Sonntag, 31. Juli 2022
Pferde und Äpfel
Montag, 25. Juli 2022
Samstag letzter Woche habe ich noch einmal die Wanderung gemacht, die ich mit Friedemann zum ersten Mal probiert hatte. Von der Hubertuskapelle über einen Hügel zum Cafe in Compton, durch Wald und Feld mit schönen Aussichten. Vormittags, um die größte Hitze zu vermeiden. Dazu habe ich mir einen Bekannten mitgenommen, der auch gerne wandert und sich für Natur interessiert. Wir haben Rotmilane und sogar Himbeeren gefunden.
Otto dagegen stürzt sich momentan auf die sehr früh reifenden Brombeeren. Eigentlich hatte ich ihm zeigen wollen, dass die noch lange nicht fertig sind, aber ist gar nicht so nee nee. Jetzt gehen wir jeden Tag zu einem bestimmten Busch auf einem Hinterhof die Straße runter. Sogar Otto schafft die nicht alle, und wir bringen immer eine Dose mit nach Hause.
Sorgen machen ihm nur die Dornen. Genau wie Seetang. Egal ob er in der Nähe von Wasser oder Büschen ist. Eigentlich geht es ihm nur darum gekuschelt zu werden.
Elterntag
Am Donnerstag haben Ellie und ich uns einen Tag für uns gegönnt. Das machen wir selten, weil Ottos Krankentage die Masse meines Urlaubs benötigt. Das letzte Mal war es uns zum Weihnachtsmarkt in Winchester gelungen. Zum Versuch im März war dann Otto oder seine Tagesmutti krank gewesen. Auch dieses Mal hatten wir halb damit gerechnet, hatten aber am Ende Glück.
Zuerst sind wir in den Ort Hambledon gefahren. Der gilt gemeinhin als die Wiege des modernen Crickets. Aber wir haben vor allem Sonnenblumen gefunden und es genossen, uns in einem Cafe mal in Ruhe unterhalten zu können. Anschließend hatten wir einen Mittagstisch in Exton, direkt am "Fluss" Meon gebucht. Da waren wir schon mehrmals, und es ist immer wieder schön.
Dann wussten wir nicht ganz, was wir in der Ecke noch neu erkunden könnten. Am Ende fuhren wir zum ehemaligen Haus des Naturforschers Gilbert White. Nicht, dass wir wussten, wer das war. Wir sehen nur seit Jahren das Schild zum Museum an der Autobahn. Es stellte sich als ein sehr schönes Anwesen in einem sehr schönen kleinen Ort heraus. Ein großer Garten und Wanderwege drumherum. Rein gehen konnten wir nicht mehr, aber wir fahren nochmal hin, wenn wir wieder einen Tag "frei" haben.
Otto Nachrichten
- Otto war in der Tat krank, aber nur kurz, übers Wochenende.
- Ellie berichtet, dass sich sein Humor entwickelt. Er ist gerne und absichtlich albern. Außerdem reflektiert er viel über Baby Otto. Was der alles noch nicht konnte. Aber er schaut auch interessiert Fotos und Videos aus der Zeit, die sowohl nah als auch sehr fern zu sein scheint.
Johannes Nachrichten
- Ich gehe momentan jeden Tag schwimmen. Je nach Gezeiten in der Mittagspause oder abends. Von der Wassertemperatur her sind haben wir die schönsten Wochen des Jahres. Und vom Andrang ist es an Arbeitstagen am besten.
- ich mache wieder eine Pause von Obama und lese relativ spontan ein Buch über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa. Aus der Penguin Reihe der europäischen Geschichte. Habe ich zufällig billig gefunden.
- Meine Pläne mein und Ottos deutsches Geld anzulegen sind fürs erste gescheitert. Nachdem ich ein Jahr gebraucht habe, die neuen Konten bei der DKB anzulegen, erfahre ich jetzt, dass man zum Investieren in Deutschland wohnen muss. Ich finde vermutlich noch einen Weg das Geld arbeiten zu lassen. Aber das wird dauern, denn Zeit zum recherchieren habe ich nicht.
Montag, 11. Juli 2022
Großer Kleiner Junge
Im Laufe der vorigen Woche haben wir uns größtenteils erholt. Ellie macht wieder brutal Sport, und ich gehe regelmäßig baden.
Vorigen Samstag sind wir mit Otto zum Esel-Asyl auf der Insel Hayling gefahren, weil er sich im Urlaub so gefreut hatte die zwei Esel dort zu füttern. Leider hat ihm das einzige dort anwesende Pferd gleich anfangs Angst gemacht sowas wir nicht lange bleiben konnten.
An meinem Geburtstag habe ich gearbeitet, weil ich den Urlaubstag wahrscheinlich nochmal zum Kinderhüten brauchen werde. Post und Pakete wurden trotzdem gewürdigt; insbesondere die Lieder- und Lesebücher meiner Kindheit, die jetzt auf Otto warten. Ellies Geschenk war eine Übernachtung am Wochenende im renovierten Gästehaus des Umweltzentrum, also in den South Downs. Sie wollte mir Zeit für mich selbst schenken - in der Tat fehlt es uns beiden daran am meisten. Samstag nachmittag sind wir zu dritt hin gefahren. Nachdem Otto auf der Wiese rennen konnte, ist Ellie mit ihm nach Hause gefahren. Ich bin an dem Abend eine Runde wandern gegangen. Dann habe ich mir etwas Zeit zum Lesen gegönnt, in meinem unvergessenen aber inzwischen selten hevor geholten Mittelalterbuch. Später habe ich mich auf eine Wiese gesetzt und zugesehen, wie die Sonne hinter einem Hügel unterging während der Wind durch das Gras wehte und allerlei Tiere umherschwirrten. Das war eine richtige Erfahrung, wie ich sie in meinem früheren Leben häufig gemacht hatte. Einen Abend lang konnte ich das Gefühl dieser Jahre in Hostels in fremden Orten aus der Vergangenheit ziehen.
Leider entdeckte ich, dass ich kein Ladekabel mitgenommen hatte, deshalb gibt es keine Fotos vom folgenden Tag. Da hatte ich mir eine lange Wanderung vorgenommen, nördlich um East Meon herum zum Bahnhof in Petersfield. Die zweite Hälfte war ehrlich gesagt eher Pflicht als Kür, als ich mich bei großer Hitze und zunehmend erschöpft durch die Felder geschleppt habe. Aber gut, wenn man schon mal die Zeit hat kann man auch mal etwas größeres wagen. Die erste Hälfte war wirklich schön. Ich bin die Hügel hoch und runter durch Hohlwege gelaufen, die jetzt im Sommer grüne Tunnel von Haselsträuchern und Eschen sind. Später bin ich noch einen mit Buchenwäldern bedeckten Hügel hoch, das war eine Stunde lang etwas wie im Harz. Kurz vor Mittag verließ ich das schützende Blätterdach, ab da wurde es dann zu heiß. Aber über dem Ort East Meon hatte ich nochmal sehr schöne Blicke. Über mir flogen die Rotmilane, und teilweise unter mir, so steil war der Anstieg. Ich habe insgesamt fünf Rehe gesehen, und das ist hier selten. Nicht wie in Brandenburg, wo die Herden an der Bahnstrecke liegen.
Also, am Ende zu viel des guten. Aber Ellie hat echt gute Ideen. Und ich hab gemerkt, dass ich immer noch große Probleme habe, sie mit Otto allein zu lassen. Im Kopf weiß ich, dass das kein echtes Problem mehr ist. Aber als sie mir ihr Geschenk erklärte, war ich gerührt, dann ergriffen. Da steckt noch was in mir.
Otto Nachrichten
- Otto versteht jetzt, dass er mal ein Baby gewesen ist. Jetzt ist er ein Großer Junge. Der Bi Ba Butzemann beispielweise ist ein Baby Otto Lied.
- bei näherem Hinsehen merkt man aber, das er genau genommen ein Großer Kleiner Junge ist. Keine zweieinhalb Jahre. Aber verdammt wuchtig, und wendig, und eigenständig. Vorbei die Zeiten, wo er Papas Hilfe auf dem Klettergerüst brauchte.
- ... in der Tat schauen wir seit einiger Zeit mit gewissem Bedauern auf frühere Fotos (vielleicht mit Ausnahme der ersten 6 Monate)
- Ottos großes Interesse gilt seit einiger Zeit Krabben mit Creme ("creamed crabs"), einem alten Scherz von Ellie und ihrer Schwester, der sich bei Otto ausgesprochener Beliebtheit erfreut
Johannes Nachrichten
- inzwischen ist mein Besuch beim Tango an Freitagen relativ regelmäßig
- und diese Woche bin ich, auf Ellies Ermutigung hin, ein paarmal kurz mit einem Kaffee in der Hand zum Meer gegangen. Das ist sehr angenehm, und immer noch ungewöhnlich, weil ein bisschen wie früher.
- ich lese Obamas Autobiographie mit immer größerem Vergnügen
Montag, 27. Juni 2022
Die Idee war gut
Samstag, 18. Juni 2022
Raxi rastet
Otto Nachrichten
Sonntag, 5. Juni 2022
Eigentlich will ich nur noch Kuchen
Ich hatte jetzt fünf Tage frei, dank verschiedener royaler Feiertage, und wusste partout nichts mit mir anzufangen. Da hat man einmal Zeit, und dennoch gibt es zwischen Schlaf und Schlaf nur Pausen. Einen Nachmittag bin ich etwas ins Grüne gefahren. Am Tag darauf hatten Ellie und ich lange, lange einen Tag für uns geplant. Aber wieder einmal fiel die Tagesmutti aus, und so schön es auch ist mit Otto frei zu haben, zu zweit hätte nicht geschadet. Wir hatten geplant, irgendwo im Grünen in Ruhe einen Kuchen zu essen, rein zu Ehren des 70. Thronjubiläums der Queen. Irgendwie habe ich nie die kleinen Kuchen vergessen, die uns vor Jahren zur Hochzeit von Harry und Meghan kredenzt worden waren. Kleine Kuchen und Ruhe, man verlangt ja nicht mehr viel. Zu unserer Überraschung wurde an diesem Tag fast gar nichts gemacht in Portsmouth und wir sind stattdessen ins Umweltzentrum gefahren. War auch schön. Kuchen haben die da auch. Und Ellie trug ein schönes Kleid. Otto scheint letztens etwas mehr Interesse an Natur zu zeigen; man ist ja schon für wenig dankbar.
Wirklich toll wurde es erst Samstag, als wir mehr oder weniger spontan von einem Dorffest in Droxford am Fluss Meon erfuhren. Der Ort ist ja an sich schon schön; wir hatten Otto da letztens erst Pferde zeigen können. Für die Queen hat man sich aber richtig Mühe gegeben. Die zwei größten Häuser im Ort haben ihre Rasen für Stände geöffnet, Oldtimer, Tombola, selbstgemachter Kuchen in der Dorfhalle, Schüler sangen die Nationalhymne, später spielte eine Kapelle; alles organisiert vom Ortsrat. Auf dem Feld hinter der Kirche durften Kinder auf Ponys Reiten und ein Hof brachte Kleintiere zum Streicheln. Die Kirche selbst ist umgeben von einer blühenden Blumenwiese. Otto lachend im langen Gras. Die gute alte Zeit, Heile Welt, Bilderbuch von gestern. Hat trotzdem Spaß gemacht. Wir hatten Glück; waren früh angekommen, haben uns als erste Kuchen besorgt. Ich bereue nur, dass ich nicht viel mehr gekauft habe. Die Schlangen später habe ich gar nicht erst angefangen. Das war der schönste Tag des ganzen Wochenendes.
Als nächstes kommt Friedemann. Der ist heute von Dünkirchen nach Dover übergesetzt und sofern er da nicht ausgeraubt wird kommt er über Hastings und Brighton am Mittwoch bei uns an. Die Tagesmutti ist weiterhin nicht verfügbar; ich muss mir frei nehmen und Otto betreuen, ausgerechnet wenn ich den Kopf frei haben wollte für Friedemann. Wenigstens das Wochenende wird das gehen. Montag darauf nimmt er dann von hier die Fähre nach Caen und radelt von da nach Paris.
Otto-Nachrichten
- seit kurzem darf nur noch er selbst sich Dau Dau nennen, zum Spaß. Ich werde korrigiert, dass er Otto heißt. Irgendwann wird er wirklich nur noch Otto sein, und dann werden wir Dodo vermissen.
- er ist auch kein Baby mehr, sondern ein großer Junge. Allerdings ist er "mein Baby", woraufhin er auf die entsprechende Person zuläuft und gekuschelt werden muss. Dann hat er gern alle Leute aufgezählt, die ihn lieb haben und freut sich.
- er ist spürbar glücklich nach einer Woche nur bei seinen Eltern. Will alle paar Minuten kuscheln.
- letztens habe ich ihn das erste Mal alleine Karussell fahren lassen. Auf der Seebrücke. Jetzt bleibe ich mit ihm erstmal dem Meer fern, sonst zeigt er sofort den Strand runter und will da wieder hin.
Johannes-Nachrichten
- ich habe die Artus-Sage wieder aufgegeben. Zu albern. Ich lese wieder Obama, und ein paar Harzer Sagen, die ich gratis elektronisch gefunden habe.
Mittwoch, 1. Juni 2022
Dau Dau
Letztes Wochenende waren zu Ellies Freunden nach Hastings eingeladen, zum 7. Geburtstag ihrer Tochter. Ellie hatte diese Freunding im Studium kennengelernt; wir hatten sie über die Jahre ab und zu besucht, zuerst in London, und später sind sie mit ihren zwei Kindern nach Hastings gezogen. Das sind etwa zwei Stunden Fahrt; so lange hat Otto hier drüben noch nicht im Auto gesessen, aber nach der Reise nach Deutschland hat uns das keine Sorgen mehr gemacht.
Wir haben trotzdem auf halbem Wege Halt und ein Picknick gemacht. Dazu bot sich der Devils Dyke (Teufelsdeich) an, ein bekanntes Stück der South Downs praktisch über Brighton. An der Stelle läuft die Hügelkette langsam ins Meer, sodass man von oben sowohl weit aufs Wasser als auch weit ins flache Land im Norden gucken kann. Otto war ganz fröhlich auf der Wiese; gut zu wissen dass wir sowas jetzt machen können.
Auch eine Geburtstagsfeier war neu für Otto. Unsere Freunde hatten eine Menge Platz zu Verfügung, im Garten eines großen Hauses. Otto konnte endlich auf eine Hüfpburg und auch sonst viel rumrennen. Die Kinder waren alle ein paar Jahre älter als er, aber die interessieren ihn ohnehin maximal als Studienobjekt. Es hat ihm alles sehr gut gefallen.
Ich bin ihm immer hinterher, damit Ellie Zeit für ihre Freundin hatte. Ich selbst habe nicht viel von ihnen gesehen, denn wir brachten unsere Kinder zu genau versetzten Zeite ins Bett und am nächsten Morgen war die Mutter ob Migräne nicht ansprechbar, sodass wir relativ früh wieder gefahren sind. Der Morgen war mir aber angenehm; ich war sowas wie ausgeschlafen und Otto war viel in ihrem großen Garten unterwegs. Ein bisschen spielte er auch mit den Kindern, bzw. mit deren Spielzeug und er hat sehr brav geteilt.
Er ist dann auf der Rückfahrt aber eingeschlafen, was eine echte Besonderheit ist. Wahrscheinlich ist das Spielen mit anderen Kindern für ihn so aufregend, dass er sich davon erholen muss. Bei der Tagesmutter macht er ja auch immer Mittagsschlaf, den er bei uns schon vor Ewigkeiten abgesetzt hatte. Und wenn wir ihn da abends abholen, ist er immer total unter Strom und schläft ewig nicht ein. Gut das mal direkt zu beobachten.
Kurznachrichten
- Otto nennt sich seit kurzem "dau dau", eine selbstironische Version von "dodo" bisher
- Ich lese seit Kurzem eine Version der Legende von König Arthus. Ziemlich deppert.
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| Devil's Dyke |
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| Anderer Leute Spielzeug |
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| Pause auf der Rückfahrt |






































