Dienstag, 8. März 2011

04.03.2011 - Februar und März

Mein diesjähriges Martinizza, eine bulgarische Frühlingstradition, aufzuhängen am ersten blühenden Baum.
Einen Monat habe ich nicht geschrieben, da ich mich wie unten geschildert wieder mehr in der Bibliothek war. Hier stehen jetzt mehr die gesammelten Notizen des letzten Monats als ein koherenter Bericht.

Nach dem Bibliothekskoller hat mich die Entspannungstherapie ins Gegenteils getrieben. Jetzt versuche ich das Spaßprogramm zusammen- oder besser ganz zu streichen und wieder mehr in die Bibliothek zu kommen. Meine Erkältung steht dem nicht weiter im Weg, denn sie sich als die kürzeste meines Lebens erwiesen, nach drei Tagen im Turbodurchgang war ich wieder gesund. Im Gegensatz dazu geht eine auffällig aggressive Grippewelle durch die Uni, sodass ich mich frage, ob ich nicht etwas anderes hatte und das noch auf mich zukommt.

Einen schlechteren Zeitpunkt dazu gäbe es nicht, denn seit drei Wochen stecke ich bis zum Hals in Arbeit. In der Makroökonomie hat die türkische Professorin übernommen und es geht in die Währungs- und Wechselkurstheorie, ein Thema von dem ich bisher fast unbeleckt bin. Dicke Lehrbücher und ellenlange Artikel für eine Präsentation mit einer mittelmäßigen Gruppe erwarten mich.
In einem Monat ist das Semester schon wieder zu Ende, das merkt man auch in der Bibliothek, die panischen Studenten besetzen wieder jeden Tisch und jedes Buch. Von meinem Überlegenheitsgefühl ist aber nichts geblieben seit gestern die erste Zensur kam: die über Weihnachten geschriebene Hausarbeit hat gerade so bestanden. Ein schwerer Schlag so kurz vor dem Ende des Studiums, wo in zwei Wochen eine Reihe Arbeiten abgegeben werden müssen, die auf dem gleichen Konzept aufgebaut sind. Obwohl ich schon vor dem Semester angefangen habe zu lesen, habe ich mir zuviel für das Ende aufgehoben. Die letzten zwei Wochen werden sehr arbeitsreich. Aber so sollte das Studium auch sein.

Chor
Entgegen dem, was ich einigen geschrieben habe, haben wir im Chor den Großteil von Händels Salomon bereits durchgearbeitet. So sehe ich doch, wie wir es bis zum Auftritt in einem Monat zu erträglicher Qualität bringen können. Dazu muss ich sagen, seitdem ich den Text kenne nervt mich dieses Stück zunehmend. So ein banaler Schmarrn – langsam verstehe ich, warum Musikstudenten sich mehr für Neue Musik als Barock interessieren. Wenn ich mir Beethovens Neunte mal so ansehe, ist der Text des Folgestücks intellektuell auch nicht sehr anspruchvoll.

Nun, inzwischen ist die Aufführung schon nächsten Mittwoch. Nachmittags Generalprobe, abends Auftritt. Und am nächsten Tag Abgabefrist für den den nächsten Essay.

Demokratie
Dann war Revolution in Ägypten, zur großen Freude meiner arabischen Kommilitonen, die zu spontanen Feiern luden und sich die Nächte um den Kopf schlagen, um im Internet weitere Umstürze zu fördern.
Auch an der Uni wird bei erneuten Wahlen Demokratie geprobt. Das scheint hier häufig zu geschehen, alle paar Wochen sind Wände mit hausgemachten Plakaten überklebt, letzten werden einem sogar plötzlich Broschüren auf den Mittagstisch gelegt. Diesmal geht es um den Studentenrat und ich bin immer wieder überrascht welche Bedeutung junge Studenten diesen Dingen beimessen. Soviel Energie und Versprechungen für Positionen, die größtenteils symbolisch sind. Ich sage, wer neben dem Studium soviel Zeit übrig hat, braucht nicht gegen höhere Gebühren protestieren. Sollen sie sich reinhängen, sind sie in der halben Zeit fertig, bezahlen nicht mehr und ein paar Bäume werden auch gespart.

Spaß
Gefeiert wird weiterhin regelmäßig. Es gab einen Karaokeabends mit spontaner Tanzeinlage der Azerbaidjanischen Jungs, vom Stil eher wie man sich Russen vorstellt. Als sich dann die ohnehin bewegungsprofessionellen Mädchen aus Kazachstan dazu gesellten war die allgemeine Freude groß und lautstark. Am nächsten Tag führte ich mit meiner hiesigen Lieblingsspanierin Sonia eine Fallstudie zum Thema durch, warum Briten am Wochenende so hoffnungslos betrunken sind. Das liegt daran, dass sie schon ab mittags in den Pubs anfangen. Das fanden wir raus, als wir uns zufällig zur selben Zeit in den selben Lokalitäten befanden. Im Übrigen ein offenbar traditioneller Zeitvertreib, ältere und gut situierte Pärchen kehren auf einem Spaziergang kurz in die Kneipe ein, trinken ein Bier vor dem Mittag und gehen weiter. Ihre Kinder und Enkel limitieren sich weniger.

Einige Abschiedsfeiern geben mir einen Vorgeschmack, was mir selbst in ca. einem halben Jahr wieder bevorsteht. Am 17.2. haben wir Diana (einigen bekannt vom winterlichen Foto mit meiner russischen Mütze) die letzten Riten erteilt, die am Folgetag nach einem Jahr zurück nach Mexiko flog. Zum Glück ist sie von froher Nationalität und der Abend war eine angenehme Mischung aus etwas Salsa und einem zivilisierten Pub. Das gleiche geschah für den Spanier Miguel, Bulgaren und Iraner haben Geburtstag und mit den Kazachen vergnügt man sich auf Kulturveranstaltungen und internationalen Trinkgelagen.

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