Samstag, 11. September 2010

11.09.2010 – Durham

Durham liegt ja nur 40 Minuten von York und war darum erstes Ziel bei der unvermeidlichen Wiederentdeckung meiner alten Orte. Samstag kurz nach elf kam ich mit der Neuseeländerin Kim aus dem Intensivkurs auf dem inzwischen völlig verglasten Bahnhof auf dem Eisenbahnviadukt an. Aus dem Zug schon war die riesige Kathedrale zu sehen. Den Berg hinunter und über den Fluss, stets überragt von der Kirche, ging es zum Marktplatz und kurz in die Markthalle. In der Touristeninformation erfuhren wir außerdem, dass gerade Tag des Kulturerbes und ohne Eintritt war. Vom Markt weiter hoch auf den Kathedralenplatz – in solchen Momenten glaube ich immer noch nicht, dass ich wirklich wieder hier bin. Wir machten erst die Führung in der Burg gegenüber, also wo heute das Uniwohnheim ist. Erst da fiel mir wieder ein, dass ich das schonmal gemacht hatte. Aber überhaupt kamen an jeder Ecke wieder Erinnerungen hoch. Am komischsten: Läden, Restaurants, Markt, alles noch genau wo ich es gelassen hatte.

Nach dem Mittagessen ging es zum Höhepunkt, natürlich der Kathedrale. Zugegeben, etwas kleiner als in der Erinnerung. Aber innen wurde mir nach einer Weile doch komisch zumute. Vor allem, weil ich so vieles überraschend unverändert fand und längst vergessene Details sofort wieder erkannte. Die bemalten Orgelpfeifen, die große östliche Fensterrose, die freakigen Bilder am Grab des Hl. Cuthbert, seine Darstellungen mit dem Kopf des Hl. Oswald. Und dann vor dem Chor fiel mir ein, wie ich am letzten Tag hier abends ganz allein und verwirrt auf genau der gleichen Bank gesessen hatte.

Jedoch habe ich in den letzten doch viel dazu gelernt, zum einen Sentimentales zu bekämpfen, zum zweiten hatte ich trotz der vielen Besuche damals erst jetzt richtiges Infomaterial dabei. Bei dessen Studium stießen wir auf einmal auf noch zwei Mädchen aus unserem Kurs, eine Japanerin und eine Jordanierin, die morgens spontan auch nach Durham gefahren waren. Zu viert ging es nach in den Kreuzgang des Klosters nebenan. Dann übernahm ich die Führung und wir gingen runter zum Fluss, am Ufer gegenüber der Kathedrale zurück zum Zentrum, dort, wo man von unten auf die sonnenbeschienenen Türme der Kathedrale über den Bäumen am Steilufer blickt, und wohin junge Freiwillige in ihren letzten Tagen gingen. Vor allem fühlte ich bei allem, dass ich so ein Drama wie Ende 2005 nicht mehr erleben werde.

Zuletzt tranken wir alle noch einen Kaffee am anderen Flussufer. Dann ging es zum Bahnhof, vorbei an den ersten in die Stadt strömenden Kreaturen der englischen Samstagnacht, und mit einem letzten sentimentalen Blick auf die Kathedrale und die sonnigen Täler um die bewaldeten Hügel von Durham herum. Auf der Rückfahrt, durch die ebenso sonnigen englischen Felder voller Schafe, vergaßen wir die Jordanierin in Durham, aber unter meiner bescheidenen Führung stiegen wir an der nächsten Station aus und in ihren nachfolgenden Zug wieder ein.

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