Sonntag, 6. September 2026

Freitag abend ging Ellie mit ihrer alten Freundin Mel zu einem lokalen Konzert. Wir konnten uns beim Frühstück noch etwas unterhalten, bevor ich mit Otto schwimmen fuhr. Es tat mir richtig gut, mit jemandem interessantem aus meiner Generation reden zu können. Sie verstand Anspielungen auf alte Filme, mit denen ich sonst nur Ellie nerven kann. Und sie bäckt Brot. Schade, dass wir selten Gäste haben und selbst kaum besuchen können.

Samstag trafen wir Ellies Schwester samt Mann im Museumsdorf Bucklers Hard im New Forest. Da wurden früher Schiffe gebaut, und die oft fotografierte Hauptstraße führt piktoresk hinunter zum Fluss Beaulieu. Viele Bäume, ein Apfelgarten, Gras und unten Wasser. Abgesehen vom Museum ist alles gratis. Wir fuhren auch einmal mit dem Schiff Richtung Flussmündung, wo man die Isle of Wight sieht. Ellie ging später mit Otto ins Museum, ich stromerte mit Sebbi herum. Otto wurde etwas zu aufdringlich; neue Menschen sind zu aufregend.

Sonntag fuhren wir in die entgegen gesetzte Richtung und trafen in einem familienfreundlichen Pub Ellies Vater und Anhang. Die Kinder hatte eine Wiese mit Spielplatz. Ich unterhielt mich sehr schön mit meiner, vermutlich, Stiefschwiegermutter über Brot und Marmelade und Gärtnerei. Und mit ihrer Mutter über Paul Temple. Sie übernahmen einen meiner Apfelbäume um ihm in ihrem Garten den Raum zu geben, den er inzwischen braucht. 

Sebbi

Ist jetzt in der ältesten Kita Gruppe. Springt vor Freude, wenn da morgens die Tür aufgeht.

Wir fahren inzwischen immer zusammen Fahrrad. Morgens zu zweit zur Kita, und beim Abholen nachmittags kommt meistens Otto mit. Ich fahre sehr gern mit meinen Kindern Rad. 

Otto

geht wieder zur Schule. Tut ihm allgemein gut. Sein Verhalten schwankt weiter mehr als gewöhnlich. Zwischen vorbildlich und Anhaltender Explosion. Aber inzwischen haben wir das Gefühl, dass er sich mehr zum besseren als zum schlechteren entwickelt. Er zeigt manchmal Geduld und Zuneigung mit Sebbi, die wir bisher nicht kannten. Manchmal spielen die beiden richtig zusammen. Und in der Schule wurden ihm gleich zwei der Erstklässler zur Eingewöhnung gegeben. Scheinbar hat man da besonders großes Vertrauen in ihn.

Wird übel von Mücken gepiesackt. Er muss eine Art Allergie haben: die Stiche schwellen und bleiben auch ewig sichtbar. Einmal kriegte er über Nacht drei ins Gesicht, was so anschwoll, dass er beim Frühstück nicht kauen konnte. Wir suchen seit Monaten vergeblich nach Schutz oder Linderung.

ich habe unsere abendliche Ruhige Zeit richtig lieben gelernt. Sie stabilisiert mich; ich kann mich da richtig entspannen. Ich lasse ihn dafür zu lange wach bleiben. Neulich lernte er Quartett spielen (übrigens ein ganz altes aus Nordhausen) und dann mein altes Lieblingsspiel, Love Letter. Am Ende gebe ich ihm dann wieder etwas zum Rechnen, und letztens stellte ich fest, dass er sich durchaus noch an negative Zahlen erinnert.

Im Bett liest er dann eine Seite aus dem deutschen "Was ist Was: Mein Körper" und ich lese ihm Michel aus Lönneberga vor - wir sind aber bereits im letzten Kapitel.

Johannes

ich fühle mich weiter sehr labil. Solange ich nichts von der Welt mitkriege, geht es. Ein Stück Nachrichten, ein Kommentar über das Wetter oder Politik von Bekannten, bringen mich aus dem Gleichgewicht. Wenn die Kinder fröhlich sind, tut es mir weh, was ihnen noch blühen wird. Die machen uns meistens große Freude. Ich dann befürchte ich, dass eine schöne Kindheit irgendwann nur den Kontrast zur Wirklichkeit verschlimmert.

Manchmal fühlt sich mein Leben sehr festgefahren an. Fast immer der gleiche Tagesablauf. Ich leide allgemein wieder mehr unter dem Nullsummenspiel unserer Umstände. Tagsüber haben wir keine Zeit, abends, zur einzigen kinderfreien Zeit, haben wir keine Kraft mehr. Will einer von uns selten gesehen Freunde treffen, verlieren wir sofort ein Wochenende zusammen. Wir machen einen weiteren Anlauf, wenigstens nicht auf Telefone zu starren. Ab 21.30 kommen sie weg.

Positives:

mein Brot ist richtig gut geworden.

Die Drei Musketiere nehmen Fahrt auf.

ich liebe alte Maigret Hörspiele 

Abends nach der Arbeit kann ich meistens zwischen den Kindern auf dem Sofa etwas lesen.

Ich treffe nach den Sommerferien wieder mehr Freunde. 

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