Montag, 26. Mai 2014

Das Leben ist eine Bühne

Am 17. Mai sang der Chor sein letztes echtes Konzert in diesem Studienjahr. Gemeinsam mit der Blasorchester und der Big Band der Uni eröffneten wir das Unifest, eine Woche Kulturveranstaltungen der Musik- und Theaterfakultät. Gesungen haben wir dazu Gustav Holsts sehr interessante Vertonung der Vedischen Schriften. Leider war der Chor vermutlich das schwächste Glied im Bund. Die Bässe haben ganze Einsätze verpasst und während ich recht sicher war, konnte ich oft nicht helfen, da ich mal wieder die Aufwärmung vernachlässigt und mir in der Probe die Stimme angeknackst hatte. Das Wetter war jedoch grandios, Ellie und ich fassten die Pause vor dem Konzert am Wasser Essen, während eine Million Menschen plötzlich aus ihren Häusern kamen und die Sonne genossen.

Am Tag darauf kam Kalina mich und Ellie und das Meer für einen Tag besuchen. Die Sonne legte es nahe, vom Bahnhof direkt ans Meer zu gehen, und im seit kurzen blühenden Rosengarten zu frühstücken. Die Mädchen haben sogar die Füße ins Wasser gesteckt, so schön war es. Auch haben wir mal die schwanförmigen Tretboote auf dem nahen Teich ausprobiert. Am frühen Nachmittag aber schon ließ ich Kalina für den Rest des Tages in Ellies Obhut. Denn ich hatte eine weitere Probe - die vor dem dritten und wichtigsten Tangoauftritt, dem großen Heimspiel in Portsmouth. Das war die erste Probe, auf der ich mich gelangweilt habe. Die meiste Zeit bin ich in der Rolle des Barmanns und das ist nur mit Publikum wirklich interessant. Der eigentliche Auftritt war für mich etwas hektisch, weil ich einen Tanz mehr als gewöhnlich hatte. Dafür hatten wir die größte Bühne der Tour, im Kings Theatre, wo seinerzeit auch die erste Bühnenprobe stattgefunden hatte. Daher hatten wir auch das größte Publikum, und das freundlichste. Viele Freunde, Verwandte und andere Kursteilnehmer, die mit Applaus nicht sparten. Unter anderen war auch meine Gesangslehrerin (und die meines Tangolehreres) vor Ort. Die hatte auf früheren Touren die Gesangseinlagen übernommen und meinte, es wird mit jedem Jahr professioneller. Da es Sonntag war, konnten wir im Anschluss leider nicht feiern. Ich spürte die Stunden auf der Bühne am nächsten Tag trotzdem ordentlich in den Knochen.


Das folgende Wochenende war für alle lang, und für mich noch länger, denn der öffentliche Dienst hat noch den Geburtstag der Königin frei. Ellie hatte einige gute Ideen. Samstag sahen wir zum Beispiel den Moskauer Staatszirkus (oder die schlechtere Hälfte davon, wie ein Freund meinte, der selbigen zur gleichen Zeit in Moskau sah), was für mich eine interessante Erfahrung war, da ich mich seit meinem zehnten Lebensjahr für zu alt für Zirkus gehalten hatte. Dementsprechend war mir aufgefallen, dass hier drüben einige Leute in meinem Alter hingehen waren. In der Tat war es einen Blick wert, allein schon der Uniformen der Ordnerinnen wegen. In vielerlei Hinsicht kann ich Akrobatik auch besser schätzen, als früher. Und die Höhenkünstler machen mir viel mehr Angst. Vor allem aber fiel mir sofort auf, wie sehr die mit Musik synchronisierten Nummern unseren Choreographien gleichen. Dadurch nahm ich alles noch aus einem ganz anderen Blinkwinkel wahr. Abgesehen davon wurde als erstes und letztes Djingis Khans alter Hit „Moskau“ gespielt, auf deutsch – ich war mit Sicherheit der einzige im Publikum, der den Bezug verstanden hat.

Am Tag darauf machten wir endlich mal wieder einen richtigen Ausflug. Ellie wollte sich ein Freilichtmuseum in Clanfield, bei Petersfield in Richtung London, ansehen. Dabei handelte es sich um den Nachbau eines britischen Dorfs aus der Bronze- oder Eisenzeit, die bis zur Ankunft der Römer im Jahr 43 dauerte. Das war zwar fiktiv, aber jedes Gebäude war einem typischen Haus aus verschiedenen Ausgrabungen nachgebaut. Darum stand nebenan auch eine römische Villa. Mir hat außerdem der Ausflug aufs grüne und blühende Land gefallen, der uns auch ordentliches Laufen und Sonnenbrand einbrachte.

Am anschließenden freien Montag war ich auf mich gestellt und stattete bei strömendem Regen endlich einmal dem D-Day Museum einen Besuch ab. Obwohl ich den ganzen Nachmittag Zeit hatte, stellte sich das als zu umfangreich heraus und ich kann es leider nicht als fertig abhaken. Erfahren habe ich etwas über die Rolle Portsmouths bei der eigentlichen Invasion. Die Strände waren abgesperrt, dort wurden die künstlichen Häfen gebaut, auf der Nebeninsel wurden Landungen geprobt, in der Meerenge war ein Teil der Flotte geparkt, und im Hafen wurden die Verwundeten ausgeladen. Insbesondere waren (wie häufig) Veteranen vor Ort, denen ich lange zuhörte. Einer war mit 19 Jahren in der zweiten Welle und verlor später ein Auge.

'Per Anhalter durch die Galaxis' hatte sich wie geschrieben als überraschend kurz rausgestellt. Dann erfuhr ich aber, dass es auch nur Band 1 von 6 ist. Jetzt habe ich Nummer 2 beendet, dem 'Restaurant am Ende des Universums' und suche in Bibliotheken nach Band 3. Daneben hat mir Friedemann seine Einführung in die deutsche Geschichte des Mittelalters herübergeschickt. Desweiteren habe ich mich im Teeladen meines Vertrauens zu einem Fernkurs über Tee angemeldet. Bereits jetzt weiß ich alles über Teebeutel und Kannenvorwärmung.

Und schließlich: in der letzten Maiwoche war ich erfolgreich anbaden!


PS:
Für Leute mit guter Internetverbindung: jemand hat doch tatsächlich Aufnahmen unseres Konzerts von Mozart und Salieri vom November veröffentlicht. Mit dem Handy, darum ist die Qualität nicht perfekt. Laut Ellie lässt sich meine Stimme raushören. Für Leute ohne starkes Internet: ich schicke es per CD.






Unser lokalen Theater bewirbt unsere Tangoshow.
Hinter der Bühne, kurz vor Ende der Pause.
Gegen 22 Uhr am Strand.
 
Der Rosengarten blüht.

Das Einkaufszentrum am Hafen, an einem sonnigen Samstag.

Portsmouth kommt an die frische Luft.

Ellie und ich gehen in der Pause vor dem Konzert etwas essen.

Am Tag darauf. Ellies Füße im Meer

Kalinas Füße im Meer
Meine Füße zieht es Richtung Meer...die Woche darauf sind sie angekommen.
Ich bin sehr englisch, und auch sehr polnisch, denn die Blumen links wurden an die Mädchen verteilt.
Ellie spielt mit dem Haushund und lokalen Lieblingstier, dem Tee-Spaniel Bertie.

Ein Nachtrag vom April: Kalina und ich kühlen uns vor der Tür der großen Salsaparty im Hafen ab.
Ein aktueller Schnappschuss aus meinem Zimmer.
Die große Halle des Freiluftmuseums in Clanfield.

Die Hauptsiedlung des Freiluftmuseums in Clanfield.

The green and pleasant English hills.
Die römische Villa nebenan. Irgendwelche Briten zu sehen?

Sonntag, 11. Mai 2014

Echte Männer schminken selbst

Das erste Maiwochenende war lang, da die Feiertage in England ja immer auf einen passenden Montag oder Freitag verschoben werden. Der 1. Mai wurde daher am 5. Mai nachgefeiert. Das damit lange Wochenende enthielt nur eine Tangoprobe, und damit das erste Mal in diesem Jahr, dass ich zwei zusammenhängende freie Tage hatte. Ausnahmsweise hatte ich daher auch kein Problem damit, es einfach mal zu verfaullenzen, zumal mir gerade ein Virus zusetzte. Gemacht haben wir wenigstens eine Sachertorte (nachdem verschiedene Leute in unserer Umgebung sich als ehemalige Bewohner Wiens rausgestellt hatten). Das ist aber nur ein normaler Schokoladenkuchen geworden. Erfolgreicher war dafür ein Spieleabend bei Freunden von Ellie, bei dem sich erwies, dass ich mich per Zeichenstift schlechter ausdrücken kann als in einer Fremdsprache...und Ellie schlechter als in ihrer eigenen Sprache. Am Vortag hatten wir andere ihrer Freunde besucht, namentlich in Titchfield, also meinem Arbeitsort. Da wurde ein erstes Grillen im Garte versucht, das war aber noch ziemlich kühl. Mir hat es trotzdem gefallen, denn es waren 4 Meerschweinchen zugegen.

Anfang Mai ist einer meiner Mitbewohner nach Studienabschluss ausgezogen. Das war der Künstler, über den ich eine gespaltene Meinung hatte, größtenteils wegen der Sauberkeit und dem allgemeinen Mitdenken. Vielleicht sind es meine Vorurteile, aber die Küche sah auf einmal viel sauberer aus, als ich nach dem langen Maiwochenende Montag nacht nach Hause kam.

Aus Ellies Bücherregal habe ich 'Per Anhalter durch die Galaxis' begonnen. Dieses Langzeitvorhaben wurde immer verschoben, weil ich es für zeitaufwendig hielt, aber wie sich herausstellt, ist es ein recht dünnes Buch. Ellie meint, neben Monthy Python ist es alles, was man über England wissen muss. Ich denke da hat sie recht. Dann habe ich auf Ellies Initiative hin zum ersten Mal seit Guildo Horn den Eurovision geguckt. Dabei habe ich gemerkt, dass mich noch einiges mit Polen verbindet.

Am 9. Mai habe ich meine frisch geschnittenen Haare bei unserem zweiten Tangoauftritt in einen Eimer Gel tunken müssen. Sonst reflektiert Blond wohl die Scheinwerfer zu sehr. Das war nebenbei gesagt der erste Friseurbesuch seit Weihnachten, und der allererste in der Stadt Portsmouth. Die allgemeine und ungefragte Zustimmung deutet mir an, dass es wohl etwas zu lang gewesen war. Tango jedenfalls war in Guildford, einer Stadt auf halbem Weg nach London. Hier habe ich gelernt, mir die Augen selbst zu schminken...natürlich ebenfalls rein aus Beleuchtungsgründen. Der Auftritt lief durch die Erfahrung noch etwas besser als der erste, und nächste Woche kommt dann der wirklich wichtige, der in Portsmouth. In dem Zusammenhang habe ich, scheint's, einige Dinge nicht ganz erklärt. Alle Auftritte finden in Theatern statt, weil dort genug Platz ist. Wir sind aber bis auf unseren Lehrer alles Amateure - einfach die Teilnehmer an seinen wöchentlichen Stunden in Portsmouth und Guildford. Insgesamt sind wir ca. 40 Mann. Das Programm besteht aus ca. 30 Choreographien, jede ca. 3 Minuten lang, eben getanzt zu einem gewöhnlichen Stück Tangomusik. Es ist aber nicht einfach eine Abfolge von Tänzen, sondern ein zweistündiges Programm mit Konzept. Die Choreographien stellen verschieden Stile und Hintergründe des Tango vor, es gibt Solos, Einzelpaare, Synchrontanzen, einen Schattenschnitt. Das wird zusammengehalten von regelmäßigem Narrativ, z.B. zur Herkunft des Tango, oder seiner politischen Bedeutung während der argentinischen Junta. Zu letzterem gibt es eine besonders bewegende Choreographie, die ich selbst erst beim ersten Auftritt kennen gelernt habe. Dazu kommen einige gespielte Szenen (mit mir!) und regelmäßig kommt eine Sängerin auf die Bühne. Das Tanzen auf der Bühne ist eingefasst in Kulissen, die ein Café in Buenos Aires darstellt. Mein Café! Ich bin nur in drei Tänzen und den Spielszenen vertreten, aber trotzdem fast durchgehend auf der Bühne und führe die Bar. Dazu habe ich mir Requisiten wie Weinflaschen, Gläser, Schürze, Handtuch und Besen angeschafft. Die Gläser werden auch gefüllt (mit Wasser oder rotem Sirup) und von meinen Kellnerinnen an die Tische verteilt, an denen andere Statisten sitzen, wenn sie gerade nicht tanzen.
Im Übrigen wird mir jetzt klar, dass unser Lehrer ein richtiger Profi ist. Ich wusste, dass er in Brasilien Tanz studiert hat, aber hinter dem Programm steht ein echtes künstlerisches Konzept, und wenn ich ihn tanzen sehe, sieht man da mehrere Welten Unterschied. Theater kann er auch - wenn ich ihn in einer Szene aus meiner Bar scheuche, guckt er so ängstlich, dass ich beim ersten Auftritt dachte, etwas falsch gemacht zu haben.


Englischer Frühling: Tee draußen weil Sonne, mit Jacke weil trotzdem kalt.

Gut geschminkt ist halb gewonnen.

Sonntag, 4. Mai 2014

Vorhang auf

Am 26. April war der erste von insgesamt fünf Tangoauftritten. Das fand in einem kleinen Theater im ebenfalls kleinen Küstenort Bognor Regis etwa 30 Minuten östlich von hier statt. Wir waren alle nervös, weil jeder wusste, dass natürlich noch einige Schnitzer in den Choreographien waren. Die Generalprobe auf der Bühne hatte dann auch ihre Probleme. Der eigentliche Auftritt überraschte dafür jeden, weil alles klappte. 
Für mich war es das erste Mal, hinter der Bühne eines Theaters unterwegs zu sein (mit dem Chor steht man am Stück auf der Bühne). Mir kam unversehens ein kleines Theaterstück in den Sinn, das ich vor mehreren Wochen mit Mathieu gesehen hatte. Dort hatte ein Mädchen von der Magie hinter der Bühne eines Auftritts erzählt. Eine Art Zauber überkam auch mich, als wir Makeup auftrugen, zwischen Kostümen wechselten, in unseren Garderoben auf unseren Aufruf warteten, von hinten in die Seitenbühnen schlichen und dort schließlich auf den richtigen Moment warteten, auf die Bühne zu treten. Beim Anblick der besseren Tänzer in ihren Solos überkam mich Reue, nicht viel mehr getan zu haben, viel mehr Tänze mitzumachen (ich habe nur zwei oder drei), auch wenn ich genau wusste, dass das nicht möglich gewesen wäre. Zum Ausgleich hatte ich einige darstellende Szenen, die mir immensen Spaß machen. Meine Hauptbeschäftigung war aber die Hintergrundrolle des Barmanns, als Teil der Kulisse eine Cafes in Buones Aires. Andere sind nervös vor Publikum, ich dagegen genieße jede Minute, die ich spielen kann. Fotos kann ich aus Urheberrechtsgründen nicht machen, aber nach Programmabschluss verschicke ich Videos.
Im Anschluss erwartete mich noch eine interessante Erfahrung, als ich im Pub mit einigen der älteren Frauen der Truppe (und später unserem Lehrer) eine richtig flotte Sohle auf das Parkett legte. Das war mal was für die verklemmten, besoffenen, üblichen Verdächtigen des britischen Wochenendes.
Jetzt also sehe ich fast mit Bedauern auf das kommende Ende der Proben. Ich fühle in mir und sehe auch an anderen, wie die gewonnene Kontrolle die Freude an der Bewegung vergrößert.

Desweiteren haben Ellie und ich nach fast einem Jahr der Filmgesellschaft einen Besuch abgestattet, um einen großartigen Film zu sehen, in dem sich Al Pacino auf die Rolle von Shakespeares Richard III vorbereitet. Die Gesellschaft ist jetzt halb mit der Uni verwandt, hat Zugriff auf das Auditorium Maximum des neuen Hauptgebäudes der Kreativfakultät (deren offizielle Einweihung in einigen Wochen der letzte Auftritt des Chors in diesem Semester sein wird) und der Film erhielt eine nicht sehr spannende Einführung von jemandem aus der Anglistik. Richtige Schauspieler dagegen sind mitreißend zu sehen und einmal mehr dachte ich mir, hätten wir hier nur ein richtiges Theater.

An meiner neuen Arbeit hatte ich die erste Woche tatsächlich komplett zum Einlesen frei. Die zweite Woche auch, denn meine Managerin war auf Urlaub. Bisher war es also wie eine bezahltes Festigungsstudium: der Arbeitsinhalt bringt mich fast wortgenau an die Uni zurück, man benutzt mathematische Modelle, Statistikjargon, liest Fachpresses und sagt Sachen wie "Scheinvariable" und "R-Quadrat Maß". Wer hätte gedacht, dass es eine Arbeit gibt, wo der Unikram mal relevant ist. Auch Fachprogramme lerne ich wie gewollt. In gewisser Weise tröstet mich das auch darüber hinweg, dass ich schon lange nicht mehr soviel lesen kann, wie in der Zeit als ich noch Single war.

Nachtrag: mit Papa im stadtbesten Cafe und Teegeschäft. Hierher kommen Ellie und ich jeden Donnerstag nach der Arbeit.

Mittwoch, 23. April 2014

Ostern im Moor

Ostern
Zu seinem Geburtstag kam mich Papa eine Woche besuchen. Am Osterwochenende fuhren wir mit Ellie ins Dartmoor, einem Nationalpark westlich von Exeter. Genau gesagt fuhr ich, zum ersten Mal in England, einen Mietwagen auf den überfüllten Autobahnen, denn jeder wollte aufs Land.  Mir hat es wie immer gut getan, in der Natur zu sein, Raum und Ruhe zu haben. Schön ist die Region allemal, sehr ländlich, überall Felder in sattem Grün und Gelb, getrennt von Feldern, dazwischen sehr enge Straßen. Es gibt aber auch Heidefelder, Wälder, Flüsse und kleinere Berge. Den ersten, sonnigen Tag sind wir im Moor gewandert. Durch Wald, über Heidefelder, an Flüssen und Picknickern und Steinzeithütten vorbei.
Den verregneten Ostersonntag haben wir in Exeter verbracht. Das besteht vor allem aus der Kathedrale, wo wir zufällig eine Kollegin und Freundin Ellies trafen. Danach rettete uns das großartige Kunst- und Geschichtsmuseum vor den leeren, nassen Straßen.
Unsere Unterkunft ist Erwähnung wert: in einem konvertierten Bierlager hatten Ellie und ich das oberste Zimmer mit Blicken auf die Felder und einem Himmelbett. Mit der Wirtin haben wir uns prächtig verstanden, sie hat uns am letzten Abend bekocht und ab und zu beim Trivial Pursuit-Spiel mitgemischt. Das war nicht zuletzt Ellie zu verdanken, denn während der Reisevorbereitung hatte sich rausgestellt, dass sie Pensionen aussuchen kann. Ich kann nur Hostels. Bei allem anderen verzweifle ich zwischen all den Angeboten und Rezensionen wie Ellie zwischen Sofabauteilen.
Das Eiersuchen im Garten wurde vom Sonntagswetter verhindert, dafür versteckte ich für Ellie am Montag etwas aus Muttis Osterpaket im Frühstücksraum. Auf dem Rückweg hielten wir nochmal an der fossilienreichen Jurassic Küste von Dorset, wo uns aber die Aussicht von den hohen Klippen auf die sonnenbeschienene Küste und Segeljachten in kleinen Buchten genügte. Außerdem besichtigten wir eine dieser (vermutlich) prähistorischen Hügelzeichnungen in einem Dorf und fuhren durch den New Forest. Den hatte Ellie nämlich zu meiner Überraschung noch nicht gesehen. Das wird sich im Sommer wohl ändern.

