Montag, 13. Juli 2026

Wir hatten bereits die nächste Hitzewelle, viel länger als die erste. Darum waren wir viel baden: Freitag abend ich und die Kinder, Samstag abend wir alle vier. Allerdings stressig, was man erstmal alles packen muss, während die Kinder vor Aufregung durchs Haus toben. Bei Ottos Schwimmstunde Samstag morgen merkte ich, dass ich trotz Besserung noch nicht schwimmen kann.

Anschließend fuhren Otto und ich direkt nach Gosport, zur nächsten Karateprüfung. Während Otto die in einer Sporthallte bestand, schlief ich im Schatten davor. Wir hatten außerdem einen schönen Moment lang Pause in einem nahen Park unter Bäumen.

Sonntag wurde die Hitze wenigstens durch starken Wind gemildert. Ich fuhr mittags mit beiden Kindern zum Familienschwimmen im Sportzentrum. Anschließend lieferte ich Sebbi wieder zu Hause ab und fuhr mit Otto gleich nochmal schwimmen. Leider hatten Sebbi und ich uns falsch verstanden; er war bitter enttäuscht, das er nicht mitkommen konnte. Allerdings ist es gut, wenn ich Otto voll unterstützen kann. Egal was man tut, ein Kind kommt immer zu kurz.

Ich bin so stolz auf meine Jungs, wenn wir zusammen im Wasser sind. Und ich freue mich auf Sebbis Schwimmstunden, sobald er vier Jahre alt ist.

Ich liebe es aber auch, ein Kind allein zu haben und mich ganz darauf konzentrieren zu können. Die ruhigen Zeiten mit Otto vor dem Schlafen machen mir richtig Spaß. Letztens machen wir zusammen Tee, dann spielen oder lernen wir was zusammen. Einmal wollte er einfach lesen, um eine Schul-Urkunde zu bekommen. Und mit Sebbi arbeite ich gerne in der Küche, soweit ich mich ganz darauf konzentrieren kann.

Wir mustern bald den Kinderwagen aus. Fürs erste habe ich ihn auf den Dachboden gebracht. Weitergeben wird schwierig, aber er hat inzwischen mindestens vier Kindern gedient. Und er gibt wertvollen Raum im Esszimmer frei. Vielleicht können wir sogar wieder alle vier Stühle des Esstischs benutzen. Irgendwann.

Otto

schnappte sich letztens mehrmal sein Arbeitsheft deutsch und arbeite abends im Bett selbstständig einige Seiten durch. Rätsel-ähnliche Aufgaben motivieren ihn sehr. Es ist bis heute ein bisschen wie Zauberei, wenn er deutsch spricht oder schreibt.

Lässt sich ob der guten Leistung der englischen Mannschaft diese Woche doch vom Fussball mitreißen. 

Sebbi

kriegt bei jedem Einkauf eine Brezel

die Betreuer in der Kita erzählen mir, wie schlau Sebbi ist: nicht nur kann er bis sieben zählen, sondern er macht das auch auf Deutsch. 

Johannes

meine Schmerzen werden doch besser. Bestimmte Bewegungen funktionieren wieder, ohne dass ich es merke. Aber zum Schwimmen reichte es am Wochenende noch nicht und ich bleibe vorsichtig. Wegen Schmerzen und Hitze habe ich vorerst alle meine Hobbys eingestellt. Auch das untergräbt meine geistige Verfassung. Es braucht nur sehr wenig, bis ich mich mindestens sehr melancholisch fühle.

Und weil ich mich abends nur zerstreue, schaffe ich so wenig. Ich sollte Hauspreise raussuchen, Klimaanlagen und Ventilatoren organisieren, entscheiden, ob wir in dieses Haus oder in ein anderes investieren und mindestens eine Reise nach Deutschland planen. Ellie schlug vor, ich könnte in der Woche fahren, wenn Otto in Kent ist. Wo fängt man an. Meistens fliehe ich dann lieber in die Zerstreuung. Zum Beispiel gucken wir oft Archäologie-Sendung, die Ellie bereits als Kind guckte und die letztens auch auf Butser waren. Mir macht an solchen Abenden  aber auch mein erster Asterix Band, zum Geburtstag gekriegt, viel Freude.

Dienstag, 7. Juli 2026

Geburtstage und Fahrradstürze

Mir ging es nach einem Gespräch mit Oma am letzten Montag viel besser. Die Woche über entspannte ich mich, auch wenn ich weiterhin vor allem Zerstreuung und Ablenkung suche. Freitag abend ging ich mit den Jungs an den Strand, und mit Otto auch ins Wasser. Als sie schliefen, hatte ich dann einen besonders schönen Tangoabend. Auf dem Heimweg aber schlug das Unglück zu: ich stürzte mit dem Fahrrad und tat mir richtig weh. Vermutlich eine Rippenprellung; hoffentlich keinen Anbruch. Ich bat einen Passanten mich zur Sicherheit zu begleiten, während ich mich nach Hause schleppte. Dort verband mich Ellie vorerst. Seitdem aber habe ich ganz schöne Schmerzen, und die erschöpfen mich. Ich schaffe also abends weiterhin nichts als seichte Unterhaltung; fühle mich dabei schlecht, weil es wichtige Dinge vorzubereiten gäbe.

In der Nacht vor Sebbis Geburtstag schlief kaum jemand gut (Sebbi kotzte ins Bett; Otto wachte darüber auf und konnte vor Aufregung nicht mehr schlafen), und ich war froh, dass die Kinder mit einem vereinfachten Tagesplan zufrieden waren. Wir fuhren zum Selbsterntehof Durleighmarsh, wo sie gerne im Garten des Cafes spielen. Später pflückten wir auch verschiedene Beeren, aber ich versteckte mich möglichst im Schatten und erzählte Sebbi von Tieren und Pflanzen.

Sonntag holten wir den eigentlichen Geburtstagsplan nach und fuhren in den Freizeitpark Fishers Adventure Park. Das muss vor langer Zeit ein Bauernhof gewesen sein, heute aber voll auf Familien ausgelegt, und, zu meiner Überraschung, richtig gut. Die Kinder waren begeistert und ich brauchte mich v.a. nicht besonders verausgaben. Otto fuhr immer wieder Wildwasserboot, während ich im Schatten las. 

Otto

ist in letzter Zeit ein richtig guter Junge. Und er scheint mit Hitze besser umzugehen als der arme Sebbi.

liest jetzt morgens und abends alleine im Bett.

Meine Freude diese Woche sind die Ruhigen Zeiten mit Otto. Wir machen unseren eigenen Tee, wir machen Eislollis, wir rätseln auf Deutsch, bauen Lego, und ich spüre, das es Otto genauso gut tut wie mir. Michel aus Lönneberga macht gerade einige besonders unterhaltsame Geschichten, und Otto versteht alles, sogar alte Worte.

wir spielten mit einem neugekauften Elektromagnetismus-Kasten, bis ich mal zuviel Stress machte, es richtig zu bauen.

Ottos Sommerferien beginnen am 22. Juli . Wir haben ihm zwei Ferienclubs gebucht: einen Tag in Butser und einen im Wassersportzentrum.

Hat wieder ein sehr gutes Zeugnis bekommen. Nächstes Jahr wird seine Klasse Drescher-Hai benannt.

Hat an meinem Geburtstag einen Ukulele Auftritt für Eltern in der Schule gespielt.

Sebbi 

ist einfach nur lieb und süß. Diese Woche aber auch emotional.

kommt bald in die älteste Kita-Gruppe. Die letzte vor der Schule. Dabei war er doch gestern noch in der Babygruppe.

Johannes

Es geht mir nicht schlecht an sich, aber ich fühle mich fragil. Ziehe Ruhe vor, auch wenn sie sich wie Zeitverschwendung anfühlt. Die erneute Erfahrung, wie alltägliche Dinge plötzlich schwierig sind, und normale Bewegung geplant oder vermieden, schütteln mich schon. Da denke ich ans Alter, und an die Leute, die ich zu selten besuche.

Mein Geburtstag war ein normaler Arbeitstag; zu mehr fehlt mir ohnehin die Kraft.

Sonntag, 28. Juni 2026

Gottseidank ging die Hitzewelle erst nach Ellies Reise los. Mittwoch ging es zum ersten Mal seit ich hier lebe auf 30 Grad hoch. Einige Schulen machten dicht; wir holten Otto direkt nach Schulschluss nach Hause und dann auch Sebbi. Man kann sich nur im Haus verstecken und sich so wenig wie möglich bewegen. Donnerstag haben wir Sebbi auf anraten der Kita gleich zu Hause behalten; ich habe den Tag frei genommen und wir sind nur morgens in den Schatten des Spielplatzes gegangen.

Ab Freitag konnte man wieder atmen, aber mir geht es nicht gut, wenn ich aus Deutschland höre. Ich muss mich wirklich gegen eine anhaltende Klimapanik wehren. Und mache mir große Sorgen, in was für einer Welt meine Kinder leben sollen. Und wir haben Glück, am Meer, und noch zehn Grad unter Kontinentaleuropa.

