Sonntag, 19. Mai 2019

Nachträge

Ellies Uniarbeit hat sich in den letzten Wochen vor Abgabe der ersten Hausarbeit noch entspannt. Nach einigen Treffen mit ihrer Betreuerin wurde langsam klarer, was die nun konkret lesen wollen. Damit konnte ich mein Engagement zurückfahren. Am 17. Mai hat Ellie diese Arbeit eingereicht und wird zur Belohnung noch zum Essen in einem Pub eingeladen, den ich letztens auf einer Wanderung gefunden hatte.

Die Tagung in Berlin war interessant wenn auch ermüdend. Die Max-Planck Gesellschaft hat dort das Gästehaus der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft übernommen, im grünen Dahlen zwischen Forschungsinstituten und Ministerien. An der Wand Fotos ernster wilhelminischer Wissenschaftler mit dicken Bärten. Besonders gerne bin ich in Pausen in den großen Garten gegangen. Bei Vorträgen habe ich fleißig Notizen gemacht, nur die technisch komplizierteren habe ich aufgrund mangelnder Mathekenntnisse nicht verstanden. Dafür habe ich fleißig Kontakte geknüpft, insbesondere mit den Leuten aus dem Rostocker Institut. Ich bin mit hängender Zunge aus der endlos scheinenden Abschlussdiskussion gekommen, konnte mich dann aber am Wannsee entspannen. Ich war noch nie da gewesen! Richtig schön die Ruhe und Weite von brandenburgischem Wald und Wasser. An die Havel und ihre Schlösser habe ich es aber nicht mehr geschafft.

Noch am Tag meiner Rückkehr aus Berlin bin ich zur letzten Chorprobe vor der Sommerpause gegangen. Denn zwei Tage später war das Abschlusskonzert, eine formlose Angelegenheit zusammen mit anderen Unimusikgruppen, die mir gerade aufgrund des entspannten Charakters sehr gefallen hat. Wir haben Händels Hallelujah und Zadok der Priester sowie Faures Cantique de Jean Racine gesungen, letzteres hatte ich gegen Ende meines ersten Jahres in Portsmouth schon einmal gesungen, als ich gerade Ellie kennen gelernt hatte.
Privat hatte ich mir vor einiger Zeit Noten für Warum toben die Heiden von Heinrich Schütz bestellt, was Mutti immer im Advent von Schallplatte gespielt hat. Wie sich rausstellte, hatte ich dabei nur eine von mehreren Bassstimmgruppen ausgewählt, sodass ich jetzt den gesamten Notensatz nachbestellt habe. Die gibt es nur über deutsche Verlage und sogar die tun sich schwer es zu finden.

Gelesen hatte ich in den letzten Wochen eher Ellies Lehrbücher. Seit sich die Situation dort entspannt hat bin ich zu meinem Geschichtsbuch über Europa in der Klassik zurückgekehrt. In Deutschland hatte ich endlich mehr Zeit und nähere mich dem Ende. Ich habe was gelernt, aber so gut wie der zweite Teil der Reihe, über das frühe Mittelalter, ist es nicht.


Brexit: kurz vor dem Abflug nach Deutschland bekam ich meine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Das System hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Idee ist einfach: man gibt einige persönliche Daten und die Steuernummer an, womit dann automatisch geprüft werden kann, wielange man in den Verwaltungssysteme geführt wird. Genauso arbeiten wir in der Statistik ja auch, wo wir aus diesen Verwaltungssysteme meinetwegen die Zahl der gemeldeten Einwohner eines Kreises ableiten. Mein Fall sollte denkbar einfach sein: ich hatte durchgehend den gleichen Arbeitgeber, an der gleichen Addresse, mit gleicher Steuernummer und Berufsbezeichnung. Und sie haben mich trotzdem nicht gefunden. Erst musste mein Arbeitgeben einen Brief nachreichen, wielange ich bei ihnen arbeite. Wenn es schon bei mir nicht funktioniert, dann wie bei Leuten mit einer bunteren Karriere? Na, jetzt darf ich da bleiben und es rausfinden.



Noch Ende April lernte ich etwas über britische Umleitungsausschilderungen. Nach einem Geburtstag bei Freunden in Hastings kamen wir bei Dunkelheit zurück und die Autobahn war teilweise gesperrt. Wir folgten den kleinen gelben Umleitungszeichen, bis ich merkte, dass wir zu lange zurück Richtung Osten fuhren. Was eben weder ich noch Ellie wussten: statt konkreten Zahlen wird einer Umleitung hier ein kleines geometrisches Zeichen zugewiesen, wie Dreieck oder Raute. Wir hatten in der Dunkelheit einmal unser kleines Dreieck übersehen und dachten alles kleine gelbe ist Umleitung.

Mecklenburg im Mai

Garten der Tagungsstätte

Als Wissenschaftler noch Anzüge brauchten 




Neulich hat uns ein Freund im Fotografiestudium als Models genutzt. In Wirklichkeit sehen wir natürlich noch viel schicker aus.


Beim Geburtstag in Hastings. Englischer Stil siegt.

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