Otto
In meiner Woche mit Otto, nach meiner Woche in Rostock, probierte er zuerst den Ferienklub im Wassersportzentrum am Ostufer der Stadt aus. Ich war sehr, sehr neugierig, was sie dort machen. Schließlich waren Friedemann und ich dort 2015 das erste Mal in England Kajak gefahren. Otto kam auch begeistert zurück; sie waren klettern, Bogen schießen und vor allem Kajak fahren. Letzteres gefiel ihm besonders und er redete viel darüber, wie man richtig paddelt. Und: er passt optisch einfach fantastisch ans Meer. Das Haar flattert im Wind und die Haut ist gebräunt. Wir haben ihm noch einen Tag in der nächsten Woche gebucht.
Donnerstag
fuhren wir morgens das erste Mal zu dritt zur Kita geradelt, Sebbi, Otto und ich. Wir üben das Fahren im Konvoi, das Halten an den Straßen und die Entscheidung, ob man sie überqueren kann.
Dann fuhren Otto und ich quer durch die Stadt. Otto nimmt begeistert an einem Sommerwettbewerb teil, bei dem man Figuren von Löwen finden muss. Es führte tatsächlich dazu, dass ich Teile der Stadt sehe, die ich sonst nie besucht hätte. Wir fingen an der Müllkippe an und grasten ganz Cosham ab, was sich nördlich am Festland anschließt und das man sonst nur durchfährt.
Vor allem aber probierten wir endlich das Freibad in Hilsea aus. Eine Institution im Nordosten der Stadt, war es nach langem Leerstand im Mai wieder eröffnet worden und ich wollte immer hin. Otto und ich hatten eine ganz tolle Zeit; wir übten einiges aus dem Schwimmunterricht, und er schwamm mit großer Sicherheit mehrmals über die ganze tiefe Stelle im Zentrum des Beckens. Schließlich besuchten wir noch ein Cafe in den Befestigungslinien am Nordrand der Stadt, das seit dem letzten Besuch sehr expandiert ist.
Freitag
habe ich Sebbi zu Hause behalten. Einerseits sind die Ferien die einzige Zeit, wo Otto mal seine Eltern für sich hat. Andererseits tut es mir immer leid, wenn ich Sebbi abgebe und dann nur seinem Bruder tolle Orte zeige. Wir fuhren nach Butser und fanden reife Haselnüsse. Ich sah außerdem wieder einmal, wie sensibel Otto unter seiner äußeren Erscheinung ist: einmal fand ich ihn in Rotz und Tränen, als er dachte, er hätte mich verloren. Dabei wusste er eigentlich, wo ich bin, nur nicht, wie er da hinkommt.
Wir aßen im Umweltzentrum Mittag und fanden ganz unerwartet richtig gute Pflaumenbäume. Der Tag zeigte wieder, dass einfaches ausreicht: ein Ort zum Rumrennen und ein Ort zum Essen füllen einen Tag.
Samstag
fuhren wir zu viert zur Burg Portchester; die Jungs spielten sehr schön zusammen. Nachmittags musste Ellie weg und ich entschloss mich, mit den Jungs ins Freibad zu fahren Freibad. Es war ein typisches Dilemma: ich wollte es auch Sebbi zeigen, solange es noch warm genug ist. Aber der wirkte bereits früh müde. Außerdem war Otto etwas enttäuscht, dass ich ihn nicht so unterstützen konnte wie zwei Tage vorher. Ich lernte, dass Sebbi auch schnell kalt wird, und ich zog ihm bald wieder ein Tshirt an und trug ihm im Wasser. Zu meiner Erleichterung kollabierte er nicht vor Müdigkeit, und Otto fand seine gute Seite, sodass wir ein richtig schönes Picknick aus dem Gras machten. Die Brüder spielten und tanzten zu der lauten Musik dort. Otto war sehr lieb und Sebbi schien es gut zu gehen. Darum fuhr ich mit ihnen auch noch zum Cafe in den Hilsea Linien, und sie spielten sehr schön unter den hohen Bäumen. Wir gingen spät ins Bett. Am Sonntag brauchten sie aber wirklich Erholung. So endete meine letzte Ferienwoche mit Otto.
Sebbi
hat einen glänzenden Jahresbericht der Kita bekommen. Würde ich gerne übersetzen, aber die Zeit fehlt. Und das Personal kommuniziert immer wieder, wie sehr sie ihn mögen.
spricht relativ viel deutsch. Letztens stellte er fest: "Ich bin Ottos Bruder."
ist relativ emotionaler als bisher
Johannes
ich habe endlich erfolgreich Marmelade geschafft. Otto ist begeistert; wir werden es wiederholen.
Ich habe auch endlich unser Kajak inspiziert, dessen Ruder im letzten Sommer plötzlich schief saß. Es lässt sich wohl weder reparieren noch recyceln. Darum behalte ich es wohl lieber und fahre mit Linksdrall. Zumindest hatten die Kinder ihren Spaß, als das Boot zwei Tage aufgepumpt im Garten lag. Otto zeigte Sebbi sofort, wie man korrekt rudert, wie er es beim Wassersportzentrum gelernt hatte.
Der beginnende Herbst tut mir geistig sehr gut. Trotzdem ist meine Ruhe sehr brüchig. Auch Otto macht mir immer wieder Gedanken. Lobt man Sebbi (und das muss man, oft) muss man immer auch Otto loben, sonst versteht er das als Zurücksetzung. Sebbi hat von ihm das Konzept von "besser / schlechter als Du" gelernt, und jetzt ist alles ein Wettbewerb. In letzter Zeit denkt Otto, oder gibt es vor, dass wir ihn weniger mögen als Sebbi, oder dass er kein gutes Kind sei. Man spricht das an wo man kann, aber das Schwanken zwischen den Extremen gibt mir keinen Frieden.
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