Montag, 26. September 2022

Diese Woche haben wir etwas auf uns geachtet. Ich habe mehr Nächte im Gästezimmer geschlafen; da ruhe ich mich einfach besser aus. Samstag habe ich mir etwas Zeit ausbedungen um einige langweilige aber nötige Sachen zu erledigen und endlich ein Gefühl von Fortschritt zu haben. Am gleichen Tag kamen Ellies Vater, Frau, deren Tochter und Enkelin zu Besuch, letztere so alt wie Otto. Das Teilen von Spielzeugen hat ganz passabel geklappt. Otto hat gelernt, wie man andere Kinder umarmt, wenn sie Tröstung brauchen.

Sonntag bin ich mit ihm mehrere Stunden ans Meer gegangen. Das kompensiert für mich die ganze Zeit im Haus. Gibt mir das Gefühl, mein Kind an die frische Luft zu bringen. Und es hilft Ellie, die meinem Bauchgefühl nach momentan auch mehr Zeit für sich selbst braucht.

Otto Nachrichten

  • Ich habe diese Woche das Klavier rausgeholt und diesmal hat es bei Otto etwas mehr geklickt. Er versteht, dass ich irgendwie seine Lieder spielen kann, aber nicht, wie. Er selbst lässt am liebsten seine Autos über die Tasten fahren.
  • Ebenso haben wir die Laterne wieder ausprobiert und in der Tat spricht Otto mehr auf sie an als letztes Jahr. Leider hat er dann auch sofort den schönen Papier Schirm zerrissen.
  • Otto kann richtig Puzzle machen!

Johannes Nachrichten

  • Heimwerken: ich habe gelernt, Lattenroste am Bett und Schwellenleiste an Türen zu reparieren.
  • Ich bin endlich wieder zurück zu Obama Buch gekommen



Eine Fliege war im Raum und Otto sorgte sich, dass sie nicht genug Autos zum spielen hat.



Sonntag, 18. September 2022

Spielball

Seit meiner Rückkehr von Muttis Sommerfest in Templin scheint mein Leben härter. Das hat mehrere Gründe. Einmal vermute ich einen doppelten Kulturschock, bei An- und Rückreise. Die Uckermärkische Weite, Stille und Dunkelheit, sogar der Duft der Kiefernwälder, waren ein Kontrast zu meinem gewöhnlichen Leben. Aber lange Zeit war das ja der Normalzustand für mich gewesen, und kroch schnell wieder in die Knochen. Darum wirkte die Rückkehr in den Trubel Südenglands und mein fast ausschließlich auf mein Haus beschränktes Leben dann ebenfalls desorientierend.

Letzteres hat sich jetzt noch mehr verstärkt. Ellie arbeitet nun drei Tage die Woche statt zweieinhalb. Wir konnten Ottos Zeit bei der Tagesmutti aber nicht erhöhen. Darum nehme ich mir jetzt jeden Mittwoch Vormittag frei und betreue ihn. Was auch angenehm ist, insgesamt. Aber die Stunden muss ich die anderen Tage wieder rausholen. Das lässt wirklich nichts mehr übrig. Eine halbe Stunde gehetzter Spaziergang zum Mittag vielleicht. Unter der Woche verlasse ich das Haus praktisch nicht mehr. Ich merke, dass ich Dienstag abend mental spürbar erschöpfter bin als vorher.

Zuletzt belastete mich, dass wir Kind Nummer zwei nun wirklich angehen wollen. Das hatten wir zwar besprochen, aber ich habe den Gedanken nicht wirklich an mich ran gelassen. Da habe ich genauso viel Schiss wie beim ersten Mal. Ich fühle, dass ich mein eigenes Leben gerade erst wieder zurück bekomme, den Kopf gerade erst über Wasser. Und dann will man sich gleich wieder in zwei Jahre stürzen, wo man nur für andere lebt.

Wir erleben eines sehr schönen Herbst. Ich würde gerne mal wandern, aber dazu fehlt die Zeit. Letztes Wochenende sind wir Otto noch zu einem Cafe gefahren, wo er in so einer Art Miniatur-Stadt spielen konnte, während wir Kaffee tranken. Natürlich nie gleichzeitig. Anschließend haben wir ganz viele Brombeeren gepflückt, die an einer Stelle immer noch reifen.

Eine Woche später haben wir einen besonders schönen Ausflug nach Rowlands Castle gemacht. Wegen kaputten Autos durfte Otto mal wieder in den Zug, und vor Ort sind wir auf die baumgesäumte Blickmeile zum Haus Stansted gegangen. Ich wusste aber nicht, dass der parallele Streifen Wald richtig schön ist, und der Feldsaum daneben ebenso. Das war ganz privat, überall waren noch Brombeeren zu finden, und wir hatten plötzlich einen richtig schönen Ort für ein Picknick, Otto konnte in der Natur spielen und in der Ferne fuhr regelmäßig die Eisenbahn vorbei. Wir fühlten uns wie richtig gute Eltern.

Abends dann kam ein Hammerschlag: Ottos Tagesmutti will aufhören. Nach dem ersten Schock hat sie zwar präzisiert, dass sie solange weitermacht, bis wir Ersatz gefunden haben. Aber ich kann mich kaum erholen. Es ist so schwierig überhaupt jemanden zu finden, wo sollen wir das jetzt so kurzfristig herholen; geschweige denn jemanden dem wir vertrauen; wieviel mehr wird es uns kosten wenn ohnehin alles teurer wird. Nur ein halbes Jahr mehr hätten wir gebraucht bis Ottos Kita-Platz beginnt.

Ich hatte schon lange das gefühlt, dass wir anfallenden Aufgaben in Haushalt und Lebensplanung kaum noch hinterherkommen. (Das Auto kostet uns auch schon wieder ein paar Hundert an Reparatur). Jetzt wirkt es, als würden wir trotz ständigen Rennens auch noch zurückfallen.


Otto Nachrichten

  • Otto interessiert sich sehr für Schrift. Manchmal schleppt er einem ein Buch an, speziell damit man ihm was vorliest. Er versteht, das es mit diesen Zeichen irgendwas auf sich hat.
  • Otto guckt sich Puzzle an. Darum haben wir Sannis kleine Feuerwehrpuzzle ausprobiert und Otto versteht das Prinzip erstaunlich gut. Hätte ich noch nicht erwartet.
  • .... fragt und fragt und fragt "Was ist das?" und "Was isst das?"
  • er spricht fast in ganzen Sätzen. Und er spricht jetzt in der ersten Person von sich. Insbesondere sagt er "Ich mag das". Zum Beispiel "Ich mag Dada" - dann darf er natürlich doch noch zu mir ins Bett.
  • Otto hat aus Rostock 3 Matchbox Autos erhalten, mit denen ich damals noch gespielt habe. Zwei sind sogar englische Importe: ein Lotus Super Seven, und ein Mini Ha-Ha

Johannes Nachrichten

  • Ich wollte eigentlich Obamas Buch weiter lesen, bin aber stattdessen auf den zweiten Band der James Bond Reihe abgeglitten, Leben und Sterben lassen. Wegen der Ästethik der alten Filme aus den 50ern größtenteils. Das Buch ist auch gut und liest sich locker weg.


Otto war einen Mittwoch lang krank

Stansted Park

In der Spielstadt


Montag, 29. August 2022

Tante Kalina

Es geht weiter mit den Menschen die man mal täglich gesehen hat: gestern kam Kalina für eine Nacht zu uns. Auf der Durchfahrt nach Southampton, wo sie ihre alte Wohnung verkauft. In meinem Kopf ist das noch die neue... Wir hatten uns seit meinem Geburtstag 2019 nicht mehr gesehen. In Magdeburg hatte ich fast täglich noch Tee bei Aleksieva Schwestern getrunken. Fast schon nicht mehr wahr.

Also hat sie Otto kennen gelernt; sie hat den klassischen Anfängerfehler gemacht sein Gewicht zu unterschätzen und als der ins Bett gegangen war haben wir noch am Meer gesessen. Die Zeit und Umstände für Gespräche waren begrenzt, aber dafür war es sehr schön.

Am nächsten Morgen fuhr Kalina weiter. Sonst hätte sie nachmittags mit uns die Hubertuskapelle umgeben von Sonnenblumen sehen können. Überall machten Leute Fotos. Ich habe diesen kleinen Ausflug sehr genossen; es war ein besonders schöner Tag im Frühherbst. Die vollen Bäume, Hecken mit reifen Früchten; Otto an den letzten Brombeeren des Jahres. Der blauweiße Himmel, die Stoppelfelder und dahinter die grünen Wälder. Tat mir irgendwie sehr gut. Ich träume dann davon, irgendwann mit Otto durch so eine Landschaft zu wandern, Drachen steigen zu lassen, Beeren sammeln, Kuchen backen.


Brombeeren > Mund


Original Bulgarisch


Samstag, 27. August 2022

Oma und Tante Rieke

Anfang August kamen Mutti und Rieke auf Besuch; hier bekannt als Oma und Tante Rieke. Für Mutti war das letzte Mal 2 Jahre her, für Rieke 7. Erst jetzt komme ich dazu darüber zu schreiben, denn es die Erinnerung wert. Vieles habe ich inzwischen sicherlich vergessen; das subtilere ohne Zweifel; daher eine kurze Auflistung unserer Ausflüge.

  • ein Picknick an der Kirche von Droxford, anschließend mit Otto die Füße in den Meon gesteckt. Die South Downs sind enttäuschen nie.
  • selber ernten auf der Durleighmarsh Farm. Otto wieder in den Blaubeeren.
  • die Sonnenblumenfelder auf der Insel Hayling. Leider sichtbar geschüttelt von der Dürre. Ich habe Wasser auf Ottos Autositz geschmiert, weil ich echt Skrupel hatte in da reinzusetzen.
  • ein Nachmittag im Umwelt Zentrum, wo ich einige Wochen vorher eine Übernachtung zum Geburtstag bekommen hatte. Oma und Tante musste sehen, dass man in Ottos Gesellschaft wirklich nicht essen kann.
  • Der Kunsthandwerkermarkt in Bosham bei Chichester, Windelwechselns in der Krypta der Kirche und mit den Füßen im Bach
  • Schloss Arundel für Mutti und Rieke, während wir mit einem leicht erkälteten Kind in den Gärten blieben. Otto bekam eine Schildkröte zu sehen.
Leider machte zum Ende hin die Hitzewelle alles schwierig; ich habe mich wenn möglich nur noch im Haus verkrochen. Wohin man auch fuhr, so verbrannt habe ich die Landschaft noch nie gesehen. Sagt man ja inzwischen jedes Jahr.

Abgesehen von den Ausflügen waren wir auch viele Abende zu dritt am Meer. Da war es frisch und ich konnte baden, die Schiffe fuhren und wir haben geredet wie es sich gehört. Mutti hat immer drauf geachtet, dass wir auch eine Flasche Bier mitbringen, oder zwei.

Ganz besonders schön fand ich es auch Mutti und Otto zu sehen. Enkel hatte, das glaubt man uns ja nie wirklich, keinerlei Berührungsängte und hat beide sofort dienstverpflichtet. Mutti hat ihn abends gebadet und ganztags viel bespaßt, besonders im Garten, was ich sehr gerne gesehen habe. Wir sind regelmäßig auf den Spielplatz gegangen; ich freue mich, dass sie eben auch den Alltag gesehen haben. Inklusive der Stressmomente und Reibepunkte, die viele Eltern gerne verschweigen. Es war gerade unter dem Gesichtspunkt schön, auch mal Aufgaben verteilen und selbst etwas mehr entspannen zu können.

Nicht zuletzt war es natpürlich gut, dass um Otto mal deutsch gesprochen wurde. Er versteht alles.

An drei Tagen mussten wir arbeiten, da sind Mutti und Rieke selbst umhergezogen, einen Tag auf die Isle of Wight.


Das erste Mal Zoo

An den zwei Wochenenden seit dem Besuch sind wir mit Otto zweimal in den Zoo Marwell gefahren, etwa vierzig Minuten nordwestlich von uns. Das erste Mal, weil er noch nie in einem Tierpark gewesen war und er nur noch ein halbes Jahr gratis rein kommt. Das zweite Mal, weil man momentan innerhalb von sieben Tagen gratis noch einmal reinkann. Das erste Mal schien er mir noch ein bisschen zu jung dafür zu sein. Aber nach dem zweiten Besuch heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. War vielleicht einfach zu heiß gewesen. Seine Lieblingstiere waren erst die Nashörner, jetzt  die Meerkatzen. Ellie und ich mochten die Okapis am meisten. Eines Tages im Rostocker Zoo, wie Papa als Stepke.

