Offensichtlich habe ich es mit dem tugendhaften Lesen in geschlossenen Räumen etwas übertrieben: vorletzte Woche setzten typische Symptome der Prüfungskrankheit ein. Zu wenig Bewegung, zu wenige soziale Aktivitäten führten zu Schlafproblemen nachts und deren Gegenteil am Tage, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen, verschlechterte Sozialfähigkeiten. Nach einigen erfolglosen Versuchen, selbst Leute zu Unternehmungen zu animieren konnte ich die Balance jetzt zum Glück wieder herstellen.
Zum einen wurde ich von der Südamerikanischen Gesellschaft beim freitäglichen Salsatanzen zu einem Auftritt rekrutiert. Genauer gesagt probten wir Rueda, eine Salsaform, bei der die Paare im Kreis stehen und simultan nach Kommandos tanzen, wobei sie ihre Partnerinnen untereinander austauschen. Das wurde dann Donnerstag im Rahmen eines studentischen Chili-Wettbewerbs aufgeführt, bei dem jüngere Studenten schauten wer mehr Schoten essen kann. Freitag feierten die Kazachen Geburtstag, was eine der besten Tanznächte in meinem Gedächtnis wurde. Eine griechische Feier eine Woche später fiel wegen Krankheit aus, aber es gibt weiterhin regelmäßig Salsa. Viel Bewegung, viele Menschen, keine Schlafprobleme.
All das geht ein wenig auf Kosten von Lesezeit, aber eine Hausarbeit wurde verschoben, sodass soweit auch das zweite Semester mehr kultiviertes Lesen nach Interesse als Studium ist. Nachdem ich Statistik zu Ende lesen habe, widme ich mich jetzt v.a. der Entwicklungsökonomie in den Bereichne Ungleichheit und Handelstheorie. Daraus habe ich mir auch meinen Vorschlag für das Thema der Abschlussarbeit gezimmert. Laut Formular will ich Mitteleuropa auf wirtschaftliche Konvergenztendenzen mit dem Western untersuchen. Ich bin nicht sehr enthusiastisch, aber irgendwas musste man sich ausdenken.
Der Kurs zu Sozialer Wahl hat sich im Übrigen als ernsthaftes Herzstück des ganzen Programms rausgestellt. Offenbar gibt es eine ganze, eigenständige Disziplin unter dem Namen, die Politik, Philosophie und Wirtschaft vereinigt und evtl. sogar etwas mit der echten Welt zu tun haben könnte. In der wöchentlichen Übung sind alle unsere drei Professoren anwesend, was dem Personalchef der Uni vermutlich die Haare ausfallen laesst, aber Diskussionen auf akademischem Niveau ermöglicht.
Jetzt bin ich erstmal erkältet und bleibe zu Hause.
Sonntag, 6. Februar 2011
Sonntag, 23. Januar 2011
22.01.2011 – Unter Büchern und Beton
Fortschritt durch Vorschrift
Der Master hier unterscheidet sich in zwei Aspekten massiv vom Grundstudium. Einmal habe ich mir damals viele Bücher gekauft und erst im zweiten Jahr die Bibliothek betreten. Hier besitze ich kein einziges und bin dafür praktisch nur in der Bücherei. Zweitens war damals der Semesteranfang Stress pur, weil man sich alle angebotenen Kurse angesehen an bevor man sich seinen Stundenplan aufstellte. Hier sind dagegen alle Kurse vorher festgeschrieben. Die erste Vorlesungswoche war daher fast so ruhig wie die vorlesungsfreie davor, weil die meisten Kurse nur Organisatorisches beinhalteten und Übungen logischerweise erst nach Stoffvermittlung stattfinden können. So sitze ich täglich zwischen Büchern und lese glücklich was mir vor die Flinte kommt. In diesem Stil von Zeit und Muße habe ich Donnerstag auch endlich die Buchrezension von Stiglitz' „Im Schatten der Globalisierung“ in einem Ruck fertig geschrieben. Das war das letzte Überbleibsel des letzten Semesters, jetzt kann ich die beiden kleineren Hausarbeiten angehen, die bis 17.3. fertig sein müssen.
Autonomer Student
Statistik hat jetzt die erste muttersprachliche Dozentin gebracht. Ist aber auch egal, weil ich mich aus mehreren Kursen gleich wieder zurückgezogen habe, um lieber selbst in der Bibliothek zu lernen. Da trifft man auch die meisten Bekannten. Mein ägyptischer Freund Achmet z.B. hat mir vom Weihnachtsurlaub neues Baklava mitgebracht, diesmal tunesisches. So hätte ich das schon in Magdeburg machen sollen, wie ja im übrigen meine Kommilitonen, statt alle Vorlesungen mitzumachen, wo ich ohnehin schlecht zuhören kann, und dann noch zu versuchen alle Lehrbücher zu lesen. Kein Wunder der Stress damals.
Sans soucis
Was mir in Bibliothek und auch anderswo auffällt ist, dass ich mich wieder wie früher meine Sachen ohne Sorgen mal für eine Stunde liegen lasse um woanders was zu suchen. Im Übrigens nicht nur ich, dass ist allgemeine Konvention. In Polen würde man schon dreimal durchaus harsch darauf hingewiesen werden, dass man doch auf seine Sachen acht geben muss. Nicht, dass mir (außerhalb Warschauer Parks) dort je was passiert wäre, aber die allgemeine Paranoia dort hatte irgendwann auch mich angesteckt.
Atomwitz
In dieser zuversichtlichen Athmosphäre habe ich Samstag morgen auch mal wieder meiner lang vernachlässigte Rolle als Tourist etwas Aufmerksamkeit gegönnt und den Yorker Atombunker besucht. Zugebenermaßen einer der weniger offensichtlichen Attraktionen, dementsprechend war ich auch der einzige Teilnehmer der Tour. Der Bunker ist ein tragikomisches Relikt der 1950er Jahre, gebaut für den Heimatschutz, der nach einem Angriff die Zerstörung und Strahlungsentwicklung in der Region beobachten und die Bevölkerung warnen sollte. Als Bomben noch per Flugzeug zugestellt werden mussten stellte man sich noch vor, es würde jemand zu warnen übrig bleiben. Die Bomben waren wohl auch noch kleiner, denn der Bunker hätte nur einen Abwurf in mindestens 10km Entfernung standgehalten und hatte Vorräte für sage und schreibe einen Monat Maximum. Danach wären die 60 Freiwilligen des Observer Court (eine ursprünglich Freiwilligenorganisation, die in den Kriegen die einfliegenden deutschen Zeppeline und Bomber beobachteten), die das Glück hatten, als erste durch die Tür zu kommen, wieder rausgetreten und vielleicht Tee getrunken. Glückliche 50er Jahre: im Innern werden auch Lehrfilme aus der Zeit gezeigt, als man sich vor Atombomben unter seinem Schreibtisch in Sicherheit gebracht hätte. Der Yorker Bunker jedenfalls war die Hauptstation für kleine 3-Mann-Bunker in der ganzen Grafschaft und hätte die Beobachten von Explosionen gesammelt, die diese Leute gesammelt hätten, indem sie nach einer Explosion schnell aus ihrem Unterstand gesprungen wären um ihre Instrumente auf dem Dach abzulesen, bevor die Strahlung runterkommt. Der Bunker war von 1961 bis 1992 einsatzbereit und wurde 2000 von English Heritage für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Master hier unterscheidet sich in zwei Aspekten massiv vom Grundstudium. Einmal habe ich mir damals viele Bücher gekauft und erst im zweiten Jahr die Bibliothek betreten. Hier besitze ich kein einziges und bin dafür praktisch nur in der Bücherei. Zweitens war damals der Semesteranfang Stress pur, weil man sich alle angebotenen Kurse angesehen an bevor man sich seinen Stundenplan aufstellte. Hier sind dagegen alle Kurse vorher festgeschrieben. Die erste Vorlesungswoche war daher fast so ruhig wie die vorlesungsfreie davor, weil die meisten Kurse nur Organisatorisches beinhalteten und Übungen logischerweise erst nach Stoffvermittlung stattfinden können. So sitze ich täglich zwischen Büchern und lese glücklich was mir vor die Flinte kommt. In diesem Stil von Zeit und Muße habe ich Donnerstag auch endlich die Buchrezension von Stiglitz' „Im Schatten der Globalisierung“ in einem Ruck fertig geschrieben. Das war das letzte Überbleibsel des letzten Semesters, jetzt kann ich die beiden kleineren Hausarbeiten angehen, die bis 17.3. fertig sein müssen.
Autonomer Student
Statistik hat jetzt die erste muttersprachliche Dozentin gebracht. Ist aber auch egal, weil ich mich aus mehreren Kursen gleich wieder zurückgezogen habe, um lieber selbst in der Bibliothek zu lernen. Da trifft man auch die meisten Bekannten. Mein ägyptischer Freund Achmet z.B. hat mir vom Weihnachtsurlaub neues Baklava mitgebracht, diesmal tunesisches. So hätte ich das schon in Magdeburg machen sollen, wie ja im übrigen meine Kommilitonen, statt alle Vorlesungen mitzumachen, wo ich ohnehin schlecht zuhören kann, und dann noch zu versuchen alle Lehrbücher zu lesen. Kein Wunder der Stress damals.
Sans soucis
Was mir in Bibliothek und auch anderswo auffällt ist, dass ich mich wieder wie früher meine Sachen ohne Sorgen mal für eine Stunde liegen lasse um woanders was zu suchen. Im Übrigens nicht nur ich, dass ist allgemeine Konvention. In Polen würde man schon dreimal durchaus harsch darauf hingewiesen werden, dass man doch auf seine Sachen acht geben muss. Nicht, dass mir (außerhalb Warschauer Parks) dort je was passiert wäre, aber die allgemeine Paranoia dort hatte irgendwann auch mich angesteckt.
Atomwitz
In dieser zuversichtlichen Athmosphäre habe ich Samstag morgen auch mal wieder meiner lang vernachlässigte Rolle als Tourist etwas Aufmerksamkeit gegönnt und den Yorker Atombunker besucht. Zugebenermaßen einer der weniger offensichtlichen Attraktionen, dementsprechend war ich auch der einzige Teilnehmer der Tour. Der Bunker ist ein tragikomisches Relikt der 1950er Jahre, gebaut für den Heimatschutz, der nach einem Angriff die Zerstörung und Strahlungsentwicklung in der Region beobachten und die Bevölkerung warnen sollte. Als Bomben noch per Flugzeug zugestellt werden mussten stellte man sich noch vor, es würde jemand zu warnen übrig bleiben. Die Bomben waren wohl auch noch kleiner, denn der Bunker hätte nur einen Abwurf in mindestens 10km Entfernung standgehalten und hatte Vorräte für sage und schreibe einen Monat Maximum. Danach wären die 60 Freiwilligen des Observer Court (eine ursprünglich Freiwilligenorganisation, die in den Kriegen die einfliegenden deutschen Zeppeline und Bomber beobachteten), die das Glück hatten, als erste durch die Tür zu kommen, wieder rausgetreten und vielleicht Tee getrunken. Glückliche 50er Jahre: im Innern werden auch Lehrfilme aus der Zeit gezeigt, als man sich vor Atombomben unter seinem Schreibtisch in Sicherheit gebracht hätte. Der Yorker Bunker jedenfalls war die Hauptstation für kleine 3-Mann-Bunker in der ganzen Grafschaft und hätte die Beobachten von Explosionen gesammelt, die diese Leute gesammelt hätten, indem sie nach einer Explosion schnell aus ihrem Unterstand gesprungen wären um ihre Instrumente auf dem Dach abzulesen, bevor die Strahlung runterkommt. Der Bunker war von 1961 bis 1992 einsatzbereit und wurde 2000 von English Heritage für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Dienstag, 18. Januar 2011
17.01.2010 – Vorlesen & Vorsingen
Lesen in Gesellschaft
Die freie Woche zwischen Rückflug und Vorlesungsbeginn habe ich praktisch komplett in der Bibliothek verbracht und Ökonometrie gelesen. Das soll mir während des Semesters Arbeit sparen. Trotzdem habe ich lediglich knapp 300 Seiten geschafft, statt mehrerer Bücher auf einmal wie man sich das immer vorstellt. Nebenbei habe nur noch ein bisschen in Goebbels Tagebüchern gestöbert.
In der Bibliothek war ich offenbar der einzige, der keine Prüfungen hatte. Und alle lernen bessere Sachen als ich: um mich rum lagen stapelweise Bücher zu Medizin, Neurologie und Genetik, von Studenten die vor mir kamen und nach mir nach Hause gingen.
Auserlesen
Die Franzosen kamen, schrieben ihre Klausur und gingen wieder. Ich hatte extra ordentliches Essen gekauft und dann sind wir lieber Hamburger essen gegangen.
