Samstag, 2. Juni 2018

Paris

Das letzte Maiwochenende ist für mich dank des Geburtstags der Königin immer vier Tage lang und ich hatte es für einen Besuch bei Mathieu in Paris eingeplant. Ellie hatte sich für die Zeit ihre Schwester eingeladen. Sowohl Paris als auch Portsmouth hatten bestes Wetter. Bisher war bis auf einen Tagesausflug vor gut 20 Jahren nicht in Paris gewesen. Ich wusste von vornherein, dass ich nicht genug Zeit hatte, alles zu sehen und das hat die ganze Sache viel entspannter gemacht. Ich habe nichtmal versucht, mir Museen oder Paläste von innen anzusehen. Ist auch ganz gut so, denn Paris ist wunderbar, aber teuer. Mathieu zahlt für seine zwei Zimmer 1.400 Euro.

Gefahren bin ich mit dem Eurostar Zug, durch den Kanaltunnel. Das war viel entspannter als meine gewöhnlichen Flugreisen. Außerdem habe ich gelernt, dass mich Nordfrankreich richt an Brandenburg erinnert. Flach, weit, immer wieder Wälder hinter den Feldern und auch allein gelassene Ecken am Ende von Feldern wo wächst was will. Sogar ein Mohnfeld habe ich gesehen. Einzelne alte Gehöfte aus Backstein an der Straße, alles weiter und zuänglicher als in England. Die Landschaft nicht so sauber in Privatgrundstücke getrennt. Höfe und Siedlungen strahlen nicht den Reichtum englischen Landbesitzes aus.

Wo Mathieu wohnt
Mathie wohnt gerade außerhalb der Verwaltungsgrenze des eigentlichen Paris, etwa eine halbe Stunde mit dem Fahrrad in Zentrum. Dort mietet er eine Zweiraumwohnung. Von der Stadt hat er immer noch eine gespaltene Meinung, aber sein Viertel mag er. Gut angebunden, und vor allem mit ruhig genug und trotzdem mit vielen guten Geschäften und, wichtig, Cafes. Auf das Essen hatte ich mich nämlich besonders gefreut. Gleich nebenan liegt die recht bekannte Burg von Vincennes. Das heißt ich hatte sie nicht gekannt und war ganz überrascht, das direkt in der Stadt so ein Riesenkomplex liegt, wo historisch auch noch einiges los gewesen war. Englische Könige sind dort gestorben, als sie noch halb Frankreich kontrollierten.

Ankunft
Ersten Tag Montmarte und Sacre Coeur. Die überlaufenen Straßen und Hütchenspieler direkt unter Sacre Coeur haben mich erst ziemlich nervös gemacht. Aber als ich den Hügel höher gestiegen bin, habe ich etwas westlich der Kirche einige Straßen gefunden, die ruhig waren und immer noch gute Cafes mit schönem Blick auf die Stadt hatten. Dort habe ich Mathieu getroffen und wir sind essen gegangen.

Die Kanäle
Mathieu hatte das Wochenende frei, aber nicht den Montag. Die ersten zwei Tage konnten wir also gemeinsam umherziehen, aber ich wollte ihn nicht zu den ganzen Hauptattraktionen schleppen, die er alle schon tausend Mal gesehen hatte, auch wenn ich zum ersten Mal richtig in Paris war. Am Samstag haben wir daher eine lange Radtour gemacht. Paris ist überhaupt toll mit dem Fahrrad zu erkunden. Zuerst zwar doch ins Zentrum, auf die Insel Ile de la Cite, aber von dort dann nach Nordosten, die Kanäle entlang, über die Paris früher versorgt wurde. Einfach weil ich Wasserwandern mag, und Mathieu die Gegend noch nicht kannte, und die gerade schön gentrifiziert wird. Wir sind den Kanälen bis in die Gebiete gefolgt, die noch industriell sind und dann nach Hause. Abends haben wir im Viertel Montparnasse einen Freund getroffen und mit ihm in ein Theater zum modernen Zirkus gegangen. Ich wusste seit langem, dass Zirkus in Frankreich noch oder wieder eine große und innovative Sache ist, Stichwort Cirque de Soleil. Wir haben eine kleine Gruppe aus dem Quebec gesehen. Ansonsten fand ich Montparnasse, das zumindest früher als Partyviertel bekannt war, ziemlich verschlafen.