Mit Mühe konzentriere ich mich auf Positive Dinge: Samstag nachmittag war ich mit den Jungs im Freiluftmuseum Butser, während Ellie einen Auftritt hatte. Das war der schönste Moment der Woche, es fühlte sich an wie richtiger, normaler Sommer, wo der Wind durch die Bäume und das Korn rauscht. Otto war motiviert von einer Art Schnitzeljagd und es waren wieder Historiendarsteller da. Verschiedene Handwerker, sogar zwei Schmieden; Otto war sehr interessiert wie die Funken vom glühenden Metall flogen. Beide Kinder bekamen Eis. Sebbi spielte wieder "schlafen" in den Betten der verschiedenen Hütten. Er muss am Ende tatsächlich müde gewesen sein, denn er schlief im Auto sofort ein. Diese Zeit über vergaß ich meine Ängste.

Sonntag vormittag trafen wir uns mit der Familie von Ottos Schulfreund auf einem neu eröffneten Spielplatz. Nachmittag erbat ich mir, allein zurück nach Butser zu fahren, weil es mir weiterhin nicht gut ging. Ich nahm noch unseren Freund Andrew mit. Diesmal konnte ich in Ruhe die Infotafeln lesen und mich mit den Handwerkern unterhalten. Textilfärbung mit Pflanzen fanden wir überraschend interessant. Ein Eisentopf über einem Holzkohlefeuer, darin Wolle in einem gelben Sud. Ellie und ich würden sehr gut zu diesen Menschen passen. Auf dem Rückweg hielten wir noch an der Hubertuskapelle an. Die Schwalben fliegen tief über dem Getreide.

Johannes

ich fliehe vor der echten Welt. Grundsätzlich keine Nachrichten, keine sozialen Medien, nichtmal den Wetterbericht. Ich lese die Drei Musketiere. Gucke und höre alte harmlose 50er Jahre Krimis. Schaue alte Computerspiele wie Filme. Ich mache wirklich nur die Augen zu und warte das es mir besser geht. Warte, dass der Sommer vorüber geht.

Und die Kinder sind besonders lieb, und je lieber sie sind und je mehr sie sich entwickeln, desto mehr tut es mir weh um ihre Zukunft.

Sonntag, 21. Juni 2026

Vatertage

Am letzten Sonntag war in England Vatertag. Zu diesem Anlass fuhr Ellie das Wochenende zu ihrer Schwester nach Kent und ich konnte ganz Vater sein. Nach all den Jahren machte mich das immer noch etwas nervös. 

Samstag morgen fuhren wir mit dem Bus zu Ottos Schwimmunterricht, danach gab es Süßigkeiten auf dem Spielplatz des Stadtmuseums gegenüber. Dann fuhren wir weiter Bus, mit Halt im Hafen, dann nach Hause. Ich machte an beiden Tagen richtig gutes Essen! Nachmittags ging es mit dem Bus zurück zum Sportzentrum zum Familienschwimmen, dann wieder zum Museum Eis essen, dann nach Hause und auf den Spielplatz. Ich ließ die Jungs länger aufbleiben, und wir schliefen alle zusammen in Ottos Zimmer. Sebbi und ich auf dem Ausziehbett. Das klappte wunderbar und hat uns allen drei gefallen.

Sonntag hatte ich ruhig geplant. Vormittags fuhren wir alle zu dritt mit unseren Rädern in den Park, das erste Mal, dass auch ich meins dabei hatte. Aber Sebbi wurde sehr früh müde und wollte stattdessen auf den Spielplatz, wo es sowohl Otto als auch mir zu heiß war. Nach einem weiteren ausgezeichneten Mittagessen fuhren wir Richtung des Wasserspielplatzes beim Canoe Teich. Aber auf dem Weg verletzte sich Sebi seinen Daumen und ein Drama begann. Erstmal standen wir genau zwischen Haus und Ziel in der prallen Sonne. Ich schimpfte zuerst und war nicht lieb genug zu ihm, bis wir Schatten fanden. Erst da dämmerte mir, dass es mehr sein muss man sah, denn er hörte nicht auf zu weinen und schien dann in meinen Armen einzuschlafen. Ich machte in einem Cafe einen kalten Wickel, aber als ich dann nach Hause wollte, brüllte Sebbi noch mehr (und protestierte interessanterweise kaum, obwohl er nicht glücklich war) und zeigte, dass er die Hand bewegen konnte. Also fuhren wir doch zum Wasserspielplatz. Otto fand dort Freunde spielte dort wunderbar im Wasser. Sebbi aber schlief im Bollerwagen ein, während ich über ihm fast heulte aus Angst vor einer Stauchung oder Quetschung. Zum Glück holten mich bekannte Eltern zu ihrem schattigen Picknicklager, boten an, auf Otto aufzupassen und uns zum Krankenhaus zu fahren. Als Sebbi aufwachte, sah er zuerst nicht besser als - bis ihm Kuchen in den richtigen Farben geboten wurde. Dann, als Otto bereits aus dem Wasser kam, wollte Sebbi unbedingt da rein und spielte begeistert. Was mich beruhigte. Trotzdem verfolgte ich auf der Karte genau, wie weit Ellie noch weg war. Schließlich bestach ich die Kinder mit Eis, nach Hause zu gehen. Am Montag ging Ellie doch mit ihm zum Arzt, die aber nichts feststellte.

Diese Geschichte hat mir ein ansonsten gelungenes Wochenende verdorfen und belastet mich immer noch.

Sebbi

will in letzter Zeit immer öfter auf dem Klo sitzen anstatt auf dem Topf.

Sebbi wird langsam zu lang um auf mir zu liegen. Ich werde es vermissen, wie er auf mir einschläft.

Otto

hatte Donnerstag Wandertag zur Burg Portchester. Die kennt er zwar gut, aber diesmal sind sie in den kostenpflichtigen, mittelalterlichen Teil gegangen, der in einer Ecke der viel größeren römischen Anlage steht.

Johannes

ich bin in letzer Zeit oft melancholisch. Mein Leben scheint wieder sehr monoton. Tags schafft man nichts, und abends auch nicht, und die Tage vergehen. Zuinnerst treibt mich vielleicht um, dass ich keine Reise nach Deutschland organisiert habe.

Sonntag, 14. Juni 2026

Samstag nach dem Schwimmen fuhren wir zum Tag der offenen Tür im Überseehafen. Dort läuft der zivile Personen- und Frachtverkehr, der weiter geht als zur Isle of Wight. Er liegt an der westlichen Ausfallstraße, aber man kann ihn schlecht einsehen. Ich selbst war nur zweimal da gewesen: als Ellie und ich nach St Malo fuhr und als ich Friedemann dort ablieferte. Und vor vielen Jahren hat Ellie dort in der Fährabfertigung gearbeitet.

Es war sehr viel interessanter als erwartet: im Terminalgebäude waren viele Stände: die Firma, die das Verladen im Hafen abwickelt, das Wassersportzentrum bewarb Ferienkurse für Ottos Alter, und die Uni Southampton begeisterte alle Kinder mit einem Roboterhund. Sie folgten ihm nach draussen, wo eine Trommlertruppe spielte und diverse große Fahrzeuge warteten. Beide Jungs stiegen in Schaufellader, LKWs und Gabelstapler. Ein Schlepper machte Ballet und spritzte mit seiner Wasserkanone. Am Kai nebenan wurde gerade ein Schiff entladen, und ich ließ mir eine alte Geschichte bestätigen, die ich nie ganz glauben wollte: es bringt mit einem Schwesterschiff tatsächlich jede Woche 40% des britischen Bananenimports ins Land.

Weiter hinten lagen ein Küstentanker, wo uns leider die Zeit ausging, und der Katamaran, der vom Hafenbahnhof nach Ryde auf der Isle of Wight fährt. Auf der Brücke waren zwei Sessel und zwei Kapitänsmützen für beide Jungs, und daneben Radar, Karte, Fahrtregler und Kameras in den Maschinenraum. Das war richtig gut.

Abends dann wollte Otto plötzlich die Stützräder von seinem lange unbenutzten Fahrrad abmachen und auf dem Spielplatz üben. Und zu meiner Überraschung ging es auch sofort problemlos. Er drehte eine Runde nach der anderen, konzentriert und stolz über seinen Fortschritt. Sebbi fährt sowieso mit Inbrungst. Ich freue mich, irgendwann zu fahren zu gehen. Vielleicht sogar zu viert, wenn Ellie wirklich will. Nur schade, dass es hier so wenige lohnende Radwege gibt.

Sonntag mussten wir einkaufen, aber nachmittags gingen wir alle in den Park, damit die Jungs Fahrrad fahren konnten. Otto kurvte durch den ganzen Park und übte am Ende auf den Hindernissen der Skateparks.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Letzen Samstag fuhren wir im Regen zum Dorffest in Droxford. War den Versuch wert, lohnte die Strecke aber am Ende nicht. Ich stritt mich mit Otto, was mir wieder den Tag ueber im Magen lag. Ich haette mit den Jungs lieber schwimmen fahren sollen.

