Donnerstag, 12. April 2018

1. April - York

Ich hasse Heimwerken. Dauert ewig, klappt meistens nicht, deprimierend langweilig. Im Garten umgraben ist zumindest an der frischen Luft, aber den ganzen Tag drinne hocken - genau darum würde ich mir selbst nie ein Haus besorgen. Und genau das ist natürlich passiert. Wir haben ein ganzes Wochenende das Wohnzimmer neu gestrichen und waren immer noch nicht fertig, dann habe ich weitere wertvolle Abende hinterhergeschmissen und die alte Farbe scheint immer noch durch, dann haben wir erstmal aufgegeben und dann nimmt das Abklebeband die halbe Farbe wieder ab. Also brauchen wir vielleicht einen Maler? Aber dafür müssen wir erstmal ansparen - und das ist dank des Hauskredits schwierig. Einmal mehr hab ichs ja gleich gesagt. Persönlich habe ich schon immer gedacht, dass Heimwerker Menschen ohne Leben und Persönlichkeit sind.

Deswegen jedenfalls habe ich lange nicht über den derzeitigen Höhepunkt des Jahren geschrieben: unsere Reise nach York, Ende März, über Ostern. Für mich war das der erste Besuch seit 2013. Damals war ich mit Kalina und ihren Schwester da, etwa zwei Jahre nach dem Ende meines Studiums dort. Seit meinem ersten Besuch 2005 war das allerdings schon der vierte Besuch, ohne das Studium mitzurechnen. Als Unterkunft hatten wir uns ein Ferienhaus gemietet, etwas zehn Minuten vom Zentrum, in einem Viertel, was mir noch unbekannt war. Gefahren sind wir per Leihauto. Siebenheinhalb Stunden hin. Sechs Stunden zurück. Wir wollten die Mobilität, einen Tag in die Umgebung zu fahren, besonders zur Abtei Fountains. Bisher hatte noch jedes Mal die Sonner geschienen und die Osterglocken entlang der Stadtmauer geblüht. Aber daraus wurde nichts, es regnete praktisch durch, besonders am letzten Tag, der für den Ausflug vorgesehen war.

Der erste Tag war ganz dem Münster gewidmet. Die Ausgrabungsausstellung im Unterkunft hatte sich stark veränder. Abends haben wir noch eine alte Schulfreundin von Ellie getroffen und waren mit deren Bekannten tanzen. Zur Erinnerung, im Studium hatte ich am Ende so die Schnauze vom Nachtleben voll, dass ich mich am Wochenende vom Zentrum ferngehalten habe. Ich war damals richtig froh, wieder aus dem Land zu kommen und hatte am Anfang in Portsmouth starke Vorurteile, die sich über die Jahre etwas abgeschwächt haben. Wie es scheint, ist in York alles beim alten: an diesem Abend waren all diese Freunde besoffen und sogar Ellie sind die halbnackten Mädchen auf den Straßen aufgefallen.

Am Ostersonntag sind wir zur Ostermesse, zum dritten Mal inzwischen. Damals bin ich ja jeden Sonntag zum Münster gegangen und ich finde den Erzbischof und den Psalm 150 des Chors immer noch Spitze. Danach haben wir nochmal Ellies Freundin in einem Cafe getroffen, dass ich damals wegen seiner Lage an der Stadtmauer sehr gemocht hatte. Die haben uns Geschichten vom Vorabend erzählt, wie man sie sich von Enddreißigern nicht vorstellt. Nachmittags waren wir im Wikingermuseum, in einem polnischen Restaurant, was damals noch ein neuer Lebensmittelladen war, und sind die Stadtmauern abgelaufen. Montag hatten wir eigentlich in die Umgebung gewollt, stattdessen haben wir Zuflucht in jedem noch übrigen Museum gesucht. Das waren nur noch das römische Bad unter einem Pub, ein mittelalterliches Stadthaus und am Ende viele Geschäfte. Letztendlich haben wir aufgegeben und uns in Kneipe gesetzt, die mir noch in guten Erinnerung war. Und das war dann auch ganz schön. Zwischendurch haben wir viel und gut gegessen und Cafes frequentiert. Auf jeden Fall besser als Heimwerken.


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