Sonntag, 29. August 2021

Seemann

Ich habe das Tagebuch eine Zeit lang liegen gelassen, um meine Finanzen neu zu organisieren, Otto eigene Konten zu schaffen und mein und sein Geld anzulegen. Das heißt es gibt bald neue Kontodaten für uns zwei. Das war lange gewollt, aber erst jetzt umgesetzt, weil Otto sehr gut zu uns ist und uns weiterhin etwas freie Zeit lässt.

Heute war aber ein besonder schöner Tag, der Beschreibung verdient. Wir haben ein langes Wochenende; ein Musikfestival am Meer und sehr gutes Wetter. Nicht zu kalt, nicht zu warm. Jedes Jahr vergesse ich, dass man sich im Sommer gar keinen Stress machen muss, wohin man an den Wochenende fährt. Man geht einfach ans Meer, alle andere sind auch da, im Wasser und auf Booten, und jeder Spaziergang fühlt sich nach Urlaub an. Morgens habe ich ihn auf den Spielplatz genommen und im Anschluss hat er das erste Mal Brombeeren direkt vom Busch bekommen. Hat er natürlich gleich gegiert sobald ihm klar wurde, dass hier Essen einfach direkt vor der Nase wächst. Zum Glück lehre ich ihn schon, dass man sich Beeren nicht einfach in den Mund stopft. Er versteht es, zumindest in der Theorie.
Dann sind wir zu dritt ans Meer. Ich lasse Otto letztens mit nackten Füßen ganz vorne im Wasser stehe und Steine schmeißen. Für mich die einfachste Art und Weise ihn zu unterhalten. Das ist seine ganze Passion und er schreit Zeter und Mordio wenn es zurück geht. Diesmal hat Ellie erlaubt, dass er außer Windeln nichts tragen braucht und das war eine Offenbarung. Er finded es super immer nasser zu werden, mit Schlamm und Steinen zu spielen. Das Kind ist für Draußen gemacht und das macht mich auch richtig froh und stolz. Egal ob Meer, Spielplatz, Wiese oder Wald, nur raus muss er. Entdecken und sich einsauen.

Während er dann dringend nötigen Mittagsschlaf hielt backte Papa Plätzchen. Die bekam er später, nachdem ich ihn einfach nochmal ins Wasser genommen hatte. Als ich ihn abtrocknete, saß er zur Abwechslung auch zufrieden im Kinderwagen, guckte auf die Boote, Flugzeuge und Schwimmer und mampfte einen Apfel aus Ellies Heimat Kent.
Damit war er dann später auch ordentlich müde und wir haben ihm auf dem Sofa etwas vorgelesen bevor es schlafen ging. Besser geht ein Tag kaum. Und Ottos Tage sind im Moment fast alle so.

Sonntag, 15. August 2021

Sonnenkind

Nach drei Wochen bei uns zu Haus geht Otto wieder zu seiner Tagesmutti. Ich vermisse ihn an den Tagen richtig. Früher war ich immer ganz froh über diese Ruhetage, aber inzwischen ist es eigentlich immer schön, auch wenn er mich beim Arbeiten unterbricht. Wenn ich ihn auf dem Weg in die Küche mal hochheben kann auch. Zum ersten Mal seit seiner Geburt kann ich sagen, dass wir allgemein glücklich sind. Eigentlich passt alles wieder zusammen. An fast allen Wochenenden können wir abends sagen, dass Otto einen richtig guten Tag gehabt hatte. Und auch wir sind gut drauf, wenn er abends müde und fröhlich ist. Heute zum Beispiel waren wir mit ihm in einem Sonnenblumenfeld, dass der entsprechende Bauer im Sommer aufmacht. Otto war völlig aus dem Häuschen über die Farben und die alten Traktoren, auf die er steigen konnte. Er ist eindeutig ein Draußenkind.
Letztens ist es sogar so, dass ich abends regelmäßig Zeit für mich selbst übrig habe. Früher war immer etwas dringendes zu erledigen, jetzt häufig nicht. Ich weiß dann gar nicht genau, was ich mit mir anfangen soll. Entspannen muss auch erst wieder gelernt werden. Wenn Ellie Otto ins Bett bringt kann ich abends regelmäßig eine ganze Stunde an den Strand, baden und anschließend noch etwas lesen und rausgucken. Ich habe aber auch endlich damit begonnen, Investitionsmöglichkeiten für mein und Ottos Geld vorzubereiten.


Otto-Nachrichten:

  • er zeigt zum ersten Mal ausgeprägte Vorlieben für bestimmte Spielzeuge und Bücher. Momentan ein hölzerner Autotransporter.
  • seine Sprache macht Fortschritte und er spielt mit immer mehr Lauten in unterschiedlicheren Kombinationen
  • er lernt uns Küsse zu geben! Lange Zeit war ihm der Unterschied zum Beißen nicht ganz klar. Dann begann er mit Begeisterung in meine Schultern zu blasen. Seit Kurzem platziert er seinen offenen Mund auf uns. Ich kann ihm sogar sagen, mal seiner Mami einen Kuss zu geben. Wenn er zu müde und zu zutraulich wird kommen dann doch die Zähne dazu.
  • die letzten Wochenenden hat es geregnet, sodass wir nicht groß weggefahren sind. Aber Otto fand es fantastisch, er liebt den Regen und plantscht mit den Füen in Pfützen und am liebsten rollt er sich mit dem ganzen Körper darin.

Donnerstag, 29. Juli 2021

Der kleine Wassermann

In den letzten Wochen hat sich Ottos Schlaf wieder gebessert, und uns geht es allen ziemlich gut. In dieser Zeit hat Otto dank gutem Wetter so richtig das Wasser kennen gelernt.

  1. wenn wir ans Meer gehen, fülle ich mir oft die Hosentaschen mit Steinen, stelle ich mich mit den Beinen ins Wasser und lasse Otto Steine ins Wasser schmeißen. Dann begann ich, ihn mit seinen Beinchen vorne in die Brandung zu stellen. Bei Wellen hebe ich ihn kurz hoch, aber er findet es ganz toll wie das Wasser über seine Füßchen wäscht. Dann verstand er, dass er selbst Steinchen aus dem Wasser heben und schmeißen kann.
  2. Dann haben die öffentlichen Plantschbecken wieder aufgemacht. Also keine Schwimmbäder, sondern ganz flache, knöcheltiefe Angelegenheite, wo Kinder durchtoben können. Wie erwartet war Otto absolut begeistert.
  3. Ellie hat ihm außerdem sein eigenes Plastikplantschbecken gekauft. Muss man nicht mal aufblasen. Otto wiederum völlig aus dem Häuschen. Ich konnte mit der Idee ursprünglich wenig anfangen, vermutlich weil ich das als Kind selbst nicht hatte (vernünftige Gegenden haben schließlich auch Seen), aber das ist schon eine feine Sache, im Garten im Schatten der Budelaia.
  4. Otto liebt es auch im Regen rumzuplantschen. Wir haben ihm endlich Gummistiefel gekauft - statt nach besonders breiten zu suchen hat Ellie einfach die nächste Größe probiert. Ich bin froh das mein Kind gerne draußen ist. Er liebt es völlig durchnässt im Regen durch Pfützchen zu waten.

Ich selbst habe auch auf einmal wieder angefangen täglich im Meer baden zu gehen. Über ein Jahr schien das völlig illusionär, aber jetzt plötzlich gönne ich mir das wieder, besonders wenn Otto nachmittags seine zwei Stunden schläft. Außerdem habe ich meinen Drachen ausprobiert. Also mein Geburtstagsgeschenk, eigentlich für Ottos Unterhaltung gedacht, aber mir macht das auch richtig Spaß. Und viel einfacher als die Drachen meiner Kindheit.

Ich habe das Buch The Power fertig gelesen. Bin begeistert, genau wie von den Vorwerken der Autorin. Jetzt also bleiben Harry Potter, und Warum Deutschland es besser macht.

Otto erkennt immer mehr Worte. Letztens zum Beispiel Ventilator und Spiegel. Er probiert seine Silben in neuen Kombinationen aus und hat gelernt, das Hundis Wau Wau sagen und die Kuh Muh. Er ist allgemein ein sehr glückliches Kind. Besonders wenn Mamidada da ist. Und zwar beide. Vorbei die Zeit der bevorzugten Elternteile, jetzt darf niemand mehr den Raum verlassen. Was für eine Veränderung zum letzten Jahr. Ich finde es richtig schwierig zu arbeiten, wenn Otto gleichzeitig zum Kuscheln einlädt.

Er zeigt auch immer mehr Interesse an und Geduld mit Büchern. Früher musste man ihn praktisch festhalten, heute sitzt er ganz ruhig auf meinem Knie und blättert und zeigt mir wo der Traktor ist wenn ich ihn frage.

Und beim Regen letztes Wochenende haben wir ganz spontan das erste Mal mit ihm gebacken. Lief wie es zu erwarten war. Er fand es ganz toll, aber einer von uns musste ihn praktisch in Gewahrsam nehmen. Eines Tages werden wir mit ihm Plätzchen machen und dann gemeinsam auf dem Sofa lesen können.

Mittwoch, 14. Juli 2021

Abnutzungserscheinungen

Ottos Erkältung vor ein paar Wochen ging bei ihm relativ schnell vorüber - Ellie und ich haben sie immer noch. Immerhin kein Covid. Aber mir hat es mittelfristig richtig auf die geistige Gesundheit geschlagen. Zuerst die drei Tage als Ellie richtig krank war und ich Otto und den Haushalt schmiss. Danach war man erschöpft. Aber auch danach habe ich irgendwie das Gefühl, dass die Alltagsroutine nichts mehr für mich selbst übrig lässt. Ein Grund ist, dass Otto abends Ewigkeiten zum Einschlafen braucht. Ohne Drama, ohne Geschrei, und eigentlich sehr niedlich wenn er meinen Finger halten muss. Aber man kommt dann eben doch erst eine Stunde vor der eigenen Schlafenszeit von seinem Bett weg und muss dann vielleicht noch aufräumen und kochen und Einkäufe bestellen. Auch die Zeit für Ellie ist sehr eng beschnitten. Ich habe derzeit oft das Gefühl, den ganzen Tag für andere zu arbeiten - fürs Kind, für den Chef, für das Haus, dann keinen Moment für mich (bzw. die Familie). Und wenn man dann endlich ins Bett geht, dann schlafe ich oft schlecht und auch nur um ein paar Stunden später wieder alles von vorne zu machen. Das Bewusstsein, dass das für Familien die langfristige Norm ist, hilft da gar nicht, im Gegenteil. Ich spüre in letzter Zeit den Stress.

Ottos zunehmende Mobilität bringt es dabei mit sich, dass seine Betreuung z.B. auf dem Spielplatz gleichzeitig langweilig und stressig ist. Einerseits läuft man nur langsam hinter ihm her, andererseits kann man nicht lesen oder telefonieren, weil man jederzeit mit beiden Händen eingreifbereit sein muss. Gerade am Wochenende habe ich immer wieder das Gefühl allzeit bereit stehen zu müssen, ohne das etwas passiert und ohne das man etwas schafft.

Zu Hause ist es etwas besser. Wenn wir zu zweit auf Otto aufpassen (und er ist momentan besonders gern von beiden Eltern umgeben) kann man etwas lesen. Dadurch lese ich nach vielen Monaten plötzlich eine ganze Menge und gleichzeitig. Harry Potter 4, das ausgezeichnete Buch "The Power" von Naomi Alderman und seit meinem Geburtstag "Warum Deutschland es besser macht".

Otto-Nachrichten
  • wir haben bewiesen, dass Otto viele Worte tatsächlich kennt, in beiden Sprachen. Ich kann ihn nämlich auf Deutsch und Englisch fragen, wo ein Gegenstand oder eine Person ist und er zeigt darauf und freut sich.
  • beim letzten Besuch der Kleinkindberaterin war Otto
    • über den Rand der Gewichtstabelle gewachsen
    • ... und gerade noch so auf der Größentabelle
  • Otto braucht zum großen Glück beide Eltern um sich. Seit kurzem sagt er nicht nur Dada sondern auch sehr viel Mami. Und abends können wir richtig schön zusammen im Wohnzimmer sitzen, während Otto von einem zum anderen wandert und seinen kleinen Kopf auf uns legt
  • Mitte Juli war Otto das erste Mal im Meer. Ich habe ihn in meiner Mittagspause mitgenommen und ganz vorne mit den Füßen ins Wasser gehalten. Er fand es super wie es ihm bei jeder Welle über die Zehen lief.

Wir haben ihm letztes Wochenende eine Menge Tiere gezeigt. Letzten Samstag waren wir im Schmetterlingshaus des lokalen Naturkundemuseums. Otto interessierte sich vor allem für die Banane auf dem Schmetterlingsesstisch. Und für Heizungsstellringe.
Am Sonntag haben wir ihn zum Streichelzoo im Nachbarort Havant gefahren. Der ist auf einem ehemaligen Bauernhof, mit vielen kinderfreundlichen Tieren inklusive Meerschweinchen. Ich freue mich immer wie Bolle wie Otto das annimmt und mal die Tiere sieht, die wir ihm immer in seinen Büchern zeigen. Und der kleine Zoo da hat mich insbesondere an meine eigenen frühen Besuche im Rostocker Zoo erinnert.

Sonntag, 11. Juli 2021

37

Mein Geburtstag begann mit einem extravaganten Frühstück, wie vor einem Jahr. Ich hatte mal erwähnt, wie gern ich mal ein richtiges Hotelfrühstück hätte, ohne eigene Mühe, mit allem Drum und Dran. Und das ist immer noch so. Normalerweise besteht mein Frühstück momentan aus einer Scheibe Brotwährend der Computer hochfährt. Also, Brötchen, Croissants, Aufschnitt, Kaffee, und eine Sachertorte, von einem österreischen Bäcker in London geliefert.

Geschenke:
  • ein Drache (Otto mag Drachen; sein Vater spricht immer davon ihn im Herbst auf den Butsel-Hügel zu nehmen)
  • John Kempfers Buch "Warum Deutschland es besser macht" (kürzlich auch auf Deutsch erschienen)
  • Souveniers aus Rostock, Templin und Nordhausen
Ellie und ich hatten beiden den Tag freigenommen. Mittags brachten wir Otto zur Tagesmutti und fuhren dann in die South Downs, den Fluss Meon entlang, zum Shoe Inn in Exton, wo wir einen Mittagstisch im Garten am Fluss reserviert hatten. Anschließend haben wir in verschiedenen grünen Orten Halt gemacht. Der Wanderweg auf der ehemaligen Eisenbahnstrecke, eine alte Kirche an einem Weizenfeld, die Mühle in Droxford.
Ich habe diesen Tag sehr genossen. Die letzten Wochen haben mich erschöpft und es war gut frei zu haben und in der Natur zu sein. Am besten, und am unerwartetsten, war es Zeit füreinander zu haben. Erst da habe ich gemerkt wie selten wir uns heute gegenseitig unsere volle Aufmerksamkeit schenken können. Aus einem guten Grund. Trotzdem schade.

Montag, 28. Juni 2021

Pflegenotstand

Nach unserer Hochzeit ging es flugs zurück in den Alltag. Am Wochenende fUhren wir einmal zum Haus Stansted, und Dienstag Nacht wurde Otto strategisch geschickt krank. Bisher ist das noch jedes Mal Mittwochs geschehen, wenn Ellie arbeiten muss. Diesmal habe ich mir den Rest der Woche frei genommen, weil ich die Nase voll habe das sonst immer Ellie ihrem Team kurzfristig absagen muss.
Diesmal könnten wir schlecht sagen was es war. Wir fuhren sicherheitshalber Mittwoch Abend zum Hausarzt, es wurde aber nicht schlimmes festgestellt. Tagsüber ging es ihm anfangs auch prima, nur nachts war er dann plötzlich wieder krank. Erst nach fünf Tagen brach endlich Husten und Schnupfen aus ihm raus, hoffentlich ist das die letzte Phase. Zumindest für dieses mal. Ich muss einfach zugeben, dass meine Stimmung nach drei Tagen Kinder hüten langsam einbrach. Den ganzen Tag ist man nur für jemand anderes da, man kann nie richtig abschalten, und  die Abende sind dann mit den Aufgaben gefüllt für die Tags keine Zeit war. Und so einfach die reine Betreuung auch geworden ist, die Tage sind immer gleich. Mir fehlt da das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung. Da will ich ganz ehrlich sein. Gottseidank kann man im Sommer wenigstens viel spazieren gehen, besonders am Meer. In den letzten Wochen habe ich zum ersten Mal richtig wahrgenommen, wieviele Pflanzen in wievielen Farben im Sommer auf den Steinen blühen. Immer wieder habe ich einige identifiziert und weiß jetzt, dass wildes Radieschen und Wilde Malve essbar sind.

Otto-Nachrichten
  • Ellie hat im beigebracht, das deutsche Wort "Gurke" nachzuahmen
  • Otto spielt gerne Fußball und kann einen Ball unter bestimmten Bedingungen sogar fangen
  • er schiebt weiterhin gerne den Kinderwagen und liebt Pfützen mehr als uns lieb ist
  • Otto würde so gerne die Katzen streicheln. Einmal hat er es auch geschafft, halbwegs sanft zu sein, aber meistens ist er zu aufgeregt. Irgendwann wird es passieren, und Mochi wird sein bester Freund werden. 
  • Er sitzt länger geduldig auf unserem Schoß und lässt sich vorlesen
  • Er experimentiert mit diversen Arten zu laufen, z.B. rückwärts und auf Zehenspitzen

Freitag, 25. Juni 2021

Hochzeit

Höchste Zeit über die Hochzeit zu schreiben. Wir hatte ja bereits alles vorbereitet - in meinem Fall war das nur eine Hose und eine Fliege, in Ellies Fall ein komplettes Outfit, über mehrere Wochen ausgesucht und bestellt. Am Samstag vor der Hochzeit kam Ellies Schwester Amber zu uns. Sie war zusammen mit unserem lokalen Freund Andrew als Zeugin vorgesehen. In den alten Zeiten wären wir Ende Juni zu ihrem Geburtstag zu ihr nach Canterbury gefahren; ich hatte mich schon lange gefreut, das sie wenigstens zu uns kommt, denn mit ihr ist es immer schön.
Sonntag sind wir alle zusammen ins Umwelt Zentrum gefahren und Montag Vormittag zum Frühstück in einem Cafe in der Stadt. Denn durch den kleinen Rahmen hatten wir soviel Zeit.
Während Ottos Mittagsschlaf haben wir uns fertig gemacht; natürlich wachte er nochmal auf und musste gerettet werden, und ich bin dabei anschließend selbst eingeschlafen. Als ich aufwachte war es nur noch eine Stunde bis wir am Standesamt sein mussten. Also hastiges Umziehen, Auto beladen, noch dreimal zurück ins Haus rennen. Zum Glück war der Verkehr in Ordnung.
Am Standesamt warteten Andrew und unsere Freunde Andrea und Eloise (zu deren Hochzeit wir vor einigen Jahren nach Verona in Italien geflogen waren). Die wurden kurz vorher noch angefügt um Fotos zu machen.
Die Gäste wurden direkt in den Saal geführt, während wir mit Otto in einen Nebenraum kamen, wo nochmal alle Angaben auf der Heiratsurkunde überprüft wurden. Da war ich froh über den kleinen Rahmen der ganzen Hochzeit, denn es war heiß, es war schwül und Otto wurde langweilig. Jeweils einer hat Fragen beantwortet, während der andere Otto unter Kontrolle hielt, der rumrannte und Sachen von Wänden und Tischen zog. Schließlich versagte noch die geplante Musik auf Ellies Handy, aber zum Glück funktionierte Eloises Telefon. ("Portsmouth" von Mike Oldfield zum Anfang, die Titelmelodie von Star Trek bei den Unterschriften).
Der Rest der Zeremonie dauerte keine zehn Minuten. Wir in den Saal, Otto auf dem Arm, nach vorn zur Standesbeamtin. Die liest ihren Teil vor, dann sagen wir unsere Sätze auf. Ich kann mich gerade noch erinnern, dass ich Ellies Hand halten sollte und ich mir dachte, so fühlt sich dieser Moment also an. Wir mussten nämlich wieder Otto hin- und herreichen, dem das alles gar nicht gefiel.
Im Anschluss gingen wir alle in den Garten hinter dem Gebäude, um uns abzukühlen und ein paar Fotos zu machen. Aber sehr bald fuhren wir alle in einen Park nicht weit vom Meer, wo wir ein einfaches (aber sehr gutes) Picknick organisiert hatten. Otto war nicht davon abzuhalten sich direkt ins Essen zu setzen, sodass ich ihn irgendwann auf eine Fahrt im Kinderwagen genommen habe, damit die anderen sich unterhalten konnten. War alles sehr angenehm. Ich hatte mich an Anekdoten erinnert von Leuten die es im Nachhinein bereut hatten, ihre Hochzeit klein zu halten, aber ich bin wirklich froh, dass wir nicht mehr zu jonglieren hatten. Ich will aber auch festhalten, dass ich gerade abends wieder diese Wehmut spürte, dass soviele Menschen nicht dabei sein konnten.
Wir sind gegen 18 Uhr nach Hause gefahren, weil Otto ja ins Bett muss. Mit Amber haben wir noch einen ausgezeichneten schlechten Film über Hunde geguckt. Tat mir wieder leid, als sie am nächsten Tag wieder fahren musste. Früher waren Gäste haben und Gast sein so häufig. Nicht mehr.