Am
Vorabend hatte ich noch längere Zeit mit meinem Vermieter Roland
gesprochen; wie sich rausstellte, interessieren wir uns alle für die
römischen Überreste in der Region. Er ist Mitglied von National
Trust und ähnlichen Organisationen und nachdem er mir zum Fahrrad
verholfen hat, gibt er mir viele Tipps, wohin man damit fahren kann.
Und im Gegensatz zu Nordengland ist der Süden als zuerst eroberter
Teil reicher an rein zivilen Objekten, die Städte der ganzen Küste
gehen auf römische Gründungen zurück. Daher kommt laut Internet
auch das Suffix -chester (Portchester, Chichester, Winchester), was
im sächsischen wohl römische Festung bedeutete. Erfreulicherweise
hat sich Monika dem Sonntagsausflugsplan angeschlossen, um sich nach
kürzlicher Trennung auf andere Gedanken zu bringen. Das war umso
praktischer, da sie auch ein Auto hat.
Chichester
Damit
fuhren wir nach Chichester, einer Kathedralenstadt, deren Kirche wie
so oft (z.B. auch in York) auf dem Gelände des alten römischen
Stadtzentrums entstanden war. Von Monika als die hübscheste Stadt
der Region angekündigt fand ich eigentlich nur die Kathedrale
wirklich spannend. Wirklich bemerkenswert waren auch dort nur einige
architektonische Details wie Doppelschiffe, der Spitzturm (klassische
englische Türme sind quadratisch mit Flachdach) und ein römisches
Mosaik unter Glasplatte. Wirklich nett war, das Monika mit in den
anglikanischen Gottesdienst kam, der stockkonservativ hochkirchlich
war, ohne liberale Experimente, so wie es sein muss.
| Ein bisschen Kunst lenkt auch ab. |
Fishbourne
Der
kurze Stadtrundgang danach offenbarte neben der vollständigen
Stadtmauer wenig Spannendes, sodass wir weiter ins kleine Dorf
Fishbourne fuhren. Das ist auf dem halben Rückweg nach Portsmouth
und war mir von Roland am Vortag wegen des römischen Palastes
empfohlen worden. Der war 1968 entdeckt worden und behauste
vermutlich den römischen Statthalter. Ursprünglich nur als
Zwischenhalt eingeplant haben wir dort gute zwei Stunden verbracht,
vom enthusiastischen Archäologen über die wirklich
außergewöhnlichen Mosaike der Gästesuites des Hauses geführt.
Nach einem Brand wurde das Gebäude aufgegeben und das Material
wiederverwendet – u.a. in der Stadtmauer von Chichester.
Bosham
Zuletzt
machten wir im Dorf Bosham halt, was als eine Art Ahrenhoop
beschrieben worden war. Von Künstlern war aber so wenig zu sehen wie
von der Sonne oder dem verebbten Meer, weshalb wir Feierabend
machten. Mit jedem Tag hier frage ich mich: wer braucht Ebbe?
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