Am
ersten Freitag das Augusts machte ich mit der italienischen Kollegin,
Adriana, einen weiteren Radausflug, direkt nach der Arbeit. Dabei
probierten wir einen Weg direkt nach Süden an die Küste aus, der
entlang eines alten Kanals verläuft, der seinerzeit die Mühle von
Titchfield mit dem Meer verbunden hat und an einem Vogelschutzgebiet
endet. Wie im letzten Jahr sind an vielen Sträuchern die Brombeeren reif.
| Der Spinnaker-Turm bei der Hafenüberfahrt bei Dunkelheit. |
Samstag
Abend holte ich Monika aus ihrem dunklen Zimmer und wir sind ans Meer
westlich von Portsmouth gefahren. Auf dem Weg rief ich die
italienische Kollegin an und Monika meinte spontan, ich sollte sie
doch zum Tanzen einladen. So haben wir sie noch abgeholt und sind
abends alle zusammen in einem Club in Portsmouth gegangen. Am Sonntag
bin ich direkt nach dem Aufstehen ins Meer gesprungen, zeigte dann
Adriana die Seepromenade und abends fuhren wir zu dritt in einen Pub
am Meer, den wir gerne bei Fahrradausflügen angesteuert hatten. Und
vor dem Schlafengehen ging ich noch einmal schwimmen. Inzwischen habe
ich gelernt, dass das Wasser fast immer warm genug ist, unabhängig
vom Wetter. Soweit es nicht zu windig ist, gehe ich praktisch täglich
mindestens einmal schwimmen. Neulich rollte am späten Nachmittag
dichter Nebel vom Meer heran und ich hörte den Abend über die
dumpfen Hörner der Schiffe in meinem Zimmer. Das Meer bleibt für
mich weiterhin ein wortwörtlich zauberhafter Ort, der sich bisher
noch nicht abgenutzt hat. Noch immer wird die Möglichkeit, innerhalb
von einer Minute da zu sein, und bei Bedarf den ganzen Tag dort zu
verbringen, als ein unverhofftes Privileg wahrgenommen, das
eigentlich gar nicht dauerhaft sein kann. Es ist das sehr diffuses
Gefühl von jemandem, für den das Meer immer eine Ausnahme für
Wochenenden und Ausflüge gewesen war, und im Hinterkopf wirkt es
immer noch, als hätte man sich von der Reisegruppe weggeschlichen
und würde die Zeit genießen, bis man wieder weggeholt wird.
Am
darauffolgenden zweiten Augustwochenende habe ich ein Pärchen aus
Prag empfangen. Die waren auf der klassischen Abenteuerfahrt per
Anhalter in den Semesterferien. Dementsprechend habe ich Ihnen die
klassische Führung zu Portsmouths einziger Attraktion gegeben,
entlang der Seepromenade zum Hafen. Dort haben wir kurz Adriana und
einen weiteren Kollegen getroffen, die den Tag über vom Land
gekommen waren. Und morgens haben sie mich jeweils zum Schwimmen
begleitet. Am Sonntag sind sie von einer Tankstelle weiter getrampt
und haben mir das fade Gefühl zurück gelassen, dass ich sowas nie
gemacht habe.
Jetzt
mache ich eine Pause mit den Gästen, denn trotz aller Vorteile kommt
man dadurch selbst nicht mehr aus der Stadt weg. Am letzten
Wochenende zum Beispiel wollte ich eigentlich mit Adriana bei
Winchester radeln. Am nächsten Wochenende will ich nun nach London,
denn Kalina wird dort einen Monat lang auf Praktikum sein. Am
folgenden Wochenende soll dann die Umrundung der Isle of Wight
realisiert werden. Hoffentlich kommt vorher mein neues Fahrrad an,
dass ich vor kurzem endlich bestellt habe. Das geht über ein
Programm, dass steuerfreie Fahrradkäufe erlaubt, wenn die zur Arbeit
benutzt werden.
Auch
Monika geht nach London, aber leider permanent, denn sie wird dort
eine neue Studienrichtung beginnen. Ich bedaure das aufrichtig, da
ich mich selten so gut mit einem Mitbewohner verstanden habe und wir
uns beide eine gute Hilfe gegen die Einsamkeit waren, die ich dann
von neuem aufbauen muss. Mal wieder.
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