Uni
Ab Montag, den 11.10., läuft offiziell das Semester. Die erste Woche jedoch ist für fast alle Studiengänge Einführung. Das wird hier mit relativ ungezwungenen Empfängen erledigt, wo massiv Wein auf den Tisch kommt. Meine war Donnerstag Abend. Ich bin mit einem Zyprioten den Wein angegangen, dann tauchte meine neue Mitbewohnerin Emilie auf der Suche nach einer eigenen Party auf und blieb, später traf ich die viele Bekannte in der Stadt beim Salsa wieder. Tanzen ging aber schlecht wegen Platzmangel. Uni und Stadt sind ueberlaufen von Studenten, die zum Semester zurueck sind. Und Salsa am Donnerstag war vor allem ein Beispiel fuer englische Maenner. Tagsueber die besten Gentlemen, nach ein paar Bier abends haben sie die Haende ueberall an einem Maedchen bevor sie sich vorstellen.
Unser Studiengang wird von bemerkenswert wenigen Leuten geleitet, die sich weit besser verstehen und alles effektiver organisieren als in Magdeburg, und das trotz derselben Koordinationsprobleme eines interdisziplinären Studiengangs. Das sind größtenteils zweieinhalb Professoren und eine Sekretärin, die auch keine Scheu haben mit uns was zu trinken.
Heute, 18.10., gehen die ersten Vorlesungen los. Wie nachfolgend sichtbar haben wir nominell wenige Vorlesungen. Aber dazu kommen noch Uebungen und wie ich das kenne wir das wieder alles viel zu viel.
Für Interessierte meine Kurse:
Herbsttrimester: theoretische Mikroökonomie, Theorien & Praktiken der Entwicklungsverwaltung, Quantitative Analytik 1, Recherchetraining
Frühlingstrimester: Entwicklungsökonomie, Die Politik, Philosophie und Wirtschaft gesellschaftlicher Wahl, Internationale Makroökonomie, Quantitative Analytik 2, Recherchetraining, Vorbereitung der Abschlussarbeit
Sommertrimester: Abschlussarbeit
York
Am Wochenende, 16./17.10., also vor den ersten wirklichen Vorlesungen, habe ich Samstag zum ersten Mal eine Fuehrung durch den Muenster mitgemacht und bin danach endlich mal auf den Turm gestiegen. Sonntag morgen kam ich zurueck zur Messe, wohl die einzige, die im Hauptschiff gehalten wird statt nur im Chor. Im Vergleich zu Polen ist die Gemeinde natuerlich kleiner, aber sozial besser gestellt, aelter und wirklich glaeubig. Beim Singen versteckt sich niemand hinter der Stimme des andern, und beim allgemeinen Haendeschuetteln sieht man keine peinlich gezwungenen Gesichter. Anschliessend ging ich ins sog. Haus des Schatzmeisters, eine Besitzung des National Trust gleich neben dem Muenster. Urspruenglich Heim des Muensterschatzmeister hat ein Fabrikant dort um die Jahrhundertwende in 13 Raeumen seine Sammlung von Inneneinrichtung aus 400 Jahren aufgebaut. Jetzt sind nur noch wenige wichtige Orte zur Stadtgeschichte uebrig, aber jetzt geht auch das Semester los und ich weiss nicht, wieviel ich noch schaffe.
Zu Hause
Nach der Auskurierung der letzten Erkältung bin ich gleich wieder krank geworden. Irgendwas neues, was die halbe Uni niederstreckt. Und das obwohl ich mich gesünder ernähre sowie aufgrund fehlenden Internets zu Hause früher und länger schlafe als in den letzten fünf Jahren. Das beste: mein Laptop ist puenktlich zum allerersten Unitag kaputt gegangen und ich brauche einen neuen. Das kostet wohl weniger als halb soviel wie der letzte und zum Glueck sind an der Uni sehr viele Rechner. Aber vor allem kostet es unvorstellbar viel und unvorstellbar knappe Zeit. Nach gerade mal zwei Vorlesungen am ersten Tag sitze ich abends um sieben im Computerzentrum, renne seit 8 Uhr morgens den Aufgaben hinterher, dabei ist die Liste nur immer laenger geworden. Und ein Buch habe ich heute nichtmal angefasst.
Nur zu Hause bleibt ohne Rechner viel Zeit zum Lesen. Ich habe endlich Bruno Schulzes ‚Zimtlaeden‘ (Abschiedsgeschenk meiner Freundin Kasi aus Polen), abgeschlossen, und lese nun abends Jeromes ‚Drei Maenner in einem Boot‘. Die Gebrauchtwarenlaeden hier sind eine Gottesgabe fuer Buecher. Aber mit Unianfang hat sich das private Lesen wohl einstweilig erledigt.
Auch zum Backen bin ich gekommen. Leider haben sich die Damenplaetzchen in fuenf Minuten in eine Pfuetze auf dem Blech verwandelt.
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