Lesen mit Musik
Interessanterweise hatte ich trotz einiger Pläne vor dem Semester mal nach Edinburgh oder auf die Farm zu fahren kein größeres Interesse zu verreisen, nicht mal in der Stadt habe ich viel unternommen, selbst den Münster nur zweimal besucht. Dafür habe ich mich zum Lesen in der Musikfakultät fast häuslich eingerichtet. Dort sind vor Semesterbeginn noch wenige Studenten und so herrscht genug Ruhe zum Lernen, während trotzdem immer irgendwer irgendwo probt und ich dabei Tee machen sowie Mittags Essen warm machen kann.
Limitloses Lesen
Heute ging nun das Semester los und wie üblich wurde man mit Leselisten reichlich beschenkt, die man vielleicht ab und zu sogar mal berücksichtigen kann. Bis Mitte März stehen wohl 2-3 Hausarbeiten an und danach Klausuren sämtlicher Kurse seit Studienbeginn. Das wird hier meist nach dem Frühlingssemester konzentriert und nicht nach jedem Halbjahr erledigt. Am schwersten wird aber das Dissertationsthema sein, was ich wohl sehr bald vorschlagen muss. Natürlich habe ich keinen blassen Schimmer was mich denn vielleicht interessiert. Dafür ist die Bibliothek wieder leer, mein stiller Lesesaal wieder allein und verlassen.
Notenlesen
Abends habe ich mich endlich bei der Basssektion des Unichors angemeldet. Wir proben Händels Salomon für einen Auftritt am 16.3. im Münster. Und danach am 22.6. im gleichen Ort – Beethovens Neunte sowie Mozarts Messe in C-Moll! Erstmal wurde mein gesangliches Selbstbewusstsein von den umgebenden Musikstudenten gestutzt – das ist gar nicht so einfach so schnell Noten zu lesen! Zum Glück ist das ein großer Chor und ich kann mich zwischen den anderen Stimmen verstecken wenn ich in die falsche Richtung singe. Mehr ich frage mich wie immer, ob ich in diesem Semester soviel Zeit habe, auch wenn Proben nur zwei Stunden jeden Montag abend sind. Das ist auch gar nicht so billig: 20 Pfund Mitgliedsbeitrag und die Noten muss man trotzdem noch selbst bezahlen. Soviel würde ich z.B. niemals für die gleichen Konzerte als Gast bezahlen. Aber wie sagt mein mit angemeldeter deutscher Kommilitone: was tut man nicht alles um im Münster zu singen.
Tanzen
Am schönsten: die Lateinamerikanische Gesellschaft führt bereits den Freitagssalsa weiter.
Die freie Woche zwischen Rückflug und Vorlesungsbeginn habe ich praktisch komplett in der Bibliothek verbracht und Ökonometrie gelesen. Das soll mir während des Semesters Arbeit sparen. Trotzdem habe ich lediglich knapp 300 Seiten geschafft, statt mehrerer Bücher auf einmal wie man sich das immer vorstellt. Nebenbei habe nur noch ein bisschen in Goebbels Tagebüchern gestöbert.
In der Bibliothek war ich offenbar der einzige, der keine Prüfungen hatte. Und alle lernen bessere Sachen als ich: um mich rum lagen stapelweise Bücher zu Medizin, Neurologie und Genetik, von Studenten die vor mir kamen und nach mir nach Hause gingen.
Auserlesen
Die Franzosen kamen, schrieben ihre Klausur und gingen wieder. Ich hatte extra ordentliches Essen gekauft und dann sind wir lieber Hamburger essen gegangen.
Lesen mit Musik
Interessanterweise hatte ich trotz einiger Pläne vor dem Semester mal nach Edinburgh oder auf die Farm zu fahren kein größeres Interesse zu verreisen, nicht mal in der Stadt habe ich viel unternommen, selbst den Münster nur zweimal besucht. Dafür habe ich mich zum Lesen in der Musikfakultät fast häuslich eingerichtet. Dort sind vor Semesterbeginn noch wenige Studenten und so herrscht genug Ruhe zum Lernen, während trotzdem immer irgendwer irgendwo probt und ich dabei Tee machen sowie Mittags Essen warm machen kann.
Limitloses Lesen
Heute ging nun das Semester los und wie üblich wurde man mit Leselisten reichlich beschenkt, die man vielleicht ab und zu sogar mal berücksichtigen kann. Bis Mitte März stehen wohl 2-3 Hausarbeiten an und danach Klausuren sämtlicher Kurse seit Studienbeginn. Das wird hier meist nach dem Frühlingssemester konzentriert und nicht nach jedem Halbjahr erledigt. Am schwersten wird aber das Dissertationsthema sein, was ich wohl sehr bald vorschlagen muss. Natürlich habe ich keinen blassen Schimmer was mich denn vielleicht interessiert. Dafür ist die Bibliothek wieder leer, mein stiller Lesesaal wieder allein und verlassen.
Notenlesen
Abends habe ich mich endlich bei der Basssektion des Unichors angemeldet. Wir proben Händels Salomon für einen Auftritt am 16.3. im Münster. Und danach am 22.6. im gleichen Ort – Beethovens Neunte sowie Mozarts Messe in C-Moll! Erstmal wurde mein gesangliches Selbstbewusstsein von den umgebenden Musikstudenten gestutzt – das ist gar nicht so einfach so schnell Noten zu lesen! Zum Glück ist das ein großer Chor und ich kann mich zwischen den anderen Stimmen verstecken wenn ich in die falsche Richtung singe. Mehr ich frage mich wie immer, ob ich in diesem Semester soviel Zeit habe, auch wenn Proben nur zwei Stunden jeden Montag abend sind. Das ist auch gar nicht so billig: 20 Pfund Mitgliedsbeitrag und die Noten muss man trotzdem noch selbst bezahlen. Soviel würde ich z.B. niemals für die gleichen Konzerte als Gast bezahlen. Aber wie sagt mein mit angemeldeter deutscher Kommilitone: was tut man nicht alles um im Münster zu singen.
Tanzen
Am schönsten: die Lateinamerikanische Gesellschaft führt bereits den Freitagssalsa weiter.
Dienstag, 11. Januar 2011
10.01.2011 - Zurück in York
Rückreise
Morgens stand ich noch an der violetten Oder, als die kalte Sonne über den Wäldern aufging und ein langes Spiegelbild über das Hochwasser warf. Im Zug beschien sie auch die weißen Felder und leeren Weinreben vor Frankfurt. Im Glasgang vom Bahnhof Schönefeld spielt der gleiche Akkordeonist wie bei der Ankunft. In der Schlange zum Flugzeug bin ich scheinbar der einzige Nichtpole, sogar das Personal spricht Polnisch. Kein Wunder, dass auf dem East Midlands Airport die Sicherheitsdurchsagen auf Englisch und Polnisch erfolgen. Außer uns ist er übrigens ziemlich leer, im Gegensatz zum Hinflug kommt unser Gepäck sofort aufs Fließband. Sonst ist es leer, grau, und es regnet. Regen, genau, kein Schnee. In England ist der Winter fürs erste vorbei. Schnee wie auch Eis ist weg, sogar das vor unserem Haus; der Garten ist wieder grün. Es scheint sogar die Sonne, die Altstadt muss schön sein. Aber bisher bin ich da kaum hingekommen weil ich gerade mehr Lust habe mich in der Bibliothek zu vergraben.
An der Uni
Die Uni habe ich gar nicht so verlassen vorgefunden wie ich es mir gewünscht hatte. Überall schon wieder Studenten, die in Hausarbeitspanik die Bibliothek besetzen. Meine Hausarbeit ist Freitag endlich fertig geworden, wenn auch eine Woche später als geplant. Da die Vorlesungen erst am 17.01. anfangen, habe ich eine gute Woche, endlich mal nur zu lesen, was mich interessiert. Das ist einmal ein Buch über Matricenrechnung und Wirtschaftsstatistik. Mit letzterem will ich schonmal für das kommende Semester vorarbeiten.
Stundenplan - Frühlingssemester
Meine Kurse werden sein:
Internationale Makroökonomie (mit der türkischen Professorin deren Kurs ich im Wintersemester besucht hatte)
Entwicklungsökonomie
Quantitative Analyse (Wirtschaftsstatistik wie im Wintersemester)
Recherchemethoden (wie im Wintersemester)
„Die Philosophie, Politik Ökonomie sozialer Wahl“ (klingt sehr nach Laberfach oder?)
Alte Kameraden
In der Frankfurter Universitätsbibliothek habe ich übrigens zufällig eine Bekannte von Motyka getroffen. Die hatte 2006 das Projekt an der Ostseeküste organisiert und ich hatte sie seitdem auch nicht mehr gesehen.
Abschiedstanz
Hier in York gibt es dafür die ersten Abschiede: Samstag war große Feier für Rana, die erste Person überhaupt, die ich hier kennen gelernt hatte, noch im Zug aus London. Die hat ihren Doktor fertig und geht zurück in den Libanon. Sie hat mich auch mit der Salsagemeinschaft hier in Verbindung gesetzt und so habe ich dann auch bis in die ersten Sonntagsstunden einen der besten Tanzabende überhaupt genossen.
L´hospitalité
Montag kommt Grégoire für eine Nacht zu mir. Das ist der französische Physik/Musikstudent. Sein Austauschsemester ist eigentlich zu Ende, aber sie zerren ihn nochmal wegen einer Prüfung nach England. Das Wohnheimzimmer dagegen haben sie ihm die drei Extrawochen aber nicht gelassen, dabei braucht das während der Feiertage ohnehin keiner. Darum übernachtet er hier. Leider haben wir kein Klavier im Haus.
Morgens stand ich noch an der violetten Oder, als die kalte Sonne über den Wäldern aufging und ein langes Spiegelbild über das Hochwasser warf. Im Zug beschien sie auch die weißen Felder und leeren Weinreben vor Frankfurt. Im Glasgang vom Bahnhof Schönefeld spielt der gleiche Akkordeonist wie bei der Ankunft. In der Schlange zum Flugzeug bin ich scheinbar der einzige Nichtpole, sogar das Personal spricht Polnisch. Kein Wunder, dass auf dem East Midlands Airport die Sicherheitsdurchsagen auf Englisch und Polnisch erfolgen. Außer uns ist er übrigens ziemlich leer, im Gegensatz zum Hinflug kommt unser Gepäck sofort aufs Fließband. Sonst ist es leer, grau, und es regnet. Regen, genau, kein Schnee. In England ist der Winter fürs erste vorbei. Schnee wie auch Eis ist weg, sogar das vor unserem Haus; der Garten ist wieder grün. Es scheint sogar die Sonne, die Altstadt muss schön sein. Aber bisher bin ich da kaum hingekommen weil ich gerade mehr Lust habe mich in der Bibliothek zu vergraben.
An der Uni
Die Uni habe ich gar nicht so verlassen vorgefunden wie ich es mir gewünscht hatte. Überall schon wieder Studenten, die in Hausarbeitspanik die Bibliothek besetzen. Meine Hausarbeit ist Freitag endlich fertig geworden, wenn auch eine Woche später als geplant. Da die Vorlesungen erst am 17.01. anfangen, habe ich eine gute Woche, endlich mal nur zu lesen, was mich interessiert. Das ist einmal ein Buch über Matricenrechnung und Wirtschaftsstatistik. Mit letzterem will ich schonmal für das kommende Semester vorarbeiten.
Stundenplan - Frühlingssemester
Meine Kurse werden sein:
Internationale Makroökonomie (mit der türkischen Professorin deren Kurs ich im Wintersemester besucht hatte)
Entwicklungsökonomie
Quantitative Analyse (Wirtschaftsstatistik wie im Wintersemester)
Recherchemethoden (wie im Wintersemester)
„Die Philosophie, Politik Ökonomie sozialer Wahl“ (klingt sehr nach Laberfach oder?)
Alte Kameraden
In der Frankfurter Universitätsbibliothek habe ich übrigens zufällig eine Bekannte von Motyka getroffen. Die hatte 2006 das Projekt an der Ostseeküste organisiert und ich hatte sie seitdem auch nicht mehr gesehen.
Abschiedstanz
Hier in York gibt es dafür die ersten Abschiede: Samstag war große Feier für Rana, die erste Person überhaupt, die ich hier kennen gelernt hatte, noch im Zug aus London. Die hat ihren Doktor fertig und geht zurück in den Libanon. Sie hat mich auch mit der Salsagemeinschaft hier in Verbindung gesetzt und so habe ich dann auch bis in die ersten Sonntagsstunden einen der besten Tanzabende überhaupt genossen.
