Montag, 30. Juli 2012

30.07.2012 - Erfüllungen


Erfüllte Hoffnung
Am Samstag habe ich eine erste gemeinsame Radtour gemacht. Eine italienische Arbeitskollegin, die seit Februar im Amt ist, hatte das vorgeschlagen. Zwar musste ich dadurch auch am Samstag praktisch zum Büro, da sie direkt daneben wohnt, aber diesmal ging alles ohne Rasen vonstatten. Wir habe eine Strecke zum Meer ausprobiert. Die führte uns durch ein kleines Reservat, durch wunderschöne englische Felder fast wie in der Uckermark oder Mecklenburg, an den Strand, an einem Vogelschutzgebiet direkt am Wasser vorbei und zu einer Kneipe gegenüber dem königlichen Osborne Haus, einer Residenz von Königin Viktoria auf der Isle of Wight, und wieder zurück. Kurz gesagt: so hatte ich vor der Ausreise vorsichtig von einer aktiven Freizeit mit gleichgesinnten Menschen geträumt. Schwimmen bin ich auch gegangen, aber an dieser Stelle, weit westlich von Portsmouth, wird der Solent scheinbar nie tief und ich bin eine halbe Meile schmerzhaft auf Steinen durch Wasser gelaufen. Später habe ich erfahren, dass auf einer bestimmten Sandbank einmal im Jahr bei Ebbe sogar ein Cricketplatz mitten in der Meerenge auftaucht. Wers nicht glaubt schaue hier:
http://www.strangebritain.co.uk/allthingsodd/bramble.html

Felder wie zu Hause...

Pause am Meer.

Das Vogelreservat.

Ein kleiner Hafen am Meer.

Erfüllter Erinnerung
Abends rettete ich dann den jungen amerikanischen Rucksacktouristen Andrew vor einer Nacht auf der Straße. Für den nächsten Tag hatte ich bereits zwei Franzosen eingeplant. Die machen auch gerade eine Rundreise und besichtigten vor Portsmouth Brighton, wo ich sie treffen wollte. Dazu hat sich dann auch noch meine Mitbewohnerin Monika angeschlossen, und da die ein Auto hat, haben wir auch noch Andrew eingepackt, und sind alle drei nach Brighton gefahren. Dieses etwas von hier gelegene berühmte Seebad stand verständlicherweise ohnehin auf meiner Liste, da ich da ja im Alter von 16 Jahren drei Wochen Sprachurlaub gemacht hatte. Dementsprechend war ich neugierig, wieviel ich wiedererkennen würde. Erstaunlich wenig! Jedenfalls hatte ich die Seepromenade nicht so großstädtisch in Erinnerung. Wirklich eine ganze Nummer großer als Portsmouth – auch die Wellen. Die Promenade voller Leute und Musik, die weiße Seebrücke dreimal so lang wie der hiesige, und leider genauso verstellt mit Rummel wie überall. Damals schmissen wir hier noch unser Kleingeld in die Automaten. Aber eine Lücke fanden wir ganz am Kopfende, wo wir zwischen den Buden durchschlüpften und die offene See vor uns hatten – wie auf der Seebrücke in Heiligendamm. Außerdem sahen wir uns den berühmten Königlichen Pavillon an, ein dekanter Partypalast des Prinzregenten Georg IV aus dem 19. Jahrhundert. Brighton hat sich seinen Ruf als Treffpunkt der Boheme bewahrt, wie man in den vielen, reizenden Gassen mit Geschäften und Cafés bemerkte, die mir damals überhaupt gar nicht aufgefallen waren.


Die große Seebrücke - letzte Überlebende von ursprünglich drein.


Das Gerippe der Westlichen Seebrücke. 2000 ging das Gerippe noch bis zum Strand.


Auf der großen Seebrücke in Brighton.

Vor dem Königlichen Pavillon.
Konzert an der Promenade.
Schloss in Arundel.
Katholische Kathedrale Arundel - gut getarntes 19. Jahrhundert!
Franzose, Amerikaner, Französin in Arundel. Hinten versteckt sich meine kamerascheue Monika.  


Erfülltes Haus
Auf dem Rückweg nach Portsmouth (in zwei Autos) hielten wir noch im Postkartenstädtchen Arundel, das uns ob Schloss und Kathedrale auf den Spitzen des Siedlungshügels aufgefallen waren. Zu Hause wurde es dann richtig schick international, Franzosen und Amerikaner kochten Abendessen, dazu wurde mir eine Flasche Champagner geschenkt und neben Monika war auch unser neuer Mitbewohner Oskar auf Mexiko dabei. Der bleibt aber nur drei Wochen für ein Universitätsprojekt; er selbst ist Grundstudent der Informatik. Für ihn war das sicherlich ein schönes Willkommen in unserem Haus; Monika freut sich ohnehin immer, wenn ich sie aus ihrer Einsamkeit reiße, und ich war richtig stolz, dass ich in der Lage bin, das spezifische aber nicht selbstverständliche Potential solcher internationalen Gruppen selbstständig zu erzeugen.

Montag spielte ich mit Kollegen nach der Arbeit zum ersten Rugby. Vorher hatte mich noch die Vermieterin des ersten Zimmers angerufen, das ich mir seinerzeit angesehen hatte. Von ihr holte ich mir einen weiteren Kunstdruck von Klimt ab, den sie nicht brauchte. Jetzt hängt neben dem Kuss die Erfüllung an meiner Wand.



Frühstück im Hafen. 


Einer der dickeren Brummer am Horizont.

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