Samstag, 29. Oktober 2022

Potto

Inzwischen geht Otto seit drei Wochen in die Kita. Inzwischen schließe ich vorsichtig, dass er da lieber hingeht als zur Tagesmutti. Losgehen will er nicht, aber wenn wir erstmal da sind, stürmt er gleich hinein. Und soweit wir wissen, spielt er begeistert mit allen Spielzeugautos und den Pfützen im Außenbereich. Er ist abends auch müde und nicht aufgedreht wie nach der Tagesmutti. Für uns ist die Logistik eine Erleichterung.

Unabhängig davon habe ich Otto sechs Teilnahmen an einer wöchentlichen Kinderbespaßung im Wald im Umweltzentrum gebucht. Das findet praktischerweise jeden Mittwoch vormittag statt, wenn ich ihn habe. Bisher haben wir einen sehr schönen Herbst und auch mir tut es sehr gut, mal in die Natur zu kommen. Otto spielt dann in der Matschküche, oder sägt und bohrt Holz, oder hämmert Pfähle in die Erde.

Dieses Wochenende hat er dann spontan seine Windel gegen einen Pott eingetauscht. Eigentlich hatten wir dafür eine Woche eingeplant, um ihn richtig umzugewöhnen bevor er wieder zur Kita geht. Aber er hat seit einiger Zeit gegen Windeln protestiert, und Samstag Morgen wollte er dann endlich seinen Pott haben. Bisher stellt er sich erstaunlich geschickt an. Nicht ganz klar, wie es dann nach nur zwei Tagen in der Kita läuft.

Mitte der Woche hatten wir richtig Stress, als unser Internet ausfiel und unser Anbieter einfach kein Ersatzgerät organisiert bekam. Einige Tage habe ich bei einem Freund um die Ecke gearbeitet. Am Ende hat es Ellie gelöst, in dem sie sich auf sozialen Medien öffentlich beschwert hat. Ich kann sowas nicht.

Es war wieder ein Beispiel, wie mich Dinge viel mehr stressen, als sie es vor drei Jahren getan hätten. Man kommt zu so wenig, da fällt das Haus schneller auseinander als man hinterherreparieren kann. Die letzten Wochen brauche ich dann wieder mehr  Entspannung durch Ablenkung und bunte Geschichten. Zum Beispiel spiele ich weitere Folgen der alten Computerspielreihe Monkey island. Ich erinnere mich, früher mit Adventures gar nichts anfangen zu können. Aber heute schätze ich eine schöne Geschichte mit schönen Farben. Ebenso lese ich eher Stolz und Vorurteil zum zweiten Mal als Obama zum ersten. Altbekanntes schlägt neues; ich frage mich ob das nicht allen Eltern so geht nach einiger Zeit.

Aus den selben Gründen habe ich endlich meine Herbstwanderung ausgeführt. Erstaunlich, was man aus der Natur zieht, wenn man den Großteil seines Lebens im gleichen Zimmer verbringt. Hinter der Hubertuskapelle bin ich die Strecke gelaufen, die ich mit Friedemann im Mai erkundet hatte. Ich habe einen Turmfalken, drei Rehe und hundert Fasane gesehen, die aus Feldern und Büschen stoben. Die Bäume haben eine schöne Färbung, ebenso die Beeren an manchen Büschen, und es gibt sogar noch Brombeeren. Eine schöne Frühwinterliche Athmosphäre liegt über manchen Stellen.





Im Wald




Sonntag, 9. Oktober 2022

Alle Ottos Äpfel

Heute sind wir ein zweites Mal aufs Land zu meinen Tango-Bekannten mit den Apfelbäumen gefahren. Wie gestern war es ein besonders schöner, sonniger Herbstag. Zuerst machten wir ein Picknick an der Kirche von Droxford, zwischen der Pracht der Bäume, die sich gerade färben. Ein Freude, Otto dazwischen zu sehen.

Bei unseren Bekannten angekommen haben wir zwei große Säcke mit Äpfeln gefüllt ohne den Bäumen viel Last abzunehmen. Otto schnappte sich auch einige tief hängende Früchte und rannte ansonsten viel rum. Diesmal erfuhr ich etwas mehr über unsere Gastgeber. Sie wohnen etwa 40 Jahre in diesem Haus, was inzwischen Millionen wert sein muss mit dem wunderschönen Blick auf den Alten Winchester Hügel und der Nähe zu den wohlbetuchten Orten am Fluss Meon. Er war in der Handelsmarine; sie stammt aus Finnland und lernte ihn kennen, als sie in den frühen 1970ern auf seinem Schiff nach England fuhr, bevor es Billigflüge gab. Ihre Kinder sind in vier Ländern verstreut, nur die jüngste wohnt in London. Und die Ernte in ihrem großen Garten wird mit dem Alter eben nicht einfacher. Aber Tanzen haben sie fast zur gleichen Zeit wie ich angefangen (2009, Salsa in Lodz).

Mir tut die Fahrt über Land und die Blicke und die Natur immer sehr gut. Während wir uns unterhielten, beschäftigte Ellie Otto, der am liebsten in den Gartenteich gestiegen wäre. Ich merkte, wieder, dass ich mir irgendwo Sorgen mache, sobald wir uns diese Aufgabe nicht genau zur Hälfte teilen.

Johannes Nachrichten

  • Ich habe eine neue Klobrille angebracht. Hat mich gerade mal ein halbes Jahr gekostet.






Samstag, 8. Oktober 2022

Ecce homo

Vor anderthalb Wochen hatte Otto eines Nachts wieder einen Anfall von Pseudokrupp. Wir erkannten es sofort, trotzdem ist es furchtbar zu hören und zu sehen. Otto und Ellie kamen wieder per Krankenwagen ins Krankenhaus; ich holte sie wieder per Auto ab. Das spielte sich zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens ab. Das verbundene Erkältungsvirus hat auch bei mir ordentlich reingehauen, und der Schlafverlust hat dabei nicht geholfen.

Nichtdestotrotz wollte ich am Wochenende endlich mal wieder aus der Stadt. Ich muss sagen, dass meine komprimierten Arbeitstage mir zusetzen. Ich musste einfach mal raus, und auch war unser Auto wieder einsatzfähig. Wir sind an einem schönen Herbsttag auf den bekannten Selbsterntehof gefahren. Mit den Jahren gefällt mir dieser Ort immer mehr. Die Blicke in die Landschaft allein sind die Reise wert. Momentan wachsen Reihen von Kohl, Brokkoli und Möhren. Gibt einem ein wohliges Gefühl; vermutlich weil ich sonst kaum noch was sehe von der echten Welt vor der Tür.

Heute sind wir an einem besonders sonnigen Herbsttag zum Haus Stansted gefahren, und morgen besuchen wir wieder die Leute mit dem Apfelgarten. Otto ist wirklich für die Natur gemacht. Es ist eine Freude, ihn draußen zu sehen.

Otto ist momentan spürbar glücklich mit seinen Eltern. Er schläft auch super ein. Man legt ihn praktisch hin und er schläft innerhalb von zwei Minuten, solange er meine Hand halten kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er lange Zeit nicht mehr von uns getrennt war. Durch Krupp und dann Urlaub war er nicht mehr bei der Tagesmutti. Und jetzt geht er nur noch zweimal hin bevor die Kita anfängt.

Otto Nachrichten

  • Otto hat das erste Mal Bratapfel probiert
  • unabhängig von der regulären Kita habe ich Otto eine besondere, wöchentliche Veranstaltung gebucht: 6 Vormittage Kinderbespaßung im Wald des Umweltzentrums. Davon haben wir zufällig erfahren, und es findet ausgerechnet Mittwoch Vormittag statt, wenn ich Otto habe. Bedeutet zwar insgesamt eine Stunde im Auto, aber auch mir wird es gut tun ins Grüne zu kommen.
  • Otto hat das Wort "Warum" gelernt und setzt es rücksichtslos ein.
  • Er singt das komplette Alfabet-Lied, und er spielt aktiv mit seinen kleinen Puzzlen, die bisher einfach nur Holzspielfiguren gestellt hatten.
  • Er singt viel und alle unsere Liederbücher kommen aus ihren verschiedenen Ablagen. Das freut mich besonders. Otto will insbesondere, dass ich beim Vorsingen mit dem Finger die Noten verfolge.
  • ... insgesamt finden beide Eltern es merkwürdig, sehr merkwürdig, wie hier ein richtiger, selbstbestimmter, verständiger Mensch steht.

Johannes Nachrichten

  • Ich will mich bei einem lokalen Zahnarzt anmelden. Stellt sich raus, die meiner Wahl spricht dank Studium in Deutschland fließend deutsch. Vielleicht guckt sie deshalb genauer hier als die in der Vergangenheit. Jedenfalls wird es teuer, sollte ich mich für sie entscheiden.
  • so etwa gleichzeitig mit der Erkältung macht auch mein Ischias Probleme. Das dauert meistens eine Woche.
  • Insgesamt ist mein Wohlbefinden weiterhin mittelmäßig.

Montag, 26. September 2022

Diese Woche haben wir etwas auf uns geachtet. Ich habe mehr Nächte im Gästezimmer geschlafen; da ruhe ich mich einfach besser aus. Samstag habe ich mir etwas Zeit ausbedungen um einige langweilige aber nötige Sachen zu erledigen und endlich ein Gefühl von Fortschritt zu haben. Am gleichen Tag kamen Ellies Vater, Frau, deren Tochter und Enkelin zu Besuch, letztere so alt wie Otto. Das Teilen von Spielzeugen hat ganz passabel geklappt. Otto hat gelernt, wie man andere Kinder umarmt, wenn sie Tröstung brauchen.

Sonntag bin ich mit ihm mehrere Stunden ans Meer gegangen. Das kompensiert für mich die ganze Zeit im Haus. Gibt mir das Gefühl, mein Kind an die frische Luft zu bringen. Und es hilft Ellie, die meinem Bauchgefühl nach momentan auch mehr Zeit für sich selbst braucht.

Otto Nachrichten

  • Ich habe diese Woche das Klavier rausgeholt und diesmal hat es bei Otto etwas mehr geklickt. Er versteht, dass ich irgendwie seine Lieder spielen kann, aber nicht, wie. Er selbst lässt am liebsten seine Autos über die Tasten fahren.
  • Ebenso haben wir die Laterne wieder ausprobiert und in der Tat spricht Otto mehr auf sie an als letztes Jahr. Leider hat er dann auch sofort den schönen Papier Schirm zerrissen.
  • Otto kann richtig Puzzle machen!

Johannes Nachrichten

  • Heimwerken: ich habe gelernt, Lattenroste am Bett und Schwellenleiste an Türen zu reparieren.
  • Ich bin endlich wieder zurück zu Obama Buch gekommen



Eine Fliege war im Raum und Otto sorgte sich, dass sie nicht genug Autos zum spielen hat.



Sonntag, 18. September 2022

Spielball

Seit meiner Rückkehr von Muttis Sommerfest in Templin scheint mein Leben härter. Das hat mehrere Gründe. Einmal vermute ich einen doppelten Kulturschock, bei An- und Rückreise. Die Uckermärkische Weite, Stille und Dunkelheit, sogar der Duft der Kiefernwälder, waren ein Kontrast zu meinem gewöhnlichen Leben. Aber lange Zeit war das ja der Normalzustand für mich gewesen, und kroch schnell wieder in die Knochen. Darum wirkte die Rückkehr in den Trubel Südenglands und mein fast ausschließlich auf mein Haus beschränktes Leben dann ebenfalls desorientierend.

Letzteres hat sich jetzt noch mehr verstärkt. Ellie arbeitet nun drei Tage die Woche statt zweieinhalb. Wir konnten Ottos Zeit bei der Tagesmutti aber nicht erhöhen. Darum nehme ich mir jetzt jeden Mittwoch Vormittag frei und betreue ihn. Was auch angenehm ist, insgesamt. Aber die Stunden muss ich die anderen Tage wieder rausholen. Das lässt wirklich nichts mehr übrig. Eine halbe Stunde gehetzter Spaziergang zum Mittag vielleicht. Unter der Woche verlasse ich das Haus praktisch nicht mehr. Ich merke, dass ich Dienstag abend mental spürbar erschöpfter bin als vorher.

Zuletzt belastete mich, dass wir Kind Nummer zwei nun wirklich angehen wollen. Das hatten wir zwar besprochen, aber ich habe den Gedanken nicht wirklich an mich ran gelassen. Da habe ich genauso viel Schiss wie beim ersten Mal. Ich fühle, dass ich mein eigenes Leben gerade erst wieder zurück bekomme, den Kopf gerade erst über Wasser. Und dann will man sich gleich wieder in zwei Jahre stürzen, wo man nur für andere lebt.

Wir erleben eines sehr schönen Herbst. Ich würde gerne mal wandern, aber dazu fehlt die Zeit. Letztes Wochenende sind wir Otto noch zu einem Cafe gefahren, wo er in so einer Art Miniatur-Stadt spielen konnte, während wir Kaffee tranken. Natürlich nie gleichzeitig. Anschließend haben wir ganz viele Brombeeren gepflückt, die an einer Stelle immer noch reifen.

