Der
New Forest (Neuer Wald) ist ein ausgedehntes Wald- und Heidegebiet
direkt westlich von Southampton und ein sehr beliebtes
Naherholungsziel für die Städter der Region. Besonders eignet es
sich zum Zelten und Radfahren, weshalb ich schon immer einmal
hinwollte. Das viertägige Wochenende von nachgeholten Pfingsten und
Königlichem Geburtstag bot dazu endlich Gelegenheit. Wie gewöhnlich
interessierte sich nur Mathieu für den Ausflug. Er hatte sich gerade
ein neues Rad gekauft und ich ein gebrauchtes Zelt. Mit seinem Auto
konnten wir außerdem Räder und mehr Gepäck mitnehmen, als mir
normalerweise möglich ist.
Der
Weg in Wald führt durch Southampton und dort hielten wir zum
Mittagessen mit Kalina. Die richtet sich immer noch in ihrer neuen
Stadt ein, hat aber langsam Zeit für Freizeitaktivitäten. Dann ging
es weiter nach Westen, bei der immer deutlicher hervortretenden Sonne
an den großen Kreuzfahrtschiffen in den Docks vorbei.
Zum
langen Wochenende verstopften Unmengen Städter die bald beginnenden
Landstraßen, und auch einen freien Zeltplatz fanden wir erst in der
südwestlichen Ecke, beim Ort Holmsley. Wie sich rausstellte, hatte
Mathieu Erfahrung mit Camping, das Zelt stand in zwanzig Minuten und
mit den Nachbarn klappte es auch. Ich hatte nicht gewusst, wie schnell und einfach Zelten ist und wie selbststaendig man mit wenigen Mitteln sein kann und begann natuerlich sofort zu bereuen, nicht schon viel frueher so auf Reisen gegangen zu sein. Eine abendliche Tour durch Wald und
Heide in die nächsten Pubs haben wir noch geschafft. Mich
interessierte aber vor allem Bewegung und Raum. Mathieu ist kein so
starker Radler, macht aber zum Glück gute Kompromisse und wir fuhren auf
den folgenden Touren die ersten Kilometer gemeinsam, bevor
ich jeweils allein losgeprescht bin.
Den
zweiten Tag habe ich mich genau in der Mitte des Waldes richtig
ausgetobt. Dort ist richtiger Wald und genug Platz, um trotz der
Scharen von Radlern allein zu sein, und die Wege sowie Ausschilderung
sind so gut, dass man schnell und ohne Karte überall hinkommt.
Als
wir uns zum Mittag wiedertrafen, hatte ich laut Mathieu schon gut
Farbe angenommen. In der Tat war das Wetter weit besser als
vorhergesagt. Strahlende Sonne stand über den Wäldern voller Eichen
und den Feldern, die zwischen üppigem Grün, bunten Blumen und sogar
weiten gelben Rapsflächen wechselnden. Vor allem wird der ganze Wald
beherrscht von halbwilden Pferden, die weiden wo sie vollen, von
allen Autos respektiert werden und sich ihrerseits um niemanden sonst
kümmern. Sie gehören eigentlich jemandem, können aber in der
Praxis machen, was sie wollen.
In
unserem Mittagspub in East Boldre war weit mehr los, als man dem
winzigen Dorf zutrauen würde. Eine Wohltätigkeitsveranstaltung
füllte den gesamten, nicht kleinen Biergarten mit Musik, Ständen
und Menschen. Mir wurde Sonnenbrandgefahr herzlich egal, als wir mit
einem Bier auf dem Rasen lagen, und am Ende gewannen wir auch noch
billigen Tombolasekt. Einige Kilometer östlich besuchten wir den
historischen Ort Bucklers Hard am Fluss Beaulieu, dessen verdienter
Name in englischer Aussprache in eine Farce verwandelt wird. Der Ort
war einst eine Marinewerft und ist heute ein Freilichtmuseum, dass
wir uns aber nicht weiter ansahen. Stattdessen fuhren wir noch einmal
in eine andere Ecke des Waldes, in einen kleinen Ort ganz im
Nordwesten. Dort radelte ich noch einmal die hier hügeligere Gegend
ab und wanderte durch einige schöne Felder in der Abendsonne,
während Mathieu in einem Biergarten saß.
Anstatt
wie geplant eine zweite Nacht zu bleiben, fuhren wir dann wir dann
nach Hause, da Mathieu leider nicht an eine Luftmatratze gedacht
hatte und eine weitere Nacht auf der Erde nicht ausgehalten hätte.
Ich hätte mich bei meinem Büroleben gerne noch einen halben Tag
ausgetobt, aber dafür ließ ich mich für eine Nacht in Southampton
bei Kalina absetzen. Mit ihr ging ich abends auf eine Salsaparty, für
uns beide die erste in Southampton.
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| Mein erstes Zelt! In meiner Hand mein improvisierter Hammer. |
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| Richtiger Wald! |
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| Mittagspause in East Boldre. |
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| Mathieu auf der Landstraße. |
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| Mit guter Farbe kurz vor der Heimfahrt. |
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