Dienstag, 19. Juni 2012

15.06.2012


Am Freitag, Tag drei, habe ich endlich erfahren, was wir eigentlich machen! Für solche Details hatte meine Chefin nicht die Zeit gehabt, sodass ich es mir so nach und nach zusammenklauben musste. Gut, dass ich keine Angst habe zu fragen (vor allem nach den inflationären Abkürzungen) und mir die anfängliche Verwirrung dann doch irgendwo bekannt ist – vielleicht waren die Praktikas doch nicht ganz umsonst. Trotzdem bin ich immer wieder erleichtert, wenn die Antwort dann doch nichts völlig offensichtliches ist und ich mich nicht so schwer von Begriff fühle wie z.B. seinerzeit bei Motyka. Es sieht also so aus: 2011 wurde in Großbritannien ja eine komplette Volkszählung durchgeführt. Die hatte ich ja selbst als Anwohner auch noch ausgefüllt. Die Daten werden seitdem zusammengezählt und der erste Teil soll in nicht allzuferner Zeit (wann genau darf ich nicht sagen!) veröffentlicht werden. Ich arbeite in der Volkszählungsabteilung, genauer gesagt in der Veröffentlichungsabteilung, noch genauer gesagt im Team „Analyse und Maßnahmen“ - und das klingt auf englisch noch eindrucksvoller. Wir schreiben am Kommentar zu dieser Veröffentlichung. Dazu wurde festgelegt, welche Daten besprochen werden sollen und wir denken uns dazu vermutlich neben einer genehmen Botschaft noch schicke Seitengestaltung aus. Also nicht nur Analyse, sondern auch Publikation – passt mir doch recht genau ins Konzept. Die ersten Tage habe ich damit verbracht, zu verschiedenen Themen Vergleichsdaten zu suchen, die nicht aus der Volkszählung kommen. Das macht mir schon Spaß, Informationen zu jagen. Die britischen Statistiken bieten auch eine Menge Gelegenheit zur Schnitzeljagd, da sie im Gegensatz zu anderen Ländern und Organisationen nicht sehr zentralisiert sind. Je nach Thema sucht man da bei anderen Ministerien und Vereinen. Wir bereiten unsere Version zur letzten Prüfung vor. Darum arbeiten wir auch die nächsten zwei Wochenenden durch, das heißt drei Wochen ohne Pause. Außerhalb der Arbeit ist die erste Woche natürlich vollständig von Organisation und Einrichtung beansprucht worden, das erste freie Wochenende wird meinen bulgarischen Freunden in Birmingham gehören, sodass ich diesmal meine Stadt frühestens in einem Monat wirklich erkunden werden kann, ganz zu schweigen von der Umgebung und der Isle of Wight.

 Auf der Rückfahrt aus Titchfield fällt mir einmal mehr auf, welchen Unterschied das Wetter macht. Scheint bei Feierabend die Sonne, sehe ich vom Bus pittoreske Dörfer; bei Regen dagegen nur lebensfeindliche Sozialblocks. Anstatt dem direkten Bus nach Portsmouth probiere ich einmal den, der zu Fähre am Westufer des Hafens fährt. Von dort setze ich in der Abendsonne über, was sich auch nach langen Arbeitsstunden als beste Entspannung erweist. Zu Hause dagegen fällt mir auf, dass englische Häuser alle einen spezifischen Geruch haben. Leicht süßlich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen