Montag, 23. Januar 2017






Einmal sollten wir einen Schneesturm bekommen! Das erste Mal seit 2012. Die BBC hatte extra eine Wetterwarnung rausgegeben. Die Kollegen standen an den Fenstern, als die ersten Flocken fielen, und viele sind schnell nach Hause, bevor die Welt still stehen würde. Ich hatte mich schon gefreut! Und dann natürlich nur ein paar mickrige Flocken, die sich schnell in etwas Matsch verwandelten und dann verschwanden.



Einmal wollte ich endlich mal wieder eine Tagestour unternehmen und mit dem Fahrrad einen bekannten Sandstrand besuchen. Stattdessen habe ich mich verfahren und ein Vogelreservat kennengelernt. Trotzdem schön, zwei Stunden Fußmarsch; Raum und kalter Wind.
Am Folgetag kam überraschend Mathieu und blieb zwei Nächte bei mir. Mir hat es richtig gut getan, mit einem Kumpel in Kneipen zu trinken und zu spielen. Zum wöchentlichen Spieleabend bei Freunden ist er auch gekommen. Außerdem habe ich die Treffen der Spielegruppe Portsmouth alle zwei Wochen entdeckt.



Und zum Schluss: Ellie schreibt jetzt auch im Internet! Sie hat gerade ihren ersten Artikel auf der Seite "Geschichte der Königinnen" veröffentlicht. Dort schreiben verschiedene Leute über verschiedene Frauen von Adel. Unterhalb die schnelle Maschinenübersetzung!


Lady Jane Grey - rechtmäßige Thronfolgerin?


Lady Jane Grey ist eine bekannte Figur in der englischen Geschichte - ein naives junges Mädchen; gezwungen, sowohl von ihrer Familie als auch von ihren maechtigen Schwiegereltern, nach der Krone zu greifen, neun Tage lang zu regieren und schließlich mit ihrem Leben zu bezahlen. Als eifrige Protestantin wird Jane in der populären Kunst und Literatur oft als Märtyrerin präsentiert. Paul Delaroches Gemälde "Lady Jane Gray wird zu ihrer Hinrichtung geführt" von 1833 zeigt Jane als ein tragisches Mädchen in weiß, bemitleidenswert ihren Weg zum Henkersblock mit den Händen fühlend, während ihre Damen hinter ihr wehklagen. Diese Darstellung ist vertraut und bequem, aber im Leben war Jane Grey ein komplexer Charakter, der nicht als ein Usurpator betrachtet werden konnte, sondern die rechtmäßige Erbin von England.


Lady Jane Gray wurde 1536 oder 1537 als die älteste Tochter von Heinrich Gray, Herzog von Suffolk und Lady Frances Brandon geboren. Janes Familie war durch ihrer Mutter von königlichem Blut - Frances Brandon war eine Tochter von Mary, Königswitwe von Frankreich und Schwester von Heinrich VIII, was Jane eine Nichte von Heinrich VIII machte. Heinrichs Nachfolgegesetz von 1544 erklärte, dass, sollte alle seine Kinder ohne Erben sterben, die Krone an die Nachkommen seiner jüngeren Schwester Mary ginge, was bedeutet, dass Jane von einem frühen Alter an in der Reihe der Nachfolge und in der Nähe des Thrones war.


Während der englischen Renaissance wurde es modisch für die betitelten und wohlhabenden, nicht nur ihre Söhne, sondern ihre Töchter bilden zu lassen, und als Teil der königlichen Familie erhielt Jane eine brillante Ausbildung von einigen der angesehensten Gelehrten der Zeit. Janes Tutoren waren oft lautstarke Protestanten und es ist wahrscheinlich, dass sie diese Ansichten während ihrer Kindheit aufnahm. 1547 wurde Jane ins Haus von Thomas Seymour, dem mütterlichen Onkel von Edward VI., Sohn von Heinrich VIII., Geschickt. Thomas Seymour hatte vor kurzem Katharina Parr geheiratet, die Witwe Heinrich VIII., die selbst ein bekannter protestantischer Reformator war und das protestantische Denken und Lehren förderte. Es ist wahrscheinlich, dass sich Janes religiöse Überzeugung in dieser Zeit weiterentwickelte. Im Jahr 1553 wurde Jane mit Lord Guildford Dudley, Sohn des Herzogs von Northumberland verheiratet.


Später im Jahre 1553 entwickelte Edward VI, Jane's Cousin zweiten Grades, Tuberkulose. Edward war, wie Jane, ein überzeugter Protestant, und hatte während seiner kurzen Herrschaft die letzten Spuren des Katholizismus aus der englischen Kirche entfernt. Allerdings war Edward noch minderjährig, und als sich seine Krankheit entwickelte, wurde klar, dass er nicht lange genug leben würde um Kinder zu produzieren, die seine religiösen Reformen fortsetzen wuerden. Laut des Nachfolgestatuts von Edwards Vater Heinrich VIII. von 1543 würde Edwards Halbschwester Maria auf den Thron folgen, sollte er ohne Erben sterben. Maria war ein eifriger Unterstützer der katholischen Kirche, und Edward hätte vorausgesehen, dass seine religiösen Reformen im Falle ihrer Nachfolge widerrufen würden. Um sicherzustellen, dass der Protestantismus in England nach seinem Tod fortgesetzt würde, schrieb Edward "Mein Werk für die Nachfolge", nach dem die Krone an "Lady Jane und ihre männlichen Erben" übergehen würde, sollte er kinderlos sterben. Aber "Lady Janes männliche Erben" wurde später so geaendert, dass die Krone an Jane selbst übergehen sollte. Es ist wahrscheinlich, daß Edward zu diesem Zeitpunkt erkannt hatte, daß er nicht lange genug leben würde, um festzustellen, ob Jane irgendwelche männlichen Kinder produzieren würde.


Bei Edwards Tod im Juli 1553 wurde Jane Grey von ihrem Schwiegervater, dem Herzog von Northumberland, zum Tower von London gebracht und zur Königin von England ausgerufen. Die Aktion war nicht beliebt bei den Menschen von England, die Mary Tudor als Thronerbin erwarteten. Mary war zu dieser Zeit eine populäre und bekannte Figur in England, und Jane sehr jung und weitgehend unbekannt. Doch während ihrer kurzen Herrschaft gelang es Jane, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Sie erklärte, dass sie ihren Ehemann Guildford Dudley nicht Koenig sondern nur Consort machen würde, was ihren Schwiegervater mit Sicherheit wütend machte.


Neun Tage nach Janes Kroenung erklärte das Parlament seine Unterstützung für Mary Tudos Thronanspruch, und Jane wurde zur Verräterin erklärt. Nach Gefangenschaft im Tower of London bis Februar 1544 wurde Jane am 12. Februar schließlich hingerichtet, damit sie nicht zum Aushaengeschild protentatischer Rebellen wuerde. Sie war 16 oder 17 Jahre alt.


Mary Tudors Recht, dem Thron beizutreten, wird von den meisten als Tatsache akzeptiert, aber in Wirklichheit könnte man sich darueber streiten. Nach englischem Recht konnten zu diesem Zeitpunkt nur legitime Kinder den Thron erben. Mary war von ihrem Vater Heinrich VIII. Für unehelich erklärt worden, nachdem er seine Ehe mit Marias Mutter, Katharina von Aragon, ungültig verkündet hatte. Ebenso war auch Elisabeth Tudor, Halbschwester von Edward und Mary, für unehelich erklärt worden, nachdem Heinrich VIII erklärt hatte, dass seine Ehe mit ihrer Mutter Anne Boleyn auch ungültig gewesen sei. Heinrich VIII glaubte, er habe nur ein legitimes Kind - sein Sohn und Erbe, Edward. Seine Töchter, Maria und Elisabeth waren wieder in die Nachfolge aufgenommen, aber, was entscheidend ist, nicht legitimiert worden. Maria und Elisabeth koennen nicht beide legitim sein, denn als Anne Boleyn Elisabeth gebar lebte Katharina von Aragon noch. Daher muß die Frage nach Marias Legitimität erhoben werden, was bei einer ihrer Verlobungen zu Kindheitzeiten auch geschah, mit der Begründung, daß Katharina von Aragon die Witwe des älteren Bruders von Heinrich VIII war.


Selbst wenn wir Maria für legitim halten, müssen wir auch bedenken, daß der regierende Monarch, Edward VI., sie ausdrücklich von der Thronfolge ausgeschlossen hatte. Das entsprechende Dokument war vom König und seinem Rat unterzeichnet worden und hatte auch Elisabeth das Erbe verwehrt. Der nächste unbestreitbar legitime Erbe war Lady Jane Gray.


