Mittwoch, 4. November 2026

Dieses Jahr hat mir Halloween das erste Mal Spaß gemacht. Die Kinder waren den ganzen Tag über nervig gewesen und ihre Kostümierung purer Stress. Aber die Stimmung auf den Straßen war wirklich angenehm. Ich hatte mich spontan selbst mit Zylinder, Gehstock und Mantel verkleidet und viele Erwachsene machten das auch. Ich schätze den heutigen Code, nur an geschmückten Häusern zu Klopfen - den Leuten macht es offenbar richtig Spaß, Süßigkeiten zu verteilen. Auf einigen Straßen gibt es davon besonders viele und das erzeugt eine richtige Athmosphäre, wenn man langsam lang schlendert (weil die Kinder an jedem Haus anhalten).

Zwei seiner Herbstferientag ging Otto zum Wassersportzentrum. Er fuhr Segelboot, eine Art riesiges Paddleboard und er lernte einen Freund kennen. Weil der lange Haare hat, sprach er von ihm immer als "sie". Ich wünschte, ich hätte alle Zeit und alles Geld der Welt, um beiden Kindern jeden Tag solche Erlebnisse zu ermöglichen.

Vorher hatte mir zum ersten Mal von unserer polnischen Bekannten Malwina die Haare schneiden lassen. Wir unterhielten uns sehr angenehm, auf Polnisch - irgendwas verbindet einen doch immer mit anderen Leuten aus der postsozialistischen Welt.

Am Sonntag fuhren wir alle zum Haus Stansted und genossen den Herbst im Arboretum. Ellie und die Kinder genießen außerdem die lärmende Weihnachtsauslage der Gartenbaumärkte hier. Ich genieße es dagegen vor allem, wenn es mal etwas kühler wird und man kurz ein Gefühl von Herbst hat.

Am Mittwoch danach tat ich etwas aus meinem alten Leben: Ellie hatte mir Karten für die Einstandsvorlesung zweiter neuer Kosmologie Professuren an der Uni besorgt. Da fuhr ich abends hin und es war sehr interessant und deprimierend wie clever viele Leute sind.

Otto

schießt momentan zu sehr auf Sebbi ein. Der kann kaum etwas sagen oder zeigen ohne das Otto ihm klarmacht, dass das zu klein oder langsam oder schlecht ist. Ich weise Otto immer wieder zurecht, aber es bringt nicht viel, und es setzt mir nervlich zu. 

Johannes

ich habe angefangen, richtig Docker zu lernen und es macht mir Spaß. Ich habe außerdem zwei winzige Hausreparaturen geschafft und fühle mich jetzt wie ein Hausmeister. Ähnlich lerne ich wirklich etwas von den Elektrokästen und mit den Kindern staune ich, was man aus kaputtem Elektrospielzeug noch machen kann. Schließlich habe ich einen weiteren Kasten bestellt, mit dem man wohl einfache Maschinen bauen kann.

Ein diffuser Gedanke treibt mich seit langem um. Mir scheint, ich lebe immer mehr in meinen Erinnerungen, von Orten und Zeiten, die mich bereichern sollten und die ich irgendwann mit Leuten teilen wollte. Aber inzwischen scheint mir, diese Orte und Zeiten sind so lange her, dass sie nur noch für mich real sind. Und mit der Zeit lebe ich immer mehr in diesen vergangenen Welten. Vermutlich ist das normal wenn man älter wird.