Montag, 13. August 2012

Am ersten Freitag das Augusts machte ich mit der italienischen Kollegin, Adriana, einen weiteren Radausflug, direkt nach der Arbeit. Dabei probierten wir einen Weg direkt nach Süden an die Küste aus, der entlang eines alten Kanals verläuft, der seinerzeit die Mühle von Titchfield mit dem Meer verbunden hat und an einem Vogelschutzgebiet endet. Wie im letzten Jahr sind an vielen Sträuchern die Brombeeren reif.
Einer der Fischteiche der ehemaligen Abtei Titchfield. Einige hundert Meter von meiner Arbeit. Die Ruine der Abtei schließt immer zu früh für mich, aber die Teiche sind beliebtes Ziel nach der Arbeit.


Der Spinnaker-Turm bei der Hafenüberfahrt bei Dunkelheit.
Samstag Abend holte ich Monika aus ihrem dunklen Zimmer und wir sind ans Meer westlich von Portsmouth gefahren. Auf dem Weg rief ich die italienische Kollegin an und Monika meinte spontan, ich sollte sie doch zum Tanzen einladen. So haben wir sie noch abgeholt und sind abends alle zusammen in einem Club in Portsmouth gegangen. Am Sonntag bin ich direkt nach dem Aufstehen ins Meer gesprungen, zeigte dann Adriana die Seepromenade und abends fuhren wir zu dritt in einen Pub am Meer, den wir gerne bei Fahrradausflügen angesteuert hatten. Und vor dem Schlafengehen ging ich noch einmal schwimmen. Inzwischen habe ich gelernt, dass das Wasser fast immer warm genug ist, unabhängig vom Wetter. Soweit es nicht zu windig ist, gehe ich praktisch täglich mindestens einmal schwimmen. Neulich rollte am späten Nachmittag dichter Nebel vom Meer heran und ich hörte den Abend über die dumpfen Hörner der Schiffe in meinem Zimmer. Das Meer bleibt für mich weiterhin ein wortwörtlich zauberhafter Ort, der sich bisher noch nicht abgenutzt hat. Noch immer wird die Möglichkeit, innerhalb von einer Minute da zu sein, und bei Bedarf den ganzen Tag dort zu verbringen, als ein unverhofftes Privileg wahrgenommen, das eigentlich gar nicht dauerhaft sein kann. Es ist das sehr diffuses Gefühl von jemandem, für den das Meer immer eine Ausnahme für Wochenenden und Ausflüge gewesen war, und im Hinterkopf wirkt es immer noch, als hätte man sich von der Reisegruppe weggeschlichen und würde die Zeit genießen, bis man wieder weggeholt wird.

Am darauffolgenden zweiten Augustwochenende habe ich ein Pärchen aus Prag empfangen. Die waren auf der klassischen Abenteuerfahrt per Anhalter in den Semesterferien. Dementsprechend habe ich Ihnen die klassische Führung zu Portsmouths einziger Attraktion gegeben, entlang der Seepromenade zum Hafen. Dort haben wir kurz Adriana und einen weiteren Kollegen getroffen, die den Tag über vom Land gekommen waren. Und morgens haben sie mich jeweils zum Schwimmen begleitet. Am Sonntag sind sie von einer Tankstelle weiter getrampt und haben mir das fade Gefühl zurück gelassen, dass ich sowas nie gemacht habe.
Jetzt mache ich eine Pause mit den Gästen, denn trotz aller Vorteile kommt man dadurch selbst nicht mehr aus der Stadt weg. Am letzten Wochenende zum Beispiel wollte ich eigentlich mit Adriana bei Winchester radeln. Am nächsten Wochenende will ich nun nach London, denn Kalina wird dort einen Monat lang auf Praktikum sein. Am folgenden Wochenende soll dann die Umrundung der Isle of Wight realisiert werden. Hoffentlich kommt vorher mein neues Fahrrad an, dass ich vor kurzem endlich bestellt habe. Das geht über ein Programm, dass steuerfreie Fahrradkäufe erlaubt, wenn die zur Arbeit benutzt werden.
Auch Monika geht nach London, aber leider permanent, denn sie wird dort eine neue Studienrichtung beginnen. Ich bedaure das aufrichtig, da ich mich selten so gut mit einem Mitbewohner verstanden habe und wir uns beide eine gute Hilfe gegen die Einsamkeit waren, die ich dann von neuem aufbauen muss. Mal wieder.

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