1. Computer
Nach einer Woche Suchen kann ich endlich wieder zu Hause Zeit mit einem Computer verlieren. Eigentlich habe ich gemerkt, dass ich gar keinen brauche. An der Uni sind genug, und zu Hause lerne ich besser ohne.
Jetzt versuche ich die verlorene Lehrbuchlesezeit nachzuholen. An der Uni habe ich tatsächlich nur vier Kurs, die aber erstaunlich viel Arbeit erfordern. Gott sei Dank habe ich den Sommerkurs besucht. Ohne diese Extraübungszeit wäre ich hoffungslos verloren in Mathelehrbüchern und Vorlesungen. Gelegentlich wünschte ich, schon im September weniger Tourist und mehr Bibliotheksbesucher gewesen zu sein. Aber dann bin ich froh, damals York und Fountains Abbey und die Farm besucht zu haben, denn jetzt ist keine Zeit mehr für irgendwelche Ausflüge und Privatbildungspausen mit vernünftiger Vorbereitung.
2. Studium
Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass man hier an der Uni sehr wenige Kurse hat. Ich habe grade mal fuenf dieses Semester und nur an maximal vier Tagen pro Woche bin ich zwingend an der Uni. Es gibt aber trotzdem mehr als genug Arbeit, man studiert mehr selbstständig und so komme ich meist sieben Tage die Woche gegen neun abends aus der Bibliothek, die bis Mitternacht auf hat.
3.
In erwähnter Woche durfte ich beide Einkaufsparks Yorks kennen lernen. Nach dem Kauf des Laptops gab ich noch etwas mehr Geld im Supermarkt nebenan aus. Jetzt haben wir mehrere Kochtöpfe im Haus und ich Ordner für die Semesteranfangspapierflut. Dabei lernte ich einen polnischen Mitarbeiter kennen, der meine Meinung über die hiesige Polonia entschieden verbesserte. Er gab mir eine Führung zu den besten Produkten, inklusive Empfehlungen zur Konkurrenz, und lieferte mich dann bei der strahlenden polnischen Kassierein ab.
4. Buecher
York hat eine Unzahl sehr guter Gebrauchtbuchläden. Außerdem sehr viele sog. Wohlfahrtsläden, wo Erlös aus gespendeten Gütern an sehr alte, sehr junge, sehr kranke etc. Menschen als auch Tiere geht. Eine Gottesgabe für Studenten. Ich habe mir für den nahenden Winter eine Breschnew-Gedächtnismütze gekauft, die so billig war, dass ich freiwillig mehr bezahlt habe.
5. Salsa
Mittwochs besuche ich einen Salsakurs an der Uni. Nicht sehr anspruchsvoll, aber man lernt viele Leute kennen, die auch verzweifelt nach genug Raum zum Tanzen suchen. Sehr gut zur Sprachübung, vor allem seit man mich als überqualifiziert von den Englischkursen abgewiesen hat. Bei der wöchentlichen Salsaparty am Donnerstag habe ich dann eine erzbulgarische Studentin kennen gelernt.
6. Bildung
Eine der letzten historischen Bildungsaddressen in der Stadt ist die sog. Merchant Adventurers Hall. Das ist die Versammlungshalle der Woll- und Tuchfernhändler. Ein Meisterstück mittelalterlicher Holzdächer. Eine zweischiffige Halle, weil kein Baumstamm weit genug für die gewünschte Dachgröße war. 1357 von einer ursprünglich religiösen Vereinigung gebaut, die sich während der Reformation in eine Handelsgilde umbildete, um dem Einzug der Besitzes durch die Krone zu entgehen. Wurde später zur mächtigsten Organisation der Stadt, bis ihre Monopole widerrufen wurde und der Fluss zu klein wurde für die immer größer werdenen Schiffe. York wurde nämlich ursprünglich so reich, weil es anfangs eine für Seefahrer anlaufbare Hafenstadt war. Das ist lange vorbei, aber die Gilde existiert immer noch und hält seit 700 Jahren ihre Halle.
7. Sonntag
Wieder Gottesdienst im Münster. Ein weiterer bemerkenswerter Unterschied zu Polen: zur Kommunion steht diszipliniert eine Reihe nach der anderen auf, wenn die Schlange zum Priester kurz genug ist. Kein zeitgleiches Vorwärtsstürmen der gesamten Gemeinde. Dabei scheint es mir oft katholischer als bei den Katholike. Nicht erst seit gestern verhandelt man ja mit Rom über eine Rückkehr. Das wird erleichtert durch die große Autonomie, die hier jede Gemeinde hat. Anhänger der sog. 'Niederkirche' begleiten die Messe mit der Gitarre, der Pfarrer der 'Hochkirche' nebenan schwenkt den Weihrauch des selbst dem Papst die Luft wegbleibt. Nach viel Ärger um weibliche Priester hat sich jetzt laut Zeitung die erste traditionelle Gemeinde zur Heimkehr nach Rom entschlossen.
8. Tee
Ich dagegen trank nach der Messer noch einen Tee in einem zauberhaften Ort mit zwei Meerschweinchen in einem Garten direkt an der Stadtmauer, auf dessen grünen Rasen das rote Laub der Bäume fällt.
9. Äpfel
Emilie hat mir ein Rezept für gedünste Äpfel gezeigt. Zusammen ernten wir den Baum im Garten bevor alles erfriert.
10. Mein ganzes Viertel riecht zur Zeit nach heißer Schokolade.
11.
Von meiner Haustür sehe ich direkt auf den Hauptturm des Münsters, mit den zwei kleineren Westtürmen dahinter. Morgens weiß vor z.Z. meist blauem Himmel, abends angestrahlt in der Dunkelheit.
12. Post
Vielen Dank für Eure Briefe. Leider kann ich über das Tagebuch hinaus nicht individuell antworten.
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