Dienstag, 11. Juli 2017

7.7. - Geburtstag

Mein Geburtstag war ein richtig schöner Tag, ohne das ich etwas besonderes machen musste. Morgens musste ich früher aufwachen, um Ellies Geschenke auszupacken. Darauf besteht sie. Also ging der Tag so los:

  • 1 Flasche polnischer Haselnusslikör - Lidl ist nach halbjärhlichem Umbau wieder auf!
  • 1 Buch "Deutschland - Gedächtnis eines Volkes". Begleitbuch zur Ausstellung gleichen Namens, die wir 2015 im Britischen Museum London besucht hatten. Geschrieben von Neil MacGregor, damaliger Direktor, inzwischen Humboldt Forum Berlin
  • 1 Wochenende in St. Malo, Frankreich! Mit der Fähre von Portsmouth. Eine Nacht auf dem Schiff, ein Tag und eine Nacht im Ort, Rückfahrt am Sonntag. 29. September - 1. Oktober
Das war also schonmal gut. Insbesondere die Reise beschert mir seither jeden Tag Vorfreude. Nach der Arbeit dann hatte ich auf einmal eine richtig gute Gesangsstunde - was genau passierte, weiß ich nicht, aber plötzlich konnte ich singen. Und nächste Woche bringe ich CPE Bach's "Märkische Helene" mit. Im Anschluss öffneten wir zu Hause zwei Pakete, die inzwischen größtenteils verzehrt sind. Dann machten Ellie und ich Picknick am Meer - das war die einzige besondere Sache, um die ich gebeten hatte. Und ich ging danach zum Tango, wo es diesmal keinen Unterricht sondern nur freies Tanzen gab. Nicht wegen mir, aber passend.

Sonntag, 9. Juli 2017

1.7. - Picknickzeit

Zum Glück hatten mich die vier Reisen im Mai und Juni nicht so erschöpft wie gedacht, denn eigentlich ging es drei Tage später noch einmal los, nämlich nach Canterbury zum Geburtstag von Ellies Schwester Amber. Die auf dem Feld wohnt. Einen Abend sind wir ins Theater gegangen und haben Jane Eyre gesehen, einen der wichtigsten Romane von Charlotte Bronte. Zum Geburtstag selbst wurde gegrillt und die Eltern haben uns auch noch besucht. Amber wurde zwar am Ende krank, aber wir haben noch ein paar schöne Stunden auf den Felder, am Fluss und im Park gehabt. Und allen waren sich einig: die beste Musik wurde in den 90ern gemacht.

Das folgende Wochenende war das erste, was wir wieder gemeinsam in Portsmouth verbrachten. Das war mal schön, nicht unterwegs zu sein. Höhepunkt war ein Konzert in der Hubertuskapelle. Seit einem Jahr hat die einen Freundeskreis (Motto: Das Kirchlein in den Feldern - wer denkt da nicht umso mehr an Alt Placht) und der hat ein Ensemble aus London eingeladen. Vorher gab es Picknick bei der Kapelle, an einem dafür bestens geeigneten Abend, und dann französischen Barock, der Ellie und mir sehr gefallen hat. Den Sonntag haben wir einfach am Strand verbracht, denn es herrschen Sommer, Sandalen und kurze Hosen. Außerdem ist das gesetzliche Hausgutachten erstellt und da nichts außergewöhnliches beanstandet wurde der Kredit genehmigt.

Picknick in Canterbury.
Picknick bei St. Hubertus.

21. Juni - Falscher Mohn ist noch schöner

Ab 21. Juni bin ich zurück in England. Und erst Anfang Juli komme ich zum Nachtragen! Unter anderem sind da nachstehend einige fotografische Eindrücke aus Rostock, Frankfurt und der Uckermark. Parallel habe ich mir aus Rostock eine Reihe großformatiger Fotos mitgenommen, die mich an zu Hause erinnern sollen, sobald ich in unserem Haus Dinge an die Wand hängen darf. Ein Bild des Rostocker Stadthafens zur Hansesail hängt bereits auf der Arbeit.

Zwischen den Seen und Feldern der Uckermark sind mir einige weitere Dinge bewusst geworden, die es in England nicht gibt:
1. Störche
2. ein Wort für Freibad (gibt ja kaum Binnengewässer, und wenn sind die privat)
3. Bohnenkraut

Bei uns so normal, dass ich gar nicht weiß, warum mir das nicht früher aufgefallen ist.

Nach vielen Mühen habe ich Gullivers Reisen ausgelesen, samt Kommentar und Glossar. Als nächstes steht Christopher Clarks Buch "Preussen" auf dem Programm. Das habe ich zum 22. Geburtstag in Wernigerode bekommen, aber erst viele Jahre später angefangen, nachdem Das Erbe Roms mein Interesse an weniger spektakulären Aspekten von Geschichte geweckt hatte. Die letzten Jahre habe ich auf Besuchen in Deutschland die erste Hälfte geschafft. Jetzt will ich mir das englische Original aus der Bibliothek holen um den Rest zu schaffen.


Mohn und Kornblumen und dahinter die Türme Rostock. Ein Blick von Sildemow.


Ein Mohnfeld bei Schwedt. 2017 war wohl besonders gut für Mohnblumen - Brandenburg und Mecklenburg waren voll davon.






Bei der Gelegenheit habe ich ein Bildbearbeitungsprogramm ausprobiert, an dem Friedemann in seiner ersten Arbeit lange gearbeitet hatte. Vorher...


...und nachher.


Einer der markanten Blicke seit meiner Kindheit: aus dem Frankfurter Kinderzimmer auf die Oderwiesen.

Aquatogermane

Einen Tag nach meinem 25. Geburtstag bin ich Kajak fahren gegangen. Das hatte eigentlich nichts mit dem Geburtstag zu tun, sondern war der beste Termin für die Gruppe, die sich angeschlossen hatte. Das waren drei Mann aus Ellies Freundeskreis, die auch auf der Hochzeit in Italien gewesen waren. Meine Vorliebe für Boote rührt immer noch von der Kajaktour auf dem Bug 2006, also vor knapp drei Jahren. Seither bin ich zwar ab und zu Kajak gefahren, aber in England bisher nur zweimal, und das auf dem Meer. Einen Fluss finde ich da interessanter, weil der allmähliche Wechsel der Landschaft und das besser zu beobachtende Tierleben einer Wanderung vergleichbar ist. Nun gibt es hier kaum Binnengewässer, und auf den zwei Flüssen waren mir bisher kein Bootsverleih bekannt. Dann habe ich ganz zufällig auf einem Spaziergang mit Kalina einen Ort entdeckt, und den haben wir jetzt ausprobiert.
Der Fluss Hamble liegt zwischen Portsmouth und Southampton, auf dem Weg passiert man auch meine Arbeit, und Euch ist er vielleicht von der rosa Fähre bekannt. Wir vier sind den Fluss hochgefahren, also in die andere Richtung. Ich war ganz überrascht, wieviel Freizeitverkehr unterwegs war. Der untere Abschnitt ist Liegeplatz für tausende teure Yachten. Oberhalb eine Brücke können dann nur kleine Boote durch, insbesondere Kajaks. Da die Gezeiten noch starken Einfluss haben, sind wir umgekehrt, nachdem wir in einem Seitenarm fast auf dem Trockenen steckengeblieben sind. Auf dem Rückweg haben wir dann gelernt, welche Rolle die Strömung spielt, denn wir sind viel schneller als gedacht vorangegkommen. Wir waren auch ordentlich fertig, Klamotten nass, Haut und Haare salzig. Wie ein richtiger Deutscher. Eigentlich wollte ich nach der Rückfahrt noch Schwimmen gehen, aber erstmal bin ich ins Bett gefallen.




Nach getanem Werk.


Sonntag, 4. Juni 2017

Meer, Kanal, Bach

Nach dem Regenwochenende in der Jurte kamen natürlich sofort einige frühsommerliche Abende. Der Strand hat  geradezu gerufen, nach der Arbeit zu kommen. Kein Wind und keine Wolken. Darum habe das regelmäßige Schwimmen früher als geplant angefangen. Irgendwie kann ich immer noch nicht glauben, dass ich einer der Leute bin, die Wochenabende  am Meer verbringen. Mit Gruppen von Familien und Freunden, Kinder im Wasser, alle fröhlich und entspannt, alles von Ruderern vorn bis zu Schiffen weiter draußen. Dazwischen folgt ein Möwenschwarm dem Fischerboot.

Die Arbeitswoche war ruhig, weil viele Kollegen nach dem Königlichen Geburtstag Brückentage nahmen. Am Wochenende haben Ellie und ich eine Bootsfahrt gemacht. Im Frühjahr hatte ich auf einer Radtour den Kanal von Chichester entdeckt, samt einem Verein, der Ruderboote verleiht und auch Fahrten auf den typischen, schmalen englischen Kanalschiffen anbietet, die früher der Industrie und heute als oft als Hausboote dienen. Mir war seinerzeit das Vogelleben aufgefallen, und diesmal kamen wir gerade rechtzeitig zur Entenkükensaison.

Gleichzeitig geht das Semester zu Ende, wodurch mein studentischer Pianist Liam bis September nach Hause fährt. Das heißt erstmal kein Schubert am Freitag mehr. Wir haben dieses Jahr richtig gute Fortschritte gemacht - seit ich Zeit zum Üben finde haben wir fast die Hälfte der Winterreise gelernt. Und das ist ein richtig gutes Gefühl, nicht nur eine ganze Stunde Zeit zum Singen zu haben sondern auch jede Woche etwas neues zu können. Bei der Gelegenheit hatte ich ja auch etwas mit dem Weihnachtsoratorium rumgespielt und mehr geschafft als gedacht. Nachdem ich ursprünglich nur die Choräle angegangen war, habe ich inzwischen die Arie Großer Herr oh starker König gelernt.

Auf dem Kanal. Die Dunkelheit liegt am Fotoapparat - das Wetter war akzeptabel.


Dienstag, 30. Mai 2017

Wer kleidet sich gut bei Nacht und Wind?

Mai und Juni ist viel los. Ich bin viermal auf Reisen. Zwei davon, Spanien und Deutschland, sind jetzt vollbracht.
Einige gute Momente aus Deutschland:

  • im Liegestuhl an der Spree
  • Die Zugfahrt durch die Weiten von Uckermark und Mecklenburg
  • Die Großeltern bei meinem Vortrag in Rostock und die netten Reaktionen darauf.
  • Die freundlichen Mitarbeiter im Max Planck Institut.
  • Akademische Eitelkeiten
  • Im Liegestuhl in der Institutsbibliothek an der Warnow
  • Die Rapsfelder, Boote und Vögel an der Niexer Brücke
  • Der  wunderbare Botanische Garten Rostock
  • Sonnenglut am Stadthafen
  • Reformationsausstellung in Frankfurt
  • Nach Rückkehr am 21. Mai Anbaden!

Noch in Spanien hatten wir praktisch nebenbei erfahren, dass unser Kaufangebot für ein Haus in Southsea angenommen wurde. In den Wochen in England beschäftige ich mich daher viel mit Verträgen, Versicherungen, dem Rechtsanwalt und dem Hypothekenkredit. Allein der Antrag darauf hat zwei Stunden am Telefon gedauert. Und ich bestehe darauf, alles Kleingedruckte zu lesen. Interessanterweise kriegt man das oft erst nach Kauf vorgelegt.
Man muss also aufpassen, noch ein Leben zu haben. Glücklicherweise hatten wir Ende Mai dank königlichem Geburtstag ein langes Wochenende, leider das feuchteste des ganzen Monats, nachdem die gesamte Arbeitswoche lang der Sommer da war. Am Samstag bin ich mit Kalina den Fluss Hamble entlanggelaufen. Das ist einer von nur zwei Flüssen in der Umgebung, voll mit hunderten von Yachten, der in der Vergangenheit erwähnten rosa Fähre und in meinem Wanderführer erwähnt. Ein Ufer hat tatsächlich gut ausgebaute Wege und dank der Segler eine Menge Gastronomie. Außerdem habe ich einen Kajakverleih entdeckt.
Die nächsten zwei Tage und Nächte haben Ellie und ich wie letztes Jahr in unserer Jurte im Umweltzentrum verbracht. Ich hatte extra mein Teleskop mitgebracht, aber das Wetter hat es nicht erlaubt. Der erste Abend war noch glorreich und wir konnten lange im Freien sitzen. Der zweite war dann schon ein Nebelmärchen, als ich nachts noch einmal vor die Jurte in die Stille zwischen den verzauberten Bäumen trat.
Man brauchte also überdachte Ausflugsziele. Daher haben wir Jane Austens letztes Wohnhaus im Dorf Chawton besucht. Haus wie Dorf sehen aus wie aus dem Film, Strohdächer und Rosen. Der Garten wir schön, die Katze missmutig, wir konnten mit Kostümen spielen und das Haus selbst vermittelt mit vielen Originalstücken und sehr freundlichen Freiwilligen wirklich ein gutes Gefühl der damaligen Lebensumgebung. Außerdem ist im Ort noch das viel größere Herrenhaus ihres Bruders, heute Sitz einer Bibliothek früher Schriftstellerinnen. Das war eigentlich noch interessanter, weil man viele vergessene Biographien erfuhr. Die Forschungsbibliothek steht jedem offen; ich hoffe, dass Ellie ihrem Wunsch folgt und sich einen Termin macht.
Viel wandern konnten wir nicht, haben aber auf dem Rückweg noch den Anfang eines Wanderweges durch das Flusstal des Meon ausprobiert. Das Mittelstück und das andere Ende hatte ich in den Vormonaten probiert. Außerdem habe ich Ellie das Dorf Buriton und ein Stück des Elizabeth-Landschaftsparks gezeigt, das ich vor einigen Monaten erkundet hatte. Und ganz zum Schluss haben wir noch an der Hubertuskapelle Halt gemacht.


Mit Kalina am Fluss Hamble.

Auf der rosa Fähre.
In Jane Austens Kleiderkammer. Die besten Fotos verschwimmen immer.



Donnerstag, 11. Mai 2017

Granada

Ich war in Spanien. In Granada. Mit Ellie, Schwester und Friedemann. Das zweite Mal nach 2006. Ich habe nichts wiedererkannt.

Meine besten Momente

  • Autofahrt mit dem Leihauto, inklusive Parken und Tanken. Wie ein Erwachsener.
  • Der Blick vom Balkon auf die Sierra Nevada
  • Der Blick vom Generalife der Alhambra!
  • Spaziergang durch Albayzin
  • Bar in einer Höhle in Sacromonte
  • Der Garten hinter der Fakultät für Arabische Kunst
  • Flamenco mit Juan und Maria


Ellies bester Moment
Sangria in Sacromonte

Buddha's Hauptinteresses an unserer Reise



Unser Viertel vom Balkon unserer Wohnung. Die Sierra Nevada gab am ersten Morgen ihre Schneegipfel frei.

Unser erster Blick von der Alhambra ins Land




Einige der wenigen Lektionen von 2006, die hängengeblieben waren: der Islam stellt sich das Paradies als Garten mit Wasser vor.





Granada von oben mit der Kathedrale im Zentrum



In der Woche nach Granada habe ich nach 15 Jahren Besitz den Bartrimmer meines Rasierers verstanden.

Die Alhambra vom Folgetag vom gegenüberliegenden Hügel aus gesehen.
Die wenigsten wissen: wirklich deutsch wird man nur im Ausland.





Den letzten Tag waren wir am Meer bei Salobrena. Das Wasser war eiskalt.