Dienstag, 19. Juni 2012

16.06.2012

Darauf folgte das erste Wochenende – und Samstag war gleich angefüllt mit noch einer Reihe dringender Termine. Zuerst legte ich ein englisches Konto an. Bei der Gelegenheit meldete ich mich nebenbei in der öffentlichen Bibliothek an. Zweiter Punkt: ein Fahrrad muss her, und diesmal soll es durchaus ein gutes sein, um ab und zu zur Arbeit zu fahren. Dazu lief ich lange Wege und lernte Southsea am Wochenende in Aktion kennen. Das ist ja der bessere Teil von Portsmouth, und hat bei Sonne einen richtig dörflichen Charakter mit vielen kleinen Läden und Cafés vollbesetzt mit Leuten wie aus Kreuzberg. Auf dem Weg zu zwei Fahrradläden kam ich sogar an einem jüdischen Friedhof vorbei. Sobald man aber von den Läden wegkommt, sind andere Straßen ausgestorben wie uckermärkische Dörfer am Sonntag. Nach den Geschäften folgte ich noch einem Tipp meines Vermieter, dass in einem Gemeindezentrum abgegebene Fahrräder repariert und verkauft werden. Das nach langem Laufen gefundene Community Centre hat mich sehr an ein Kulturhaus erinnert. Gerade gab man sich richtig Mühe bei einem Fest für begeisterte Kinder. Daneben werden viele Kurse oder ein Gartenprojekt angeboten, für einen marginalen Mitgliedsbeitrag. Hinter dem Gebäude waren die Radleute, alles Freiwillige, was ich hier immer so mochte. Die hatten für mich auch gleich ein Modell, dass allen meinen Ansprüchen genügte, für einen Bruchteil des Ladenpreises. Zusammen mit der Wohnungsfindung trägt das zu erheblich niedrigen Ausgaben bei, als erwartet. Donnerstag kann ich es abholen.
Ein Aushang machte mich auf ein Kirchenfest die Straße hoch aufmerksam, wo ich bei Tee und Kuchen die Beine ausruhte und vermutlich länger mit dem Priester fachsimpelte, als seinem Smalltalkinteresse lieb gewesen war. Überhaupt war das der erste Tag, wo ich einfach mal lange laufen und so einen Teil der Stadt kennen lernen konnte. Zwischen den ganzen gleichen Häusern ist dabei immer wieder was Schönes, ein Park oder ein Teich vor einem älteren Gebäude, wo etwas für die und von der Gemeinschaft erhalten wird, was man bei der Bedeutung von Privateigentum hier gar nicht denken würde. Gleichzeitig sieht England stellenweise aber auch zusammengeschusterter aus als Polen. Die kleinen Geschäfte mit handgemalten Schildern in konvertierten Wohnungen und Garagen, die Kunst der Selbstanpreisung, die offensichtliche Diskrepanz zwischen Superlativen und der schäbigen Wirklichkeit von Arbeitern und Immigranten ist mir manchmal richtig zuwider. Und überall Flaggen – Queen's Geburtstag, Queen's Thronjubiläum, und Fußball.
Sonntag hatte ich zum ersten Mal Zeit für einen reinen Freizeitspaziergang. Der führte mich bei gutem Wetter an die Wasserpromenade, wo am Sonntag sehr viele Menschen unterwegs waren. Endlich hatte ich Zeit, das Panorama voll zu genießen. Die Isle of White liegt viel näher an der Küste als man denkt, man sieht die Häuser der nächsten Stadt am anderen Ufer. Dazwischen herrscht ein reger Verkehr, drei unterschiedliche Fährlinien pendeln hin und her, darunter Katamaran und ein Luftkissenboote. Dazu kommen aus Southampton richtig große Kreuzfahrtschiffe. Der Strand ist bestenfalls steinig und zum großen Teil von einer Seemauer abgeschirmt, an die bei Flut das Wasser direkt klatscht. Wasser und Strand können bei weitem nicht mit der Ostsee mithalten, viel Tang und alles etwas schmutzig. Dafür die Seeluft, die Sonne, die Schiffe – da bin ich ein gutes Stück mehr in Portsmouth angekommen, auch wenn Southampton soviel toller sein soll. Das alles auch praktisch vor meiner Haustür. Am westlichen Ende der Mauer ist wieder Steinstrand bis zum Horizont und davor eine Seebrücke, wie immer in England vollgepackt mit einem angestaubten Casino. Die Straße hoch wohne schon ich. Mein Viertel ist ja das südlichste in Portsmouth, Southsea. Entsprechend dem Namen ist der Promenade vorgelagert ein breiter Grünstreifen, teilweise mit Palmen, der einen fast französischen Eindruck macht. Genau wie ja das ganze Viertel mit kontinentalem Charme kokettiert.
Der "Spinnaker" Turm im Hafen, gesehen von der Fähre, die zwischen Ost- und Westufer pendelt.
Die Autofähre zur Isle of Wight läuft aus. Von der Hafenfähre gesehen.

Sonntag an der Promenade. 
Die Seebrücke.
Die Seebrücke am Ende meines Spaziergangs. Fünf Minuten nach links wohne ich.
Blick vom Strand zur Isle of Wight.
Blick den Strang entlang nach Osten, mit der Seebrücke im Rücken.
Die Isle of Wight von der Strandpromenade aus gesehen. Was die Betoninseln machen, weiß ich noch nicht.
Sie Strandpromenade mit Seemauer.
Blick von der Strandpromenade zum Hafen mit Spinnaker Turm im Westen.
Die Autofähre läuft zur Isle of Wight. Vom Strand aus gesehen.
Die Passagierfähre aus Le Havre läuft ein.

Die Luftkissenfähre läuft aus dem Hafen zur Isle of White aus, von der der Katamaran gerade zurückkommt.
Luftkissen- und Autofähre vor der Hafeneinfahrt.
Die Autofähre läuft von der Isle of White ein, vor der gerade ein Kreuzfahrtschiff aus Southampton entlangläuft.
Ein Kreuzfahrtschiff vor der Isle of White, vom Strand in Portsmouth aus gesehen.
Das Kreuzfahrtschiff fährt aus Hohe See.
Die Fähre aus Le Havre läuft ein. Abends von der Hafenfähre aus gesehen.
Hinter der Fähre aus Frankreich läuft die Autofähre von der Isle of White ein.
Blick ins Hafeninnere bei Abendlicht. Am Ende der Bucht fahre ich jeden Morgen mit dem Bus zur Arbeit entlang.
Mein schönes neues, preiswertes Fahrrad, traditionell blau und etwas zu klein!

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