Neue Arbeit
Nach Ostern begann ich meine neue Arbeit. Einfach ausgedrückt arbeite ich daran, wie man Emigration besser messen kann. Da die Leute sich beim Wegziehen ja nicht abmelden, muss man verschiedene vorhandene Hilfsindikatoren nutzen, um einen Vermutungswert zu erhalten. Wie genau diese Indikatoren interagieren, wissen wir nicht und es ändert sich auch mit der allgemein fluktuierenden Migrationssituation. Darum arbeitet mein Team daran, wie die derzeitige Methode verbessert werden kann. Daran gibt es einige positive Dinge. Zum ersten, dass ich das ganze überhaupt verstehe - eine willkommener Unterschied zum Arbeitsbeginn in der Volkszählung. Zum zweiten habe ich ja an der Uni ein bisschen an Migration gearbeitet und auch an rudimentären Modellen. Das mein Studium jetzt tatsächlich was mit meiner Arbeit zu tun hat, nehme ich als seltenes Glück wahr. Dazu werde ich wohl in Fachliteratur lesen dürfen/müssen und an statistischen Computerprogrammen arbeiten, was ich explizit lernen wollte. Man gibt mir die erste Woche zum Einlesen und mein Vorgänger ist auch noch da und sehr bereit, mich auszubilden. Ich bin in einem anderen Bereich des Büros, aber aus meiner alten Abteilung kommen bald zwei Leute rüber und einige Kollegen kannte ich bereits. Als erstes bin ich aber krank geworden und habe einen wunderbaren freien Tag zu Hause verbracht, mit morgendlichem Spaziergang am Meer wie in den alten Zeiten.

Anderes
Meine eigentliche Hauptarbeit ist natürlich weiterhin Tango. Mitte April hatten wir eine erste, desaströse Bühnenprobe im Kings Theater, wo ich seinerzeit die Carmina Burana gesungen hatte. Alles lief durcheinander, ich machte grobe Fehler im Tanz und die Organisation drumherum erinnerte an einen Haufen panischer Hühner. Erst am Tag darauf Stolz halbwegs verarztet, als ich abends zwei Stunden Extraproben einlegte. Auf eine Art und Weise werde ich die intensiven Proben vermissen - abends nach der Arbeit noch zwei Stunden übers Parkett zu schwingen ist anstrengend, aber ich gewinne auch mehr Bewegungskontrolle und Freude an der Bewegung. Und nicht zuletzt das Gefühl von Fortschritt und Sinn.
Der Chor pausiert weiterhin und wenn ich ehrlich bin, hat das auch sein Gutes. Die Extrazeit macht sich im Alltag bemerkbar und ich komme wieder dazu, Sachen zu erledigen. Zum Beispiel habe ich jetzt richtige Tanzschuhe für die Tangoauftritte. Dann habe ich meine erste eigene Reparatur am offenen Computer durchgeführt. Die Hilfe eines Kollegen hat mir viel da viel Geld gespart. Mein Fahrrad muckte auch herum, wurde aber mithilfe des Radvereins repariert und befindet sich jetzt im wohl besten Zustand seit dem Neukauf. Gelernt habe ich dabei auch wieder was. Das sind die Dividenden, langfristig an einem Ort zu wohnen und die richtigen Leute gefunden zu haben.

Mathieu kam nach langer Dienstreise zurück, um eine Woche darauf gleich wieder auf Besuch zu seinem Bruder auf Martinique wegzufliegen. Wir haben es aber noch geschafft, nach langer Zeit ein Pubquiz zu besuchen und zu Papas Geburtstag im französischen Restaurant kam er auch.

Und schließlich: der Sommer hat seinen Willen gezeigt! Anfang April konnte man zum ersten mal dieses Jahr wieder abends am Strand liegen, oder am Wochenende die freie Zeit neben den Tangoproben.


Der Rosengarten blüht noch nicht, aber die Tulpen.
Portsmouth 2014
Rostock 2012
Man verbringt die Abende wieder am Meer.
Probe im normalen Tangosaal.
Die erste Bühnenprobe im Kings Theater. Zwei Paare auf der Bühne, im Hintergrund warten andere auf den Auftritt. Die Flaschen auf dem Tisch rechts sind meine Requisiten für meine Rolle als Barmann.

In der Umkleide. Guter Dinge vor der Probe.
Wanderung im Dartmoor.
Diesen Weg kamen wir. Auf den Feldern hinten liegen Überreste von steinzeitlichen Hüttenkreisen. Noch weiter hinten: viel Raum und wenig Lärm.
Heide, Wald, Felsen, Weite.




Alle machen Fotos.