Umgekehrt müssen wir auch bedenken, dass das Heinrich VIII. Erbrecht der Nachfolgeregelung Edwards vorausging und vom Parlament verabschiedet wurde. Im Gegensatz dazu wurde Edwards Regelung nur widerwillig von seinem Rat unterzeichnet und das möglicherweise unter Zwang des mächtigen Herzogs von Northumberland. Die Rechtmäßigkeit des Dokuments ist daher fragwürdig.



Ob Jane Gray der Thronfolger oder ein Usurpator war oder nicht, ihre Popularität im Tode hat die von Mary Tudor sicherlich übertroffen, die im Allgemeinen nur für die religiöse Verfolgung der Protestanten in Erinnerung bleibt. Wir können nicht wissen, wie Janes Herrschaft sich weiter entwickelt hätte, wäre sie auf dem Thron geblieben, aber ihre protestantischen Überzeugungen waren wohlbekannt, und es ist wahrscheinlich, dass sie und ihre Familie die Verfolgung der Katholiken unterstützt hätten. Aber es ist die Geschichte der jungen Märtyrerin, das in der populären Vorstellung weiterlebt.

Sonntag, 8. Januar 2017

Der Himmel bleibt dunkel

Kein Böller kracht zu Mitternacht
Bin gut zurückgekommen und kümmere mich jetzt um mögliche Kompensation für den ausgefallenen Hinflug. Silvester haben Ellie und ich bei Freunden gefeiert. Das war erst das zweite Mal, nach 2014 in Newcastle, dass ich Silvester in England war. Hier wird dafür wenig gemacht, Feuerwerk ist keine Tradition, nur wenige machen das, außer in London, wo es ein großes offizielles gibt. Wir haben einfach gespielt und gegessen, das ist schon mehr, als die meisten machen. Außerdem haben wir Bleigießen gemacht, der italienische Gastgeber kannte die Tradition und hatte einige Sätze aus Deutschland bestellt. Hat allen gefallen; ich musste die Bedeutungen aus dem Begleitheft übersetzen.
Wir hatten im Anschluss nach Sonntag und Montag frei. Sonntag war schon halb vorbei, als wir aufwachten, aber Montag war ein toller, sonniger Tag, an dem wir ein Vogelschutzgebiet direkt vor Portsmouth besucht haben, wo Dutzende Ornithologen teure Ausrüstung auf eine Sumpfohreule richteten.

Rennen um zu stehen
Die Arbeitswoche war unspektakulär, weil viele Kollegen noch im Urlaub sind, darunter auch meine Chefin. Das ist immer ganz schön, wenn ich selbst rumwurschteln kann. Allerdings habe ich jeden Tag länger gearbeitet und werde das auch noch mehrere Wochen weiter so machen müssen. Denn ich muss mein Arbeitszeitkonto wieder auffüllen, dass durch Weihnachtsessen und Arzttermine völlig geleert wurde. Am kommenden Dienstag habe ich einen ungünstig gelegenen Physiotherapietermin, der mich wiederum einige Stunden zurückwerfen wird. Deshalb hatte ich ja bereits die Gesangsstunden ausgesetzt.

Die Sterne in Gedanken
Samstagabend haben wir die Sternwarte der regionalen Astronomiegesellschaft besucht. Die veranstalten einmal pro Monat einen offenen Abend, der Monate im Voraus ausgebucht ist. Die haben auf dem Land, ganz in der Nähe der Jurte, an einem besonders dunklen Flecken ein Gelände mit drei professioniellen Teleskopen in eigenen Kuppeln. Leider war es dicht bewölkt und auch noch neblig, sodass wir sie nicht benutzen konnten, aber wir können gratis wiederkommen, wenn es mal klar ist. Die Gruppe besteht aus gut motivierten und ausgebildeten Freiwilligen, die eng mit der Uni Portsmouth zusammen arbeiten. Sie haben daher Zugang zu Fördergeldern und richtig gute Ausrüstung. Die Vorträge waren dementsprechend spannend, mit ganz tollen Fotos, oft selbstgemacht, oder von Sonden auf verschiedensten Planeten des Sonnensystems. Besonders interessant war, wieviel man heutzutage privat machen, mit nur moderater Investition in Ausrüstung, weil viele Werkzeuge, z.B. zur Bildbearbeitung, gratis zu haben sind.

