Anfang Juni besuchte uns Friedemann. Er ist auf einer langen Radtour, von Lübeck über Dover zu uns und dann weiter nach Paris. Mit ihm kamen seine Plüschbegleiter Raxi der Rabi und Sophie die Eule. Nach fast zwei Monaten Fahrt machten sie bei uns das erste Mal länger Pause. Just als sie hier ankamen musste ich mich um Otto kümmern und Friedemann durfte aus erster Hand sehen, dass ich zum Kinderhüten bis heute meine ganze Konzentration brauche.
Am Samstag konnten wir dann endlich etwas zu zweit unternehmen und sind eine besonders schöne Radstrecke von Rowlands Castle nach Petersfield durch die South Downs gefahren. Die fahre ich selbst jedes Jahr ein paar Mal, aber an der Hubertuskapelle haben wir die Räder abgestellt und eine neue Wanderstrecke ausprobiert. Die hat sich als ein richtiges Kleinod rausgestellt, nicht zu kurz, nicht zu lang, Landschaft sehr abwechslungsreich, durch Wald und Kornfelder, Raubvögeln und Schafen und weiten Blicken. Genau auf halbem Weg ist ein sehr schönes Cafe in einem kleinen Ort. Ich werde diese Wanderung auf jeden Fall noch mal machen.
An allen Abenden, und am gesamten Sonntag, sind wir ins Brettspielcafe gegangen. Das war schon bei Friedemanns letztem Besuch so gewesen, noch ohne Kind. Friedemann hat das bei sich in München immer vermisst, und auch ich selbst war seit Ottos Geburt nicht mehr da gewesen. Wie Baden und Tango war es ein unerwartetes Echo meines alten Lebens. Wieder vor den Regalen mit all den Spielen zu stehen war ein richtig gutes Gefühl. Wir haben am Ende vor allem eins gespielt, war mir selbst gehört und seit zwei Jahren hier rum liegt. Zum Anfang der Pandemie wollten Ellie und ich ein Brettspiel kaufen, gezielt vom lokalen Geschäft, in der Illusion wir würden jemals die Zeit und Muße haben es auch zu spielen. Nun, was lange währt wird anders gut als geplant.
Montag habe ich wieder gearbeitet, konnte Friedemann aber noch zu seiner Fähre bringen. Inzwischen fährt die Seine hoch nach Paris.
Die Strecke wollte ich auch mal fahren, vor vielen Jahren, als ich neu in Portsmouth war und mir klar wurde, dass Frankreich für mich noch nie so nah war. Ich hab es dann nie gemacht, und ich bin wirklich neidisch auf Friedemanns Reise.



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