auch nicht, und die Tage vergehen. Zuinnerst treibt mich vielleicht um, dass ich keine Reise nach Deutschland organisiert habe.

Sonntag, 14. Juni 2026

Samstag nach dem Schwimmen fuhren wir zum Tag der offenen Tür im Überseehafen. Dort läuft der zivile Personen- und Frachtverkehr, der weiter geht als zur Isle of Wight. Er liegt an der westlichen Ausfallstraße, aber man kann ihn schlecht einsehen. Ich selbst war nur zweimal da gewesen: als Ellie und ich nach St Malo fuhr und als ich Friedemann dort ablieferte. Und vor vielen Jahren hat Ellie dort in der Fährabfertigung gearbeitet.

Es war sehr viel interessanter als erwartet: im Terminalgebäude waren viele Stände: die Firma, die das Verladen im Hafen abwickelt, das Wassersportzentrum bewarb Ferienkurse für Ottos Alter, und die Uni Southampton begeisterte alle Kinder mit einem Roboterhund. Sie folgten ihm nach draussen, wo eine Trommlertruppe spielte und diverse große Fahrzeuge warteten. Beide Jungs stiegen in Schaufellader, LKWs und Gabelstapler. Ein Schlepper machte Ballet und spritzte mit seiner Wasserkanone. Am Kai nebenan wurde gerade ein Schiff entladen, und ich ließ mir eine alte Geschichte bestätigen, die ich nie ganz glauben wollte: es bringt mit einem Schwesterschiff tatsächlich jede Woche 40% des britischen Bananenimports ins Land.

Weiter hinten lagen ein Küstentanker, wo uns leider die Zeit ausging, und der Katamaran, der vom Hafenbahnhof nach Ryde auf der Isle of Wight fährt. Auf der Brücke waren zwei Sessel und zwei Kapitänsmützen für beide Jungs, und daneben Radar, Karte, Fahrtregler und Kameras in den Maschinenraum. Das war richtig gut.

Abends dann wollte Otto plötzlich die Stützräder von seinem lange unbenutzten Fahrrad abmachen und auf dem Spielplatz üben. Und zu meiner Überraschung ging es auch sofort problemlos. Er drehte eine Runde nach der anderen, konzentriert und stolz über seinen Fortschritt. Sebbi fährt sowieso mit Inbrungst. Ich freue mich, irgendwann zu fahren zu gehen. Vielleicht sogar zu viert, wenn Ellie wirklich will. Nur schade, dass es hier so wenige lohnende Radwege gibt.

Sonntag mussten wir einkaufen, aber nachmittags gingen wir alle in den Park, damit die Jungs Fahrrad fahren konnten. Otto kurvte durch den ganzen Park und übte am Ende auf den Hindernissen der Skateparks.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Letzen Samstag fuhren wir im Regen zum Dorffest in Droxford. War den Versuch wert, lohnte die Strecke aber am Ende nicht. Ich stritt mich mit Otto, was mir wieder den Tag ueber im Magen lag. Ich haette mit den Jungs lieber schwimmen fahren sollen.

Sonntag trafen wir uns mit Ellies Mutter auf dem Landhof Aldingbourne. Ich brauchte mehrere Stunden zum Aufwachen. Zum Glueck waren die Kinder fast immer auf den Spielplätzen und ich musste wenig tun. Zu meiner Überraschung saß ich eine gute halbe Stunde mit Otto im Bastelzimmer und malte.

Und einmal traf sich Ellie mit zwei Freundinnen, die wir früher noch regelmäßig gesehen hatten, bis eine emigrierte und die andere auch ein Kind bekam. Gäste geben mir heute viel mehr als früher. Eine willkommene Abwechslung vom Alltag.

Otto

ist wieder in der Schule. Neues Thema: Ritterburgen. Die Routine tut ihm gut. Ich finde ihn derzeit einfach und lieb.

ich habe das Gefühl, dass Otto inzwischen viele unserer Lektionen verinnerlicht, lieb zu seinem Bruder zu sein und Dinge aus dessen Perspektive zu sehen. Zum Beispiel, dass Sebbi noch nicht lesen kann. Einmal hat er Sebbi explizit gelobt für etwas, dass für ihn selbst inzwischen einfach ist. Ich finde diese Entwicklung sehr schön.

Wir haben das Arbeitsheft zu Ottos Fibel begonnen. Otto zeigt in unserer ruigen Zeit am Abend grosses Interesse daran. Er reagiert allgemein besonders gut auf Raetselhefte.

Johannes

ich hatte letzte Woche etwas falsches gegessen und war vier Tage ausser Gefecht. Bin immer noch vorsichtig was ich esse.

Diese Woche habe ich mich gleich mit zwei deutschen Müttern aus der Schule unterhalten, die in der Nähe wohnen. Eine ist noch länger hier als ich. Ich hoffe auf Kaffee und Kuchen in der Zukunft, damit die Kinder Deutsch hören.

