Gottseidank ging die Hitzewelle erst nach Ellies Reise los. Mittwoch ging es zum ersten Mal seit ich hier lebe auf 30 Grad hoch. Einige Schulen machten dicht; wir holten Otto direkt nach Schulschluss nach Hause und dann auch Sebbi. Man kann sich nur im Haus verstecken und sich so wenig wie möglich bewegen. Donnerstag haben wir Sebbi auf anraten der Kita gleich zu Hause behalten; ich habe den Tag frei genommen und wir sind nur morgens in den Schatten des Spielplatzes gegangen.
Ab Freitag konnte man wieder atmen, aber mir geht es nicht gut, wenn ich aus Deutschland höre. Ich muss mich wirklich gegen eine anhaltende Klimapanik wehren. Und mache mir große Sorgen, in was für einer Welt meine Kinder leben sollen. Und wir haben Glück, am Meer, und noch zehn Grad unter Kontinentaleuropa.
Mit Mühe konzentriere ich mich auf Positive Dinge: Samstag nachmittag war ich mit den Jungs im Freiluftmuseum Butser, während Ellie einen Auftritt hatte. Das war der schönste Moment der Woche, es fühlte sich an wie richtiger, normaler Sommer, wo der Wind durch die Bäume und das Korn rauscht. Otto war motiviert von einer Art Schnitzeljagd und es waren wieder Historiendarsteller da. Verschiedene Handwerker, sogar zwei Schmieden; Otto war sehr interessiert wie die Funken vom glühenden Metall flogen. Beide Kinder bekamen Eis. Sebbi spielte wieder "schlafen" in den Betten der verschiedenen Hütten. Er muss am Ende tatsächlich müde gewesen sein, denn er schlief im Auto sofort ein. Diese Zeit über vergaß ich meine Ängste.
Sonntag vormittag trafen wir uns mit der Familie von Ottos Schulfreund auf einem neu eröffneten Spielplatz. Nachmittag erbat ich mir, allein zurück nach Butser zu fahren, weil es mir weiterhin nicht gut ging. Ich nahm noch unseren Freund Andrew mit. Diesmal konnte ich in Ruhe die Infotafeln lesen und mich mit den Handwerkern unterhalten. Textilfärbung mit Pflanzen fanden wir überraschend interessant. Ein Eisentopf über einem Holzkohlefeuer, darin Wolle in einem gelben Sud. Ellie und ich würden sehr gut zu diesen Menschen passen. Auf dem Rückweg hielten wir noch an der Hubertuskapelle an. Die Schwalben fliegen tief über dem Getreide.
Johannes
ich fliehe vor der echten Welt. Grundsätzlich keine Nachrichten, keine sozialen Medien, nichtmal den Wetterbericht. Ich lese die Drei Musketiere. Gucke und höre alte harmlose 50er Jahre Krimis. Schaue alte Computerspiele wie Filme. Ich mache wirklich nur die Augen zu und warte das es mir besser geht. Warte, dass der Sommer vorüber geht.
Und die Kinder sind besonders lieb, und je lieber sie sind und je mehr sie sich entwickeln, desto mehr tut es mir weh um ihre Zukunft.
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