Eine Woche später haben wir einen besonders schönen Ausflug nach Rowlands Castle gemacht. Wegen kaputten Autos durfte Otto mal wieder in den Zug, und vor Ort sind wir auf die baumgesäumte Blickmeile zum Haus Stansted gegangen. Ich wusste aber nicht, dass der parallele Streifen Wald richtig schön ist, und der Feldsaum daneben ebenso. Das war ganz privat, überall waren noch Brombeeren zu finden, und wir hatten plötzlich einen richtig schönen Ort für ein Picknick, Otto konnte in der Natur spielen und in der Ferne fuhr regelmäßig die Eisenbahn vorbei. Wir fühlten uns wie richtig gute Eltern.

Abends dann kam ein Hammerschlag: Ottos Tagesmutti will aufhören. Nach dem ersten Schock hat sie zwar präzisiert, dass sie solange weitermacht, bis wir Ersatz gefunden haben. Aber ich kann mich kaum erholen. Es ist so schwierig überhaupt jemanden zu finden, wo sollen wir das jetzt so kurzfristig herholen; geschweige denn jemanden dem wir vertrauen; wieviel mehr wird es uns kosten wenn ohnehin alles teurer wird. Nur ein halbes Jahr mehr hätten wir gebraucht bis Ottos Kita-Platz beginnt.

Ich hatte schon lange das gefühlt, dass wir anfallenden Aufgaben in Haushalt und Lebensplanung kaum noch hinterherkommen. (Das Auto kostet uns auch schon wieder ein paar Hundert an Reparatur). Jetzt wirkt es, als würden wir trotz ständigen Rennens auch noch zurückfallen.


Otto Nachrichten

  • Otto interessiert sich sehr für Schrift. Manchmal schleppt er einem ein Buch an, speziell damit man ihm was vorliest. Er versteht, das es mit diesen Zeichen irgendwas auf sich hat.
  • Otto guckt sich Puzzle an. Darum haben wir Sannis kleine Feuerwehrpuzzle ausprobiert und Otto versteht das Prinzip erstaunlich gut. Hätte ich noch nicht erwartet.
  • .... fragt und fragt und fragt "Was ist das?" und "Was isst das?"
  • er spricht fast in ganzen Sätzen. Und er spricht jetzt in der ersten Person von sich. Insbesondere sagt er "Ich mag das". Zum Beispiel "Ich mag Dada" - dann darf er natürlich doch noch zu mir ins Bett.
  • Otto hat aus Rostock 3 Matchbox Autos erhalten, mit denen ich damals noch gespielt habe. Zwei sind sogar englische Importe: ein Lotus Super Seven, und ein Mini Ha-Ha

Johannes Nachrichten

  • Ich wollte eigentlich Obamas Buch weiter lesen, bin aber stattdessen auf den zweiten Band der James Bond Reihe abgeglitten, Leben und Sterben lassen. Wegen der Ästethik der alten Filme aus den 50ern größtenteils. Das Buch ist auch gut und liest sich locker weg.


Otto war einen Mittwoch lang krank

Stansted Park

In der Spielstadt


Montag, 29. August 2022

Tante Kalina

Es geht weiter mit den Menschen die man mal täglich gesehen hat: gestern kam Kalina für eine Nacht zu uns. Auf der Durchfahrt nach Southampton, wo sie ihre alte Wohnung verkauft. In meinem Kopf ist das noch die neue... Wir hatten uns seit meinem Geburtstag 2019 nicht mehr gesehen. In Magdeburg hatte ich fast täglich noch Tee bei Aleksieva Schwestern getrunken. Fast schon nicht mehr wahr.

Also hat sie Otto kennen gelernt; sie hat den klassischen Anfängerfehler gemacht sein Gewicht zu unterschätzen und als der ins Bett gegangen war haben wir noch am Meer gesessen. Die Zeit und Umstände für Gespräche waren begrenzt, aber dafür war es sehr schön.

Am nächsten Morgen fuhr Kalina weiter. Sonst hätte sie nachmittags mit uns die Hubertuskapelle umgeben von Sonnenblumen sehen können. Überall machten Leute Fotos. Ich habe diesen kleinen Ausflug sehr genossen; es war ein besonders schöner Tag im Frühherbst. Die vollen Bäume, Hecken mit reifen Früchten; Otto an den letzten Brombeeren des Jahres. Der blauweiße Himmel, die Stoppelfelder und dahinter die grünen Wälder. Tat mir irgendwie sehr gut. Ich träume dann davon, irgendwann mit Otto durch so eine Landschaft zu wandern, Drachen steigen zu lassen, Beeren sammeln, Kuchen backen.


Brombeeren > Mund


Original Bulgarisch


Samstag, 27. August 2022

Oma und Tante Rieke

Anfang August kamen Mutti und Rieke auf Besuch; hier bekannt als Oma und Tante Rieke. Für Mutti war das letzte Mal 2 Jahre her, für Rieke 7. Erst jetzt komme ich dazu darüber zu schreiben, denn es die Erinnerung wert. Vieles habe ich inzwischen sicherlich vergessen; das subtilere ohne Zweifel; daher eine kurze Auflistung unserer Ausflüge.

  • ein Picknick an der Kirche von Droxford, anschließend mit Otto die Füße in den Meon gesteckt. Die South Downs sind enttäuschen nie.
  • selber ernten auf der Durleighmarsh Farm. Otto wieder in den Blaubeeren.
  • die Sonnenblumenfelder auf der Insel Hayling. Leider sichtbar geschüttelt von der Dürre. Ich habe Wasser auf Ottos Autositz geschmiert, weil ich echt Skrupel hatte in da reinzusetzen.
  • ein Nachmittag im Umwelt Zentrum, wo ich einige Wochen vorher eine Übernachtung zum Geburtstag bekommen hatte. Oma und Tante musste sehen, dass man in Ottos Gesellschaft wirklich nicht essen kann.
  • Der Kunsthandwerkermarkt in Bosham bei Chichester, Windelwechselns in der Krypta der Kirche und mit den Füßen im Bach
  • Schloss Arundel für Mutti und Rieke, während wir mit einem leicht erkälteten Kind in den Gärten blieben. Otto bekam eine Schildkröte zu sehen.
Leider machte zum Ende hin die Hitzewelle alles schwierig; ich habe mich wenn möglich nur noch im Haus verkrochen. Wohin man auch fuhr, so verbrannt habe ich die Landschaft noch nie gesehen. Sagt man ja inzwischen jedes Jahr.

Abgesehen von den Ausflügen waren wir auch viele Abende zu dritt am Meer. Da war es frisch und ich konnte baden, die Schiffe fuhren und wir haben geredet wie es sich gehört. Mutti hat immer drauf geachtet, dass wir auch eine Flasche Bier mitbringen, oder zwei.

Ganz besonders schön fand ich es auch Mutti und Otto zu sehen. Enkel hatte, das glaubt man uns ja nie wirklich, keinerlei Berührungsängte und hat beide sofort dienstverpflichtet. Mutti hat ihn abends gebadet und ganztags viel bespaßt, besonders im Garten, was ich sehr gerne gesehen habe. Wir sind regelmäßig auf den Spielplatz gegangen; ich freue mich, dass sie eben auch den Alltag gesehen haben. Inklusive der Stressmomente und Reibepunkte, die viele Eltern gerne verschweigen. Es war gerade unter dem Gesichtspunkt schön, auch mal Aufgaben verteilen und selbst etwas mehr entspannen zu können.

Nicht zuletzt war es natpürlich gut, dass um Otto mal deutsch gesprochen wurde. Er versteht alles.

An drei Tagen mussten wir arbeiten, da sind Mutti und Rieke selbst umhergezogen, einen Tag auf die Isle of Wight.


Das erste Mal Zoo

An den zwei Wochenenden seit dem Besuch sind wir mit Otto zweimal in den Zoo Marwell gefahren, etwa vierzig Minuten nordwestlich von uns. Das erste Mal, weil er noch nie in einem Tierpark gewesen war und er nur noch ein halbes Jahr gratis rein kommt. Das zweite Mal, weil man momentan innerhalb von sieben Tagen gratis noch einmal reinkann. Das erste Mal schien er mir noch ein bisschen zu jung dafür zu sein. Aber nach dem zweiten Besuch heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. War vielleicht einfach zu heiß gewesen. Seine Lieblingstiere waren erst die Nashörner, jetzt  die Meerkatzen. Ellie und ich mochten die Okapis am meisten. Eines Tages im Rostocker Zoo, wie Papa als Stepke.

Otto Nachrichten

  • viele liebgewonnene Dinge sich nicht mehr in Mode. Wir dürfen ihn weder Dodo noch Bot nennen. Er sagt dann so schnell "Noooo, Otto!", dass wir ihn inzwischen "Notto" ausprobieren.
  • Wenn er in der richtigen Stimmung ist, quatscht und quasselt er mit Gusto und in richtigen Sätze n, auch wenn man etwas Erfahrung braucht um sie zu verstehen. Aber da merkt man mal, was er alles mitkriegt, wieviel er sich merkt und was für Details er ausdrücken will. Es macht ihm auch sichtlich Spaß und er redet manchmal einfach deshalb. Dann muss man immer die gleichen Fragen beantworten. Man sieht schon jetzt, wieviel er mal fragen wird. Zum Glück will ich ihm auch viel beibringen.
  • Seit einiger Zeit bewegt er sich bevorzugt auf Papas Schultern fort, genannt Papa-Pferd und angefragt mit Schnalzlauten. Das hat er lange nicht gemocht. Jetzt sehe ich in den Spiegelbildern vorbeiziehender Fenster, wie Otto mit verzücktem Ausdruck auf Papas Kopf kollabiert. Aber er ist wahnsinnig schwer!
  • Dazu muss ich ihm seine neuen Lieblingslieder vorsingen. Vor ein paar Wochen habe ich im Auto mal die späteren Nummern seiner CD ausprobiert. Seitdem will er nichts mehr von Summ Summ Summ hören. Stattdessen nur noch: "Oh du lieber Augustin", "Niklausabend" und vor allen Dingen "Horch was kommt von draußen rein". Alle paar Minuten hört man ihn "Hollahi, hollaho" singen. Und auch den restliche Text kann er verdammt gut.
  • Er wechselt inzwischen nahtlos zwischen Deutsch und Englisch. Er kennt natürlich mehr englische Worte, aber wenn er etwas haben will, fragt er zuerst Mami in ihrer Sprache, und wenn das nicht klappt, fragt er Papa in seiner. Ich erwarte trotzdem, dass er Deutsch mit etwa drei Jahren ablegen wird. Aber das Fundament ist da, und das freut mich wirklich.
  • Er interessiert sich auch zunehmend für Schrift. Ich muss ihm die Texte in seinen Bilderbüchern vorlesen und er will auch, dass ich dabei auf die Worte zeige. Wir versuchen daher wieder erste Buchstaben beizubringen. Er spricht auch die englischen Zahlen bis 10 nach, versteht die Bedeutung aber wahrscheinlich nicht.
  • ... bei all dem positiven ist er momentan aber auch ausgesprochen launisch und ungeduldig. Wenn dann nicht sofort passiert was er will brüllt er los und schmeißt und beißt und haut.

Johannes Nachrichten

  • ... und das kann ich nicht einfach mit "ist halt normal in dem Alter" wegwischen. Ich muss deutlich sagen, mein nervliches Wohlbefinden hängt in den letzten Wochen an einem dürftigen Strang. Das hängt sicherlich auch mit meinem Schlaf zusammen, aber die Umstände sind letztendlich irrelevant. Vor einer Woche fühlte ich mich kurz vor einem Nervenzusammenbruch, als ich morgens schon fertig war und zuviele Sachen auf einmal auf uns einprasselten. Ellie musste den Katzen Medizin reinwürgen und schloss sich dazu in ein Zimmer ein; fünf Sekunden nachdem ich Otto übernommen hatte hämmerte der brülllend an ihre Tür und ich hatte dieses schreckliche Gefühl, dass alle Tricks und alle Mühe nichtmal das Allernötigste erreichen würde. Und das hat es plötzlich ausgesetzt und ich musste raus in den Garten rennen, weil ich es nicht ausgehalten habe, gleich am frühen Morgen. Wir haben uns abends zum Glück darüber unterhalten. Ich fühle mich immer furchtbar, wenn es scheint, dass ich nicht mal fünf Minuten die Arbeit machen kann, die Ellie den ganzen lieben langen Tag schafft. Und das mir bei Otto sowohl das Talent zur Unterhaltung fehlt als auch die Gedult, die Ellie seit jeher aus einer mir unergründlichen Reserve hernimmt, und ich damit noch mehr Druck auf ihr lasten lasse. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich mehr und früher schlafen kann. Aber ich sage es immer wieder: die Erlebnisse des ersten Jahres stecken weiter in uns, mit Gefühlen von Schuld und Ohnmacht, egal ob nun berechtigt oder nicht.