Sonntag, 13. Juni 2021

Normales Leben

Drei Tage musste ich arbeiten, dann hatte ich wieder (fast) eine Woche frei. Einen Tag bin ich in ein neues Waldstück etwas nördlich von hier gefahren. Hat mir nicht so gefallen... irgendwie fühle ich mich im momentan schnell klaustrophobisch im Wald. Ich will weite Blicke. Vielleicht noch eine Reaktion auf ein Jahr in dem wir lange Zeit kaum aus dem Haus gekommen waren. Nichtsdestotrotz habe ich mir auf der Heimfahrt gedacht: wie normal ist das Leben wieder geworden, wenn ich einfach mal raus fahren kann wenn ich Lust habe.


Dementsprechend bin ich tags darauf noch einmal ein Stück des South Downs Weg gelaufen (genau gesagt vom Umweltzentrum zum Hügel Butser), den ich dieses Jahr bereits mehrmals gelaufen war, weil ich die Blicke und die Abwechslung so mag.  Der Frühling ist vorüber, die Blüte vorbei, der Sommer ist da. Die Sonne schien, die Lerchen sangen; ich hielt immer wieder an um in mein Naturbestimmungsbuch zu schauen. Es interessiert mich letztens immer mehr zu wissen, was ich um mich sehe. Ich war viel wandern die letzten Wochen und es ist gut sich Zeit lassen zu können, weil man eben mehr hat als nur ein paar Stunden.


Am letzten Tag meines Urlaubs bin ich, nachdem Otto bei der Tagesmutti abgeliefert worden war, zum Kanal in Chichester gefahren. Den Tag bin ich absichtlich langsam angegangen, mit Kaffee davor und danach. Ich war zu faul mein Kajak mitzubringen und habe mir stattdessen für zwei Stunden ein Ruderboot ausgeliehen mit dem ich langsam den Kanal hoch und wieder runtergefahren bin. Rudern macht mir richtig Spaß; eine sehr angenehme Bewegung. Ich habe es sehr genossen zu fahren und zu halten wie es mir beliebte, der Natur zuzugucken und -zuhören. Die Enten im Schilf, die Küken in ihren Nestern, die Vögel in den Bäumen darüber, den Wind im Gras. Noch ist Otto leider zu klein. Ich kann gar nicht abwarten ihn das erleben zu lassen. Nebenbei habe ich auch noch eine Hose für die Hochzeit gefunden, quasi in letzter Minute.


Zwei Tage darauf sind wir mit zwei weiteren Müttern und drei Kindern an den Strand gegangen. Otto schmeißt momentan sehr gerne Steine ins Wasser. Beim derzeitigen Wetter stelle ich mich dazu mit ihm auf dem Arm ins Wasser, wo er es nicht verfehlen kann. Ich hatte endlich Zeit zum Anbaden, zum ersten Mal seit dem letzten September, und zum zweiten Mal seit 2019. Und ich habe mir wieder gedacht, so fühlt sich normales Leben an.


Otto-Neuigkeiten:

  • Otto hat ein neues Wort gelernt: "nee nee nee". Das sage ich immer zu ihm, wenn er etwas Verbotenes macht. Meistens, wenn er irgendwelchen Müll auf dem Spielplatz aufhebt. Erst hatte er es wiederholt, inzwischen sagt er es schon im Voraus, wenn er vermutet, dass er etwas verbotenes tut. Er hat ja auch gelernt, dass unartig sein Spaß macht. Dementsprechend bedeutet Nee Nee Nee inzwischen einfach soviel wie "Plastikmüll auf der Erde"
  • Otto hat Ellies extrabreite Füße geerbt. Praktisch so breit wie lang. Wir waren letzens in einem Schuhgeschäft, die ihn vermaßen und dann tatsächlich weder im Lager, noch in der gesamten Kette auch nur ein passendes Paar fanden. Otto hat genau ein Paar Schuhe, keine Sandalen, und wird bald aus ihnen rauswachsen. 
  • Otto schläft momentan so gut, dass wir endlich wieder alle in einem Zimmer schlafen. Meistens schläft er die ganze Nacht durch. Dann braucht er eine Viertelstunde um wirklich wach zu werden, während wir alle kuscheln und es ist ganz wunderbar.
  • Seine Backenzähne machen weiter Probleme 
  • Er kann auf immer mehr Sachen raufsteigen. Auf dem Spielplatz klettert er von unten auf die Rutsche und steigt dann weiter hoch soweit er kann, ohne jegliches Risikobewusstsein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen