Mittwoch, 28. Mai 2025

Ottos grosses Abenteuer

Freitag war es soweit: wir brachten Otto abends zu seinen Grosseltern, d.h. Ellies Vater und Frau, deren Tochter und Enkelin, also Ottos (Stief)Cousine Layla in einen Urlaubspark auf der Insel Hayling. Das ist unsere oestliche Nachbarinsel, 20 Minuten Autofahrt. Die hatten dort ein mobiles Haus in einem Ferienpark gemieten. Diese Art Park ist hier verbreitet; in Deutschland ist mir das nicht bekannt, aber heutzutage bin ich oft nicht mehr sicher, was ich einfach nicht persoenlich mitgekriegt habe. Mit auf dem Gelaende sind ein Schwimmbad und ein Restaurant, der Strand ist nah und einige Felder drumherum sind auch gut fuer Kinder. Es ist also auf Familien mit weniger Geld ausgerichtet. Aus einer Archivsendung weiss ich, dass der Park dort schon seit vielen Jahrzehnten steht und sich den Gewohnheiten der Zeit anpasst.

Fuer Otto war es das erste Mal, dass er ohne uns uebernachtet. Fuer uns ebenso. Er war unglaublich aufgeregt, und Layla ebenso. Die mochten sich schon immer sehr, und als sie sich sahen, tobten sie wie verrueckt durch Haus und Park.

In den folgenden Tagen ging Otto ins Schwimmbad, zum Strand, fuhr mit der kleinen Modellbahn (ja davon gibt es hier wirklich viele; ich frage mich inzwischen ob das in Deutschland wirklich weniger verbreitet ist), und vor allem ins Restaurant und die Kinderspielhalle. Die Kinder haben viel gespielt, viel gegessen, und durften lange aufbleiben. Seine regelmaessigen Anrufen waren schwer zu verstehen aufgrund des aufgeregten Schreiens zweier Kinder.

Fuer uns war es schon etwas komisch, ihn zurueck zu lassen. Sebbi war auch erst traurig. Aber ehrlich gesagt - ich gewoehnte mich ziemlich schnell dran. Sobald die Erwartung real geworden war und wir die ersten Fotos hatten, machten wir uns weniger dumme Sorgen um Otto im Schwimmbecken. Fuer ihn ist das ohne Zweifel eine ausgezeichnete Erfahrung. Er hatte keinerlei Sorgen und Traurigkeit gezeigt. Gut so.

Und ich gewoehnte mich sehr schnell wieder an die zeitliche Freiheit. Morgens fertig zu werden ist viel einfacher; mittags kann ich die Augen zumachen, einkaufen ist stressfreier und wir koennen etwas mehr sauber machen. Sebbi kriegt mal unsere volle Aufmerksamkeit, das freute mich am meisten. Samstag vormittag besuchte ich mit ihm meinen Tangokumpanen Gabor, waehrend Ellie mit einer alten Freundin bauchtanzte.

Sonntag sind wir mit Sebbi einfach den ganzen Tag Orte im Meon-Tal abgefahren. Zuerst sind wir in Corhampton auf die Wiese am Bach und dann auf den Kirchhof gegangen, wo u.a. Pferde zu sehen waren. Aber Sebbi will sowieso nur auf Sachen klettern und dann runterhuepfen. Nach einem Mittagessen im dortigen Pub sind wir nach Droxford weitergefahren, wo Sebbi in der Kirchen spielen und dann schlafen konnte. Und ich konnte wandern gehen, allein, einfach so. Am Ende habe ich sogar auf einer Wiese die Augen zugemacht. Zuletzt assen wir noch Kuchen im Umweltzentrum und Sebbi spielte im Wald, unter der Aufsicht beider Eltern. Es ist toll, dass er endlich mal ganz viel Aufmerksamkeit von uns bekommen kann. Zu Hause konnte er dann ganz lange in der Badewanne planschen, waehrend Ellie in Ruhe die Waesche abnahm. Und als er schlafen ging, konnte ich mich einfach aufs Sofa legen.

Als wir Otto Montag vormittag wieder abholen, war ihm anzusehen, dass er eine tolle Zeit gehabt hatte. Er war aber auch nicht traurig, dass er wieder mit uns fahren wuerde. Wir fuhren alle zusammen zu einem spaeten Fruehstueck in ein Cafe, bevor Ellies Familie zurueck nach Kent und wir nach Hause fuhren. An diesem Tag sind wir nach Sebbis Mittagsschlaf nur noch auf den Spielplatz am Ententeich von Baffins gefahren.

Sebbi

  • Ellie meint Sebbi spricht mehr deutsch als englisch. Mir faellt auf, dass er das deutsche "ch" wie z.b. in "Loch" ausgezeichnet ausspricht. Ich kann mich nicht erinnern, wieweit Otto in dem Alter gesprochen hat.
  • Ist fast zu suess zum Aushalten; macht Witze und spielt gern "Kuss-Attacke".
  • Spielt im Bad weiter begeistert mit Spritzen.
  • hat eine ausgepraegte besitzergreifende Phase. Vieles ist jetzt "meins!" oder "Sebbis!". Besonders alles, was Otto anfaesst. Und wenn es nicht sofort abgegeben wird, schreit er. Manchmal provoziert Otto es, manchmal ist es nur ein Spiel, aber es nervt immer.

 


 
Endlich ist alles mal seins.

Auch das war offenbar ein "Rasenmaeher"


Sonntag, 18. Mai 2025

Papa schwimmt mit

Diesen Samstag fuhren Otto und ich morgends wieder schwimmen. Dieses Mal bin ich ich bin auch schwimmen gegangen. Ich bin so unsportlich, ich schaffe kaum eine Bahn. Aber es ist ein gutes Gefuehl, und ausserdem  soll Otto sehen, dass Papa das Wasser mag.

Davon abgesehen hat es sich als sehr praktisch erwiesen, dass wir zwei frueh aus dem Haus kommen, und im Anschluss einkaufen gehen. Normalweise dauert das morgendliche Duschen und Anziehen solange, dass Sebbi im Anschluss schon bald wieder schlafen muss. Stattdessen tauschen wir nach dem Schwimmen Kinder aus: ich gehe mit Sebbi einkaufen, Ellie putzt und macht Mittag. Somit hatten wir den Nachmittag frei und sind in das schoene Dorf Buriton in den South Down gefahren. Da ist ein schoener Spielplatz, fast immer leer, auf einer grossen Wiese und dahinter fahren regelmaessig die Zuege nach London lang. Es war ein wunderschoener Nachmittag, die Voegel sangen aus dem nahen Wald. Die Kinder haben viel rumgeturnt. Ich habe das richtig genossen.

Sonntag vormittag traf sich Ellie mit einer inzwischen emigrierten Freundin. In der Zeit bin ich mit den Kindern wieder in die South Down gefahren, diesmal auf den Spielplatz von Clanfield. Den mochte Otto schon immer, denn er ist gross, und gruen, und auch dort gibt es nie Schlangen. Ottos Verhalten war an diesem Wochenende wirklich exzellent. Der hat sich richtig Muehe gegeben mitzuhelfen. Kein Gemeckere wegen Sonnencreme, nahm auf dem Parkplatz Sebbis Hand und passte auf Autos auf. Mir hat das richtig Spass gemacht. Besonders als wir im Schatten eines Baums einige Snacks assen. Spaeter gingen wir zum Ententeich, und Sebbi durfte einen Krankenwagen begutachten. Braeuchte Sebbi nicht seinen Mittagsschlaf dann haetten wir den gesamten Tag in der Natur verbringen koennen. Otto hatte Lust darauf gehabt.

Am folgenden Montag musste ich mit Sebbi abends leider in die Kindernotaufnahme fahren. Ich hatte abends getraeumt, da rutschte er vom Sofa mit dem Kopf aufs Parkett. Sind wir auf Nummer sicher gegangen, auch wenn er schon bei der Ankunft am Krankenhaus ganz der alte war. Wir wurden auch bereits nach der ersten Sichtung nach Hause geschickt. Fuer Sebbi war das wahrscheinlich ein grosses Abenteuer. Er hat viele Krankenwagen und auch ein Polizeiauto gesehen. Otto hat sich leider viele Sorgen gemacht. Wenn Sebbi weint, schreit er immer zurueck dass er still sein soll. In der Situation habe ich dann zurueckgeblafft, was ihm dann zeigte, dass seine Eltern vor etwas Angst hatten, und das uebertrug sich sofort auf ihn. Er hat dann Sebbi einen Brief geschrieben, dass er ihn liebte, und eine Anleitung, wie man sicher vom Sofa steigt. Da fuehlte ich mich gleich wieder furchtbar. Ellie hat ihn in meiner Abwesenseit beruhigen koennen, und am naechsten Morgen habe ich mich bei ihm entschuldigt.

Sebi

spricht besonders viel deutsch. Uebersetzt gleich mit wenn beide Eltern da sind: sagt "pig" fuer Mami, dreht sich um, "Schwein" fuer Papa. Besonders beliebte Worte: Polizeiauto, Feuerwehr, aber v.a. Rasenmaeher. Manchmal sehen wir welche im Park auf dem Weg zur Kita. Das Personal fragte extra nach, was Sebbi meint. Ich habe ihnen eine kleine Vokabelliste angefertigt.

laeuft diese Woche problemlos in die Kita. Mag seine "Babyfreunde" dort sehr und erzaehlt von ihnen. Otto hat das ganz selten gemacht.

Otto

ist zur Zeit sehr kuschelig. Besonders wenn er einschlaeft, rollt er sich in mich.

wir haben ihm ein Tagebuch gegeben, dass ihn insbesondere nach seinen Gefuehlen an einem bestimmten Tag fragt. Es interessiert ihn auch bemerkenswert. Die gute Nachricht ist, dass er an den meisten Tagen nur "froehlich" ankreuzt. Manchmal wuetend oder traurig; die beiden wenn dann immer zusammen, was wohl heisst, dass eins das andere ausloest. Fast nie ist er "ruhig"; dass kann ich bestaetigen. Wir bereden dann immer nochmal, was welches Gefuehl ausgeloest hat. Am ersten Tag sagte er mir, dass traurig und wuetend war, weil Papa ihn angeschreit hat. Tatsaechlich hatten wir (beide) ihn frueher an diesem Tag zurecht gewiesen. Es hat mich trotzdem getroffen und wir haben darueber gesprochen. Ich habe ihm zu erklaeren versucht, weshalb ich laut geworden war, und ihm versprochen, mir mehr Muehe zu geben. Mit mir selbst habe ich beschlossen, ihn im Zweifel laenger laufen zu lassen, auch wenn mir sein Verhalten nicht gefaellt.


Otto pass auf seinen kleinen Bruder auf

Der Ententeich in Clanfield

 

Sonntag, 11. Mai 2025

Otto schwimmt los

Letzten Freitag haben Ellie und ich uns spontan freigenommen und einen Tag zusammen verbracht. Die Zeit in Rostock hatte mich daran erinnert, das solche Tage wichtig sind und wir sie seit Sebbis Geburtnicht mehr gehabt hatten. Wir sind etwas am Meer entlang gelaufen und spaeter ins Cafe von Crookley Park gefahren, einem ehemaligen Herrenhaus, heute Laden fuer Fenstervorhaenge. Anschliessend einige Toepfe und Blumen im nahen Gartenbaumarkt gekauft. Trivialer als solche Tage in der Vergangenheit, aber ehrlicherweise reicht es ja, sich einfach mal richtig unterhalten zu koennen. An normalen Tagen finde ich das wirklich schwierig. Beschraenkt sich auf funktionale Informationen: wo ist Ottos Jacke, wurden Sebbis Zaehne geputzt. Tags wird man sofort unterbrochen, abends ist man zu muede.

Samstag begann endlich Ottos Schwimmkurs! Das hatten wir seit Jahren geplant, aber erst jetzt nach Hinweisen anderer Eltern geschafft. Die hatten uns das neugebaute Sportzentrum der Uni empfohlen. Ein richtig schoenes Gebaeude, sogar ich bekomme da gleich Lust auf Sport. Parken kann man im Keller, direkt darueber ist die Schwimmhalle, daneben Gymnastikraeume, Squashraeume, und oben eine ganze Sporthalle. Alles geraeumig und voller Licht. Und in der Schwimmhalle ist sogar eine Sauna!

Ottos Kurs dauert jeweils nur eine halbe Stunde. Aber das Personal ist spitze. Das muessen richtige Sportpaedagogen sein, einige sehen aus wie Studenten. Samstag morgen ueben das Kinder auf diversen Niveaus. Es gibt sogar Einzelunterricht, das waere auch gut. Aber erstmal faengt Otto in der untersten Stufe an, in einer kleinen Gruppe, wo ihm vorerst vor allem der Spass am Wasser beigebracht wird.

Drei Bahnen an der Seite sind fuer Erwachsene, und ich bekam gleich Lust, naechstes mal da mitzuschwimmen.

Nachmittags besuchte uns mein alter Tangofreund Gabor. Wir liefen mit den Kindern ans Meer, spaeter zum Spielplatz und fuhren dann mit dem Bus nach Hause. Der Tag war richtig schoen.

Sonntag vormittags sind wir zum zweiten Mal alle vier zur Gartenarbeit an Ottos Schule gegangen. Ich bin sehr beeindruckt, wie gut dort die Kartoffeln wachsen. Es war wieder sonnig und die Arbeit draussen war gut fuer uns alle. Nachmittags sind wir wieder auf den Modellbahnen im Park gefahren.


Sonntag, 4. Mai 2025

Das lange Mai Wochenende

Anfang Mai hatten wir ein langes Wochenende. Ich hatte gebeten, dass wir damit etwas machen, d.h. rausfahren. Sonst verliert man die Tage zu schnell zwischen einkaufen, kochen und Sebbis Mittagschlaf.

Samstag fuhren wir zum Haus Stansted, und dort mit der Modellbahn im Park. Ich glaube Sebbi war schon im letzten Jahr damit gefahren, wird das aber nicht wirklich mitgekriegt haben. Diesmal brauchte er erst eine Weile um zu verstehen was los war. Aber dann freute er sich. Ellie und Otto kauften ein paar schoene Toepfe und Pflanzen fuer den Garten. Ich lief mit Sebbi durch das Arboretum und beobachteten noch ein paar Mal den Zug bei der Vorbeifahrt. Dann assen wir Mittag. Alle bekamen, was sie wollten.

Nachmittags bin ich mit Otto zum Friseur gegangen. Der hat erstaunlich viel Angst davor.

Sonntag fuhren wir zum "Dell". Das ist eigentlich ein Zeltplatz noerdlich vom Umweltzentrum, aber sie haben dazu noch eine Bar und Spielmoeglichkeiten fuer Kinder unter grosse Buchen am Feldrand gebaut. Leider ist man da immer dem Wetter ausgesetzt. Entweder der prallen Sonne, oder diesmal dem Wind. Es war viel kühler als gedacht. Die Kinder spielten im Sandkasten; Sebbi zeigte ich noch Schafe und Fasane, aber am besten fand er es, als ich ihm auf dem Autodach laufen liess.

Montag wurde an verschiedenen Orten der traditionelle Maifeiertag begangen. Wir fuhren in das Freiluftmuseum in Gosport, das mit dem Nachbau eines Dorfes von 1642. Da wurde wieder um den Maibaum getanzt und die Morristaenzer tanzten. Otto war diesmal weniger scharf, selbst zu tanzen; ich war es sehr, konnte aber nur ganz kurz am Ende mal ran. Das Gruen dieses Ortes begeistert mich bis heute. Beide Kindern kletterten viel auf Baeume. Ich bin immer froh, wenn sie sowas mal machen koennen.

Johannes

Im Garten haben wir die Kartoffel in den neuen Pflanzsack umgetopft und hoffen nun, dass sie mehr Platz hat. In den zweiten Sack machen wir Moehren. Die neuen Erbsen kommen langsam aus der Erde, und dieses Mal werden wir sie vor Katzenfrass schuetzen. Wir wollen noch Basilikum pflanzen, und wie es scheint erholt sich der Schnittlauch der letzten Jahre doch noch, nachdem der Kraeuterkasten von der Schuppenwand gefallen war.

ich habe einige Backrezepte ausprobiert. Omas Gugelhupf wurde im zweiten Anlauf richtig gut. Auf den vor einiger Zeit unter grosser Muehe gekauften Tortenboden habe ich englische Vanillesosse gegossen, aber die ist nicht wirklich fest genug. Vanillepudding gibt es ja nicht - vielleicht der Grund, warum ich hier kaum normale Torten sehe und schon der Boden so schwierig zu finden war.

Wir haben die zweite Generation Erbsen in den Garten ausgepflanzt, diesmal mit Frassschutz. Die Bohnen sind auch draussen; sie wachsen viel schneller und hoeher als die Erbsen. Die Radieschen sind durch die Erde gekommen; bei der Kartoffel ist noch nicht klar, ob sie das Umtopfen ueberlebt. Moehren und Petersilie sagen noch nichts. Auf jeden Fall freuen mich die gruenen Sprossen aus der Erde immer.

Ich habe das James Bond Buch Moonraker schon ausgelesen. Kuerzer als die anderen Buecher. Hat mir aber am meisten Spass gemacht.

Ich habe eine neue Kollegin, die nicht nur aus Deutschland kommt, sondern sogar in Rostock geboren wurde.

Ich habe das Gefuehl, dass unser Leben etwas einfacher wird, weil Sebbi aus dem Groebsten raus kommt. Sein Schlaf abends ist an sich unproblematisch. Auch wenn ich meistens keine Kraft habe noch etwas zu tun, ausser der endlosen Hausarbeit, habe ich wenigstens einen Abend. Sebbi kann sich ausserdem genuegend ausdruecken um zu sagen, was er will bzw. was ihm weh tut.

Nicht zuletzt hat Ellie mir angeboten, dass ich abends direkt in mein eigenes Bett zu gehen, anstatt erst bei Sebbi zu liegen, bis sie mich abloest. Damit kann ich frueher schlafen, und Ellie hat mehr Zeit. Das koennte mittelfristig einen grossen Unterschied machen. Nichtdestotrotz besuche ich Sebbi immer nochmal kurz, weil er im Schlaf einfach suess aussieht. Schliesslich schlafe ich gerne bei den Kindern. Und irgendwann wird das ja auch vorbei sein.


 

Dienstag, 29. April 2025

Wandern

Am letzten Samstag habe ich um den Nachmittag gebeten um wandern zu gehen. Bisher bin ich das gesamte Jahr nicht allein rausgekommen und habe dadurch den besten Teil des Fruehlings verpasst. Ich habe dann eine neue Strecke um die Ditcham Park School ausprobiert, eine Privatschule auf einem Huegel direkt am South Downs Weg. Ich habe gemerkt, wie ausser Form ich bin; beim nicht besonders steilen Aufstieg habe ich abwechselnd gekeucht und gegaehnt. Die Blicke waren nett aber nicht so toll wie auf anderen Routen. Einige Abschnitte erinnerten an den Harz, und einmal rannten zwei Rehe vor mir weg. Die Schule hat einen huebschen kleinen Spielplatz fuer die angeschlossene Kita, unter Baeumen, dass waere was fuer Sebbi.

Am Morgen hatten wir uns einen faltbaren Bollerwagen ausgeliehen. Damit will ich einige Sachen testen, bevor wir kaufen. Die Kinder sind begeistert. Ich bin abends mit ihnen zusammen ans Meer gelaufen.

Da sind wir tags drauf zu viert hingegangen und haben einige Stunden mit der Familie von Ottos besten Schulfreund verbracht. Denn der Fruehling ist vorbei, der Sommer ist bereits da. Ich habe grosse Angst vor Hitzewellen. Nachmittags sind wir zur Modelleisenbahn im Park gegangen. Die hat ab April wieder auf. Sebbi war letztes Jahr schnmal drauf, aber ich glaube erst jetzt kriegt er das bewusst mit und ihm hat es besonders Spass gemacht.

Spaeter sass ich an einen Baum gelehnt und tagtraeumte, waehrend Otto auf mir lag.

Sebbi

ist auch sehr lieb, entwickelt aber die Faehigkeiten zu Trotz und Aufstand. Leider schaukeln sich beide Jungs dann gegenseitig hoch.

Otto

Otto war diese Woche sehr lieb. Die Routine seit Schulbeginn tut ihm sichtlich gut. Die Abende mit ihm machen mir richtig Spass, wenn wir zu zweit etwas spielen und dann lesen.

Wir pflanzen eine Menge im Garten. Letztens Fenchel, Lein, Radieschen und Basilikum. Die Kartoffel waechst tatsaechlich in ihrem Topf. Wir wollen ihr dieses Mal mehr Raum geben und haben zwei grosse Pflanzsaecke gekauft. Die kann man an der Seite aufklappen und hoffentlich die Knollen in der Erde sehen.
 

Johannes

Ich habe mich jetzt fuer James Bonds "Moonraker" entschieden.
 



Mittwoch, 23. April 2025

Ostern

Zurueck in England wollte ich in den letzten zwei freien Tagen unbedingt raus in die Natur fahren. Denn wenn man nicht aufpasst, kommt man zwischen der endlosen Hausarbeit und Sebbis Mittagschlaf ganz schnell gar nicht aus dem Haus.

Vom Flugzeug aus hatte ich gesehen, dass der Raps schon zu verbluehen beginnt. Ostersonntag sind wir daher in die Hasengloeckchen gefahren, bevor die das gleiche machen. Wir haben sie auch die beste Zeit erwischt. Das Waldstueck war voller Familien und dem Osterhasen. Auch Otto und Sebbi fanden immer wieder ein kleines Ei.

Im Anschluss sind wir spontan im Nachhaltigkeitszentrum essen gefahren, wo wir schonmal da waren. Besser als nach Hause zu hetzen, hastig zu kochen und zu essen, damit Sebbi schlafen gehen kann. Die Natur ist ueberall so schoen und es tut mir so gut, wie jedes Jahr kleinen Pflanzen aus der Erde kommen.

Auch in unserem Garten stehen ein paar Hasengloeckchen, und von unseren Erbsen haben zwei die Reise ueberlebt. Wir haben zwei Stoecker aus dem Wald mitgebracht, an denen sie klettern koennen. Und ich habe noch schnell Bohnen und Petersilie eingepflanzt.

Ostermontag ging dann tatsaechlich fuer Einkaufen und Hausarbeit drauf. Das deprimiert mich immer richtig, aber besonders nach dem Urlaub. Nachmittags sind wir nochmal zusammen auf den Spielplatz im Park gegangen, aber das ist nicht dasselbe.

 

Sebbi

ist jetzt in der "meins!" Phase angekommen und will alles haben, besonders wenn es Otto gerade hat. Ich ueberlege ob sie wirklich ein Zimmer teilen sollten.


Otto

ist weiter aufgekratzt. Nicht klar ob das wirklich nur die Reise Umstellung ist. Wir geben ihm weiter weniger den Nuckel. Langsam ist ihm der auch peinlich, etwa wenn Besucher kommen. Aber es strengt ihn abends merklich an.

Die neuen Buecher aus Deutschland kommen bei Otto sehr gut an.


Johannes

Wir haben eine Beschwerde bei British Airways eingereicht. Mal gucken was passiert.

Die Veraenderung des Urlaubs hat mich an alle Dinge erinnert, die mich im Alltag stoeren. Das ich Ellie fast nie richtig sehe, dass ich nie Zeit fuer andere Sachen als Arbeit und Kinder habe, nicht mal fuer dringende. Aber schnell gewoehnt man sich wieder an den Alltag.

Ich habe die Probe einer Walter Ulbricht Biographie durchgelesen. Sehr interessant, aber ich weiss nicht, ob ich ein grosses neues Buch anfangen will. Vielleicht lese ich einen neuen Band James Bond.

 


 

Samstag, 19. April 2025

Rostock

6 April
Absolutes Drama. Beim Online Einchecken hatte ich am Vortag entdeckt, dass ich bei der Flugbuchung Sebbis Namen falsch geschrieben hatte. Der Kundendienst braucht ziemlich lange, bis sie die kleine Korrektur zu verstehen scheinen. Ich rufe noch ein zweites Mal an, um sicher zu gehen, und mir wird versichert, dass es bis zum Flug korrigiert sein wird.
Aber am Schalter ist der Name natuerlich noch immer falsch. Eine Stunde lang versucht der Mann, das naechste Team anzurufen. Hinter mir sitzt meine Familie auf den harten Fliesen. Otto ist natuerlich krank geworden und welkt vor sich hin; nicht, dass er das zugeben wuerde. Sebbi sollte jetzt eigentlich Mittagschlaf halten, und Ellie braucht eigentlich ihre gesamte Selbstkontrolle gegen ihre Flugangst. Wir verpassen unseren Flug. Ich bin mehrmals entschlossen, alles abzublasen. Otto flippt aus und bruellt seine letzte Kraft heraus, bevor er auf meiner Schulter zusammenbricht und keinen Mucks mehr von sich gibt. Wir werden umgebucht. Weitere zweieinhalb Stunden, die meine Familie durchhalten muss. Wir gehen essen; Otto nimmt nur Eis zu sich. Sebbi wird hippelig und dann verrueckt. Ellie geht es nicht gut.
Endlich sind wir am Gate. Wir steigen als letzte ein, um den Kindern die Enge zu ersparen. Vor dem Tunnel zum Flugzeug kotzt Otto ploetzlich. Ich weiss nicht: ist das nur, weil er nur Eis gegessen hat? Oder ist er kraenker als gedacht und sollte nach Hause? Gottseidank hat Ellie Wechselsachen fuer ihn im Rucksack. Wir steigen ein. Ellie schaltet ab. Krallt sich am Vordersitz fest. Otto ist ganz still.
In der Luft erholen sich die Kinder. Sebbi stellt sich auf meine Knie und guckt neugierig ueber die Sitze. Irgendwann geht es auch Ellie besser.
Nach der Landung trage ich Otto durch die Passkontrolle und bis zur Gepaeckausgabe. Dann tapst er uns langsam hinterher. Ich wuenschte, er muesste nicht tapfer sein. Aber wir muessen noch diverse Fahrstuehle hoch und runter, zur S-Bahn, zum Bahnhof Schoenefeld, die langen Rampen hoch und zum Hotel. Meine armen kleinen Kinder. Meine arme Frau. Keiner von denen sollte so eine Tortur ertragen muessen. Unsere Zimmer sind eine Oase. Die Kinder kriegen was zu essen und dann gehen alle schlafen.

Wir wissen noch nicht, dass British Airways den groessten Bock gerade erst geschossen hatten.
 
7. April
Der naechste Tag beginnt so schoen. Otto ist bei Kraeften und uns erwartet ein Hotelfruehstueck. Der Zuganschluss ist einfach; die Sitzplatzbuchung im Familienbereich des IC zahlt sich aus. Ich folge Sebbi auf ausgedehnten Wanderungen, genau wie drei Jahre vorher Otto. Otto und ich kaufen Ellie etwas Suesses. Brandenburg, Mecklenburg. Rostock. Aufgrund einer Verspaetung kurz vor Ankunft warten die Grosseltern am Bahnhof leider viel zu lange auf uns. Wir uebergeben das Gepaeck und fahren dann mit der Strassenbahn in den Winkel.
Dort spielen die Kinder im Garten, bis wir ins Quartier koennen. Und fuenfzehn Minuten vorher faellt Sebbi eine schwere Steinplatte auf den grossen Zeh. Blut, Schwellung; wir nehmen ernsthaft einen Bruch in Betracht. Eine Sekunde habe ich nicht hingeguckt. Kann auch kein Mensch. Aber ich fuehle mich trotzdem schuldig. Was fuer eine Reise fuer meinen kleinen Kinder. Wir verbinden, dann schlaeft Sebbi vor Erschoepfung eine Weile.
In der Zeit renne ich zum Quartier und hole die Schluessel ab. Das Haus scheint nicht gut. Tuerklinken fallen ab; die Haupttreppe laesst sich so nicht vor Sebbi absperren. Zerbrechliches in Babyreichweiter. Das Rollo im Bad ist kaputt. Die Schlafzimmer lassen sich nicht abdunkeln. Das Doppelbett fuer Ellie sind eigentlich zwei Einzelbetten, sodass Ellie neben Sebbi immer auf den harten Kanten liegen wird. Das einzige echte Doppelbett ist in einem Zimmer im ersten Stock mit einer Tuer ins Nichts. Griff selbst fuer Sebbi einfach zu oeffnen. Im Garten ist eine offene Wassertonne. Mein Herz rutscht in die Hose; wie soll ich Ellie das sagen, nach der Katastrophe mit Sebbi.

Wir ziehen ein und geben Otto eine strenge Sicherheitswarnung. Spaeter merke ich, dass wir ihm damit richtig Angst gemacht haben.
 
8 April
Ellie will umziehen; ich bitte um eine weitere Nacht. Wir haben es geschafft die Schlafzimmer abzudunkeln und die meisten Räume abgesperrt, damit die Kinder gar nicht erst reinkommen. Eigentlich koennten wir schlafen, aber jetzt hustet Sebbi die ganze Nacht durch.
Tags gehen wir zu Norma einkaufen und pflanzen Blumen in Omas Garten. Otto ist schwierig. Mir schwant, dass wir ihm richtig Angst vor dem Haus gemacht haben und er sich nicht sicher fühlt.

9 Apri
Allie lieben den Spielplatz hinter der Biestower Kirche. Die Kinder den Sand und die Spielzeugkiste. Ich die Wiese davor und die Kirche und die Stoerche. Sebbi liebt die Glocken. Wir sehen den Storch im Nest. Die Kinder schnappen deutsche Worte auf

Otto bleibt allgemein schwierig; ich finde wenig Zeit fuer die Großeltern. Mittags probieren die Kinder Rahmspinat. Sebbi mag es, Otto nicht. Aber ich glaube, er kaempft mehr mit der ungewohnten Athmosphaere, insbesondere wenn seine Mami zur Mittagszeit mit Sebbi ins Schlafzimmer verschwindet. Er zieht sich schnell aufs Sofa zurueck, und offensichtlich in seine eigene Welt. Ich fuehle mich dazwischen zerrissen ihm zu helfen und mit meinen Grosseltern zu sprechen.
 
Nachmittags fahren wir zu viert mit der Straßenbahn zur Bäckerei im Kosmos. Das ist bei den Kindern beliebt. Ich zeige Omas alte Wohnung.
 
Dafuer kommen wir immer besser mit dem Haus klar. Es stellt sich raus, dass die Wassertonne nicht tief ist; die meisten Räume sperren wir ab, und mit nur Küche und Wohnzimmer geht es gut.
Das Tischfussballspiel ist ein großer Hit. Ich kann mir vorstellen, wie man mit Erwachsenen hier großen Spaß haben und durch Stadt und Land radeln kann. Irgendwann, mit Friedemann.
 
Ich genieße die Vertrautheit von Biestow. Träume davon auf Bank zwischen Blumen Geschichte zu lesen. Über Land zu radeln. Fühle zum ersten Mal, wie sich die Lage des Quartiers auszahlt. Und der Plan möglichst wenig zu machen. Aber auch die Versuchung zu Ausflügen. Es wird nie genug Zeit sein. Dafuer müsste man hier wohnen und jeden Tag frei haben.
 

10 April
Wir laufen zu meinem alten Spielplatz am Kringelgraben. Seit Ottos Geburt hatte ich mir vorgestellt eines Tages meine Kinder dort spielen zu sehen. Papa trifft aus Sassnitz ein. Wir besuchen kurz meine alte Kita.
Wir besuchen jeden Tag eine Bäckerei. Im Quartier kochen wir Mittag und gehen nachmittags in den Winkel. Die Kinder lernen die Dachterrasse kennen. Mir tut es insgeheim leid, dass wir nicht mehr Zeit dort verbringen, sehe aber keine Art und Weise, die auch Spass machen wuerde. Ellie kümmert sich um die Kinder, damit ich mich mal unterhalten kann. Spaeter geht sie mit Otto einkaufen; Otto übersetzt an der Kasse.
Abends schaffe ich es das erste Mal aus dem Schlafzimmer zu entkommen und kann mich mit Papa unterhalten.

11 April 
Gleich morgens gehe ich mit Sebbi zu den Hühnern beim Bauernhaus. Wir kommen wegen einer weiteren Beerdigung wieder nicht in die Kirche.
Mit Papa fahren wir alle zusammen in den Zoo. Die Kinder sind sehr beeindruckt von Eisbären und Pinguinen und vor allem dem Darwineum. Aber sie sind auch schnell erschöpft und das letzte Drittel ist eigentlich Stress.
 
Zu Hause war Mutti angekommen, die auf Otto Wunder wirkt. Eine Freude sie zusammen zu sehen. Sie bringt auch einen sehr beliebten Bollerwagen, der bei müden Kindern hilft. Wird sofort zum Zankapfel zwischen beiden. Später ziehe ich Sebbi damit nochmal zu den Pferden. Und ich treffe kurz Magdalena. Wir können das erste Mal richtig nett zusammen sitzen. Otto war teilweise wieder sehr anstrengend und ich hinterfrage meine Faehigkeiten als Vater.
 
Ich denke weiter, was für eine tolle Stadt Rostock ist.
Beide Kinder machen spürbare Fortschritte in Deutsch. Aber selbst Ellie versteht sehr viel und kann sich genügend ausdrücken.

12 April
Der Bollerwagen ist einer großer Hit und stark umkämpft. Morgens geht es mit ihm, Papa und beiden Kindern zu den Pferden und Schafen und dann zum Winkel. Das geht jetzt, denn Otto liebt Oma und will den ganzen Tag mit ihr verbringen. Ellie, ich und Sebbi konnten sogar einkaufen gehen, während Otto zu Hause spielte. Zum ersten Mal haben wir zusammen Mittag gegessen.
Danach gingen wir mit Rieke und Otto zum Spielplatz hinter der Kirche. Sebbi kam nach seinem Mittagschlaf samt Mutti und Oma. Da haben wir mehrere Stunden gespielt. Otto verkauft Sandkuchen und -eis in seinem Laden. Rieke, Sebbi und ich gehen kurz an den Teich beim Storchennest und zum Kirchhof. Wir entdecken einen Geheimgang in einem Busch. Die einfachste Aktivitaeten sind hier auch die besten: es ist gut sehr wenig zu machen. Und das naher Quartier zahlt sich damit inzwischen auch aus.

Später gibt es im Winkel Kuchen und Eis und dann spielen wir im Garten gespielt. Mit Mutti ist alles einfach. Später verbringt sie mit Otto im Bollerwagen lange Zeit auf einem anderen Spielplatz .
Otto war viel entspannter und der Bollerwagen macht vieles einfacher, wenn die Kinder müde werden.
Beide Kinder sind wieder gesund und halten viel länger durch.
Und sie lernen soviel Deutsch. Keines hat irgendwelche Probleme zu kommunizieren. Sebbi stellt sein Kernvokubalur innerhalb weniger Tage auf Ja und Nein und Essen um. Otto kann seiner Mutter übersetzen. Ich bin begeistert. Wir haben alle großen Probleme gelöst und können jetzt richtig entspannen und den Kindern ihre Familie und Deutschland näher bringen.
 
Ottos besonderes Hobby: Unkraut jäten. Gaertnern scheint ihn allgemein wirklich zu interessieren. Gut zu wissen. Bisher hat er relativ wenig echtes, eigenes Interesse an Sachen ohne Bildschirm gezeigt. Aber er braucht weiterhin regelmaessig Schutz durch Kuscheln.
 
Es ist schön, dass wir einfach bei den Grosseltern sein können. Das Quartier ist kein Thema mehr. Wir haben eine Routine gefunden, in der wir 18 Uhr nach Hause gehen und da essen machen. Wenn ich kann, gehe ich mit Sebbi nochmal aufs Feld. Danach gehen wir schlafen. Fuer Ellie ist der Tag damit zu Ende, aber ich schaffe es inzwischen jeden Abend nach unten, um Hausarbeiten zu erledigen. Oder in Ruhe mit meiner Familie zu sprechen, wenn jemand rueber kommt.

13 April
Plötzlich ist das Ende wieder sichtbar. Plötzlich wieder die Trauer und das Bedauern der Vergänglichkeit dieser Zeit. Vier Tage nur noch. Soviel Sachen die wir nicht mehr machen können.
Heute sind wir alle zusammen vormittags in den Anemonenwald von Pölchow gefahren, wo ich selbst als kleines Kind gelaufen war. Die Kinder sind nur halb interessiert, aber nichtsdestotrotz tut es mir gut sie zwischen Buchen und Anemonen zu sehen. Wir machen schöne Bilder mit den Großeltern. Ich bekomme Lust eine Buche zu pflanzen.
Otto aß wieder Mittag mit und lobte es sogar. Die Kinder rennen wie wahnsinnig durch den Garten und Otto gaertnert. Dann gingen wir auf den Spielplatz 
Abends kam Rieke zum Quartier. Konnte man sich endlich mal richtig persönlich unterhalten.
 
Sannis Wimmelbuch ist der Knaller.

14 April 
Wir fahren das erste Mal in die Stadt. Sebbi ist schwer beeindruckt, dass er in einem Lieferwagen faehrt. Die Kinder fahren Karussell auf Ostermarkt und bekommen schöne Bücher. Am liebsten wuerde noch viel mehr kaufen, aber dafuer fehlt im Haus der Platz. Wir assen am Ende im Rostocker Hof. Nachmittags gab es Unkraut zu jäten und dann Spielplatz fuer alle.


15 April
Vormittags scheitert der Versuch, den Kindern deutsche Pässe zu besorgen. Am Ende bin ich nur gezwungen mich selbst abzumelden. Jetzt geht es nur über die Botschaft in London und das ist so schwierig das ich es mir nicht antun werde. Ist vielleicht so beabsichtigt.
Beide Kinder machten es uns schwer. Sebbi hat eine neue Erkältung und Bindehautentzündung und Otto flippt staendig aus. Ellie meint er muss zurück in seinen Alltag. Aber ich denke lieber nicht an die baldige Abreise.
Wir anderen entwickeln auch alle eine Erkältung, inklusive der Großeltern. Nachmittags sind wir im Winkel und Garten. Ich bekam Unterstützung, damit ich mal mit Großeltern reden kann.
Otto und Mutti bauten eine Bude gebaut und mit Rieke übte er Knoten. Ich habe ihn das erste mal ganze Sätze auf deutsch bilden gehört. Und auch Sebi spricht sehr viel deutsch. Zwei Monate hier und sie wuerden fliessend sprechen

16 April 
Wir fahren allesamt nach Warnemünde. Mutti und wir mit Auto, Rieke per S-Bahn und später stoesst Papa dazu, der nochmal fuer einen Tag aus Sassnitz kommt. Es wird ein langer Tag. Die Kinder lieben das Wasser und den Sandstrand. Sebbi huepft und tanzt vor Freude. Aber er ist auch krank und brauchte irgendwann Schlaf, was Ellie irgendwie in einem Park schaffte. Otto insbesondere liebt jetzt Warnemünde. Wir hatten Glück das wir es nicht zu voll war, denn Wetter war fantastisch. Zum Glück hatte Ellie, anders als ich, die Dauer vorhergesehen und Proviant gepackt. Oma hat Otto wieder viel betreut.
Zurück bin ich mit Otto S-Bahn gefahren. Wir waren abends alle erschlagen. Und ich spuere zunehmende Trauer ob des Abschieds.

17 April
Grösstenteils einfache Kinderunterhaltung. Abschieds Stimmung laesst sich nicht mehr ignorieren. Packen. Ble.
Mutti, ich und Sebbi bringen Rieke zum Bahnhof. Anschliessend fahren wir auf meine Bitte noch zu dritt nach Sildemow. Zwischen zwei Häusern auf dem Hügel am Rand fuehrt ein Weg aufs Feld, wo man Rostock im Panorama sieht. Sebbi laeuft durch das gruene Feld; hinten faehrt ein ICE durch die Landschaft.

Vermissen werde ich: Vogelgesang, Pferde und Schafe um die Ecke, die Bäume und das Grün und die Kirche.
 
Ottos Stimmung war auch sichtbar angegriffen. Er wollte im Quartier erstmal gedrückt werden und dann allein Tablet spielen ohne einen Mucks zu sagen. Später guckte er gedankenverloren aus dem Schlafzimmer Fenster auf die Bäume des Friedhofs gegenüber und hörte den Vögel zu. Genauso wie ich es machen würde. Sagte, er würde am liebsten für immer in Rostock bleiben. Der Junge hat meine Emotionen geerbt. Hatte ich auch schon lange vermutet.
Habe mir noch ein Mosaik Heft gekauft der Erinnerung wegen und otto hat tatsächlich zugehört als ich es ihm im Bett vorlas
Der raps wird ganz plötzlich gelb und ich sehe das Ende eines weiteren Frühlings Kommen ohne das ich jemals wirklich raus konnte 

18 April
Der Abschied war traurig, aber Kinderbetreuung laesst einen zum Glueck nicht zu sehr Nachdenken. Die Bahnfahrt lief glatt, und es haette alles so einfach sein koennen. Ich wollte eigentlich einfach ein bisschen nostalgisch den RBB gucken aber... Als erstes war da das Hotel. Zwei Zimmer nebeneinander, sogar mit Verbindungstuer. Leider finden wir dann raus, dass die Fenster sich wie eine Tuer oeffnen lassen, bis zum Boden, ohne jedwede Sicherung. Im vierten Stock. Und der Riegel sogar fuer Sebbi erreichbar. Also ziehen wir sofort in ein anderes Zimmer, auch das mit Verbindung.
Der echte Hammer aber kommt noch. Ich wundere mich, weshalb die App seit dem Nachmittag den Flug nicht mehr anzeigt. Nur um sicher zu gehen, laufe ich zum Flughafen, als die Kinder schlafen. Und dort erwische ich gerade so die Leute, die geraden den BA Schalter zu machen. Und die bestaetigen, dass wir nicht auf der Liste fuer den Flug am naechsten Tag stehen. Die Umbuchung des Hinfluges hat das scheinbar automatisch gemacht. Niemand hat uns das gesagt - vermutlich wusste das Personal es selber nicht. Wir hatten kurz vorher sogar noch Emails bezueglich des Rueckflugs erhalten. Ich in voelliger Panik, um 20 Uhr. Mir wird nur eine Telefonnummer gegeben, die sich als Notfallnummer der BA rausstellt. Zu meiner grossen Ueberraschung schaffe ich es ueber die naechsten drei Stunden tatsaechlich, unsere Tickets wieder zu aktivieren. Wir werden sogar zusammen sitzen, ohne das der ganze Flug unmoeglich waere. Aber dann ist es 23 Uhr, aber an Schlaf ist vor Stress sowieso nicht mehr zu denken.
 
19. April
Ich laufe nach dem Fruehstueck zum Flughafen und bestaetige, dass wir tatsaechlich im System sind. Ich lerne, dass ich mit Kindern viel mehr Zeit fuer alle Wege berechnen muss. Aber ansonsten kommen wir glatt zurueck. Otto ist traurig, aber ich will nur noch nach Hause.
 
Wir hatten so ein Glueck im Unglueck. Haetten wir nicht direkt am Flughafen gewohnt. Waeren wir nicht so misstrauisch gewesen. Waere ich fuenf Minuten spaeter an den Schalter gekommen. Haetten die nicht diese Nummer gekannt. Ich haette wiederum mit zwei kleinen Kindern und einer Frau mit Flugangst ohne Flug und ohne Unterkunft dagestanden.
 
Es bleibt, wie immer, Trauer, dass man soweit weg ist.