Vor zwei Wochen von Otto geschrieben
Tagebuch
Donnerstag, 7. Mai 2026
Dienstag, 5. Mai 2026
Ein Tag mit Sebbi
Dienstag morgen war Ellie krank, also nahm ich mir den Tag frei und fuhr mit Sebbi ins Blaue. Auf sein Draengen hin fuhren wir zuerst zum Haustierhof Staunton, wo er an sich nur auf dem kleinen Traktor fahren will, aber wir verbrachten trotzdem einige schoene Stunden da, mit Mittagessen und Spieplatz. Besonders schoen ist momentan der Garten vor dem Tropenhaus. Sebbi war begeistert, als ich ihn auf eine Sonnenuhr setzte und er in die Pfeife in meinem Rucksack pusten konnte. Ab und zu rannte ich mit ihm um die Rabatten.
Anschliessend konnte er im Park nebenan soviel Laufrad fahren wie er wollte, und momentan will er das sehr viel. Es war toll, dass er dazu mal eine ganze Wiese hatte, wie ein Sturz nicht wehtut. Wenn doch, dann rettete ihn Papa. Er ist richtig gut, zeigt tolles Gleichgewicht.
Zuletzt hatte ich Lust an einem schoenen Ort ein Stueck Kuchen zu essen. Also fuhren wir am mittleren Nachmittag noch auf den schoenen Spielplatz in Clanfield. Da wurde es bereits etwas kuehler, aber Sebbi fuhr unbeirrt ueber die Wiese, die kleinen Huegel runter und kletterte ueber das Geruest. Ich nehme seine Koerperkontrolle zur Kenntnis, wie er sich beim Klettern mit beiden Haenden festhaelt und Leitern rueckwaerts runtersteigt. Wir hatten eine richtig schoene Zeit dort, und ich genoss noch den Ausblick, als wir uns ganz am Ende auf eine Bank setzten. Auf der Rueckfahrt schlief Sebbi dann sogar ein.
Otto hatte an diesem Tag einen Wandertag in ein Waldstueck auf dem Grossbesitz Goodwood bei Chichester gemacht. Dort lernten sie ueber Wald und Baeume. Zu Hause spielte er den Nachmittag lang mit seiner Mami Karten, was ihm auch gut tat.
Montag, 4. Mai 2026
Maifeier
Zum Maifeiertag (dieses Jahr Montag den 4. Mai) fuhren wir, wie schon die zwei Vorjahre, nach Little Woodham, dem Museumsdorf a la 1640 in Gosport.
Wir kochten ein Picknick vor und packten mit Glueck; das Wetter erlaubte leichte Kleidung. Das Dorf war wieder voll, aber es ist alles so viel einfacher, wenn kein Kind mehr getragen werden oder schlafen braucht. Die beiden Jungs liefen interessiert von Haus zu Haus. Mit Sebbi passte ich den Umzug ab, als alle Darsteller mit Musik zum Maibaum vor der Schmiede zogen. Besonders gut die als Maus und Wildschwein verkleideten Leute.
Ellie war mit den Kindern im Publikum, als die Morristaenzer und Musiker auftraten; ich guckte von weiter hinten zu. Ich nutzte auch einige Momente, mal in Ruhe allein mit den Leuten in den einzelnen Haeusern zu sprechen.
Fuer die Kinder war am wichtigsten der Tanz um den Maibaum. Die ersten Runden waren zu voll, aber wir stellten sicher, dass wir in der zweiten Haelfte auf unsere Kosten kamen. Sebbi hatte nach einem Mal genug, aber Otto machte mit so oft er konnte. Ich nehme zur Kenntnis, dass ihm tanzen richtig Spass macht. Eine Frau sprach mich auf sein Selbstbewusstsein an; mit dem Lautisten besprach ich Volkslieder und seine neun Jahre in Niedersachsen.
Zwischendurch bekamen die Kinder zu Essen und spaeter auch ein Eis. Ich probierte die Holzwerkbank aus, Sebbi pruefte, ob die Spindel am Spinnrad so spitz ist wie bei Dornroeschen, Otto war wie ich angewidert von den Einzelheiten der medizinischen Geraete.
Besonder schoen wurde es am spaeteren Nachmittag, als weniger Leute da waren, die Darsteller ihre eigenes Ding machten und die Kinder zwischen den Baeumen spielten. Ich tauschte mich mit einer Gaertnerin aus und nahm einen Eichensproessling mit. Ich lernte auch viel ueber Wildpflanzen und Kraeuer; Otto ist daran auch sehr interessiert und am naechsten Tag machten wir einen Salat mit Knoblauchrauke.
Es war ein richtig schoener Tag mit viel Zeit draussen fuer die Kinder und mich. Mir hat das alles sehr gut getan.
Freitag, 1. Mai 2026
Katzenjammer
In letzter Zeit hatten wir mit Mochis Gesundheit zu kaempfen. Er pullerte aufgrund einer Urintraktentzuendung ueberall hin. Als auch noch Urinsteine gefunden wurden, wurde er Donnerstag operiert. Danach wurde es mit dem Pullern ganz schlimm. Bevor wir ihn in die Kueche sperrten hatte er ein Schlafzimmer und den Dachboden. Stundenlanges Schrubben per Hand brachte nichts; Sonntag brachte Andrew seinen Teppichreiniger.
Mich hat das alles sehr gestresst. Es ging mir einige Tage ziemlich schlecht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir selbst mehr als Mochi leid tat. Ich hatte das Gefuehl, die ohnehin schwierige Kontrolle ueber das Haus ganz zu verlieren. Sich im eigenen Haus nicht wohl zu fuehlen und die Haelfte der ohnehin kleinen Flaeche unterbewusst zu vermeiden ist keine schoenes Gefuehl. Besonders, wenn man dafuer soviel bezahlt. Nicht zuletzt finanziell ist es, trotz voller Versicherungszahlung, ein Problem. Kein kritisches, aber soviel Muehe wird innerhalb weniger Tage zunichte. Ich hatte das Gefuehl, trotz vieler Muehe und Entsagung eher weiter zurueck zu fallen.
Samstag morgen guckte Sebbi mit mir bei Ottos Schwimmunterricht zu, waehrend Ellie zur Nachkontrolle beim Tierarzt war. Sie kam mit schlechte Nachrichten zurueck; der Heilungsprozess verlief schlechter als erwartet und niemand wusste, wieviel wir noch bezahlen muessen.
Sonntag mussten wir dann mal Naegel mit Koepfen machen: statt eines schoenen Ausflugs habe ich mit Andrew den Teppich gereinigt, das Haus halbwegs geraeumt und ich fuhr zur Muellkippe. Ellie war fast den ganzen Tag mit den Kindern draussen in der Sonne. Hat ihr zum Glueck Spass gemacht; ich hatte sofort wieder Sorgen, sie alleine zu lassen. Abends machte Mochi einen besseren Eindruck, was sich dann Montag und Donnerstag bei Nachkontrollen bestaetigte. Diese Krise ist also wohl erstmal vorbei; das Haus ist halbwegs bewohnbar, und ich zaehle jetzt, wieviel uns der Spass insgesamt gekostet hat.
Sebbi
ist von seinem Roller jetzt auf sein kleines Laufrad umgestiegen. Auch damit kann er viel besser umgehen als erwartet.
zeigt das erste Mal Anzeichen, dass er nicht mehr in die Kita will. Meckert morgens meistens rum, wo er frueher mit Freude und ohne Ueberzeugungsarbeit losgelaufen ist. Nichtmal die Umspannwerke und Verkehrsschilder auf dem Weg spornen ihn an. Sogar bei Otto ging das damals spaeter los. Ich hoffe wirklich, dass uns jetzt nicht ueber ein Jahr davon bevorsteht.
Otto
ist ueber Sebbi wieder auf seinen Roller gekommen. Beide Kinder sind jetzt oft zusammen auf Raedern unterwegs, was sehr schoen zu sehen ist.
