Freitag, 20. Mai 2011

21.05.2011 - Prüfungen

21.05.2011 - Prüfungen

Seitdem der Besuch weg ist und ich mich allein dem Lernen widme(n sollte) verliert mein Tagebuch in Text und Bild an Spektakularität. Das einzige Thema sind natürlich die Prüfungen, wovon ich die Hälfte jetzt hinter mir habe. Am Donnerstag nach der Abreise der Mädchen habe ich die erste geschrieben, Entwicklungsökonomie. Keine Mathematik, nur Gerede. Hat mich sehr an die Klausuren am Gymnasium erinnert. Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll, es wirkte irgendwie zu einfach. Nach der letzten Klausur am 2.6. plane ich in Kasias Spuren zu folgen und mich mit einem Ausflug nach Schloss Howard zu belohnen. Abhängig davon, ob ich eine Belohnung verdient habe.


Danach habe ich mich auf Statistik vorbereitet. Nach dem ersten produktiven Tag entwickelt sich das Lernpensum aber eher wie damals meine Bachelorarbeit, ich investiere viel Zeit, aber wenn ich dann in der Bibliothek sitze bringt mich kaum etwas dazu, sie auch zu nutzen. Dabei ist das immer noch eine ausgesprochen enspannte Prüfungsphase. Ich habe im Durchschnitt mindestens eine ganze Woche zur Vorbereitung für jeder Klausur, vergleiche das mal mit der Situation in Magdeburg. Ich schlage auch drei Kreuze im Vergleich mit Kommilitonen. Und trotzdem schaffe ich all die Sachen nicht, die ich hätte machen sollen, insbesondere die Vorbereitung der Abschlussarbeit, das Üben mit den Statistikprogrammen, Russisch sowieso nicht. Ehrlich gesagt sollte ich Englisch üben: da man in der Bibliothek viel liest aber kaum spricht, sind die zwei Wochen Polnisch Intensivkurs immer sehr präsent.
Lesefreude

Im Moment leide ich auch unter völligem Kreislaufstillstand sobald ich den Lesesaal erreiche. Vermutlich ein neuer Bibliothekskoller aufgrund mangelnder Bewegung (da zur Zeit sowohl Fußball als auch Salsa oft ausfällt), nur dass ich im Gegensatz zum Januar weder viel Arbeit noch Erfolg dafür vorweisen kann. Ich bin allerdings erstaunlich wach und durchhaltefähig bei anderer Lektüre, die ich zufällig in der Regalen finde. Zum Beispiel das Kommunistische Manifest oder zu meiner Schande wieder rausgeholt die Einführung in die Kulturstudien, das meistgehasste Buch des ersten Semesters in Magdeburg. Das ist zwar weiterhin eine schändliche Pseudowissenschaft (dazu muss gesagt sein, dass Cultural Studies ein sehr irreführender Begriff ist und kaum etwas mit der Diskussion verschiedener Kulturen zu tun hat), aber auch eine großartige Quelle für jemanden, der seine Hausarbeiten immer mit der Erkenntnis abschließt, dass man die Frage nicht wirklich beantworten kann und ohnehin alles relativ ist.

Lernfreude

Das das bei Statistik nicht genauso funktioniert, ist um so ärgerlicher, da es mein Lieblingsfach war, wo ich dachte besonders viel gemacht zu haben. Jetzt lese ich das Lehrbuch zum vermutlich vierten Mal, aber alles, was ich lerne ist, wieviel ich übersehen habe, oder nie wirklich verstanden, und wieviel Zeit ich noch bräuchte um dahin zu kommen, wo ich hin will, nicht nur was das allgemeine Verständnis des Stoffs angeht, sondern auch die Übung und Sicherheit. Vergleicht das mal mit Geschichte, oder generell allen nicht prüfungsrelevanten Informationen. Wie soll das erst mit der Abschlussarbeit werden, die mich nichtmal sonderlich interessiert? Eine Arbeit nebenbei wäre wirklich nützlich...fürs erste habe ich mich wieder für einen kleinen Kurs zum Programmieren von Internetseiten angemeldet, ähnlich dem über Datenbanken im Herbst.

Weihnachtsfreude

Drei Wochen nach Ostern sind auch die letzten Reste Eurer Päckchen verschwunden. Letztens musste sogar das Nutellaglas innerhalb von drei Tagen dran glauben, nachdem ich entdeckt hatte, dass Plätzchen immer noch besser mit Schokolade schmecken. Aber: inzwischen kann ich mir das leisten. Letztens höre ich schon Beschwerden, dass ich zu dünn geworden wäre. Das ist zwar nicht wahr, aber ich backe fleißig weiter, zuletzt mit Vanille und Mandeln. Eine Rolle mag dabei spielen, dass ich letztens im Internet die komplette Aufnahme der Eterna-Schallplatte 'Bald nun ist Weihnachtszeit' gefunden habe – ja die mit den DDR Kinderchören. Seit ich für Zosias Deutschunterricht alte Lieder und Fernsehprogramme rausgesucht habe, bin ich selbst von veritabler Nostalgie gefangen.

Essfreude

Abgesehen von Plätzchen gestaltet sich meine Ernährung besser als je. Im Obstladen nahe des Campus kaufe ich täglich kiloweise Dinge, die ich mir sonst nie leiste, Kiwis, Weintrauben und Paprika, aber vor allem Birnen und Äpfel, und praktisch geschenkt, bevor sie weggeworfen werden. Außerdem operiert seit kurzem eine Kooperative von umwelt- und friedensbewegten Studenten, also eine Gruppe, die Produkte aus der Region ordert und zum Selbstkostenpreis auf Vertrauensbasis verkauft. Zimt und Mandeln halb so teuer wie bei Aldi. Wenn Mareen das wüsste. Ganz abgesehen davon konnte ich letztens die Reste eines informellen Empfang unseres Instituts plündern; Kuchen und Sandwiches mit Dingen, die ich meinem Körper seit Weihnachten nur auf gesponsorten Abendessen zuführen konnte.

Prüfungsfreude

Die Statistikklausur am 16.5. war dann vermutlich die schlechteste seit der allerersten Wirtschaftsprüfung. Durchaus möglich, dass ich nichtmal bestanden habe Und das war mein starkes Fach.

Trotzdem bin ich ich nach der unmittelbaren Folgezeit wieder guter Dinge, oder besser pendele zwischen Depression, wenn ich wieder zehn Stunden für ein Kapitel brauche und es trotzdem nicht verstehe, und akademischer Begeisterung, wenn ich neun Uhr morgens eine Formel verstehe (insbesondere in den beiden echten Wirtschaftsfächern, deren Prüfungen mir jetzt noch verbleiben), und noch den ganzen Tag habe um weiterzulesen. Insbesondere seit uns auf einem Beratungstreffen kürzlich gesagt wurde, dass die Abschlussarbeit „nicht originell“ sein muss, ich also keinen wirklich neuen Beitrag zur Wissenschaft leisten muss, bin ich bezüglich der nächsten Monate massiv beruhigt. Sorgen macht mir nur die Faulheitsfalle in der Dimension wie während der Bachelorarbeit.

Ende Juni kommen neue Mitbewohner, dem Vernehmen nach ein deutsches Paar.

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