Dienstag, 8. April 2014

Auf der ersten Probe nach dem Konzert stellte ich mit Schrecken fest, dass wir erstmal einen Monat Pause machen. Dann folgt das letzte Gesangsprogramm fuer dieses akademische Jahr. Es kommt nur ein kleines Konzert im Mai, bevor ein Teil des Chors auf Tour nach Krakau faehrt. Wie im letzten Jahr ist es eine Sammlung kleinerer Stuecke, darunter drei Hymne aus Gustav Holsts Rig Veda, die mir ob ihrer martialischen Exzentrik sehr gefallen. Im Anschluss kam das halbjährliche Amateurkonzert der Musikfakultaet. Diesmal war es sehr kurz, dafür hat unser Dirigent kurzerhand selbst Klavier gespielt, was allemal besser ist als Studenten.
Etwas Theater gab es auch. Zur Umstellung auf Sommerzeit wurden in der ganzen Stadt Veranstaltungen organisiert. Ich sah mir mit Ellie ein Stueck ueber Angst an, bei dem wir in kleinen Gruppen durch den verwuesteten dritten Stock der oeffentlichen Bibliothek gefuehrt wurden. Das war fuer Studententheater ziemlich gut - vor allem, wenn sonst in Portsmouth ohnehin kein Theater stattfindet.
Am 4. April bin ich wieder auf die große, halbjährliche Salsaparty im großen Spinnaker-Turm im Hafen gegangen. Diesmal ist dafür auch Kalina in einem wundervollen neuen Kleid aus Southampton gekommen. Mir blieben am Ende kaum noch Beine zum Laufen. Kalina blieb eine Nacht und lernte vor ihrer Abreise am nächsten Tag noch Ellie und unser Lieblingscafe mit Lieblingsteehund kennen. Am Abend sah ich mit Ellie die Bücherdiebin, die mir nach nicht allzu hohen Erwartungen sehr gefallen hat. Das wurde im Kino Nummer 6 gezeigt, der alternativen Lichtspielhaus der Haus, neben der Filmgesellschaft, die ich im letzten Jahr regelmäßig besucht hatte. Mathieu geht doch regelmäßig hin, ich hatte es bisher nicht geschafft.
Der erste Tangoauftritt ist am 26. April und die Nähe macht sich bemerkbar: die Proben dominieren jedes Wochenende. Am 6. April hatten wir die erste Technikprobe, die dauerte fünf Stunden. Zwei meiner vier Choreographien wurden wieder gestrichen, dafür habe ich einige kurze schauspielerische Auftritte, die mir großen Spaß machen. Trotzdem warten alle nur darauf, wieder Wochenenden zur eigenen Verfügung zu haben.
Das Meer hat sich auch mal wieder in Erinnerung gerufen, als eine gerade in die Region gezogene neue, spanische Kollegin an einem schoenen Tag zum ersten Mal Portsmouth besuchte und Ellie und ich ihr die besseren Stellen der Promenade zeigten.
Und neben dem ganzen Spass kann ich jetzt mitteilen, dass meine neue Arbeitsstelle das Bevoelkerungsforschungteam sein wird. Was genau ich da mache, stellt sich erst spaeter heraus. Arbeitsbeginn soll der 14. April sein, aber ich zweifle, dass ich bis dahin aus meinem Team rauskomme, es gibt noch zu viel zu tun.


Mit der Spanierin besuchten wir auch den japanischen Garten.

Montag, 24. März 2014

Laudate Cecilie Alme Matri Chori

Das beste Wetter des März war dem Wochenende vorbehalten, an dem Ellie in ihre neue Wohnung umzog. Ich starb innerlich, als ich mit ihrer Mutter neben deren Lieferwagen stand, das Himmelsblau sah und nicht rausfahren konnte. Zumindest war der Umzug unkompliziert, jedenfalls aus meiner Sicht, während die sicherheitsbedürftige Ellie Wochen vorher zittrig wurde, ihr kleines Nest aufzulösen. Jetzt wohnt sie um die Ecke als Untermieterin bei Freunden (und Tanzlehrern) und hat sich problemlos in ihren neuen Räumen eingefunden. Oft zweifle ich an meinem herumtreibenden Leben, aber das stellte ich in letzter Zeit wiederholt fest, es hat mir wohl mehr Gelassenheit angewöhnt, als mir ewigem Zauderer von Natur gegeben war.

Dann fiel die Temperatur merklich und die Jacke kam wieder aus dem Schrank. Trotzdem habe ich endlich einen Frühlingsausflug gemacht. Das hatte mir Landkind physisch unter den Nägeln gebrannt, seit die Sonne rauskam und ich auf dem Radweg jeden Morgen grüne Felder und blauen Himmel sah. Bisher ging das aufgrund all der Proben an Wochenendnachmittag nicht, während Mathieu bereits fröhlich auf der Isle of Wight radelte. Schließlich legte ich den Tag nach dem Konzert fest, bevor Mathieu für drei Wochen auf Dienstreisen ging. Gewählt wurde der Neuwald westlich von Southampton, wo Mathieu und ich schon im letzten Mai zelten gewesen waren. Wechselhafte Wettervorhersagen hielten Ellie von der Teilnahme ab, aber ich musste unbedingt einmal raus aus der Stadt.

Der Optimismus zahlte sich wieder aus. Zwar herrschte Aprilwetter mit buchstäblich Hagel und Sonnenschein innerhalb von fünf Minuten. Aber das störte mich genausowenig wie die weiterhin stellenweise überfluteten Wiesen, als wir an einem Bach entlangliefen. Zu sehr gefielen mir die Stille und das Grün, ganz zu schweigen von den Pferden, die in Wiese und Wald wieherten. Besonders schön war für mich ein spontanes Picknick auf einem großen Baumstamm, den wohl ebenfalls die Stürme umgeworfen hatten. Etwas kühl bei Wolken, aber eine ganz tolle Erfahrung für mich. Einmal stand ich oben auf der hölzern Wurzel und sang Schuberts Wanderlieder in den Wald. Anschließend wärmten wir uns in in einem Herrenhaus mit Tee und Büchern vor dem Panoramafenster auf. Nach einem zweiten Spaziergang durch den Wald fuhren wir bei Sonnenuntergang nach Hause.

Kultur gab es wieder genug. Ellie hat mir ihre Abschlussarbeit zum Lesen gegeben ("warum verbinden wir Filmkomödien mit bestimmter Musikuntermalung") und eine neue Kollegin einen interessanten Artikel aus der Ökonomie (man ist eben doch immer noch gern Freizeitakademiker) und ausserdem habe ich mit Schloss Gripsholm endlich den Tucholsky Sammelband aus Rostock ausgelesen. Ein Konzert des Uniblasmusikorchesters haben den Snob in mir gekitzelt, der sich anstrengen musste, Film- und Populärmusik zu akzeptieren. Vorgeschlagen hatte das Ellie, es schlossen sich Mathieu, Theresa und Laia an.

Höhepunkt war selbstverständlich das Chorkonzert mit Werken der zeitgenössischen Komponistin Cecilia McDowall eine Woche später. Sie soll wohl auch der Universität eine Hymne schreiben. Die Stücke hatten mir anfangs gleich gefallen, dann verlor ich etwas den Antrieb (nachdem ich die Musik gehört hatte, die mich stellenweise an Hollywood erinnert), zum Konzert kam er wieder zurück. Aber wie mit Poulenc vor einem Jahr hatte die moderne Komposition ihren Reiz, denn man muss mehr Acht geben als bei harmonischen Barockmelodien. Aufgrund der Akustik hörte ich im Konzert praktisch keinen der anderen Bässe und fast nur die Soprane. Speziell stand Ellie direkt hinter mir und wohlgleich mir ihr Können bekannt war, hörte ich hier mal ganz deutlich, wie gut sie wirklich ist. Insbesondere singt sie präzise und dient mir als Metronom, wenn ich die erfahrenen Bässe nicht höre. Und das macht sie alles aus dem Gedächtnis, ich muss dafür lange üben.
Als besondere Zugabe stand Cecilia im Konzert höchstselbst Rede und Antwort. Besonders interessant war dabei, dass sie Musik erst mit Ende 40 anfing und sehr schnell so scheint es zu den Größen der modernen Klassik aufstieg. Während ich bei ihrem ersten Besuch bei einer Probe nicht sicher war, was sie nun von uns denkt, waren wir jetzt alle beeindruckt, wie nett sie ist. Ich habe mir gleich ein Foto mit ihr machen lassen, und sie bat, es ihr doch auch zu schicken.
Leider haben wir auch erfahren, dass unser Dirigent den Chor nach gut elf Jahren abgeben will. Verstehen kann ich ihn, es ist für die meisten Sänger eben nicht mehr als das Mittwochsabendhobby. Aber fehlen wird er uns sehr, denn wer ihn gesehen hat weiß, das seine Art dem Chor einen besonderen Charakter gibt.


Cecilia McDowall nach dem Konzert.

Es hagelt im Neuwald...
...und fünf Minuten später sieht es so aus.
Unser Mittagstisch.
Mathieu hat eine Paprika aufs Messer gespießt (kein Glas).


Sonne und Wald...
Die Pferde laufen weiterhin frei durch den Neuwald.

Montag, 10. März 2014

Die Hyazinthen aus dem letzten Jahr blühen ganz unerwartet aus ihrer im Garten ganz vergessenen Keksdose. Bald nach dem letzten Bericht verschwanden Sturm und Regen und inzwischen herrscht regelmäßig geradezu Frühling. Soviel, dass ich für Radfahrten bereits Jacke mit Pullover vertauscht habe und viele Ideen für Frühlingsausflüge bekomme. Desweiteren ist die Seepromenade wieder im Sommermodus. Spaziergänge machen wieder Sinn, und an einem Samstagmittag saß ich mit Mathieu und Ellie draußen in einem Cafe am Meer. Später lagen wir direkt auf dem Strand in der Sonne und ich sah hinter dem Frühling direkt den Sommer auf uns zukommen. Schon gibt es die ersten Abende, an denen ich zwischen Büchern und Strand zerrieben werde.