An einem besonders guten Abend habe ich auch etwas Astronomie gespielt.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Neue Ideen für alte Leute

Krückenrücken
Als ganz persönliches Adventsgeschenk habe ich seit Ende November große Rückenprobleme. Ohne Zweifel Folgen einer Übung bei der Tangoshow im Sommer. In München meinte Friedemann noch, ich sollte das nicht auf die lange Bank schieben. Nun, eines Montagmorgens konnte ich kaum noch laufen. Habe mich zum Arzt geschleppt, der mir wie immer nicht helfen konnte. Zwar wurde es am Nachmittag spürbar besser, aber ich hatte richtig Angst bekommen und wie das so ist habe ich sofort und ohne Umschweife gehandelt, sobald das das Kind in den Brunnen gefallen war. Nun habe ich privat Osteotherapie, weil das öffentliche Gesundheitssystem erst irgendwann im Januar dazu kommt, mir Physiotherapie zu geben. Ich machte jeden Tag fleißig meine Übungen und mehr Sport, fuhr Fahrrad, ging schwimmen, und bald war alles wieder gut. Am nächsten Montag dann machte ich eine normale Bewegung und alles war wieder schlecht. Diesmal brauchte es mehrere Tage, bis ich wieder schmerzfrei war. Bisher keine Anzeichen, wohin das letztendlich führt. Ich jedenfalls habe mal wieder erst durch persönliche Erfahrung wirklich verstanden, was einem immer gesagt wird, wie das an die Nieren geht, wenn man Hilfe braucht sich die Socken anzuziehen.

Advent
Nun hat der Advent auch gute Seiten. Ich backe und esse fleißig Plätzchen. Ellie ist mit, wurde auch wieder vom Nikolaus besucht und hat aus Adventspaketen aus Rostock und Templin genug Haribo bekommen, bis ich Nachschub aus Deutschland mitbringe. Zusammen waren wir auf dem Weihnachtsmarkt in Winchester. Interessant: laut Ellie gibt es hier traditionell keinen Rummel. Zugegeben sind Weihnachtsmärkte erst seit der Jahrtausendwende Tradition. Aber in der Tat habe ich nie ein Karussel oder Riesenrad gesehen. Winchester hatte hochwertiges Kunsthandwerk und ich habe mir einen Fez gekauft. Zuletzt waren wir noch beim heimeligen Adventssingen in der Kirche und beim albernen Weihnachtstheater für Kinder, beides lange Traditionen in England.

Bücher

Ich habe Jens Biskys Buch "Unser König" über Friedrich den Großen ausgelesen und bin zur Reihe Per Anhalter durch die Galaxis zurückgekehrt, Buch 5 von 6. Und irgendwann kann ich dann auch endlich das große Geschichtsbuch anfangen, dass mir Ellie zum Geburtstag geschenkt hat.
Ellie habe ich Haffners Geschichte eines Deutschen aus der Bibliothek geholt. Und das ist Pflicht. Ellie beklagt sich nämlich immer, dass ihr ständig die interessanten Bücher ausgehen, aber wenn ich mal was extra für sie finde, oder ihr etwas gebe, womit sie etwas über Deutschland lernen könnte, wird das alles erst begrüßt und liegt dann Monate rum, bis ich es zurück in die Bibliothek bringe. In München zum Beispiel hatte ich zu meiner Überraschung englische Versionen von Max und Moritz sowie vom Struwwelpeter gefunden. Beides Klassiker der Kultur ihres Freundes, beides gute Übersetzungen, letzterer übrigens von Mark Twain höchstselbst. Beide findet Ellie sehr interessant, und beide stehen seitdem im Regal. Neben den Deutschlehrbüchern und meiner ersten Hausarbeit, um die sie vor Jahren gebeten hatte. Ellie liest genau vier Buchgattungen: historische Romane, Ferner Osten, englische Geschichte 1500-1700, Frauen. Und am liebsten historische Romane über Frauen in England oder Fernem Osten. Sowas liest sich natürlich schnell durch, und dann sitzt sie auf dem Trockenen. Aber sie liest eben auch nur, was genau ihrer Natur entspricht. Und wenn man einen Historienroman zum zehnten Mal liest, ist das immer noch besser, als ein neues Buch, was kein Historienroman ist.

