Darauf folgte das erste Wochenende – und Samstag war gleich
angefüllt mit noch einer Reihe dringender Termine. Zuerst legte ich
ein englisches Konto an. Bei der Gelegenheit meldete ich mich
nebenbei in der öffentlichen Bibliothek an. Zweiter Punkt: ein
Fahrrad muss her, und diesmal soll es durchaus ein gutes sein, um ab
und zu zur Arbeit zu fahren. Dazu lief ich lange Wege und lernte
Southsea am Wochenende in Aktion kennen. Das ist ja der bessere Teil
von Portsmouth, und hat bei Sonne einen richtig dörflichen Charakter
mit vielen kleinen Läden und Cafés vollbesetzt mit Leuten wie aus
Kreuzberg. Auf dem Weg zu zwei Fahrradläden kam ich sogar an einem
jüdischen Friedhof vorbei. Sobald man aber von den Läden wegkommt,
sind andere Straßen ausgestorben wie uckermärkische Dörfer am
Sonntag. Nach den Geschäften folgte ich noch einem Tipp meines
Vermieter, dass in einem Gemeindezentrum abgegebene Fahrräder
repariert und verkauft werden. Das nach langem Laufen gefundene
Community Centre hat mich sehr an ein Kulturhaus erinnert. Gerade gab
man sich richtig Mühe bei einem Fest für begeisterte Kinder.
Daneben werden viele Kurse oder ein Gartenprojekt angeboten, für
einen marginalen Mitgliedsbeitrag. Hinter dem Gebäude waren die
Radleute, alles Freiwillige, was ich hier immer so mochte. Die hatten
für mich auch gleich ein Modell, dass allen meinen Ansprüchen
genügte, für einen Bruchteil des Ladenpreises. Zusammen mit der
Wohnungsfindung trägt das zu erheblich niedrigen Ausgaben bei, als
erwartet. Donnerstag kann ich es abholen.
Ein Aushang machte mich auf ein Kirchenfest die Straße hoch
aufmerksam, wo ich bei Tee und Kuchen die Beine ausruhte und
vermutlich länger mit dem Priester fachsimpelte, als seinem
Smalltalkinteresse lieb gewesen war. Überhaupt war das der erste
Tag, wo ich einfach mal lange laufen und so einen Teil der Stadt
kennen lernen konnte. Zwischen den ganzen gleichen Häusern ist dabei
immer wieder was Schönes, ein Park oder ein Teich vor einem älteren
Gebäude, wo etwas für die und von der Gemeinschaft erhalten wird,
was man bei der Bedeutung von Privateigentum hier gar nicht denken
würde. Gleichzeitig sieht England stellenweise aber auch
zusammengeschusterter aus als Polen. Die kleinen Geschäfte mit
handgemalten Schildern in konvertierten Wohnungen und Garagen, die
Kunst der Selbstanpreisung, die offensichtliche Diskrepanz zwischen
Superlativen und der schäbigen Wirklichkeit von Arbeitern und
Immigranten ist mir manchmal richtig zuwider. Und überall Flaggen –
Queen's Geburtstag, Queen's Thronjubiläum,
und Fußball.
Sonntag hatte ich zum ersten Mal Zeit für einen reinen
Freizeitspaziergang. Der führte mich bei gutem Wetter an die
Wasserpromenade, wo am Sonntag sehr viele Menschen unterwegs waren.
Endlich hatte ich Zeit, das Panorama voll zu genießen. Die Isle of
White liegt viel näher an der Küste als man denkt, man sieht die
Häuser der nächsten Stadt am anderen Ufer. Dazwischen herrscht ein
reger Verkehr, drei unterschiedliche Fährlinien pendeln hin und her,
darunter Katamaran und ein Luftkissenboote. Dazu kommen aus
Southampton richtig große Kreuzfahrtschiffe. Der Strand ist
bestenfalls steinig und zum großen Teil von einer Seemauer
abgeschirmt, an die bei Flut das Wasser direkt klatscht. Wasser und
Strand können bei weitem nicht mit der Ostsee mithalten, viel Tang
und alles etwas schmutzig. Dafür die Seeluft, die Sonne, die Schiffe
– da bin ich ein gutes Stück mehr in Portsmouth angekommen, auch
wenn Southampton soviel toller sein soll. Das alles auch praktisch
vor meiner Haustür. Am westlichen Ende der Mauer ist wieder
Steinstrand bis zum Horizont und davor eine Seebrücke, wie immer in
England vollgepackt mit einem angestaubten Casino. Die Straße hoch
wohne schon ich. Mein Viertel ist ja das südlichste in Portsmouth,
Southsea. Entsprechend dem Namen ist der Promenade vorgelagert ein
breiter Grünstreifen, teilweise mit Palmen, der einen fast
französischen Eindruck macht. Genau wie ja das ganze Viertel mit
kontinentalem Charme kokettiert.
 |
| Der "Spinnaker" Turm im Hafen, gesehen von der Fähre, die zwischen Ost- und Westufer pendelt. |
 |
| Die Autofähre zur Isle of Wight läuft aus. Von der Hafenfähre gesehen. |
 |
| Sonntag an der Promenade. |
 |
| Die Seebrücke. |
 |
Die Seebrücke am Ende meines Spaziergangs. Fünf Minuten nach links wohne ich.
|
 |
Blick vom Strand zur Isle of Wight.
|
 |
Blick den Strang entlang nach Osten, mit der Seebrücke im Rücken.
|
 |
| Die Isle of Wight von der Strandpromenade aus gesehen. Was die Betoninseln machen, weiß ich noch nicht. |
 |
| Sie Strandpromenade mit Seemauer. |
 |
Blick von der Strandpromenade zum Hafen mit Spinnaker Turm im Westen.
|
 |
| Die Autofähre läuft zur Isle of Wight. Vom Strand aus gesehen. |
 |
|
Die Passagierfähre aus Le Havre läuft ein. |
 |
|
Die Luftkissenfähre läuft aus dem Hafen zur Isle of White aus, von der der Katamaran gerade zurückkommt. |
 |
Luftkissen- und Autofähre vor der Hafeneinfahrt.
|
 |
| Die Autofähre läuft von der Isle of White ein, vor der gerade ein Kreuzfahrtschiff aus Southampton entlangläuft. |
 |
| Ein Kreuzfahrtschiff vor der Isle of White, vom Strand in Portsmouth aus gesehen. |
 |
| Das Kreuzfahrtschiff fährt aus Hohe See. |
 |
Die Fähre aus Le Havre läuft ein. Abends von der Hafenfähre aus gesehen.
|
 |
Hinter der Fähre aus Frankreich läuft die Autofähre von der Isle of White ein.
|
 |
Blick ins Hafeninnere bei Abendlicht. Am Ende der Bucht fahre ich jeden Morgen mit dem Bus zur Arbeit entlang.
|
 |
| Mein schönes neues, preiswertes Fahrrad, traditionell blau und etwas zu klein! |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen