Sonntag, 8. Mai 2022

Das Traumboot

Samstag haben wir geprüft, ob man mit Otto inzwischen eine Flussfahrt machen kann. Auf dem Kanal von Chichester, wo kleine Besucherboote fahren. Ellie und ich sind dort mehrmals gewesen, später eher mit dem Kajak. Otto ist gleich nach der Abfahrt eingeschlafen. Wie wir später erfuhren, lag das an dem Eislolli, den er mir geklaut hatte. Kann man ja nicht nein sagen. Aber ich hatte mir schon gedacht, das das eine ganze Menge ist, sogar für seinen geübten Magen. Er hat dann abends zu Hause gekotzt und gut war. Wir haben die Fahrt genossen. Ottos Kopf in Mamis Schoß. Am Wasser Blüten und ein Reiher. JMW Turner hat ein berühmtes Panorama vom Kanal auf den Dom von Chichester gemalt.

Am Tag darauf sind wir zum Strand von West Wittering gefahren. Der ist weithin bekannt, weil einer der wenigen mit Sand, und breit, und sehr guter Infrastruktur. Für Otto wird das der erste richtige Strandtag gewesen sein, mit Schippe und Schaufel und Sandburgen (anderer Leute). Er selbst hat meist in einer flachen Pfütze gespielt, die die Ebbe hinterlassen hatte. Später hat er sich an einem rostigen Pfahl einen kleinen Schnitt zugezogen, aber wir konnten ihn gleich bei den Rettungsschwimmern versorgen. Er jammerte allein weil er wieder ins Wasser wollte.

Otto Nachrichten

  • hat nach langer Übung die Gießkanne gemeistert

Johannes Nachrichten

  • ich habe letztens abends das ungewöhnliche Problem, dass ich nicht weiß, was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Eigentlich muss immer irgend etwas ganz dringend erledigt werden. Und es ist verdächtig, dass mir gerade nichts einfällt.
  • ich weiß nicht mal, was ich als nächstes lesen soll. Stolz und Vorurteil habe ich fertig.







Montag, 2. Mai 2022

Ach, man will auch hier schon wieder nicht so wie der Papa!

Gleich die erste Arbeitswoche musste ich nach der Hälfte abbrechen, denn unsere Tagesmutti samt Familie hat Corona. Die folgende Woche haben sie Urlaub, sodass wir gleich mal wieder zwei Wochen ohne Betreuung hatten, d.h. wo je einer von uns nicht arbeiten kann. Es ist eine einzige Misere. Die erste Woche habe ich genommen, weil Ellie da sowieso den Donnerstag zur Beerdigung ihrer Oma fahren musste.

Wenn ich ganz ehrlich bin habe ich immer noch Schiss, Otto einen ganzen Tag allein zu betreuen. Ich kann mich nur auf eine Sache gleichzeitig konzentrieren, nicht z.B. Essen machen und gleichzeitig ein Auge auf Otto werden. Ellie kann das viel besser. Deshalb nehme ich ihn am liebstens soviel wie möglich raus. Umso mehr jetzt, wo endlich der Frühlich da ist und ja auch nicht ewig bleiben wird. Außerdem will ich auch ihm wenigstens die Chance geben, die Natur zu sehen, denn er ist schon ein richtiges Stadtkind.

Donnerstag bin ich mit ihm daher nach Rowlands Castle gefahren. Konnte er mal Zug fahren, und nicht weit vom Bahnhof geht das Grün los. Er konnte wieder auf Baumstämmen laufen und hat etwas mit seiner Schaufel hantiert. Aber er hat Bäume und Büsche nicht so erkundet wie ich es gehofft hatte.