Das Buch "Michel aus Loenneberga" ist angekommen. Otto mochte es sobald ihm der Gedanke kam, dass Michel an sich sehr bottisch ist. Es wurde aber vom Spielebuch verdraengt, dass aus Rostock zu seinem Geburtstag kam. Ich habe das neulich endlich angefangen und es ist ein grosser Hit. Wir spielen jetzt die dritte Route; Otto ist mit Inbrunst dabei, und fuer mich ist es das erste richtige Abenteuerspiel, zu denen ich ihn ja immer fuehren wollte.
Ottos aktuelles Schulprojekt sind Baeume: ihr Aufbau, Laub- und Nadelbaeume, einige Tierarten. Ich mag diese Projektarbeit; besonders, wie damit verschiedene Faecher bearbeitet werden. Unsere Hausaufgaben sind eine Wanderung im Wald und Fotos verschiedener Baeume und ihrere Bestandteile. Gibt schlimmeres.
das macht Otto dieses Semester nach der Schule:
Montag: kommt 15:15 nach Hause, geht 16:45 - 17:45 zum Karate
Dienstag - 15:15 nach Hause
Mittwoch - mittags Ukulele, bis 16:15 Hort
Donnerstag - Hockey bis 16:15
Freitag - Tennis bis 16:15
Johannes
ich habe gemerkt, dass ich nachmittags, wenn mein Kreislauf und damit meine Stimmung sackt, immer die Jungs vermisse.
Ich naehere mich dem Ende des Buchs ueber Computer, wenn ich auch alle praktischen Uebungen ignoriere, die ich sehr gerne machen wuerde. Wenn ich zu muede bin, lese ich Poirot.
Dienstag, 21. April 2026
Gwexpress
Ich habe mir Montag Vormittag frei genommen um endlich wieder zur Spielegruppe in den Simonskirche mitzugehen. Da war ich immer gerne, weil ich sitzen und Tee trinken kann, aber das letzte Mal war schon lange her. Ellie vermutet, dass Sebbi langsam zu alt fuer die Veranstaltung wird, also wollte ich noch einmal mit.
Es war so schoen, an dem sonnigen Morgen zusammen zu laufen. Sebbi ist tatsaechlich etwas aelter (und viel groesser) als alle andere Kinder. Komisch, richtige Babies und sehr kleine Kinder zu sehen - erst da merkt man, dass die eigenen nicht mehr so sind, und es ist nicht ohne Wehmut, trotz gute Erinnerung, wie es in dem Alter war.
Anschliessend liefen wir ans Meer, auf die Seebruecke und dann zum Spielplatz am Canoe Lake. Das macht Sebbi jeden Montag so; Ellie macht das Spass und ich bin froh, dieses mir sonst unbekannte Stueck Alltag zu sehen. Auch auf der Seebruecke merkte ich, dass ich ewig nicht mehr da gewesen war. Frueher gab es eine Zeit, als der kleine Otto immer dahin wollte, in die Spielhalle und dann auf den Rummel weiter hinten, bei Wind und Wetter, auch wenn alles zu war, und ich langweilte mich immer tot.
Es ist immer traurig, wenn ich mich dann absetze und nach Hause fahre, sogar, wenn Sebbi sehr bald nachkommen wird.
Dienstag entdeckt Sebbi ploetzlich den Roller fuer sich. Den hatte er von Otto uebernommen, aber bisher nur ein paarmal probiert. Dienstag wollte er ploetzlich damit fahren und war dann unerwartet den ganzen Vormittag unterwegs, zum Meer, am Meer entlang, in den Rosengarten. Ich habe ihn selbst gesehen, er fuhr auch richtig gut, als haette er die Bewegungsablaeufe schon woaneders geuebt. Moeglicherweise werde ich also noch einmal die Phase erleben, als Otto damals zur Kita gefahren ist, jeden Tag etwas schneller. Darueber freue ich mich, und bin gleichzeitig etwas traurig, das es das letzte Mal sein wird.
Otto wurde indes an diesem Tag das erste Mal von einer Bekannten abgeholt und verbrachte den Nachmittag bei ihrer Familie.
Sonntag, 19. April 2026
Omnia sol temperat
Sonntag Nachmittag hatte ich mir eine Wanderung ausbedungen, weil ich die Woche ueber kaum ausser Haus gewesen war. Dann aber erfuhren wir von einem roemischen Wochenende in Butser, sodass wir dann doch alle zusammen hinfuhren. Ich war anfaenglich skeptisch gewesen, dass wir das zeitlich schaffen, zumal man beide Kinder immer erst ueberzeugen muss. Aber ich habe gelernt: Mittag vorkochen und als Picknick mitnehmen klappt sehr gut und spart viel Zeit. Besonders an einem sonnigen Fruehlingstag auf einer Wiese. Ich habe immer Angst, den Fruehling zu verpassen, und auf Butser ist alles gruen und inzwischen kommen die Blueten dazu. Ausserdem liebe ich die Gaerten im Stil der verschiedenen Epochen. Es macht mir solche Freude, die Kinder auf dem Rasen laufen zu sehen, besonders auf einem sicher umzaeunten. Einmal konnte ich mich sogar kurz mit Ellie auf einer Bank unterhalten!
Ich erfuhr, dass die roemischen Historiendarsteller jeden Monat kommen. Sie gaben eine lange Demonstration von Waffen und Taktik. Otto meldete sich natuerlich als Statist; Sebbi indes wollte irgendwann weiter schlendern, sah kurz aus als wuerde er schlafen gehen, bemalte dann aber lieber Kalksteine mit gruenem Pflanzensaft.
In der roemischen Villa hinten im Dorf spielte eine Frau richtig gut Leier, und in der Kueche wurde richtig gekocht.
Auf dem Rueckweg fuhren wir noch an der Hubertuskapelle vorbei. Mir ging es nach diesem Tag gut.
Mittwoch, 15. April 2026
Letzten Samstag haben Ellie und ich klassisches Kinder-Pingpong gespielt, aber es war trotzdem ein guter Tag.
Morgens war ich mit Otto schwimmen, und danach hatten wir einige freie Stunden zu Hause, waehrend Ellie mit Sebbi, einer Freundin und deren Kind zum Eisenbahnspielen fuhr. Das war schoen, mal in Ruhe zu Hause zu sein; Otto war lieb und half mit und zusammen haben wir einige Sachen erledigt.
Dann fuhren Otto und Ellie mit seinem besten Freund und dessen Mutter ins Kino. Ich waehrenddessen mit Sebbi zurueck zum Sportzentrum, zum Familienschwimmen, mit Sebbis neuer Schwimmweste. Er huepft immer noch am liebsten ins Wasser, zeigte aber das erste Mal Sorge, dass ich ihn immer festhalte. Ich hab ihm das erste Mal gezeigt, mit seinen Beinen zu treten.
Anschliessend spielten wir noch lange im Park nebenan, wo gerade die Gaensebluemchen bluehen, und dann fuhren wir mit dem Bus nach Hause.
Sonntag brauchten wir alle Ruhe und sind einfach in die Burg Portchester gefahren, auf einen sonnigen Spielplatz und dann in die alte Kirche mit dem schoenen Cafe.
Sebbi
durchlebt momentan eine Phase. Verliert oft seinen bisherige Frohsinn, ist ernst und quengelt.
Otto
hat in der Schule ein wunderschoenes kleines Buch ueber und fuer Sebbi geschrieben. Eine Familienreise nach Japan und Deutschland, mit Titelseite und Klappentext. Der kam damit strahlend nach Hause und las es Sebbi vor. Wir sind sehr stolz auf ihn.
Dienstag hat Otto mit seinem Schulchor gesungen; wir Eltern haben zugehoert.
Johannes
Wir haben eine gut gepflegte Obsession mit den Wiggles.