Die Zeit steht im Zeichen einer erneuten Suche nach einem Sozialleben. Samstag abend bin ich wie geplant
zur Isle of Wight übergesetzt. Das ging darauf zurück, dass mich
kurz vor Weihnachten unabhängig voneinander sowohl meine ehemalige
Gastgeberin dort wie auch ihr Mitbewohner ohne besonderen Grund
angerufen hatten, was ich sehr geschätzt hatte und wir vereinbarten
hatten, uns mal wieder zu treffen. Das war auch gut getroffen, da in
der ersten Woche zurück wieder das Gefühl von Leere ohne Menschen
zurück kam. Ich kam dann auch zu einem großen Abendessen von und
mit zwei Französinnen und dazu dem deutschen Mitbewohner.
Sonntag bin ich nach dem Frühstück
allein zur Burg Carrisbrooke gefahren. Die liegt im im Zentrum der
Insel, nah der Hauptstadt Newport, und war so etwas wie das
militärische Hauptquartier in Elisabethanischen Zeiten. Sie ist an
sich nichts außergewöhnliches, abgesehen von der Rolle als
Gefängnis für Karl I vor seiner Hinrichtung nach dem Bürgerkrieg,
und einer netten Vorführung, wie ein Esel den Brunnenzug bedient,
und einer Gruppe russischer Mädchen. Aber sie liegt doch recht
hübsch auf einem Hügel mit schöner Aussicht in alle Richtungen.
Nur war an diesem Tag starker Nebel, was die Schiffe in der Meerenge
mit dumpfem Tuten honorierten.
Dienstag ging es mit einem Bekannten
in den Kinoclub. Diese kleine Privatinitiative war mir von Anfang an
bekannt, aber ich hatte immer nach Aktivitäten „mit Leuten“
gesucht, anstatt still Filme zu sehen. Zu meiner Überraschung waren
da aber auch Menschen, aus der Türkei, Italien und Bulgarien, die
auch alle sehr zugänglich und engagiert waren, was ich ja immer
schätze. Darum gehe ich mit Sicherheit zur nächsten Vorstellung,
dann wird nämlich der polnische Film In Darkness im Original
gezeigt. Am Mittwoch ging dann sowohl der Chor als auch der
wichtigste wöchentliche Salsa-Abend wieder los.
Im übrigen macht mir Poulenc's Gloria doch langsam Spaß und außerdem proben wir auch noch Gabriel Faure's Cantique de Jean Racine sowie sein berühmtes Pavane. Zuguterletzt hatte ich nicht
gewusst, dass sich eine kleine Gruppe um den Dirigenten danach
jeweils in einer der besten Kneipen der Stadt trifft, was ich gerne
jede Woche zwischen Chor und Tanzen machen werde. Langsam gehe ich
wieder dorthin, von wo ich eigentlich weg wollte: soviel zu tun und
so wenig Zeit, wenn man dazwischen auch noch schlafen will;
irgendwann werden die Hobbies eher zu Pflichten und aus Spass wird
Stress. Aber ich war vielleicht noch nie so voller Ideen und
Begeisterung und vielleicht auch nie so bewusst einsam; es ist mir
fast unmöglich etwas auszulassen.
Auf der Arbeit schließlich ist es
überraschend ruhig, wohl, weil für die kommende Veröffentlichung
weniger Gesamtarbeit anstand, und meine Chefin gut geplant hatte.
Meine Aufgabe bestand aus zwei der Texte der Publikation. Daneben
beschäftigte uns vor allem die Festtagsschokolade, die Kollegen ins
Büro abschieben.
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