Tagebuch
Mittwoch, 7. Oktober 2026
Montag, 28. September 2026
Zusammenfassung eines gelungenen Wochenendes:
Samstag waren wir in Butser, wo zwei Historiengruppen das angelsächsische England im Jahr 640 nachstellten. Otto war fasziniert von drei Raubvögeln auf Stangen, einer davon ein richtiger Adler. Er unterhielt sich viel mit den Leuten an diesem Stand, was mir die seltene Möglichkeit gab, mich selbst umzusehen und zu unterhalten. Otto fand auch die Kampfspiele toll, während Sebbi sich lieber das Küchenzelt ansah, als die Darsteller zum Mittag gerufen wurde. Außerdem war er sehr glücklich, das die Weintrauben vor der römischen Villa jetzt reif sind. Es war insgesamt sehr angenehm für uns alle, und ich konnte selbst mal einige Fragen stellen.
Sonntag war auch ein schöner Tag. Erst ging Otto mit Ellie zu einer Preisveranstaltungen für Kinder, die im Sommer einen Lesewettbewerb gemacht hatten. Das war wohl enttäuschend, aber er suchte sich ein sehr gutes Buch über die alten Römer aus; der Junge zeigt immer wieder guten Geschmack. Dann tauschte ich mit Ellie Kinder: sie nahm Sebbi zur Geburtstagsfeier eines Kita Freunds, und ich machte Otto Mittag. Und dann bot sich die seltene Gelegenheit, mit ihm allein zum Familienschwimmen zu fahren - sonst will Sebbi inzwischen immer mitkommen. Was schön ist, aber ich kann Otto dann nicht üben helfen. Und diesmal haben wir gut daran arbeiten können. Was er mir zeigte, sieht richtig beeindruckend aus, wir übten einige Techniken, und ich selbst lerne inzwischen selbst nützliche Sachen von ihm. Die machen tatsächlich Stile wie den Delfin. Es war eine richtig schöne Erfahrung für uns beide: ich fühlte mich wie ein guter Vater und Otto liebt die volle Aufmerksamkeit und das Lob eines Erwachsenen. Auf dem Rückweg wurde es für ihn noch besser: ich probierte spontan ein lange avisiertes indisches Cafe aus, zu dem ich mit Ellie nie kommen werde. Otto genoss die Sonderaktion und das gute Essen.
Sebbi
Otto
Johannes
meine Apfelbäume in der Schule leiden unter der Dürre. Ich habe vereinbart, dass ich sie ab und zu gieße, und die anderen Pflanzen dazu.
ich habe das alte Buch The Scarlet Pimpernel zu lesen. Normalerweise lese ich nicht mehrere Bücher auf einmal, aber es macht mir zuviel Spaß.
Mittwoch, 23. September 2026
Samstag fanden wir im Umweltzentrum keine Pflaumen aber dafür besonders gute Äpfel, Kräuter, jede Menge Haselnüsse und sogar ein paar Birnen. Mir hat dieser bewölkte Nachmittag sehr gut getan. Wir waren lange im Wald unterwegs, am Ende noch in der Ecke, wo Otto früher seine Waldschule hatte. Die Kinder hätten da lange gespielt und ich wünschte, ich hätte ihnen die Zeit geben können.
Sonntag war Sebbi verschnupft und wir gaben den Jungs etwas Radfahren und ein Cafe. Abends habe ich mit Otto unsere erste richtige, gemeinsame Radtour gemacht. Am Meer entlang Richtung zur Fähre nach Hayling, zu einer kürzlich von mir entdeckten Seebrücke, und dann spielten wir in einem Cafe im Abendlicht Love Letter. Otto blüht immer auf, wenn er das Gefühl hat, etwas erwachsenes zu machen und alle Aufmerksamkeit ganz auf ihm ruht. Ich freue mich aber auch sehr, hatte das schon lange geplant und es ist ein weiterer Schritt hin zu größerer Aktionsfreiheit mit Kindern.
Sebbi
spricht wieder grammatisch sehr gutes Deutsch. Letztens verließen wir gerade das Haus, da sagte er "Ich halte Deine Hand". Am nächsten Tag arbeiteten wir in der Küche und er sagte "Ich helfe Dir!" .
Otto
mag die Kinder von Bullerbü soweit.
hat kürzlich von einem extrem seltenen Spielzeug Auto gehört, von dem es nur eins gibt. Das findet er unglaublich spannend und will in jeden Wohltätigkeitsladen, weil es ja da sein könnte.
Johannes
mein erster Versuch mit Roggensauerteig scheiterte, aber nicht kläglich: ich machte noch Fladenbrote draus, und wenigstens der Geschmack stimmte. Dafür machten Otto und ich ausgezeichnete Pflaumenmarmelade.
Freitag, 18. September 2026
Samstag fuhren zu einer Art Festival auf dem Land. Wir hatten kurzfristig und gratis Karten bekommen. Da standen verschiedene Zelte und Stände auf einem Feld und in einem kleinen Waldstück daneben gab es Essen, Musik und ein Lagerfeuer, in das Kinder begeistert neues Holz schmissen. Vor allem aber gab es ein großes Zelt mit Spielstationen verschiedensten Art für Kinder, und darum herum konnten die Eltern sitzen. Wir trafen auch sofort verschiedene Familien aus Ottos Schule. Er und Sebbi spielten dort stundenlang. Später suchten Sebbi und ich Haselnüsse und kamen auf ein Feld mit Hühnern.
Mittwoch habe ich etwas besonderes gemacht: mittags wilderte ich in Ottos Schule zwei Apfelbäume aus. Die hatten wir zu Hause vor zwei Jahren als Kerne gepflanzt, und jetzt wurden sie zu groß für die Pflanzsäcke. Niemand weiß, ob sie am neuen Ort überleben. Aber im Garten kann ich sie nicht lassen, der ist dafür leider zu klein. Ursprünglich wollte ich sie irgendwo in der Natur einbuddeln, aber jetzt ist einer in Kent, und zwei in der Schule. Otto und viele andere Kinder halfen. Es wurden zu viele, sodass Otto mit den Ersthelfern irgendwann zurücktreten mussten, was mir leid tat. Aber ich habe im Vergleich gesehen: unsere Kinder sind super.
Sebbi
überrascht uns trotz aller Erfahrung immer weiter, wie natürlich er andere Kindern kennen lernt.
Otto
wir haben die Gesamtausgabe von Michel aus Lönneberga ausgelesen. Jetzt gucken wir, ob Otto Bullerbü mag. Wahrscheinlich etwas weniger, denn Otto hat sich sehr mit Michel identifiziert. Auch mir hat das Buch mehr Spaß gemacht als erwartet. Ellie hat mit ihm derweil die gesamte Reihe des Magic Faraway Tree ausgelesen. Es fällt uns beiden schwer, neue Bücher zu finden, denn Otto will inzwischen längere, mit größeren Welten, aber wir erinnern uns kaum noch, was wir früher gelesen haben, geschweige denn in dem Alter.
Johannes
Mir geht es ganz gut, solange ich Wolken sehe. Ich würde gerne nochmal einen richtig kalten Wintertag erleben.
Ich habe das erste Mal erfolgreich Sauerteig gemacht, und damit auch Brot. Als nächstes probiere ich, ob damit jetzt Roggenbrot funktioniert.
Ich habe ein langes, technisches Buch ausgelesen, das ich wahrscheinlich gleich nochmal lesen sollte. Aber erstmal lese ich die drei Musketiere.
Sonntag, 6. September 2026
Freitag abend ging Ellie mit ihrer alten Freundin Mel zu einem lokalen Konzert. Wir konnten uns beim Frühstück noch etwas unterhalten, bevor ich mit Otto schwimmen fuhr. Es tat mir richtig gut, mit jemandem interessantem aus meiner Generation reden zu können. Sie verstand Anspielungen auf alte Filme, mit denen ich sonst nur Ellie nerven kann. Und sie bäckt Brot. Schade, dass wir selten Gäste haben und selbst kaum besuchen können.
Samstag trafen wir Ellies Schwester samt Mann im Museumsdorf Bucklers Hard im New Forest. Da wurden früher Schiffe gebaut, und die oft fotografierte Hauptstraße führt piktoresk hinunter zum Fluss Beaulieu. Viele Bäume, ein Apfelgarten, Gras und unten Wasser. Abgesehen vom Museum ist alles gratis. Wir fuhren auch einmal mit dem Schiff Richtung Flussmündung, wo man die Isle of Wight sieht. Ellie ging später mit Otto ins Museum, ich stromerte mit Sebbi herum. Otto wurde etwas zu aufdringlich; neue Menschen sind zu aufregend.
Sonntag fuhren wir in die entgegen gesetzte Richtung und trafen in einem familienfreundlichen Pub Ellies Vater und Anhang. Die Kinder hatte eine Wiese mit Spielplatz. Ich unterhielt mich sehr schön mit meiner, vermutlich, Stiefschwiegermutter über Brot und Marmelade und Gärtnerei. Und mit ihrer Mutter über Paul Temple. Sie übernahmen einen meiner Apfelbäume um ihm in ihrem Garten den Raum zu geben, den er inzwischen braucht.
Sebbi
Ist jetzt in der ältesten Kita Gruppe. Springt vor Freude, wenn da morgens die Tür aufgeht.
Wir fahren inzwischen immer zusammen Fahrrad. Morgens zu zweit zur Kita, und beim Abholen nachmittags kommt meistens Otto mit. Ich fahre sehr gern mit meinen Kindern Rad.
Otto
geht wieder zur Schule. Tut ihm allgemein gut. Sein Verhalten schwankt weiter mehr als gewöhnlich. Zwischen vorbildlich und Anhaltender Explosion. Aber inzwischen haben wir das Gefühl, dass er sich mehr zum besseren als zum schlechteren entwickelt. Er zeigt manchmal Geduld und Zuneigung mit Sebbi, die wir bisher nicht kannten. Manchmal spielen die beiden richtig zusammen. Und in der Schule wurden ihm gleich zwei der Erstklässler zur Eingewöhnung gegeben. Scheinbar hat man da besonders großes Vertrauen in ihn.
Wird übel von Mücken gepiesackt. Er muss eine Art Allergie haben: die Stiche schwellen und bleiben auch ewig sichtbar. Einmal kriegte er über Nacht drei ins Gesicht, was so anschwoll, dass er beim Frühstück nicht kauen konnte. Wir suchen seit Monaten vergeblich nach Schutz oder Linderung.
ich habe unsere abendliche Ruhige Zeit richtig lieben gelernt. Sie stabilisiert mich; ich kann mich da richtig entspannen. Ich lasse ihn dafür zu lange wach bleiben. Neulich lernte er Quartett spielen (übrigens ein ganz altes aus Nordhausen) und dann mein altes Lieblingsspiel, Love Letter. Am Ende gebe ich ihm dann wieder etwas zum Rechnen, und letztens stellte ich fest, dass er sich durchaus noch an negative Zahlen erinnert.
Im Bett liest er dann eine Seite aus dem deutschen "Was ist Was: Mein Körper" und ich lese ihm Michel aus Lönneberga vor - wir sind aber bereits im letzten Kapitel.
Johannes
ich fühle mich weiter sehr labil. Solange ich nichts von der Welt mitkriege, geht es. Ein Stück Nachrichten, ein Kommentar über das Wetter oder Politik von Bekannten, bringen mich aus dem Gleichgewicht. Wenn die Kinder fröhlich sind, tut es mir weh, was ihnen noch blühen wird. Die machen uns meistens große Freude. Ich dann befürchte ich, dass eine schöne Kindheit irgendwann nur den Kontrast zur Wirklichkeit verschlimmert.
Manchmal fühlt sich mein Leben sehr festgefahren an. Fast immer der gleiche Tagesablauf. Ich leide allgemein wieder mehr unter dem Nullsummenspiel unserer Umstände. Tagsüber haben wir keine Zeit, abends, zur einzigen kinderfreien Zeit, haben wir keine Kraft mehr. Will einer von uns selten gesehen Freunde treffen, verlieren wir sofort ein Wochenende zusammen. Wir machen einen weiteren Anlauf, wenigstens nicht auf Telefone zu starren. Ab 21.30 kommen sie weg.
Positives:
mein Brot ist richtig gut geworden.
Die Drei Musketiere nehmen Fahrt auf.
ich liebe alte Maigret Hörspiele
Abends nach der Arbeit kann ich meistens zwischen den Kindern auf dem Sofa etwas lesen.
Ich treffe nach den Sommerferien wieder mehr Freunde.
Mittwoch, 2. September 2026
Ich liebe Du
Es beginnt die Erntezeit. Am verregneten Samstag holten wir große Mengen Pflaumen und diverse Kräuter vom Umweltzentrum. Und am nächsten Tag im Dell viel zu viel Holunder und Brombeeren. Ich wünschte wir hätten diese Fülle in unserem Garten.
Am freien Montag trafen wir uns mit einer alten Freundin Ellies und deren Familie zum Frühstück am Meer. Sehr schön. Die beschrieben ihre Tochter als schüchtern und interessiert an stillem Basteln. Otto robbte währenddessen über den Boden des Cafes. Beide Jungs sehen am Wasser spitze aus.
Wir fuhren danach noch nach Butser, wo die Römer unterwegs waren. Otto lernte ihr Zahlensystem und Angriffstaktiken. Sebbi spielte schlafen. Es wurde irgendwann stressig, aber ich genieße die Blicke über die abgeernteten Hügel.
Michel aus Lönneberga ist groß angesagt. Ottos Begeisterung für das Buch steigt immer weite. Sebbie liebt das Bilderbuch, und zusammen gucken wir die alte Fernsehfolgen.
Sebbi
ist weiter besessen vom Thema Polizei und Einbrecher. Häufiger Satz: "ich werfe ihn in den Knast!".