Freitag sind wir mit dem Auto erst in einen Landschaftspark mit schönen Buchenwäldern gefahren. Darin ein Spielplatz, ganz für Otto allein. Nur dem war das vollkommen egal, er wollte an dem Tag grundsätzlich nur unser Auto fahren. Was habe ich ihn in den Wald geschleppt, auf Baumstämme gesetzt, Bienen gezeigt. Alles egal. Brumm Brumm. Ich hatte mehr Glück im Ort Buriton, wo er Stöcke in den Ententeich schmiss und Post- und Müllauto sah. Den  Spielplatz neben der Bahnstrecke machte er auch. Eigentlich eine gute Tour, mit einigen vielversprechenden Orten mehr auf der Rückfahrt, wo man noch Zeit hätte verbringen können. Aber ganz im Innern war ich schon genervt, dass ihm ein Tag im Auto vor dem Haus wahrscheinlich mehr gefallen hätte. Ich habe abends auch noch mit Ellie diskutiert, das mir die Betreuung schwerer von der Hand geht als ihr. Wahrscheinlich einfach das Mehr an Erfahrung bei ihr. Und Otto hat sich mit Sicherheit anders verhalten, weil er natürlich merkt, das irgendwas anders ist. Ich war nur froh selbst rausgekommen zu sein.

Samstag sind wir auf eine Feier mit den Kindern der anderen Eltern aus unserem Babykurs gegangen. Die sind in den letzten Wochen alle zwei Jahre alt geworden. Ich hatte mich gefragt, wie Otto sich da verhalten wird. Letztens haut er schon mal, wenn ihm andere Kinder im Weg sind. Er hat sich aber vorbildlich verhalten. Und es war gut den Vergleich zu sehen: andere Kinder machen das gleiche. Und alle haben die gleiche Obsession mit Autos. Auch in dem Haus lagen dutzende herum.

Sonntag sind wir mit Otto in eine Gärtnerei in dem zersiedelten Bereich zwischen Portsmouth und Southampton gefahren, der hier als Land durchgeht. Die haben zum Beginn der Erdbeersaison einen kleinen Straßenzug über ihr Gelände fahren lassen. Hat Otto mittelmäßig interessiert. Besser fand er ein handbetriebenes Karussel daneben.

Montag, als der Maifeiertag nachgeholt wurde, sind wir in den Ort East Meon gefahren. Der ist sehr schön, am Fluss Meon gelegen. Außerdem wurde da eine richtige Maifeier organisiert. Vor Jahren hatten wir mal nach sowas gesucht, ohne Erfolg. Das hat mir richtig gut gefallen. Ein richtiges Dorffest, mit Grill und einer Pferdekutsche. Traditionelle Kinderspiele und sogar eine manuelle Achterbahn. Grundschüler tanzten um den Maibaum. Eine Hundeshow; abends eine Kinderdisco. Es wirkte wirklich, als wirkten alle im Dorf zusammen. Hilft vermutlich das Leute, die sich ein Haus in den South Downs leisten können, Zeit und Geld haben. Persönlich hat mir am meisten Kuchen und Tee in der Dorfhalle gefallen. Otto hat uns zweimal zum Auto zurück führen wollen. Allein die Lego Autos am Stand des lokalen Kindergartens haben ihn interessiert. Pferde nicht. Spielplatz nicht. Aber als die Kinder um den Maibaum tanzten hat er sich zur Musik mitgedreht. Der war wieder sehr früh sehr müde, sodass wir dann los sind. Aber eine sehr schöne Fahrt über Land konnte ich noch einfügen. Der Mai ist eine Pracht. Das Herz geht einem Stadtmenschen über, wenn beide Straßenränder in allen Farben sprießen, der Raps gelb leuchtet und Hasen auf den Feldern hoppeln.


Otto Nachrichten

  • er unterscheidet inzwischen klar Deutsch und Englisch. Und er macht klar, dass seine Präferenz Englisch ist. Keine Überraschung, trotzdem irgendwie ein doofes Gefühl. Liegt vielleicht daran, dass er gemerkt hat, dass Papa mit ihm gestresst war
  • er besteht absolut darauf, dass er kein Baby mehr ist. Das Lied vom Butzemann  zum Beispiel nennt er jetzt "Baby Dodo" Lied, weil ich es erst kürzlich nach langer Zeit wieder rausgeholt habe. Er protestiert, wenn man ihn aus Versehen als Botbaby bezeichnet. Aber das ist ok. Wir haben ihm früh zugestanden, dass er schon ein erwachsenes Baby ist, das alles selber machen muss.
  • er beginnt Zuneigung zu zeigen. Heute waren Bekannte mit ihren Zwillingen da. Ich hatte Sorge, wie Otto da über den kleinen im Kinderwagen ragte und ihnen Stöcker aufdrängte. Aber statt sie spontan zu hauen hat er sie umarmt. Seine Arme reichten locker um beide gleichzeitig.

Johannes Nachrichten

  • Ich lesen weiter mit großem Vergnügen Stolz  und Vorurteil. Anfänglich schien es mir ein überraschend einfaches Buch. Inzwischen denke ich, dass die Gedanken und Gefühle der Menschen gut beschrieben sind, selbst wo sie sich selbst belügen.


Montag, 25. April 2022

blaumann

Auch nach dieser Reise  bleibt vor allem Bedauern, dass all das immer eine Ausnahme ist. Auf der Habenseite ist aber zu sagen, dass Reisen mit Otto sehr viel besser geklappt hat, als es hätte sein können. Insbesondere die lange Rückreise hat er vorbildlich durchgehalten. Und das er in Sassnitz im eher hellen Dunkel eingeschlafen ist, spottet der Vergangenheit Hohn. Ich freue mich wie Bolle, dass er richtig viel Natur gesehen hat.


Am Samstag nach unserer Rückkehr sind wir in die Hasenglöckchen gefahren. Die stehen gerade in voller Blüte. Vor einem Jahr haben wir Otto erstmal in ein bestimmtes Waldstück mitgenommen. Damals hat er gerade Laufen gelernt, und brauchte meine Hand bei der kompromisslosen Erkundung der Welt. Diesmal ist er forsch vorangestapft und brauchte nur Hilfe beim Balancieren auf Baumstämmen. Das hatte er gerade gelernt, in den Buchenwäldern bei Sassnitz. Die Natur, der Raum und die Farben des Frühling sind eine echte Befreiung für mich.


Otto entwickelt gerade ein Verständnis davon, dass Mami und Papa verschiedene Sprachen benutzen. Wenn wir die Straßen entlang laufen müssen wir ihm immer sagen, welche Farben die Autos haben. Daraufhin fragt er stets, welches Wort Mami benutzt, dann Papa, und schließlich Otto. Sein Wort ist dabei fast immer englisch. Aber er versteht jedes Wort, in beiden Sprachen. Besonders gern spricht er momentan von Uroma und Uropa. Neulich zeigte er auf das Panoramabild im Wohnzimmer und sagt "Rostock. Uroma. Uropa." . Was aber auch einfach "ich mag Eis als Nachtisch" heißen kann. Gegessen wird zur Zeit praktisch den ganzen Tag.



Otto voran


Samstag, 9. April 2022

Warten kann nicht jeder

Otto war etwa eine Woche gesund und hat gut geschlafen. Dann fielen im an einer Stelle die Haare aus ("normal bei Kindern"), und dann hatte er irgendwas in den Augen, das aussieht wie aufgeweichter Schlafsand (Konjunktuvitis). Ich habe Otto zur ersten Blutabnahme genommen; er hat uns vergeben. Wenn es ganz schlimm kommt, hängt er auf Papas Schulter, das wird vermutlich eine schöne Erinnerung.

Sonntag fliegen wir. Ich hatte immer etwas Schiss, aber bisher haben Arbeit und Pflichten es immer abstrakt genug erscheinen lassen. Nach Freitag Feierabend bin ich wahnsinnig nervös. Das sich am Flughafen rausstellt, dass ich irgendwas nicht vorbereitet habe. Das irgendwas im Hotel nicht klappt, oder wir den Zug nach Rostock verpassen. Meine Nervenbasis ist sehr viel schmaler geworden, seitdem ich keine Hobbys mehr habe, die den Lebensfokus auffächerten. Seit vier Monaten scheine ich weder tags noch abends je Zeit für eine richtige Vorbereitung gefunden zu haben.