Otto Nachrichten

  • viele liebgewonnene Dinge sich nicht mehr in Mode. Wir dürfen ihn weder Dodo noch Bot nennen. Er sagt dann so schnell "Noooo, Otto!", dass wir ihn inzwischen "Notto" ausprobieren.
  • Wenn er in der richtigen Stimmung ist, quatscht und quasselt er mit Gusto und in richtigen Sätze n, auch wenn man etwas Erfahrung braucht um sie zu verstehen. Aber da merkt man mal, was er alles mitkriegt, wieviel er sich merkt und was für Details er ausdrücken will. Es macht ihm auch sichtlich Spaß und er redet manchmal einfach deshalb. Dann muss man immer die gleichen Fragen beantworten. Man sieht schon jetzt, wieviel er mal fragen wird. Zum Glück will ich ihm auch viel beibringen.
  • Seit einiger Zeit bewegt er sich bevorzugt auf Papas Schultern fort, genannt Papa-Pferd und angefragt mit Schnalzlauten. Das hat er lange nicht gemocht. Jetzt sehe ich in den Spiegelbildern vorbeiziehender Fenster, wie Otto mit verzücktem Ausdruck auf Papas Kopf kollabiert. Aber er ist wahnsinnig schwer!
  • Dazu muss ich ihm seine neuen Lieblingslieder vorsingen. Vor ein paar Wochen habe ich im Auto mal die späteren Nummern seiner CD ausprobiert. Seitdem will er nichts mehr von Summ Summ Summ hören. Stattdessen nur noch: "Oh du lieber Augustin", "Niklausabend" und vor allen Dingen "Horch was kommt von draußen rein". Alle paar Minuten hört man ihn "Hollahi, hollaho" singen. Und auch den restliche Text kann er verdammt gut.
  • Er wechselt inzwischen nahtlos zwischen Deutsch und Englisch. Er kennt natürlich mehr englische Worte, aber wenn er etwas haben will, fragt er zuerst Mami in ihrer Sprache, und wenn das nicht klappt, fragt er Papa in seiner. Ich erwarte trotzdem, dass er Deutsch mit etwa drei Jahren ablegen wird. Aber das Fundament ist da, und das freut mich wirklich.
  • Er interessiert sich auch zunehmend für Schrift. Ich muss ihm die Texte in seinen Bilderbüchern vorlesen und er will auch, dass ich dabei auf die Worte zeige. Wir versuchen daher wieder erste Buchstaben beizubringen. Er spricht auch die englischen Zahlen bis 10 nach, versteht die Bedeutung aber wahrscheinlich nicht.
  • ... bei all dem positiven ist er momentan aber auch ausgesprochen launisch und ungeduldig. Wenn dann nicht sofort passiert was er will brüllt er los und schmeißt und beißt und haut.

Johannes Nachrichten

  • ... und das kann ich nicht einfach mit "ist halt normal in dem Alter" wegwischen. Ich muss deutlich sagen, mein nervliches Wohlbefinden hängt in den letzten Wochen an einem dürftigen Strang. Das hängt sicherlich auch mit meinem Schlaf zusammen, aber die Umstände sind letztendlich irrelevant. Vor einer Woche fühlte ich mich kurz vor einem Nervenzusammenbruch, als ich morgens schon fertig war und zuviele Sachen auf einmal auf uns einprasselten. Ellie musste den Katzen Medizin reinwürgen und schloss sich dazu in ein Zimmer ein; fünf Sekunden nachdem ich Otto übernommen hatte hämmerte der brülllend an ihre Tür und ich hatte dieses schreckliche Gefühl, dass alle Tricks und alle Mühe nichtmal das Allernötigste erreichen würde. Und das hat es plötzlich ausgesetzt und ich musste raus in den Garten rennen, weil ich es nicht ausgehalten habe, gleich am frühen Morgen. Wir haben uns abends zum Glück darüber unterhalten. Ich fühle mich immer furchtbar, wenn es scheint, dass ich nicht mal fünf Minuten die Arbeit machen kann, die Ellie den ganzen lieben langen Tag schafft. Und das mir bei Otto sowohl das Talent zur Unterhaltung fehlt als auch die Gedult, die Ellie seit jeher aus einer mir unergründlichen Reserve hernimmt, und ich damit noch mehr Druck auf ihr lasten lasse. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich mehr und früher schlafen kann. Aber ich sage es immer wieder: die Erlebnisse des ersten Jahres stecken weiter in uns, mit Gefühlen von Schuld und Ohnmacht, egal ob nun berechtigt oder nicht.







Sonntag, 31. Juli 2022

Samstag, am Tag vor der Reitstunde, wollten wir eigentlich zum jährlichen Drachenfestival in Portsmouth. Wegen des Verkehrs sind wir aber am Ende zur Burg Portchester gefahren. Ähnlich wie die Insel Hayling ist die mit Kind sehr viel interessanter als früher. Vor allem ist es römisch ummauert, sodass man Otto frei laufen lassen kann. Denn laufen muss er. Dass, und Steine ins Wasser schmeißen. Zuerst in den Graben der mittelalterlichen Burg. Später in die Bucht von Portsmouth, vor den Mauern, von wo man die Stadt un die Isle of Wight sehen kann. Erstaunlich wie schön man es empfindet, einfach rumzusitzen, solange ein Kind glücklich ist. Wir haben kleine Krabben gesehen - die laufen wirklich seitwärts!

Irgendwann versteht Otto, was eine Ritterburg ist. Und dann geht's ab.


Otto Nachrichten

  • seit Kurzem bemerke ich zum ersten Mal, dass Otto gezielt Sprachen wechselt. Wenn Mami nicht zu den Blackberries will, fragt er Papa nach Brombeeren.

Johannes Nachrichten

  • ich bin fertig, einfach nur fertig. Otto hat einige Nächte lange so lange zum einschlafen gebraucht, dass ich selbst längst hätte schlafen sollen.



Pferde und Äpfel

Als ich die Übernachtung im Umweltzentrum genoss, die mir Ellie zum Geburtstag geschenkt hatte, hatte ich den Wunsch, ihr auch etwas schönes zu schenken. Ich wusste seit einigen Jahren, dass sie mal gerne einen geführten Ausritt im Grünen machen würde. Ich selber kenne mich da ja auch nicht aus, aber nach einiger Recherche entschied ich mich bei einer Reitschule am Fluss Meon zwei Stunden zu buchen. Ich schlimmsten Falle wäre man da wenigstens in einer schönen Ecke. Und Otto könnte ich da auch einfach betreuen. Termin war der Tag vor Muttis und Riekes Ankunft.
Ich hatte Otto vorsichtshalber die Tage vorher schonmal darauf vorbereitet, dass Mami reiten gehe und eine Weile nicht sichtbar sein wird. Er war aber total begeistert, als Mami Reitschuhe und einen Helm bekam und dann auf Poppy das Pferd stieg. Er selbst wollte auch reiten, auf Papas Schultern. Das macht er seit Kurzem gerne. Ellie ist dann mit Begleitung die stillgelegte Bahnlinie lang geritten, wo wir auch schon oft spazieren gegangen sind.

Otto dagegen ist nach Mamis Abmarsch über den Wanderpfad und ein Feld rüber zum Meon geritten. Dort haben wir lange im Wasser gestanden und Otto hat Steine geschmissen. Als ich ihm gerade die nassen Sachen wechseln wollte find es an zu regnen. Zum Glück fing gleich daneben ein sehr geschützer Hohlweg an, wo ich ihn nicht nur umziehen konnte, sondern er hat sich auch überraschend gut mit Büschen und Beeren unterhalten. Der Pfad führt zur Kirche von Droxford, einem der schönsten Orte im ganzen Meon-Tal, nicht zuletzt wegen der Spielecke. Das Cafe hatte zu; zum Glück fragte Otto nicht nach dem versprochenen Kuchen. Stattdessen spielte er im Kirchenschiff mit den Autos aus der Spielkiste.
Ich habe bis heute immer ein bisschen Schiss, Otto alleine bespaßen zu müssen. Aber dieser Wechsel von Wasser, Feld, Bäumen und Kirche hätte ihn den ganzen Nachmittag auf Trab halten können. Er ist halt ein richtiger Naturbursche. Wir sagen immer, er wäre früher der perfekte Bauernsohn gewesen. Groß, stark, null Berührungsängste. Solange er auf seinen starken Beinchen draußen rumstapfen kann ist er glücklich.

Ellie war auch auf Trab gewesen und hatte den Ausritt sehr schön gefunden. Das ließe sich also nochmal machen. Es war Mittagszeit und ich hatte nicht an Proviant gedacht. Darum habe ich die Familie zu Pizza in einer nahen Kneipe eingeladen. Ellie fühlte sich zu dem Zeitpunkt langsam von gewissen Nebenwirkungen des Reitens immobilisiert. Aber Pizza im Garten nach zwei Stunden in der Natur war was schönes. Zum Glück war der Garten ummauert und abschließbar.

Zuletzt fuhren wir zu Leuten, die ich vom Tango kannte. Die hatten ganz viele Äpfel loszuwerden. Eigentlich wollte ich die nur einpacken, aber wie das so ist lief es am Ende auf Kaffee und Apfelkuchen hinaus, während Otto begeistert durch ihren großen Garten lief. Die haben da wirklich ein schönes Häuschen, gleich unter dem Alten Winchester-Hügel, wo ich oft wandern war. Insgesamt ein sehr viel längerer und schönerer Tag als erwartet, für alle.






Montag, 25. Juli 2022

Samstag letzter Woche habe ich noch einmal die Wanderung gemacht, die ich mit Friedemann zum ersten Mal probiert hatte. Von der Hubertuskapelle über einen Hügel zum Cafe in Compton, durch Wald und Feld mit schönen Aussichten. Vormittags, um die größte Hitze zu vermeiden. Dazu habe ich mir einen Bekannten mitgenommen, der auch gerne wandert und sich für Natur interessiert. Wir haben Rotmilane und sogar Himbeeren gefunden.

Otto dagegen stürzt sich momentan auf die sehr früh reifenden Brombeeren. Eigentlich hatte ich ihm zeigen wollen, dass die noch lange nicht fertig sind, aber ist gar nicht so nee nee. Jetzt gehen wir jeden Tag zu einem bestimmten Busch auf einem Hinterhof die Straße runter. Sogar Otto schafft die nicht alle, und wir bringen immer eine Dose mit nach Hause.

Sorgen machen ihm nur die Dornen. Genau wie Seetang. Egal ob er in der Nähe von Wasser oder Büschen ist. Eigentlich geht es ihm nur darum gekuschelt zu werden.


Elterntag

Am Donnerstag haben Ellie und ich uns einen Tag für uns gegönnt. Das machen wir selten, weil Ottos Krankentage die Masse meines Urlaubs benötigt. Das letzte Mal war es uns zum Weihnachtsmarkt in Winchester gelungen. Zum Versuch im März war dann Otto oder seine Tagesmutti krank gewesen. Auch dieses Mal hatten wir halb damit gerechnet, hatten aber am Ende Glück.

Zuerst sind wir in den Ort Hambledon gefahren. Der gilt gemeinhin als die Wiege des modernen Crickets. Aber wir haben vor allem Sonnenblumen gefunden und es genossen, uns in einem Cafe mal in Ruhe unterhalten zu können. Anschließend hatten wir einen Mittagstisch in Exton, direkt am "Fluss" Meon gebucht. Da waren wir schon mehrmals, und es ist immer wieder schön.

Dann wussten wir nicht ganz, was wir in der Ecke noch neu erkunden könnten. Am Ende fuhren wir zum ehemaligen Haus des Naturforschers Gilbert White. Nicht, dass wir wussten, wer das war. Wir sehen nur seit Jahren das Schild zum Museum an der Autobahn. Es stellte sich als ein sehr schönes Anwesen in einem sehr schönen kleinen Ort heraus. Ein großer Garten und Wanderwege drumherum. Rein gehen konnten wir nicht mehr, aber wir fahren nochmal hin, wenn wir wieder einen Tag "frei" haben.


Otto Nachrichten

  • Otto war in der Tat krank, aber nur kurz, übers Wochenende.
  • Ellie berichtet, dass sich sein Humor entwickelt. Er ist gerne und absichtlich albern. Außerdem reflektiert er viel über Baby Otto. Was der alles noch nicht konnte. Aber er schaut auch interessiert Fotos und Videos aus der Zeit, die sowohl nah als auch sehr fern zu sein scheint.

Johannes Nachrichten

  • Ich gehe momentan jeden Tag schwimmen. Je nach Gezeiten in der Mittagspause oder abends. Von der Wassertemperatur her sind haben wir die schönsten Wochen des Jahres. Und vom Andrang ist es an Arbeitstagen am besten.
  • ich mache wieder eine Pause von Obama und lese relativ spontan ein Buch über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa. Aus der Penguin Reihe der europäischen Geschichte. Habe ich zufällig billig gefunden.
  • Meine Pläne mein und Ottos deutsches Geld anzulegen sind fürs erste gescheitert. Nachdem ich ein Jahr gebraucht habe, die neuen Konten bei der DKB anzulegen, erfahre ich jetzt, dass man zum Investieren in Deutschland wohnen muss. Ich finde vermutlich noch einen Weg das Geld arbeiten zu lassen. Aber das wird dauern, denn Zeit zum recherchieren habe ich nicht.
armes krankes Baby
in Hambledon

Baby Otto konnte sowas nicht!

Bombeen