Die Kita Betreuer übertreffen sich momentan täglich mit Liebesbekundungen für Sebbi. Eine bot uns Babysitting an; würde es sogar gratis machen. "Er ist so voller Freude und Liebe". Genau das ist er. Und er spricht viel auf Deutsch. In letzter Zeit sagt er häufig, unaufgefordert, "Ich habe Du lieb" oder sogar "Ich liebe Du". Auf Butser saßen wir einmal an einem Lagerfeuer, da lief er plötzlich zur Betreuerin der Hütte und sang ihr das Kinderlied "Londons burning" vor. Man sah ihm die Freude an. Die Frau war so lieb, ihm aufmerksam zuzuhören und wir lobten ihn zusammen.
benutzt jetzt mehr Klo als Topf
Otto
hat uns neulich sehr beeindruckt, als er auf einem Spielplatz geduldig einen kleinen Jungen in der Hauphase im Zaum hielt. Wir haben ihn dafür sehr gelobt. Sebbi hielt sich nur die Ohren zu und drehte sich weg (obwohl unsere Jungs beide bedeutend größer waren). Ich werde mit ihm nochmal besprechen, wann es ok ist sich zu wehren - das sind die sensibelsten Themen für mich als Vater.
Freitag, 28. August 2026
Seine letzte volle Ferienwoche verbrachte Otto mit seiner Mami. Die hat ihn ja ohnehin jeden Montag und Dienstag, zusammen mit Sebbi. Nach dem Erfolg des Wassersportzentrums in der Vorwoche buchte sie ihm den Dienstag dazu. Diesmal waren sie vor allem segeln, in einer kleineren Gruppe als letzte Woche. Vier Kinder mit Betreuer in einem Boot in der Langstone Bucht. Freut mich ganz besonders. Segelboote sind am schönsten. Noch besser als Kajaks. Otto hat zu Hause wieder gestrahlt. Man kann bereits jetzt Klubs für die Ferien bis zum Herbst 2027 buchen. Ich bin sehr versucht. Leider gibt es natürlich viele, viele andere schöne, teure Ferienklubs für Familien mit Geld oder schwacher Selbstkontrolle. Ich habe mich mit Otto wieder über das Dilemma von Masse und Klasse der Hobbys unterhalten; wie das Leben zu kurz ist für alles und man sich irgendwann auf wenige Sachen konzentrieren muss.
Mit Sebbi war Ellie tagsüber in der Margaretenkirchen spielen gewesen. Ich besuchte sie, wie schon oft in den Sommerferien und es macht mich immer sehr froh dort in Ruhe mit Ellie und den Kindern zu sein. Als ich wieder nach Hause musste, gab Sebbi mir einen Kuss auf die Wange. Der Junge ist so voll Freude und Liebe.
Abends hatte ich Otto und wir haben erst zusammen gelesen und dann hat er mir geholfen, ein Brot zu kneten.
In den Folgetagen, mit Sebbi in der Kita, haben Ellie und Otto den Löwen-Wettbewerb der Stadt vollendet, waren in der Spielhalle, und einen Tag lang im Wissenschaftszentrum bei Winchester. Das hat verschiedene Ausstellungen zu Physik als auch Fossilien und ein angeschlossenes Planetarium. Ich hatte seit Jahren dahin gewollt, es ist allerdings teuer. Sie kamen aber begeistert zurück; es ist das Geld wert. Auch für kleine Kinder wie Sebbi, und landschaftlich schön gelegen. Wir werden also irgendwann hinfahren.
Außerdem vollendete Otto auch seinen Sommerlesewettbewerb; sieben längere Bücher hat er allein gelesen. Dafür bekam er leider erstmal ein Kazoo, und irgendwann gibt es eine Zeremonie in der Burg Southsea.
Sebbi und ich fuhren oft beide mit dem Fahrrad zur Kita und zurück. Manchmal kam auch Otto mit. Man sieht ihm die Zufriedenheit an, der große Bruder zu sein der schon weiß, wie man sich im Verkehr verhält.
Otto
schwankt in letzter Zeit mehr als normal zwischen lieb und provokant. Wir achten mehr darauf, dass er uns zuhört und auch macht was wir sagen. Aber diese Durchsetzung hat ihre Kosten. Dann stellt er wieder in Frage ob wir ihn lieb oder lieb genug haben. Dann nimmt er wieder alle Schuld auf sich und sagt er ist schrecklich. Ein Teil ist Show, ein Teil ist echt, ein Teil experimentiert nur mit neuen Konzepten und Taktiken, aber was wieviel? Und dann gibt er sich wieder richtig Mühe in seiner Rolle als großer Bruder. Ein ewiges Hin und Her für Ellie und mich. Ich denke dann, das ist nicht alles nur Phase sondern gehört zu ihm, und wird ihm genauso im Weg stehen wie mir.
Sebbi
guckt sich einige Sachen von Otto ab: das Konzept "ich bin besser" kopiert er ohne es wirklich zu verstehen, provoziert damit seinen Bruder von dem es ursprünglich kam, der keilt zurück, und schon haben wir den nächsten Streit.