Otto Nachrichten

Otto imitiert viel häufiger viel mehr und viel kompliziertere Worte nach.

Johannes Nachrichten

Ich habe kürzlich die Zweitlesung der Harry Potter Serie unterbrochen um Stolz und Vorurteil zu lesen. Ich hatte ja immer eine Schwäche für Romanzen. Eine sehr schöne Lektüre, einfach und unterhaltsam. Zu mehr reicht es weiterhin nicht.

Donnerstag, 31. März 2022

Warten können andere

Ottos Lieblingssendung im Kinderfernsehen heißt "Graces fantastische Maschinen" und stellt alle möglichen Fahrzeuge vor. Mehrere Folgen spielen in Portsmouth, unter anderem besucht Grace die Autofähre auf die Isle of Wight. Ich habe Otto lange erzählt, dass wir eines Tages damit fahren werden. Schließlich will ich ihm dieses Jahr Eisenbahn, Busse und Boote vorstellen. Diesen Samstag haben wir ziemlich spontan Karten gebucht.

Ich hatte Otto in den Vortagen immer wieder erklärt, was wir machen werden, und er hat eindeutig ein Konzept von "Autofähre" - Brumm Brumm Rau Rau. Rau Rau von "row row", aus einem englischen Kinderlied über ein Boot auf einem Bach. Er war aufgeregt, als wir am Terminal standen und die Fähre anlegte. Auf dem Schiff selber aber hat er sich nur für den kleinen Spielbereicht im Mitteldeck interessiert. Ich bin allein auf das Außendeck gestiegen; ich war seit Jahren nicht mehr auf dem Wasser gewesen.

Vom Pier auf der Isle of Wight führt ein sehr schöner, grüner Pfad einen Hügel hoch zur Abtei Quarr. Da hat Otto zum ersten Mal Schweine gesehen, sogar kleine Ferkel. Es war ein richtig schöner Tag. Die Sonne schien, alles war grün, das Meer blau, und Blumen brachten Farbe hinzu. Gottseidank ist Frühling. Mein Leben habe ich den Frühling nicht so genossen wie seit Ottos Geburt. Mir wurde auch im Klosterladen ganz komisch. Die Bilder von Ruhe und Genuss sprechen mich viel mehr an als früher. Zu gerne hätte ich da Geld ausgegeben.

Wir haben im Gartencafe etwas gegessen, während Otto allerorten Unheil anrichtete und vor allem unter Absperrungen hindurch kletterte. Er hat an praktisch allen Blumen gerochen und diverse abgerupft. Einmal durfte er auf Papa reiten. Einmal sind wir in die Klosterkirche, wo er die Stille mit Experimenten zum Thema Echo brach. Ganz toll fand er auch die Glocken, die alle Viertelstunde schlug. Bis heute erzählt er uns vom "Ding Dong!". Eine ganze Weile konnten Ellie und ich einfach auf dem Gras sitzen und zugucken wie Otto über die Wiese rannte und durch die Kiesel auf den Wegen schlurfte.


Das war für Otto das erste Mal auf einem Schiff, und das erste Mal auf die Isle of Wight, aber überhaupt unser allererster Tagesausflug. Es gibt uns Zuversicht mit ihm zu reisen. Für mich ganz persönlich eröffnet sich die Hoffnung, wieder richtig was machen zu können. Otto hat den Tag gut durchgehalten; frische Luft hat wahrscheinlich geholfen. Auf der Rückfahrt wurde er dann müde. Wir mussten ihn das erste Mal ausschimpfen, weil er auf der Fähre im Spielbereich anfing Kinder zu hauen, weil sie ihm im Weg standen. Geduld ist wirklich nicht seine Stärke, schon gar nicht, wenn er müde ist. Abends schlief er praktisch sofort ein.


Muttertag

Am Tag drauf war Muttertag; der findet hier an einem anderen Tag statt als anderswo. Ich habe Ellie zum Mittagessen in ein Cafe mit Bauernhof auf der Nachbarinsel Hayling genommen. Da sieht Otto immer Kühe und Hühner. Diesmal haben zwei Hähne gekräht; Otto hat das etwas Angst gemacht. Zurück in Portsmouth haben wir Otto zu einer Modell-Eisenbahn. genommen, die nach einigen Jahren wieder aufmachte. Otto fand das natürlich fantastisch. Aber auch da zeigte sich, dass er gar nicht gerne wartet, schon gar nicht auf andere Kinder vor ihm in der Schlange. Muss er lernen. Anschließend haben wir mit auf der Wiese gespielt. Das man das einfach mit ihm machen kann ist wirklich toll. Ohne große Planung, ohne an einen Zeitplan zu denken.

Otto Nachrichten

  • Wir bringen ihm anhand von Blumen und Autos die ersten Farben bei.
  • Er kann sich inzwischen ziemlich gut sprachlich ausdrücken. Man muss allerdings seine Worte kennen. Zum Beispiel hat er sofort die Worte "Quarr Abbey" gelernt, also Abtei Quarr. Bei ihm bedeutet das aber die Haferflocken, die wir da für sein Porridge am Morgen gekauft haben.

Johannes Nachrichten

  • der Elefant im Raum ist natürlich die anstehende Reise nach Deutschland. Fast jeden Abend scheitert mein Plan, etwas vorzubereiten. Eigentlich ist alles erledigt. Ich bin trotzdem sehr nervös etwas vergessen zu haben.


Ellie Nachrichten

  • Ellies Oma ist ganz plötzlich mit 95 gestorben









Samstag, 19. März 2022

Ottos Geburtstag

Otto hat es tatsächlich geschafft, zwei Erkältungen auf einmal zu haben. Der Schnodder der ersten ließ gerade nach, da fing er plötzlich an zu niesen und die Nase legte wieder los. Seit Weihnachten ist er nie gesund gewesen.

Zu seinem Geburtstag konnte die Tagesmutti mal wieder nicht; Ellie und ich haben uns je eine Tageshälfte frei genommen. Hätten wir die Urlaubstage dafür übrig hätten wir uns seinen Geburtstag natürlich frei genommen. Aber das geht einfach nicht mehr. Ich bin mit Otto vormittags in den Stadthafen gefahren; wenigstens das Wetter war toll. Ich habe ihm als Autofan die Autofähre vorgestellt, und auch verschiedene andere größere Schiffe liefen gerade ein. Otto zeigt inzwischen echtes Interesse an Schiffen und der Hafen wird sicherlich ein guter Ort für Kinderbetreuung. Dieses Jahr wollen wir mit der Autofähre auf die Isle of Wight; von der Anlegestelle dort ist es ein kurzer Spaziergang zum Cafe der Abtei Quarr mit Garten und Tieren.

Über die Mittagspause haben wir dann seine Geschenke ausgepackt. Ich erfahre erst jetzt, dass Ellie und ich völlig unterschiedliche Vorstellungen haben, wieviele Geschenke richtig sind. Ich will in Ottos Alter eigentlich nur eine, kleine Sache schenken. Dieses Jahr eine Fahrradklingel für Ottos Roller. Ellies Familie schenkte immer viel. Muss man sich einigen. Aber wir sind uns einig, dass das Wohnzimmer jetzt wirklich voll ist. Wir haben auch wieder den Kuchen wie zu meinen Geburtstagen gemacht.

Der eigentliche Höhepunkt war der Besuch beim Esel-Asyl auf der Nachbarinsel Hayling. Ich hatte schon in der Vergangenheit geschrieben, dass diese Insel einen völlig anderen Charakter bekam, als wir ein Kind hatten. Eine Viertel Stunde Fahrt, grün und ruhig. Und ein Feld, wo ein Verein Esel rettet, plus vier Schafe und ein Pferd. Ich hatte Otto in letzter Zeit darauf vorbereitet, was Esel so sagen und er war anständig aufgeregt. Für mich persönlich ist es einfach gut, viel raus zu kommen. Der Frühling ist da, die Osterglocken säumen die Straßen.

Vermischtes

  • Otto wächst wohl mal wieder. Isst wie ein Scheunendrescher.
  • Die CD mit den Kinderliedern läuft hoch und runter sobald wir im Auto sitzen. Lieblingslieder:
    • Bienchen summ herum
    • Alle Vögel
    • Der Kuckuck und der Esel
    • Im Märzen der Bauer
    • Die Vogelhochzeit
  • Der kleine Maulwurf wird jeden Abend gefordert. Aber meistens nur eine bestimmte Szene aus einer bestimmten Folge.








Sonntag, 6. März 2022

Direkt nach den Windpocken brachte Otto eine Erkältung von der Tagesmutti mit nach Hause. Ellie und ich haben uns sofort angesteckt, und nach über einer Woche ist immer noch kein Ende abzusehen. Ich bin einfach nur erschöpft. Es nimmt einfach kein Ende mit Krankheiten, fehlender Kraft schon am Morgen und dann schlechten Nächten. Der abendliche Sport hatte mir mental ganz gut geholfen, aber das musste ich krankheitsbedingt sofort wieder abbrechen. Mir geht es nicht gut. Ellie auch nicht. Nur ich gebe es zu.

Letztes Wochenende sind wir mit Otto zur Hubertuskapelle gefahren. Vor allem aber probierten wir aus, ob man mit ihm in einem Pub auch mal essen kann. Ich hatte zwei mit großen Biergärten bzw. Wiesen hinter dem Haus ausgesucht. Ergebnis: es klappt sehr gut, solange einer mit ihm über die Wiese rennt. Hinter dieser speziellen Wiese fahren auch regelmäßig Züge. Bei der Gelegenheit habe ich Otto in einer kleinen Fußgängerunterführung das Konzept des Echos beigebracht. Tags darauf sind wir im weiter westlich gelegenen Tal des Flusses Meon die ehemalige Bahnstrecke entlang gelaufen. Unter jeder der alten Fußgängerbrücken dort hat Otto Echo gespielt. Gerade mit Erkältung hält er nie still, aber da zumindest durfte Papa ihn fast die gesamte Strecke tragen.

Die Woche ist an mir vorbeigeflogen; aus dem Haus komme ich sowieso nicht, und ein paar Tage war ich krank und wollte sowieso nichts mehr machen.

Gestern, Samstag, bin ich  nachmittags nach vielen Verschiebungen, endlich einmal ein bisschen wandern können. Ich bin mit dem Auto den Fluss Meon hochgefahren, etwas weiter als wir mit Otto gewesen waren. Da liegt ein sehr kleines Naturschutzgebiete, einmal um eine Auenwiese am Fluss. Matschig und kalt, ab und zu Nieselregen. Dafür blüten die ersten Bäume. Ich bin später ziellos die Landstraßen abgelaufen; es war einfach schön mal draußen zu sein. Ganz zufällig lief ich an einem Bekanntem vom Tango vorbei, der arbeitet da als Leihgärtner in den teuren Häusern. Auch mal gut mit Menschen zu reden.

Heute sind wir mit Otto dann endlich Zug gefahren. Eine halbe Stunde nach Chichester, da rumgeflaufen, und wieder zurück. Otto hat gekichert vor Aufregung, es hat ihm richtig Spaß gemacht. Bald wird er ja fliegen. Dann will ich ihn mit auf ein Boot nehmen. Und irgendwann fahren wir einfach mal mit dem Bus durch die Gegend. Dieses Jahr wird das alles passieren.