Dienstag, 26. April 2011

26.04.2011 - Osterbesuch


Vorderseite des Hauses. Mein Fenster unten links.
Rückseite des Hauses vom Garten aus gesehen. Rechts mein neues Fahrrad.
Wie gerne betont - der Blick von meinem Haus auf den Münster.

Kasia in den Museumsgärten, im Hintergrund die Ruine der Hauptkirche des ehemaligen St. Marienklosters.

Magda und ich vor einem Stadttor und dem Münster.




Kasia und ich unterhalb des Burghügels - die Osterglocken sind alle schon wieder weg.

Der Fluss Ouze ("Uus") im Zentrum.

Osterglocken und -karten auf meinem Fensterbrett.

Nachdem ich zuletzt auf den Verfall meines Polnisch hingewiesen hatte, kann ich es seit Donnerstag abend wieder mit Kasia und Magda anwenden. Tut natürlich wiederum dem Englischen nicht so gut. Wir teilen zwei Wochen lang mein Zimmer. Ich hatte vorher aufgeräumt und habe sogar noch eine Matrasse von einer Freundin nach Hause auf dem Kopf balanciert. Dann stellte sich raus, dass sich die Mädchen sowieso das Bett teilen. Auch war ich nicht ganz darauf vorbereitet, mit wieviel Gepäck Mädchen reisen. Darunter das neueste Buch des kontroversen Holocausthistorikers Gross für mich und ein großer Vorrat speziellen Diätessens für sie selbst.
Freitag morgen habe ich mein Zimmer leise verlassen, um die länger schlafenden Mädchen nicht aufzuwecken, und zum ersten Mal im sonnigen Garten gefrühstückt. Bei der Gelegenheit ist mir aufgefallen, dass wir neben den wieder blühende Äpfeln und Birnen auch Brombeeren haben. Später im Tag führte ich sie dann durch York. Schon nach dem ersten Tag begann ich ernsthafte Problem zu haben, den Mädchen noch neues zu zeigen, zumindest soweit es bezahlbare Dinge anging. Die Stadt ist eben schön aber klein, die Museen sehr teuer. Dafür war über das Osterwochenende der Münster gratis, allerdings war die Krypta mit den römischen und normannischen Ausgrabungen geschlossen.
Ostersonntag kam all meine derzeitige Tendenz zu Tradition und Gemütlichkeit zusammen. Eine Messe morgens, die sich als die falsche herausstellte,danach zu Hause Ostereierbemalen, mit denen dann ein waschechtes Osterfrühstück im Garten, mit weißer Tischdecke und Osterglocken, Osterzopf mit Rosinen und Marmelade, und Eure Osterpaeckchen wurden auch ausgepackt und zusammen mit eigenen Keksen in einen Korb verwandelt. Am Ende hat Magda uns sogar die bunten Eier im hohen Gras zum Suchen versteckt. Einen Tag später wäre das schon nicht mehr möglich gewesen, denn die Vermieter kamen den Rasen zu mähen, und die Brombeeren wurden dabei auch weggeschnitten. Wir haben uns jedenfalls ernsthaft übergessen und schleppten uns danach mit Seitenstechen auf einen Spaziergang in die Stadt, in die Museumsgärten und später in eine zweite Messe. Im Gegensatz zum Morgen schien inzwischen auch die Sonne durch die Fensterbilder, die Orgel spielte und Kasia mochte insbesondere den Chor.

Unser Ostertisch im Garten, mit dem Osterbrot im Vordergrund und den Päckchen hinten.


Kombinierte Osterpäckchen - mit meinen schwarzweiß-Keksen!


Ostereier im Gras.

HRH Prince William &The most Gracious Lady Kate
Gemeinsames Lernen in meinem Zimmer.



Soweit gefällt es mir richtig, viel mit Leuten zu machen, v.a. mit Leuten, die ich länger kenne als einige Monate. Der Besuch schlägt sich auch nur bedingt auf die Arbeit nieder: Ostermontag saß ich halb acht morgens am Rechner in der Uni. Zu Hause ist es wie in einem polnischen Wohnheim: drei Leute in einem Zimmer, Kasia übersetzt am Computer, Magda lernt Deutsch und ich lese für den Essay. Alternativ sitze ich im Garten bis mir zu heiß wird. Am Osterwochenende hatte die Unibibliothek zu, sodass ich ohnehin nicht hätte hinfahren können. Von daher gut, 



Morgendliches Lernen im Garten
dass mich zu Hause jemand zum arbeiten zwang. Allerdings planen die Mädchen jetzt verschiedene Ausflüge, nachdem sie York größtenteils gesehen haben. Dienstag nach Durham und Mittwoch nach Newcastle – und ausgerechnet dorthin komme ich wegen Prüfungen nicht mit. Außerdem nach Edinburgh, seinerzeit mein Lieblingsreiseziel. Samstag nur fahren wir gemeinsam nach Knaresborough und Harrogate, zwei kleinen Orten westlich von York.
Meine Entschlossenheit hierzubleiben und zu lernen fällt mir daher zunehmend schwer. Besonders, wenn man an  der Biblitohek schon morgens von einer Traube wartender Studenten empfangen wird, die eine neue Prüfungspaniksaison ankündigen.

Samstag, 16. April 2011

16.04.2011

 
Ich hoffe es ist nicht bloße Einbildung; zur Zeit bin ich untypisch zuversichtlich, denn vieles scheint sich positiv zu entwickeln, darunter einige Dinge, die bisher unmöglich schienen.
Der letzte Samstag ist ein gutes Beispiel. Ich versuche jetzt, um sechs aufzustehen, wobei entschieden hilft, dass die Sonne immer schon raus ist. Gemäß den letzten Schwerpunkten meines Lebens habe dann morgens erstmal gebacken, und zwar erfolgreich Sannis schwarz-weiß Rollen. Eine ganze Schachtel habe ich für Freunde abgezweigt und immer noch war ein großer Haufen übrig. Mittags war ich Fussball spielen – vermutlich das erste Mal seit gut drei Jahren, damals auf dem Sportplatz Buckau mit den Ukrainern. Denn es ist nicht nur frühlingshaft, sondern geradezu sommerlich. Als ich nachmittags ohne Jacke zu einem Geburtstaggrill radle, halte ich bei meiner Dinnergastgeberin und bringe Kekse. Dann trinken wir Tee auf der Bank im sonnigen Vorgarten mit einem Lilienbaum und auf einmal sind zwei Stunden vorbei. Auch unser Garten ist übrigens grün, und ich habe darin plötzlich einen vorher unbemerkten Tisch mit vier Stühlen entdeckt.
Als ich nach Haus kam, fuhr mir allerdings ein böser Schreck in die Glieder: auf dem Sofa saß zitternd die neue Mitbewohnerin, bemuttert von der ernsthaft besorgten Ella und einer Freundin. Ihr war ganz plötzlich schwach geworden und ihr war kalt. Sie ist vor kurzem in Lewis' Zimmer gezogen – kein Geheimnis was wir alle dachten. Nachdem der Notruf keinen Krankenwagen für uns hatte, sondern mehr an unserer Adresse und Geburtsdatum interessiert war, sind die drei Mädchen im Taxi zum Krankenhaus gefahren. Ich wartete zu Hause und aß nervös sämtliche Kekse auf. Die gerufene Ambulanz kam eineinhalb Stunden an, gerade als sie zurückkehrten – scheinbar werden Notrufe von zig verschiedenen Diensten bedient, die sich nicht groß koordinieren. Das Krankenhaus sagt Kehlkopfentzündung, uns ist allen ein Stein vom Herzen gefallen. Jetzt interessiert mich vor allem, ob sowas ansteckend ist. Den Abend haben wir echt nicht gebraucht.

Alles Gute
Mein Tagesablauf: 6 Uhr Aufstehen, 8 Uhr in der Bibliothek, 15 Uhr eine Stunde Pause, meist mit dem Rad in die Stadt, 21 Uhr nach Hause und im Bett 22 Uhr lesen, 23 Uhr Schlafen, bzw. Mittwoch und Donnerstag Salsa bis 23 Uhr und Freitag etwas früher Tango. Es gibt auch kaum Gelegenheit auszugehen, weil alle lernen und niemand feiert. So führe ich (und zwar fröhlich) ein geradezu spießbürgerliches Leben mit den Grenzen Bibliothek und frühe Nachtruhe, und dessen Höhepunkt nonalkoholische Tanzabende mit maximalem Ende um 23 Uhr sind. Meistens.

Ich habe stark abgenommen! Ich esse weniger und gesünder. Schokolade kommt nicht mal zur Mittagspause vor, seitdem ich einen Obstladen kenne, der Überreifes für 10 pence verkauft. Morgens mache ich dazu Rumpfbeugen, abends tanze ich oft und einmal die Woche spiele ich Fussball. Letzteres spüre ich dann aber auch die nächsten zwei Tage. Vielleicht durch die leichtere Diät, den kürzeren Schlaf und die Bewegung fühle ich mich leistungsfähiger und ähnlich energetisch wie vor einem Jahr in Warschau, als ich auf einmal anfing ganz von allein früh aufzustehen.
Der guten Figur nicht zum Trotz habe ich Mittwoch morgen auch noch die Linzer Plätzchen gebacken.

Das frühe Aufstehen mindert paradoxerweise die Müdigkeit am Tag. Ich kann konzentrierter als früher lesen (wenn auch immer noch zu langsam für das eigentlich notwendige Lernpensum). Manchmal bin ich fast wieder so enthusiastisch Student wie im letzten September. Das ist einerseits sehr schön, beweist mir aber auch, was ich seit Langem vermutet hatte; dass ich den Großteil der letzten vier Jahr seit Studiumsbeginn durch Faulheit verloren habe. Kein Wunder, dass ich hier vor allem lerne, wie wenig Ahnung ich habe.

Nach über einem halben Jahr ist mein Englisch endlich wieder fast dort wo es mal war. Dafür geht natürlich mein Polnisch den Bach runter.


In unserer Bibliothek. Die Kleidung zwecks Generalprobe vor dem Abendessen.


Aber auch...
Trotz dem Sport und dem Tanzen und der Sonne bin ich im Moment fahrig und nervös im Umgang mit Menschen. Vielleicht kommt das vom vielen Sitzen und Lesen, wo man nicht viel unter Leute kommt. Im Moment jedenfalls habe ich einen Mangel an Selbstvertrauen in Gesprächen wie seit der Schule nicht mehr. Und mein Studium lenkt mich in eine Karriere, deren einzig sicheres Merkmal viel Kontakt mit Menschen sein wird.

In der Bibliothek ist es wegen Bauarbeiten zunehmend schwierig zu arbeiten. Das ist zwar seit meiner Ankunft so, aber langsam verliere ich dafür das Verständnis. Gut, dass sich die Uni modernisiert, aber es ist eine Zumutung zu lesen, wenn drei oder vier schwere Bohrmaschinen laufen und der Boden wackelt weil im ersten Stock Wände eingeschlagen werden.

Die Gasfirma hat mich wieder geängstigt. Wir im Haus haben jetzt unser eigenes Kundenkonto, das alte wurde rückwirkend zum Einzugstermin aufgelöst. Da aber das auf das alte Konto gezahlte Geld noch übertragen werden muss, haben wir für das neue (soweut leere) erstmal eine große Rechnung bekommen. Das wird sich mit der Einzahlungsübertragung auflösen – aber bis ich das verstanden habe, hatte ich wieder einige fröhliche Telefonate, .

Sonst kümmert sich natürlich niemand darum, und das ist der Abschluss der unschönen Dinge: meine lieben Mitbewohner. Absolut kein Mitdenken im Haushalt – ungewaschenes Geschirr, Besteck wird in Zimmern verbunkert (gerne, wenn man dann für eine Woche wegfährt), Abfall liegen gelassen, die Mülltonnen nicht zum Leeren rausgestellt. Ich habe außer mir noch keinen beim Putzen gesehen (und ich habe keinen hohen Anspruch!), obwohl Emilie die erste war, die einen Reinigungsplan wollte. Die Gute wies mich auch gleich bei Einzug darauf hin, die Treppe leise zu benutzen – aber seitdem bin ich der einzige, der dass macht. Der Rest kommt gerne nachts ins nach Hause gepoltert, und kocht dann laut ind der Küche, neben der ich schlafe. Neben Fernsehen und Internet scheint das allgemeine Hausgemeinschaftshobby zu sein, eine möglichst hohe Stromrechnung zu produzieren. Wenn ich mich über den Haushalt klagen höre, würde sagen ich werde alte, wenn nicht zwei meiner Mitbewohner älter wären als ich.

Donnerstag, 7. April 2011

06.03.2011 - Tie of the Tiger

Langsamlernen
Der Philosophieessay schleppt sich weiter dahin. Ich kämpfe mich extrem langsam durch ein sehr gutes Buch dazu, ohne aber bisher ein einziges Wort geschrieben oder auch nur jegliche Eingebung bekommen zu haben. Dieses strukturlose Vorsichhinlesen jeden Tag von morgens bis abends saugt die Motivation ab wie in den Magdeburger Ferien. Allzuoft bleibe ich dann in anderen Büchern hängen, wie Einführungen in die Mathematik oder das Recht, die Ausgrabungsergebnisse eines karolingischen Dorfes, Tagebücher aus der Nazizeit, die früher Geschichte der Bundesrepublik sowie ein sehr spannendes Werk eines amerikanischen Professors, der zur Wendezeit durch Berlin und die DDR fuhr. Herausgegeben schon 1991, und sehr interessant zu sehen, was man so dachte, als noch nicht klar war, wohin die Reise geht.
Alldieweil lernen alle anderen längst für ihre Prüfungen. Die sind hier auch anders als in Deutschland – sehr aehnlich zu Essays. Man bekommt eine harmlos aussehende Frage und muss dazu mehrere Seiten Meinung schreiben. So bereitet man sich auf Klausuren und Essays gleich vor, man liest wochenlang Artikel schlauer Leute. Ich bin weiterhin sehr skeptisch wieviel Wert diese Betonung der eigenen Meinung wirklich hat – man sollte uns besser handfeste Qualifikationen beibringen; uns sagen, wie man bestimmte Probleme loest.

Wiedersehen im Frühling
Die Ferien lassen mich wieder etwas von der Stadt sehen, wenn auch anders als gedacht. Da die Unibibliothek während jetzt sonntags geschlossen bleibt, gehe ich dann in die Stadtbibliothek. Die öffnet zwar auch nur von 11-16 Uhr, aber ersten lese ich zu Hause überhaupt nichts, und zweitens liegt sie am Rand der Altstadt. Die Straße runter ist der Münster und im Nebengebäude ist das regionale Geschichtsmuseum mit seinem wundervollen Garten am Fluss. Beide sind für mich gratis und so kann ich nach Torschluss je eins oder beides noch kurz besuchen, was ich seit den Anfangswochen hier kaum noch gemacht habe. Insbesondere der Park ist an Frühlingsnachmittagen schön, und auch der Münster gewinnt etwas, wenn die Sonne jetzt wieder durch die Glasfenster das Innere erleuchtet. Und dann geht es doch an die Uni, an einen weniger lerngeeigneten aber wenigstens ruhigen Ort.
Die Osterglocken entlang der Stadtmauern.

Der Hügel mit den einzigen Überresten der Burg.


Anzugsafari
Letzten Samstag war ich auf ein 'förmliches Abendessen' eingeladen. Das ist das jährliche Treffen eines Tauchervereins, dessen Mitglied auch der Chef einer Freundin ist, welcher u.a. Mitarbeiter einlädt, die wiederum je eine Begleitung mitnehmen können. Ich hatte die Annahme der Einladung schon bereut, als ich dafür einiges Geld für neue Kleidung ausgeben musste – ganz unnötig wie sich rausstellte. Aufgrund des Rufs englischer 'Klubs' hatte ich erwartet, mit Lords and Ladies über das Empire zu reden und mir Sorgen zu machen, welches Besteckpaar zu welchem Gang passt. Aber die Mitglieder waren ziemlich normale Briten (nur eben mit genug Geld fürs Tauchen), die zu dieser Zeit Samstags normalerweise vermutlich betrunken wären und in ihren Anzügen aussahen wie Tiger im Käfig. Ich habe mich also vermutlich ganz passabel genommen – schließlich habe ich ja schonmal in einem Parlament gearbeitet!
Meine Gastgeberin und ich vor dem Rennfeld der Pferderennbahn.

Das ganze hat im Restaurant der Yorker Pferderennbahn stattgefunden – Pferderennen, klingt schonmal vornehm. Der schöne Blick über das Rennfeld zum Horizont brachte einige Fotos ein. Das Essen war auch ziemlich gut, wenn auch die Kellnerinnen sowie der Ober-Ober mit seinem gewölbten Anzug verrieten, dass das Restaurant mehr ein Zusatz zum Kerngeschäft ist. Nach zwei Reden und einer Tombola wurde am Ende die Tanzfläche freigegeben. Der Anblick dicker britischer Frauen bei Allzwecktanzbewegungen wie immer für die Götter.

Rechnungswesen
Zuguterletzt hat uns Ella eine Kommillitonin als neue Mitbewohnerin besorgt. Heißt Emily, nicht zu verwechseln mit der französischen Emilie. Nicht besonders interessant, wirkt ein bisschen langsam, aber hilft die Rechnungen zu bezahlen. Zieht vermutlich zusammen mit Ella im Juni wieder aus. Gerüchteweise kommt dann Ersatz in Form eines deutschen Paares.
Ironischerweise haben die derzeitigen Rechnungen unser Zusammenleben hier verbessert. Natürlich war ich sehr genervt, dass alles an mir hängen blieb. Aber viel Stress kam vermutlich daher, dass ich mich zum ersten Mal um so etwas kümmern musste. Jetzt ist es eigentlich ein gutes Gefühl, einen Überblick zu haben was passiert und was wann zu erwarten ist. Und sogar die Mitbewohner machen einen dankbaren Eindruck, dass das jemand unter Kontrolle gebracht hat. Überhaupt einer der wenigen Momente, wo ich sie alle an einem Tag gesehen habe – Ella und Emily als ich um Mitternacht vom Dinner nach Hause kam. Sogar mit Emilie hatte ich eine beinahe freundliche Konversation, die erste längere seit dem frühen Dezember. Und wenn ich das alles richtig pro Kopf und Woche ausgerechnet habe, sind die Summen eigentlich vertretbar – vor allem wenn die Gasrechnung mit dem Frühling hoffentlich spürbar abnehmen wird.
Das wäre auch praktisch um viele neue Ausgaben zu mildern. Leider ist mir letztens mein Fahrrad kaputt gegangen und ich musste mir ein neues (d.h. auch gebrauchtes) kaufen. Allerdings ist es vermutlich besser als mein altes, endlich in meiner Größe, und vielleicht nimmt es der Verkäufer am Ende wieder zurück.

Traumkuchen
Zur Zeit lerne ich einiges über mein Psychologie. Seit Kurzem schaffe ich es, viel weniger zu essen als früher. Für den Tag in der Bibliothek reicht meist eine Stulle Schwarzbrot aus dem Polenladen. Das Hungergefühl kann ich kontrollieren. Infolge habe ich jetzt allerdings praktisch Tagträume von Kuchen und Keksen. Und was für konkrete Episoden das sind: ich sehe den Zebrakuchen in der Südstadthalle, Käsekuchen in der Markthalle in Lodz, die Teufelchen auf der Piotrkowska, Kolbergs Schokoschnitten, den Zupfkuchen im Cafe Diana (und ihr Vortagsblech!), den dänischen Plunder in der NP Bäckerei Magdeburg, den Schweineohren in der Bäckerei Gehrke auf dem Breiten Weg, den Rumtürmchen in der Stadtbäckerei Buckau, die Bajaderki und Stefanki in Torun, den Mohnkuchen auf dem Banacha Basar in Warschau, volle Weihnachtsteller, vor allem Sannis Schwarzweißgebäck, von Osterkörbchen unter grünen Büschen. Ach und von normalem deutschem Mischbrot (oder Oderlandbrot) – letztens brachte ein Österreicher einen Laib vom Osterurlaub zurück. Außerdem bin ich in Gedanken (und sehr oft echten Träumen mit dem Kopf auf dem Buch was ich lesen sollte) an sonnigen und grünen Orten, in Torun, im japanischen Garten und an der Oder in Breslau, an den Seen der Uckermark sogar in Magdeburg auf dem Elbradweg und in diversen Bäckereien.
Was will mir mein Unterbewusstsein sagen? Das ich Hunger habe und seit Weihnachten nicht mehr aus York rausgekommen bin. An letzterem wird sich aber auch bei Sonne nicht viel ändern, einen ganzen Tag für einen Ausflug will ich mir nicht freinehmen. Nicht jedenfalls bis Ende April, wenn Kasia mit einer Freundin kommt. Dann ist zweimal alles zu, zu Ostern und zur königlichen Hochzeit. Dann werde ich sie auch auf einige Ausflüge begleiten. Ansonsten werden sie sich aber oft allein vergnügen müssen, denn in die Bibliothek muss ich schon täglich.

Samstag, 26. März 2011

18.03.2011 - Semesterferien

Jetzt sind die Vorlesungen vorbei. Die letzten zwei Wochen des Semesters, und in der Tat des Studiums, haben mir schwer zugesetzt. Nicht in Form von Arbeit, dafür um so mehr meinem Selbstbewusstsein als jemand, der an eine Uni gehört. Der zweite, nach dem Desaster des ersten rein experimentelle, Essay ist eingereicht, wie auch ein völlig aus der Luft gegriffener Dissertationsvorschlag. Ein dritter Essay in Philosophie wartet. Noch nie hatte ein Semester so vielversprechend angefangen und so unheilsschwanger geendet. Und irgendwie weiß ich nichtmal, was falsch gelaufen ist. Ein ganzes Buch schon vor dem Semester gelesen, täglich 12 Stunden an der Uni, davon die meiste Zeit in der Bibliothek, ich kann nicht sagen, dass ich zuviel ins tanzen oder anderen Spaß investiert hätt. Und doch ist soviel liegen geblieben; und was noch schlimmer ist, alle anderen haben das wohl geschafft. Die Essays geschrieben, die Lektüre immer pünktlich fertig, durchdachte Antworten auf Fragen die ich nichtmal verstehe, eine klare Idee worüber sie ihre Abschlussarbeit schreiben wollen. Wenn ich so ineffektiv geworden bin, ist es wirklich Zeit die Uni zu verlassen. Nicht das ich inzwischen wüsste, welche Art Arbeit ich suchen möchte.


Jetzt ist aber erstmal etwas frei, bis von April bis Juni die Klausuren und danach die Abschlussarbeit kommt. Nachdem die letzte Abgabefrist geschafft war, wollte ich endlich jeden Tag lange in die Bibliothek gehen und alles lesen, was nicht geschafft wurde, oder was mich selbst interessiert (z.Z. das Buch „Die Ökonomie des Rechts“ - was ich in Warschau hätte studieren können), abends regulär schlafen, früh aufstehen, wieder lesen. Vielleicht will ich gar nicht studieren, jedenfalls nicht forschen, sondern nur eine Bibliothek zu meiner Verfügung.
Die ersten freien Tage jedoch sind zu meinem Frust komplett verloren gegangen. Neben einigen durchaus vertretbaren Gründen wie nächtliche Essayhilfe trug dazu bei, dass ich mich als einziger endlich um die seit Wochen rumliegenden Rechnungen zu Hause gekümmert habe. Meine Mitbewohner waren offenbar zu beschäftigt, ihre Haare und dabei auch gleich das Bad rot zu tönen. Jetzt ist das alles unter Kontrolle – zwei Wochen, bevor uns das Gas gesperrt worden wäre.


Nun ist es normal, dass die Produktivität schlagartig fällt, sobald man „endlich Zeit hat“ für all die liegengeblieben Dinge. Renter und Studenten in den Semesterferien haben nie Zeit. Jetzt sind aber die Rechnungen erledigt, das Tagebuch aufgefrischt, eine lange Nachholliste wird langsam kürzer, und während die Kommillitonen natürlich bereits die Klausuren vorbereiten, gebe ich mir doch noch einige Tage nur zum Lesen. Auch getanzt wird wieder etwas mehr. Neulich habe ich eine Stunde Tango genommen – die Lehrerin war Frau Ania aus Warschau. Solche Späße aber grundsätzlich nur abends nach Bibliotheksschluss. Nachmittags verlasse ich sie für je eine Stunde, um den Kreislauf nicht völlig einschlafen zu lassen. Dazu bietet das Osterwetter beste Gelegenheit. Die Stadtmauern sind mit Osterglocken bewachsen, und auch in die Felder südlich der Uni, jenseits der Autobahn, die die letzte Stadtgrenze bildet, kommt man mit dem Rad sehr schnell.

Chor
Am 16.03. trat ich mit dem Unichor im Münster auf, und was soll ich sagen, er hat seinem Ruf als extrem mittelmäßiger Hobbygesangsverein alle Ehre gemacht. Was wir auch in der finalen Aufführung für Fehler gemacht haben – ich frage mich, wie sie die Leute immer noch dazu bekommen, für uns Geld auszugeben. Dessen ungeachtet, es macht mir einen Heidenspaß im Münster so richtig loszulegen, vor allem wenn ich mit einem Bekannten in der letzten Reihe stehe, wo man von den Sängern vor uns erstaunlich wenig hört, und so nicht von den richtigen und falschen Einsätzen um einen herum abgelenkt wird. Jetzt ist aber erstmal Pause bis zum offiziellen Sommertrimesterbeginn, wenn wir Beethovens Neunte und, das hatte ich vergessen, Mozarts D-moll Messe angehen.

Dienstag, 8. März 2011

04.03.2011 - Februar und März

Mein diesjähriges Martinizza, eine bulgarische Frühlingstradition, aufzuhängen am ersten blühenden Baum.
Einen Monat habe ich nicht geschrieben, da ich mich wie unten geschildert wieder mehr in der Bibliothek war. Hier stehen jetzt mehr die gesammelten Notizen des letzten Monats als ein koherenter Bericht.

Nach dem Bibliothekskoller hat mich die Entspannungstherapie ins Gegenteils getrieben. Jetzt versuche ich das Spaßprogramm zusammen- oder besser ganz zu streichen und wieder mehr in die Bibliothek zu kommen. Meine Erkältung steht dem nicht weiter im Weg, denn sie sich als die kürzeste meines Lebens erwiesen, nach drei Tagen im Turbodurchgang war ich wieder gesund. Im Gegensatz dazu geht eine auffällig aggressive Grippewelle durch die Uni, sodass ich mich frage, ob ich nicht etwas anderes hatte und das noch auf mich zukommt.

Einen schlechteren Zeitpunkt dazu gäbe es nicht, denn seit drei Wochen stecke ich bis zum Hals in Arbeit. In der Makroökonomie hat die türkische Professorin übernommen und es geht in die Währungs- und Wechselkurstheorie, ein Thema von dem ich bisher fast unbeleckt bin. Dicke Lehrbücher und ellenlange Artikel für eine Präsentation mit einer mittelmäßigen Gruppe erwarten mich.
In einem Monat ist das Semester schon wieder zu Ende, das merkt man auch in der Bibliothek, die panischen Studenten besetzen wieder jeden Tisch und jedes Buch. Von meinem Überlegenheitsgefühl ist aber nichts geblieben seit gestern die erste Zensur kam: die über Weihnachten geschriebene Hausarbeit hat gerade so bestanden. Ein schwerer Schlag so kurz vor dem Ende des Studiums, wo in zwei Wochen eine Reihe Arbeiten abgegeben werden müssen, die auf dem gleichen Konzept aufgebaut sind. Obwohl ich schon vor dem Semester angefangen habe zu lesen, habe ich mir zuviel für das Ende aufgehoben. Die letzten zwei Wochen werden sehr arbeitsreich. Aber so sollte das Studium auch sein.

Chor
Entgegen dem, was ich einigen geschrieben habe, haben wir im Chor den Großteil von Händels Salomon bereits durchgearbeitet. So sehe ich doch, wie wir es bis zum Auftritt in einem Monat zu erträglicher Qualität bringen können. Dazu muss ich sagen, seitdem ich den Text kenne nervt mich dieses Stück zunehmend. So ein banaler Schmarrn – langsam verstehe ich, warum Musikstudenten sich mehr für Neue Musik als Barock interessieren. Wenn ich mir Beethovens Neunte mal so ansehe, ist der Text des Folgestücks intellektuell auch nicht sehr anspruchvoll.

Nun, inzwischen ist die Aufführung schon nächsten Mittwoch. Nachmittags Generalprobe, abends Auftritt. Und am nächsten Tag Abgabefrist für den den nächsten Essay.

