Montag, 28. Januar 2013

Ecce gratum ver!

Der Januar war ein Monat ruhiger Wochenenden und trotzdem kritischen Schlafmangels. Trotz guter Vorsätze habe ich schnell wieder angefangen, zu spät zu schlafen. Höhepunkt war ein Tag Schnee, für den sofort die Katastrophenpläne aus den Schubladen geholt wurden. Kein Wunder, einheimische Kollege sagen sie sähen zum dritten oder vierten Mal im Leben Schnee in diesen Breiten. Also wurde schon am Vortag dieses einzigen Schneetags geplant und überlegt, ob das Büro nicht am besten gleich geschlossen wird. Das wurden dann zwar nur andere (der öffentliche Dienst arbeitet, die privaten nicht!), aber mein Team war auch das einzig vollständige auf der sonst außergewöhnlich stillen Etage, da viele Kollegen lieber zu Hause blieben. Schließlich sind die Straßen so eine Sache, wenn Winterreifen weder Pflicht noch leicht erhältlich sind. Dementsprechend habe ich reihenweise durchdrehende Reifen schon an kleinen Steigungen gesehen, und dutzendweise wurden Autos auch einfach am Straßenrand verlassen. Ein Kollege hat so wohl einmal sechzehn Stunden im Wagen verbracht. Am 30. Januar veröffentlichen wir den nächsten Satz Daten aus der Volkszählung. Diesmal sind die Arbeiten dazu aber erstaunlich pünktlich verlaufen und die Chefs haben weniger Stress als früher. Mitte Februar geht meine direkte Vorgesetzte für ein halbes Jahr in ein anderes Projekt, Ersatz kommt wurde aber noch nicht verraten.
Am zweiten Januarsonntag war ich zum ersten Mal bei der russisch orthodoxen Gemeinde, die sich ca. alle zwei Wochen zu mir bis dahin nie passenden Terminen trifft. Zu meiner Überraschung besteht die kleine Gruppe überwiegend aus Briten. Einen sehr guten kleinen Chor haben sie auch für ihre Gesänge, die für mich der Hauptanziehungsgrund sind. Ich habe danach brav beim Abbauen geholfen und wurde zum Gemeindeessen eingeladen. Dabei habe ich eine der vielen lokalen Bulgarinnen kennen gelernt, die gerne singt und an der Uni arbeitet. Darum habe ich sie zum Unichor eingeladen. Die ist am folgenden Mittwoch auch tatsächlich erschienen und hat sogar gleich eine Freundin mitgebracht, aber besonders begeistert sahen sie dann nicht aus und sind auch nicht wieder gekommen. Überhaupt hat der Chor über Weihnachten ein seiner Drittel Mitglieder verloren. Das ist zum neuen Jahr wohl normal, für mich aber trotzdem wieder ein Zeichen, wie wenig die meisten Menschen machen.
Ein erfolgreicherer Kontakt ist allein mein französischer Bekannter Mathieu, mit dem ich wieder beim Filmverein zu Dark Horse und danach trinken war. Im Pub haben wir eine Gruppe Leute kennen gelernt, die mehrmals die Woche unter Anleitung von Armeeangehörigen auf der großen Wiese am Meer Sport treiben, was ich mir vormerkte. Einige Tage darauf bin ich noch einmal allein in den polnischen Film In Darkness von Agnieszka Holland gegangen. Der behandelt eine Gruppe Juden in der Kanalisation von Lemberg und ist mir aufgrund der vertrauten Sprache und Umgebung mehr an die Nieren gegangen, als ähnliche Filme früher.
Samstag morgen habe ich mich tatsächlich der Sportgruppe angeschlossen, die nicht weit von meinem Haus auf der großen Wiese am Wasser trainieren. Nach zehn Minuten hab ich gejapst und habe nach weiteren zehn schamvoll aufgageben. Trotzdem ist das eine gute Art, das Wochenende zu beginnen. Das war gerade an diesem wunderschönen Sonnenmorgen zu merken, der nach dem Herbst und Winter eine erste Ahnung brachte, was in einer Seestadt der Sommer bringen könnte. Morgens als es noch still war, klarer blauer Himmel, glitzerndes Wasser, Möwenkreischen, Schiffe. Keine zehn Minuten weiter habe mir zum ersten Mal vom Markt am Fischereihafen eine frische Makrele zum Mittag geholt. Auf dem Rückweg sah ich, dass dieser Morgen die Leute aus den Häusern geholt hatte, und sie zum ersten Mal durch die Einkaufsstraße von Southsea flanierten und durchaus schon draußen vor den Cafés saßen. (Am folgenden Montag gab es einen richtig ordentlichen Sturm, mit handfester Brandung, die schönen Tanggeruch in die Nase trieb, und das weckt in mir das gleiche Glück, am Meer zu leben, wie ein Sonnentag.) Zum Makrelenmachen ist der nicht weit wohnende Mathieu gekommen, der mich auf den Fischmarkt erst aufmerksam gemacht hatte. Selbstredend will ich jetzt richtig Fischmachen lernen, jedes in Portsmouth verbrachte Wochenende damit beginnen. Das trifft sich gut, da ich auf der Suche nach neuen Rezepten war. Ente habe ich wie geplant erfolgreich probiert und auch die letzten Probleme des Brotbackens gelöst. Einmal habe ich auch Banizza allein probiert, was ich das letzte Mal noch zusammen mit Monika im Herbst gemacht hatte. Irgendwas hat gefehlt.

Letztes Abendmahl
Abends schließlich bin ich nach Southampton gefahren, zur Abschiedsfeier einer sehr netten italienischen Kollegin. Das war im kleinen Kreise des informellen internationalen Mittagstischs im Büro, wo sich diverse Immigranten zusammenfinden, weil man sich irgendwie näher ist als den Einheimischen. Dementsprechend war das ein Gelegenheit, einige der wenigen persönlichen Kontakte potenziell auszubauen. Den positiven Einfluss dessen habe ich gut wahrgenommen, auch wenn der Weggang der ob ihres unzerstörbaren Lächelns allseits beliebten Silvia ein dementsprechender Verlust ist.


Beim Abschiedsessen für die selig lächelnde Silvia in der Mitte. Man beachte meine Fliege und weiße Blume in der Jackettasche, zu Recht strahlt und funkelt es um mich.

Am nächsten Morgen haben die Muskeln erst richtig weh getan. Praktischerweise konnte ich ihnen etwas Auslauf geben, denn ich habe mich Mathieu Richtung Winchester angeschlossen, der zwei frisch immigrierte Freunde aus Southampton mitnahm, ein spanisch-französisches Pärchen. In Winchester war ich im Juli gewesen, aber diesmal schien es um einiges belebter zu sein. Das lag neben der Gesellschaft auch am hervorragenden Wetter, das im Januar die Außenplätze der Cafés füllte, auch mit uns. Nächstes Wochenende wollen wir gleich weiter fahren, zu einer bekannten Felsformation nahe Brighton.
Die Wochenenden vor Ort haben auch Zeit zum Lesen und Üben erlaubt. Das Buch Die Kunst kein Egoist zu sein, das ich zu Weihnachten bekommen hatte, habe ich fast geschafft. Lange wird es aber nicht mehr so ruhig bleiben. Mitte Februar gehe ich in Birmingham mit Kalina auf einen Maskenball. Am ersten Märzwochenende werde ich endlich wieder mit wunderbare, wunderschöne Ania wieder, die Zierde Rostocks, und anschließend meine wunderbare, wunderschöne  Kasia, die Zierde meiner Lodzer Zeit, die ja seit kurzem leider Zierde die von Celle geworden ist. Später im März besucht mich Papa, Ostern will ich selbst wegfahren, vermutlich Richtung York. Und dann ist Frühling und mich wird vermutlich wenig zu Hause halten.

Oben mit und oben ohne
Zum Schluss ein kleiner Eindruck vom Ergebnis eines gemeinsamen Neujahrsvorsatzes mit Friedemann, sowie vom Beginn meiner privaten Hutsammlung.

Der Dreispitz stammt vom Weihnachtsmarkt in Frankfurt/Oder und ist nach Vergrößerung endlich angekommen!
Diesen Halbzylinder habe ich auf dem Weihnachtsmarkt in Portsmouth erstanden. Ich hätte mir lieber einen richtigen Zylinder kaufen sollen.



Während Friedemanns Besuch im November hatten wir festgelegt: zu Neujahr Haare ab. Im Gegensatz zu ihm fehlt mir aber die Zeit, auch den Rest abzurasieren.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Uneinsame Insel

Die Zeit steht im Zeichen einer erneuten Suche nach einem Sozialleben. Samstag abend bin ich wie geplant zur Isle of Wight übergesetzt. Das ging darauf zurück, dass mich kurz vor Weihnachten unabhängig voneinander sowohl meine ehemalige Gastgeberin dort wie auch ihr Mitbewohner ohne besonderen Grund angerufen hatten, was ich sehr geschätzt hatte und wir vereinbarten hatten, uns mal wieder zu treffen. Das war auch gut getroffen, da in der ersten Woche zurück wieder das Gefühl von Leere ohne Menschen zurück kam. Ich kam dann auch zu einem großen Abendessen von und mit zwei Französinnen und dazu dem deutschen Mitbewohner.

Sonntag bin ich nach dem Frühstück allein zur Burg Carrisbrooke gefahren. Die liegt im im Zentrum der Insel, nah der Hauptstadt Newport, und war so etwas wie das militärische Hauptquartier in Elisabethanischen Zeiten. Sie ist an sich nichts außergewöhnliches, abgesehen von der Rolle als Gefängnis für Karl I vor seiner Hinrichtung nach dem Bürgerkrieg, und einer netten Vorführung, wie ein Esel den Brunnenzug bedient, und einer Gruppe russischer Mädchen. Aber sie liegt doch recht hübsch auf einem Hügel mit schöner Aussicht in alle Richtungen. Nur war an diesem Tag starker Nebel, was die Schiffe in der Meerenge mit dumpfem Tuten honorierten.

Dienstag ging es mit einem Bekannten in den Kinoclub. Diese kleine Privatinitiative war mir von Anfang an bekannt, aber ich hatte immer nach Aktivitäten „mit Leuten“ gesucht, anstatt still Filme zu sehen. Zu meiner Überraschung waren da aber auch Menschen, aus der Türkei, Italien und Bulgarien, die auch alle sehr zugänglich und engagiert waren, was ich ja immer schätze. Darum gehe ich mit Sicherheit zur nächsten Vorstellung, dann wird nämlich der polnische Film In Darkness im Original gezeigt. Am Mittwoch ging dann sowohl der Chor als auch der wichtigste wöchentliche Salsa-Abend wieder los. Im übrigen macht mir Poulenc's Gloria doch langsam Spaß und außerdem proben wir auch noch Gabriel Faure's Cantique de Jean Racine sowie sein berühmtes Pavane. Zuguterletzt hatte ich nicht gewusst, dass sich eine kleine Gruppe um den Dirigenten danach jeweils in einer der besten Kneipen der Stadt trifft, was ich gerne jede Woche zwischen Chor und Tanzen machen werde. Langsam gehe ich wieder dorthin, von wo ich eigentlich weg wollte: soviel zu tun und so wenig Zeit, wenn man dazwischen auch noch schlafen will; irgendwann werden die Hobbies eher zu Pflichten und aus Spass wird Stress. Aber ich war vielleicht noch nie so voller Ideen und Begeisterung und vielleicht auch nie so bewusst einsam; es ist mir fast unmöglich etwas auszulassen.



Auf der Arbeit schließlich ist es überraschend ruhig, wohl, weil für die kommende Veröffentlichung weniger Gesamtarbeit anstand, und meine Chefin gut geplant hatte. Meine Aufgabe bestand aus zwei der Texte der Publikation. Daneben beschäftigte uns vor allem die Festtagsschokolade, die Kollegen ins Büro abschieben.

Samstag, 5. Januar 2013

Der Rückflug war doch anstrengend: am Neujahrstag bin ich um sechs aufgestanden und kurz vor zehn Uhr abends zu Hause gewesen. Gut also, dass die zwei Wochen in Deutschland wirkliche Urlaubsatmosphäre und ganz viel Schlaf gebracht haben. Ich habe sogar wieder ein Gefühl von einem zu Hause bekommen, inklusive der damit verbundenen Erinnerung, das mir so etwas fehlt. Daher vielen Dank für die Gastfreundschaft auf allen Stationen, auf die ich mich nicht von ungefähr schon in der Auswahl meines Gepäcks verlassen hatte.
Ich hoffe, niemand ist verstimmt wenn ich sage, dass Rostock als letzter Wohnort vor England die meisten positiven Gefühle in mir wachgerufen hat. Das war das so bei jeder Rückkehr in alte Wohnorte merkwürdige, exotische Gefühl von wieder aufscheinender Vertrautheit und gerade nicht mehr passenden Alltagsbahnen. Stundenlang bin ich 'die alten Orte' abgefahren, bei schönster Wintersonne mit der Fähre über den Stadthafen gesetzt und nachdem ich zuerst gefürchtet hatte, dass die Orte ohne die Freunde vielleicht leer wirken, habe ich sogar einige Bekannte wiedergetroffen. Mit einer gern gesehenen Redakteurin des Lokalradios zum Beispiel besprach ich das Kulturangebot, dass im Vergleich zu Portsmouth sehr viel reicher und einfacher erreichbar schien. Konzerte, Konzerte, Theater Theater Theater – und sogar eine Salsaparty. Binnen eines Tages fand ich das in Rostock bestimmende Gefühl wieder, ich kann alles (außer eine Arbeit finden), ich kann mir ganz allein ein interessantes Leben bauen.
Da dann auch Friedemann dazu kam, habe ich auch einige Fotos. Leider keine von der Silvesternacht, in der wir entgegen ursprünglicher Pläne an den Strand in Warnemünde gefahren sind. Das war mehr eine Verlegenheitslösung gewesen, aber unsere niedrigen Erwartungen wurden positiv überrascht. Es war nicht nur trocken, sondern auch die richtige Anzahl Menschen da, nämlich viele, aber gerade gut verteilt an diesem schönen, breiten Strand, von dem ich in Portsmouth nur träumen kann. Und so eine Menge von Feuerwerk habe ich lange nicht gesehen, in Warnemünde und noch weit die Küster hinunter sichtbar, deren Spiegelung das Wasser färbte, unterstützt von den bunt beleuchteten Schiffen.

So bin ich denn müde aber voller Zuversicht nach Portsmouth zurückgekommen, wo es die letzten zwei Wochen durchgehend geregnet haben soll. Dafür konnte ich abends unter den Sternen am Meer nach Hause laufen, mit der aufgefrischten Erinnerung an den Tatendrang, mit dem ich im Juni hier angekommen war. Dazu gehört zuvorderst ein erneuter Anlauf zu einem Sozialleben, weshalb ich am Sonntag meine Gastgeberin vom 15.9. auf der Isle of Wight sowie deren deutschen Mitbewohner besuche, mit dem ich am 23.9. zur Abtei Netley geradelt war. Und dann will ich einige in der Pause erhaltene Inspirationen vertiefen: in die Oper gehen, Ente braten und Philosophie lesen.
Die Arbeit war in der ersten Halbwoche ruhig, denn meine Chefin kommt erst Montag zurück. Für die Veröffentlichung Ende Januar hat sie uns detaillierte Anweisungen hinterlassen, die ich vermutlich doch wieder falsch verstehe.


Die bald verschrottete Georg Büchner morgens im Stadthafen.



Und einige Tage später mit Friedemann an gleicher Stelle.





Das Blumenbild war Kasias Abschiedsgeschenk, als ich 2010 Polen verließ. Nach zwei Jahren Zwischenlagerung in Rostock habe ich es im Zuge der Initiative Weniger Spartanisch leben in meine jetzige Wohnstätte geholt.

Dienstag, 11. Dezember 2012

09.12.2012 - Oxford

Wie ungeduldig habe ich das Ende der Woche erwartet, und am Freitag machte ich endlich früher Schluss und fuhr nach Oxford, wo meine wunderbare kleine Kalina wartete. Seit langem hatte ich nach einem Ort in der Mitte zwischen Birmingham und Portsmouth gesucht, um sich zu treffen und gemeinsam etwas neues zu sehen. Ich hatte uns eine Übernachtung bei einem glückliche Hippiepärchen mit glücklichen Kindern und Katzen organisiert. Die Meerschweinchen durfte ich auch füttern und dann haben wir uns über Lebensmittelkooperativen und Brotbacken unterhalten. Abends saßen wir am Kamin und hörten zu, als der tanzfreudigen Tochter aus dem Buch Willy Wonka und die Schokoladenfabrik vorgelesen wurde. Ich war in der Woche leider etwas krank geworden und froh, dass Kalina auch müde war. Zehn volle Stunden Schlaf wirkten ein echtes Wunder, und zeigten auch, was mein wirkliches hier Problem ist – die Erkältung war für den Rest des Wochenendes praktisch weg.
Morgens liefen wir bei Sonnenschein über bereifte Wiesen und Brücken ins Zentrum, was ziemlich klein ist und nicht so lückenlos historisch wie gedacht. Der Eindruck ändert sich, wenn man die verschiedenen erkennt, die die Hauptsehenswürdigkeiten sind, und wie sie die Struktur der Altstadt bestimmen. Die meisten waren zu, aber ins größte haben wir es geschafft, das Christ Church College, der Welt und allen Touristen bekannt aus den Harry Potter Filmen, für die es die Große Halle stellte. Und wir hatten unerhörtes Glück; gerade als wir durch das Treppenhaus liefen, wurde die Halle geöffnet und wir waren die ersten im Saal, hatten ihn sogar einige Minuten für uns, bevor die Massen nachdrängten und es mehr ein Geschiebe durch die Tischreihen wurde. Sehr schön sind auch die Wildparks des Kollegiums, besonders wenn der Morgendunst darüber liegt. Die hatten womöglich schon Lewis Carrol zu Alice im Wunderland inspiriert. Wir besuchten auch die Markthallen im Stadtkern, wo zu Weihnachten ganzes Wild von den Haken hängt, und auch die Buchhandlung mit dem größten Verkaufsraum der Welt. Unseren Lieblingsort fanden wir auf der vorletzten Station, dem Garten des kleineren Exeter-Kollegiums, wo unsere Gastgeber uns einen Punkt auf der Mauer empfohlen hatten, von dem man einen schönen, versteckten Blick über den Platz mit der Unikirche, der berühmten Radcliff Bibliothek und der noch berühmteren Bodlian Bibliothek hat. Letztere war der Abschluss unseres Besuchs. Wir machten eine Führung durch den mittelalterlichen Prüfungsraum und die Bibliothek, die es als solche ebenfalls in die Harry Potter Filme geschafft hat. Dazu mussten alle Schauspieler und Filmemacher den mittelalterlichen Eid schwören, kein Buch zu stehlen oder zu beschädigen.

Morgens auf dem Weg in die Stadt.

Ein bisschen Farbe in den Winter!


Kalina im Buchladen.


Akademische Werte in jedem Detail (Tor zu einem Kollegiumshof).

Zugang zum großen Speisesaal des Christ Church College.

Allein im großen Saal.


Kalina vor der Rotunde der Radcliffe Bibliothek und der Unikirche.

Mit Gesellschaft und einem Keks in der Hand geht es mir richtig gut.
Vor der Bodlian Bibliothek.

Wir wären gerne auf die längere Tour gegangen, weil uns die Bibliothek sehr gefallen hat, aber wir hatten einen Bus nach Birmingham. Und das war auch gut, da wir dort so noch über den bersten vollen Weihnachtsmarkt laufen konnten, der direkt aus Frankfurt importiert war. Unserer in Portsmouth war im Vergleich eine echte Ausnahme in Großbritannien, da er ein echt britisches Motiv hatte und kein reiner Import war.
Abends bin ich mit allen drei Schwestern auf eine bulgarische Party gegangen. Das hatte ich praktisch seit 2008 in Magdeburg nicht mehr gemacht, wo sie jedes Quartal statt fanden. Was haben wir getanzt zu den Balkanrhythmen dieser alten Zeiten! Sonntag hatten Kalina und ich den botanischen Garten auf dem Programm, was ich in jeder Stadt gerne mache. Umso mehr, da der positive Effekt zweier aktiver, uneinsamer Tage zu wirken begann, und ich Kalina im mediterranen Haus meinen neuen Tangostolz zeigte. Wir sprachen auch lange über meinen derzeitigen Zustand und ich bin mit der Vorstellung nach Hause gefahren, wie sehr mit nicht nur Bekannte fehlen, sondern richtige Freunde, und wie viel wunderbares wir zusammen unternehmen könnten, wenn wir im selben Ort wohnen würden. Zurück war die Einstellung aus Zeiten in York und Rostock, dass ich lieber etwas mit Freunden vor Ort machen würde, als alleine etwas Großes woanders. Allein der Fakt, das das verschüttet worden war zeigt, wie allein ich hier bin.

  

Advent in Birmingham.

Kalinas Weihnachtsgeschenk hatte ich im Theater gefunden und es passt perfekt zu ihrem Schal!

Lebensfreude allenthalben.

Kalina vor dem Bonsaigarten.

Montag abend hat der Unichor seinen letzten Auftritt in diesem Jahr gegeben, mit Weihnachtsliedern in der Kathedrale zum Unigottesdienst. Der Pathos hat Spaß gemacht, aber wir hatten auch zu wenig Vorbereitung gehabt und überhaupt denke ich, dass ich mich nach langem Suchen und Probieren in zu vielen Sachen engagiere und weder für Tango, Singen oder Arbeit genug Zeit zum Üben habe. Letzteres war in den letzten Tagen zum Glück immer ruhiger, da unser Teil am Kommentar zum ersten Teil der großen zweiten Phase der Volkszählungsergebnisse geschrieben war und an höherer Stelle geschliffen wurde. Am Dienstag war dann große Veröffentlichung. Ich war allerdings auf einer kleinen Fortbildung und schaute später unserem Kundendienst über die Schulter, was uns einen Eindruck von den Menschen geben sollte, für die wir schreibene. Allgemein ein Festtag für die Boulevardpresse und das Ende des Abendlandes, denn es gibt weniger weiße Briten und weniger Christen. Ein Lette im Chor erzählte mir eine Witz aus Litauen, das im Land überhaupt keine Emigration gibt, sondern Evakuierung.

Samstag, 1. Dezember 2012

Zeitloses

Nach Friedemanns Besuch begann eine Zeit anstrengender Arbeit, denn nach Monaten kleinerer Aufgaben steht wieder eine große Veröffentlichung wie im Juli an und wir schreiben so viel statistischen Kommentar wie wir können. Da ich mich gleichzeitig meine Tendenz zum Musischen weiter verstärke, ist mein Traum im Moment nicht mehr Beschäftigung, sondern Schlaf und ein Tag ohne Pläne, um einfach mal nur zu lesen. Die Zeit der Ausflüge ist vorbei, mein Leben hat sich fest auf Portsmouth fixiert und da ich mit der Erholung nicht hinterherkomme fahre ich auch mehr Auto und weniger Rad. Nicht zuletzt bin ich dadurch auch wieder dahin gekommen, dass ich in der wenigen unverplanten Zeit Aufgabenlisten abarbeiten muss und nicht mehr in die Bibliothek komme.
Am ersten Wochenende nach dem Besuch war das noch anders. Nach der zweiten Tangostunde Freitagabend, die bis um elf geht, brauchte ich das Wochenende wirklich und verbrachte soviel Zeit in der Bibliothek, wie neben meinen ersten Brotbackübungen blieb.
Den darauffolgenden Samstag war ich arbeiten und am Sonntag auf der Chorgeneralprobe. Da sangen wir zum ersten Mal zusammen mit der Uniorchester. Ich bezweifle inzwischen nicht mehr, dass ich hier eine ganze Menge lernen kann; man mag über die Uni denken was man will, aber der Chorleiter ist große Klasse. Am gleichen Tag bemerkte ich eine kleine Schwellung im Hals, was oft ein erstes Zeichen einer Erkältung ist. Auch darum ließ ich in der Folgewoche das Fahrrad stehen um nichts zu riskieren. Eine Woche später, am 25. November, war Auftritt, in einem klassischen Theater im Opernhausstil mit geschwungenen Rängen und Logen. Mit 650 Leuten war es voller als gedacht und das Konzert das erfolgreichste der kurzen Unigeschichte. Ich half morgens beim Aufbau, und nach der dreistündigen letzten Probe waren auch alle anderen so müde, dass es zu offen gesprochenen bösen Worten zwischen der Sängern mit etwas mehr Ego kam – eine absolute Ausnahme in diesem konfliktscheuen Land. Das Konzert hat mir wieder ungeheuren Spaß gemacht, auch wenn ich mir meiner gesanglichen Grenzen in den letzten Wochen dort bewusst geworden bin. Vor uns traten auch die Bigband und die filmorientierte „Windband“ der Uni auf. Beide ein Beweis, dass die Uni Portsmouth nicht zur Elite gehört, aber lokal doch genug Talent und Engagement vorhanden ist. Jetzt proben wir die kitschigen englischen Weihnachtslieder für einen Unigottesdienst am 10. Dezember und dann beginnen wir Poulencs Gloria. Das ist zwar eine Messe in Latein, scheint mir aber bisher trotzdem modernes Teufelswerk.
Bühnenaufbau im Theater.

Der erste echte Auftritt sein Juni 2011 in York.

Bühne und Logen des Kings Theater aus dem 19. Jahrhundert.
 Weiterhin bin ich dem Ruf eines lokalen Theaters nach Freiwilligen gefolgt und habe eine weitere Woche später am ersten Adventswochenende auf dem Viktorianischem Weihnachtsfest in den historischen Docks gespielt. Bisher schienen mir Weihnachtsmärkte ein relativ junger Import aus Deutschland zu sein. Wie im übrigen fast alle wichtigen Weihnachtstraditionen. Das hiesige aber, das sich selbst als größtes in Südwestengland beschreibt und in der Tat selbstbewusst teuer ist, bezieht sich auf die Zeit des Empires – die hiesige Version der guten alten Zeit wie bei uns das Mittelalter. Dementsprechend ist das sonst Museen und Marine vorbehaltene Dockgelände von mehr Soldaten, Dickenschen Dieben und Prostituierten sowie der Königin selbst bevölkert als von Weihnachtsmännern und Spilwut. Darum wurde ich auch eine Abteilung Stahlarbeiter zugeteilt. Die sollten ursprünglich eine von der Olympia-Eröffnung abgeguckte Choreographie machen, dafür blieb aber keine Zeit. Darum standen wir um einige nachgebildete Stahlträger und improvisierten mit Metallstangen industrielle Rhythmen. Das machte ein paar Stunden Spaß und dann kroch die Kälte auch durch lange Unterhosen. Nach einem ganzen Tag an der mehr als frischen Luft kam ich dann auch nach Hause wie ein echter Eisenschmieder.  Uns fehlte der Mumm, unsere Rolle unter dem Volk richtig auszuleben und uns so warm zu halten. Andere gehen da richtig auf, und eine der besten war eine Bekannte aus dem historischen Dorf mit der ich auf dem Tudorfest in Southampton war – sie spielte eine halbverrückte Alkoholikerin. Die leichten Mädchen mochten ihre Rollen auch durchweg und waren gerne an unserer Arbeitsbühne gesehen.

Stahlarbeiter-Kostüm. Das Schwert habe ich mir nur so genommen.


So sind die Wochenenden ausgeplant und bieten wenig Erholung. Unter der Woche passiert auch sehr viel. Abgesehen von Chor und Salsa verschiebe ich Zeit von Salsa zu Tango. Ich habe echtes Glück gehabt: eine Frau vom Freitagskurs ist auch Anfängerin und will intensiver üben. Wir treffen uns ab und zu und proben, und wenn etwas nicht klappt, teilen wir uns eine Privatstunde. Dadurch habe ich wirklich das Gefühl, dass ich Fortschritte mache wie am Anfang in Salsa.
An einem anderen Abend sah ich, völlig durch Zufall vom Fahrad auf der Heimfahrt, etwas sehr Ermutigendes. Auf der Hauptstraße ist ein Comicladen, und darunter wurde eine neue Malereiausstellung eingeweiht. Mit Wein und vielen Menschen, vielleicht ein Zugang zur lokalen Kunstszene soweit es sie gibt. Und offenbar wechseln die Ausstellungen dort häufig. Es gibt Hoffnung!

Am ersten und letzten Dezemberwochenende fahre ich dann doch noch einem weg. Ich besuche Oxford, wo ich Kalina treffe und von dort mit ihr nach Birmingham fahre.

Sonntag, 11. November 2012


Es wird Winter, und es wird ruhiger. Von der ganzen langen Liste mit geplanten Aktionen und Ausflügen ist inzwischen nur noch die Pilgerroute und die Fähre nach Frankreich übrig, und die sind vielleicht besser für den Frühling. Dementsprechend war ich das Wochenende nach Kalinas Besuch zum ersten Mal seit langem allein in Portsmouth geblieben. Da musste ich mich des ganzen Ausmaßes meiner Einsamkeit erwehren – nach den ganzen vier Monaten hier habe ich unter dem Strich keine festen Kontakte. Ob trotz oder wegen all der Aktionen, wer weiß. Ich habe mit zwei Französinnen aus der Couchsurfing-Gruppe ein zweites Restaurant ausprobiert, was mir seit langem empfohlen wurde, aber besonders spannend war weder das Essen noch die Unterhaltung. Die Studentengemeinde habe ich aufgegeben, weil die Leute nicht aufzufinden sind. Schließlich war ich endlich in der Kunstgalerie am Hafen, die aus einer halben Etage Ausstellungsfläche mit vielleicht einem Dutzend Exponaten besteht. Auf der positiven Seite habe ich an diesem Wochenende die seit Juni nicht enden wollende Aufgabenliste beendet und stehe jetzt in etwa da, wo ich hinwollte, nämlich mit meiner Zeit allein für meine persönlichen Interessen. Nachdem ich lange Zeit davor Scheu hatte, bin ich mit Freude wieder einmal einige Stunden in die Unibibliothek eingekehrt, mit den Noten für die Carmina Burana und einem Buch über Europa nach dem Römischen Reich. Auf der Arbeit habe ich mir einen Forschungsartikel des Max Plank Instituts Rostock ausgedruckt, der von einer Art Verein junger Mitarbeiter in meinem Rang empfohlen worden war. Freitag schließlich, am Tag bevor Friedemann ankam, habe ich eine wundervolle Tangostunde einige Minuten von meiner Haustür ausprobiert. Die wird auf jeden Fall zu meinem wöchentlichen Programm gehören, wofür der Dienstagssalsa gekürzt wird. Denn ich bin müde.

Friedemanns Besuch

Dann also kam Friedemann und zeigte, dass doch etwas Routine eingesetzt hatte. Insbesondere erinnerte er mich an die Schönheit des Meeres, bei Tag und Nacht, an dem ich nicht mehr ganz so häufig vorbei fahre wie am Anfang. Der Besuch war in aller Ehrlichkeit nicht immer einfach und hat nicht zuletzt viele Fragen über mich selbst aufgeworfen. Aber man konnte einige Dinge gemeinsam machen. Wir haben so deutsches Brot gebacken, wie es englische Zutaten zulassen, die römische Festung in Portchester besucht und uns die jährliche Guy Fawks (Gei Fooks) Nacht mit Feuerwerk und Marinebläsern im Einkaufszentrum am Hafen angesehen. Das hatte ich nur einmal, 2004, gesehen, muss es in York irgendwie verschlafen haben. Das geht zurück auf den fehlgeschlagenen Sprengstoffanschlag eines Katholiken auf englisches Parlament und König im 17. Jahrhundert. Seitdem wurden zur Feier der Unabhängigkeit vom Papismus in all seinen hinterhältigen Gesichtern jährlich Strohpuppen verbrannt. Heute sind davon größtenteils Feuerwerk und Lagerfeuer übrig, nicht zufällig ähnlich den in anderen Ländern üblichen Lichtern zum zeitnahen Allerheiligen. Böller und Raketen steigen hier aus irgendeinem Grund sowieso häufig in die Luft. Vor allem hatte ich mit Friedemann endlich jemanden, um mein Wissen über die Kneipenszene auf einen angemessenen Stand zu bringen. Wir haben eine ganze Reihe ausprobiert, die ich immer im Verdacht hatte, etwas besonderes zu sein und tatsächlich haben wir einige ganz tolle gefunden, die mich teilweise an meine jungen Jahre in Torun erinnern. Friedemann hatte auch er den guten Gedanken, einige schöne Bilder vom Fischereihafen gemacht, wo ich schon länger der vermuteten Fischqualifikation einer weiteren Kneipe nachgehen wollte. Einmal haben wir uns nach meiner Arbeit an der Küstenstrecke getroffen, die ich im Sommer mit der Italienerin gefahren bin. Ich hatte mir zwei Tage freigenommen, einmal ist Friedemann allein nach Winchester gefahren (ich stelle einige seiner Fotos in diesen Beitrag, da ich damals keine gemacht hatte) und Samstag waren wir auch auf der Isle of Wight radeln.

Nach dem Besuch begann eine anstrengende Arbeitswoche, denn wieder einmal steht eine Veröffentlichung an und wir schreiben so viel statistischen Kommentar wie wir können. Ich lerne etwas neues über ein bestimmtes Computerprogramm, was sehr schön ist, aber mein Schreiben noch mehr verlangsamt. Nach der Tangostunde Freitagabend, die bis um elf geht, brauchte ich das Wochenende dann auch wirklich. Dies ist das letzte unverplante Wochenende vor Weihnachten, aber vielleicht durch die Besuche der letzten Wochen hatte ich keine Gleichgewichtsprobleme, vor Ort zu bleiben und die Bibliothek zu frequentieren. Nächsten Sonntag ist Chorgeneralprobe, eine Woche später am 25. Auftritt – ich stelle auch das Plakat in den Beitrag. Weiterhin bin ich dem Ruf eines lokalen Theaters nach Freiwilligen gefolgt und spiele eine weitere Woche darauf vielleicht eine Rolle bei Viktorianischem Weihnachtsfest in den historischen Docks. Am ersten und letzten Dezemberwochenende hier besuche ich dann vielleicht noch einmal Kalina.
 
Der Hafen von Portsmouth vom Westufer.
 
 
Der Spinnaker-Turm am Einkaufszentrum.

Die Fischkneipe am Fischereihafen.
Der Spinnaker Turm bei Nacht.

Der Fischereihafen am Abend.

Der Fischereihafen am Abend mit Spinnaker-Turm und dem Fisch-Pub.

Die Kathedrale von Winchester, Westfassade.

Die Kathedrale von Winchester, Westfenster.

Die Kathedrale von Winchester, Ostfenster.
 
Altstadt von Winchester.

Die Tafelrunde, eine Nachbildung aus dem 13. Jh. in Winchester.

In der Kirche des Kloster Quarr auf der Isle of Wight.

Mit dem Audioguide in der Burgruine der römischen Festung in Portchester.