Marais und Quartier Latin
Am Sonntag sind wir zwei Viertel abgelaufen: Marais nördlich der Seine, und das Quartier Latin südlich. Marais hat viele Museen und alte Paläste, ist vor allem zum Gucken da. Das Quartier Latin hat einige bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Universitäten, den Luxemburg Park und das Pantheon. Wir sind an allen vorbei, aber am besten hat mir ob ihrer Architektur eine Kirche direkt hinter dem Pantheon gefallen und ein paar ruhige Straßen mit Cafes, die von dort abgingen. Es war nämlich heiß und Ruhe tat not, aber Paris ist so teuer und Sitzplätze zu der Zeit Mangelware.
Abends haben wir Freunde getroffen. Die leben in England und ich kannte sie daher auch (sie hatten uns ihre Wohnung geliehen, als Ellie und ich vor Jahren über Ostern nach Bristol gefahren waren) - wie sich herausstellte, hatten sie den gleichen Zug wie ich aus London genommen.

Die üblichen Verdächtigen
Montag musste Mathieu arbeiten und ich habe die Hauptattraktionen in Angriff genommen. Mit dem Fahrrad bin ich über die Inseln in der Seine gefahren, entlang Notre Dame wo mich ein Bettler ohne Schuhe die nächsten Stunden deprimierte; durch den Hof des Louvre gelaufen und die Prachtallee lang gefahren (Tuileries Gärten, Obelisk, Champs Elysees, Arc de Triomphe). Die Champs Elysees fand ich am wenigsten interessant, das sind nur Geschäfte. Der Arc de Triomphe am Ende ist interessant - unter den Ortsnamen der berühmten Schlachten fand ich auch Prenzlau. In Prenzlau selbst ist das nur auf einer Infotafel vor dem Bahnhof erwähnt. Von dort bin ich weiter zum Trocedero-Platz mit seiner Aussicht auf den Eiffelturm. Den Turm selbst finde ich schon elegant, wenn man ihn von verschiedenen Punkten der Stadt aus sieht. Die Park drumherum ist nicht so toll und ich bin über den Invalidendom und das Zentrum zurück zu Mathieu. Abends sind wir mit Onkel und Tante bei ihm Essen gegangen und dann haben wir viel zu lange zu Hause Karten gespielt.
Ich hatte noch den Dienstag morgen, an dem ich mit meinem Rollkoffer nicht in die archäologische Ausstellung unter Notre Dame durfte. Dafür habe am anderen Ufer der Seine den ältesten Baum von Paris gesehen (gepflanzt 1601, jetzt auf Betonstützen und zu drei Vierteln tot) und eine kleine Kirche mit einer Gemeinde von arabisch-sprachigen Griechich-Katholiken.


Mein erster Eindruck von Paris, auf dem Weg zu Sacre Coeur

Später bei Mathieu

Reaktion aus Portsmouth

Am ersten Morgen vor Mathieus Wohnung
Erste Ankunft im Zentrum. Links eine der zwei Inseln in der Seine




Der Anfang der Kanäle. Im Hintergrund die Statue auf dem Platz der Bastille

Später unterwegs am Kanal entlang

Ich musste natürlich viel Kaffee trinken

Luxemburg-Gärten




Mittwoch, 23. Mai 2018

Sonne, Meer und Sterne. Und Autos. Und Hasenglöckchen

Auto-mobil
Nachdem der Chor nun in der Sommerpause ist komme ich endlich zu einem langen Nachtrag des Mais. Als ersten: wir haben endlich ein neues Auto, einen Renault Clio. Ursprünglich hatten wir schon ein anderes Auto genommen, aber die Verkäuferin hat sich plötzlich verleugnen lassen. Vermutlich hatte jemand nach uns noch mehr geboten - aber warum man das nicht einfach sagen kann? Ellie hat nur Tage später von einem Kollegen unser jetztiges Auto ausgehandelt, ein besseres Modell für weniger Geld. Wieder einmal hätte ich mich vom ersten Misserfolg nicht so enttäuschen lassen sollen.

Das Auto kam gerade zur richtigen Zeit. Ellies Vater und Frau kamen uns besuchen und haben unseren Garten augeräumt. Ich persönlich hatte kein Problem mit dem Überwuchs, aber Ellie wollte da schon lange Ordnung machen. Das hat uns 15 Säcke Grünschnitt eingebrockt, die wir nur dank dem Auto entsorgen konnen.

Blaupause
Anschließend sind wir in die Hasenglöckchen gefahren. Denn dieses Wochenende war erstens lang und zweitens das beste des ganzen bisherigen Jahres: kurze Hosen und Sonnencreme. Wir sind in einen Wald nahe des Umweltzentrum gefahren, den wir letztes Jahr das erste Mal ausprobiert hatten. Ellie ist da richtig aufgegangen und hat unter der großen Eiche Gymnastik und Tanzschritte unter gemacht. Am Abend sind wir spontan im Hafen essen gefahren, mit Blick auf das Wasser und die untergehende Sonne.
Nicht nur war es bis spät abends warm, sondern auch windstill. Das habe ich ausgenutzt um mein Teleskop zum Strand zu tragen, denn man konnte sowohl Jupiter als auch die Venus sehen. Schon bei ganz leichtem Wind wackelt nämlich das Bild im Teleskop; je höher die Vergrößerung desto mehr. Das war das erste Mal, dass ich Planeten selbst gesehen habe. Jupiter ist wirklich eine Kugel im Raum, mit zwei Streifen. Die Monde habe ich erst ein paar Wochen später bei einer zweiten Beobachtung gesehen. Die Venus hat nicht so ausgeprägte Merkmale, ich habe nur eine gelblich weiße Kugel gesehen.

Zeitlos
An jenem Wochenende bin ich jeden Morgen gleich ans Meer. Der Strand war um 10 Uhr schon voll. Schönwetterdunst lag am Horizont, wo die Sonne das Meer erwärmt. Dahinter kann man noch den blauen Himmel sehen, bevor er den Rest des Tages hinter dem Dunst verschwindet. Bei der Wärme habe ich den ganzen Nachmittag auf momentan allwöchentlichen Tangoprobe verbracht. 30 Mann in einem Raum, mit Kostümen. Was haben wir uns nur dabei gedacht? Am folgenden Mittwoch hatten wir spät abends eine erste Generalprobe im Theater, bei der praktisch gar nichts funktioniert hat. Das hat mir ziemlich zugesetzt, weil ich bei Auftritten den Ehrgeiz habe, zumindest meinen persönlichen Beitrag zu bringen (ob die Gruppe als ganzes durchhält ist mir weniger wichtig). Und parallel zum Chorkonzert in der Folgewoche hatte ich einfach keine Zeit um noch mehr zu üben. In den folgenden Wochen habe ich noch einige Extraproben in freie Halbstunden gequetscht, insbesondere mit meiner Partnerin für eine Soloeinlage. Das hat langfristig etwas geholfen und ich fühle mich etwas besser.

Entdeckungen
Buddha hat es in den Garten geschafft! Nach vielen erfolglosen Versuchen stand er beim Wäscheaufhängen plötzlich draußen. Er ist dann sofort hinter den Schuppen verschwunden, wo ihn niemand erreichen kann. Allein die Erwähnung von Futter hat ihn aber sofort wieder rein gebracht.
Neulich habe ich gelernt: Katzen können schnarchen.

Die Welt noch nicht bereit
Auf der Arbeit hatte ich zum dritten Mal Analysten aus der Kreisverwaltung Dorset zu Gast, die uns von ihren Erfahrungen mit unseren Daten erzählt haben. Dann sagen alle Kollegen was für eine gute Idee das ist, aber niemand sonst kommt auf den Gedanken, mal Nutzer einzulade. Ich habe ein neues Lernformat angestoßen, um Kollegen den Umgang mit Software zur Datenanalyse zu erleichtern. Ich hole sie eine Stunde lang vom Schreibtisch weg in einen Raum, gebe ihnen interessante Daten zum Rumspielen und ich bin für Fragen da. Denn alles Lernen braucht nicht nur Unterricht sondern vor allem Übung, und die wiederum freie Zeit. Wieder eine gute Idee, die gelobt wird aber allein von meiner Initiative abhängt.