Sonntag trafen wir uns mit Ellies Mutter auf dem Landhof Aldingbourne. Ich brauchte mehrere Stunden zum Aufwachen. Zum Glueck waren die Kinder fast immer auf den Spielplätzen und ich musste wenig tun. Zu meiner Überraschung saß ich eine gute halbe Stunde mit Otto im Bastelzimmer und malte.

Und einmal traf sich Ellie mit zwei Freundinnen, die wir früher noch regelmäßig gesehen hatten, bis eine emigrierte und die andere auch ein Kind bekam. Gäste geben mir heute viel mehr als früher. Eine willkommene Abwechslung vom Alltag.

Otto

ist wieder in der Schule. Neues Thema: Ritterburgen. Die Routine tut ihm gut. Ich finde ihn derzeit einfach und lieb.

ich habe das Gefühl, dass Otto inzwischen viele unserer Lektionen verinnerlicht, lieb zu seinem Bruder zu sein und Dinge aus dessen Perspektive zu sehen. Zum Beispiel, dass Sebbi noch nicht lesen kann. Einmal hat er Sebbi explizit gelobt für etwas, dass für ihn selbst inzwischen einfach ist. Ich finde diese Entwicklung sehr schön.

Wir haben das Arbeitsheft zu Ottos Fibel begonnen. Otto zeigt in unserer ruigen Zeit am Abend grosses Interesse daran. Er reagiert allgemein besonders gut auf Raetselhefte.

Johannes

ich hatte letzte Woche etwas falsches gegessen und war vier Tage ausser Gefecht. Bin immer noch vorsichtig was ich esse.

Diese Woche habe ich mich gleich mit zwei deutschen Müttern aus der Schule unterhalten, die in der Nähe wohnen. Eine ist noch länger hier als ich. Ich hoffe auf Kaffee und Kuchen in der Zukunft, damit die Kinder Deutsch hören.

 

Freitag, 29. Mai 2026

Eine Woche zu dritt

Während Otto die Woche auf der Insel Hayling verbrachte, machten Ellie und ich am Mittwoch wieder einen Elterntag. Bei großer Hitze fuhren wir in das Dorf Selborne und besuchten das Haus des Naturforschers Gilbert White (18. Jh.). Wirklich viel konnte ich nicht aufnehmen, aber festzuhalten ist:

* richtig toller, großer Park und Garten mit Wiesen, botanischen Gärten und dahinter ein Hügel mit Buchenwald. Man könnte gut wandern, und das hat White wohl auch gern getan.

* das Haus ist gemütlich; am schönsten fand ich das Esszimmer mit Panoramablick in den Park

* Auszüge aus Briefen der Zeit geben einen praktischen Einblick, und erinnern in Stil und Inhalt an die Bücher Jane Austens

Selbige wohnte im nächsten Jahrhundert nicht weit weg im Dorf Chawton, wohin wir nach einem Mittagessen in einem Pubgarten fuhren. Vor vielen Jahren, vor den Kindern, waren wir schonmal dagewesen; damals verbrachten wir ein trübes Wochenende in der Jurte im Umweltzentrum. Wir gingen daher nicht nochmal in Austens Haus, sondern liefen zum Anwesen ihres Bruders und dessen großen Garten.

Sebbi

wurde vier Tage lang betuddelt 

Otto

scheint die gesamte Woche mit Schwimmen, Süßigkeiten und Wahnsinn verbracht zu haben. Aus Berichten wissen wir, dass er jeden Tag am Schwimmbecken war und wenn wir ihn mal ans Telefon bekamen, hat er vor Aufregung nur rumschreien koennen. Also genau wie letztes Jahr. Ich war froh, dass die grosse Hitze in der zweiten Wochenhaelfte etwas nachliess.

Er kam Freitag braungebrannt zurück und schien größer als vorher. Der Junge sah schon immer aus wie ein Surfer, aber jetzt hat er endlich Interesse am Strand und will im Meer baden. Ich habe jahrelang darauf gewartet.

Johannes

ich habe das Computer-Buch ausgelesen, allerdings ohne die ganzen Übungen gemacht zu haben, die den Hauptwert des Buches darstellen. Stattdessen beginne ich ein weiteres technisches Buch, über "git", ein Werkzeug fuer Programmierer.

Die zunehmende Leistungsfähigkeit der Jungs, in Körper und Geist, lässt mich viel träumen, was wir alles machen könnten, was ich ihnen zeigen möchte. Jahrelang habe ich gewartet, mehr und mehr mit ihnen machen zu koennen. Aber ein Leben ist zu kurz für alles, und mein Einkommen zu gering für alles.