Freitag, 15. September 2017

Ad Astra

Freundliche Übergabe
Seit heute gehört das neue Haus offiziell uns. Die Vorbesitzer haben uns Schlüssel, Schokolade und Champagner überreicht. Wir haben bereits einige Sachen rübergeschafft, darunter die meisten von meinen, aber der Großteil wird morgen am Samstag mit einem gemieteten Lieferwagen transportiert. Ellies Bude liegt seit Tagen in Kisten, als letztes haben wir Bett und Sofa auseinandergenommen - hoffentlich kriegen wir sie auch wieder zusammen. Stressig wurde es nur am Nachmittag, als wir wider Erwarten doch ganz schnell Anbieter für Wasser, Strom etc. finden mussten. Wichtig: Internet kriegen wir erst am 25. September. Bis dahin kein Tagebuch, keine Internettelefonie. Dafür unten einige Bilder.

Freundliche Übernahme
Praktisch für mich: Mathieu übernimmt mein altes Zimmer. Kontex: als er im Dezember seine Arbeit aufgab und auf Reisen ging, ließ er viele seiner Sachen bei mir. Ich benutzte mein Zimmer ja kaum noch. Jetzt ist er zurück aus der Weltgeschichte, sucht nach Arbeit, und das kann er ja genausogut von hier aus machen. Dann kann er sein Zeug anschließend gleich zum neuen Ort mitnehmen. Für mich zum einen eine Erleichterung, weil ich ihm viele Sachen des täglichen Bedarfs dalassen kann. Ich muss sie nicht schleppen, er brauch sich nicht erst einrichten. Zum anderen freue ich mich einfach, für eine Weile wieder einen Freund vor Ort zu haben.

Prioritäten
In meinem Kopf spielt der Umzug weiterhin keine große Rolle. Engländer finden es dagegen alle aufregend. Für mich wird der 15. September 2017 als der Tag in Erinnerung bleiben, an dem die Sonde Cassini in den Saturn stürzte. Darüber war ich schon seit Wochen aufgeregt und habe fast mit Rührung die letzten Minuten im Kontrollzentrum live verfolgt. Seit ich vor zwei Jahren Opas altes Physikbuch gelesen habe, habe ich eine echte Begeisterung für die Wissenschaft entwickelt. Schlägt Immobilienbesitz immer noch in meinem Herzen.


Buddha verurteilt jegliche Veränderung in seinem Reich.


Kisten findet er aber ganz ok.


Kurz vor dem großen Moment!
Ellie öffnet die Tür!








Vor einer Woche mit Kalina an der Windmühle von Bursledon.


Letztens habe ich die letzten Fotos aus meinem alten Tagebuch gerettet. Dieses hier stammt Januar 2005. So ging die ganze Schose los.

Sonntag, 10. September 2017

In der Mühle

Vor einigen Wochen bemerkte ich mit großem Unwillen, dass ich einige lang geplante Sachen einen weiteren Sommer lang nicht zu schaffen scheine. Sowas macht mich immer sehr unglücklich, schließlich soll man Sachen ausprobieren. Dann habe ich Schlag auf Schlag doch noch alles abgehakt: eine Sommerwanderung über Land, die Bootsfahrt zu den Nadeln mit Papa, die Kajakfahrt auf dem Itchen. Zuletzt habe ich mit Kalina die historische Windmühle in Bursledon besucht. Das liegt zwischen Portsmouth und Southampton, am gleichen Fluss, auf dem ich im Juli das erste Mal in diesem Jahr Kajak fahren war. Auf einem Hügel in der anderen Richtung betreibt ein Verein eine restaurierte Mühle, was mir vor Ewigkeiten auf der Karte aufgefallen war. Um die Mühle stehen nur noch eine Scheune und ein Getreidespeicher, gerettete historische Gebäude wie im Freilichtmuseum, wo wir mit Mutti gewesen waren. Es gibt eine kurze Führung und das war es auch schon, aber ich fand es gerade wegen des kleinen Formats sehr entspannend, mit Kalina in der Scheune bei einem Kaffee zu reden. Sie hat dann wieder bei uns übernachtet und konnte so zum Freiluftkino mitkommen.

Solche Ausflüge sind im Moment besonders wichtig, weil mich meine Arbeit frustriert. Ich bin offiziell aus Aufbaustudium ausgestiegen, weil es jeden Freitag fünf Stunden Fahren bedeutet hätte. Richtige Entscheidung, trotzdem eine Riesenenttäuschung. Durch den Umzug musste ich außerdem auf eine Konferenz und eine sehr interessante Veranstaltung im Büro verzichten. Und statt solche interessante Sachen zu machen, langweile ich mich ganze Tage lang mit dem statistischen Artikel zu Tode, der den Datensatz begleiten wird, den wir bald veröffentlichen. Die ganze Erfahrung mit der diesjährigen Datenproduktion, die ich dieses Jahr zum ersten Mal selbst geführt habe und die eigentlich eine tolle Karriereerfahrung wäre, hat mir nur gezeigt, dass mich eine technische Karriere interessiert und keine Projektleitung. Das Ganze tue ich mir jeden Tag auch noch besonders lang an, weil ich Arbeitszeit gutmachen muss.

Zu Hause wird gepackt. Mein Zimmer befindet sich wieder im Koffer und auch Ellie Bude ist größtenteils verkistet. Ellie nimmt sich eine Woche um den Umzug herum frei. Ich kann mir nur einen Tag nehmen.

Mittwoch, 6. September 2017

Mein ganzes Geld ist weg!

Donnerstag morgen habe ich alle meine Ersparnisse ausgegeben. Fast alle. Plötzlich war die Notarin fertig mit dem endlosen Prüfen und Suchen. Nachdem sie es monatelang nicht mal zum Rückruf geschafft hatte, sollten wir jetzt sofort Gebühren und Hauseigenkapital schicken, am besten am gleichen Tag, an dem sie anrief. Acht Minuten danach fragte dann auch schon der Immobilienmakler, ob das Geld denn schon überwiesen wäre. Natürlich nicht - das konnten wir erst am folgenden Morgen auf der Bank. Plötzlich ist also der 15. September Übergabedatum. Ab dann sind wir offiziell Eigentümer eines schönen, alten, kleinen englischen Häuschens. An dem Wochenende wird dann auch umgezogen. Und ich bin mein Geld los. Briten sagen mir zwar, dass mein Geld nicht weg sondern angelegt ist. Aber ein Deutscher Sparer weiß es, natürlich, besser.


Im Grünen
Um die lokale Deutschheit zu verstärken, kam Papa für ein langes Wochenende. Er erlebte das letzte schöne Wetter. Am ersten Tag ihn zu einigen meiner Lieblingsorte im Naturschutzgebiet der South Downs gefahren. Auf dem Hügel Butser war es so sonnig, dass wir im Gras schlafen konnten. Dabei bekam ich den Anruf, dass wir nun endlich das Haus bekommen. Dann ging es noch zur Jurte und zum Alten Winchesterhügel. Letzterer ist der prominent in die Landschaft vorstechender ehemalige Standort einer eisenzeitlichen Siedlung. Ich war dort bisher selbst nur einmal mit Ellie gewesen. Damals haben wir Äpfel gesammelt und später zu einer Art gesüsstem Apfelbackstein verkocht. Gegessen haben wir in einem Biergarten im Dorf Buriton, ebenfalls in der Sonne. Das liegt direkt unter einem Hügel der South Downs, und hinter dem Königin-Elisabeth Landschaftspark, durch den wir dann nach Hause gefahren sind, an der Hubertuskapelle vorbei. Das englische Land zeigte seine beste Seite und das englische Meer auch; abends haben wir auf der Seebrücke gegessen.

Auf dem Blauen
Den zweiten Tag haben wir dann komplett auf dem Wasser verbracht, was mir einen alten Plan erfüllte. Ich wollte nämlich schon lange mal die örtlichen Sommerseefahrten ausprobieren. Mit Papa habe ich die allerletzte dieser Saison erwischt, und zwar zu den Nadeln der Isle of Wight. Das ist eine Gruppe von Felsnadeln im Meer ganz am Westende der Insel. Bisher hatte ich sie nur einmal von Weitem gesehen, rangekommen war ich nie. Der Tag war ganz ausgezeichnet, Sonne, praktisch kein Wind, tausende Segel auf dem Meer, man konnte hundert Kilometer weit nach Westen blicken. Mittags wurden wir im schönen kleinen Ort Yarmouth auf der Insel abgesetzt, wo ich mal mit Mathieu übernachtet hatte und wo ich zuletzt im letzten Sommer mit Mutti und Ellie gewesen war. Ganz besonders hat mir aber die ganze Nordküste der Insel gefallen, vorne Wald und dahinter Hügel und Felder, die mich praktisch rufen, ich muesste alles abwandern. Auch vor der Abtei Quarr und Schloss Osborne kommt man vorbei. Und weil es die allerletzte Fahrt in diesem Jahr war, bekamen wir im Hafen noch eine Extrarunde um den neuen Flugzeugträger dazu.

Im Nassen
Nur der letzte Tag fiel ins Wasser. Aus lauter Verzweiflung haben wir in Winchester englischen Sonntagsbraten gegessen und sind ins Stadtmuseum gegangen. Ein weiterer Ort, den ich mal allein ausprobiert und jetzt in der Hinterhand hatte. Ich wurde sogar wiedererkannt.



Am Abend vor Papas Besuch hatte die Uni-Kosmologie einen weiteren öffentlichen Vortrag im Pub gehalten. Dabei habe ich einen der Leute hinter der Internetseite getroffen, auf der man bei Wissenschaftsprojekten helfen kann. Astronomen trinken gerne und können Mathe. Eine gute Kombination. Sie sagen ich sollte das Studium einfach nachholen.


Ellie freut sich übrigens schon so auf ihr neues britisches Leben als Hausbesitzerin, dass sie bereits anfängt zu packen. Zwar hat sie recht - besser früh anfangen. Aber ich kenne die Gute ja - sie freut sich einfach auf viele Räume zum Ausstatten. In meinem Kopf spielt das Ganze eine merkwürdig kleine Rolle. Das wichtigste bisher ist, dass Mathieu mein altes Zimmer für eine Weile übernimmt, wenn er demnächst seine dort gelagerten Sachen abholt. Dadurch muss ich mich nämlich erstens nicht um Zwischenlagerung dafür kümmern, und zweitens freue ich mich wirklich zumindest zeitweise einen Freund vor Ort zu haben.

Donnerstag, 31. August 2017

Wassermusik

Seit etwa drei Jahren gibt es in Portsmouth ein großes Musikfestival. Das findet immer am (langen) letzten Augustwochenende am Meer statt. Man bemerkte schon am ersten Tag einen Menschenstrom aus der ganzen Region und insbesondere in der Stadt, zum Meer runter. Denn die Eintrittskarten waren zwar schon Monate vorher ausverkauft, aber an einigen Stellen hört man die Musik einiger Bühnen wunderbar über die Absperrungen hinweg. Außerdem hatten wir urplötzlich bestes Wetter. Viel Sonne, viel Wärme, kein Wind, die See ganz glatt. Und genau an der besten Stelle zum Mithören am Strand stehen zwei neue Essstände, einer davon mit polnischer Wurst und Pieroggen. Also habe ich mich drei Nächte lang da hingesetzt und sowas wie Sommer genossen. Kinder lernen  rudern, Familien fahren  Kajak, Schiffe aller Arten auf dem Meer. Ein Lotse und zwei Schlepper fahren einem Zerstörer entgegen, der in den Hafen will. Die Matrosen stehen an Deck und hören im Vorbeifahren der Musik zu. Seit Kurzem ist auch die Seebrücke nun endlich bis zur Spitze begehbar. Dort wurde ein klassisches Karussel aufgebaut und ein Fish & Chips Restaurant bietet Tische, wo die Sonne abends am längsten zu sehen ist. Es ist ganz merkwürdig, wie anders die Aussicht wirkt, nur weil man hundert Meter weiter draußen steht als am Strand. Ich gehe abends sehr gerne nochmal da raus und es ist immer viel Betrieb.

Auf dem Itchen
Während Sonntag die Musik in die Vollen ging, fuhr Ellie zu einer Freundin und ich nach Southampton. Dort habe ich mir ein Kajak ausgeliehen und bin den Fluss Itchen hochgepaddelt. Der fließt auch durch Winchester, aber soweit bin ich nicht gekommen. Wie sich herausstellte, komme ich nichtmal aus den Stadtgrenzen hinaus, bevor mich ein Wehr stoppt. Also fahre ich nochmal flussabwärts soweit ich darf. Es waren sehr viele andere Kajaks und Kanus unterwegs - wie ich bemerke, ist Wassersport doch ziemlich beliebt hier. Insbesondere merke ich aber auch, dass in den meisten Kajaks Polnisch gesprochen wird. Somit habe ich also den Itchen soweit wie möglich ausprobiert. Zwar kommt man nicht wirklich aufs Land raus, aber dafür sind die Ufer doch sehr grün. Für solche Versuchsausflüge kommen mir Tage immer gelegen, wenn ich alleine bin. Jetzt wo ich weiß, was sich lohnt, kann ich mal mit Kalina oder Ellie in einem bequemeren Boot auf dem Fluss rumpaddeln.

Zurück in Portsmouth bin ich am selben Abend wieder zum Meer gefahren um bei live Musik zu schwimmen und zu lesen. Die Lichter des Karussels auf der Seebruecke und die Lichterketten der Promenade spiegelten sich im Wasser, als die untergehende Sonne die schönsten Farben in die wenigen Wolken malt. Darüber wurde der Mond immer heller und darunter fuhr die Faehre  nach Frankreich aus. In einem Monat sind wir da mit drauf. Es ist immer ganz gut, mal einen Abend allein zu haben und draußen zu bleiben, bis es zu kalt oder zu spät wird.

Park Staunton
Montag war die Musik vorbei und Ellie kam zurück. Zusammen haben wir noch einen Ausflug in den Park Staunton gemacht. Der liegt gleich ausserhalb von Portsmouth, im Ort Havant, wo die ganze elende Zersiedelung langsam in die schöne Landschaft des Schutzgebietes South Down (Sudhügel) und die Gegen um die Hubertuskapelle übergeht. Staunton besteht, wie wir lernen, aus zwei Teilen. Einem teuren ehemaligen Anwesen mit blühenden Gärten und Streichelzoo für Kinder, und einem großen Park, ebenfalls mit Überresten herrschaftlicher Dekorativarchitektur, dafuer gratis, was wir nicht wussten.
Auf der Aussichtsterrasse des Landschaftsparks Staunton.

Mittwoch, 23. August 2017

Kleine Nachrichten mit großen Bildern

Große Boote für kleine Inseln
Der neue Flugzeugträger der Royal Navy ist in seinem Heimathafen Portsmouth angekommen. Leider habe ich an dem Morgen nicht dran gedacht, sonst wäre ich zum Hafen gefahren. Die Queen Elizabeth hat 65.000 Tonnen, das größte Schiff, dass die Marine jemals hatte. Zum Vergleich, der amerikanische Träger, der vor ein paar Wochen auf Freundschaftsbesuch hier war, hat 100.000 Tonnen und passte gar nicht erst in den Hafen. Ellie versteht die ganze Aufregung nicht. Ist bloss ein Boot.
Flugzeuge kriegt das Boot erst nächstes Jahr, und später ein Schwesterschiff, auch mit Heimat in Portsmouth. Die zwei Vorgänger waren bei meiner Ankunft noch hier stationier. Inzwischen verschrottet.
Jetzt erklären sich auch die vielen Baggerschiffe, die im letzten Jahr vor dem Hafen vor und zurück fuhren. Die haben die Fahrrinne vertieft. Auch gut fuer Archäologen. Es wurde alles von deutschen Bomben bis zu alten Kanonen gefunden.

Große Bücher für kleine Leute
Das Begleitbuch zur Deutschlandausstellung habe ich bereits ausgelesen. Las sich ganz ungewöhnlich schnell. Ist auch leicht geschrieben, und ich hoffe Ellie liest es wie angekündigt auch. Naja, aber viel Hoffnung ist es nicht. Daneben habe ich ihr die englische Ausgabe der Verlorenen Ehre der Katharina Blum gegeben. Auch da habe ich meine Zweifel. Sie hat mir dafür endlich das Preußenbuch aus der Bibliothek geholt.

Große Entscheidungen für kleine Geister
Arbeit: Meine neue Chefin hat sich langsam eingearbeitet und übernimmt zunehmend ihre Führungsrolle. Was die ja mir übertragene Datenproduktion angeht, haben wir endlich alle Zahlen beisammen und können sie jetzt analysieren. Ich schreibe gerade den Kommentar. Macht mir auch keinen Spaß. Ende September wird dann alles veröffentlicht.
Nebenher bin ich ganz hin- und hergerissen, ob ich mein Aufbaustudium machen soll. Einerseits ist es eine gute Zeit und es wird bezahlt. Andererseits hieße es wahrscheinlich, jeden Freitag nach Oxford zu fahren. Also 5 Stunden im Auto, für mindestens 6 Stunden Vorlesungen. Und dann die Hausarbeit. Eigentlich soll es auch Videoübertragung geben, sodass man also nicht persönlich hinmüsste. Aber das machen sie zum ersten Mal, wer weiß also, ob das klappt.

Große Freiheit auf kleinen Bergen
Um zumindest privat das Gefühl zu haben, die sich bietenden Chancen zu nutzen, bin ich endlich einmal auf eine längere Wanderung gegangen. Der Sommer ist zwar schlecht, aber man kann ihn ja nicht verkommen lassen. Also bin ich ins Dorf East Meon gefahren, was nicht weit von der Jurte liegt. Von dort bin ich frei nach Schnauze über die öffentlichen Wege zum kleinen Berg Butser gelaufen. Dort war ich vor kurzem mit Ellie gewesen und die besten Aussichten in der ganzen Region entdeckt. Diesmal war Ellie nicht dabei, dann so lange läuft sie nicht gerne, und neue Wege probiere ich lieber erst allein aus. Und tatsächlich, man kommt in anderthalb Stunden hoch und hat dabei einen sehr schönen Anmarsch. Der Ort East Meon selbst ist auch sehr nett. Ich werde bei unserem nächsten Besuch der Jurte mal mit Ellie dorthinlaufen und die guten Pubs ausprobieren.

Der Blick vom Hügel Butser, auf unserem ersten Besuch. Beim zweiten bin ich von ganz hinten rechts gekommen.

Im Anschluss machten wir noch im Umweltzentrum Halt.

Muttis Besuch

Vom 6. zum 13. August war Mutti hier - ganz allein ist sie geflogen! Denn trauen muss man sich Sachen, da waren wir uns einig. Im Gepäck hatte sie eine Zuckertüte für Ellie, die ich im Juni in Deutschland vergessen hatte.
Zwei Tage konnte ich mir freinehmen, die hatten dann auch das schönste Wetter, nämlich sonnigen Herbst. Drei schöne Ausflüge haben wir gemacht. Einen in ein Freiluftmuseum, das Dorfgebäude aus allen Zeitepochen sammelt und restauriert. Einen mit der Autofähre zum Abtei Quarr auf der Isle of Wight. Und zuletzt einen zum Chili-Festival, zu Musik und Essen. Auf letzterem hatte Ellie bisher jedes Jahr auf der Bühne getanzt und ich war zu der Zeit immer in Deutschland. Diesmal war ihre Gruppe nicht da, dafür haben wir zu zwei Salsa getanzt. In den vier Jahren, die wir uns kennen, war das vielleicht das zweite Mal, dass wir in der Öffentlichkeit getanzt haben! Außerdem hatten wir Zugang zu einem weithin bekannten Schulgarten.
Aber auch an den Arbeitstagen haben wir die Abende immer schön gemacht. Wir sind die Seepromenade abgelaufen und haben viel geredet. Das war eigentlich wichtiger als viele Ausflüge.

Und weil Abschiede immer so traurig sind, sind Ellie und ich nach Muttis Abfahrt direkt nach Chichester gefahren. Dort habe ich Ellie den Kanal rauf und runter gerudert, und sie hat ihre Entenfreunde gefüttert. Einige der Küken vom Juni waren immer noch da und an den Ufern hingen reife Brombeeren.
Ellie und ich planen etwas, Buddha beobachtet Mutti argwöhnisch, und mittendrin liegt Ellies Zuckertüte.

Unser zukünftiges Haus, heimlich aufgenommen um keine englischen Gefühle zu verletzen.

Vor einem viktorianischen Haus im Freiluftmuseum.


Ich habe gelernt: Mutti kann auf Stelzen laufen.

Wir können das auch.

Aber nicht allein.

Abendessen im Einkaufszentrum Gunwharf Quays, im alten Marinearsenal.
Ein Teil des Einkaufszentrums ist der Spinnaker Turm.

Der ist hier im Hintergrund zu sehen, während wir auf der Fähre aus Portsmouth zur Isle of Wight übersetzen.




Dort habe ich im letzten Jahr einen kurzen Weg zur Abtei Quarr gefunden. Die mit den Schweinen.

 
Zu Ellies immenser Begeisterung haben die Klosterschweine gerade Junge.


Dort hat Mutti endlich ihren Cream Tea bekommen.
Das ist ein Kuchenbrötchen mit Marmelade und Sahne. Ellie sagt: immer zuerst die Marmelade draufschmieren.

Am letzten Tag sind wir zur Chili Fiesta gefahren.

Da geht es um Musik und Essen.

Und man kommt in die Gärten der ansässigen Schule.


Nach Muttis Abfahrt habe ich Ellie den Kanal von Chichester runter- und wieder rausgerudert.

Dienstag, 1. August 2017

Wider den Stress, für die Wissenschaft!

Nah am Wasser
An einem verregneten Samstag sind Ellie und ich ins örtliche Aquarium am Meer gegangen. Viele Fische, Otter, einige Landtiere. Viele laute Kinder. Abends habe ich für Ellie Russischen Zupfkuchen gemacht. Das hat einen langen Disput beendet, welches Land besseren Käsekuchen macht. Englischer ist gefüllt mit Weichkäse (z.B. Mascarpone) und nicht gebacken, sondern gekühlt. Quark ist hier nicht mal groß bekannt. Wie sich rausstellte, schmecken beide Varianten gleich. Wie uns dann einfiel, liegen Quark und Weichkäse ja auch nah beieinander auf der Molkereilinie und Milch zu Butter.

Oben auf
Am Sonntag tagsdarauf wollte ich mal wieder aufs Land. Wir haben einen weithin sichtbaren Hügel angefahren, der zum Naturpark der South Down gehört. Dort oben haben wir ganz tolle Blicke entdeckt. Im Süden sieht man gleichzeitig Portsmouth, Southampton und tatsächlich die gesamte Nordküste der Isle of White. Nach Norden hin öffnet sich eine Tiefebene, wo im Frühling die Rapsfelder eine ganz tolle Aussicht geben werden. Und nach Osten hin sieht man die Hügelkette der South Downs. Der Hügel nebenan ist dann auch der Königin Elisabeth Landschaftspark, wo wir vor einigen Wochen waren. Ebenfalls in Sichtweiter ist das Umweltzentrum, wo wir anschließend noch Tee tranken.

Drunter und drüber
Im Büro habe ich viel zu tun und auch viel Stress. Die letzten zwei Wochen hatte ich viel mit dem Anlernen meiner neuen Chefin zu tun, und führe nebenbei noch die jährliche Datenproduktion. Projektführung liegt mir nicht so, wie ich lerne - nichts ist jemals wirklich fertig. Dann bin ich einerseits frustriert, dass momentan viele Kollegen viel zu lernen scheinen, und andererseits bekomme ich ein Stipendium zum Aufbaustudium, von dem ich noch nicht ganz überzeugt bin. Abends bin ich darum bin ziemlich müde und der sozialer Ausgleich fehlt. Mathieu ist weg, der Chor hat Pause. Nur schwimmen kann ich viel.

Der Kaiser und der König
Nach dem Buch über die Nachkriegsmonate in der Welt habe ich jetzt mein Geburtstagsbuch angefangen, die Erinnerungen einer Nation. Endlich erfahre ich was über Deutschland! Der Stil ist sehr leicht und natürlich für Briten und großes Vorwissen ausgelegt. Aber man erfährt doch so einige interessante Anekdoten. Ellie zum Beispiel interessierte, dass der britische König Georg I als Kürfürst von Hannover gleichzeitig Untertan des deutschen Kaiser war. Daraus leitete sich ein längerer Vortrag über der Heilige Römische Reich, die Namensherkunft Preußens und der Geburtsort unseres italienischen Freundes, damals Teil des Reichs, ab. Christopher Clarks Preußenbuch habe ich in der Bibliothek reserviert und warte jetzt.

Schäfchen zählen
Ich habe ein neues Hobby. Auf einer Internetplattform für Hobbywissenschaftler zähle ich auf Fotos Tiere in einem Reservat in Kenia. Das heißt, eigentlich wollen sie dort Giraffen zählen. Dazu haben sie automatische Kameras aufgestellt, vermutlich mit Bewegungsauslöser. Nun ist Fotos machen bekanntermaßen heutzutage nicht mehr schwer, Fotos auswerten dagegen sehr, weil das Handarbeit ist und Forschungsprojekte generell kein Geld haben. Weil es auch nicht schwierig ist, lassen sie darum Freiwillige ran. In gut 700 Bildern habe ich genau ein Giraffenbein gesehen! Dafür tausende Ziegen und Hirtenjungen, die sich einen Spaß mit der Kamera machen- Interessant aber, ungestellte Bilder von Tieren und Menschen zu sehen. Und mit der Zeit kriegt man richtig Erfahrung, wie die verschiedenen Arten aussehen. Inzwischen kann ich auch ein Kudu von einem Eland unterscheiden.
Erfahren habe ich von dieser Seite über einen Vortrag auf der Arbeit. Dort überträgt ein Forschungsteam alte Statistiken der Volkszähling von 1961 von Mikrofilm auf Computer. Was die Bilderkennung nicht automatisch schafft, wird Freiwilligen vorgelegt. Die Internetplattform, wo diese ganzen Projekte verfügbar sind, hat sich ursprünglich aus astronomischen Projekten entwickelt, wo Teleskopaufnahmen ausgewertet werden. Wie sich herausstellte, hat Ellie schon vor fünf Jahren Spiralgalaxien klassifiziert. Als sie einmal kurz das Keniaprojekt übernahm, bekam sie nach zehn Bildern eine Giraffe! Ist das eine Normalverteilung?!