L´hospitalité
Montag kommt Grégoire für eine Nacht zu mir. Das ist der französische Physik/Musikstudent. Sein Austauschsemester ist eigentlich zu Ende, aber sie zerren ihn nochmal wegen einer Prüfung nach England. Das Wohnheimzimmer dagegen haben sie ihm die drei Extrawochen aber nicht gelassen, dabei braucht das während der Feiertage ohnehin keiner. Darum übernachtet er hier. Leider haben wir kein Klavier im Haus.
Mittwoch, 15. Dezember 2010
16.12.2010 – Letzte Meldungen 2010
Eigenbildung
Am Vormittag des 04.12. war ich im Bar Konvent, einer kleinen katholischen Nonnengemeinde am Micklegate Tor. Die wurde von einer mutigen Mary Ward zu Zeiten der Katholikenverfolgung gegründet, die sich zum gottesfürchtigen Leben nicht in ein Kloster sperren wollte. Nach langem Kampf mit Anglikanern wie den eigenen Katholiken (wollten keine so selbstständige Frau) heute Kopf vieler Frauenkonventsableger in aller Welt. Im ersten Stock ist eine versteckte Kapelle, von außen nicht sichtbar, mit acht Ausgängen und Priesterversteck für den Fall einer Razzia. Überraschend leicht und hübsch. Parterre ein überdachter Patio mit Café, auch mit Gartenplätzen.
Statistik
Wartezeit für den öffentlichen Zahnarzt: 18 Monate.
Geschätzter deutscher Anteil an der Bevölkerung Yorks: 25%. Hauptthema: überall Deutsche.
York gucken
Eine Internetseite mit guten, teilsweise 360 Grad Bildern sowie Videos von Yorks wichtigsten Ansichten: http://www.york360.co.uk/
Anfang des Semester hatte ich ein paar französche Erasmus Studenten kennen gelernt. Erst spaet erfuhr ich, dass sie Musik studieren, Gregoir spielt Klavier, Morgain Geige; und noch spaeter, dass sie taeglich in der Musikfakultaet ueben. Erst eine Woche vor ihrer Abreise konnte ich zum ersten Mal zuhoeren, und es war ganz toll, Beethovens Fruehlingssonate. Gregoir studiert uebrigens Musik und Physik – und wieder sehe ich, dass ich meine Karierre vollkommen falsch gewaehlt habe. Recht – ja, Ingeneurswesen – ja, Physik – ja, wenn man dann auch noch Musik macht – super. Und was kann ich? Von allem ein bisschen und damit von nichts wirklich etwas.
Wetter
Nach dem Schockwinter taut jetzt alles, vom Unidach kommen geradezu Bäche, nur die festgetreteten Eisschichten auf den Wegen gehen ohne Metallwerkzeuge nirgendwohin. Viele Seitenstraßen sind übrigens gletscherartig, seit dem ersten Tag ist dort nichtmal ein bisschen Sand hingekommen. Der Straßenräumdienst in diesem Land funktioniert als wären sie zum ersten Mal mit Schnee konfrontiert.
Mittwoch den 08.12. war ich im zweiten Konzert des Unichors, der Brahms deutsches Requiem sang. Seit ich dabei herausfand, dass eine japanische Kommilitonen mitsingt und sie im nächsten Semester im Münster auftreten werden will ich mich auch einschreiben.
Natürlich wird das Frühlingstrimester viel weniger Zeit lassen, und selbst hätte ich 48 Stunden am Tag frei reichte es nicht für alle Pläne. In einem halben Jahr soll ich die Uni verlassen, und jetzt im Master sehe gerade mal wieviel noch zu lernen ist, sogar in den wenigen Bereichen wo ich mir wenigstens ein bisschen zugetraut hatte. Nichts schließe ich ab, ich sehe gerade zum ersten Mal die Bruchstücke in so etwas wie einen Kontext fallen, und erst so erkenne ich, wieviel man noch lesen müsste bevor man es sich herausnehmen kann irgendetwas selber zu schreiben. Dann gibt auf und geht zum arabischen Essen weil man ohnehin nie soviel lesen und nachholen könnte, aber sogar dort wartet nur Verzweiflung ob der Unmöglichkeit der Umsetzung aller Ambitionen in nur einem Leben (selbst wenn ich die Zeit bisher effektiv genutzt hätte) auf einen. Schließlich will man sofort Arabisch lernen will und Türkisch, weil der Präsident der türkischen Gesellschaft da ist, und dann tauchen die Kazachen auf und man will doch wieder ganz schnell das Russischlehrbuch aus der Bibliothek zurück holen, wo es liegt um wenigstens den Pflichtfeldern wie Mathe ihre Zeit zukommen zu lassen, in einem der wenigen Vernunftsmomente wo man akzeptiert, dass man sich für nur einige wenige der vielen Wünsche entscheiden kann. Es gab auch eine ausgezeichnete Bauchtanzeinlage, von einer Chinesin, und später haben wir alle fröhlich im Kreis arabisch getanzt.
Im Anschluss gab es noch eine zweite „Weihnachts“party, die sich weit interessanter gestaltete als erwartet. Vor allem die sonst eigentlich ganz ruhigen Griechen üerraschten mich mit erstklassigem Balkanhabitus. Zwei Mädchen tanzten bald andeutungsreich auf einem Tisch während wir darunter die Arme hochreckten und Hopa und Aide riefen.
Heute abend fahre ich nach Nottingham und übernachte auf dem East Midlands Flughafen. Freitag mittag sollte ich in Deutschland sein.
Am Vormittag des 04.12. war ich im Bar Konvent, einer kleinen katholischen Nonnengemeinde am Micklegate Tor. Die wurde von einer mutigen Mary Ward zu Zeiten der Katholikenverfolgung gegründet, die sich zum gottesfürchtigen Leben nicht in ein Kloster sperren wollte. Nach langem Kampf mit Anglikanern wie den eigenen Katholiken (wollten keine so selbstständige Frau) heute Kopf vieler Frauenkonventsableger in aller Welt. Im ersten Stock ist eine versteckte Kapelle, von außen nicht sichtbar, mit acht Ausgängen und Priesterversteck für den Fall einer Razzia. Überraschend leicht und hübsch. Parterre ein überdachter Patio mit Café, auch mit Gartenplätzen.
Statistik
Wartezeit für den öffentlichen Zahnarzt: 18 Monate.
Geschätzter deutscher Anteil an der Bevölkerung Yorks: 25%. Hauptthema: überall Deutsche.
York gucken
Eine Internetseite mit guten, teilsweise 360 Grad Bildern sowie Videos von Yorks wichtigsten Ansichten: http://www.york360.co.uk/
Anfang des Semester hatte ich ein paar französche Erasmus Studenten kennen gelernt. Erst spaet erfuhr ich, dass sie Musik studieren, Gregoir spielt Klavier, Morgain Geige; und noch spaeter, dass sie taeglich in der Musikfakultaet ueben. Erst eine Woche vor ihrer Abreise konnte ich zum ersten Mal zuhoeren, und es war ganz toll, Beethovens Fruehlingssonate. Gregoir studiert uebrigens Musik und Physik – und wieder sehe ich, dass ich meine Karierre vollkommen falsch gewaehlt habe. Recht – ja, Ingeneurswesen – ja, Physik – ja, wenn man dann auch noch Musik macht – super. Und was kann ich? Von allem ein bisschen und damit von nichts wirklich etwas.
Wetter
Nach dem Schockwinter taut jetzt alles, vom Unidach kommen geradezu Bäche, nur die festgetreteten Eisschichten auf den Wegen gehen ohne Metallwerkzeuge nirgendwohin. Viele Seitenstraßen sind übrigens gletscherartig, seit dem ersten Tag ist dort nichtmal ein bisschen Sand hingekommen. Der Straßenräumdienst in diesem Land funktioniert als wären sie zum ersten Mal mit Schnee konfrontiert.
Mittwoch den 08.12. war ich im zweiten Konzert des Unichors, der Brahms deutsches Requiem sang. Seit ich dabei herausfand, dass eine japanische Kommilitonen mitsingt und sie im nächsten Semester im Münster auftreten werden will ich mich auch einschreiben.
Natürlich wird das Frühlingstrimester viel weniger Zeit lassen, und selbst hätte ich 48 Stunden am Tag frei reichte es nicht für alle Pläne. In einem halben Jahr soll ich die Uni verlassen, und jetzt im Master sehe gerade mal wieviel noch zu lernen ist, sogar in den wenigen Bereichen wo ich mir wenigstens ein bisschen zugetraut hatte. Nichts schließe ich ab, ich sehe gerade zum ersten Mal die Bruchstücke in so etwas wie einen Kontext fallen, und erst so erkenne ich, wieviel man noch lesen müsste bevor man es sich herausnehmen kann irgendetwas selber zu schreiben. Dann gibt auf und geht zum arabischen Essen weil man ohnehin nie soviel lesen und nachholen könnte, aber sogar dort wartet nur Verzweiflung ob der Unmöglichkeit der Umsetzung aller Ambitionen in nur einem Leben (selbst wenn ich die Zeit bisher effektiv genutzt hätte) auf einen. Schließlich will man sofort Arabisch lernen will und Türkisch, weil der Präsident der türkischen Gesellschaft da ist, und dann tauchen die Kazachen auf und man will doch wieder ganz schnell das Russischlehrbuch aus der Bibliothek zurück holen, wo es liegt um wenigstens den Pflichtfeldern wie Mathe ihre Zeit zukommen zu lassen, in einem der wenigen Vernunftsmomente wo man akzeptiert, dass man sich für nur einige wenige der vielen Wünsche entscheiden kann. Es gab auch eine ausgezeichnete Bauchtanzeinlage, von einer Chinesin, und später haben wir alle fröhlich im Kreis arabisch getanzt.
Im Anschluss gab es noch eine zweite „Weihnachts“party, die sich weit interessanter gestaltete als erwartet. Vor allem die sonst eigentlich ganz ruhigen Griechen üerraschten mich mit erstklassigem Balkanhabitus. Zwei Mädchen tanzten bald andeutungsreich auf einem Tisch während wir darunter die Arme hochreckten und Hopa und Aide riefen.
Heute abend fahre ich nach Nottingham und übernachte auf dem East Midlands Flughafen. Freitag mittag sollte ich in Deutschland sein.
Freitag, 3. Dezember 2010
03.12.2010 - Notizen
Dienstag 23.11. habe ich den Computerlehrgang mit einer Prüfung beendet und bin jetzt offiziell Datenbankfuzzi.
Freitag, 26.11., war morgens plötzlich Winter. Seitdem schneit es jeden Tag mehrmal massiv. Die Studenten aus dem Süden waren erst völlig begeistert. Spätabends wurde der Campus noch einma lebendig als alle aus ihren Wohnheimen liefen und sich Schneeballschlachten lieferten. Mir hat das von Anfang nicht gefallen. Zu früh, zu viel, zu kalt. Und zwei Tage später hatte auch jeder genug und geht nur aus dem Haus wenn er muss. Die Gassen der Altstadt sind natürlich sehr verwunschen im Schnee, vor allem abends wenn sie schon leer und dunkel sind. Die Laternen geben ihnen dann das orange Leuchten wie in Torun. Die weißen Türme des Münsters stehen unbeindruckt im Schneetreiben. Von meinem Haus sind sie dann nur etwas verschwommen.
Am 01.12. war ich im Konzert der Uniorchesters. Haydns Trauersymphonie sowie Mozarts Maurerische Trauermusik und Requiem gesungen vom Chor. Zwei Stunden für drei Pfund.
Am gleichen Tag habe ich endlich die Flugtickets für Weihnachten gekauft. Ich komme 17.12. - 05.01. Mit Hausarbeit im Gepäck. Genaue Besuchstermine in Kürze. Allerdings bin ich gespannt, ob das überhaupt klappt. Ich nutze einen kleinen Flughafen im Süden, wo die Anfahrt ein Wagnis ist, zumal bei dem Wetter. Im Moment sind jedenfalls alle Flughäfen gesperrt und ein Drittel der Züge wie auch die Straßen stillgelegt.
Freitag, 26.11., war morgens plötzlich Winter. Seitdem schneit es jeden Tag mehrmal massiv. Die Studenten aus dem Süden waren erst völlig begeistert. Spätabends wurde der Campus noch einma lebendig als alle aus ihren Wohnheimen liefen und sich Schneeballschlachten lieferten. Mir hat das von Anfang nicht gefallen. Zu früh, zu viel, zu kalt. Und zwei Tage später hatte auch jeder genug und geht nur aus dem Haus wenn er muss. Die Gassen der Altstadt sind natürlich sehr verwunschen im Schnee, vor allem abends wenn sie schon leer und dunkel sind. Die Laternen geben ihnen dann das orange Leuchten wie in Torun. Die weißen Türme des Münsters stehen unbeindruckt im Schneetreiben. Von meinem Haus sind sie dann nur etwas verschwommen.
