Erfüllte
Hoffnung
Am
Samstag habe ich eine erste gemeinsame Radtour gemacht. Eine
italienische Arbeitskollegin, die seit Februar im Amt ist, hatte das
vorgeschlagen. Zwar musste ich dadurch auch am Samstag praktisch zum
Büro, da sie direkt daneben wohnt, aber diesmal ging alles ohne
Rasen vonstatten. Wir habe eine Strecke zum Meer ausprobiert. Die
führte uns durch ein kleines Reservat, durch wunderschöne englische
Felder fast wie in der Uckermark oder Mecklenburg, an den Strand, an einem Vogelschutzgebiet direkt am Wasser
vorbei und zu einer Kneipe gegenüber dem königlichen Osborne Haus,
einer Residenz von Königin Viktoria auf der Isle of Wight, und
wieder zurück. Kurz gesagt: so hatte ich vor der Ausreise vorsichtig
von einer aktiven Freizeit mit gleichgesinnten Menschen geträumt.
Schwimmen bin ich auch gegangen, aber an dieser Stelle, weit westlich
von Portsmouth, wird der Solent scheinbar nie tief und ich bin eine
halbe Meile schmerzhaft auf Steinen durch Wasser gelaufen. Später
habe ich erfahren, dass auf einer bestimmten Sandbank einmal im Jahr
bei Ebbe sogar ein Cricketplatz mitten in der Meerenge auftaucht.
Wers nicht glaubt schaue hier:
http://www.strangebritain.co.uk/allthingsodd/bramble.html
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| Felder wie zu Hause... |
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| Pause am Meer. |
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| Das Vogelreservat. |
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| Ein kleiner Hafen am Meer. |
Erfüllter Erinnerung
Abends
rettete ich dann den jungen amerikanischen Rucksacktouristen Andrew
vor einer Nacht auf der Straße. Für den nächsten Tag hatte ich
bereits zwei Franzosen eingeplant. Die machen auch gerade eine
Rundreise und besichtigten vor Portsmouth Brighton, wo ich sie
treffen wollte. Dazu hat sich dann auch noch meine Mitbewohnerin
Monika angeschlossen, und da die ein Auto hat, haben wir auch noch
Andrew eingepackt, und sind alle drei nach Brighton gefahren. Dieses
etwas von hier gelegene berühmte Seebad stand verständlicherweise
ohnehin auf meiner Liste, da ich da ja im Alter von 16 Jahren drei
Wochen Sprachurlaub gemacht hatte. Dementsprechend war ich neugierig,
wieviel ich wiedererkennen würde. Erstaunlich wenig! Jedenfalls
hatte ich die Seepromenade nicht so großstädtisch in Erinnerung.
Wirklich eine ganze Nummer großer als Portsmouth – auch die
Wellen. Die Promenade voller Leute und Musik, die weiße Seebrücke
dreimal so lang wie der hiesige, und leider genauso verstellt mit
Rummel wie überall. Damals schmissen wir hier noch unser Kleingeld in die Automaten. Aber eine Lücke fanden wir ganz am Kopfende, wo
wir zwischen den Buden durchschlüpften und die offene See vor uns
hatten – wie auf der Seebrücke in Heiligendamm. Außerdem sahen
wir uns den berühmten Königlichen Pavillon an, ein dekanter
Partypalast des Prinzregenten Georg IV aus dem 19. Jahrhundert.
Brighton hat sich seinen Ruf als Treffpunkt der Boheme bewahrt, wie
man in den vielen, reizenden Gassen mit Geschäften und Cafés
bemerkte, die mir damals überhaupt gar nicht aufgefallen waren.
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| Die große Seebrücke - letzte Überlebende von ursprünglich drein. |
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| Das Gerippe der Westlichen Seebrücke. 2000 ging das Gerippe noch bis zum Strand. |
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| Auf der großen Seebrücke in Brighton. |
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| Vor dem Königlichen Pavillon. |
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| Konzert an der Promenade. |
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| Schloss in Arundel. |
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| Katholische Kathedrale Arundel - gut getarntes 19. Jahrhundert! |
Franzose, Amerikaner, Französin in Arundel. Hinten versteckt sich meine kamerascheue Monika.
Erfülltes
Haus
Auf
dem Rückweg nach Portsmouth (in zwei Autos) hielten wir noch im
Postkartenstädtchen Arundel, das uns ob Schloss und Kathedrale auf
den Spitzen des Siedlungshügels aufgefallen waren. Zu Hause wurde es
dann richtig schick international, Franzosen und Amerikaner kochten
Abendessen, dazu wurde mir eine Flasche Champagner geschenkt und
neben Monika war auch unser neuer Mitbewohner Oskar auf Mexiko dabei.
Der bleibt aber nur drei Wochen für ein Universitätsprojekt; er
selbst ist Grundstudent der Informatik. Für ihn war das sicherlich
ein schönes Willkommen in unserem Haus; Monika freut sich ohnehin
immer, wenn ich sie aus ihrer Einsamkeit reiße, und ich war richtig
stolz, dass ich in der Lage bin, das spezifische aber nicht
selbstverständliche Potential solcher internationalen Gruppen
selbstständig zu erzeugen.
Montag
spielte ich mit Kollegen nach der Arbeit zum ersten Rugby. Vorher
hatte mich noch die Vermieterin des ersten Zimmers angerufen, das ich
mir seinerzeit angesehen hatte. Von ihr holte ich mir einen weiteren
Kunstdruck von Klimt ab, den sie nicht brauchte. Jetzt hängt neben
dem Kuss die Erfüllung an meiner Wand.
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| Frühstück im Hafen. |
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| Einer der dickeren Brummer am Horizont. |
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