Dienstag, 17. Januar 2023

neustart

Anfang Dezember ist bei uns so ziemlich alles zusammen gebrochen. Otto war sieben Wochen mit verschiedensten Dingen krank gewesen, da hat es Ellie erwischt. Zwei Tage hat sie mit Fieber im Bett gelegen und hat sich danach erst langsam erholt. Die  daraus folgend Arbeitsbelastung hat mich an die schlimmsten Wochen nach Ottos Geburt erinnert. Man war einfach nicht genug. Abends hat man sich nur noch berieseln lassen. Advent konnten wir gleich wieder vergessen. Die Weihnachtspause hat uns eine Pause verschafft. Wir fangen jetzt praktisch von vorne an.

Anna

Das schönste Erlebnis im Dezember war, dass wir es geschafft haben, Anna aus der Ukraine eine gute Wohnung in Portsmouth zu finden. Die war im März geflüchtet, erst nach Polen dann nach Fareham. Sie kommt aus dem ukrainischen Statistikamt und ich hatte erfolglos versucht ihr eine Arbeit zu finden. Dann brauchte sie eine Wohnung in Portsmouth. Zum Glück ist Ellie praktischer als ich. Im schlimmsten Fieber fand sie eine Annonce eines lokalen Vermieters, der spezielle Ukrainern helfen will. Am kältesten Tag habe ich Anna getroffen und am Ende hatte sie wirklich ein Zimmer in einer schönen Wohnung in schöner Lage. Es ist ein wunderbares Gefühl, konkret, substantiell geholfen zu haben. Ich versuche Anna seither einmal die Woche zu treffen und ihr bei Ankommen zu helfen, weil ich mich erinnere, wie deprimiertend es ist sich in einem fremden Land Arbeit und Wohnung suchen zu müssen. Und dann im Winter in Portsmouth. Das war mit Abstand das beste Erlebnis im ganzen Dezember.

Mit dem Vermieter will ich mich auch nochmal treffen.  Der ist richtig interessant. Soldat in der Sicherungskompanie hier im Marinehafen. Militärfamilie. Hat viel zu erzählen.

Und was Anna so erzählt bestätigt alles, was man liest und sieht. Ihre Mutter lebt in Poltava unter Raketen. Sie kennt einen Arzt in Butscha. Scheiß Russen. Scheiß Russenknechte überall. Nur draufhauen.

Weihnachten

... war zuerst nicht toll. Ich hatte bis zum letzten Moment gearbeitet; dann wollte Otto Heiligabend am liebsten im Spielkasino auf der Seebrücke verbringen und musste schreiend nach Hause gezerrt werde; dort war ob der verlorenen Zeit Putzstress. Ich habe abgekotzt, dass es ein Samstag wie jeder andere war. Bescherung wurde dann besser. Ich bekam eine Puzzlematte mit der ich endlich größere Puzzle machen kann. Ellie bekam die Sicherheitsente in Ölfarben. Die hat sich über die Jahre bewährt und etwas dauerhaftes verdient.


Safety Duck protects


Otto bekam gleich zwei Kreisel und hat innerhalb weniger Tage auch gelernt sie zu drehen. Sein Interesse daran hat mich besonders gefreut. Da gehen einige Entwicklungen voran. Er lässt sich auch sehr gerne etwas vorlesen, zeigt gezielt auf den Text. Ein Musik Buch über Beethoven hat ihn so eingefangen, das wir die Reihe auf seine Geschenk Liste gesetzt haben. Der Roller interessiert ihn bisher aber gar nicht. Sieht man wieder: besser klein und billig, denn das Interesse ist sehr zufällig. Und es sind auch dieses Jahr wieder Geschenke aufgrund ihrer Menge liegen geblieben. Gut für den Geburtstag.

Zum englischen Festmahl am Weihnachtstag kamen Anna und unser Freund Andrew. Die Gesellschaft hat uns allen gut getan. Mein Befinden besserte sich ab dem Tag. Und Otto blüht auch spürbar auf, je mehr Leute er zur Verfügung hat.


Ellies Geburtstag
Zu Ellies Geburtstag habe ich mir frei genommen zu einem unserer seltenen Elterntage. Auto war kaputt, Eisenbahn streikt, also mussten wir lokal bleiben. Aber während des Mittags wurde Ellie ihr neuer Job bestätigt. Mir fehlt die Zeit und Muße genauer zu beschreiben, wie sehr es mich erleichtert, dass sie etwas hat, wo sie ihren Geist aus der Flasche lassen darf. Und wenn nur bis zum Mutterurlaub.

Otto-Nachrichten

  • Seine Erstsprache wird deutlicher Englisch, aber wenn er einige Stunden mit mir alleine ist, benutzt er auch mehr deutsche als bisher. Er zählt auf deutsch und sagt seit Dezember auch auf deutsch "nein". Er benutzt auch kompliziertere Worte wie "Geräusch".
  • Otto ist überglücklich wenn beide Eltern da sind
  • die Katzen lassen sich zu seiner absoluten Begeisterung von ihm Leckerlis geben. Dann schallt es durchs Haus, "Buddha, Mochi - Dreamies!"
  • Otto hat den Dachboden entdeckt

Ausflüge

In den zehn freien Tagen über Weihnachten waren wir fast immer unterwegs, aber auch hier konnte ich nie schreiben
  • Kurz vor Weihnachten trafen wir Ellies Mutter im Wasservogelpark in Arundel. Würde ich gerne mal in Ruhe alleine durchgehen.
  • Wir waren zusammen in Chichester, dem kleinen Zoo in Staunton
  • im Forest of Bere wurde Otto im Bach völlig durchnässt
  • Das Schwimmbad in Portsmouth war eine echte Offenbarung. Gut für Otto; super Alternative für Regentage; auch ich selbst fand die Athmosphäre in dem weiteren Fitnesszentrum richtig motivierend.

Otto im Schwimmbad

Otto im botanischen Garten

Dachbodenfenster

Otto auf dem Bauernhof

die Katzen lassen sich von Otto füttern


Johannes-Nachrichten

  • ich lese ob geistiger Kräfte vor allem James Bond. Dr No, und jetzt Goldfinger.
  • der erste Ultraschall Mitte Dezember verlief erleichternd
  • Nikolaus
  • Apropos Weihanchtsgeschenke: vor zwei Jahren hatte mir Ellie ein Papp-Theater geschenkt, für das ich nie Zeit hatte. In der Weihnachtspause haben wir es einen Abend zusammen gebaut und Aschenbrödel durchgespielt
  • die Puzzlematte ist dagegen sofort und viel im Einsatz. Das tut mir abends wirklich gut. Ich habe drei 1000-Teile Puzzle hier, die seit Jahren rumliegen; es tut mir gut für jeweils mehrere Wochen ein kleines Projekt zu haben.
  • Unsere Telefone haben seit Wochen keinen Empfang mehr. Keine Ahnung warum. Aber wir können nur per Internet telefonieren. Vermutlich ein weiterer Brexit Bonus.


Sonntag, 27. November 2022

Farben froh

In den letzten Wochen haben wir das Herbstwetter nochmal genutzt.

Vor zwei Wochen zum Beispiel sind wir ins Umweltzentrum gefahren. Otto und ich haben Ellie die Stelle im Wald gezeigt, wo wir momentan Mittwoch vormittags zur "Waldschule" gehen. Ursprünglich sollte das einfach einem Stadtkind die Natur etwas näher bringen. Und es schlägt auch erstaunlich gut an, inklusive Singen und Geschichten zuhören. Aber auch ich selbst atme auf, wenn wir zwischen den Buchen sitzen.

Tags drauf sind wir wieder einmal in den Apfelgärten meiner Tango-Genossen gefahren. Diesmal haben wir drei große Tüten mitgenommen, und einen Strauß Petersilie. Auch dort ist der Herbst wunderbar, mit dem schönen Blick über die Felder auf die Bäume am Alten Winchester Hügel. Besonders freut mich, dass auch Ellie sich in der Gesellschaft ihr bis vor kurzem Fremder wohlfühlt. Und unsere Gastgeben freuen sich auch, wenn wir kommen; insbesondere über Otto.

Einen anderen Tag sind wir in Petersfield um den Ententeich gelaufen. Anschließend hat Otto auf dem Spielplatz entdeckt, dass er Schrägen herabrollen kann.


Abnutzung

Otto hustet seit inzwischen einem Monat rum. Besonders abends im Bett. Hustet und hustet und hustet. Auch wenn es ihm aus irgendwelchen Gründen keine Schmerzen zu bereiten scheint, ist es für uns Eltern schwer zu ertragen. Wir vermuten inzwischen eine Bronchiolitis, offenbar eine Kinderkrankheit. Nach diesem Monat wurde es für einige Tage dann statt besser noch schlimmer. Ellie hat zwei Nächte praktisch nicht geschlafen. Offenbar hat er sich im Kindergarten einen separaten Husten dazu geholt. Irgendwann nach 21 Uhr kriegt er oft einen besonders schweren Anfall und wir müssen früh ins Bett. Da liegen Ellie und Otto dann die Nacht lang rum und schlafen nicht. Und ich liege nebenan und fühle mich hilflos und wütend.

Ellie geht es schon schlecht genug. Ihr ist hundeübel. An manchen Tagen hält sie nur ihre Härte gegen sich selbst am Laufen. Ich leide auch, weil ich dann eigentlich den Tag übernehmen will, mir aber nicht ständig frei nehmen kann.

Was dann auch mein Wohlbefinden beeinträchtigt. Es geht auf und ab, aber ich spüre den Stress. Besonders abends, wenn ein weiterer Tag einfach ohne Befriedigung endet. Wenn man den ganzen Tag lang darauf wartet, endlich Ruhe und Zeit zu haben, dann aber keins davon eintrifft. Der typische Abend ist zu kurz und zuviel muss reinkomprimiert werden. Endlich in Ruhe mit Ellie reden, aber auch endlich wichtige Aufgaben erledigen, aber gleichzeitig will man nach den Aufgaben des Tages auch endlich mal einfach Unterhaltung. Dann sehe ich, dass unser Familienleben auch bei bester Planung am Ende einfacher Arithmetik ausgeliefert ist: es gibt einfach zuviel zu tun und zu wenig Hände. Und an solchen Abenden fragt man sich, wie es denn mit zwei Kindern werden soll.


Otto Nachrichten

  • ein neues Gutenacht Spiel: wenn wir die Treppe hochgehen, rennt Otto erst nach rechts in Gästezimmer. Er kommt aber kichernd zurück, wenn Papa ankündigt eben selbst im Ottobett zu schlafen.
  • Otto macht große Fortschritte auf seinem Töpfchen. Er sagt ziemlich verlässlich rechtzeitig bescheid, wenn er muss. Ich bin überrascht, dass er das innerhalb weniger Wochen erlernt hat.
  • er übt die letzten zwei Wochen hüpfen und springen. Oft mit Froschlauten.
  • Sprachentwicklung: wenn wir im Auto das Lied von der Vogelhochzeit hören, kommentiert er, dass auch wir ja Mittwochs immer in den Wald fahren. Und er weiß, dass Papa des Müllers Lust teilt.
  • Auch benutzt er den Konjunktiv und "vielleicht", was mich überrascht.
  • er reagiert auf unsere Gefühle: wenn es Mami nicht gut geht, macht er sich große Sorgen und umarmt sie.
  • seine Kita Tage ändern sich und damit Ellies Arbeitstage. Er geht jetzt Mittwoch bis Freitag, d.h. so wie früher zur Tagesmutti. Das gefällt mir besser, weil er generell am glücklichsten ist, wenn er mehrere Tage bei uns ist.

Johannes Nachrichten

  • Diesen Montag musste ich zum ersten Mal seit fast drei Jahren ins Büro, um einen neuen Laptop abzuholen. Sogar in Deutschland war ich in dem Zeitraum häufiger. Wirkte auch gar nicht merkwürdig. Und es ist völlig leer. Ganze Räume sind verlassen und abgeschaltet. Offenbar bevorzugen die meisten wie ich zu Hause zu arbeiten. Lange möge das so bleiben.

  • An dem Tag habe ich auch gemerkt, welchen Unterschied ein paar Stunden weniger Bildschirm machen. Ich war abends richtig frisch.

  • letztens eine schöne Anekdote. Thomas, vor 10 Jahren auf der Isle of Wight und heute in Münster und taucht alle paar Jahre in meinem Leben auf, lud mich zu seinem 50. Geburtstag nächstes Jahr zum Wandern in Schottland ein. Wir mir zu dem Zeitpunkt unmöglich sein, aber der Modus der Einladung, mit fotokopierter Handschrift in Brief, hat mich so angesprochen, dass ich für die Antwort selbst mein bestes Briefpapier rausholte.

  • Lektüre: ich lese ob Erschöpfung stochastisch; etwas Wilhelm Busch, etwas Jane Austen, etwas Obama, etwas Geschichte, und den Anfang eines interessanten Buches über den polnisch-sowjetischen Krieg 1919-20 und die Bildung Zentraleuropas nach dem Ersten Weltkrieg.


Otto zeigt Mami wo er Mittwochs am Lagerfeuer singt

Wer unseren Garten erkennt der sieht, dass der letzte Sturm den besten Busch in der Ecke umgeweht hat. Das war der einzige Schatten im Sommer.

Mochi lässt Otto langsam an sich heran

Mittwoch, 9. November 2022

Neue Vorlieben

Otto war ein paar Tage krank mit Husten. Nichts großes, aber wir hatten sofort Schiss vor plötzlichen Krupp Anfällen.


Inzwischen wissen wir, dass Otto wirklich gerne in die Kita geht. Gleichzeitig findet er die Unterhaltung toll, zu der wir jeden Mittwoch in den Wald am Umweltzentrum fahren. Ich war wirklich überrascht, dass er das Vorlesen und das gemeinsame Singen am Ende nicht nur ertrug, sondern sich richtig gefreut hat. Mittwoch ist für ihn toll; er freut sich auf den Wald am Vormittag und auf die Kita danach. Schadet nicht, dass er dazwischen aus dem Cafe immer Kuchen kriegt.


Für mich ist der Vormittag auch wertvoll. Der Kontrast zwischen Schreibtischloch und den Stunden zwischen den Buchen tut mir sehr gut. Gerade im Moment genieße ich die Herbstfarben, und das vorwinterliche Gefühl in der Landschaft, gerade dort in den South Downs, wo man Blicke hat.


Otto Nachrichten

Otto lässt sich seit Neuesten gerne vorlesen. Besonders abends legt er sich dazu in sein kleines blaues Zelt im Wohnzimmer. Vielleicht, weil er etwas krank ist und ruhen will. Wobei das eine bisher nie zum anderen geführt hatte. Einmal hat er sogar auf dem Sofa gelegen und alleine durch ein Bilderbuch geblättert. Das macht mich sehr glücklich; ich wollte das schon lange machen, aber bisher hat er alle Versuche lautstark abgelehnt.

Otto hat seine volle Eloquenz gefunden. Er plappert los sobald er aufwacht ("steht der grüne Honda auf der Straße Mami?") und hört nicht auf bis er einschläft. Seit er das Wort "Warum" gelernt hat setzt er es rücksichtslos ein.


Johannes Nachrichten

Ich schreibe seit einem Monat erfolglos an Weihnachtskarten. Die Abende sind so kurz, man fühlt sich immer zerrissen etwas zu schaffen oder endlich mit Ellie zu sprechen wie normale Menschen. An Arbeitstagen ist man den ganzen Tag im gleichen Haus, aber in getrennten Leben.


Mit Klanghölzern im Liederkreis im Wald

Der kleine Lord lässt sich vorlesen



Samstag, 29. Oktober 2022

Potto

Inzwischen geht Otto seit drei Wochen in die Kita. Inzwischen schließe ich vorsichtig, dass er da lieber hingeht als zur Tagesmutti. Losgehen will er nicht, aber wenn wir erstmal da sind, stürmt er gleich hinein. Und soweit wir wissen, spielt er begeistert mit allen Spielzeugautos und den Pfützen im Außenbereich. Er ist abends auch müde und nicht aufgedreht wie nach der Tagesmutti. Für uns ist die Logistik eine Erleichterung.

Unabhängig davon habe ich Otto sechs Teilnahmen an einer wöchentlichen Kinderbespaßung im Wald im Umweltzentrum gebucht. Das findet praktischerweise jeden Mittwoch vormittag statt, wenn ich ihn habe. Bisher haben wir einen sehr schönen Herbst und auch mir tut es sehr gut, mal in die Natur zu kommen. Otto spielt dann in der Matschküche, oder sägt und bohrt Holz, oder hämmert Pfähle in die Erde.

Dieses Wochenende hat er dann spontan seine Windel gegen einen Pott eingetauscht. Eigentlich hatten wir dafür eine Woche eingeplant, um ihn richtig umzugewöhnen bevor er wieder zur Kita geht. Aber er hat seit einiger Zeit gegen Windeln protestiert, und Samstag Morgen wollte er dann endlich seinen Pott haben. Bisher stellt er sich erstaunlich geschickt an. Nicht ganz klar, wie es dann nach nur zwei Tagen in der Kita läuft.

Mitte der Woche hatten wir richtig Stress, als unser Internet ausfiel und unser Anbieter einfach kein Ersatzgerät organisiert bekam. Einige Tage habe ich bei einem Freund um die Ecke gearbeitet. Am Ende hat es Ellie gelöst, in dem sie sich auf sozialen Medien öffentlich beschwert hat. Ich kann sowas nicht.

Es war wieder ein Beispiel, wie mich Dinge viel mehr stressen, als sie es vor drei Jahren getan hätten. Man kommt zu so wenig, da fällt das Haus schneller auseinander als man hinterherreparieren kann. Die letzten Wochen brauche ich dann wieder mehr  Entspannung durch Ablenkung und bunte Geschichten. Zum Beispiel spiele ich weitere Folgen der alten Computerspielreihe Monkey island. Ich erinnere mich, früher mit Adventures gar nichts anfangen zu können. Aber heute schätze ich eine schöne Geschichte mit schönen Farben. Ebenso lese ich eher Stolz und Vorurteil zum zweiten Mal als Obama zum ersten. Altbekanntes schlägt neues; ich frage mich ob das nicht allen Eltern so geht nach einiger Zeit.

Aus den selben Gründen habe ich endlich meine Herbstwanderung ausgeführt. Erstaunlich, was man aus der Natur zieht, wenn man den Großteil seines Lebens im gleichen Zimmer verbringt. Hinter der Hubertuskapelle bin ich die Strecke gelaufen, die ich mit Friedemann im Mai erkundet hatte. Ich habe einen Turmfalken, drei Rehe und hundert Fasane gesehen, die aus Feldern und Büschen stoben. Die Bäume haben eine schöne Färbung, ebenso die Beeren an manchen Büschen, und es gibt sogar noch Brombeeren. Eine schöne Frühwinterliche Athmosphäre liegt über manchen Stellen.





Im Wald




Sonntag, 9. Oktober 2022

Alle Ottos Äpfel

Heute sind wir ein zweites Mal aufs Land zu meinen Tango-Bekannten mit den Apfelbäumen gefahren. Wie gestern war es ein besonders schöner, sonniger Herbstag. Zuerst machten wir ein Picknick an der Kirche von Droxford, zwischen der Pracht der Bäume, die sich gerade färben. Ein Freude, Otto dazwischen zu sehen.

Bei unseren Bekannten angekommen haben wir zwei große Säcke mit Äpfeln gefüllt ohne den Bäumen viel Last abzunehmen. Otto schnappte sich auch einige tief hängende Früchte und rannte ansonsten viel rum. Diesmal erfuhr ich etwas mehr über unsere Gastgeber. Sie wohnen etwa 40 Jahre in diesem Haus, was inzwischen Millionen wert sein muss mit dem wunderschönen Blick auf den Alten Winchester Hügel und der Nähe zu den wohlbetuchten Orten am Fluss Meon. Er war in der Handelsmarine; sie stammt aus Finnland und lernte ihn kennen, als sie in den frühen 1970ern auf seinem Schiff nach England fuhr, bevor es Billigflüge gab. Ihre Kinder sind in vier Ländern verstreut, nur die jüngste wohnt in London. Und die Ernte in ihrem großen Garten wird mit dem Alter eben nicht einfacher. Aber Tanzen haben sie fast zur gleichen Zeit wie ich angefangen (2009, Salsa in Lodz).

Mir tut die Fahrt über Land und die Blicke und die Natur immer sehr gut. Während wir uns unterhielten, beschäftigte Ellie Otto, der am liebsten in den Gartenteich gestiegen wäre. Ich merkte, wieder, dass ich mir irgendwo Sorgen mache, sobald wir uns diese Aufgabe nicht genau zur Hälfte teilen.

Johannes Nachrichten

  • Ich habe eine neue Klobrille angebracht. Hat mich gerade mal ein halbes Jahr gekostet.






Samstag, 8. Oktober 2022

Ecce homo

Vor anderthalb Wochen hatte Otto eines Nachts wieder einen Anfall von Pseudokrupp. Wir erkannten es sofort, trotzdem ist es furchtbar zu hören und zu sehen. Otto und Ellie kamen wieder per Krankenwagen ins Krankenhaus; ich holte sie wieder per Auto ab. Das spielte sich zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens ab. Das verbundene Erkältungsvirus hat auch bei mir ordentlich reingehauen, und der Schlafverlust hat dabei nicht geholfen.

Nichtdestotrotz wollte ich am Wochenende endlich mal wieder aus der Stadt. Ich muss sagen, dass meine komprimierten Arbeitstage mir zusetzen. Ich musste einfach mal raus, und auch war unser Auto wieder einsatzfähig. Wir sind an einem schönen Herbsttag auf den bekannten Selbsterntehof gefahren. Mit den Jahren gefällt mir dieser Ort immer mehr. Die Blicke in die Landschaft allein sind die Reise wert. Momentan wachsen Reihen von Kohl, Brokkoli und Möhren. Gibt einem ein wohliges Gefühl; vermutlich weil ich sonst kaum noch was sehe von der echten Welt vor der Tür.

Heute sind wir an einem besonders sonnigen Herbsttag zum Haus Stansted gefahren, und morgen besuchen wir wieder die Leute mit dem Apfelgarten. Otto ist wirklich für die Natur gemacht. Es ist eine Freude, ihn draußen zu sehen.

Otto ist momentan spürbar glücklich mit seinen Eltern. Er schläft auch super ein. Man legt ihn praktisch hin und er schläft innerhalb von zwei Minuten, solange er meine Hand halten kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er lange Zeit nicht mehr von uns getrennt war. Durch Krupp und dann Urlaub war er nicht mehr bei der Tagesmutti. Und jetzt geht er nur noch zweimal hin bevor die Kita anfängt.

Otto Nachrichten

  • Otto hat das erste Mal Bratapfel probiert
  • unabhängig von der regulären Kita habe ich Otto eine besondere, wöchentliche Veranstaltung gebucht: 6 Vormittage Kinderbespaßung im Wald des Umweltzentrums. Davon haben wir zufällig erfahren, und es findet ausgerechnet Mittwoch Vormittag statt, wenn ich Otto habe. Bedeutet zwar insgesamt eine Stunde im Auto, aber auch mir wird es gut tun ins Grüne zu kommen.
  • Otto hat das Wort "Warum" gelernt und setzt es rücksichtslos ein.
  • Er singt das komplette Alfabet-Lied, und er spielt aktiv mit seinen kleinen Puzzlen, die bisher einfach nur Holzspielfiguren gestellt hatten.
  • Er singt viel und alle unsere Liederbücher kommen aus ihren verschiedenen Ablagen. Das freut mich besonders. Otto will insbesondere, dass ich beim Vorsingen mit dem Finger die Noten verfolge.
  • ... insgesamt finden beide Eltern es merkwürdig, sehr merkwürdig, wie hier ein richtiger, selbstbestimmter, verständiger Mensch steht.

Johannes Nachrichten

  • Ich will mich bei einem lokalen Zahnarzt anmelden. Stellt sich raus, die meiner Wahl spricht dank Studium in Deutschland fließend deutsch. Vielleicht guckt sie deshalb genauer hier als die in der Vergangenheit. Jedenfalls wird es teuer, sollte ich mich für sie entscheiden.
  • so etwa gleichzeitig mit der Erkältung macht auch mein Ischias Probleme. Das dauert meistens eine Woche.
  • Insgesamt ist mein Wohlbefinden weiterhin mittelmäßig.

Montag, 26. September 2022

Diese Woche haben wir etwas auf uns geachtet. Ich habe mehr Nächte im Gästezimmer geschlafen; da ruhe ich mich einfach besser aus. Samstag habe ich mir etwas Zeit ausbedungen um einige langweilige aber nötige Sachen zu erledigen und endlich ein Gefühl von Fortschritt zu haben. Am gleichen Tag kamen Ellies Vater, Frau, deren Tochter und Enkelin zu Besuch, letztere so alt wie Otto. Das Teilen von Spielzeugen hat ganz passabel geklappt. Otto hat gelernt, wie man andere Kinder umarmt, wenn sie Tröstung brauchen.

Sonntag bin ich mit ihm mehrere Stunden ans Meer gegangen. Das kompensiert für mich die ganze Zeit im Haus. Gibt mir das Gefühl, mein Kind an die frische Luft zu bringen. Und es hilft Ellie, die meinem Bauchgefühl nach momentan auch mehr Zeit für sich selbst braucht.

Otto Nachrichten

  • Ich habe diese Woche das Klavier rausgeholt und diesmal hat es bei Otto etwas mehr geklickt. Er versteht, dass ich irgendwie seine Lieder spielen kann, aber nicht, wie. Er selbst lässt am liebsten seine Autos über die Tasten fahren.
  • Ebenso haben wir die Laterne wieder ausprobiert und in der Tat spricht Otto mehr auf sie an als letztes Jahr. Leider hat er dann auch sofort den schönen Papier Schirm zerrissen.
  • Otto kann richtig Puzzle machen!

Johannes Nachrichten

  • Heimwerken: ich habe gelernt, Lattenroste am Bett und Schwellenleiste an Türen zu reparieren.
  • Ich bin endlich wieder zurück zu Obama Buch gekommen



Eine Fliege war im Raum und Otto sorgte sich, dass sie nicht genug Autos zum spielen hat.