Am 01.12. war ich im Konzert der Uniorchesters. Haydns Trauersymphonie sowie Mozarts Maurerische Trauermusik und Requiem gesungen vom Chor. Zwei Stunden für drei Pfund.
Am gleichen Tag habe ich endlich die Flugtickets für Weihnachten gekauft. Ich komme 17.12. - 05.01. Mit Hausarbeit im Gepäck. Genaue Besuchstermine in Kürze. Allerdings bin ich gespannt, ob das überhaupt klappt. Ich nutze einen kleinen Flughafen im Süden, wo die Anfahrt ein Wagnis ist, zumal bei dem Wetter. Im Moment sind jedenfalls alle Flughäfen gesperrt und ein Drittel der Züge wie auch die Straßen stillgelegt.
Sonntag, 21. November 2010
21.11.2010 – Gesund und mit Musik
1. Gesundheit
Die jüngsten Ereignissen haben uns alle hier etwas hypochondrisch gemacht. Bei jedem Kopfschmerz messe ich meinen Puls. Inzwischen hat mir ein Arzt bestätigt, dass ich nur eine weitere leichte Erkältung fast überstanden habe. Am 19.11. wurde ich außerdem gegen Meningitis geimpft.
Persönlich denke ich, dass der häufige Schnupfen einen simplen Grund hat: zu wenig Stress. Ganz allgemein muss ich nämlich trotz allem klar feststellen, dass es mir seit Jahren nicht so gut ging. Ich habe eine Aufgabe, die mich nützlich erscheinen lässt, und nebenbei noch Zeit ausreichend zu schlafen und zu essen, sogar um zu tanzen, für Museen, privates Lernen, ab und zu kann ich ausgehen und ich treffe ausnehmend schnell Freunde aus vielen verschiedenen Ländern. In Magdeburg war für Krankheit gar keine Zeit.
2. Uni
2.1 Wie ich erfahren habe, sind wir in York alles 'geeks'. Wären wir cool „würden wir in Leeds studieren“.
2.2 Am Campussee kann man prima in Ruhe sein Mittag essen. Dabei kann man in melancholischen Momenten die Enten füttern. Die sind mindestens so gierig wie Meerschweinchen. Denkt man nicht wie schnell so ein Erpel sein kann, wenn er einen fallenden Brotkrumen sieht.
Für den Nachmittagstee habe ich die Musikfakultät gefunden. Deren Gemeinschaftsraum überblickt wunderbar eine Wiese und dahinter ist der Campussee. Dazu spielt und singt es aus den Proberäumen, besonders stimmungsvoll vor Weihnachten und mit dem melancholischen Ausblick auf die diesige Wiese davor im Spätherbt. Trotzdem ist es ruhig genug um zu arbeiten weil sich wenige Studenten dorthin verirren. Das ist gut, denn ein grundsätzliches Problem der Uni ist die große Zahl von Studenten. Die meisten sind damit beschäftigt mir im Weg zu stehen.
Letztens habe ich gesehen, das die Colleges bis spätnachts voll Leben sind. Denn nicht nur hat jedes tagsüber sein Cafe, abends können die anwohnenden Studenten alle Einrichtungen benutzen. Ich nutze die Tanzabende der Südamerikanischen Gesellschaft, andere sehen sich mit den Projektoren der Lehrsäle Filme an.
3. Eigenbildung
3.1 Am Vormittag des 12.11. war ich im Prunkhaus der Stadt, wo bis heute wichtigere Gäste wie der König unterhalten werden. An den Wänden hängen die Regalien der Gemeinde, inkl. eines Schwerts von Kaiser Sigismund und einem zweiten, welches sich James I (König schottischer Abstammung, der England und Schottland zu Großbritannien vereinigte) zu seiner Krönung auslieh und nur auf wiederholte Bitte und ohne Gold- und Edelsteinbesatz zurückgab. Man vermutet dies als Grund für die bis heute gültige Stadtverordnung, dass jeder, der Samstag von 6-7 Uhr mit Pfeil und Bogen auf der Stadtmauer steht und einen Schotten sieht, diesen erschießen darf.
3.2 Terrific race the Romans
Danach bin ich noch unter (!) einen Pub im Zentrum gefahren, wo bei Kellerarbeiten in der 1930ern das Badehaus der römischen Garnison gefunden wurde. Seitdem mit Spaß am Thema als kleines Privatmuseum betrieben. Ich bin ja vollkommen begeistert von der römischen Zivilisation. Allein wenn man eine Karte des Schachbrettmusters der römischen Siedlung mit dem Straßenwirrwarr des mittelalterlichen York überlegt. Die Stadt wurde im 5. Jahrhundert verlassen und stand ca. 150 Jahre leer bevor es von den Angelsachsen rekolonisiert wurde. Was für ein Anblick müssen die langsam verfallenden Säulen und Bögen einer römischen Stadt gewesen sein inmitten der Wüstenei der Barbaren.
3.3 Eine Wohe später habe ich Samstag vormittag noch zwei in einem speziellen Faltblatt aufgeführte Kirchen besucht. Eine ist das letzte Überbleibsel eines der mit der Reformation abgeschaften großen Klöster und das einzige was niemals ganz geschlossen wurde. Die zweite ist gleich am Fluss und das schönste Sakralstück nach dem Münster aufgrund zweier Glasfenster, in denen die christlichen Tugenden sowie die letzten 15 Tage der Welt gezeigt werden.
3.4 Nach dem Buch über den Münster lese ich eine Reihe Kurzbiographien einiger der für seinen Bau wichtigsten Bischöfe, ähnlich den Euch zugeschickten.
4. Remembrance Day
Sonntag 13.11. war Gedenktag für die gefallenen Soldaten der Weltkriege. Im Vergleich zu Polen sehr dezent. Keine Paraden in jeder Kleinstadt, keine patriotischen Reden, keine Kinder in Uniform. In den Vorwochen wird auf den Straßen für die Veteranenorganisationen gesammelt; Spendern werden rote Blüten angesteckt, Symbol der französischen Mohnfelder, in die wohl viele Tote des 1. Weltkriegs aufgegangen sind.
5. Briefe
Neoliberalismus in drei Worten: Markt über alles. Aber das spricht selbstverständlich jeder wissenschaftlichen Anspruch Hohn, sogar dem von Studenten. Wie so oft geht das Problem schon bei der Definition los, und darum ist es auch so ein populäres Thema, weil sich jeder das raussucht was ihm passt und so interpretiert wie er will. Für Näheres wie immer Wikipedia, und als Buch das von mir gerade bearbeitete „Im Schatten der Globalisierung“ von Stiglitz.
6. Weihnachten
Ich habe einen Messbecher gefunden und kann jetzt backen.
Am 1. und 8. Dezember gehe ich zu Konzerten des Unichors (Mozart und Brahms).
Die jüngsten Ereignissen haben uns alle hier etwas hypochondrisch gemacht. Bei jedem Kopfschmerz messe ich meinen Puls. Inzwischen hat mir ein Arzt bestätigt, dass ich nur eine weitere leichte Erkältung fast überstanden habe. Am 19.11. wurde ich außerdem gegen Meningitis geimpft.
Persönlich denke ich, dass der häufige Schnupfen einen simplen Grund hat: zu wenig Stress. Ganz allgemein muss ich nämlich trotz allem klar feststellen, dass es mir seit Jahren nicht so gut ging. Ich habe eine Aufgabe, die mich nützlich erscheinen lässt, und nebenbei noch Zeit ausreichend zu schlafen und zu essen, sogar um zu tanzen, für Museen, privates Lernen, ab und zu kann ich ausgehen und ich treffe ausnehmend schnell Freunde aus vielen verschiedenen Ländern. In Magdeburg war für Krankheit gar keine Zeit.
2. Uni
2.1 Wie ich erfahren habe, sind wir in York alles 'geeks'. Wären wir cool „würden wir in Leeds studieren“.
2.2 Am Campussee kann man prima in Ruhe sein Mittag essen. Dabei kann man in melancholischen Momenten die Enten füttern. Die sind mindestens so gierig wie Meerschweinchen. Denkt man nicht wie schnell so ein Erpel sein kann, wenn er einen fallenden Brotkrumen sieht.
Für den Nachmittagstee habe ich die Musikfakultät gefunden. Deren Gemeinschaftsraum überblickt wunderbar eine Wiese und dahinter ist der Campussee. Dazu spielt und singt es aus den Proberäumen, besonders stimmungsvoll vor Weihnachten und mit dem melancholischen Ausblick auf die diesige Wiese davor im Spätherbt. Trotzdem ist es ruhig genug um zu arbeiten weil sich wenige Studenten dorthin verirren. Das ist gut, denn ein grundsätzliches Problem der Uni ist die große Zahl von Studenten. Die meisten sind damit beschäftigt mir im Weg zu stehen.
Letztens habe ich gesehen, das die Colleges bis spätnachts voll Leben sind. Denn nicht nur hat jedes tagsüber sein Cafe, abends können die anwohnenden Studenten alle Einrichtungen benutzen. Ich nutze die Tanzabende der Südamerikanischen Gesellschaft, andere sehen sich mit den Projektoren der Lehrsäle Filme an.
3. Eigenbildung
3.1 Am Vormittag des 12.11. war ich im Prunkhaus der Stadt, wo bis heute wichtigere Gäste wie der König unterhalten werden. An den Wänden hängen die Regalien der Gemeinde, inkl. eines Schwerts von Kaiser Sigismund und einem zweiten, welches sich James I (König schottischer Abstammung, der England und Schottland zu Großbritannien vereinigte) zu seiner Krönung auslieh und nur auf wiederholte Bitte und ohne Gold- und Edelsteinbesatz zurückgab. Man vermutet dies als Grund für die bis heute gültige Stadtverordnung, dass jeder, der Samstag von 6-7 Uhr mit Pfeil und Bogen auf der Stadtmauer steht und einen Schotten sieht, diesen erschießen darf.
3.2 Terrific race the Romans
Danach bin ich noch unter (!) einen Pub im Zentrum gefahren, wo bei Kellerarbeiten in der 1930ern das Badehaus der römischen Garnison gefunden wurde. Seitdem mit Spaß am Thema als kleines Privatmuseum betrieben. Ich bin ja vollkommen begeistert von der römischen Zivilisation. Allein wenn man eine Karte des Schachbrettmusters der römischen Siedlung mit dem Straßenwirrwarr des mittelalterlichen York überlegt. Die Stadt wurde im 5. Jahrhundert verlassen und stand ca. 150 Jahre leer bevor es von den Angelsachsen rekolonisiert wurde. Was für ein Anblick müssen die langsam verfallenden Säulen und Bögen einer römischen Stadt gewesen sein inmitten der Wüstenei der Barbaren.
3.3 Eine Wohe später habe ich Samstag vormittag noch zwei in einem speziellen Faltblatt aufgeführte Kirchen besucht. Eine ist das letzte Überbleibsel eines der mit der Reformation abgeschaften großen Klöster und das einzige was niemals ganz geschlossen wurde. Die zweite ist gleich am Fluss und das schönste Sakralstück nach dem Münster aufgrund zweier Glasfenster, in denen die christlichen Tugenden sowie die letzten 15 Tage der Welt gezeigt werden.
3.4 Nach dem Buch über den Münster lese ich eine Reihe Kurzbiographien einiger der für seinen Bau wichtigsten Bischöfe, ähnlich den Euch zugeschickten.
4. Remembrance Day
Sonntag 13.11. war Gedenktag für die gefallenen Soldaten der Weltkriege. Im Vergleich zu Polen sehr dezent. Keine Paraden in jeder Kleinstadt, keine patriotischen Reden, keine Kinder in Uniform. In den Vorwochen wird auf den Straßen für die Veteranenorganisationen gesammelt; Spendern werden rote Blüten angesteckt, Symbol der französischen Mohnfelder, in die wohl viele Tote des 1. Weltkriegs aufgegangen sind.
5. Briefe
Neoliberalismus in drei Worten: Markt über alles. Aber das spricht selbstverständlich jeder wissenschaftlichen Anspruch Hohn, sogar dem von Studenten. Wie so oft geht das Problem schon bei der Definition los, und darum ist es auch so ein populäres Thema, weil sich jeder das raussucht was ihm passt und so interpretiert wie er will. Für Näheres wie immer Wikipedia, und als Buch das von mir gerade bearbeitete „Im Schatten der Globalisierung“ von Stiglitz.
6. Weihnachten
Ich habe einen Messbecher gefunden und kann jetzt backen.
Am 1. und 8. Dezember gehe ich zu Konzerten des Unichors (Mozart und Brahms).
Abonnieren
Posts (Atom)