Samstag, 5. Januar 2013

Der Rückflug war doch anstrengend: am Neujahrstag bin ich um sechs aufgestanden und kurz vor zehn Uhr abends zu Hause gewesen. Gut also, dass die zwei Wochen in Deutschland wirkliche Urlaubsatmosphäre und ganz viel Schlaf gebracht haben. Ich habe sogar wieder ein Gefühl von einem zu Hause bekommen, inklusive der damit verbundenen Erinnerung, das mir so etwas fehlt. Daher vielen Dank für die Gastfreundschaft auf allen Stationen, auf die ich mich nicht von ungefähr schon in der Auswahl meines Gepäcks verlassen hatte.
Ich hoffe, niemand ist verstimmt wenn ich sage, dass Rostock als letzter Wohnort vor England die meisten positiven Gefühle in mir wachgerufen hat. Das war das so bei jeder Rückkehr in alte Wohnorte merkwürdige, exotische Gefühl von wieder aufscheinender Vertrautheit und gerade nicht mehr passenden Alltagsbahnen. Stundenlang bin ich 'die alten Orte' abgefahren, bei schönster Wintersonne mit der Fähre über den Stadthafen gesetzt und nachdem ich zuerst gefürchtet hatte, dass die Orte ohne die Freunde vielleicht leer wirken, habe ich sogar einige Bekannte wiedergetroffen. Mit einer gern gesehenen Redakteurin des Lokalradios zum Beispiel besprach ich das Kulturangebot, dass im Vergleich zu Portsmouth sehr viel reicher und einfacher erreichbar schien. Konzerte, Konzerte, Theater Theater Theater – und sogar eine Salsaparty. Binnen eines Tages fand ich das in Rostock bestimmende Gefühl wieder, ich kann alles (außer eine Arbeit finden), ich kann mir ganz allein ein interessantes Leben bauen.
Da dann auch Friedemann dazu kam, habe ich auch einige Fotos. Leider keine von der Silvesternacht, in der wir entgegen ursprünglicher Pläne an den Strand in Warnemünde gefahren sind. Das war mehr eine Verlegenheitslösung gewesen, aber unsere niedrigen Erwartungen wurden positiv überrascht. Es war nicht nur trocken, sondern auch die richtige Anzahl Menschen da, nämlich viele, aber gerade gut verteilt an diesem schönen, breiten Strand, von dem ich in Portsmouth nur träumen kann. Und so eine Menge von Feuerwerk habe ich lange nicht gesehen, in Warnemünde und noch weit die Küster hinunter sichtbar, deren Spiegelung das Wasser färbte, unterstützt von den bunt beleuchteten Schiffen.

So bin ich denn müde aber voller Zuversicht nach Portsmouth zurückgekommen, wo es die letzten zwei Wochen durchgehend geregnet haben soll. Dafür konnte ich abends unter den Sternen am Meer nach Hause laufen, mit der aufgefrischten Erinnerung an den Tatendrang, mit dem ich im Juni hier angekommen war. Dazu gehört zuvorderst ein erneuter Anlauf zu einem Sozialleben, weshalb ich am Sonntag meine Gastgeberin vom 15.9. auf der Isle of Wight sowie deren deutschen Mitbewohner besuche, mit dem ich am 23.9. zur Abtei Netley geradelt war. Und dann will ich einige in der Pause erhaltene Inspirationen vertiefen: in die Oper gehen, Ente braten und Philosophie lesen.
Die Arbeit war in der ersten Halbwoche ruhig, denn meine Chefin kommt erst Montag zurück. Für die Veröffentlichung Ende Januar hat sie uns detaillierte Anweisungen hinterlassen, die ich vermutlich doch wieder falsch verstehe.


Die bald verschrottete Georg Büchner morgens im Stadthafen.



Und einige Tage später mit Friedemann an gleicher Stelle.





Das Blumenbild war Kasias Abschiedsgeschenk, als ich 2010 Polen verließ. Nach zwei Jahren Zwischenlagerung in Rostock habe ich es im Zuge der Initiative Weniger Spartanisch leben in meine jetzige Wohnstätte geholt.

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