Ottos Erkältung vor ein paar Wochen ging bei ihm relativ schnell vorüber - Ellie und ich haben sie immer noch. Immerhin kein Covid. Aber mir hat es mittelfristig richtig auf die geistige Gesundheit geschlagen. Zuerst die drei Tage als Ellie richtig krank war und ich Otto und den Haushalt schmiss. Danach war man erschöpft. Aber auch danach habe ich irgendwie das Gefühl, dass die Alltagsroutine nichts mehr für mich selbst übrig lässt. Ein Grund ist, dass Otto abends Ewigkeiten zum Einschlafen braucht. Ohne Drama, ohne Geschrei, und eigentlich sehr niedlich wenn er meinen Finger halten muss. Aber man kommt dann eben doch erst eine Stunde vor der eigenen Schlafenszeit von seinem Bett weg und muss dann vielleicht noch aufräumen und kochen und Einkäufe bestellen. Auch die Zeit für Ellie ist sehr eng beschnitten. Ich habe derzeit oft das Gefühl, den ganzen Tag für andere zu arbeiten - fürs Kind, für den Chef, für das Haus, dann keinen Moment für mich (bzw. die Familie). Und wenn man dann endlich ins Bett geht, dann schlafe ich oft schlecht und auch nur um ein paar Stunden später wieder alles von vorne zu machen. Das Bewusstsein, dass das für Familien die langfristige Norm ist, hilft da gar nicht, im Gegenteil. Ich spüre in letzter Zeit den Stress.
Ottos zunehmende Mobilität bringt es dabei mit sich, dass seine Betreuung z.B. auf dem Spielplatz gleichzeitig langweilig und stressig ist. Einerseits läuft man nur langsam hinter ihm her, andererseits kann man nicht lesen oder telefonieren, weil man jederzeit mit beiden Händen eingreifbereit sein muss. Gerade am Wochenende habe ich immer wieder das Gefühl allzeit bereit stehen zu müssen, ohne das etwas passiert und ohne das man etwas schafft.
Zu Hause ist es etwas besser. Wenn wir zu zweit auf Otto aufpassen (und er ist momentan besonders gern von beiden Eltern umgeben) kann man etwas lesen. Dadurch lese ich nach vielen Monaten plötzlich eine ganze Menge und gleichzeitig. Harry Potter 4, das ausgezeichnete Buch "The Power" von Naomi Alderman und seit meinem Geburtstag "Warum Deutschland es besser macht".
Otto-Nachrichten
- wir haben bewiesen, dass Otto viele Worte tatsächlich kennt, in beiden Sprachen. Ich kann ihn nämlich auf Deutsch und Englisch fragen, wo ein Gegenstand oder eine Person ist und er zeigt darauf und freut sich.
- beim letzten Besuch der Kleinkindberaterin war Otto
- über den Rand der Gewichtstabelle gewachsen
- ... und gerade noch so auf der Größentabelle
- Otto braucht zum großen Glück beide Eltern um sich. Seit kurzem sagt er nicht nur Dada sondern auch sehr viel Mami. Und abends können wir richtig schön zusammen im Wohnzimmer sitzen, während Otto von einem zum anderen wandert und seinen kleinen Kopf auf uns legt
- Mitte Juli war Otto das erste Mal im Meer. Ich habe ihn in meiner Mittagspause mitgenommen und ganz vorne mit den Füßen ins Wasser gehalten. Er fand es super wie es ihm bei jeder Welle über die Zehen lief.
Wir haben ihm letztes Wochenende eine Menge Tiere gezeigt. Letzten Samstag waren wir im Schmetterlingshaus des lokalen Naturkundemuseums. Otto interessierte sich vor allem für die Banane auf dem Schmetterlingsesstisch. Und für Heizungsstellringe.
Am Sonntag haben wir ihn zum Streichelzoo im Nachbarort Havant gefahren. Der ist auf einem ehemaligen Bauernhof, mit vielen kinderfreundlichen Tieren inklusive Meerschweinchen. Ich freue mich immer wie Bolle wie Otto das annimmt und mal die Tiere sieht, die wir ihm immer in seinen Büchern zeigen. Und der kleine Zoo da hat mich insbesondere an meine eigenen frühen Besuche im Rostocker Zoo erinnert.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen