Samstag, 1. August 2026

Opa

Samstag, den 25. Juli, kam, nach spontaner Umplanung, Papa für eine Woche zu Besuch. Er wohnte drei Straßen weiter, und die müden Kinder schrien abends Zeter und Mordio, weil sie nicht mehr Opa Wohnung inspizieren konnten. Das kam aber am nächsten Tag.

Sonntag

gingen wir es einfach an: Spielplatz am Morgen, ein Picknick, dann fuhr ich mit Kindern und Papa in den Apfelgarten. Unsere Freunde hatten uns kurzfristig eingeladen. Bestes Wetter; die Jungs stiegen auf Leitern und pflückten Äpfel. Meine Bekannte schnitt extra Haselzweige, damit sie die Schafe und Ziegen auf dem Nachbargrundstück füttern konnten. Dann deckten sie einen Tisch mit Kaffee und Kuchen. Über uns kreisten die Bussarde und Rotmilane. Ich bekam Rhabarber. Auf der Rückfahrt hielten wir in einer Allee und schauten von einem Stoppelfeld in die Weite. Beide Jungs beobachteten die Stoppeln durch mein Fernglas. Papa und ich schauten rüber zu den Hünengräbern auf dem Alten Winchester Hügel. Hinter uns fuhr ein Traktor Strohballen vom Feld. Wir sammelten Ähren und mahlten daraus am nächsten Tag Mehl. Ich wünschte, wir hätten noch zwei Stunden mehr gehabt.

Montag und Dienstag musste ich leider arbeiten. Papa schloss sich Ellies Ausflügen mit den Kindern in die Bibliothek und in den Park an. Spendierte manchmal Eis. Für mich war es sehr schön abends mit Papa und Otto ans Meer zu gehen. Leider versteht Sebbi jetzt das er zurück gelassen wird. Ich wünschte ja auch, er könnte mitkommen. Aber er braucht den Schlaf. Denn er ist nur ein Baby. Genau wie Otto.

Mittwoch

kam eine große Aktion: Otto verbrachte einen ganzen Tag im Freiluftmuseum Butser im Eisenzeit-Ferienklub. Sebbi setzten wir auf dem Weg in der Kita ab. Papa und ich guckten uns Butser auch an, ohne Otto abzulenken. Dann fuhren wir mit dem Auto die South Downs entlang, aßen im Umweltzentrum und dann weiter zum Alten Winchester Hügel und guckten ins Land. Dann ging es zurück, Otto abholen. Der hatte einen guten Tag gehabt: Wolle gesponnen, Bogen geschossen und sein eigenes Rota Spiel gebaut. Wir holten Sebbi etwas früher nach Hause und ich beschloss ihn die restliche Woche gleich da zu behalten.

Donnerstag

gab ich den Jungs Pause und das hat gut geklappt. Vormittags in die Bibliothek, dann Mittagessen im Garten, nachmittags zum Meer. Dort lernte Otto einen Freund kennen, den er die folgenden Tage immer wieder suchte. Sie spielten auf einer Luftmatratze im Wasser, und Sebbi hörte gar nicht auf zu lachen wie die Jungs imm wieder ins Wasser fielen. Die andere Familie war aber nur das Wochenende über in Portsmouth. In der Zeit spielte Otto mit ihm im Wasser, und ich konnte mir das Aufpassen mit den Eltern teilen.

Freitag

machte ich einen Ausflug nach Warnford. Dort kennen wir eine besonders schöne Wiese mit Spielplatz am Fluss liegt, unter großen, schattigen Bäumen. Da wollte ich die Mittagshitze verbringen. Wir verbrachten Stunden am und im Fluss. Die Kinder trugen praktischerweise gleich Badesachen, sodass ich keine Sorge hatte, ob sie ins Wasser fallen würden. Sebbi insbesondere war fast die ganze Zeit im Wasser und spielte mit kleinen Borkenbooten. Papa konnte auf bequemen Sitzen im Schatten ruhen. Wir hatten Essen und Trinken genug. Auf der Rückfahrt am Nachmittag bekam jeder noch ein Eis im Umwelt Zentrum, und beide Kinder durften sich eine Pflanze für den Garten aussuchen. Otto nahm eine junge Eiche und Sebbi einen Gundermann. Wir hielten auch nochmal an einem Feld und sammelten Ähren. Sebbi mahlt daraus sehr gerne Mehl, und ich backe dann damit Brot. Nur Otto war abends verzweifelt, dass wir es nicht mehr zum Strand und zu seinem neuen Freund schafften.

Samstag

guckten Papa und Sebbi morgens bei Ottos Schwimmunterricht zu, und gingen dann mit mir Einkaufen. Später gingen wir wieder an den Strand, wo Otto endlich seinen Freund wiedersah. Er ließ ihn aber sofort stehen, als er Aussicht auf ein Getränk im Pub bekam. Von dort nahm Ellie die Kinder später nach Hause und brachte sie ins Bett, während Papa und ich noch einmal Zeit zum Reden hatten. Ellie erzählte später, dass sie Otto alleine lesen gelassen hatte, bis Sebbi schlief. Früher haben wir ihm das Tablet gegeben.

Sonntag

die Jungs und ich brachten Papa zum Bahnhof. Zum Glück hatten wir gleich weiteres Programm gegen den Abschied; Sebbi war nur traurig, weil er erwartet hatte, selbst Zug zu fahren. Stattdessen fuhr er nachmittags zu einer Geburtstagfeier, und ich ging mit Otto wieder zum Strand, wo allerdings sein Freund nicht mehr kam. Irgendwann wollte er ganz von allein zurück nach Hause und noch Zeit mit seiner Mami verbringen. Und ich hatte mit ihm einen richtig schönen Abend, wo wir Rota spielten, ein ganzes Puzzle bauten und er aus einem deutschen Buch las.

Sebbi

ist lieb, aber emotional

Otto

sprach mit seinem Opa sehr schön Deutsch

macht in einem Lesewettbewerb der Bibliotheken mit, wo er über die Sommerferien sechs Bücher lesen muss. Weil er Wettbewerbe liebt, liest er die dann auch immer sofort komplett und braucht ständig Nachschub.

Johannes

ich verliere mein Zeitgefühl, weil ich vier Wochen lang nur sporadisch arbeite.

ich sehe Ellie noch weniger als sonst. 

im Garten wachsen jetzt zwei Tomatenpflanzen, sogar ein Avocadokern hat einen Spross entwickelt.

Ich habe kürzlich das erste Mal Sauerteig probiert; so richtig ist er nicht aufgegangen, aber das Brot daraus hatte trotzdem einen anderen Geschmack. Das würde ich gerne weiter probieren.

ich warte auf das Ende des Sommers. Fühle mich in der Sonne nicht wohl. Die Abende sind sehr schön. So sollte es die Tage über sein. 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Ferien

Mittwoch war Ottos letzter Schultag und er hat sich sehr gefreut. Er freut sich immer über Ferien und ist dann immer gut drauf. Erstmal fuhr er mit seiner Mami einen Eiswagen suchen.

Abends dann erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch und radelte mit Otto zum Baden ans Meer. Schon lange bevor wir selbst Kinder hatten dachte ich mir immer, dass ich die Stimmung eines Sommerabends am Meer zeigen möchte. In den Ferien muss ich dabei nicht so sehr auf die Schlafenszeit gucken. Ich wünschte, Sebbi könnte schon mitmachen.

Zusammen sammeln wir abends oft die lokalen Brombeeren. Letztens haben wir daraus auch richtig gute Eislollis gemacht.

Montag, 20. Juli 2026

Sommer auf dem Land

Samstag bat ich um die Erfüllung meines Geburtstags Wunsches, nämlich im Freiluftmuseum Butser ein Picknick zu machen und dann eine Stunde alleine mit Buch, Tee und Schokolade zu bekommen. Das Wetter war dieses Wochenende viel besser dazu geeignet und es genoss meine Ruhe unter einem Baum. Die Kinder hatten aber auch wieder eine tolle Zeit. Otto spielte wieder das römische Spiel Rota (wir machten abends unser eigenes Spielbrett) und beide Kinder fütterten die Ziegen.

Nach Musuemsschluss fuhren wir noch zum Spielplatz in Clanfield, und gerade als wir nach Hause wollten, legte im Feld nebenan ein Mähdrescher los. Die Kinder waren begeistert, und ich selbst habe das auch noch nie so nah zu sehen bekommen. Von Butser hatten wir ein paar Weizengarben mitgenommen, und am nächsten Morgen mahlten die Kinder daraus mit Mörser und Sieb etwas Mehl, was dann in ein Brot kam.

Sonntag fuhren wir zu einem Pub auf dem Land, der kürzlich in einen großen Spielbereich für Kinder investiert hat. Wir erfuhren dort, dass man da nur mit Reservierung eine Chance auf Essen hat. Aber das Spielfeld ist wirklich gut. Nicht nur eine Kletterburg, sondern ein wortwörtliches Feld mit Heuballen und verschiedenen Aktivitäten. Pubs auf dem Land müssen eben erfinderisch sein.

Wir fuhren dann weiter in einen anderen Pub mit Spielfläche, in Liss. Das war etwas weniger rausgeputzt, aber nichtdestotrotz haben wir dort gute drei Stunden verbracht. Die Kinder rannten auf dem Feld, Otto spielte mit mir Tennis, für den Herbst gibt es am Rain viele Haselnussbäume. Und beide Kinder krabbelten in eine alte Weide, die sowas wie ein natürlich Baumhaus bietet. Ich nehme zur Kenntnis, wieviel Zeit man inzwischen mit einem einfachen Feld füllen kann. 

Otto

hat endlich seine Urkunde für 100 gelesene Bücher bekommen. Abends probieren wir eine neue Fibel zum Thema des menschlichen Körper aus. Die ist etwas schwieriger als Jojo 1, aber motiviert Otto mit Rätseln. Aus Deutschland erwarte ich Jojo 2, für die zweite Klasse.

Geht mir richtig auf die Nerven, wie er andauernd seinen kleinen Bruder runtermacht. Er war schon immer ehrgeizig und will alles gut können und besser als andere. Wir haben ihn auch immer mit Lob unterstützt. Aber jetzt kann man erstens Sebbi kaum für etwas loben, ohne das Otto sofort zeigen muss, dass er es besser kann. Und zweitens kritisiert er aktiv sofort alles, was Sebbi macht. Ich kann nicht anders als dagegen halten, damit mir Sebbi nicht anfängt, sich für unfähig zu halten. Ein besserer Kompromiss fällt mir nicht ein, und es stresst mich.

machte Samstag morgen im Schwimmunterricht ein paar beeindruckende Sachen. Sie arbeiten am Kraulen und offenbar sogar am Schmetterling.

Johannes

meine Brust ist nur noch eine Irritation. Diese Woche konnte ich fast wieder schwimmen, und im Alltag merke ich es kaum noch. Ich gehe wieder zum Tango und fahre Fahrrad, und gestern hatte ich sogar Lust Brotteig zu kneten. Damit, und dem erträglicheren Wetter, geht es mir auch insgesamt besser. Manchmal erledige ich abends etwas kleines, anstatt mich in seichte Unterhaltung zu fliehen.

Ich bin begeistert von meinem neuen Leinenhemd. Werde mir noch mehr davon besorgen, für heiße Zeiten. Sieht außerdem sehr schick aus. 

Montag, 13. Juli 2026

Wir hatten bereits die nächste Hitzewelle, viel länger als die erste. Darum waren wir viel baden: Freitag abend ich und die Kinder, Samstag abend wir alle vier. Allerdings stressig, was man erstmal alles packen muss, während die Kinder vor Aufregung durchs Haus toben. Bei Ottos Schwimmstunde Samstag morgen merkte ich, dass ich trotz Besserung noch nicht schwimmen kann.

Anschließend fuhren Otto und ich direkt nach Gosport, zur nächsten Karateprüfung. Während Otto die in einer Sporthallte bestand, schlief ich im Schatten davor. Wir hatten außerdem einen schönen Moment lang Pause in einem nahen Park unter Bäumen.

Sonntag wurde die Hitze wenigstens durch starken Wind gemildert. Ich fuhr mittags mit beiden Kindern zum Familienschwimmen im Sportzentrum. Anschließend lieferte ich Sebbi wieder zu Hause ab und fuhr mit Otto gleich nochmal schwimmen. Leider hatten Sebbi und ich uns falsch verstanden; er war bitter enttäuscht, das er nicht mitkommen konnte. Allerdings ist es gut, wenn ich Otto voll unterstützen kann. Egal was man tut, ein Kind kommt immer zu kurz.

Ich bin so stolz auf meine Jungs, wenn wir zusammen im Wasser sind. Und ich freue mich auf Sebbis Schwimmstunden, sobald er vier Jahre alt ist.

Ich liebe es aber auch, ein Kind allein zu haben und mich ganz darauf konzentrieren zu können. Die ruhigen Zeiten mit Otto vor dem Schlafen machen mir richtig Spaß. Letztens machen wir zusammen Tee, dann spielen oder lernen wir was zusammen. Einmal wollte er einfach lesen, um eine Schul-Urkunde zu bekommen. Und mit Sebbi arbeite ich gerne in der Küche, soweit ich mich ganz darauf konzentrieren kann.

Wir mustern bald den Kinderwagen aus. Fürs erste habe ich ihn auf den Dachboden gebracht. Weitergeben wird schwierig, aber er hat inzwischen mindestens vier Kindern gedient. Und er gibt wertvollen Raum im Esszimmer frei. Vielleicht können wir sogar wieder alle vier Stühle des Esstischs benutzen. Irgendwann.

Otto

schnappte sich letztens mehrmal sein Arbeitsheft deutsch und arbeite abends im Bett selbstständig einige Seiten durch. Rätsel-ähnliche Aufgaben motivieren ihn sehr. Es ist bis heute ein bisschen wie Zauberei, wenn er deutsch spricht oder schreibt.

Lässt sich ob der guten Leistung der englischen Mannschaft diese Woche doch vom Fussball mitreißen. 

Sebbi

kriegt bei jedem Einkauf eine Brezel

die Betreuer in der Kita erzählen mir, wie schlau Sebbi ist: nicht nur kann er bis sieben zählen, sondern er macht das auch auf Deutsch. 

Johannes

meine Schmerzen werden doch besser. Bestimmte Bewegungen funktionieren wieder, ohne dass ich es merke. Aber zum Schwimmen reichte es am Wochenende noch nicht und ich bleibe vorsichtig. Wegen Schmerzen und Hitze habe ich vorerst alle meine Hobbys eingestellt. Auch das untergräbt meine geistige Verfassung. Es braucht nur sehr wenig, bis ich mich mindestens sehr melancholisch fühle.

Und weil ich mich abends nur zerstreue, schaffe ich so wenig. Ich sollte Hauspreise raussuchen, Klimaanlagen und Ventilatoren organisieren, entscheiden, ob wir in dieses Haus oder in ein anderes investieren und mindestens eine Reise nach Deutschland planen. Ellie schlug vor, ich könnte in der Woche fahren, wenn Otto in Kent ist. Wo fängt man an. Meistens fliehe ich dann lieber in die Zerstreuung. Zum Beispiel gucken wir oft Archäologie-Sendung, die Ellie bereits als Kind guckte und die letztens auch auf Butser waren. Mir macht an solchen Abenden  aber auch mein erster Asterix Band, zum Geburtstag gekriegt, viel Freude.

Dienstag, 7. Juli 2026

Geburtstage und Fahrradstürze

Mir ging es nach einem Gespräch mit Oma am letzten Montag viel besser. Die Woche über entspannte ich mich, auch wenn ich weiterhin vor allem Zerstreuung und Ablenkung suche. Freitag abend ging ich mit den Jungs an den Strand, und mit Otto auch ins Wasser. Als sie schliefen, hatte ich dann einen besonders schönen Tangoabend. Auf dem Heimweg aber schlug das Unglück zu: ich stürzte mit dem Fahrrad und tat mir richtig weh. Vermutlich eine Rippenprellung; hoffentlich keinen Anbruch. Ich bat einen Passanten mich zur Sicherheit zu begleiten, während ich mich nach Hause schleppte. Dort verband mich Ellie vorerst. Seitdem aber habe ich ganz schöne Schmerzen, und die erschöpfen mich. Ich schaffe also abends weiterhin nichts als seichte Unterhaltung; fühle mich dabei schlecht, weil es wichtige Dinge vorzubereiten gäbe.

In der Nacht vor Sebbis Geburtstag schlief kaum jemand gut (Sebbi kotzte ins Bett; Otto wachte darüber auf und konnte vor Aufregung nicht mehr schlafen), und ich war froh, dass die Kinder mit einem vereinfachten Tagesplan zufrieden waren. Wir fuhren zum Selbsterntehof Durleighmarsh, wo sie gerne im Garten des Cafes spielen. Später pflückten wir auch verschiedene Beeren, aber ich versteckte mich möglichst im Schatten und erzählte Sebbi von Tieren und Pflanzen.

Sonntag holten wir den eigentlichen Geburtstagsplan nach und fuhren in den Freizeitpark Fishers Adventure Park. Das muss vor langer Zeit ein Bauernhof gewesen sein, heute aber voll auf Familien ausgelegt, und, zu meiner Überraschung, richtig gut. Die Kinder waren begeistert und ich brauchte mich v.a. nicht besonders verausgaben. Otto fuhr immer wieder Wildwasserboot, während ich im Schatten las. 

Otto

ist in letzter Zeit ein richtig guter Junge. Und er scheint mit Hitze besser umzugehen als der arme Sebbi.

liest jetzt morgens und abends alleine im Bett.

Meine Freude diese Woche sind die Ruhigen Zeiten mit Otto. Wir machen unseren eigenen Tee, wir machen Eislollis, wir rätseln auf Deutsch, bauen Lego, und ich spüre, das es Otto genauso gut tut wie mir. Michel aus Lönneberga macht gerade einige besonders unterhaltsame Geschichten, und Otto versteht alles, sogar alte Worte.

wir spielten mit einem neugekauften Elektromagnetismus-Kasten, bis ich mal zuviel Stress machte, es richtig zu bauen.

Ottos Sommerferien beginnen am 22. Juli . Wir haben ihm zwei Ferienclubs gebucht: einen Tag in Butser und einen im Wassersportzentrum.

Hat wieder ein sehr gutes Zeugnis bekommen. Nächstes Jahr wird seine Klasse Drescher-Hai benannt.

Hat an meinem Geburtstag einen Ukulele Auftritt für Eltern in der Schule gespielt.

Sebbi 

ist einfach nur lieb und süß. Diese Woche aber auch emotional.

kommt bald in die älteste Kita-Gruppe. Die letzte vor der Schule. Dabei war er doch gestern noch in der Babygruppe.

Johannes

Es geht mir nicht schlecht an sich, aber ich fühle mich fragil. Ziehe Ruhe vor, auch wenn sie sich wie Zeitverschwendung anfühlt. Die erneute Erfahrung, wie alltägliche Dinge plötzlich schwierig sind, und normale Bewegung geplant oder vermieden, schütteln mich schon. Da denke ich ans Alter, und an die Leute, die ich zu selten besuche.

Mein Geburtstag war ein normaler Arbeitstag; zu mehr fehlt mir ohnehin die Kraft.

Sonntag, 28. Juni 2026

Gottseidank ging die Hitzewelle erst nach Ellies Reise los. Mittwoch ging es zum ersten Mal seit ich hier lebe auf 30 Grad hoch. Einige Schulen machten dicht; wir holten Otto direkt nach Schulschluss nach Hause und dann auch Sebbi. Man kann sich nur im Haus verstecken und sich so wenig wie möglich bewegen. Donnerstag haben wir Sebbi auf anraten der Kita gleich zu Hause behalten; ich habe den Tag frei genommen und wir sind nur morgens in den Schatten des Spielplatzes gegangen.

Ab Freitag konnte man wieder atmen, aber mir geht es nicht gut, wenn ich aus Deutschland höre. Ich muss mich wirklich gegen eine anhaltende Klimapanik wehren. Und mache mir große Sorgen, in was für einer Welt meine Kinder leben sollen. Und wir haben Glück, am Meer, und noch zehn Grad unter Kontinentaleuropa.

Mit Mühe konzentriere ich mich auf Positive Dinge: Samstag nachmittag war ich mit den Jungs im Freiluftmuseum Butser, während Ellie einen Auftritt hatte. Das war der schönste Moment der Woche, es fühlte sich an wie richtiger, normaler Sommer, wo der Wind durch die Bäume und das Korn rauscht. Otto war motiviert von einer Art Schnitzeljagd und es waren wieder Historiendarsteller da. Verschiedene Handwerker, sogar zwei Schmieden; Otto war sehr interessiert wie die Funken vom glühenden Metall flogen. Beide Kinder bekamen Eis. Sebbi spielte wieder "schlafen" in den Betten der verschiedenen Hütten. Er muss am Ende tatsächlich müde gewesen sein, denn er schlief im Auto sofort ein. Diese Zeit über vergaß ich meine Ängste.

Sonntag vormittag trafen wir uns mit der Familie von Ottos Schulfreund auf einem neu eröffneten Spielplatz. Nachmittag erbat ich mir, allein zurück nach Butser zu fahren, weil es mir weiterhin nicht gut ging. Ich nahm noch unseren Freund Andrew mit. Diesmal konnte ich in Ruhe die Infotafeln lesen und mich mit den Handwerkern unterhalten. Textilfärbung mit Pflanzen fanden wir überraschend interessant. Ein Eisentopf über einem Holzkohlefeuer, darin Wolle in einem gelben Sud. Ellie und ich würden sehr gut zu diesen Menschen passen. Auf dem Rückweg hielten wir noch an der Hubertuskapelle an. Die Schwalben fliegen tief über dem Getreide.

Johannes

ich fliehe vor der echten Welt. Grundsätzlich keine Nachrichten, keine sozialen Medien, nichtmal den Wetterbericht. Ich lese die Drei Musketiere. Gucke und höre alte harmlose 50er Jahre Krimis. Schaue alte Computerspiele wie Filme. Ich mache wirklich nur die Augen zu und warte das es mir besser geht. Warte, dass der Sommer vorüber geht.

Und die Kinder sind besonders lieb, und je lieber sie sind und je mehr sie sich entwickeln, desto mehr tut es mir weh um ihre Zukunft.

Sonntag, 21. Juni 2026

Vatertage

Am letzten Sonntag war in England Vatertag. Zu diesem Anlass fuhr Ellie das Wochenende zu ihrer Schwester nach Kent und ich konnte ganz Vater sein. Nach all den Jahren machte mich das immer noch etwas nervös. 

Samstag morgen fuhren wir mit dem Bus zu Ottos Schwimmunterricht, danach gab es Süßigkeiten auf dem Spielplatz des Stadtmuseums gegenüber. Dann fuhren wir weiter Bus, mit Halt im Hafen, dann nach Hause. Ich machte an beiden Tagen richtig gutes Essen! Nachmittags ging es mit dem Bus zurück zum Sportzentrum zum Familienschwimmen, dann wieder zum Museum Eis essen, dann nach Hause und auf den Spielplatz. Ich ließ die Jungs länger aufbleiben, und wir schliefen alle zusammen in Ottos Zimmer. Sebbi und ich auf dem Ausziehbett. Das klappte wunderbar und hat uns allen drei gefallen.

Sonntag hatte ich ruhig geplant. Vormittags fuhren wir alle zu dritt mit unseren Rädern in den Park, das erste Mal, dass auch ich meins dabei hatte. Aber Sebbi wurde sehr früh müde und wollte stattdessen auf den Spielplatz, wo es sowohl Otto als auch mir zu heiß war. Nach einem weiteren ausgezeichneten Mittagessen fuhren wir Richtung des Wasserspielplatzes beim Canoe Teich. Aber auf dem Weg verletzte sich Sebi seinen Daumen und ein Drama begann. Erstmal standen wir genau zwischen Haus und Ziel in der prallen Sonne. Ich schimpfte zuerst und war nicht lieb genug zu ihm, bis wir Schatten fanden. Erst da dämmerte mir, dass es mehr sein muss man sah, denn er hörte nicht auf zu weinen und schien dann in meinen Armen einzuschlafen. Ich machte in einem Cafe einen kalten Wickel, aber als ich dann nach Hause wollte, brüllte Sebbi noch mehr (und protestierte interessanterweise kaum, obwohl er nicht glücklich war) und zeigte, dass er die Hand bewegen konnte. Also fuhren wir doch zum Wasserspielplatz. Otto fand dort Freunde spielte dort wunderbar im Wasser. Sebbi aber schlief im Bollerwagen ein, während ich über ihm fast heulte aus Angst vor einer Stauchung oder Quetschung. Zum Glück holten mich bekannte Eltern zu ihrem schattigen Picknicklager, boten an, auf Otto aufzupassen und uns zum Krankenhaus zu fahren. Als Sebbi aufwachte, sah er zuerst nicht besser als - bis ihm Kuchen in den richtigen Farben geboten wurde. Dann, als Otto bereits aus dem Wasser kam, wollte Sebbi unbedingt da rein und spielte begeistert. Was mich beruhigte. Trotzdem verfolgte ich auf der Karte genau, wie weit Ellie noch weg war. Schließlich bestach ich die Kinder mit Eis, nach Hause zu gehen. Am Montag ging Ellie doch mit ihm zum Arzt, die aber nichts feststellte.

Diese Geschichte hat mir ein ansonsten gelungenes Wochenende verdorfen und belastet mich immer noch.

Sebbi

will in letzter Zeit immer öfter auf dem Klo sitzen anstatt auf dem Topf.

Sebbi wird langsam zu lang um auf mir zu liegen. Ich werde es vermissen, wie er auf mir einschläft.

Otto

hatte Donnerstag Wandertag zur Burg Portchester. Die kennt er zwar gut, aber diesmal sind sie in den kostenpflichtigen, mittelalterlichen Teil gegangen, der in einer Ecke der viel größeren römischen Anlage steht.

Johannes

ich bin in letzer Zeit oft melancholisch. Mein Leben scheint wieder sehr monoton. Tags schafft man nichts, und abends auch nicht, und die Tage vergehen. Zuinnerst treibt mich vielleicht um, dass ich keine Reise nach Deutschland organisiert habe.