Nun wurde das ganze erstmal schlechter, bevor es besser wurde. Ich
hatte mich ja aus rein romantischen Gründen entschieden, erst kurz
vor Arbeitsbeginn nach England zu fahren und war das Risiko
eingegangen, die vorher über das Internet mit Wohnungsagenturen
besprochenen Quartiere dann ohne zeitlichen Spielraum auch mehr oder
weniger nehmen zu müssen. Dienstag morgen ging es bei andauerndem
Nieselregen aus dem Hostel ganz in den Norden der Stadt zur
Besichtigung. Ich wollte im Norden wohnen, um die Arbeitsanfahrt zu
verkürzen. Denn Portsmouth ist eine Insel und alle Ausfallstraße
gehen durch den Norden. Überhaupt war die Verkehrsanbindung der
Grund, Portsmouth Southampton vorzuziehen, abgesehen von der hier
öffentlich zugänglichen Unibibliothek. Nun, als ich also nach
langem Laufen das völlig leere Minizimmer mit Etagenbad und -küche
zu sehen bekam, musste ich schon schlucken. Aber gut, Bett und
Kommode wurden mir auf Wunsch reingestellt. Auch brachte Recherche
bei den benachbarten Maklern zutage, dass nur diese Agentur
Einzelzimmer vermietet. Im allgemeinen kauft man hier nämlich ein
ganzes Haus, oder mietet es zumindest im ganzen. Das Zimmer hätte
ich also haben können, würde ich sofort 400 Pfund einzahlen und
später noch mehr für Kaution, Provision und erste Miete. Nun,
erstmal bin ich zurück ins Zentrum gelaufen, wobei ich auf dem Weg
schonmal das lokale polnische Netzwerk angezapft habe. Marcin in der
Bank und Magda im Handyladen erzählten mir neben viel nützlichen
informellen Inforationen vor allem, dass Southampton viel besser ist
als Portsmouth. Die Wohnungssorgen weiter im Kopf schlenderte ich
anschließend zum Unigelände und dort zufällig direkt in die
Wohnungsberatung. Schon in der Information erfuhr ich, dass meine
Agentur den schlechtesten Ruf der ganzen Stadt hat, die Hilflosigkeit
von Neuankömmlingen gerne ausnutzt und Kautionen einbehält. Meine
Lageeinschätzung ließ sich sehr gut in einem Wort zusammenfassen.
Schließlich war es praktisch unmöglich, innerhalb einiger Stunden
etwas anderes zu finden. Ich nahm mir dann aber noch ein Liste von
Untermieteangeboten mit, auch wenn die eigentlich nur Studenten
wollen, und eigentlich hätte die Uni mir sowieso nicht helfen
müssen.
Nun machte ich doch wieder eine Erfahrung, die ich über die Jahre
eigentlich immer wieder erlebt hatte, nämlich das es nie ganz so
schlimm kommt und man immer eine Lösung findet, wenn man erstmal vor
Ort ist. Schnell war die Liste durchprobiert und tatsächlich zwei
Leute auch zur Arbeitszeit erreicht, die in der Tat auch
Nichtstudenten nehmen würden. Hätte ich mit ähnlichem Druck meine
Arbeit suchen müssen, hätte sich das derzeitige Problem nie
gestellt. Ich konnte mir beide Häuser auch gleich angucken, beide
waren sehr schön, und das zweite habe ich dann auch genommen –
noch rechtzeitig, um anschließend das Spiel der polnischen
Mannschaft im Gemeinschaftsraum des Hostels zu sehen, das auf einmal
viel freundlicher wirkte. Bin ich in Rostock ein optimistischerer
Mensch geworden, so hat sich die Risikobereitschaft gerade
ausgezahlt. Übrigens auch finanziell, denn so spare ich neben Nerven
gute 300 Pfund Vermittlungsgebühr. So ging ich vor dem ersten
Arbeitstag vertrauensvoll schlafen.
 |
| Mein Bett und Wäschetrockner, hinter dem Vorhang links hängen Jacke und Anzug. |
 |
| Schreibtisch und Fenster mit Blick in den Hof. |
 |
| Dusche. |
 |
| Restliches Bad. |
 |
Die Gemeinschaftsküche, neben der Spüle meine neue Thermoskanne damit man nach dem Aufstehen oder nach der Arbeit nie ohne warmen Tee dasteht.
|
 |
| Durchgang von der Küche in den Hof. |
 |
| Der Hof, wo auch mein Fahrrad stehen wird. |
 |
|
Blick vom Hof zu meinem Zimmer mit dem offenen Fenster. Unten die Fahrräder der noch abwesenden Mitbewohner.
|
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen