Mittwoch, 4. Mai 2011

28.04.2011

Hatte ich am Anfang Bedenken, während der Prüfungsphase zwei Wochen lang Gäste zu haben, bin ich zunehmend über jeden Tag froh, den sie hier bleiben. Die Mädchen haben ihr Geld auf erfolgreichen Reisen nach Durham und Newcastle verbraucht (mir von letzterer ein Hemd als Geschenk mit sehr komplimentärer Aufschrift mitgebracht), am Freitag fahren sie nach Edinburgh und am Montag kommt dazu noch ein Tag im nahen Schloss Howard, wohin ich selbst noch nie gekommen bin. Donnerstag (28.4.) nahm ich sie zu einem traditionellen Yorkshire Cream Tea (d.h. Tee mit Fruchtbrötchen und Marmelade) im ebenso auf seine Tradition bedachten Café Betty´s, und danach zum Salsa.
Cream Tea im Café Betty's (Quelle: Internet)

Mein Geschenk aus Newcastle. Aufschrift 'Royal Male' (Königlicher Mann), Wortspiel mit 'Royal Mail' (Königlich Britische Post). Aufgenomen in einem Pub nach der Rückkehr der Mädchen.

Zugegeben, so ein bisschen weniger Zeit bin ich schon an der Uni. Unter anderem, weil ich Kasias Buchgeschenk in Windeseile durchlese – Geschichte liegt mir eben trotz allem viel mehr als Wirtschaft. Aber am Donnerstag habe ich meinen letzten Essay abgegeben. Jetzt kann ich mich endlich ausschließlich auf die Prüfungen vorbereiten. Entwicklungsökonomie am 5.5., Statistik 16.5., Mikroökonomie 26.5. und Internationale Makroökonomie 2.6. Seit Montag ist es in der Bibliothek auch etwas leiser. Der Umbau eines Nebengebäudes ist abgeschlossen, was den Studenten bedeutend mehr Arbeitsfläche zur Verfügung stellt.
Ein negativer Nebeneffekt des Besuchs ist, dass ich etwas mehr Zeit zu Hause verbringe (später zur Uni fahre, früher zurückkomme) und dadurch mehr esse. Insbesondere die Osterpäckchen sind jeden Tag etwas leichter. Dabei tut es mir wirklich leid, wenn ich einen dieser schönen Kekse esse. Und nicht nur, weil ich so wieder zunehme.
Die Osterglocken in der Stadt sind inzwischen schon wieder tot. Überhaupt ist das Osterwetter erstmal vorbei. Es ist wieder richtiggehend kalt geworden. Besonders die Mädchen frieren erbärmlich, dabei sind sie schon in alles gewickelt was ich an Decken und Pullovern anbieten kann. Ich bin offenbar schon so lange hier, dass mir die Kälte nicht mehr auffällt. Erklärt, warum Briten bei jeder Jahres-, Tages- und Nachtszeit maximal in Hemd und Minirock ausgehen. Und sogar Emilie macht die Heizung kaum noch an, nachdem sie im letzten Winter fast erfroren war. Polen jedenfalls scheint entgegen meiner Erinnerung ein tropisches Land zu sein, zumindest halten es Neuimmigranten hier schlecht aus. In Polen  selbst fiel allerdings sogar einmal Schnee, ließen uns Verwandte wissen.
Montag beginnt der Chor wieder zu proben, und ich habe einen Fehler gemacht: neben Beethovens Neunter singen wir Mozart Messe in c-moll, nicht h-moll. Also kein Lacrimosa. Die Texte dafür werden dem Unibuchladen auch wieder gute Einkünfte bringen.

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