Demokratie
Dann war Revolution in Ägypten, zur großen Freude meiner arabischen Kommilitonen, die zu spontanen Feiern luden und sich die Nächte um den Kopf schlagen, um im Internet weitere Umstürze zu fördern.
Auch an der Uni wird bei erneuten Wahlen Demokratie geprobt. Das scheint hier häufig zu geschehen, alle paar Wochen sind Wände mit hausgemachten Plakaten überklebt, letzten werden einem sogar plötzlich Broschüren auf den Mittagstisch gelegt. Diesmal geht es um den Studentenrat und ich bin immer wieder überrascht welche Bedeutung junge Studenten diesen Dingen beimessen. Soviel Energie und Versprechungen für Positionen, die größtenteils symbolisch sind. Ich sage, wer neben dem Studium soviel Zeit übrig hat, braucht nicht gegen höhere Gebühren protestieren. Sollen sie sich reinhängen, sind sie in der halben Zeit fertig, bezahlen nicht mehr und ein paar Bäume werden auch gespart.

Spaß
Gefeiert wird weiterhin regelmäßig. Es gab einen Karaokeabends mit spontaner Tanzeinlage der Azerbaidjanischen Jungs, vom Stil eher wie man sich Russen vorstellt. Als sich dann die ohnehin bewegungsprofessionellen Mädchen aus Kazachstan dazu gesellten war die allgemeine Freude groß und lautstark. Am nächsten Tag führte ich mit meiner hiesigen Lieblingsspanierin Sonia eine Fallstudie zum Thema durch, warum Briten am Wochenende so hoffnungslos betrunken sind. Das liegt daran, dass sie schon ab mittags in den Pubs anfangen. Das fanden wir raus, als wir uns zufällig zur selben Zeit in den selben Lokalitäten befanden. Im Übrigen ein offenbar traditioneller Zeitvertreib, ältere und gut situierte Pärchen kehren auf einem Spaziergang kurz in die Kneipe ein, trinken ein Bier vor dem Mittag und gehen weiter. Ihre Kinder und Enkel limitieren sich weniger.

Einige Abschiedsfeiern geben mir einen Vorgeschmack, was mir selbst in ca. einem halben Jahr wieder bevorsteht. Am 17.2. haben wir Diana (einigen bekannt vom winterlichen Foto mit meiner russischen Mütze) die letzten Riten erteilt, die am Folgetag nach einem Jahr zurück nach Mexiko flog. Zum Glück ist sie von froher Nationalität und der Abend war eine angenehme Mischung aus etwas Salsa und einem zivilisierten Pub. Das gleiche geschah für den Spanier Miguel, Bulgaren und Iraner haben Geburtstag und mit den Kazachen vergnügt man sich auf Kulturveranstaltungen und internationalen Trinkgelagen.

Sonntag, 6. Februar 2011

06.02.2010 - Kollerkur

Offensichtlich habe ich es mit dem tugendhaften Lesen in geschlossenen Räumen etwas übertrieben: vorletzte Woche setzten typische Symptome der Prüfungskrankheit ein. Zu wenig Bewegung, zu wenige soziale Aktivitäten führten zu Schlafproblemen nachts und deren Gegenteil am Tage, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen, verschlechterte Sozialfähigkeiten. Nach einigen erfolglosen Versuchen, selbst Leute zu Unternehmungen zu animieren konnte ich die Balance jetzt zum Glück wieder herstellen.

Zum einen wurde ich von der Südamerikanischen Gesellschaft beim freitäglichen Salsatanzen zu einem Auftritt rekrutiert. Genauer gesagt probten wir Rueda, eine Salsaform, bei der die Paare im Kreis stehen und simultan nach Kommandos tanzen, wobei sie ihre Partnerinnen untereinander austauschen. Das wurde dann Donnerstag im Rahmen eines studentischen Chili-Wettbewerbs aufgeführt, bei dem jüngere Studenten schauten wer mehr Schoten essen kann. Freitag feierten die Kazachen Geburtstag, was eine der besten Tanznächte in meinem Gedächtnis wurde. Eine griechische Feier eine Woche später fiel wegen Krankheit aus, aber es gibt weiterhin regelmäßig Salsa. Viel Bewegung, viele Menschen, keine Schlafprobleme.

All das geht ein wenig auf Kosten von Lesezeit, aber eine Hausarbeit wurde verschoben, sodass soweit auch das zweite Semester mehr kultiviertes Lesen nach Interesse als Studium ist. Nachdem ich Statistik zu Ende lesen habe, widme ich mich jetzt v.a. der Entwicklungsökonomie in den Bereichne Ungleichheit und Handelstheorie. Daraus habe ich mir auch meinen Vorschlag für das Thema der Abschlussarbeit gezimmert. Laut Formular will ich Mitteleuropa auf wirtschaftliche Konvergenztendenzen mit dem Western untersuchen. Ich bin nicht sehr enthusiastisch, aber irgendwas musste man sich ausdenken.

Der Kurs zu Sozialer Wahl hat sich im Übrigen als ernsthaftes Herzstück des ganzen Programms rausgestellt. Offenbar gibt es eine ganze, eigenständige Disziplin unter dem Namen, die Politik, Philosophie und Wirtschaft vereinigt und evtl. sogar etwas mit der echten Welt zu tun haben könnte. In der wöchentlichen Übung sind alle unsere drei Professoren anwesend, was dem Personalchef der Uni vermutlich die Haare ausfallen laesst, aber Diskussionen auf akademischem Niveau ermöglicht.

Jetzt bin ich erstmal erkältet und bleibe zu Hause.

Sonntag, 23. Januar 2011

22.01.2011 – Unter Büchern und Beton

Fortschritt durch Vorschrift
Der Master hier unterscheidet sich in zwei Aspekten massiv vom Grundstudium. Einmal habe ich mir damals viele Bücher gekauft und erst im zweiten Jahr die Bibliothek betreten. Hier besitze ich kein einziges und bin dafür praktisch nur in der Bücherei. Zweitens war damals der Semesteranfang Stress pur, weil man sich alle angebotenen Kurse angesehen an bevor man sich seinen Stundenplan aufstellte. Hier sind dagegen alle Kurse vorher festgeschrieben. Die erste Vorlesungswoche war daher fast so ruhig wie die vorlesungsfreie davor, weil die meisten Kurse nur Organisatorisches beinhalteten und Übungen logischerweise erst nach Stoffvermittlung stattfinden können. So sitze ich täglich zwischen Büchern und lese glücklich was mir vor die Flinte kommt. In diesem Stil von Zeit und Muße habe ich Donnerstag auch endlich die Buchrezension von Stiglitz' „Im Schatten der Globalisierung“ in einem Ruck fertig geschrieben. Das war das letzte Überbleibsel des letzten Semesters, jetzt kann ich die beiden kleineren Hausarbeiten angehen, die bis 17.3. fertig sein müssen.

Autonomer Student
Statistik hat jetzt die erste muttersprachliche Dozentin gebracht. Ist aber auch egal, weil ich mich aus mehreren Kursen gleich wieder zurückgezogen habe, um lieber selbst in der Bibliothek zu lernen. Da trifft man auch die meisten Bekannten. Mein ägyptischer Freund Achmet z.B. hat mir vom Weihnachtsurlaub neues Baklava mitgebracht, diesmal tunesisches. So hätte ich das schon in Magdeburg machen sollen, wie ja im übrigen meine Kommilitonen, statt alle Vorlesungen mitzumachen, wo ich ohnehin schlecht zuhören kann, und dann noch zu versuchen alle Lehrbücher zu lesen. Kein Wunder der Stress damals.

Sans soucis
Was mir in Bibliothek und auch anderswo auffällt ist, dass ich mich wieder wie früher meine Sachen ohne Sorgen mal für eine Stunde liegen lasse um woanders was zu suchen. Im Übrigens nicht nur ich, dass ist allgemeine Konvention. In Polen würde man schon dreimal durchaus harsch darauf hingewiesen werden, dass man doch auf seine Sachen acht geben muss. Nicht, dass mir (außerhalb Warschauer Parks) dort je was passiert wäre, aber die allgemeine Paranoia dort hatte irgendwann auch mich angesteckt.

Atomwitz
In dieser zuversichtlichen Athmosphäre habe ich Samstag morgen auch mal wieder meiner lang vernachlässigte Rolle als Tourist etwas Aufmerksamkeit gegönnt und den Yorker Atombunker besucht. Zugebenermaßen einer der weniger offensichtlichen Attraktionen, dementsprechend war ich auch der einzige Teilnehmer der Tour. Der Bunker ist ein tragikomisches Relikt der 1950er Jahre, gebaut für den Heimatschutz, der nach einem Angriff die Zerstörung und Strahlungsentwicklung in der Region beobachten und die Bevölkerung warnen sollte. Als Bomben noch per Flugzeug zugestellt werden mussten stellte man sich noch vor, es würde jemand zu warnen übrig bleiben. Die Bomben waren wohl auch noch kleiner, denn der Bunker hätte nur einen Abwurf in mindestens 10km Entfernung standgehalten und hatte Vorräte für sage und schreibe einen Monat Maximum. Danach wären die 60 Freiwilligen des Observer Court (eine ursprünglich Freiwilligenorganisation, die in den Kriegen die einfliegenden deutschen Zeppeline und Bomber beobachteten), die das Glück hatten, als erste durch die Tür zu kommen, wieder rausgetreten und vielleicht Tee getrunken. Glückliche 50er Jahre: im Innern werden auch Lehrfilme aus der Zeit gezeigt, als man sich vor Atombomben unter seinem Schreibtisch in Sicherheit gebracht hätte. Der Yorker Bunker jedenfalls war die Hauptstation für kleine 3-Mann-Bunker in der ganzen Grafschaft und hätte die Beobachten von Explosionen gesammelt, die diese Leute gesammelt hätten, indem sie nach einer Explosion schnell aus ihrem Unterstand gesprungen wären um ihre Instrumente auf dem Dach abzulesen, bevor die Strahlung runterkommt. Der Bunker war von 1961 bis 1992 einsatzbereit und wurde 2000 von English Heritage für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.