Auch Kultur gab es zuletzt genug. Zum einen habe ich Kasias Weihnachtsgeschenk ausgelesen, Pierre Magnans Buch 'Unschuld'. Daneben bewege ich mich sehr langsam durch Tucholskys Gripsholm, weil ich durch Tango und Chor kaum zum Lesen komme. Mit Mathieu, Ellie und weiteren Bekannten habe ich die Uniproduktion der Operette "Der Mikado" von Gilbert & Sullivan gesehen. Ursprünglich, weil Theresa darin auftragt, hat es auch mir sehr gefallen, der ich Musiktheater sonst nicht ganz ernst nehmen kann. Mitgespielt hätte ich nichtgestoweniger liebend gern, nur hätte ich nie die Zeit gehabt. Anfang März sahen wir drei dann 'Carmen' in der Produktion des Russischen Staatsballetts und -openhauses. Das war eindeutig besser als die Vorstellung vor einem Jahr und besonders das Orchester hätten Ellie und ich am liebsten gleich dabehalten. Denn unser eigenes Konzert nähert sich schnell und unsere Musiker sind eben auch Amateure wie wir. Nachstehend ist unser gerade veröffentlichtes Plakat zu sehen. Am 5. März besuchte die Komponistin Cecilia McDowall selbst die Probe und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie es nun tolerabel fand oder nicht. Das ist das Problem in einer höflichen Gesellschaft, man weiß ja nie, woran man ist.
Ganz ähnlich meine Gesangslehrerin. Hat mir eine liegengelassene Edition von Schuberts Schöner Müllerin erhalten. Ob nun als Fortschritt oder weil ich die italienischen Übungsliedern nicht auf die Reihe bekomme.... Textlich finde ich die Romantiker schrecklich, aber es ist schön, in der eigenen Sprache eingängige Melodien zu singen. Leider hat sie mir bei der Gelegenheit auch gleich die Winterreise gezeigt, deren Lied vom Leiermann mir seitdem nicht von der Tränendrüse geht.
Schließlich wird Tango zu einer echten zeitlichen Belastung. Fast jedes Wochenende haben wir Probe, manchmal beide Tage. Langsam wird mir das zuviel, weil man so nie aus der Stadt kommt um den Frühling zu genießen.

Gut gelaunt bin ich hilfsbereit. Für eine deutsche Doktorantin habe ich nach längerer Zeit mal wieder an einem Experiment teilgenommen. Dabei habe ich an anonymen Gruppen kontroverse Themen besprochen und sie untersucht dann wohl das Interaktionsverhalten.
Ellie dagegen habe ich beim Umziehen geholfen. Sie ist die Straße runter als Untermieterin zu Freunden gezogen und konnte sich partout nicht vorstellen, dass Umziehen einfach sein kann.

Auf der Arbeit ändert sich einiges. Zum einen sehe ich mich in Sachen Arbeitsanfahrt plötzlich ganz an den Anfang versetzt und muss jetzt gewöhnlich Zug und Rad fahren. Mein letzter Fahrer hat jetzt aufgehört, und unter den 800 Leuten im Büro findet sich scheinbar niemand, der aus Portsmouth anfährt. Obwohl es von Bahnhof zum Büro nur 20 Minuten Rad sind, bin ich letztens abends oft müde und sehe mit Sorge auf die Zeit- und Kraftgrundlage, die mir bisher ein interessantes Leben nach der Arbeit ermöglicht hat.
Zum einen bin ich fast zwei Jahre in der Volkszählung, darum muss mich jetzt laut Amtsvorschrift zur Versetzung in eine neue Abteilung bewerben. Glatt gegen meinen Willen, wo ich mich endlich kompetent genug fühle und richtig produktiv sein kann. Ich arbeite sogar neue Leute ein, ausgerechnet ich! Und das nur ein paar Monate vor Abschluss des Projekts. Wohin es geht ist noch nicht klar, aber die halbe Abteilung migriert, und neue Leute sollen kurz vor der Zielgeraden unsere Aufgaben übernehmen.
Die "Diversitätsgruppe", die mich ja schon auf Vortragsreise geschickt hat, ging es letztens einen Tag nach Southampton zur Wohltätigkeit. Wohlpubliziertes Sozialengagement von Firmen ist hier Tradition. Wir halfen in einem Tageszentrum für Obdachlose. Ich habe Kleiderspenden geordnet und die Kleiderkammer auf Vordermann gebracht. Davon abgesehen gab es nicht wirklich genug zu tun und im Ganzen war das ein netter freier Tag. Kalina habe ich nicht sehen können, ihr dafür Blumen hinterlassen.

Rubrik Englische Unzulänglichkeiten: kein Pudding. Englischer Pudding ist irgendwas aus Nierenfett. Für deutschen Pudding gibt es nichtmal wirklich ein Wort. Und Ellie findet das auch noch gut. Zum Glück hat Lidl dafür seit kurzem frische Brötchen.


Konzertposter mit Cecilia McDowall.