Montag, 11. Oktober 2010

04.10.2010 - Newcastle

Aber Manchester war natürlich nur der Anfang der großen Erinnerungstour. Am wichtigsten war es, Montag früh nach Newcastle zu fahren. Immer hatte ich mir vorgestellt, wie das wohl werden wird, wie ich reagiere. Beim sonnigsten aller Tage schlief ich die Busfahrt aber fast durch. Jedoch wachte ich genau in dem Moment auf, als wir an Easington vorbeifuhren. Ich brauchte keine Sekunde, um zu sehen, wo wir waren. Die Mühle an der Autobahn, dahinter die Kirche, und dahinter das Meer das Meer und kein Ende. Frachter am Horizont. Es traf mich härter als gedacht. Dann Seaham. Die Route mir durch meinen ersten Fahrradausflug bis nach Sunderland wohl bekannt. Das Verkehrsterminal. Über die Wear. Penshaw am Horizont. Der Engel des Nordens. Gateshead. Über die Tyne. Die sieben Brücken. Die silberne Raupe der Konzerthalle Sage in der Sonne. Der Hauptbahnhof. Und dann steige ich aus.
Immer hatte ich mir vorgestellt, wie die Rückkehr wohl sein würde. Am wenigstens hatte ich erwartet, dass alles wie damals sein würde. Alle Läden, alle Kneipen am gleichen Ort, die gleiche Obdachlosenzeitung wird noch verkauft. Die alten Wege führen noch zu den gleichen Orten, zu Peter fährt sogar noch der alte Bus zur alten Haltestelle. Soviele Gedanken, wie das wohl sein würde, und jetzt scheint es so normal hier zu sein, ich fühle kaum mehr als eine solide Zufriedenheit.
Der Hauptbahnhof war wohl der symbolischste Ort, und dahin gehe ich als erstes, in die lichte Halle mit der Brücke aus dunkelblauem Gusseisen. Dann hoch zu Grey's Monument, zum Mittag Shepherd's Pie auf dem Grainger Market. Durch die einkaufenden Massen auf der Northumberland Street nach Norden; niemals ist mir aufgefallen, wie hässlich die Straße ist. Ein Tee an der Uni, eindeutig sind hier tausende Studenten mehr als damals. Zurück nach Süden, das Tyneside Cinema, weiter zum Fluss, über die Jahrtausendbrücke und auf die Aussichtsterasse der Baltic Galerie. Kaum Gedanken an ein tränenrühriges Wiedersehen. Eher lese ich mir routiniert die Infotafeln an der Burg durch, was ich damals nie gemacht hatte.

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