Danse macabre
Zum Schluss habe ich den Grand Prix mit Ellie und Freunden gesehen. Anders als in Deutschland ist eine der Hauptattraktionen hier drüben der seit vielen Jahren für seinen sarkastischen Kommentar bekannte  Moderator Graham Norton. Sonst gibts für die Briten da ja auch wenig Freude.

Als nächstes fahre ich zu Mathieu nach Paris.




In den Hasenglöckchen.


Spaß auf Holz


Am gleichen Tag abends im Restaurant. Ellie lässt sich nicht gern fotografieren, aber das hier hat sie gleich ins Internet gestellt.
Sieht zwar nicht so aus, ist aber der Jupiter. Zu meiner Überraschung reichte es, die Handykamera kurz vor das Okular zu halten. Darum sind unten noch die Lichter der Strandpromenade zu sehen. Das gibt zwar nicht das eigentliche Aussehen wieder, aber zumindest ist das ganz klar nicht der Mond, sondern eine Kugel am Himmel.
Vor der Tangoprobe habe ich noch gelacht, denn ich hatte meinen Zylinder mitgebracht. Wozu ist man schonmal in einem alten Theater.


Ende Mai kam auch noch Ellies Mutter und brachte chinesische Kleidung mit. Die hatten mexikanische Studenten an der Uni, wo sie putzt, gekauft und bei der Rückreise dagelassen. Wie sich rausstellte, steht mir rosa besser als Ellie.

Sonntag, 20. Mai 2018

Ganz Britisch

Bei einem Gespräch mit Opa war mir am Tag vor der königlichen Hochzeit klargeworden, dass ich doch Lust hatte das anzugucken. Also sind Ellie und ich an dem Tag zur Übertragung in einen nahe gelegenen Pub, der zur Feier gratis Kuchenbrötchen und Pralinen anbot. Trotzdem waren wenig Leute unter den Flaggengirlanden: erst zum anschließenden Fußball kamen mehr. Ellie hat Prosecco getrunken, ich nur Kaffee - denn ich musste nachmittags Chorprobe und abends zum Konzert der verschiedenen Universitätsmusikgruppen. Wir sangen John Rutters Gloria, was meine Meinung über britische Komponisten etwas verbessert hat. Ellie ist weiterhin nicht im Chor, war aber im Publikum, wo ich mich ihr nach der Pause anschloss und die Konzertband hörte.

Zurück zu Hause habe ich nochmal Jupiter beobachtet und diesmal noch drei Monde ausgemacht.

Der Chor geht jetzt in die Sommerpause und ich habe die Mittwochabende frei. Damit habe ich hoffentlich mehr freie Zeit, denn die letzten Monate waren zunehmend anstrengend durch die Doppelbelastung von Chor- und Tangoproben. Die Tangoshows gehen am 15. Juni los.

Die Hochzeitsübertragung im Pub

Vielleicht werde ich jetzt doch nicht abgeschoben 



Nach dem Konzert

Donnerstag, 17. Mai 2018

Amateurwissenschaftler der Welt

Montag bis Mittwoch dieser Woche war das jährliche Wissenschaftsfestival Pint of Science, dass ich vor zwei Jahren entdeckt hatte. Jeden Abend finden in verschiedenen Kneipen Vorträge von freiwilligen Dozenten statt, meist von der Uni. Ich dränge seit damals darauf, dass auch mein Amt das machen sollte, aber noch ist nichts geschehen.
Montag haben die Geologen angefangen und gezeigt, wie Indien den Himalaya aufschiebt. Und Erdwürmer sind schuld, dass Dinge unter der Erde verschwinden und von Archäologen wieder ausgebuddelt werden müssen. Interessanterweise sinkt alles nur bis auf eine bestimmte Tiefe ab, unter der die Würmer nicht mehr graben.
Dienstag waren die Verhaltensforscher dran und Ellie ist auch mitgekommen. Wir haben gelernt, dass Menschenaffen bis zu 5.000 Handzeichen und ca 1.700 menschliche Worte verstehen, selbst aber nur jemals 4 gesagt haben. Und Menschen können ab 3 Jahren lügen, aber es gibt keine einheitliche Gestik oder sonstige Symptome, die das verraten.
Mittwoch waren es Wildfeuer in der Erdgeschichte (als die Athmosphäre 30% Sauerstoff hatte, brannte es sehr viel häufiger), und ein Geophysiker hat Bilder von verschiedenen Boden-Radaruntersuchungen im Dienst der Archäologie gezeigt. Ich habe fleißig Fragen gestellt und kriege von ihm hoffentlich einen Datensatz zum Rumspielen.

Friedemann hat zur gleichen Zeit in München erfahren, dass ein 15km langer Asteroid bei Einschlag in Australien alle Gebäude Münchens ins Weltall schleudern könnte.
Die Astronomen der Uni Portsmouth machen bei Pint of Science nicht mit; sie organisieren eigenständige Kneipenvorträge durchs ganze Jahre. Dafür habe ich letztens mit Daten der Raumsonde "Gaia" gespielt. Die misst die Positionen von 1,6 Milliarden Sternen und hat mich seit langem begeistert. Ende April hatte die Europäische Weltraumagentur einen neuen Datensatz veröffentlicht. Auch wenn ich die meisten Variablen nicht verstehe, habe ich einige graphisch dargestellt.

Orbit der Sonde - vermutlich um die Sonne? Quelle: ESA

Lichtquellen im Sonnensystem aus der Sicht Gaias. Ich vermute, dass das eigentlich die Scheibe der Milchstraße ist und die Schwingung durch Gaias eigene Rotation entsteht. Quelle: ESA

Freitag, 27. April 2018

Ans Licht gebracht

Das Wochenende nach Papas Besuch war das bisher schönste dieses Jahr und ich habe einen lang gehegten Plan umgesetzt: wir sind einmal früh aufgestanden und ich bin in den Hafen geradelt um mich mit einem Kaffee in die Sonne zu setzen und die Schiffe ein- und auslaufen zusehen. Außerdem habe ich frischen Rochen gekauft, aber der ist nichts geworden.
Anschließend sind Ellie und ich mit dem Zug bis kurz vor Winchester gefahren und den Fluss Itchen entlang in die Stadt gelaufen. Diese Strecke bin ich schonmal mit Kalina gegangen und man kommt am Heiligkreuzspital vorbei, das seit 1204 alte Menschen aufnimmt. Es blühte noch nicht so ganz wie erhofft, aber es war warm genug um vor der Heimfahrt vor der Kathedrale im Zentrum zu picknicken.

Abends ist Ellie zu einer Bauchtanzaufführung gegangen und ich bin per Zug und Fahrrad nochmal aufs Land zum Sternegucken. Die Hubertuskapelle hatte die nah gelegene Sternwarte eingeladen, ihre Teleskope rüberzuschaffen. Leider war der Abend stark verregnet und ich wurde sowohl auf Hin- und Rückweg sehr nass. Sterne konnte man so natürlich auch nicht sehen, dafür gab es Vorträge in der Kirche. Die war proppenvoll, unter anderem mit vielen Kindern, die nun eben nicht nach oben gucken konnten und mit der Zeit dementsprechend gelangweilt wurden. Aber: es gab heiße Schokolade! Es wurde über den Mond gesprochen, anschließend wurde anhand von zwei Lampen vor der Orgel Spektroskopie demonstriert und am Ende konnte man noch Meteorfragmente angucken. Das habe ich ausgiebig getan, denn ich hatte Zeit zu füllen bis zum nächsten Zug. Als die Autos alle weg waren, habe ich darum draußen noch die Dunkelheit genießen können. Kriegt man ja sonst nicht hier, schon gar nicht in der Stadt. Zum Beispiel verstand ich, wie Natur früher auf die Menschen gewirkt haben muss, weil über Portsmouth die Blitze zuckten und für Sekundenbruchteile ganze Landschaften zeigten, die sonst nicht zu sehen waren. So sah ich bei der Abfahrt von der Straße auch noch, dass über dem Eingang zur Kapelle ein beleuchtetes Kreuz hängt. Die Kapelle selbst sah man aber aus 200 Metern schon gar nicht mehr. Und so schien das Kreuz dort in der Dunkelheit in der Luft zu schweben. Ich selbst musste mich dann zum Bahnhof kämpfen. Nicht nur war es dunkel, auch wusch mir der plötzlich wiederkehrende Regen die Sonnencreme in die Augen, die ich tagsüber noch gebraucht hatte. So war ich zur Dunkelheit noch praktisch blind. Und Sterne habe ich auch nicht gesehen. Aber das Erlebnis war es wert.


Morgens am Hafen
Nachmittags im Garten des Heiligkreuzspitals.

Unsere Versuche, Buddha das erste Mal in seinem Leben außer Haus zu lassen, haben bisher bis hierhin und keine Tatze weiter geführt

Dienstag, 24. April 2018

Papas Besuch

Mitte April besuchte uns Papa ein langes Wochenende über seinen Geburtstag. Nach Kalina war er der zweite Gast, und der erste aus der Familie, der unser Gästebette benutzte. Buddha hat sich daran gewöhnt. Das Wohnzimmer war gerade fertig gestrichen. Außer eben nicht fertig gestrichen. Er erwischte das erste trockene Wochenende des Jahres - richtig gut wurde es aber leider erst am Tag seiner Abreise.
Zusammen sind wir zum Fußball in Southampton. Meiner Erinnerung  nach war ich das letzte Mal 2007 in Polen bei einem Spiel, und das letzte Mal in England 2005 bei Newcastle. Damals wie diesmal spielte man gegen London Chelsea. Southampton spielt in der ersten Liga, noch zumindest, denn wir haben gesehen, warum sie auf Abstiegsplatz sitzen: sie haben ein 2:0 noch 2:3 verloren. Mit viel Glück hatten wir noch zwei Karten an der Tageskasse bekommen. Wir saßen direkt neben dem Gästeblock und haben viele Gesänge und einige schmutzige Gesten gesehen. Beobachtungen:
in England gibt es keine Zäune zwischen den Blöcken, und das obwohl die Fanblocks direkt nebeneinander liegen. Die Athmosphäre war sehr gut, im Stadium wie auch in der Umgebung, obwohl es in einem Industriegebiet. Viele Familien, kaum Krawall, wir fühlten uns sogar in einer Kneipe wohl, die sonst ziemlich runtergekommen gewirkt hätte.
Sonntag sind wir zu dritt zum Haus Stansted wandern gegangen, wo Papa noch nicht gewesen war und ich war dieses Jahr ohne Auto noch kaum in die Natur gekommen. Leider ist das ganze ziemlich ins Wasser gefallen. Dafür haben wir im Hofladen gut eingekauft und ich habe gelernt, dass Taxis zum Bahnhof auch dort draußen billig sind.
Ich hatte mir auch Montan und Dienstag freigenommen und wir sind auf Papas Wunsch zu zweit zum Katastrophentourismus nach Salisbury gefahren. Natürlich sind wir in die Kathedrale gegangen aber zuerst hat Papa viele Fotos von Restaurants und Parks gemacht, wo die Russen ihre alten Spione und zufällige Passanten vergiften. Unser Essen haben wir aber überlebt.
Nur waren wir nach dem dritten Ausflug in Folge völlig fertig. Am letzten Tag sind Papa und ich einfach nur mit dem Bus zum Aussichtspunkt auf dem Hügel über Portsmouth gefahren. Das war insgesamt die angenehmste Aktion und ich werde mir merken, in Zukunft nicht mehr soviel mit meinen Gästen zu machen. Ich war ewig nicht mehr Bus gefahren und werde auch daran denken, dass die hier richtig schnell und billig sein können. Das war auch Papas Geburtstag und wir haben ihn abends zum Essen in eine unserer Lieblingskneipen eingeladen.

Kathedrale von Chichester. Ich mochte den Kreuzgang immer am meisten.

Geburtstagsessen 
Aussichtspunkt über Portsmouth



Donnerstag, 12. April 2018

1. April - York

Ich hasse Heimwerken. Dauert ewig, klappt meistens nicht, deprimierend langweilig. Im Garten umgraben ist zumindest an der frischen Luft, aber den ganzen Tag drinne hocken - genau darum würde ich mir selbst nie ein Haus besorgen. Und genau das ist natürlich passiert. Wir haben ein ganzes Wochenende das Wohnzimmer neu gestrichen und waren immer noch nicht fertig, dann habe ich weitere wertvolle Abende hinterhergeschmissen und die alte Farbe scheint immer noch durch, dann haben wir erstmal aufgegeben und dann nimmt das Abklebeband die halbe Farbe wieder ab. Also brauchen wir vielleicht einen Maler? Aber dafür müssen wir erstmal ansparen - und das ist dank des Hauskredits schwierig. Einmal mehr hab ichs ja gleich gesagt. Persönlich habe ich schon immer gedacht, dass Heimwerker Menschen ohne Leben und Persönlichkeit sind.

Deswegen jedenfalls habe ich lange nicht über den derzeitigen Höhepunkt des Jahren geschrieben: unsere Reise nach York, Ende März, über Ostern. Für mich war das der erste Besuch seit 2013. Damals war ich mit Kalina und ihren Schwester da, etwa zwei Jahre nach dem Ende meines Studiums dort. Seit meinem ersten Besuch 2005 war das allerdings schon der vierte Besuch, ohne das Studium mitzurechnen. Als Unterkunft hatten wir uns ein Ferienhaus gemietet, etwas zehn Minuten vom Zentrum, in einem Viertel, was mir noch unbekannt war. Gefahren sind wir per Leihauto. Siebenheinhalb Stunden hin. Sechs Stunden zurück. Wir wollten die Mobilität, einen Tag in die Umgebung zu fahren, besonders zur Abtei Fountains. Bisher hatte noch jedes Mal die Sonner geschienen und die Osterglocken entlang der Stadtmauer geblüht. Aber daraus wurde nichts, es regnete praktisch durch, besonders am letzten Tag, der für den Ausflug vorgesehen war.

Der erste Tag war ganz dem Münster gewidmet. Die Ausgrabungsausstellung im Unterkunft hatte sich stark veränder. Abends haben wir noch eine alte Schulfreundin von Ellie getroffen und waren mit deren Bekannten tanzen. Zur Erinnerung, im Studium hatte ich am Ende so die Schnauze vom Nachtleben voll, dass ich mich am Wochenende vom Zentrum ferngehalten habe. Ich war damals richtig froh, wieder aus dem Land zu kommen und hatte am Anfang in Portsmouth starke Vorurteile, die sich über die Jahre etwas abgeschwächt haben. Wie es scheint, ist in York alles beim alten: an diesem Abend waren all diese Freunde besoffen und sogar Ellie sind die halbnackten Mädchen auf den Straßen aufgefallen.

Am Ostersonntag sind wir zur Ostermesse, zum dritten Mal inzwischen. Damals bin ich ja jeden Sonntag zum Münster gegangen und ich finde den Erzbischof und den Psalm 150 des Chors immer noch Spitze. Danach haben wir nochmal Ellies Freundin in einem Cafe getroffen, dass ich damals wegen seiner Lage an der Stadtmauer sehr gemocht hatte. Die haben uns Geschichten vom Vorabend erzählt, wie man sie sich von Enddreißigern nicht vorstellt. Nachmittags waren wir im Wikingermuseum, in einem polnischen Restaurant, was damals noch ein neuer Lebensmittelladen war, und sind die Stadtmauern abgelaufen. Montag hatten wir eigentlich in die Umgebung gewollt, stattdessen haben wir Zuflucht in jedem noch übrigen Museum gesucht. Das waren nur noch das römische Bad unter einem Pub, ein mittelalterliches Stadthaus und am Ende viele Geschäfte. Letztendlich haben wir aufgegeben und uns in Kneipe gesetzt, die mir noch in guten Erinnerung war. Und das war dann auch ganz schön. Zwischendurch haben wir viel und gut gegessen und Cafes frequentiert. Auf jeden Fall besser als Heimwerken.