Mittwoch, 27. Juni 2018

Canterbury & Camargue

Ende Juni sind Ellie und ich zum Geburtstag ihrer Schwester Amber nach Canterbury gefahren. Das ist die mit dem Haus auf dem Feld. Dort waren wir vier Tage; Montag und Dienstag habe ich mir freigenommen. Uns erwartete perfektes Sommerwetter und ich habe es sehr genossen bei Sonne durch die historische Stadt zu laufen. Mit Amber haben wir ein Musical im Theater gesehen und haben ein Picknick am Fluss gemacht, der mir immer sehr gefällt, weil man seine grüne Niederung bis ins historische Zentrum laufen kann. Montag fuhren wir an den landesweit bekannten Sandstrand Camber Sands, wo ein wirklich weiter Strand von goldenem Sand mit richtigen Dünen wartet. Nur das Wasser ist bei Ebbe meilenweit weg. War mittags aber egal, weil es da so heiß wurde, dass ich gerne weit gelaufen bin. Ellie und Amber verbinden diesen Strand mit ihren Kindertagen, waren dort aber über zehn Jahre nicht mehr gewesen. Danach haben wir auf meine Bitte in dem kleinen Ort Rye Halt gemacht. Das ist ein altes Fischerdorf auf einem Hügel, mit der Kirche auf der Spitze, und war mir schon von weitem aufgefallen, wie er in den Feldern der Salzmarsch direkt hinter den Dünen herausstach. Hat mich tatsächlich an die Camargue in Südwestfrankreich erinnert, sogar das Wetter. Der Ort ist voll mit hübschen alten Häuschen, viel Fachwerk aus der Tudorzeit und überall Rosen. Ellie und Amber sagten, sie wären dort früher oft bei ihren furchtbaren Jugendfreunden feiern gewesen, aber damals haben sie das nicht so wie heute wahrgenommen.
Ansonsten habe ich viel vor Ambers Haus gesessen und auf die Felder geblickt. Tagsüber singen darüber denen die Lerchen und nachts hat man einen tollen Blick auf die Sterne.
Auf dem Rückweg nach Portsmouth haben wir noch in der Kleinstadt Tenterden Halt gemacht, wo Ellie aufgewachsen ist.


Auf dem Feldweg ins Zentrum von Canterbury, mit der Sonnencreme in der Hand.

Picknick am/im Fluss, mit Amber und ihrem Freund
Abends in einem Restaurant
Der Strand von Camber Sands



Die Kirche von Rye





Mittwoch, 20. Juni 2018

Bühnenwesen

Letztes Wochenende haben wir die ersten Tangoauftritte absolviert. Freitag in der Nähe in Chichester, Sonntag etwas weiter weg in Guildford. Die nächsten sind am 27. Juni in Bracknell bei London und am 14. Juli hier in Portsmouth.
Seit Januar haben wir dafür geprobt und ich kann es kaum erwarten, endlich die Wochenende wieder frei zu haben! Die Auftritte sind sehr gut gegangen, definitiv besser als die ersten beim letzten Mal vor zwei Jahren, sowohl für die Gruppe als auch für mich selbst. Ich hab endlich mehr Tänze, inklusive eines Einzelpaarauftritts, wo ich mit nur einer Partnerin eine lustige Nummer darbiete. Ich hatte wirklich die Nase voll von den endlosen Proben, insbesondere während ich gleichzeitig Konzerte für den Chor vorbereiten musste. Aber es ist schon toll auf der Bühne zu stehen, besondern allein. Ich mag Publikum! 
Dienstag zum Beispiel habe ich einen weiteren tollen Vortrag gehalten, bei einem Programmierertreffen an der Uni Portsmouth. Mir macht das immer wahnsinnig Spaß - einerseits merkt man, wie weit mein ganzes Amt hinter der technischen Entwicklung hinterherhinkt, andererseit ist es beruhigt, dass Programmierer in anderen Institutionen und Firmen das gleiche Gefühl haben und die gleichen dummen Fragen stellen.

Die Abende sind ein wenig freier und ich gehe inzwischen häufig baden; das Wasser ist doch angenehmer als der durchwachsene Sommer vermuten ließ.


