Sonntag, 15. September 2013

18.08.2013 - Skandinavien

Jetzt bin ich also zurück aus Skandinavien und habe ganz viele tolle Sachen erlebt und gedacht, die alle wahr sein können oder auch nicht, am besten gebe ich nur einige Details, die unbestreitbar sind. Allgemeingültigkeit haben nur die echt deutsche Laufleistung, handfeste Bildung und zügellose Albernheit.

Die ungewohnte Weite, das Grün und Blau von Schweden schon beim Anflug. Die akurate Ordnung in jedem Detail. Die Katharinenkirche und ihr Viertel auf der Södermalm.

Die traumhaft ruhige Fahrt durch das Licht und die Weite der Schären. Die offene Ostsee danach. Am nächsten Morgen am Bug im Regen bei der Einfahrt nach Helsinki.

Die barbarischen Horden auf den Fähren (ich traf sie später wieder im Flieger zurück in ihre Heimat).

Erste warme Mahlzeit bei unserem Gastgeber in Helsinki. Seine Bücher und Musik. Die finnische Sauna im Wohnblock von 1929. Der endlose Lärm der Touristen in der Felsenkirche. Auf der Festungsinsel am Meer zu schlafen.

Wie die Führerin des Tourismusvereins Tallin aus ihrer Bude sprang, um Friedemanns alte Karte zu sehen. Die Konzertprobe in der Kellerkneipe. Als wir in Tallin Kasia zufällig früher als geplant in die Arme gelaufen sind.


Wie ich mich wieder einsam fühlte, als am Ende alle weg waren.

Stockholm Altstadt.

Stockholm Altstadt.

Stockholm Altstadt.


Palastwache.






Das Schiff ist eine Jugendherberge.


Wachwechsel am Palast.


Rathaus bei Nacht, mit drei Kronen über dem Turm.

Auf der östlichen Insel Djurgarden liegt auf ein schöner Park...

...mit Apfelwiese.



Bei der Abfahrt Richtung Helsinki.


Bei der Fahrt durch die Schären klart auch das Wetter auf.




Es wird Nacht.

Tallinn Altstadtrathaus.

Orthodoxe Kirche.

Der Hafen voller Kreuzfahrer und Fähren.



An der Kamera fotografiert auch Friedemann mit.

Interessantes Detail.



Helsinki Felsendom.

Helsinki: bei unserem Gastgeber.

Auf der Festungsinsel vor Helsinki.

Hier wohnen auch noch Menschen.


 



Wie ganz Helsinki ist auch der weiße Dom erst bei Sonne richtig schön.


An der Brücke zur Traditionsinsel Helsinkis.

Mittwoch, 7. August 2013

Die zweite Julihälfte war eine schwierige für alle regulären Freizeitaktivitäten, da ich stark beschäftigt war, die Reisen nach Skandinavien, Deutschland sowie meine erste (noch deutsche) Steuererklärung zu organisieren. Jetzt sind Fahrkarten und Übernachtungen organisiert, am Samstag geht es nach Stockholm, und aus den nächsten vier Wochen werde ich drei auf Reisen sein. Vorher will ich daher noch das Tagebuch aktualisieren.

Wenn ich freie Zeit hatte, habe ich weder singen geübt noch gelesen, sondern habe natürlich immer die viel beklagte Hitzewelle genossen. Mit Ausnahme des letzten Sommers habe ich wohl selten so aktiv gelebt. Jeden Abend nach der Arbeit geht es Schwimmen, und zum ersten Mal im Leben finde ich das sogar unter sportlichem Gesichtspunkt angenehm. Wenn die Sonne den ganzen Tag geschienen hat und es noch richtig warm ist, liegt der Strand noch voller Menschen. Wenn nicht, ist man fast alleine und hat die Sonne auf dem Wasser auf Augenhöhe, und auf dem Rückweg leuchtet sie noch einmal die Blüten im Rosengarten aus. Oft kommt Mathieu mit und dann gehen wir noch in einen Pub oder kochen. Mein Haar durfte lange nicht mehr so lang wachsen, weil es vom Meerwasser gebleicht auch so gut aussieht. Und sogar bei einer guten Brise ist es noch tief entspannend, nach dem Schwimmen am Wasser zu liegen, den Wellen zuzusehen und der ewigen Brandung zuzuhören.