 

Freitag, 29. Mai 2026

Eine Woche zu dritt

Während Otto die Woche auf der Insel Hayling verbrachte, machten Ellie und ich am Mittwoch wieder einen Elterntag. Bei großer Hitze fuhren wir in das Dorf Selborne und besuchten das Haus des Naturforschers Gilbert White (18. Jh.). Wirklich viel konnte ich nicht aufnehmen, aber festzuhalten ist:

* richtig toller, großer Park und Garten mit Wiesen, botanischen Gärten und dahinter ein Hügel mit Buchenwald. Man könnte gut wandern, und das hat White wohl auch gern getan.

* das Haus ist gemütlich; am schönsten fand ich das Esszimmer mit Panoramablick in den Park

* Auszüge aus Briefen der Zeit geben einen praktischen Einblick, und erinnern in Stil und Inhalt an die Bücher Jane Austens

Selbige wohnte im nächsten Jahrhundert nicht weit weg im Dorf Chawton, wohin wir nach einem Mittagessen in einem Pubgarten fuhren. Vor vielen Jahren, vor den Kindern, waren wir schonmal dagewesen; damals verbrachten wir ein trübes Wochenende in der Jurte im Umweltzentrum. Wir gingen daher nicht nochmal in Austens Haus, sondern liefen zum Anwesen ihres Bruders und dessen großen Garten.

Sebbi

wurde vier Tage lang betuddelt 

Otto

scheint die gesamte Woche mit Schwimmen, Süßigkeiten und Wahnsinn verbracht zu haben. Aus Berichten wissen wir, dass er jeden Tag am Schwimmbecken war und wenn wir ihn mal ans Telefon bekamen, hat er vor Aufregung nur rumschreien koennen. Also genau wie letztes Jahr. Ich war froh, dass die grosse Hitze in der zweiten Wochenhaelfte etwas nachliess.

Er kam Freitag braungebrannt zurück und schien größer als vorher. Der Junge sah schon immer aus wie ein Surfer, aber jetzt hat er endlich Interesse am Strand und will im Meer baden. Ich habe jahrelang darauf gewartet.

Johannes

ich habe das Computer-Buch ausgelesen, allerdings ohne die ganzen Übungen gemacht zu haben, die den Hauptwert des Buches darstellen. Stattdessen beginne ich ein weiteres technisches Buch, über "git", ein Werkzeug fuer Programmierer.

Die zunehmende Leistungsfähigkeit der Jungs, in Körper und Geist, lässt mich viel träumen, was wir alles machen könnten, was ich ihnen zeigen möchte. Jahrelang habe ich gewartet, mehr und mehr mit ihnen machen zu koennen. Aber ein Leben ist zu kurz für alles, und mein Einkommen zu gering für alles.

Dienstag, 26. Mai 2026

Pfingsten & Otto auf Hayling

Das Pfingstwochenende war sehr heiss und ich leide bereits. Aber wir hatten eine sehr gelungene Zeit mit den Kindern. Samstag nachmittag sind wir nach Warnford gefahren, wo man auf einer Wiese neben dem Fluss Meon liegen kann, mit Spielplatz und viel Schatten unter einer Reihe hochgewachsener Pappeln. Ich lief mit den Kindern im flachen Wasser und Otto baute sich und Sebbi Boote aus Baumrinde. Es erinnerte mich an zu Hause, auf einer Wiese am Wasser zu sitzen und Vogelzwitschern zu hoeren. Die Jungs waren danach erledigt, aber froh.

Sonntag fuhren wir, finanzielle Bedenken ignorierend, zum Tag mit Thomas (der kleinen Lokomotive) mit der  Wasserkresse-Traditionseisenbahn in Ropley. Wir waren 2023 da gewesen, sechs Wochen vor Sebbis Geburt. Damals war das der Beginn einer langen Eisenbahnphase fuer Otto und nicht zuletzt mich. Diesmal war v.a. Sebbi begeistert und aufgeregt, den echten Thomas zu treffen. Wir fuhren zweimal mit der alten Bahn, machten ein Picknick auf der Wiese des Bahnhofs und auf dem Spielplatz. Moeglichst im Schatten, denn die Hitze war enorm. In den Waggons faechelten wir den Jungs Luft zu, waehrend ich an die Heizer in der Lokomotive dachte. Wir fuhren gegen 14 Uhr nach Hause und liessen die Kinder den Rest des Tages ausruhen. Naechstes Mal, und vermutlich gibt es ein naechstes Mal, kommen wir am Nachmittag, wenn es weniger warm und voll ist. Aber insgesamt mag ich die Dampfromantik sehr. Ich wuerde das gerne mal allein machen, mit sehr viel Tee und Buechern. Ich ging dieses Mal auch in die Werkstatt, wo man normalerweise bei Restaurationsarbeiten zugucken kann, aber an diesem Tag war sie zu.

Montag hatte ich frei, aber wir hielten den Ball flach, weil Otto mit seiner Aufregung vor dem Uebergabe an seine Grosseltern zu tun hatte. Das merkte ich morgens, als er auf dem Spielplatz Roller fahren wollte, und obsessiv Sachen tat, die ich als emotionale Kontrollrituale kenne. Wir sind aber kurz nach Butser gefahren, was mir jedes Mal gut tut. Sebbi fiel hin, woraufhin beide Kinder ein Eis bekamen. Die Roemer waren da, und Otto lernte mit einigen anderen Kindern roemische Zahlen.

Bald darauf fuhren wir jedoch die Autobahn wieder runter auf die Insel Hayling, wo Ottos Grosseltern und Cousine eingetroffen waren. Dort bleibt er jetzt bis Freitag in einer Feriensiedlung aus mobilen Haeusern, die ganz schon warm werden. Alle drei Kindern waren heiss, rot im Gesicht und sehr aufgeregt aufs das Schwimmbecken. Ich hoffe ausserdem, dass die Grosseltern es durchhalten. Trotz vieler Nachfragen bestanden sie darauf.

Waehrend wir den mueden Sebbi nach Hause brachten, schwamm Otto, wie wir spaeter erfuhren, zum ersten Mal im Meer, weil das Becken bereits zu hatte. Schlafen gingen sie erst um Mitternacht, und wachten um sechs wieder auf. Ellie fuhr am folgenden Tag mit Sebbi zu ihnen und alle verbrachten einige Stunden im Schwimmbecken. Mir wurde berichtet, dass Otto sehr froehlich ist und konzentriert schwamm, waehrend Sebbi begeistert im daneben liegenden Kleinkinderbereich planschte. Ich freue mich wie Bolle, dass beide Kinder gerne im Wasser sind.

Sebbi

faehrt begeistert Laufrad 

hat Angst vor dem Staubsauger, drueckt aber gerne auf den Knopf, der das Kabel einzieht 

Otto 

Donnerstag nachmittag haben wir Ottos juengsten Projektabschluss in der Schule besucht. Sie haben gelernt, was fuer Tier- und Pflanzenarten es gibt und ich staune, welche schwierigen Worte man auf die Sechsjaehrigen loslaesst. Otto freut sich immer ueber die Aufmerksamkeit, will anschliessend aber immer mit nach Hause kommen, weil einige Eltern ihre Kinder gleich mitnehmen.

Seitdem hat Otto Ferien und reagiert darauf wie immer mit sehr gutem Benehmen. Er ist ausgeglichen und froehlich, bemueht sich im Ungang mit uns und vor allem Sebbi. Es zeigt immer, dass er will, aber sonst oft einfach nicht die Kraft zur Impulskontrolle hat.

Er schnappte sich in der Zeit morgens im Bett auch manchmal Buecher und liest relativ leise vor sich hin. Einmal hat er dabei zwei Buecher komplett durchgelesen und mir danach davon erzaehlt.

Und er war tagelang aufgeregt wegen der bevorstehenden Woche mit seinen Grosseltern. Manchmal fragte ich, ob er sich vielleicht doch etwas komisch fuehlt wegen der Veraenderung, aber er sagt nur, dass er sich sehr freut.

Ich bin auch mit Ottos Rechnen zufrieden. Wir haben eine Reihe Mathespiele aus der Schule fast fertig, und ich habe bereits Plaene, was wir danach in unserer Ruhigen Zeit ueben werden. Die war urspruenglich eingefuehrt worden, um Otto die Schlafenszeit zu erleichtern, nachdem Sebbi geboren worden war. Aber wir geniessen es schon lange um ihrer selbst willen, und ich nutze die Zeit um mit Otto Sachen zu lernen und zu ueben. 

Johannes

Es ist schoen und gleichzeitig komisch, mehr Zeit im Hause zu haben. Mein eigenes Schlafzimmer, laengere Abende, ungestoert schlafen. Aber ich vermisse Otto in seinem Bett, wenn ich reinkomme. Gleichzeitig freue ich mich, Sebbi mal meine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

es tut mir gut, kuerzlich einige Geburtstagkarten verschickt zu haben. Mir ist sogar eingefallen, dass ich zwar keine Paeckchen schicken, aber ja wenigstens Geschenke bestellen kann.

Fuer mich selbst habe ich gebraucht bestellt: eine Schwimmbrille (gegen die Spritzer aus der Schnellschwimmerbahn neben meiner) und eine grosse Kastenbackform (fuer groessere Brote).

Ich gucke mit grosser Freude die kurzen Folgen von "Funkstreife Isar 12"