Montag, 2. Juli 2012

30.06.2012 – Zwei einsam in drei Orten

Am Vorabend hatte ich noch längere Zeit mit meinem Vermieter Roland gesprochen; wie sich rausstellte, interessieren wir uns alle für die römischen Überreste in der Region. Er ist Mitglied von National Trust und ähnlichen Organisationen und nachdem er mir zum Fahrrad verholfen hat, gibt er mir viele Tipps, wohin man damit fahren kann. Und im Gegensatz zu Nordengland ist der Süden als zuerst eroberter Teil reicher an rein zivilen Objekten, die Städte der ganzen Küste gehen auf römische Gründungen zurück. Daher kommt laut Internet auch das Suffix -chester (Portchester, Chichester, Winchester), was im sächsischen wohl römische Festung bedeutete. Erfreulicherweise hat sich Monika dem Sonntagsausflugsplan angeschlossen, um sich nach kürzlicher Trennung auf andere Gedanken zu bringen. Das war umso praktischer, da sie auch ein Auto hat.

Chichester
Damit fuhren wir nach Chichester, einer Kathedralenstadt, deren Kirche wie so oft (z.B. auch in York) auf dem Gelände des alten römischen Stadtzentrums entstanden war. Von Monika als die hübscheste Stadt der Region angekündigt fand ich eigentlich nur die Kathedrale wirklich spannend. Wirklich bemerkenswert waren auch dort nur einige architektonische Details wie Doppelschiffe, der Spitzturm (klassische englische Türme sind quadratisch mit Flachdach) und ein römisches Mosaik unter Glasplatte. Wirklich nett war, das Monika mit in den anglikanischen Gottesdienst kam, der stockkonservativ hochkirchlich war, ohne liberale Experimente, so wie es sein muss.
Ein bisschen Kunst lenkt auch ab.




























Fishbourne
Der kurze Stadtrundgang danach offenbarte neben der vollständigen Stadtmauer wenig Spannendes, sodass wir weiter ins kleine Dorf Fishbourne fuhren. Das ist auf dem halben Rückweg nach Portsmouth und war mir von Roland am Vortag wegen des römischen Palastes empfohlen worden. Der war 1968 entdeckt worden und behauste vermutlich den römischen Statthalter. Ursprünglich nur als Zwischenhalt eingeplant haben wir dort gute zwei Stunden verbracht, vom enthusiastischen Archäologen über die wirklich außergewöhnlichen Mosaike der Gästesuites des Hauses geführt. Nach einem Brand wurde das Gebäude aufgegeben und das Material wiederverwendet – u.a. in der Stadtmauer von Chichester.

Bosham
Zuletzt machten wir im Dorf Bosham halt, was als eine Art Ahrenhoop beschrieben worden war. Von Künstlern war aber so wenig zu sehen wie von der Sonne oder dem verebbten Meer, weshalb wir Feierabend machten. Mit jedem Tag hier frage ich mich: wer braucht Ebbe?

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