Neue Eindrücke
Am 3. Dezember habe ich mit dem Chor Faures Requiem gesungen. Das Konzert folgte einem neuem Konzept, indem wir mit zwei Stundentenchöre zusammen sangen. Damit wollte unser Dirigent vor allem mehr Studenten rekrutieren, von denen wir paradoxerweise immer wenige hatten. Ellie und ich waren da immer skeptisch, weil wir beide wenig von den Studenten hier halten. Ich denke ohnehin seit meinem Master in York, dass es hier schlicht und einfach an kultureller Bildung und Interesse fehlt. Aber ich muss sagen, ich habe mich geirrt. Noch nie hat mir ein Konzert soviel Spaß gemacht. Die Studentenchöre haben wie erwartet viele Freunde ins Publikum geholt, was dadurch ausgesprochen wohlwollend war. Noch nie habe ich einen solchen Beifall erlebt, und ich war ganz überrascht, wie schön das doch ist. Leider ist die Qualität nicht in Quantität umgeschlagen: noch nie hatten wir sowenig Publikum (wirkte an dem Abend gar nicht so).
Kurz darauf haben wir wie immer Weihnachtslieder im Uniadventsgottesdienst gesungen. Als nächstes steht Händels Messias im März an, worauf Ellie und ich uns schön lange freuen. Ich denke, dass bekannte Stücke großes Publikum anwerben.
Gleichzeitig wurde mir von meiner Gesangslehrerin ein Student vorgestellt, der nach Leuten sucht, die er auf dem Klavier begleiten kann. Insbesondere mag er Schubert. Jetzt treffen wir uns jeden Freitag nach der Gesangsstunde und spielen zusammen. Das macht zum einen großen Spaß (kein Lehrer, der mich ständig unterbricht), ist zum anderen eine großartige Übung (die Hälfte der Gesangsstunde verbringe ich mit Aufwärmen), aber vor allem geben mir diese Erlebnisse einen ganz neuen Eindruck britischer Studenten. Nicht nur engagiert sich Liam selbst für Musik; als wir uns unterhielten, übten im Nebenraum seine Freunde Weihnachtslieder auf Blasinstrumenten. Er ist also nicht unbedingt eine Ausnahme. Allerdings sagte Ellie ganz richtig, dass solche Leute entweder aus der Middle Class kommen (also ein ganzes Stück höher als was wir als Mittelschicht verstehen) und/oder aus religiösem Hintergrund. Und das trifft auch auf Liam zu. Aber man klammert sich ja an jeden erfrischenden Strohhalm.

Letztens habe ich Ellie (Florian Silbereisens Version von) Volksmusik vorgestellt. Dieses Fernsehformat gibt es hier nämlich nicht. Ellie vermutet, weil man seine Schnulzen hier direkt aus Amerika bezieht, und nicht sein eigenes Kulturgut verwursten muss.



Arbeit

Auf der Arbeit hatte ich vor allem mit der Veröffentlichung eines langen Forschungsberichtes zu tun, an dem wir die letzten anderthalb Jahre gearbeitet haben. Die Analyse macht mir immer Spaß, die Veröffentlichung weniger. Da schreibt man nur für andere auf, was man selbst schon weiß, und verbringt viel Zeit mit langweiligem Gegenlesen und endlosem Editieren. Nur nebenher kann ich ab und zu etwas lernen. Zum Beispiel hatte ich den letzten Teil einer Fortbildungsreihe über Bayesianische Statistik, wieder an der Uni Southampton. Außerdem spiele ich mit Programmieren rum und hatte einige sehr spannende und für andere Kollegen sehr merkwürdige Unterhaltungen mit den schlauen jungen Leuten, die bei uns angefangen haben und auch gerne programmieren. Diese Gruppe erreicht langsam eine kritische Masse, mit der man vielleicht etwas innovatives machen kann. Denn in der Datenanalyse bewegt sich momentan einiges.

Nach der Fortbildung in Southampton habe ich bei Kalina übernachtet und sie so noch einmal vor Jahresende gesehen. Wir haben ein sehr gutes Ein-Mann-Theaterstück gesehen, was hervorzuheben ist, da ich in England inzwischen nur noch von großen Theatern Qualität erwarte. Außerdem war es kurz, sodass wir noch Zeit hatten, uns zu Hause ganz in Ruhe zu unterhalten, bevor ich mich einmal ausschlafen konnte.

Sonntag, 27. November 2016

Neues Spielzeug

Die letzte Woche begann für mich mit Rückenprobleme. Im Sommer hatte ich bei der Tangoshow jemanden falsch gehoben und hatte seitdem immer wieder mal Probleme, habe mir aber nie die Zeit für einen Arztbesuch genommen. Die akuten Schmerzen ließen nach etwas Bewegung wieder nach, aber ich habe mir Termine für Physiotherapie und Osteopathie besorgt.

Donnerstag war ich habe ich zum zweiten Mal Mathestundenten der Uni Portsmouth von meiner Arbeit erzählt. Obwohl der Vortrag nach aus dem letzten Jahr bereit lag, hätte ich mal etwas üben sollen.

Ellie und ich waren einmal mehr wieder Keramik malen. Ich habe einen schwarz-weißen Elefant gemacht. Keramik funktioniert für mich irgendwie.

Für Ellie mache ich Plätzchen und abends machen wir eine Kerze hinter dem Adventskalender an. Für mich habe ich ein kleines Schulteleskop gekauft. Den Wunsch hatte ich diffus seit einiger Zeit, nachdem ich etwas Physik gelesen und von den "Dunkelheitsgebieten" des Landschaftsschutzgebiets South Downs erfahren hatte. Dort wird möglichst wenig Lichtverschmutzung gemacht, um den Himmel beobachten zu können. In dem Zusammenhang hatte ich bereits die Astronomiegesellschaft Hampshire und zwei öffentliche Sternwarten entdeckt. Aber wir haben in Portsmouth oft sehr schöne, klar Nachthimmel und das will ich gerade im Winter nutzen.

Sonntag, 20. November 2016

Normalbegabt in München

Johannes in München
München ist schön. Und die Münchener ganz unerwartet freundlich. Da wurde Friedemann in eine gute Stadt versetzt. Zusammen haben wir eine Woche lang die wichtigsten Sachen besichtigt, also fast alles im Zentrum, den englischen Garten und Schloss Nymphenburg. Morgens haben wir Weißwurst gefrühstückt und abends die Kneipen getestet, immer mit Spielen im Gepäck. Am besten gefällt mir vermutlich das Viertel zwischen Uni und den Museen. Dabei wurde es noch richtig kalt, Schnee fiel und blieb liegen, und ich weiß gar nicht, wann ich überhaupt welchen das letzte Mal gesehen hatte. Besonders interessant war für mich ein Besuch auf Friedemanns Arbeitsstätte, bei Google. Ganz ehrlich hatte ich Minderwertigkeitskomplexe, da ob ihres Rufes alle Mitarbeiter für Hochbegabte hielt. Und vermutlich zu recht! Sonst würde es sich vermutlich nicht auszahlen, das Gebäude wie einen Campus zugestalten, mit Musikräumen, Spieleräumen und gratis Kantine für eine Belegschaft aus aller Welt.

Friedemann in Portsmouth

Aus München ist Friedemann mit mir zurück nach Portsmouth gekommen (die direkte Verbindung von Southampton mit kleinen Propellermaschinen ist eine Offenbarung), weil er ein paar Tage später ohnehin nach London zu einer Fortbildung musste. Das war sein dritter Besuch bei mir, und er blieb drei Tage. An Tag 1 sind wir mit Ellie und Auto zu einem Aussichtspunkt auf dem Hügel über Portsmouth gefahren, dann zur Hubertuskapelle und zuletzt zum Haus Stansted. Abends habe ich den Advent begonnen, weil....es ja sowieso dunkel ist abends und ich darauf Lust hatte. Am zweiten Tag sind wir bei schlechtem Wetter in die Kathedrale von Chichester gefahren, und abends habe ich Friedemann zum wöchentlichen Spieleabend mitgenommen. Am dritten Tag musste ich arbeiten, Friedemann hat sich das Mary Rose Museum angesehen und abends haben wir uns zum Spielen in meiner Lieblingskneipe getroffen haben.

Johannes an der Uni

Wieder zurück im zweisamen Alltag habe ich vor allem den zweiten Teil einer Fortbildung genossen. Dazu bin ich mit vielen Kollegen einen Tag zur Uni Southampton gefahren, wo wir alternative Statistik lernen. Ich habe da gleich zu Anfang den Faden zwischen all den Formeln verloren und wollte schon die Teilnahme am dritten Teil im Dezember absagen. Aber dann hat mir ein polnischer Professor auf polnisch gesagt, dass er die Formeln seines Kollegen auch nicht versteht, der Computer die Berechnungen aber auch so macht.






Am japanischen Teehaus








Schloss Nymphenburg. Der Name allein macht Ellie glücklich.


Nicht zuletzt kann ich mit Friedemann mal richtig ernsthaft spielen. Hier studiere ich Regel Nummer 5072 eines Spiels, bei dem man tatsächlich kleine Schiffsmodelle über den Boden schiebt, weil kein Tisch groß genug ist.

Hubertuskapelle.





Stillsicher mit Mantel und Reflektorrucksack.

Kathedrale Chichester


Die HMS Victory, Admiral Nelsons Flaggschiff (und Todesort) in der Schlacht von Trafalgar.



Normalbegabt in München

Johannes in München
München ist schön. Und die Münchener ganz unerwartet freundlich. Da wurde Friedemann in eine gute Stadt versetzt. Zusammen haben wir eine Woche lang die wichtigsten Sachen besichtigt, also fast alles im Zentrum, den englischen Garten und Schloss Nymphenburg. Morgens haben wir Weißwurst gefrühstückt und abends die Kneipen getestet, immer mit Spielen im Gepäck. Am besten gefällt mir vermutlich das Viertel zwischen Uni und den Museen. Dabei wurde es noch richtig kalt, Schnee fiel und blieb liegen, und ich weiß gar nicht, wann ich überhaupt welchen das letzte Mal gesehen hatte. Besonders interessant war für mich ein Besuch auf Friedemanns Arbeitsstätte, bei Google. Ganz ehrlich hatte ich Minderwertigkeitskomplexe, da ob ihres Rufes alle Mitarbeiter für Hochbegabte hielt. Und vermutlich zu recht! Sonst würde es sich vermutlich nicht auszahlen, das Gebäude wie einen Campus zugestalten, mit Musikräumen, Spieleräumen und gratis Kantine für eine Belegschaft aus aller Welt.

Friedemann in Portsmouth
Aus München ist Friedemann mit mir zurück nach Portsmouth gekommen (die direkte Verbindung von Southampton mit kleinen Propellermaschinen ist eine Offenbarung), weil er ein paar Tage später ohnehin nach London zu einer Fortbildung musste. Das war sein dritter Besuch bei mir, und er blieb drei Tage. An Tag 1 sind wir mit Ellie und Auto zu einem Aussichtspunkt auf dem Hügel über Portsmouth gefahren, dann zur Hubertuskapelle und zuletzt zum Haus Stansted. Abends habe ich den Advent begonnen, weil....es ja sowieso dunkel ist abends und ich darauf Lust hatte. Am zweiten Tag sind wir bei schlechtem Wetter in die Kathedrale von Chichester gefahren, und abends habe ich Friedemann zum wöchentlichen Spieleabend mitgenommen. Am dritten Tag musste ich arbeiten, Friedemann hat sich das Mary Rose Museum angesehen und abends haben wir uns zum Spielen in meiner Lieblingskneipe getroffen haben.

Johannes an der Uni
Wieder zurück im zweisamen Alltag habe ich vor allem den zweiten Teil einer Fortbildung genossen. Dazu bin ich mit vielen Kollegen einen Tag zur Uni Southampton gefahren, wo wir alternative Statistik lernen. Ich habe da gleich zu Anfang den Faden zwischen all den Formeln verloren und wollte schon die Teilnahme am dritten Teil im Dezember absagen. Aber dann hat mir ein polnischer Professor auf polnisch gesagt, dass er die Formeln seines Kollegen auch nicht versteht, der Computer die Berechnungen aber auch so macht.





Am japanischen Teehaus








Schloss Nymphenburg. Der Name allein macht Ellie glücklich.


Nicht zuletzt kann ich mit Friedemann mal richtig ernsthaft spielen. Hier studiere ich Regel Nummer 5072 eines Spiels, bei dem man tatsächlich kleine Schiffsmodelle über den Boden schiebt, weil kein Tisch groß genug ist.

Hubertuskapelle.





Stillsicher mit Mantel und Reflektorrucksack.

Kathedrale Chichester


Die HMS Victory, Admiral Nelsons Flaggschiff (und Todesort) in der Schlacht von Trafalgar.