Sonntag, 2. Juni 2013

27.05.2013 - Der New Forest

Der New Forest (Neuer Wald) ist ein ausgedehntes Wald- und Heidegebiet direkt westlich von Southampton und ein sehr beliebtes Naherholungsziel für die Städter der Region. Besonders eignet es sich zum Zelten und Radfahren, weshalb ich schon immer einmal hinwollte. Das viertägige Wochenende von nachgeholten Pfingsten und Königlichem Geburtstag bot dazu endlich Gelegenheit. Wie gewöhnlich interessierte sich nur Mathieu für den Ausflug. Er hatte sich gerade ein neues Rad gekauft und ich ein gebrauchtes Zelt. Mit seinem Auto konnten wir außerdem Räder und mehr Gepäck mitnehmen, als mir normalerweise möglich ist.

Der Weg in Wald führt durch Southampton und dort hielten wir zum Mittagessen mit Kalina. Die richtet sich immer noch in ihrer neuen Stadt ein, hat aber langsam Zeit für Freizeitaktivitäten. Dann ging es weiter nach Westen, bei der immer deutlicher hervortretenden Sonne an den großen Kreuzfahrtschiffen in den Docks vorbei.

Zum langen Wochenende verstopften Unmengen Städter die bald beginnenden Landstraßen, und auch einen freien Zeltplatz fanden wir erst in der südwestlichen Ecke, beim Ort Holmsley. Wie sich rausstellte, hatte Mathieu Erfahrung mit Camping, das Zelt stand in zwanzig Minuten und mit den Nachbarn klappte es auch. Ich hatte nicht gewusst, wie schnell und einfach Zelten ist und wie selbststaendig man mit wenigen Mitteln sein kann und begann natuerlich sofort zu bereuen, nicht schon viel frueher so auf Reisen gegangen zu sein. Eine abendliche Tour durch Wald und Heide in die nächsten Pubs haben wir noch geschafft. Mich interessierte aber vor allem Bewegung und Raum. Mathieu ist kein so starker Radler, macht aber zum Glück gute Kompromisse und wir fuhren auf den folgenden Touren die ersten Kilometer gemeinsam, bevor ich jeweils allein losgeprescht bin.

Den zweiten Tag habe ich mich genau in der Mitte des Waldes richtig ausgetobt. Dort ist richtiger Wald und genug Platz, um trotz der Scharen von Radlern allein zu sein, und die Wege sowie Ausschilderung sind so gut, dass man schnell und ohne Karte überall hinkommt.

Als wir uns zum Mittag wiedertrafen, hatte ich laut Mathieu schon gut Farbe angenommen. In der Tat war das Wetter weit besser als vorhergesagt. Strahlende Sonne stand über den Wäldern voller Eichen und den Feldern, die zwischen üppigem Grün, bunten Blumen und sogar weiten gelben Rapsflächen wechselnden. Vor allem wird der ganze Wald beherrscht von halbwilden Pferden, die weiden wo sie vollen, von allen Autos respektiert werden und sich ihrerseits um niemanden sonst kümmern. Sie gehören eigentlich jemandem, können aber in der Praxis machen, was sie wollen.

In unserem Mittagspub in East Boldre war weit mehr los, als man dem winzigen Dorf zutrauen würde. Eine Wohltätigkeitsveranstaltung füllte den gesamten, nicht kleinen Biergarten mit Musik, Ständen und Menschen. Mir wurde Sonnenbrandgefahr herzlich egal, als wir mit einem Bier auf dem Rasen lagen, und am Ende gewannen wir auch noch billigen Tombolasekt. Einige Kilometer östlich besuchten wir den historischen Ort Bucklers Hard am Fluss Beaulieu, dessen verdienter Name in englischer Aussprache in eine Farce verwandelt wird. Der Ort war einst eine Marinewerft und ist heute ein Freilichtmuseum, dass wir uns aber nicht weiter ansahen. Stattdessen fuhren wir noch einmal in eine andere Ecke des Waldes, in einen kleinen Ort ganz im Nordwesten. Dort radelte ich noch einmal die hier hügeligere Gegend ab und wanderte durch einige schöne Felder in der Abendsonne, während Mathieu in einem Biergarten saß.

Anstatt wie geplant eine zweite Nacht zu bleiben, fuhren wir dann wir dann nach Hause, da Mathieu leider nicht an eine Luftmatratze gedacht hatte und eine weitere Nacht auf der Erde nicht ausgehalten hätte. Ich hätte mich bei meinem Büroleben gerne noch einen halben Tag ausgetobt, aber dafür ließ ich mich für eine Nacht in Southampton bei Kalina absetzen. Mit ihr ging ich abends auf eine Salsaparty, für uns beide die erste in Southampton.


Mein erstes Zelt! In meiner Hand mein improvisierter Hammer.

Richtiger Wald!



Mittagspause in East Boldre.





Mathieu auf der Landstraße. 
Mit guter Farbe kurz vor der Heimfahrt.

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