Freitag morgen habe ich mein Zimmer leise verlassen, um die länger schlafenden Mädchen nicht aufzuwecken, und zum ersten Mal im sonnigen Garten gefrühstückt. Bei der Gelegenheit ist mir aufgefallen, dass wir neben den wieder blühende Äpfeln und Birnen auch Brombeeren haben. Später im Tag führte ich sie dann durch York. Schon nach dem ersten Tag begann ich ernsthafte Problem zu haben, den Mädchen noch neues zu zeigen, zumindest soweit es bezahlbare Dinge anging. Die Stadt ist eben schön aber klein, die Museen sehr teuer. Dafür war über das Osterwochenende der Münster gratis, allerdings war die Krypta mit den römischen und normannischen Ausgrabungen geschlossen.
Ostersonntag kam all meine derzeitige Tendenz zu Tradition und Gemütlichkeit zusammen. Eine Messe morgens, die sich als die falsche herausstellte,danach zu Hause Ostereierbemalen, mit denen dann ein waschechtes Osterfrühstück im Garten, mit weißer Tischdecke und Osterglocken, Osterzopf mit Rosinen und Marmelade, und Eure Osterpaeckchen wurden auch ausgepackt und zusammen mit eigenen Keksen in einen Korb verwandelt. Am Ende hat Magda uns sogar die bunten Eier im hohen Gras zum Suchen versteckt. Einen Tag später wäre das schon nicht mehr möglich gewesen, denn die Vermieter kamen den Rasen zu mähen, und die Brombeeren wurden dabei auch weggeschnitten. Wir haben uns jedenfalls ernsthaft übergessen und schleppten uns danach mit Seitenstechen auf einen Spaziergang in die Stadt, in die Museumsgärten und später in eine zweite Messe. Im Gegensatz zum Morgen schien inzwischen auch die Sonne durch die Fensterbilder, die Orgel spielte und Kasia mochte insbesondere den Chor.
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| Unser Ostertisch im Garten, mit dem Osterbrot im Vordergrund und den Päckchen hinten. |
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| Kombinierte Osterpäckchen - mit meinen schwarzweiß-Keksen! |
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| Ostereier im Gras. |
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| HRH Prince William &The most Gracious Lady Kate |
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| Gemeinsames Lernen in meinem Zimmer. |
Soweit gefällt es mir richtig, viel mit Leuten zu machen, v.a. mit Leuten, die ich länger kenne als einige Monate. Der Besuch schlägt sich auch nur bedingt auf die Arbeit nieder: Ostermontag saß ich halb acht morgens am Rechner in der Uni. Zu Hause ist es wie in einem polnischen Wohnheim: drei Leute in einem Zimmer, Kasia übersetzt am Computer, Magda lernt Deutsch und ich lese für den Essay. Alternativ sitze ich im Garten bis mir zu heiß wird. Am Osterwochenende hatte die Unibibliothek zu, sodass ich ohnehin nicht hätte hinfahren können. Von daher gut,
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| Morgendliches Lernen im Garten |
dass mich zu Hause jemand zum arbeiten zwang. Allerdings planen die Mädchen jetzt verschiedene Ausflüge, nachdem sie York größtenteils gesehen haben. Dienstag nach Durham und Mittwoch nach Newcastle – und ausgerechnet dorthin komme ich wegen Prüfungen nicht mit. Außerdem nach Edinburgh, seinerzeit mein Lieblingsreiseziel. Samstag nur fahren wir gemeinsam nach Knaresborough und Harrogate, zwei kleinen Orten westlich von York.
Meine Entschlossenheit hierzubleiben und zu lernen fällt mir daher zunehmend schwer. Besonders, wenn man an der Biblitohek schon morgens von einer Traube wartender Studenten empfangen wird, die eine neue Prüfungspaniksaison ankündigen.
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