Einen Freitag war ich mit Cristina in Winchester tanzen. Das hat leider enttäuscht, da keine von mir beherrschte oder auch nur tolerierte Musik gespielt wurde. Auf dem Rückweg am nächsten Tag habe ich wieder in der Burg Portchester halt gemacht, wo ich lernte, dass ich seit einem Jahr Unsinn erzähle: die Kirche dort ist nicht angelsächsisch, sondern normannisch! Auch konnte ich spontan einen weiteren Punkt auf der Liste abhaken und bin auf den großen Hügel nördlich von Portsmouth gefahren. Von dort hat man wirklich einen großartigen Blick, der einzige Ort, von dem man mit eigenen Augen sieht, dass Portsmouth eine Insel ist, die zwischen zwei weiteren Ausbuchtungen liegt, und auch die Isle of Wight kann man nur hier von einem Ende zum anderen sehen, während vor ihr die Queen Mary 2 vorbeifuhr.
Ein anderes Mal habe ich den Tag der offenen Tür in Cristinas Kanuverein besucht. Da konnten wir gratis den Fluss Hamble befahren, samt intensiver Ausbildung. Das war natürlich fast wie damals 2006 auf dem Bug, insbesondere als ich ein Kanu allein staken konnte.
Sonntags ging es immer zum Konzert am Meer. Einmal kamen dazu fünf Portugiesen um unsere Bekannte Carla, mit der wir bereits in Brighton und Salisbury gewesen waren. Einmal mehr tanzten wir uns in sengender Sonne die Hacken ab zu sehr tanzbarem Elektroswing. Zu schade, dass ich danach nur noch zwei Konzerte miterleben konnte, bevor ich alle Augustwochenenden der restlichen Saison weg bin. Anschließend sind wir alle schwimmen gegangen und noch durch den Rosengarten, der zwar seine Blüten langsam schon wieder verliert, aber ein allgemein geschätzter Ort von Ruhe und Eintracht ist. An einem sonnigen Abend haben wir auch einen meiner Tanzkurse an den Konzertstand am Meer verlegt.

Wenn ich zurückkomme, wird es langsam wieder Herbst werden und ein langer Winter wird zwischen uns und dem nächsten Sommer stehen, bevor Portsmouth von einer mittelmäßigen Stadt zum besten Ort der Welt wird. Wie im Frühling erahnt war der Sommer viel zu kurz. Viele Pläne sind ein weiteres Mal liegen geblieben – aber ich bin auch schnell gelernt, wie wenig sie einen interessieren, wenn man auch jeden Tag einfach ans Meer kann. Und so wie der Sommer mit der Pause einiger meiner Hobbies mehr Zeit zu versprechen schien, so freut sich ein Teil von mir auf sein Ende, wenn man nicht mehr so zerrissen wird von den endlosen Angeboten und Möglichkeiten.
Tanzstunde am Meer. Mein Wuschelkopf hinten Mitte links. Die beiden Lehrer rechts daneben.


Samstag, 13. Juli 2013

Sonne, Meer, Sonne, Meer, Sonne...

Hatte ich jemals gedacht, der Sommer würde ohne Chor und Kaltwasserexperiment gemächlicher, so beweist mir auch der Juli das Gegenteil. Ein typisches Sommerwochenende: Cristina hat mich zu einem Treffen von Hobbykayakfahrern am Strand der Insel Hayling (wo ich im letzten September fast von der Flut überrascht worden war) mit Grill eingeladen. Das war ein Dutzend Leute und einige Boote an einem perfekten Sommertag am Strand. Ich bin zum ersten Mal seit 2006 Kayak gefahren und auch prompt gekentert, aber das Wasser war an diesem sonnigen Tag ohnehin der angenehmste Ort. Später bin ich nochmal mit kurzer Hose in die Brandung gesprungen, trocknet alles von selbst.
Am gleichen Tag fand ich noch einen tollen Platz in Portsmouth, eine ehemalige Kirche, die in 32 Einzelateliers für lokale Künstler umgewandelt worden ist. Die hatten gerade offenes Wochenende und ich hatte einfach nicht genug Zeit für so ein großes Projekt mitgebracht. Abends gab es bei Mathieu noch mehr Grillen mit seinen Nachbarn unter einer Linde.
Sonntag morgen habe ich meine neuen bulgarischen Mitbewohner kennen gelernt, ein Mädchen und zwei Jungs aus Sofia und Umgebung. Machen hier Praktika über den Sommer. Sie sind zwar erst 19, aber alle nett und zuverlässiger als meine übliche Truppe.
Dann mit Mathieu schwimmen. Dann zum Tag des offenen Schiffs im Marinehafen. Dann Mittag im französischen Restaurant. Dann schnell weiter zum Kunstprojekt, alles von gestern nachholen. Ein Künstler verteilt gratis Bilder, ich kriege eine beängstigende rotschwarze Figur. Wir picken eine weitere Sommerbewohnerin der Stadt auf, die im Weingarten mal schnell ihre Wasserfarben aus der Handtasche holt und uns was malt. Abends zu dritt Grillen am Meer.
Alles also wie ich es mir im Idealfall vorgestellt habe, damals in Rostock, von einem Leben am Meer. Und was fühle ich am Ende am meisten? Frust. Dass wir das Konzert am Meer nicht geschafft haben. Das wir nicht zum Poesieabend in diese Kneipe gekommen sind, in der soviel Musik stattfinden soll. Dass ich wieder nichts für geschafft habe für Gesang, Walzer, Tango, Literatur, Statistik, Russisch. Überangebot, kulturell und sozial, war selten mein Problem. Ich bin daran gewöhnt, alles unterbringen zu müssen. Und die Unmöglichkeit, hier alles zu machen, macht mich wahnsinnig. Durchreisende kann ich schon lange nicht mehr aufnehmen, und habe jetzt auch offiziell das Angebot zurückgezogen. Im Sommer in Portsmouth werde ich vermutlich lernen, Prioritäten zu setzen.

Eine Woche später kehrten Cristina und ich an die gleiche Stelle auf der Insel Hayling zurück, um dort den ersten richtigen Strandtag in diesem Sommer zu verbringen. Es gab sogar richtigen Sand, Kinder tobten, ich habe ordentlich Sonnenbrand gekriegt. Am Tag darauf kam mich Kalina in einem bezaubernden Sommerkleid zu meinem Geburtstag besuchen. Bei drückender Hitze spazierten wir das Meer hinab bis zum Sonntagskonzert, bei dem ich zum ersten Mal tanzte. Inzwischen sind alle Geburtstagspakete und - briefe angekommen und mit Dank bedacht worden.
Eine weiter Woche darauf bin ich auf eine Bauchtanzschau gegangen. Die war von einer meiner Tanzlehrerinnen organisiert worden, die hauptsächlich in dieser Richtung aktiv ist. Am Sonntag darauf gab es den lang erwarteten Höhepunkt der sommerlichen Konzertreihe am Meer, das lateinamerikanische Programm. Dazu traf sich die gesamte Salsagemeinde der Stadt und tanzte sich in der sengenden Sonne die Absätze von den Schuhen. Ich konnte nur die ersten zwei Stunden mitschwitzen, denn danach war Tangostunde. Dort üben wir jetzt alle paar Sonntage für einen Auftritt irgendwann. Für den Gesangsunterricht übe ich jetzt aus dem Buch 28 Italienische Lieder und Arien des 17. und 18. Jahrhunderts. Lesen tue ich das kurzweilige Comicbuch Persepolis.

Auf der Arbeit verlässt meine direkte Vorgesetzte leider das Team. Das wird allgemein bedauert, weil unser Gruppenleiter allgemein als inkompetent angesehen wird und sie de facto für Führung gesorgt hatte. Ersatz wird gerade erst geplant, wir haben ohnehin zu wenig Leute, und keiner in meinem Projekt hat große Lust, direkt dem Leiter zuzuarbeiten. Offenbar wurden umfangreiche Absprachen getroffen, um uns von anderen Gruppen indirekt zu steuern. Im Moment kann ich mich selbst genug orientieren, da ich mit der Zeit ein bestimmtes Projekt übernommen habe, das ich jetzt recht gut kenne und mit einer Kollegin selbstständig beackere. Ich persönlich bedauere den Weggang, weil mir meine Chefin gerade am Anfang massiv durch Schwierigkeiten geholfen hat.

Beim Kayaktreffen. Beim letzten Mal 2006 hatte ich leider noch keine Digitalkamera.
  Am Strand der Insel Hayling ist wieder Sommer.
Tag der Streitkräfte. Kinder mit MGs.

Irena aus dem Kunstzentrum malt uns im Weingarten was.


Mit Kalina an der Promenade.

Mit englischen Schönheiten auf dem Konzert.

Meine allerschönste im Rosengarten. Vor dem Ausgang zum Meer.


Einige Woche früher, auf dem Weg in den Neuwald. Auch Southampton blüht.

Kürzlich hatte ich Zeit, nach der Arbeit wieder an die Fischteiche der alten Abtei Titchfield zu fahren.

Ein Feld hinter den Fischteichen. Manchmal wird mir richtig wehmütig nach der Uckermark.

Die Große Scheune, in der ich vor einem Jahr mit Monika und Kollegen Shakespeare gesehen habe.


Dienstag, 25. Juni 2013

Sommer nach Plan

Im Juni wurde bald klar, dass der Sommer zwar da ist, aber verhaltener als das letzte Maiwochenende zu Hoffen gab. Die langen Grillabend am Strand waren also spärlich, aber gelingen mir nach und nach einige der wichtigeren Pläne des großen Selbstverwirklichungsprogramms. Des weiteren macht sich im Vergleich zum Vorjahr der Vorteil eines sozialen Netzwerks bemerkbar. Alles zusammen führt dazu, dass es mir ausgesprochen gut geht, solange ich nicht zu lange allein bin.

Am Meer
Zum einen gibt es durchaus die sonnigen Abende nach heißen Tagen im Büro, an denen ich mich abends mit einem Buch an den Strand lege. Dann sind mit dem Juni die gratis Konzerte am Meer wieder losgegangen. Mit Mathieu und auch meiner italienischen Tangopartnerin Cristina samt fünfjähriger Tochter saß ich auf der Wiese voller Menschen und Grillgeruch, in praller Sonne, und wie im letzten Jahr wird auch richtig getanzt.
Der eigene Grill ist zwar noch nicht organisiert, dafür habe ich das erste richtiges Essen in unserem 'Garten' hinter dem Haus ausgerichtet, für Mathieu und zwei weitere Bekannte. Das habe ich ganz allein zubereitet und war nach drei Stunden hektischem Kochen durchaus stolz darauf. Später abends kamen zwei Mädchen aus Frankreich für zwei Nächte, die Portsmouth besuchten. Leider stellten sie sich als absolut nutzlos und interaktionsunwillig heraus, und wie ich später erfuhr, hatte eine Bekannte die gleichen Erfahrungen mit ihnen gemacht.

Unterwegs
Am nächsten sonnigen Wochenende sind Mathieu wieder auf Tour gegangen und haben den Gutspark Stansted nordöstlich von Portsmouth besucht. Ich war noch nie mit dem Rad in dieser Richtung unterwegs gewesen und wurde sehr überrascht, wie nah an zu Hause wir selbst eine Landschaft von Eichenwäldern und Rapsfeldern ähnlich wie im New Forest wartet, nur eine knappe Stunde Radweg entfernt. Bereits direkt nördlich von Portsmouth laufen sehr schöne Wege mit Blick auf die Buchten, die von den verschiedenen Halbinseln entlang der Küste gebildet werden. Auf Stansted haben wir Käse und Wein in der Prallen Sonne verzehrt und anschließend bin ich bereits oben ohne und dafür sangesfreudig die Landstraße zur alten römischen Stadt Chichester gefahren, deren Kathedrale ich zum ersten und letzten Mal fast ein Jahr vorher mit Monika besichtigt habe.
Mitte des Monats war Mathieu weg und ich war einmal allein unterwegs, um andere Kontakte zu pflegen. Seit langem bin ich wieder über den Hafen gesetzt und habe das Geschichtsdorf in Gosport besucht. Die Leute dort hatte ich seit dem Tudor-Fest im Oktober nicht mehr gesehen und ich habe mich über kommende Kostümierungsgelegenheiten erkundigt. Abgesehen habe ich mich wieder von der Ruhe ihres im Wind sanft wiegenden Waldstücks einfangen lassen. Weiterhin bin ich von jedem Anblick eines leeren Felds und flächendeckenden Grüns bezaubert.
Abends bin ich mit Cristina vom Tango tanzen gegangen, aber nicht Tango, sondern einen momentan wohl sehr beliebte Stil mit Ähnlichkeiten zu 1950er Rock'n'Roll. Am Folgetag besuchte ich sie in ihrem Dorf Hamble, und zu meiner Freude schloss sich mit Kalina endlich mal jemand einem Ausflug an. Wie seit vielen Wochen geplant besuchten wir einen Traditionsbauernhof. Das war vor allem für ihre fünfjährige Tochter gedacht, aber auch mich berührte ein Ausflug aufs Land, und insbesondere auf eine Farm. Wir hatten auch ein Picknick vorbereitet und spazierten in einem richtigen Wald entlang eines Flusses, der fast wie einer der gestreckten Uckermärcker Seen aussah. Es wirkte unverkennbar auf mich, einen Tag in der Natur zu sein und das auch noch mit Freunden nicht nur teilen zu können, sondern ihnen selbst einen schönen Tag zu bereiten, zumal Kalina, die ja gerade erst hergezogen ist und zum ersten Mal alleine wohnt.

Kultur
Die Filmgesellschaft hat einige Kurzfilme Charlie Chaplins gezeigt, zu denen mir zu meiner Freude außerdem gleich vier Bekannte gefolgt sind. Zuletzt hatte ich Filme aus der Zeit als Kind gesehen und sie als ein bisschen staubig in Erinnerung. Chaplin aber überraschte mich, wie frisch viele seiner Ideen noch wirken. Ein zweites Mal war ich im Kino zu einer Live-Sendung aus dem Britischen Museum, wo man von Experten durch die neue Ausstellung zu Pompeji und Herculaneum geführt wird.
Dann lese ich tatsächlich wieder ein Stück feministische Literatur, Den Report der Magd, ebenfalls auf Empfehlung.
Im Zuge meiner Suche nach einem Sommerchor hab ich einmal im Barockchor mitgesungen. Der Dirigent war aber nicht gestimmt, jemanden drei Wochen vor dem Konzert aufzunehmen, und dann machen sie selbst Sommerpause. Also kein Singen bis September. Schade, denn sie singen Heinrich Schütz, den ich schon immer mal singen wollte. Dafür nutze ich den Sommer für zwei Pläne, die beide noch aus Rostock stammen. Zum einen nehme ich jetzt Donnerstag nach der Arbeit Gesangsunterricht bei einer Amerikanerin aus dem Uniorchester. Und auf der Arbeit selbst gibt mir eine Kollegin ein paar Lektionen Walzer. Den wollte ich festigen, seitdem ich mit Kasia am Warnemünder Kai getanzt habe – das war 2010 vor der Abreise nach York.

Allein zu Haus
Zu Hause bin ich eine Woche alleine, nachdem Mitte des Monats auch meiner letzter und bester Mitbewohner ausgezogen ist, der Architekt. Im Gegensatz zu den anderen kommt er auch nicht mehr wieder, weil er sein Studium abgeschlossen hat. Jetzt habe ich das Haus erstmal für mich, aber Ende Juni kommen wie im letzten Jahr junge Bulgaren, gleich drei Stück, bis September.

Auf dem Gartenfest in Stansted.
Nach einer Pause im Bischofsgarten in Chichester

Der Sommer ist zurueck im Hafen.

Immer wieder erfuellt mich das umfassende Gruen des Geschichtsdorfes mit Freude. Der Hohlweg zur Fischerhuette am Ende ist genau wie ich ihn mir um 1642 vorstelle.

Im letzten Sommer hatte ich einen speziellen Ort fuer diese Blumen gefunden und mir jetzt wieder neue geholt. Kasias Gemaelde inspiriert mich weiterhin.

Mit Kalina und Jasmin am Fluss Hamble.

Wir machen Musik am Spielplatzxylophon.

Auf dem Bauernhof.

Unbedachterweise hat man mich in die Speisekammer des Bauernhofs gelassen.


Cristina und Kalina
Der Rosengarten in Southsea. Durch das Tor hinten fahre ich zum Schwimmen ans Meer.

Sonntag, 2. Juni 2013

27.05.2013 - Der New Forest

Der New Forest (Neuer Wald) ist ein ausgedehntes Wald- und Heidegebiet direkt westlich von Southampton und ein sehr beliebtes Naherholungsziel für die Städter der Region. Besonders eignet es sich zum Zelten und Radfahren, weshalb ich schon immer einmal hinwollte. Das viertägige Wochenende von nachgeholten Pfingsten und Königlichem Geburtstag bot dazu endlich Gelegenheit. Wie gewöhnlich interessierte sich nur Mathieu für den Ausflug. Er hatte sich gerade ein neues Rad gekauft und ich ein gebrauchtes Zelt. Mit seinem Auto konnten wir außerdem Räder und mehr Gepäck mitnehmen, als mir normalerweise möglich ist.

Der Weg in Wald führt durch Southampton und dort hielten wir zum Mittagessen mit Kalina. Die richtet sich immer noch in ihrer neuen Stadt ein, hat aber langsam Zeit für Freizeitaktivitäten. Dann ging es weiter nach Westen, bei der immer deutlicher hervortretenden Sonne an den großen Kreuzfahrtschiffen in den Docks vorbei.

Zum langen Wochenende verstopften Unmengen Städter die bald beginnenden Landstraßen, und auch einen freien Zeltplatz fanden wir erst in der südwestlichen Ecke, beim Ort Holmsley. Wie sich rausstellte, hatte Mathieu Erfahrung mit Camping, das Zelt stand in zwanzig Minuten und mit den Nachbarn klappte es auch. Ich hatte nicht gewusst, wie schnell und einfach Zelten ist und wie selbststaendig man mit wenigen Mitteln sein kann und begann natuerlich sofort zu bereuen, nicht schon viel frueher so auf Reisen gegangen zu sein. Eine abendliche Tour durch Wald und Heide in die nächsten Pubs haben wir noch geschafft. Mich interessierte aber vor allem Bewegung und Raum. Mathieu ist kein so starker Radler, macht aber zum Glück gute Kompromisse und wir fuhren auf den folgenden Touren die ersten Kilometer gemeinsam, bevor ich jeweils allein losgeprescht bin.

Den zweiten Tag habe ich mich genau in der Mitte des Waldes richtig ausgetobt. Dort ist richtiger Wald und genug Platz, um trotz der Scharen von Radlern allein zu sein, und die Wege sowie Ausschilderung sind so gut, dass man schnell und ohne Karte überall hinkommt.

Als wir uns zum Mittag wiedertrafen, hatte ich laut Mathieu schon gut Farbe angenommen. In der Tat war das Wetter weit besser als vorhergesagt. Strahlende Sonne stand über den Wäldern voller Eichen und den Feldern, die zwischen üppigem Grün, bunten Blumen und sogar weiten gelben Rapsflächen wechselnden. Vor allem wird der ganze Wald beherrscht von halbwilden Pferden, die weiden wo sie vollen, von allen Autos respektiert werden und sich ihrerseits um niemanden sonst kümmern. Sie gehören eigentlich jemandem, können aber in der Praxis machen, was sie wollen.

In unserem Mittagspub in East Boldre war weit mehr los, als man dem winzigen Dorf zutrauen würde. Eine Wohltätigkeitsveranstaltung füllte den gesamten, nicht kleinen Biergarten mit Musik, Ständen und Menschen. Mir wurde Sonnenbrandgefahr herzlich egal, als wir mit einem Bier auf dem Rasen lagen, und am Ende gewannen wir auch noch billigen Tombolasekt. Einige Kilometer östlich besuchten wir den historischen Ort Bucklers Hard am Fluss Beaulieu, dessen verdienter Name in englischer Aussprache in eine Farce verwandelt wird. Der Ort war einst eine Marinewerft und ist heute ein Freilichtmuseum, dass wir uns aber nicht weiter ansahen. Stattdessen fuhren wir noch einmal in eine andere Ecke des Waldes, in einen kleinen Ort ganz im Nordwesten. Dort radelte ich noch einmal die hier hügeligere Gegend ab und wanderte durch einige schöne Felder in der Abendsonne, während Mathieu in einem Biergarten saß.

Anstatt wie geplant eine zweite Nacht zu bleiben, fuhren wir dann wir dann nach Hause, da Mathieu leider nicht an eine Luftmatratze gedacht hatte und eine weitere Nacht auf der Erde nicht ausgehalten hätte. Ich hätte mich bei meinem Büroleben gerne noch einen halben Tag ausgetobt, aber dafür ließ ich mich für eine Nacht in Southampton bei Kalina absetzen. Mit ihr ging ich abends auf eine Salsaparty, für uns beide die erste in Southampton.


Mein erstes Zelt! In meiner Hand mein improvisierter Hammer.

Richtiger Wald!



Mittagspause in East Boldre.





Mathieu auf der Landstraße. 
Mit guter Farbe kurz vor der Heimfahrt.

02.06.2013

Im Mai habe ich das Aktivsein übertrieben und war am Ende ganz schön erschöpft. Davon ist am Ende viel weggefallen, dafür mache ich mir jetzt Stress, unbedingt alles zu schaffen, was ich für den Sommer geplant habe. Denn der ist da: Am Monatsende begann Baden, Grillen und Konzerte am Meer. Das überbordende Farbenmeer des blühenden Frühlings weicht zwar einem allgemeinen Gruen, aber die Stadt kommt aus dem Haus und geht ans Meer. Und mir bringt der Sommer die ersten deja-vus – mein erstes Jahr in Portsmouth ist bald voll.

Körperkultur

Die ersten Wochen hat mir das Kaltwasserexperiment den letzten freien Abend der Woche belegt. Nach der beschämenden ersten Sitzung wurde es mit jedem Mal besser. Zweimal musste ich einfach nur eine Stunde im Wasser sitzen und mich über Tanzen und Wissenschaft unterhalten. Einmal musste ich noch schwimmen, aber diesmal hielt ich ohne Kleidung eine halbe Stunde gegen den Strom durch. Jetzt ist das Experiment vorbei und auf eine bestimmte Weise vermisse ich die physische Erfahrung. Außerdem habe ich gelernt, warum mir beim Singen oft schwindelig wird: das kommt von zuviel Luftholen. Kontrolliert man die Atmung, hört auch das Zittern auf.

Geistkultur

Dafür habe ich einen Abend mehr frei. Ein zweiter kommt hinzu, seitdem der Chor in die Sommerpause gegangen ist. Unser letztes Konzert fand am 22. Mai in einer Kirche statt, unter abschließender Leitung des dirigierenden Studenten, der damit sein Studium beendet. Durch die Lanzettfenster leuchtete abends gerade die Sonne das weißgestrichene Schiff aus. Unser normaler Dirigent half den wenigen verbliebenen Bässen und Tenören aus; mir gefiel es ganz gut, als einer von nur drei zweiten Bässen zu hören, welchen Beitrag meine Stimme leistet und tapfer Breschen zu füllen. Wider Erwarten hatten wir trotz des hässlichsten Plakats aller Zeiten auch Gäste, einen habe ich persönlich beigesteuert. Jetzt ist bis Mitte September kein Chor mehr, dann beginnen wir Salieris „Hofkapellmeistermesse“ in D-Dur und Mozarts Missa Brevis KV 167. Ich suche einen Sommerchor, aber bis dahin habe ich mir schonmal die Noten für den Herbst zum Üben besorgt.

Ebenfalls musikalisch war ein großer Salsaabend im Spinnaker Turm am Hafen. Ich kam zwar zu spät, um noch auf die Aussichtsplattform zu kommen, hatte aber auch unten viel Spaß mit einigen der bisher besten Partnerinnen hier. Mein Interesse liegt aber weiterhin mehr beim Tango, bei dem ich jeden Fortschritt mit Schweiß und Nerven bezahle.

Im Filmverein habe ich einen chilenischen Film über die Volksabstimmung 1988 sowie den deutschen Film „Lore“ gesehen. Im normalen Kino habe ich außerdem mit einer Bekannten aus dem Gemeinschaftsgarten Den Großen Gatsby angeschaut. Auf dem Weg nach Hause merkte ich anschließend zum ersten Mal, dass es schon warm genug ist, um elf Uhr abends im Pullover am Meer entlang zu fahren. Neben mir lief die Nachtfähre nach Frankreich aus, und auch tagsüber sind jetzt wieder die Kreuzfahrtschiffe und zahllose weißen Segel zu sehen.
Mehr Schauspiel gab es an der Uni, wo zum Semesterschluss ein einwoechiges, kostenloses Festival der Schauspielfakultaet stattfand. Ich habe zwei sehr gute Stuecke gesehen, ein Musical und ein modernes von Tadeusz Kantor, zu dem auch Mathieu mitgekommen ist.

Auf Anraten einer Kollegin habe ich ganz schnell Huxleys Schöne neue Welt durchgelesen. Nach vielen Monaten im langen populärwissenschaftlichen Buch davor flogen die Novellenseiten dahin.

Soziokultur

Es wurde klar, das Wetter bleibt durchwachsen, aber im Durchschnitt steigt die Temperatur genug, um langsam Abende vor der Tür ermöglichen. Portsmouth und die Seepromenade schalten langsam wieder in den Sommermodus, den ich bei meiner Ankunft vorfand, aber diesmal kann ich mit viel mehr Kontakten arbeiten. Wird der generelle Bewegungsmangel zu akut, kann ich nebenan im Gemeinschaftsgarten arbeiten. Mitte Mai habe ich den Fußweg rollstuhlfreundlich geebnet, bekam dafür frisches Gemüse und den Abend konnten wir am Teich aussitzen. Anschließend habe ich mit einer ganzen Gruppe Italiener, die zu zwei neuen Sängern im Chor gehören, die Füße ins Meer gesteckt. Ein fröhliches Volk, dass ohne Hemmungen auf der Straße singt. Mit Mathieu habe ich später das Gemüse verkocht und meine Sommerpläne besprochen. Mit seinem Auto haben wir den ersten schon umgesetzt, die Radtour im New Forest. Und am allerersten Junitag haben wir offiziell den Sommer eingezählt, mit Golf am Meer, dem ersten richtigen Baden im Andenken an kälteres Wasser und abschließend einem Picknick beim ersten öffentlichen Konzert am Meer der Saison. Wenn ich allerdings nicht von Menschen umgeben bin, nichts zu tun und kein Gefuehl von Ziel habe, bricht mit dem weniger an Verpflichtungen jetzt auch wieder stärker meine Einsamkeit durch.

Reinkultur

Zu Hause sind wie erwartet zwei meiner drei Mitbewohner für den Sommer ausgezogen. Die Bulgarin und der Künstler sind weg, und mit letzterem die Unordnung. Das ist nicht nur Einbildung: am Tag darauf putzte mein verbliebener Mitbewohner die Küche, und im Gegensatz zu früher ist sie auch drei Tage später noch sauber. Bezeichnenderweise fällt mir das auch immer noch auf, wenn ich abends nach Hause komme.

Arbeit

Wie ich in den Nachrichten erfahren habe, wurden auch Deutschland Ergebnisse einer Volkszählung veröffentlicht. Sie war scheinbar nur zwei Monate nach der in England durchgeführt, aber fast ein ganzes Jahr später veröffentlicht worden. Im Gegensatz zu Großbritannien wird in Deutschland nicht regelmäßig gezählt und die letzte Zählung war die erste seit über 20 Jahren. Während hier die Bevölkerung größer war, als erwartet, ist sie in Deutschland um anderthalb Millionen niedriger.
Meine Arbeit ist etwas anstrengend und die vielen privaten Beschäftigungen kosteten mir im Mai den nötigen Schlaf. Nach den angenehm konzentrierten Aufgaben der ersten Monate verliere ich mich in zuvielen kleineren Strängen und habe zuviele offene Enden. Wir bereiten den öffentliche Zugang zu den Daten vor, die wir bisher aufbereitet haben. Nebenher testen wir sie aber auch und finden natürlich Probleme. Wie wir sie testen, müssen wir selbst planen, d.h. auch ich, und ich stehe manchmal ziemlich ahnungslos vor der Aufgabe. Dafür wurde mir meine erste Konferenzpräsentation übertragen, für den September in Wales. Und bald ist mein erstes Jahr hier voll.


Konzert (gestellt)
Allseits gesegnet.

Im Meer mit Italienern.

Im Gemeinschaftsgarten. Richtige Arbeit nach Büroschluss.
Extraargentinischer Tangoabend.