Bühnenfertig


Gruppenfoto nach der Show

Samstag, 2. Juni 2018

Paris

Das letzte Maiwochenende ist für mich dank des Geburtstags der Königin immer vier Tage lang und ich hatte es für einen Besuch bei Mathieu in Paris eingeplant. Ellie hatte sich für die Zeit ihre Schwester eingeladen. Sowohl Paris als auch Portsmouth hatten bestes Wetter. Bisher war bis auf einen Tagesausflug vor gut 20 Jahren nicht in Paris gewesen. Ich wusste von vornherein, dass ich nicht genug Zeit hatte, alles zu sehen und das hat die ganze Sache viel entspannter gemacht. Ich habe nichtmal versucht, mir Museen oder Paläste von innen anzusehen. Ist auch ganz gut so, denn Paris ist wunderbar, aber teuer. Mathieu zahlt für seine zwei Zimmer 1.400 Euro.

Gefahren bin ich mit dem Eurostar Zug, durch den Kanaltunnel. Das war viel entspannter als meine gewöhnlichen Flugreisen. Außerdem habe ich gelernt, dass mich Nordfrankreich richt an Brandenburg erinnert. Flach, weit, immer wieder Wälder hinter den Feldern und auch allein gelassene Ecken am Ende von Feldern wo wächst was will. Sogar ein Mohnfeld habe ich gesehen. Einzelne alte Gehöfte aus Backstein an der Straße, alles weiter und zuänglicher als in England. Die Landschaft nicht so sauber in Privatgrundstücke getrennt. Höfe und Siedlungen strahlen nicht den Reichtum englischen Landbesitzes aus.

Wo Mathieu wohnt
Mathie wohnt gerade außerhalb der Verwaltungsgrenze des eigentlichen Paris, etwa eine halbe Stunde mit dem Fahrrad in Zentrum. Dort mietet er eine Zweiraumwohnung. Von der Stadt hat er immer noch eine gespaltene Meinung, aber sein Viertel mag er. Gut angebunden, und vor allem mit ruhig genug und trotzdem mit vielen guten Geschäften und, wichtig, Cafes. Auf das Essen hatte ich mich nämlich besonders gefreut. Gleich nebenan liegt die recht bekannte Burg von Vincennes. Das heißt ich hatte sie nicht gekannt und war ganz überrascht, das direkt in der Stadt so ein Riesenkomplex liegt, wo historisch auch noch einiges los gewesen war. Englische Könige sind dort gestorben, als sie noch halb Frankreich kontrollierten.

Ankunft
Ersten Tag Montmarte und Sacre Coeur. Die überlaufenen Straßen und Hütchenspieler direkt unter Sacre Coeur haben mich erst ziemlich nervös gemacht. Aber als ich den Hügel höher gestiegen bin, habe ich etwas westlich der Kirche einige Straßen gefunden, die ruhig waren und immer noch gute Cafes mit schönem Blick auf die Stadt hatten. Dort habe ich Mathieu getroffen und wir sind essen gegangen.

Die Kanäle
Mathieu hatte das Wochenende frei, aber nicht den Montag. Die ersten zwei Tage konnten wir also gemeinsam umherziehen, aber ich wollte ihn nicht zu den ganzen Hauptattraktionen schleppen, die er alle schon tausend Mal gesehen hatte, auch wenn ich zum ersten Mal richtig in Paris war. Am Samstag haben wir daher eine lange Radtour gemacht. Paris ist überhaupt toll mit dem Fahrrad zu erkunden. Zuerst zwar doch ins Zentrum, auf die Insel Ile de la Cite, aber von dort dann nach Nordosten, die Kanäle entlang, über die Paris früher versorgt wurde. Einfach weil ich Wasserwandern mag, und Mathieu die Gegend noch nicht kannte, und die gerade schön gentrifiziert wird. Wir sind den Kanälen bis in die Gebiete gefolgt, die noch industriell sind und dann nach Hause. Abends haben wir im Viertel Montparnasse einen Freund getroffen und mit ihm in ein Theater zum modernen Zirkus gegangen. Ich wusste seit langem, dass Zirkus in Frankreich noch oder wieder eine große und innovative Sache ist, Stichwort Cirque de Soleil. Wir haben eine kleine Gruppe aus dem Quebec gesehen. Ansonsten fand ich Montparnasse, das zumindest früher als Partyviertel bekannt war, ziemlich verschlafen.

Marais und Quartier Latin
Am Sonntag sind wir zwei Viertel abgelaufen: Marais nördlich der Seine, und das Quartier Latin südlich. Marais hat viele Museen und alte Paläste, ist vor allem zum Gucken da. Das Quartier Latin hat einige bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Universitäten, den Luxemburg Park und das Pantheon. Wir sind an allen vorbei, aber am besten hat mir ob ihrer Architektur eine Kirche direkt hinter dem Pantheon gefallen und ein paar ruhige Straßen mit Cafes, die von dort abgingen. Es war nämlich heiß und Ruhe tat not, aber Paris ist so teuer und Sitzplätze zu der Zeit Mangelware.
Abends haben wir Freunde getroffen. Die leben in England und ich kannte sie daher auch (sie hatten uns ihre Wohnung geliehen, als Ellie und ich vor Jahren über Ostern nach Bristol gefahren waren) - wie sich herausstellte, hatten sie den gleichen Zug wie ich aus London genommen.

Die üblichen Verdächtigen
Montag musste Mathieu arbeiten und ich habe die Hauptattraktionen in Angriff genommen. Mit dem Fahrrad bin ich über die Inseln in der Seine gefahren, entlang Notre Dame wo mich ein Bettler ohne Schuhe die nächsten Stunden deprimierte; durch den Hof des Louvre gelaufen und die Prachtallee lang gefahren (Tuileries Gärten, Obelisk, Champs Elysees, Arc de Triomphe). Die Champs Elysees fand ich am wenigsten interessant, das sind nur Geschäfte. Der Arc de Triomphe am Ende ist interessant - unter den Ortsnamen der berühmten Schlachten fand ich auch Prenzlau. In Prenzlau selbst ist das nur auf einer Infotafel vor dem Bahnhof erwähnt. Von dort bin ich weiter zum Trocedero-Platz mit seiner Aussicht auf den Eiffelturm. Den Turm selbst finde ich schon elegant, wenn man ihn von verschiedenen Punkten der Stadt aus sieht. Die Park drumherum ist nicht so toll und ich bin über den Invalidendom und das Zentrum zurück zu Mathieu. Abends sind wir mit Onkel und Tante bei ihm Essen gegangen und dann haben wir viel zu lange zu Hause Karten gespielt.
Ich hatte noch den Dienstag morgen, an dem ich mit meinem Rollkoffer nicht in die archäologische Ausstellung unter Notre Dame durfte. Dafür habe am anderen Ufer der Seine den ältesten Baum von Paris gesehen (gepflanzt 1601, jetzt auf Betonstützen und zu drei Vierteln tot) und eine kleine Kirche mit einer Gemeinde von arabisch-sprachigen Griechich-Katholiken.


Mein erster Eindruck von Paris, auf dem Weg zu Sacre Coeur

Später bei Mathieu

Reaktion aus Portsmouth

Am ersten Morgen vor Mathieus Wohnung
Erste Ankunft im Zentrum. Links eine der zwei Inseln in der Seine




Der Anfang der Kanäle. Im Hintergrund die Statue auf dem Platz der Bastille

Später unterwegs am Kanal entlang

Ich musste natürlich viel Kaffee trinken

Luxemburg-Gärten




Mittwoch, 23. Mai 2018

Sonne, Meer und Sterne. Und Autos. Und Hasenglöckchen

Auto-mobil
Nachdem der Chor nun in der Sommerpause ist komme ich endlich zu einem langen Nachtrag des Mais. Als ersten: wir haben endlich ein neues Auto, einen Renault Clio. Ursprünglich hatten wir schon ein anderes Auto genommen, aber die Verkäuferin hat sich plötzlich verleugnen lassen. Vermutlich hatte jemand nach uns noch mehr geboten - aber warum man das nicht einfach sagen kann? Ellie hat nur Tage später von einem Kollegen unser jetztiges Auto ausgehandelt, ein besseres Modell für weniger Geld. Wieder einmal hätte ich mich vom ersten Misserfolg nicht so enttäuschen lassen sollen.

Das Auto kam gerade zur richtigen Zeit. Ellies Vater und Frau kamen uns besuchen und haben unseren Garten augeräumt. Ich persönlich hatte kein Problem mit dem Überwuchs, aber Ellie wollte da schon lange Ordnung machen. Das hat uns 15 Säcke Grünschnitt eingebrockt, die wir nur dank dem Auto entsorgen konnen.

