Dienstag, 29. April 2025

Wandern

Am letzten Samstag habe ich um den Nachmittag gebeten um wandern zu gehen. Bisher bin ich das gesamte Jahr nicht allein rausgekommen und habe dadurch den besten Teil des Fruehlings verpasst. Ich habe dann eine neue Strecke um die Ditcham Park School ausprobiert, eine Privatschule auf einem Huegel direkt am South Downs Weg. Ich habe gemerkt, wie ausser Form ich bin; beim nicht besonders steilen Aufstieg habe ich abwechselnd gekeucht und gegaehnt. Die Blicke waren nett aber nicht so toll wie auf anderen Routen. Einige Abschnitte erinnerten an den Harz, und einmal rannten zwei Rehe vor mir weg. Die Schule hat einen huebschen kleinen Spielplatz fuer die angeschlossene Kita, unter Baeumen, dass waere was fuer Sebbi.

Am Morgen hatten wir uns einen faltbaren Bollerwagen ausgeliehen. Damit will ich einige Sachen testen, bevor wir kaufen. Die Kinder sind begeistert. Ich bin abends mit ihnen zusammen ans Meer gelaufen.

Da sind wir tags drauf zu viert hingegangen und haben einige Stunden mit der Familie von Ottos besten Schulfreund verbracht. Denn der Fruehling ist vorbei, der Sommer ist bereits da. Ich habe grosse Angst vor Hitzewellen. Nachmittags sind wir zur Modelleisenbahn im Park gegangen. Die hat ab April wieder auf. Sebbi war letztes Jahr schnmal drauf, aber ich glaube erst jetzt kriegt er das bewusst mit und ihm hat es besonders Spass gemacht.

Spaeter sass ich an einen Baum gelehnt und tagtraeumte, waehrend Otto auf mir lag.

Sebbi

ist auch sehr lieb, entwickelt aber die Faehigkeiten zu Trotz und Aufstand. Leider schaukeln sich beide Jungs dann gegenseitig hoch.

Otto

Otto war diese Woche sehr lieb. Die Routine seit Schulbeginn tut ihm sichtlich gut. Die Abende mit ihm machen mir richtig Spass, wenn wir zu zweit etwas spielen und dann lesen.

Wir pflanzen eine Menge im Garten. Letztens Fenchel, Lein, Radieschen und Basilikum. Die Kartoffel waechst tatsaechlich in ihrem Topf. Wir wollen ihr dieses Mal mehr Raum geben und haben zwei grosse Pflanzsaecke gekauft. Die kann man an der Seite aufklappen und hoffentlich die Knollen in der Erde sehen.
 

Johannes

Ich habe mich jetzt fuer James Bonds "Moonraker" entschieden.
 



Mittwoch, 23. April 2025

Ostern

Zurueck in England wollte ich in den letzten zwei freien Tagen unbedingt raus in die Natur fahren. Denn wenn man nicht aufpasst, kommt man zwischen der endlosen Hausarbeit und Sebbis Mittagschlaf ganz schnell gar nicht aus dem Haus.

Vom Flugzeug aus hatte ich gesehen, dass der Raps schon zu verbluehen beginnt. Ostersonntag sind wir daher in die Hasengloeckchen gefahren, bevor die das gleiche machen. Wir haben sie auch die beste Zeit erwischt. Das Waldstueck war voller Familien und dem Osterhasen. Auch Otto und Sebbi fanden immer wieder ein kleines Ei.

Im Anschluss sind wir spontan im Nachhaltigkeitszentrum essen gefahren, wo wir schonmal da waren. Besser als nach Hause zu hetzen, hastig zu kochen und zu essen, damit Sebbi schlafen gehen kann. Die Natur ist ueberall so schoen und es tut mir so gut, wie jedes Jahr kleinen Pflanzen aus der Erde kommen.

Auch in unserem Garten stehen ein paar Hasengloeckchen, und von unseren Erbsen haben zwei die Reise ueberlebt. Wir haben zwei Stoecker aus dem Wald mitgebracht, an denen sie klettern koennen. Und ich habe noch schnell Bohnen und Petersilie eingepflanzt.

Ostermontag ging dann tatsaechlich fuer Einkaufen und Hausarbeit drauf. Das deprimiert mich immer richtig, aber besonders nach dem Urlaub. Nachmittags sind wir nochmal zusammen auf den Spielplatz im Park gegangen, aber das ist nicht dasselbe.

 

Sebbi

ist jetzt in der "meins!" Phase angekommen und will alles haben, besonders wenn es Otto gerade hat. Ich ueberlege ob sie wirklich ein Zimmer teilen sollten.


Otto

ist weiter aufgekratzt. Nicht klar ob das wirklich nur die Reise Umstellung ist. Wir geben ihm weiter weniger den Nuckel. Langsam ist ihm der auch peinlich, etwa wenn Besucher kommen. Aber es strengt ihn abends merklich an.

Die neuen Buecher aus Deutschland kommen bei Otto sehr gut an.


Johannes

Wir haben eine Beschwerde bei British Airways eingereicht. Mal gucken was passiert.

Die Veraenderung des Urlaubs hat mich an alle Dinge erinnert, die mich im Alltag stoeren. Das ich Ellie fast nie richtig sehe, dass ich nie Zeit fuer andere Sachen als Arbeit und Kinder habe, nicht mal fuer dringende. Aber schnell gewoehnt man sich wieder an den Alltag.

Ich habe die Probe einer Walter Ulbricht Biographie durchgelesen. Sehr interessant, aber ich weiss nicht, ob ich ein grosses neues Buch anfangen will. Vielleicht lese ich einen neuen Band James Bond.

 


 

Samstag, 19. April 2025

Rostock

6 April
Absolutes Drama. Beim Online Einchecken hatte ich am Vortag entdeckt, dass ich bei der Flugbuchung Sebbis Namen falsch geschrieben hatte. Der Kundendienst braucht ziemlich lange, bis sie die kleine Korrektur zu verstehen scheinen. Ich rufe noch ein zweites Mal an, um sicher zu gehen, und mir wird versichert, dass es bis zum Flug korrigiert sein wird.
Aber am Schalter ist der Name natuerlich noch immer falsch. Eine Stunde lang versucht der Mann, das naechste Team anzurufen. Hinter mir sitzt meine Familie auf den harten Fliesen. Otto ist natuerlich krank geworden und welkt vor sich hin; nicht, dass er das zugeben wuerde. Sebbi sollte jetzt eigentlich Mittagschlaf halten, und Ellie braucht eigentlich ihre gesamte Selbstkontrolle gegen ihre Flugangst. Wir verpassen unseren Flug. Ich bin mehrmals entschlossen, alles abzublasen. Otto flippt aus und bruellt seine letzte Kraft heraus, bevor er auf meiner Schulter zusammenbricht und keinen Mucks mehr von sich gibt. Wir werden umgebucht. Weitere zweieinhalb Stunden, die meine Familie durchhalten muss. Wir gehen essen; Otto nimmt nur Eis zu sich. Sebbi wird hippelig und dann verrueckt. Ellie geht es nicht gut.
Endlich sind wir am Gate. Wir steigen als letzte ein, um den Kindern die Enge zu ersparen. Vor dem Tunnel zum Flugzeug kotzt Otto ploetzlich. Ich weiss nicht: ist das nur, weil er nur Eis gegessen hat? Oder ist er kraenker als gedacht und sollte nach Hause? Gottseidank hat Ellie Wechselsachen fuer ihn im Rucksack. Wir steigen ein. Ellie schaltet ab. Krallt sich am Vordersitz fest. Otto ist ganz still.
In der Luft erholen sich die Kinder. Sebbi stellt sich auf meine Knie und guckt neugierig ueber die Sitze. Irgendwann geht es auch Ellie besser.
Nach der Landung trage ich Otto durch die Passkontrolle und bis zur Gepaeckausgabe. Dann tapst er uns langsam hinterher. Ich wuenschte, er muesste nicht tapfer sein. Aber wir muessen noch diverse Fahrstuehle hoch und runter, zur S-Bahn, zum Bahnhof Schoenefeld, die langen Rampen hoch und zum Hotel. Meine armen kleinen Kinder. Meine arme Frau. Keiner von denen sollte so eine Tortur ertragen muessen. Unsere Zimmer sind eine Oase. Die Kinder kriegen was zu essen und dann gehen alle schlafen.

Wir wissen noch nicht, dass British Airways den groessten Bock gerade erst geschossen hatten.
 
7. April
Der naechste Tag beginnt so schoen. Otto ist bei Kraeften und uns erwartet ein Hotelfruehstueck. Der Zuganschluss ist einfach; die Sitzplatzbuchung im Familienbereich des IC zahlt sich aus. Ich folge Sebbi auf ausgedehnten Wanderungen, genau wie drei Jahre vorher Otto. Otto und ich kaufen Ellie etwas Suesses. Brandenburg, Mecklenburg. Rostock. Aufgrund einer Verspaetung kurz vor Ankunft warten die Grosseltern am Bahnhof leider viel zu lange auf uns. Wir uebergeben das Gepaeck und fahren dann mit der Strassenbahn in den Winkel.
Dort spielen die Kinder im Garten, bis wir ins Quartier koennen. Und fuenfzehn Minuten vorher faellt Sebbi eine schwere Steinplatte auf den grossen Zeh. Blut, Schwellung; wir nehmen ernsthaft einen Bruch in Betracht. Eine Sekunde habe ich nicht hingeguckt. Kann auch kein Mensch. Aber ich fuehle mich trotzdem schuldig. Was fuer eine Reise fuer meinen kleinen Kinder. Wir verbinden, dann schlaeft Sebbi vor Erschoepfung eine Weile.
In der Zeit renne ich zum Quartier und hole die Schluessel ab. Das Haus scheint nicht gut. Tuerklinken fallen ab; die Haupttreppe laesst sich so nicht vor Sebbi absperren. Zerbrechliches in Babyreichweiter. Das Rollo im Bad ist kaputt. Die Schlafzimmer lassen sich nicht abdunkeln. Das Doppelbett fuer Ellie sind eigentlich zwei Einzelbetten, sodass Ellie neben Sebbi immer auf den harten Kanten liegen wird. Das einzige echte Doppelbett ist in einem Zimmer im ersten Stock mit einer Tuer ins Nichts. Griff selbst fuer Sebbi einfach zu oeffnen. Im Garten ist eine offene Wassertonne. Mein Herz rutscht in die Hose; wie soll ich Ellie das sagen, nach der Katastrophe mit Sebbi.

Wir ziehen ein und geben Otto eine strenge Sicherheitswarnung. Spaeter merke ich, dass wir ihm damit richtig Angst gemacht haben.
 
8 April
Ellie will umziehen; ich bitte um eine weitere Nacht. Wir haben es geschafft die Schlafzimmer abzudunkeln und die meisten Räume abgesperrt, damit die Kinder gar nicht erst reinkommen. Eigentlich koennten wir schlafen, aber jetzt hustet Sebbi die ganze Nacht durch.
Tags gehen wir zu Norma einkaufen und pflanzen Blumen in Omas Garten. Otto ist schwierig. Mir schwant, dass wir ihm richtig Angst vor dem Haus gemacht haben und er sich nicht sicher fühlt.

9 Apri
Allie lieben den Spielplatz hinter der Biestower Kirche. Die Kinder den Sand und die Spielzeugkiste. Ich die Wiese davor und die Kirche und die Stoerche. Sebbi liebt die Glocken. Wir sehen den Storch im Nest. Die Kinder schnappen deutsche Worte auf

Otto bleibt allgemein schwierig; ich finde wenig Zeit fuer die Großeltern. Mittags probieren die Kinder Rahmspinat. Sebbi mag es, Otto nicht. Aber ich glaube, er kaempft mehr mit der ungewohnten Athmosphaere, insbesondere wenn seine Mami zur Mittagszeit mit Sebbi ins Schlafzimmer verschwindet. Er zieht sich schnell aufs Sofa zurueck, und offensichtlich in seine eigene Welt. Ich fuehle mich dazwischen zerrissen ihm zu helfen und mit meinen Grosseltern zu sprechen.
 
Nachmittags fahren wir zu viert mit der Straßenbahn zur Bäckerei im Kosmos. Das ist bei den Kindern beliebt. Ich zeige Omas alte Wohnung.
 
Dafuer kommen wir immer besser mit dem Haus klar. Es stellt sich raus, dass die Wassertonne nicht tief ist; die meisten Räume sperren wir ab, und mit nur Küche und Wohnzimmer geht es gut.
Das Tischfussballspiel ist ein großer Hit. Ich kann mir vorstellen, wie man mit Erwachsenen hier großen Spaß haben und durch Stadt und Land radeln kann. Irgendwann, mit Friedemann.
 
Ich genieße die Vertrautheit von Biestow. Träume davon auf Bank zwischen Blumen Geschichte zu lesen. Über Land zu radeln. Fühle zum ersten Mal, wie sich die Lage des Quartiers auszahlt. Und der Plan möglichst wenig zu machen. Aber auch die Versuchung zu Ausflügen. Es wird nie genug Zeit sein. Dafuer müsste man hier wohnen und jeden Tag frei haben.
 

10 April
Wir laufen zu meinem alten Spielplatz am Kringelgraben. Seit Ottos Geburt hatte ich mir vorgestellt eines Tages meine Kinder dort spielen zu sehen. Papa trifft aus Sassnitz ein. Wir besuchen kurz meine alte Kita.
Wir besuchen jeden Tag eine Bäckerei. Im Quartier kochen wir Mittag und gehen nachmittags in den Winkel. Die Kinder lernen die Dachterrasse kennen. Mir tut es insgeheim leid, dass wir nicht mehr Zeit dort verbringen, sehe aber keine Art und Weise, die auch Spass machen wuerde. Ellie kümmert sich um die Kinder, damit ich mich mal unterhalten kann. Spaeter geht sie mit Otto einkaufen; Otto übersetzt an der Kasse.
Abends schaffe ich es das erste Mal aus dem Schlafzimmer zu entkommen und kann mich mit Papa unterhalten.

11 April 
Gleich morgens gehe ich mit Sebbi zu den Hühnern beim Bauernhaus. Wir kommen wegen einer weiteren Beerdigung wieder nicht in die Kirche.
Mit Papa fahren wir alle zusammen in den Zoo. Die Kinder sind sehr beeindruckt von Eisbären und Pinguinen und vor allem dem Darwineum. Aber sie sind auch schnell erschöpft und das letzte Drittel ist eigentlich Stress.
 
Zu Hause war Mutti angekommen, die auf Otto Wunder wirkt. Eine Freude sie zusammen zu sehen. Sie bringt auch einen sehr beliebten Bollerwagen, der bei müden Kindern hilft. Wird sofort zum Zankapfel zwischen beiden. Später ziehe ich Sebbi damit nochmal zu den Pferden. Und ich treffe kurz Magdalena. Wir können das erste Mal richtig nett zusammen sitzen. Otto war teilweise wieder sehr anstrengend und ich hinterfrage meine Faehigkeiten als Vater.
 
Ich denke weiter, was für eine tolle Stadt Rostock ist.
Beide Kinder machen spürbare Fortschritte in Deutsch. Aber selbst Ellie versteht sehr viel und kann sich genügend ausdrücken.

12 April
Der Bollerwagen ist einer großer Hit und stark umkämpft. Morgens geht es mit ihm, Papa und beiden Kindern zu den Pferden und Schafen und dann zum Winkel. Das geht jetzt, denn Otto liebt Oma und will den ganzen Tag mit ihr verbringen. Ellie, ich und Sebbi konnten sogar einkaufen gehen, während Otto zu Hause spielte. Zum ersten Mal haben wir zusammen Mittag gegessen.
Danach gingen wir mit Rieke und Otto zum Spielplatz hinter der Kirche. Sebbi kam nach seinem Mittagschlaf samt Mutti und Oma. Da haben wir mehrere Stunden gespielt. Otto verkauft Sandkuchen und -eis in seinem Laden. Rieke, Sebbi und ich gehen kurz an den Teich beim Storchennest und zum Kirchhof. Wir entdecken einen Geheimgang in einem Busch. Die einfachste Aktivitaeten sind hier auch die besten: es ist gut sehr wenig zu machen. Und das naher Quartier zahlt sich damit inzwischen auch aus.

Später gibt es im Winkel Kuchen und Eis und dann spielen wir im Garten gespielt. Mit Mutti ist alles einfach. Später verbringt sie mit Otto im Bollerwagen lange Zeit auf einem anderen Spielplatz .
Otto war viel entspannter und der Bollerwagen macht vieles einfacher, wenn die Kinder müde werden.
Beide Kinder sind wieder gesund und halten viel länger durch.
Und sie lernen soviel Deutsch. Keines hat irgendwelche Probleme zu kommunizieren. Sebbi stellt sein Kernvokubalur innerhalb weniger Tage auf Ja und Nein und Essen um. Otto kann seiner Mutter übersetzen. Ich bin begeistert. Wir haben alle großen Probleme gelöst und können jetzt richtig entspannen und den Kindern ihre Familie und Deutschland näher bringen.
 
Ottos besonderes Hobby: Unkraut jäten. Gaertnern scheint ihn allgemein wirklich zu interessieren. Gut zu wissen. Bisher hat er relativ wenig echtes, eigenes Interesse an Sachen ohne Bildschirm gezeigt. Aber er braucht weiterhin regelmaessig Schutz durch Kuscheln.
 
Es ist schön, dass wir einfach bei den Grosseltern sein können. Das Quartier ist kein Thema mehr. Wir haben eine Routine gefunden, in der wir 18 Uhr nach Hause gehen und da essen machen. Wenn ich kann, gehe ich mit Sebbi nochmal aufs Feld. Danach gehen wir schlafen. Fuer Ellie ist der Tag damit zu Ende, aber ich schaffe es inzwischen jeden Abend nach unten, um Hausarbeiten zu erledigen. Oder in Ruhe mit meiner Familie zu sprechen, wenn jemand rueber kommt.

13 April
Plötzlich ist das Ende wieder sichtbar. Plötzlich wieder die Trauer und das Bedauern der Vergänglichkeit dieser Zeit. Vier Tage nur noch. Soviel Sachen die wir nicht mehr machen können.
Heute sind wir alle zusammen vormittags in den Anemonenwald von Pölchow gefahren, wo ich selbst als kleines Kind gelaufen war. Die Kinder sind nur halb interessiert, aber nichtsdestotrotz tut es mir gut sie zwischen Buchen und Anemonen zu sehen. Wir machen schöne Bilder mit den Großeltern. Ich bekomme Lust eine Buche zu pflanzen.
Otto aß wieder Mittag mit und lobte es sogar. Die Kinder rennen wie wahnsinnig durch den Garten und Otto gaertnert. Dann gingen wir auf den Spielplatz 
Abends kam Rieke zum Quartier. Konnte man sich endlich mal richtig persönlich unterhalten.
 
Sannis Wimmelbuch ist der Knaller.

14 April 
Wir fahren das erste Mal in die Stadt. Sebbi ist schwer beeindruckt, dass er in einem Lieferwagen faehrt. Die Kinder fahren Karussell auf Ostermarkt und bekommen schöne Bücher. Am liebsten wuerde noch viel mehr kaufen, aber dafuer fehlt im Haus der Platz. Wir assen am Ende im Rostocker Hof. Nachmittags gab es Unkraut zu jäten und dann Spielplatz fuer alle.


15 April
Vormittags scheitert der Versuch, den Kindern deutsche Pässe zu besorgen. Am Ende bin ich nur gezwungen mich selbst abzumelden. Jetzt geht es nur über die Botschaft in London und das ist so schwierig das ich es mir nicht antun werde. Ist vielleicht so beabsichtigt.
Beide Kinder machten es uns schwer. Sebbi hat eine neue Erkältung und Bindehautentzündung und Otto flippt staendig aus. Ellie meint er muss zurück in seinen Alltag. Aber ich denke lieber nicht an die baldige Abreise.
Wir anderen entwickeln auch alle eine Erkältung, inklusive der Großeltern. Nachmittags sind wir im Winkel und Garten. Ich bekam Unterstützung, damit ich mal mit Großeltern reden kann.
Otto und Mutti bauten eine Bude gebaut und mit Rieke übte er Knoten. Ich habe ihn das erste mal ganze Sätze auf deutsch bilden gehört. Und auch Sebi spricht sehr viel deutsch. Zwei Monate hier und sie wuerden fliessend sprechen

16 April 
Wir fahren allesamt nach Warnemünde. Mutti und wir mit Auto, Rieke per S-Bahn und später stoesst Papa dazu, der nochmal fuer einen Tag aus Sassnitz kommt. Es wird ein langer Tag. Die Kinder lieben das Wasser und den Sandstrand. Sebbi huepft und tanzt vor Freude. Aber er ist auch krank und brauchte irgendwann Schlaf, was Ellie irgendwie in einem Park schaffte. Otto insbesondere liebt jetzt Warnemünde. Wir hatten Glück das wir es nicht zu voll war, denn Wetter war fantastisch. Zum Glück hatte Ellie, anders als ich, die Dauer vorhergesehen und Proviant gepackt. Oma hat Otto wieder viel betreut.
Zurück bin ich mit Otto S-Bahn gefahren. Wir waren abends alle erschlagen. Und ich spuere zunehmende Trauer ob des Abschieds.

17 April
Grösstenteils einfache Kinderunterhaltung. Abschieds Stimmung laesst sich nicht mehr ignorieren. Packen. Ble.
Mutti, ich und Sebbi bringen Rieke zum Bahnhof. Anschliessend fahren wir auf meine Bitte noch zu dritt nach Sildemow. Zwischen zwei Häusern auf dem Hügel am Rand fuehrt ein Weg aufs Feld, wo man Rostock im Panorama sieht. Sebbi laeuft durch das gruene Feld; hinten faehrt ein ICE durch die Landschaft.

Vermissen werde ich: Vogelgesang, Pferde und Schafe um die Ecke, die Bäume und das Grün und die Kirche.
 
Ottos Stimmung war auch sichtbar angegriffen. Er wollte im Quartier erstmal gedrückt werden und dann allein Tablet spielen ohne einen Mucks zu sagen. Später guckte er gedankenverloren aus dem Schlafzimmer Fenster auf die Bäume des Friedhofs gegenüber und hörte den Vögel zu. Genauso wie ich es machen würde. Sagte, er würde am liebsten für immer in Rostock bleiben. Der Junge hat meine Emotionen geerbt. Hatte ich auch schon lange vermutet.
Habe mir noch ein Mosaik Heft gekauft der Erinnerung wegen und otto hat tatsächlich zugehört als ich es ihm im Bett vorlas
Der raps wird ganz plötzlich gelb und ich sehe das Ende eines weiteren Frühlings Kommen ohne das ich jemals wirklich raus konnte 

18 April
Der Abschied war traurig, aber Kinderbetreuung laesst einen zum Glueck nicht zu sehr Nachdenken. Die Bahnfahrt lief glatt, und es haette alles so einfach sein koennen. Ich wollte eigentlich einfach ein bisschen nostalgisch den RBB gucken aber... Als erstes war da das Hotel. Zwei Zimmer nebeneinander, sogar mit Verbindungstuer. Leider finden wir dann raus, dass die Fenster sich wie eine Tuer oeffnen lassen, bis zum Boden, ohne jedwede Sicherung. Im vierten Stock. Und der Riegel sogar fuer Sebbi erreichbar. Also ziehen wir sofort in ein anderes Zimmer, auch das mit Verbindung.
Der echte Hammer aber kommt noch. Ich wundere mich, weshalb die App seit dem Nachmittag den Flug nicht mehr anzeigt. Nur um sicher zu gehen, laufe ich zum Flughafen, als die Kinder schlafen. Und dort erwische ich gerade so die Leute, die geraden den BA Schalter zu machen. Und die bestaetigen, dass wir nicht auf der Liste fuer den Flug am naechsten Tag stehen. Die Umbuchung des Hinfluges hat das scheinbar automatisch gemacht. Niemand hat uns das gesagt - vermutlich wusste das Personal es selber nicht. Wir hatten kurz vorher sogar noch Emails bezueglich des Rueckflugs erhalten. Ich in voelliger Panik, um 20 Uhr. Mir wird nur eine Telefonnummer gegeben, die sich als Notfallnummer der BA rausstellt. Zu meiner grossen Ueberraschung schaffe ich es ueber die naechsten drei Stunden tatsaechlich, unsere Tickets wieder zu aktivieren. Wir werden sogar zusammen sitzen, ohne das der ganze Flug unmoeglich waere. Aber dann ist es 23 Uhr, aber an Schlaf ist vor Stress sowieso nicht mehr zu denken.
 
19. April
Ich laufe nach dem Fruehstueck zum Flughafen und bestaetige, dass wir tatsaechlich im System sind. Ich lerne, dass ich mit Kindern viel mehr Zeit fuer alle Wege berechnen muss. Aber ansonsten kommen wir glatt zurueck. Otto ist traurig, aber ich will nur noch nach Hause.
 
Wir hatten so ein Glueck im Unglueck. Haetten wir nicht direkt am Flughafen gewohnt. Waeren wir nicht so misstrauisch gewesen. Waere ich fuenf Minuten spaeter an den Schalter gekommen. Haetten die nicht diese Nummer gekannt. Ich haette wiederum mit zwei kleinen Kindern und einer Frau mit Flugangst ohne Flug und ohne Unterkunft dagestanden.
 
Es bleibt, wie immer, Trauer, dass man soweit weg ist.

Sonntag, 30. März 2025

Droxford & London

Sonntag hatte Ellie die gute Idee, ein Picknick auf dem Kirchhof von Droxford zu machen. Anschließend haben beide Kinder lange Zeit im Bach gespielt. Für Sebbi es das erste mal und Otto war diesmal besonders begeistert. War ewig im kalten Wasser und ist einmal von einem Ufer zum anderen gewatet. 
Die lokalen Reiter fuehrten wieder ihre Pferde durchs Wasser und liessen sie danach streicheln. Otto sagte letztens das er mal reiten probieren will. Sebbi konnte eine Stunde auf seiner Mami unter einem Baum  schlafen. Dafür kam Ottos derzeit bester Schulfreund Eddie mit Familie vorbei.
 
Wir blieben so lange, dass wir nachmittags nochmal die Picknick rausholten und später beschäftigten sich die Kinder lange in der Spielecke der Kirche. Otto setzte sich vor allem hin und übte schreiben.
 
Droxford ist so ein schöner Ort. Natur, Frühling, die Vögel sangen in allen Büschen. Tiere auf den Weiden. Über den Feldern kreisten Raubvögel. Blühende Weiden am rauschenden Bach. Ganz am Schluss sind wir noch auf den schönen Spielplatz des Dorfes gegangen. Sebbi beeindruckt mich mit seinen Bewegungsfertigkeiten. Der hat jetzt verstanden, wie man mit Haenden und Fuessen gleichzeitig eine Leiter hochklettert.
Nicht nur die Landschaft besticht, sondern alles riecht nach der guten Organisation von Einwohnern mit Geld und Freizeit. Haette ich mehrere Millionen uebrig koennte ich mir eins der schlechteren Haeuser kaufen und Mittelklasse spielen. Alte und älteste Geschichte. Wanderwege führen in die Wälder und ergruenenden Hügel auf beiden Seiten des Bachs. Es war ein richtig toller Tag. Irgendwann koennen die Jungs mit mir wandern.

Montag war ich auf einer weiteren Betriebsversammlung in London. So ein Tag ist immer angenehm. Die Fahrt ist nicht zu lang, und fuehrt durch die schoene Landschaften. Und ich habe endlich einige meiner langjaehrigen Mitbearbeiter persoenlich getroffen.
 


 

Samstag, 29. März 2025

Freitag und Samstag abend war Ellie bei ihrem Tanzkurs und dann auf ihrem ersten Auftritt seit sechs Jahren. Ich habe die Jungs im Garten beschaeftigt, Aepfel geschnitten und gekocht, und Mohn gesäht. Und zu meiner Überraschung wachsen die kuerzlich gepflanzten Erbsen wirklich.

Dann brachte ich die Kinder nacheinander ins Bett, wobei wir zuerst noch zu dritt in Ottos Zimmer gelesen haben. Das lief eigentlich ziemlich gut. Sebbi schlief erst nach langen Muehen ein, aber Otto schlief praktisch bereits, als ich zu ihm zurück kam. An sich ein Zeichen, dass er gross genug ist und sich sicher fuehlt. Trotzdem mochte ich eigentlich nicht das er alleine einschläft. Schliesslich ist er noch ein Baby.

Beide Kinder lieben weiterhin das Vivaldi-Klangbuch.  Besonders Sebbi verlaengt immer wieder nach La Folia, und beide Kinder tanzen bei einem Video mit.


Otto

Ellie brachte eine glänzende Einschätzende von Ottos zweitem Elternabend nach Hause. Schulisch, sozial und verhaltensmaessig entwickelt er sich wohl sehr gut. Was mich natuerlich freut und beruhigt, und auch unserem allgemeinen Eindruck entspricht. Die Schule tut ihm bisher sehr gut. Aber: auch heute noch halte ich kurz die Luft an, wenn Ellie berichtet.

schreibt sehr gern. Jeden Abend uebt er vor dem Schlafengehen seine Buchstaben. Und ich habe ihm einen Kompass und einen Magneten geschenkt.

Die Einschraenkung des Tabletkonsums geht relativ gut voran. Er kriegt momentan eine halbe Stunde morgens und nach der Schule. Er kommt auch ohne Nuckel klar, aber es kostet ihn spuerbar mehr Muehe.

 

Sebbi

Ich kann mich mit Sebbi vollständig unterhalten. Er artikuliert genug um zu Sehen, dass er Zusammenhänge begreift und komplexe Gedanken hat. Und er versteht praktisch alles was ich sage. So wie bei Otto damals wirkt es wie ein Wunder das man plötzlich in diesen kleinen Kopf rein gucken kann und es dort fast rational zugeht. Und er macht jetzt klar erkennbare Witze.


Johannes

Ich finde, dass es allgemein aufwaerts geht. Das merke ich daran, dass ich wieder mehr und anspruchsvoller lese. Vor allem Geschichte. Mein dickes Buch ueber das Mittelnaehe ist fast fertig und ich habe Proben einiger Buecher von Ilko-Sascha Kowalczuk gelesen. Will mich aber noch nicht auf etwas Grosses festlegen.

Nichtsdestotrotz lastet auf mir, dass ich mit Ellie nur abends ein wenig Zeit verbringe, und wir dann sogar fuer Smalltalk einfach zu fertig sind.


 
Eines Nachmittag ergab es sich, dass wir Sebbi alle zusammen von der Kita abholen konnten.


Montag, 24. März 2025

letztes Wochenende

Letztes Wochenende wollte ich eigentlich wandern gehen und den Fruehling sehen. Aber aehnlich wie ich es fuer den Tag vor dem Abflug nach Berlin befuerchte, wurde Ellie Freitag abend ploetzlich krank.

Samstag vormittag bin ich daher kurzentschlossen mit den Kindern auf diese Art Familienbauernhof namens Staunton gefahren, wegen frischer Luft und Auslauf und Fruehling und Tieren fuer Stadtkinder. War auch sehr schoen. Blueten an Blumen und Baeumen. Sebi bekam seine Hand beim Fuettern von einer Ziege abgelegt; Otto hat davor immer noch Schiss.

Und nachmittags bekam ich eine angenehme Ueberraschung: eine ehemalige Kollegin, mit der ich mich immer sehr gut verstanden hatte, wird sich nicht nur um die Katzen kuemmern wenn wir in Deutschland sind, sondern sie wohnt seit kurzem auch um die Ecke von uns. Die habe ich mit Sebbi auf dem Weg zum Meer besucht. Und es ist in unseren Umstaenden einfach sehr schoen, mal mit einem Erwachsenen zu reden. Das wirkt sich sofort auf die Stimmung aus.

Sonntag vormittag war ich mit den Kindern einkaufen, und nachmittags hatte ich eigentlich wandern gehen wollen. Die Krokusse sind schliesslich schon wieder vorbei. Aber als ich meine Schuhe anzog, jammerte Sebbi so sehr, dass er Dada behalten wollte, dass ich ihn kurzentschlossen mitnahm. Dann wandert man zwar weniger, aber wie sich rausstellte, war das Land ohnehin noch nicht fruehlingshaft. Ich fuhr mit Sebbi zur Hubertuskapelle, bei grauem Himmel und manchmal Regen. Aber die Voegel singen ueberall.

Die Hauptattraktion waren zwei riesige Bagger auf der Strasse vor der Kapelle. Die beschaeftigen Sebbi, seitdem bei uns eine Baustelle ist. Ich konnte mit spaeter etwas mit dem Kirchenvorsteher unterhalten. Dann liefen wir noch zur Pferdekoppel, wo Sebbi eine Pferdemami und -kind beim Essen sah, dann Pferdeaeppel, dann eine Reiterin, und schliesslich einen schwarzen Hengst, der laut wiehernd seine Koppel rauf- und runter gallopierte. Das alles hat Sebbi mitgeschnitten und verarbeitet. Otto haette das keine Minute mitgemacht eher er lautstark die Bagger zurueck gefordert haette.


Beide Kinder, aber vor allem Sebbi, sind vom Vivaldi Soundbuch begeistert. Sebbi sagt den ganzen Tag "La Follia!" .

Wir versuchen, sowohl Ottos Bildschirme als auch Nuckel einzuschraenken. Mal gucken.

 

Tierpark Staunton

Sebbi fuettert Meerschweine


 

Freitag, 21. März 2025

Ottos Wandertag

Heute war Ottos erster richtiger Wandertag (ein frueherer ging nur zum Adventssingen in eine Kirche die Strasse runter). Sie fuhren mit einem gemieteten Bus zum Hafen, und setzten mit der kleinen gruenen Hafenfaehre nach Gosport ueber. Dazu hatten sie das erste Mal einen Stullendose, weil sie das uebliche Mittagessen in der Schule verpassten. Otto fand es super; er lief mit seinem Freund aufs Oberdeck und im Bus riefen sie (und ich vermute nur sie) den Fahrer singend zu mehr Geschwindkeit auf.