Der
Rückflug war doch anstrengend: am Neujahrstag bin ich um sechs
aufgestanden und kurz vor zehn Uhr abends zu Hause gewesen. Gut also,
dass die zwei Wochen in Deutschland wirkliche Urlaubsatmosphäre und
ganz viel Schlaf gebracht haben. Ich habe sogar wieder ein Gefühl
von einem zu Hause bekommen, inklusive der damit verbundenen
Erinnerung, das mir so etwas fehlt. Daher vielen Dank für die
Gastfreundschaft auf allen Stationen, auf die ich mich nicht von
ungefähr schon in der Auswahl meines Gepäcks verlassen hatte.
Ich
hoffe, niemand ist verstimmt wenn ich sage, dass Rostock als letzter
Wohnort vor England die meisten positiven Gefühle in mir wachgerufen
hat. Das war das so bei jeder Rückkehr in alte Wohnorte merkwürdige,
exotische Gefühl von wieder aufscheinender Vertrautheit und gerade
nicht mehr passenden Alltagsbahnen. Stundenlang bin ich 'die alten
Orte' abgefahren, bei schönster Wintersonne mit der Fähre über den
Stadthafen gesetzt und nachdem ich zuerst gefürchtet hatte, dass die
Orte ohne die Freunde vielleicht leer wirken, habe ich sogar einige
Bekannte wiedergetroffen. Mit einer gern gesehenen Redakteurin des
Lokalradios zum Beispiel besprach ich das Kulturangebot, dass im
Vergleich zu Portsmouth sehr viel reicher und einfacher erreichbar
schien. Konzerte, Konzerte, Theater Theater Theater – und sogar
eine Salsaparty. Binnen eines Tages fand ich das in Rostock
bestimmende Gefühl wieder, ich kann alles (außer eine Arbeit
finden), ich kann mir ganz allein ein interessantes Leben bauen.
Da
dann auch Friedemann dazu kam, habe ich auch einige Fotos. Leider
keine von der Silvesternacht, in der wir entgegen ursprünglicher
Pläne an den Strand in Warnemünde gefahren sind. Das war mehr eine
Verlegenheitslösung gewesen, aber unsere niedrigen Erwartungen
wurden positiv überrascht. Es war nicht nur trocken, sondern auch
die richtige Anzahl Menschen da, nämlich viele, aber gerade gut
verteilt an diesem schönen, breiten Strand, von dem ich in
Portsmouth nur träumen kann. Und so eine Menge von Feuerwerk habe
ich lange nicht gesehen, in Warnemünde und noch weit die Küster
hinunter sichtbar, deren Spiegelung das Wasser färbte, unterstützt
von den bunt beleuchteten Schiffen.
So
bin ich denn müde aber voller Zuversicht nach Portsmouth
zurückgekommen, wo es die letzten zwei Wochen durchgehend geregnet
haben soll. Dafür konnte ich abends unter den Sternen am Meer nach
Hause laufen, mit der aufgefrischten Erinnerung an den Tatendrang,
mit dem ich im Juni hier angekommen war. Dazu gehört zuvorderst ein
erneuter Anlauf zu einem Sozialleben, weshalb ich am Sonntag meine
Gastgeberin vom 15.9. auf der Isle of Wight sowie deren deutschen
Mitbewohner besuche, mit dem ich am 23.9. zur Abtei Netley geradelt
war. Und dann will ich einige in der Pause erhaltene Inspirationen
vertiefen: in die Oper gehen, Ente braten und Philosophie lesen.
Die
Arbeit war in der ersten Halbwoche ruhig, denn meine Chefin kommt erst Montag zurück.
Für die Veröffentlichung Ende Januar hat sie uns detaillierte
Anweisungen hinterlassen, die ich vermutlich doch wieder falsch
verstehe.
| Die bald verschrottete Georg Büchner morgens im Stadthafen. |
| Und einige Tage später mit Friedemann an gleicher Stelle. |
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