Nah am Wasser
An einem verregneten Samstag sind Ellie und ich ins örtliche Aquarium am Meer gegangen. Viele Fische, Otter, einige Landtiere. Viele laute Kinder. Abends habe ich für Ellie Russischen Zupfkuchen gemacht. Das hat einen langen Disput beendet, welches Land besseren Käsekuchen macht. Englischer ist gefüllt mit Weichkäse (z.B. Mascarpone) und nicht gebacken, sondern gekühlt. Quark ist hier nicht mal groß bekannt. Wie sich rausstellte, schmecken beide Varianten gleich. Wie uns dann einfiel, liegen Quark und Weichkäse ja auch nah beieinander auf der Molkereilinie und Milch zu Butter.
Oben auf
Am Sonntag tagsdarauf wollte ich mal wieder aufs Land. Wir haben einen weithin sichtbaren Hügel angefahren, der zum Naturpark der South Down gehört. Dort oben haben wir ganz tolle Blicke entdeckt. Im Süden sieht man gleichzeitig Portsmouth, Southampton und tatsächlich die gesamte Nordküste der Isle of White. Nach Norden hin öffnet sich eine Tiefebene, wo im Frühling die Rapsfelder eine ganz tolle Aussicht geben werden. Und nach Osten hin sieht man die Hügelkette der South Downs. Der Hügel nebenan ist dann auch der Königin Elisabeth Landschaftspark, wo wir vor einigen Wochen waren. Ebenfalls in Sichtweiter ist das Umweltzentrum, wo wir anschließend noch Tee tranken.
Drunter und drüber
Im Büro habe ich viel zu tun und auch viel Stress. Die letzten zwei Wochen hatte ich viel mit dem Anlernen meiner neuen Chefin zu tun, und führe nebenbei noch die jährliche Datenproduktion. Projektführung liegt mir nicht so, wie ich lerne - nichts ist jemals wirklich fertig. Dann bin ich einerseits frustriert, dass momentan viele Kollegen viel zu lernen scheinen, und andererseits bekomme ich ein Stipendium zum Aufbaustudium, von dem ich noch nicht ganz überzeugt bin. Abends bin ich darum bin ziemlich müde und der sozialer Ausgleich fehlt. Mathieu ist weg, der Chor hat Pause. Nur schwimmen kann ich viel.
Der Kaiser und der König
Nach dem Buch über die Nachkriegsmonate in der Welt habe ich jetzt mein Geburtstagsbuch angefangen, die Erinnerungen einer Nation. Endlich erfahre ich was über Deutschland! Der Stil ist sehr leicht und natürlich für Briten und großes Vorwissen ausgelegt. Aber man erfährt doch so einige interessante Anekdoten. Ellie zum Beispiel interessierte, dass der britische König Georg I als Kürfürst von Hannover gleichzeitig Untertan des deutschen Kaiser war. Daraus leitete sich ein längerer Vortrag über der Heilige Römische Reich, die Namensherkunft Preußens und der Geburtsort unseres italienischen Freundes, damals Teil des Reichs, ab. Christopher Clarks Preußenbuch habe ich in der Bibliothek reserviert und warte jetzt.
Schäfchen zählen
Ich habe ein neues Hobby. Auf einer Internetplattform für Hobbywissenschaftler zähle ich auf Fotos Tiere in einem Reservat in Kenia. Das heißt, eigentlich wollen sie dort Giraffen zählen. Dazu haben sie automatische Kameras aufgestellt, vermutlich mit Bewegungsauslöser. Nun ist Fotos machen bekanntermaßen heutzutage nicht mehr schwer, Fotos auswerten dagegen sehr, weil das Handarbeit ist und Forschungsprojekte generell kein Geld haben. Weil es auch nicht schwierig ist, lassen sie darum Freiwillige ran. In gut 700 Bildern habe ich genau ein Giraffenbein gesehen! Dafür tausende Ziegen und Hirtenjungen, die sich einen Spaß mit der Kamera machen- Interessant aber, ungestellte Bilder von Tieren und Menschen zu sehen. Und mit der Zeit kriegt man richtig Erfahrung, wie die verschiedenen Arten aussehen. Inzwischen kann ich auch ein Kudu von einem Eland unterscheiden.
Erfahren habe ich von dieser Seite über einen Vortrag auf der Arbeit. Dort überträgt ein Forschungsteam alte Statistiken der Volkszähling von 1961 von Mikrofilm auf Computer. Was die Bilderkennung nicht automatisch schafft, wird Freiwilligen vorgelegt. Die Internetplattform, wo diese ganzen Projekte verfügbar sind, hat sich ursprünglich aus astronomischen Projekten entwickelt, wo Teleskopaufnahmen ausgewertet werden. Wie sich herausstellte, hat Ellie schon vor fünf Jahren Spiralgalaxien klassifiziert. Als sie einmal kurz das Keniaprojekt übernahm, bekam sie nach zehn Bildern eine Giraffe! Ist das eine Normalverteilung?!
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