Blaupause
Anschließend sind wir in die Hasenglöckchen gefahren. Denn dieses Wochenende war erstens lang und zweitens das beste des ganzen bisherigen Jahres: kurze Hosen und Sonnencreme. Wir sind in einen Wald nahe des Umweltzentrum gefahren, den wir letztes Jahr das erste Mal ausprobiert hatten. Ellie ist da richtig aufgegangen und hat unter der großen Eiche Gymnastik und Tanzschritte unter gemacht. Am Abend sind wir spontan im Hafen essen gefahren, mit Blick auf das Wasser und die untergehende Sonne.
Nicht nur war es bis spät abends warm, sondern auch windstill. Das habe ich ausgenutzt um mein Teleskop zum Strand zu tragen, denn man konnte sowohl Jupiter als auch die Venus sehen. Schon bei ganz leichtem Wind wackelt nämlich das Bild im Teleskop; je höher die Vergrößerung desto mehr. Das war das erste Mal, dass ich Planeten selbst gesehen habe. Jupiter ist wirklich eine Kugel im Raum, mit zwei Streifen. Die Monde habe ich erst ein paar Wochen später bei einer zweiten Beobachtung gesehen. Die Venus hat nicht so ausgeprägte Merkmale, ich habe nur eine gelblich weiße Kugel gesehen.

Zeitlos
An jenem Wochenende bin ich jeden Morgen gleich ans Meer. Der Strand war um 10 Uhr schon voll. Schönwetterdunst lag am Horizont, wo die Sonne das Meer erwärmt. Dahinter kann man noch den blauen Himmel sehen, bevor er den Rest des Tages hinter dem Dunst verschwindet. Bei der Wärme habe ich den ganzen Nachmittag auf momentan allwöchentlichen Tangoprobe verbracht. 30 Mann in einem Raum, mit Kostümen. Was haben wir uns nur dabei gedacht? Am folgenden Mittwoch hatten wir spät abends eine erste Generalprobe im Theater, bei der praktisch gar nichts funktioniert hat. Das hat mir ziemlich zugesetzt, weil ich bei Auftritten den Ehrgeiz habe, zumindest meinen persönlichen Beitrag zu bringen (ob die Gruppe als ganzes durchhält ist mir weniger wichtig). Und parallel zum Chorkonzert in der Folgewoche hatte ich einfach keine Zeit um noch mehr zu üben. In den folgenden Wochen habe ich noch einige Extraproben in freie Halbstunden gequetscht, insbesondere mit meiner Partnerin für eine Soloeinlage. Das hat langfristig etwas geholfen und ich fühle mich etwas besser.

Entdeckungen
Buddha hat es in den Garten geschafft! Nach vielen erfolglosen Versuchen stand er beim Wäscheaufhängen plötzlich draußen. Er ist dann sofort hinter den Schuppen verschwunden, wo ihn niemand erreichen kann. Allein die Erwähnung von Futter hat ihn aber sofort wieder rein gebracht.
Neulich habe ich gelernt: Katzen können schnarchen.

Die Welt noch nicht bereit
Auf der Arbeit hatte ich zum dritten Mal Analysten aus der Kreisverwaltung Dorset zu Gast, die uns von ihren Erfahrungen mit unseren Daten erzählt haben. Dann sagen alle Kollegen was für eine gute Idee das ist, aber niemand sonst kommt auf den Gedanken, mal Nutzer einzulade. Ich habe ein neues Lernformat angestoßen, um Kollegen den Umgang mit Software zur Datenanalyse zu erleichtern. Ich hole sie eine Stunde lang vom Schreibtisch weg in einen Raum, gebe ihnen interessante Daten zum Rumspielen und ich bin für Fragen da. Denn alles Lernen braucht nicht nur Unterricht sondern vor allem Übung, und die wiederum freie Zeit. Wieder eine gute Idee, die gelobt wird aber allein von meiner Initiative abhängt.

Danse macabre
Zum Schluss habe ich den Grand Prix mit Ellie und Freunden gesehen. Anders als in Deutschland ist eine der Hauptattraktionen hier drüben der seit vielen Jahren für seinen sarkastischen Kommentar bekannte  Moderator Graham Norton. Sonst gibts für die Briten da ja auch wenig Freude.

Als nächstes fahre ich zu Mathieu nach Paris.




In den Hasenglöckchen.


Spaß auf Holz


Am gleichen Tag abends im Restaurant. Ellie lässt sich nicht gern fotografieren, aber das hier hat sie gleich ins Internet gestellt.
Sieht zwar nicht so aus, ist aber der Jupiter. Zu meiner Überraschung reichte es, die Handykamera kurz vor das Okular zu halten. Darum sind unten noch die Lichter der Strandpromenade zu sehen. Das gibt zwar nicht das eigentliche Aussehen wieder, aber zumindest ist das ganz klar nicht der Mond, sondern eine Kugel am Himmel.
Vor der Tangoprobe habe ich noch gelacht, denn ich hatte meinen Zylinder mitgebracht. Wozu ist man schonmal in einem alten Theater.


Ende Mai kam auch noch Ellies Mutter und brachte chinesische Kleidung mit. Die hatten mexikanische Studenten an der Uni, wo sie putzt, gekauft und bei der Rückreise dagelassen. Wie sich rausstellte, steht mir rosa besser als Ellie.

Sonntag, 20. Mai 2018

Ganz Britisch

Bei einem Gespräch mit Opa war mir am Tag vor der königlichen Hochzeit klargeworden, dass ich doch Lust hatte das anzugucken. Also sind Ellie und ich an dem Tag zur Übertragung in einen nahe gelegenen Pub, der zur Feier gratis Kuchenbrötchen und Pralinen anbot. Trotzdem waren wenig Leute unter den Flaggengirlanden: erst zum anschließenden Fußball kamen mehr. Ellie hat Prosecco getrunken, ich nur Kaffee - denn ich musste nachmittags Chorprobe und abends zum Konzert der verschiedenen Universitätsmusikgruppen. Wir sangen John Rutters Gloria, was meine Meinung über britische Komponisten etwas verbessert hat. Ellie ist weiterhin nicht im Chor, war aber im Publikum, wo ich mich ihr nach der Pause anschloss und die Konzertband hörte.

Zurück zu Hause habe ich nochmal Jupiter beobachtet und diesmal noch drei Monde ausgemacht.

Der Chor geht jetzt in die Sommerpause und ich habe die Mittwochabende frei. Damit habe ich hoffentlich mehr freie Zeit, denn die letzten Monate waren zunehmend anstrengend durch die Doppelbelastung von Chor- und Tangoproben. Die Tangoshows gehen am 15. Juni los.

Die Hochzeitsübertragung im Pub

Vielleicht werde ich jetzt doch nicht abgeschoben 



Nach dem Konzert

Donnerstag, 17. Mai 2018

Amateurwissenschaftler der Welt

Montag bis Mittwoch dieser Woche war das jährliche Wissenschaftsfestival Pint of Science, dass ich vor zwei Jahren entdeckt hatte. Jeden Abend finden in verschiedenen Kneipen Vorträge von freiwilligen Dozenten statt, meist von der Uni. Ich dränge seit damals darauf, dass auch mein Amt das machen sollte, aber noch ist nichts geschehen.
Montag haben die Geologen angefangen und gezeigt, wie Indien den Himalaya aufschiebt. Und Erdwürmer sind schuld, dass Dinge unter der Erde verschwinden und von Archäologen wieder ausgebuddelt werden müssen. Interessanterweise sinkt alles nur bis auf eine bestimmte Tiefe ab, unter der die Würmer nicht mehr graben.
Dienstag waren die Verhaltensforscher dran und Ellie ist auch mitgekommen. Wir haben gelernt, dass Menschenaffen bis zu 5.000 Handzeichen und ca 1.700 menschliche Worte verstehen, selbst aber nur jemals 4 gesagt haben. Und Menschen können ab 3 Jahren lügen, aber es gibt keine einheitliche Gestik oder sonstige Symptome, die das verraten.
Mittwoch waren es Wildfeuer in der Erdgeschichte (als die Athmosphäre 30% Sauerstoff hatte, brannte es sehr viel häufiger), und ein Geophysiker hat Bilder von verschiedenen Boden-Radaruntersuchungen im Dienst der Archäologie gezeigt. Ich habe fleißig Fragen gestellt und kriege von ihm hoffentlich einen Datensatz zum Rumspielen.

Friedemann hat zur gleichen Zeit in München erfahren, dass ein 15km langer Asteroid bei Einschlag in Australien alle Gebäude Münchens ins Weltall schleudern könnte.
Die Astronomen der Uni Portsmouth machen bei Pint of Science nicht mit; sie organisieren eigenständige Kneipenvorträge durchs ganze Jahre. Dafür habe ich letztens mit Daten der Raumsonde "Gaia" gespielt. Die misst die Positionen von 1,6 Milliarden Sternen und hat mich seit langem begeistert. Ende April hatte die Europäische Weltraumagentur einen neuen Datensatz veröffentlicht. Auch wenn ich die meisten Variablen nicht verstehe, habe ich einige graphisch dargestellt.

Orbit der Sonde - vermutlich um die Sonne? Quelle: ESA

Lichtquellen im Sonnensystem aus der Sicht Gaias. Ich vermute, dass das eigentlich die Scheibe der Milchstraße ist und die Schwingung durch Gaias eigene Rotation entsteht. Quelle: ESA

Freitag, 27. April 2018

Ans Licht gebracht

Das Wochenende nach Papas Besuch war das bisher schönste dieses Jahr und ich habe einen lang gehegten Plan umgesetzt: wir sind einmal früh aufgestanden und ich bin in den Hafen geradelt um mich mit einem Kaffee in die Sonne zu setzen und die Schiffe ein- und auslaufen zusehen. Außerdem habe ich frischen Rochen gekauft, aber der ist nichts geworden.
Anschließend sind Ellie und ich mit dem Zug bis kurz vor Winchester gefahren und den Fluss Itchen entlang in die Stadt gelaufen. Diese Strecke bin ich schonmal mit Kalina gegangen und man kommt am Heiligkreuzspital vorbei, das seit 1204 alte Menschen aufnimmt. Es blühte noch nicht so ganz wie erhofft, aber es war warm genug um vor der Heimfahrt vor der Kathedrale im Zentrum zu picknicken.

Abends ist Ellie zu einer Bauchtanzaufführung gegangen und ich bin per Zug und Fahrrad nochmal aufs Land zum Sternegucken. Die Hubertuskapelle hatte die nah gelegene Sternwarte eingeladen, ihre Teleskope rüberzuschaffen. Leider war der Abend stark verregnet und ich wurde sowohl auf Hin- und Rückweg sehr nass. Sterne konnte man so natürlich auch nicht sehen, dafür gab es Vorträge in der Kirche. Die war proppenvoll, unter anderem mit vielen Kindern, die nun eben nicht nach oben gucken konnten und mit der Zeit dementsprechend gelangweilt wurden. Aber: es gab heiße Schokolade! Es wurde über den Mond gesprochen, anschließend wurde anhand von zwei Lampen vor der Orgel Spektroskopie demonstriert und am Ende konnte man noch Meteorfragmente angucken. Das habe ich ausgiebig getan, denn ich hatte Zeit zu füllen bis zum nächsten Zug. Als die Autos alle weg waren, habe ich darum draußen noch die Dunkelheit genießen können. Kriegt man ja sonst nicht hier, schon gar nicht in der Stadt. Zum Beispiel verstand ich, wie Natur früher auf die Menschen gewirkt haben muss, weil über Portsmouth die Blitze zuckten und für Sekundenbruchteile ganze Landschaften zeigten, die sonst nicht zu sehen waren. So sah ich bei der Abfahrt von der Straße auch noch, dass über dem Eingang zur Kapelle ein beleuchtetes Kreuz hängt. Die Kapelle selbst sah man aber aus 200 Metern schon gar nicht mehr. Und so schien das Kreuz dort in der Dunkelheit in der Luft zu schweben. Ich selbst musste mich dann zum Bahnhof kämpfen. Nicht nur war es dunkel, auch wusch mir der plötzlich wiederkehrende Regen die Sonnencreme in die Augen, die ich tagsüber noch gebraucht hatte. So war ich zur Dunkelheit noch praktisch blind. Und Sterne habe ich auch nicht gesehen. Aber das Erlebnis war es wert.


Morgens am Hafen
Nachmittags im Garten des Heiligkreuzspitals.

Unsere Versuche, Buddha das erste Mal in seinem Leben außer Haus zu lassen, haben bisher bis hierhin und keine Tatze weiter geführt