Unser Konzertplakat.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Dienstag, den 2.10., habe ich abends kurzfristig einen deutschen Uniabsolventen aufgenommen, der auf einer Dreimonatsfahrradtour durch praktisch ganz Westeuropa ist, die alle meine Aktionen wie einen Nachmittagsausflug aussehen lässt. Er schreibt auch ein Tagebuch mit Bild und Video.

Das folgende Wochenende bin ich einmal zu Hause geblieben. Da traf es sich gut, dass ich nach langer Zeit wieder eine Übersetzung angenommen habe und dazu eine richtig interessante. Es ging um Dokumente für ein Chopin-Konzert in Wien Ende Oktober, u.a. eine Abhandlung über „Chopins Kammermusikwerke“. Solche Themen hat man als Übersetzer selten und so hat mir der Auftrag richtig Spaß gemacht. Nichtsdestotrotz hat er hat er das ganze Wochenende in Anspruch genommen, wobei ich mir eine Freude geleistet habe, Samstag Nachmittag selbst in ein besonderes Konzert zu gehen. In Gosport auf der anderen Hafenseite wurde eine Orgel, auf der wohl Händel selbst gespielt hat, nach der Restaurierung eingeweiht. Dazu wurden alle Willigen eingeladen, nachmittags einige seiner Choralstücke zu proben und abends mit Orgel und Streichern aufzuführen. Sobald ich in die Kirche kam, trat mir die Frage entgegen, warum ich meine Interessen so oft vor allem von Menschen im Ruhestand teile. Desgleichen war die Sache ein Beispiel dafür, dass schlechte Qualität hier kein Problem ist, solange die Musi' nur schmissig ist und sie alle kennen. Ganze drei Stunden Vorbereitung hatten wir für den Messias und die Chandos-Hymnen, aber zuzugeben, es hat Spaß gemacht. Die Kirche war voll mit Sängern, und ca. 10% Zuhörern. Bei dem berühmten „Halleluja“ steht das Publikum in England scheinbar auf wie zur Nationahymne. Empfohlen worden war diese Aktion Unichor. Der steuert schwankend aber unter sicherer Leitung auf das erste Konzert zu und seit kurzem wird sogar in Stimmgruppen geübt wie in einem richtigen Chor.

Mein kleiner Analyseartikel vorerst um einige Monate verschoben, und wir sind zurück beim Tabellenprüfen. Das macht aber einiges Zusatztraining erforderlich, dass ich ungemein interessant und nützlich finde. Das sind insbesondere Einführungen in einige Computerprogramme, mit denen unsere offiziellen Tabellen erstellt oder aufwendigere Rechenprozesse automatisiert werden.

Meine Mitbewohner beeindrucken mich. Ich sehe sie zwar nie, aber ich höre sie manchmal, wenn sie früher als ich aufstehen. Das Bad wird von der Bulgarin in Schuss gehalten und als ich letztens abends nach Hause kam, blitzte sogar die Küche blanker, als ich sie jemals hingekriegt habe.

Vor Händels Orgel. 
Freitag Abend, den 12.10., stieg die Sonne selbst aus Birmingham in mein Heim hinab und blieb bis Montag morgen. Für Kalina war extra die Wettervorhersage verbessert worden ich habe konnte einmal loslegen mit allem, was ich allein so probiert habe oder allein nicht probieren wollte. Seelachs mit Auberginen und Florentinern zu Hause, das französische Restaurant (noch besser als gedacht) und natürlich einige Modegeschäfte in der Stadt, die Seepromenade und noch ganz kurz die Isle of Wight. Ich selbst sah zum vielleicht ersten Mal seit Monaten die Geschäfte und Cafés meines Viertels an einem Wochenende, während wir liefen, bis die Beine wehtaten. Endlich habe ich ganze Tage lang mit einem anderen Menschen nur privat gesprochen und so aktiv wie ich auch bin habe ich gemerkt, wie ausgehungert ich nach echten Freundin im Alltag bin. Langsam habe ich die Region erkundet und von meiner Aktionsliste bleiben nur noch die Kunstgallerie und der Pilgerpfad, die ich beide vor Weihnachten machen will. Die Radtour in den 'Neuwald' bei Southampton und nach Frankreich warten wohl besser auf waermere Zeiten. Irgendwann will ich nach Oxford, vielleicht mit Kalina, aber die sucht erstmal Arbeit, nachdem sie vor zwei Wochen ihre Abschlussarbeit eingereicht hat. Trotz aller Aktivitaeten habe ich hier noch niemanden naeher kennen gelernt, und von keiner Seite gibt es groesseres Interesse an Aktionen.
Meine Straße.
Am Teich bei meinem Haus.

Zwei Blumen im botanischen Gärtchen.


In diesem Theater wird mein Chor auftreten.

Das Tragflächenboot rast in die späte Nachmittagssonne.

Abends in meiner Künstlerbude.

Denn wenn französisch, dann mit Stil.





Leider folgt Kalina meiner Begeisterung für Rot nicht. Dafür wurde der große Einkaufskomplex im Hafen von der Firma entwickelt, bei der sie in London ein Praktikum gemacht hat.

Auf dem Sonnendeck zur Isle of Wight.

Auf der Seebrücke in Ryde.