Dienstag, 23. September 2025

gratia plena

Als ich mit den Kindern Freitag abend am Meer war, sahen wir am Horizont ein historisches Segelschiff, eine richtige Karavelle. Ich recherchierte daraufhin, dass ein Nachbau von Kolumbus' Schiff, der Santa Maria, eine Woche Portsmouth besuchte. Samstag Mittag habe ich sie daraufhin mit Otto an ihrem Liegeplatz vor Gunwharf besucht. Ich habe ihm gezeigt, mit was fuer kleinen Schiffen man damals ueber den Atlantik gefahren ist und wie das Leben an Bord war. Otto war durchaus interessiert, vor allem wie das Schiff schwankte, wenn andere Schiffe vorbeifahren. Betrieben wird es von Freiwilligen des spanischen Eignervereins, die mir noch einiges Interessantes erzaehlten.

Sonntag fuhren wir zu viert Walnuesse sammeln. Ellie hatte davon ganz viele bei ihrer Tanzstunde gefunden und wir sammelten einen ganzen Beutel ein. Die Kinder fanden es toll und wir fuehlten uns als gute Eltern; in diesem Herbst haben wir viel aus der Natur geerntet. Das Staedtchen Bishops Waltham ist auch einen Spaziergang wert, und anschliessend aassen wir in einem Pub auf dem Land. Da blieben wir dann den halben Nachmittag haengen, weil der Garten so schoen war. Am Ende fuhren wir noch nach Droxford, in die Spielecke der Kirche und auf den Spielplatz. Der fruehe Herbst gefaellt mir. Ich glaube, er erinnert mich an Neuheit und Veraenderung, weil ich im September an verschiedene fuer mich wichtige Orte gezogen bin.

Die Kinder waren danach richtig geschlaucht, aber ich noch mehr. Ich kann einfach nicht mehr mehrere Stunden an der frischen Luft sein. An Wochenenden bin ich kurz vor Mittag fix und alle, geschweige denn nach einem halben Tag draussen.

Sebbi

ich beobachte das erste Mal, das Sebbi richtig meckert. Im Auto rief er laut und sichtlich veraergert, dass Otto aussteigen soll.

Otto

macht nach der Schule Montag Karate, Donnerstag Gymnastik und Freitag Bogenschiessen. Und Samstag vormittag schwimmen wir. Bisher haelt er durch.

Hat sich an Nasentropfen gewoehnt, die hier drueben ja eigentlich gar nicht ueblich sind. Helfen ihm aber nachts.

Johannes 

Mir geht es letztens privat nicht so gut. Zweifel schleichen sich ein, ob wir wirklich jemals wieder aus unserem jetzigen Trott rauskommen. Der geht ja nun schon seit Jahren so. Meine ehrlichste Vermutung ist, das wird noch mindestens zehn Jahr dauern, ehe ich wieder so etwas wie ein eigenes Leben und eine Beziehung haben werde. Ich spuere eben auch, dass mein Koerper alt wird. Er kann nicht mehr soviel wie frueher, und irgendwas ziept immer. Und ich weiss, dass das inzwischen eben nie wieder ganz weg gehen wird so wie frueher.

Ich treffe dagegen nach den Sommerferien wieder Freunde. Meine Gesangslehrerin, oertliche Kollegen, und im Oktober wohl tatsaechlich Kasia, die eine Woche in London Theater spielt. Allerdings nicht Kalina, was allein mich wieder traurig macht.

Es stresst mich, wieviel private Aufgaben liegen bleiben. Zuviel. Man rennt und faellt weiter zurueck.

Der Schuppen ist so ein Beispiel. Er ist eigentlich fertig, aber immer ist noch eine Aufgabe uebrig, und so richtig passt alles nicht zusammen. Also geht es jeden Tag weiter, auf Kosten anderer Sachen.

Ellie und ich gucken abends die alten Folgen von Akte X. Hatte ich nie geguckt, fuer Ellie sind sie Kindheitserinnerungen. Macht Spass. Besonders, die Welt der fruehen 90er Jahre wieder zu sehen.

Lesen tue ich die Freien Spitzen von Bernd-Lutz Lange. Seinerseits eine Wanderung durch Zeiten und Laender, die ich noch kenne, die inzwischen aber nicht mehr real wirken.







 

Dienstag, 16. September 2025

Die Traeume eines Schuppenbauers

Letztes Wochenende haben wir den neuen Schuppen halb aufgebaut. Die Schuppenteile lagen seit Wochen im Regen. Das Zeug aus dem Vorgaenger fuellen den Garten, mit einer Plane darueber. Handwerker sind nicht zu bekommen. Also mussten wir in den sauren Apfel beissen: Ellie betreut die Kinder, ich baue. Samstag nachmittag schaffte ich mit Hilfe unseres Freundes Andrew die Seitenwaende und Sonntag vormittag die Dachplatten. Eine Menge Aufgaben muessen jetzt aufs naechste Wochenende warten.

Sonntag nachmittag regnete es wieder; Sebbi hat meinen Schnupfen abbekommen, also fuhr ich mit Otto wieder zum Familienschwimmen. Diesmal sah ich viele Eltern mit kleinen Kindern, und ich wuerde Sebbi lieber frueher als spaeter mitnehmen. Aber erlaubt Ellie mir das nur, wenn ich mit ihm alleine fahre.

Sebbi

ist weiterhin besessen von Alarmanlagen. Auf der Strasse muss man mit ihm alle Haeuser danach absuchen. Aehnlich wie damals mit Otto, als man ihm die Farbe und das Alter jedes Auto sagen musste.

Ellie berichtet, dass Sebbi in letzter zunehmend Humor einsetzt. Ich war dabei, als er ploetzlich anfing zu singen "Otto ist doof!" und dabei zu grinsen. Otto war zu dem Zeitpunkt in der Schule; ich weiss nicht, wie sehr ihm das gefallen wuerde. Die Kinder zanken sich schon genug.

Otto

bekam eine Postkarte von der Nachbarin seiner englischen Grosseltern. Die mochte ihn wohl besonders, als er dort eine Woche verbrachte.

hat dieses Schuljahr drei Nachmittagskurse: Karate, Bogenschiessen und Gymnastik. Letzteres hatte im Alter von 3 Jahren nichts gefruchtet, aber ich glaube heute hat er sowohl mehr Interesse als auch Koerperkontrolle.

Johannes

Ich habe letztens Beratung zu einer Solaranlage gesucht. Haette ich solche Lust drauf. Habe ein Angebot mit schicker Broschuere. Aber ist einfach zu teuer. Und die Haelfte der Technik verstehe ich nicht.

Bald ist Weihnachten. Ich wuenschte ich koennte irgendwie in die Stimmung kommen.

Von unseren drei Apfelpflaenzchen waechst eine richtig gut! Seitdem ich sie weniger schuetze wachsen auch die Moehren ploetzlich los. Ich frage mich, wann wir die Kartoffeln ernten sollen; ich dachte, die Pflanzen wuerden irgendwann von selbst eingehen, aber nichts da.

Ich warte auf eine Einladung in den Apfelgarten!

Montag, 8. September 2025

Kinder in Museen

Dieses Wochenende litt ich zunehmend an der Erkaeltung, die Otto nach Hause gebracht hatte. Samstag nachmittag konnte ich nicht mehr und bin ins Bett verschwunden. Sogar dann jedoch habe ich noch ein schlechtes Gewissen, Ellie mit beiden Kindern allein zu lassen.

Sonntag fuhr Ellie mit Otto in den New Forest, eine alte Freundin besuchen. Ich blieb da lieber hier um Sebbis Mittagschlaf mitzumachen. Vorher wie Hinterher war ich mit ihm im Park; nachmittags um mit der dortigen Modellbahn zu fahren. Anschliessend gingen wir ans Meer, was mit nur einem Kind und bei Sonne wirklich schoen ist. Auf dem Weg bekam er noch ein Relikt aus vergangenen Zeiten zu sehen: eine funktionierende Telefonzelle, die aber bald abgebaut wird.

Ellie und Otto waren zu der Zeit auch in einem Museum, naemlich dem Motormuseum Beaulieu. Dort sammeln sie Autos, und es hat einen guten Ruf, aber ich war ob des Themas noch nie da. Ellie berichtet sehr gutes und Otto war bei ihrer Rueckkehr spuerbar froh.

Sebbi

ist sehr lieb und froehlich. Kann aber auch Zicken. Zusammen sind die Kinder ganz schoen schwierig. Staendiges Gezanke und Rumgeschreie. Muessen auch immer auf dem gleichen Platz glucken. Wie die Katzen bis vor Kurzem.

Otto

freut sich wieder in die Schule zu gehen. Ich habe wider das Gefuehlt, der geregelte Ablauf tut ihm gut.



Freitag, 5. September 2025

Ottos erste Sommerferien

Hier ein Rueckblick auf Ottos erste Sommerferien, die vorgestern endeten. Sie waren knapp ueber sechs Wochen lang. Ellie und ich haben uns jeweils drei Wochen frei genommen. Ellie urspruenglich nur zwei, bis ein Magenvirus durch die Familie ging und Sebbi Betreuung brauchte. Fuer mich bestaetigt sich wieder, dass man rennen und planen kann wie will, am Ende geht doch alles schief. Man verfeuert Urlaubstage und trotzdem kommen sowohl Kind, als auch Arbeit, als auch der Haushalt zu kurz. Von einem selbst und seiner Beziehung mal zu schweigen.

Die letzte Ferienwoche fuhr Otto zu Ellies Vater und Frau, und etwa in der Ferienmitte kamen seine deutschen Grosseltern und Tante. Also meine Familie - dieser Begriff wird zunehmend zweideutiger. 

Ich erinnere mich kaum noch, was Ellie mit Otto gemacht hat. Einmal haben sie Keramik bemalt.

Ich hatte mich richtig auf meine Zeit mit Otto gefreut, denn ich hatte viele, lange gehegte Plaene, die ich endlich umsetzen wollte. Zuvorderst war darunter eine Kajakfahrt auf dem Chichester Kanal. Ueber fuenf Jahre hatte das Boot im Schuppen gelegen. Zum Glueck funktioniert es noch, nur das Ruder ist etwas verdreht und gibt einen Linksdrall. Aber Otto fand es super, und ich freute mich ihm den Spass am Bootfahren zu zeigen; wie nah man an Tiere kommt und sich das ganze Leben auf dem Wasser besser angucken kann. Zum Ende hin wurde ihm langweilig und ich etwas muede, aber es war ein grosser Erfolg, dessen Aufzeichnung sich lohnt. Auf dem Rueckweg holten wir Ellie und Sebbi vom Krankenhaus ab; ich weiss gar nicht mehr warum sie da waren.

Am Tag drauf war ich mit Otto viel im Bus und unter anderem in der historischen Werft. Bis heute ist er da gerne in der grossen Bootsbauerhalle, die mir auch am besten gefaellt. Der Geruch und die Geraeusche der Restaurationsarbeiten an alten Booten. 

Dann fuhr ich mit beiden Jungs (ich weiss nicht mehr, weshalb Sebbi nicht in der Kita war) und unserem Freund Andrew auf den Spielplatz in Buriton gefahren. Da hatten wir einen besonders schoenen Tag. Bei bestem Wetter spielten viele Leute Tennis, und wir fanden am Rand der Wiese neben dem eigentlichen Spielplatz Baeume mit Äpfeln und sogar reife Pflaumen. Die habe ich mit Otto vom Ast und aus dem hohen Gras gesammelt, in das die Fruechte weich fallen. Ich freue mich immer wie Bolle, wenn ich den Kindern etwas schoenes an der Natur zeigen kann. Und Otto spielte mit Begeisterung Fussball mit Andrew. Ich spielte mit Sebbi Ball. So schön die Jungs über eine Wiese rennen zu sehen.

Eine halbe Woche war Otto aber alleine; wir mussten beide arbeiten. Da hat er den ganzen Arbeitstag vor Bildschirmen gehangen. Gibts nichts zu beschoenigen. Ich wuenschte sowieso, wir hatten Otto nie ein Tablet gegeben. Wir koppeln unsere Mittagspause um Otto etwa zwei Stunden draussen zu geben. Aber wie immer ist der Einsatz aller Kraefte ein Tropfen auf den heissen Stein.

Mittwoch, 3. September 2025

Ottos Schuljahr ging mit einer Lehrerortbildung los, also war wieder ein freier Tag abzudecken. Aufgrund der faelschlich negativen Wettervorhersage bin ich doch nicht aufs Land gefahren. Dafuer kauften wir Tageskarten fuer den Bus und machten Erledigungen. Beim Tierarzt Buddhas uebriges Futter gespendet, in der Margaretenkirche einkaufen. Damit haben wir zu Hause gekocht; ich wollte Ottos Interesse ausnutzen und ihm Grundlegendes beibringen. Aber am Ende dauerte es alle zu lange und weder Fisch noch Moehren waren fertig. Wir fuhren dann naemlich zum Familienschwimmen und waren am Ende zweieinhalb Stunden im Becken. Otto traf einen groesseren Jungen aus seiner Schule, der dort auch schwimmen lernt und ihm ein gutes Beispiel gab. Otto ist mit Begeisterung dabei. Erst ganz kurz vorm Ende wurde ihm langweilig, als wir die letzten in der ganzen Halle waren. Wird ihm gut tun, nachdem er bei seinen Grosseltern eine Woche nur Suesses gegessen hatte.

Zum Abschluss sind wir nochmal Spielhalle gefahren, aber wenigstens wurde es gerade ein richtig schoener Abend am Meer.

Der Sommer ist definitiv vorbei. Endlich kriegt der Garten Regen. Dafuer koennen wir die Waesche da nicht mehr aufhaengen.

Beide Kinder haben eine absolute Obsession mit Alarmanlagen entwickelt. Sebbi sucht jedes Haus danach ab, wenn wir die Strasse runter laufen.

Ich lese viel ueber Linux und mache viele Kreuzwortraetsel. Ausserdem hoere ich alte Krimihoerspiele. Kuerzlich habe ich ein Archiv der Reihe Es Geschah In Berlin entdeckt. Herrlich.


Sonntag, 31. August 2025

Auf der Faehre nach Hayling

Sonntag teilten Ellie und ich uns die Kindern und sahen uns gegenseitig nicht. Otto war bei seinem Freund zum Mittag eingeladen, waehrend ich lieber mit Sebbi an den Strand und dann schlafen ging. Der macht es mir naemlich einfach, und den Mittagsschlaf konnte ich wirklich gebrauchen.

Nach dem Kindertausch haben Otto und ich dann einen alten Plan umgesetzt mit der kleinen Faehre zur Insel Hayling zu fahren. Die hatten wir uns vor kurzem mit Sebbi angeguckt. Die Sonne kam gerade raus; Otto rannte aufgeregt den Ponton Anleger runter. Die Ueberfaehrt dauert natuerlich nur zwei Minuten. Am anderen Ufer ist auch nicht viel zu tun: ohne Fahrrad laeuft man mindestens eine halbe Stunde in die naechste Stadt, und da ist auch nichts los. Wir haben Brombeeren gepflueckt und ein Eis gegessen. Auf der Rueckfahrt spielten drei Radler auf der Faehre Ska und Otto tanzte dazu. Ich huepfte mit ihm auf dem Arm auf dem Boot herum, er lachte; das war ein schoener Moment. Er war besonders gluecklich, als er am Bug stand waehrend die Faehre richtig ueber die Wellen sprang. Ich hoffe, er baut eine gute Assoziation mit Booten auf.

 




 

Samstag, 30. August 2025

Otto in Kent

Die letzte Woche der Sommerferien verbrachte Otto bei seinen englischen Grosseltern in Kent. Genauer gesagt hatten sich Ellies Vater und Frau freiwillig angeboten. Ellie uebergab Otto auf halbem Wege, waehrend ich mit Sebbi das erste Mal englische Eisenbahn zum Kanal von Chichester fuhr.

Die taeglichen Videoanrufe waren nicht besonders verstaendlich, aber wir wissen, dass ihn seine Grosseltern in Spielhallen und zum Baden nahmen. Ausserdem bekam er die ganze Woche ueber Suessigkeiten, was man nach seiner Rueckkehr auch merkte.

Besonders aufregend war, dass seine oertliche Cousine Layla oft mit dabei war und einmal auch bei ihnen uebernachtete. Sie ernteten auch im Schrebergarten, den ich ja persoenlich als sehr schoen kenne, und Ottos ist ja allgemein gerne in Gaerten.

Er sollte auch einmal bei Laylas Familie schlafen, aber daraus wurde nicht, weil Otto alle mit seinem laengst ausgestandenen Magendarmproblem ansteckte. Einer nach dem anderen wurde krank... ich habe da schon etwas schlechtes Gewissen. Die Grosseltern sind alt, und in dem Zustand mit Ottos Energie mitzuhalten... Und Laylas Familie haben wir sicherlich eine ganze Woche ruiniert.

Fuer mich war die Woche ehrlich gesagt super. Die freie Zeit, in der ich abends Otto normalerweise ins Bett bringe, war ein richtiger Luxus. Ich konnte mich richtig entspannen; erst auf dem Sofa liegen, essen, dann aufraeumen. Ich habe sogar ein paar Sachen erledigt, die seit Wochen rumlagen